Ausgabe 
18.1.1933 Erstes Blatt
 
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Aus -er Provinzialhauptstadt

Der Konflikt im Kernen Osten

die Arbeitsuchenden nach den ein« ungsarten auf, so erhalten wir fol-

Gliedert man

16 919 100,0 100,0

Arbeitsuchende

ersichtlich, daß ein An-

von Gareis in

Mittwoch:

Seinen Unterstützungsarten gendes Bild:

1701: Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg nimmt als Friedrich I. die Königswürde an.1871: Wilhelm I., König von Preußen, wird Deutscher Kaiser. 1923: Der Jurist Karl t...

Tageskalender für Stadttheater, 20 bis 22 Uhr,Stöpsel". Licht­spielhaus, Bahnhofstr.:Der träumende Mund";

Hauptunterstützungsempfänger in Alu.

Hauptunterstützungsempfänger in Kru.

Wohlfahrtsunterstützungsempfän­

ger

Notstandsorbeiter Arbeitsdienstwillige Nichtunterstützte

22.45 Uhr:Frankenstein".

Oie Arbeitsmarktlage in Oberheffen.

Bach dem Bericht des Arbeitsamtes Gießen hat sich die Arbeitsmarltlage in Ober- hessenindenMonatenBovemberund Dezember 1 932 wie folgt entwickelt:

Die Arbeitsmarktlage in Oberhes- s e n hat in den beiden Derichtsmonaten durch die kon.uickturellen Einflüsse ein« Verschlechte­rung erfahren. Durch die stärkere Inanspruch­nahme der Notstandsarbeiten ist die Zahl der Arbeitslosen hinter der des Vorjahres zurückgeblieben, so daß man hier von einer gewissen Entlastung des allgemeinen Arbeitsmark­tes sprechen kann. 2m Monat Dezember stan­den dem Arbeitsmarkt 16 919 Arbeitsu­chende, gegenüber 15 525 des Vormonats und 15 bc9 des Vorjahres zur Verfügung. Arbeitslos waren 14124 Personen, gegenüber 12 878 des Vormonats und 15 543 des Vorjahres. Aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung wurden 2359 Personen unterstützt gegenüber 1805 des Vormo­nats und 6018 des Vorjahres. Krisenfürsorge er­hielten 2775 Personen gegenüber 2457 des Vor­monats und 4943 des Vorjahres. An anerkannte Mvhlfahrtsempfänger zählten wir 3279 gegenüber 3181 des Vormonats und 1547 des Vorjahres. In Arbeit konnten wir im Berichtszeitraum 776 Personen vermitteln, gegenüber 1171 des Vor­monats und 1930 des Vorjahres. Durch ihren früheren Arbeitgeber wurden 103 Personen na­mentlich angefordert, gegenüber 72 des Vormo­nats und 119 deS Doriahres. Der Zugang an Arbeitsuchenden betrug für den Monat Dezember 4101, gegenüber 3862 im November und 5365 im Dezember v. 2. 2126 Arbeitsgesuche erledigten sich im Dezember 1932 ohne die Mit­wirkungen des Arbeitsamts. 2m November waren es 2377 und im Dezember des Vorjahres 1126. Kurzarbeiterunterstützung erhielten 387 Per­sonen.

Ich weiß es nicht!-

Von maßgebender Stelle ist vor kurzem gesagt worden, daß man bei der Erziehung des Heran­wachsenden Geschlechtes nicht ausschließlich das Gewicht auf das Wissen legen sollte. Das war ein gutes Wort; denn es gab eine Zeit (unö gibt es vielleicht noch?), da konnte man sich nicht ge­nug tun in sogenanntenBerechtigungen ! Da mußte man für den einfachsten Postenmin­destens" Primareife welch schönes Wort! oder gar das Maturum haben.

Aber der Kaufmannsstand, Handwerk und Ge­werbe, sie haben die Unsinnigkeit dieser For­derung längst eingesehen und nehmen als Lehr­ling auch ganz gerne einen Volksschüler mit klarem Blick für das Praktische.

Auch in unsern Schulen ist das Ziel, nur das Wissen zu bereichern und große Gedächtnisstoffe anzuhäufen, längst aufgegcben worden. Eine gute körperliche Ausbildung durch Turnen, Wandern, Schwimmen usw. erhalten heute alle unsere Kin­der aus jeder Anstalt. Man hat eingesehen, daß man bei der sortschreitenden Entwicklung auf allen Wissensgebieten gar nicht alles beherrschen kann. Man kam bald zur Fachwissenschaft lind es ist immer noch besser, man weih in seinem Teilgebiet genau Bescheid als von allem nur ein wenig. \ ,

lind die Allgemeinbildung7 Das ist ein sehr umstrittenes Wort. Man fühlt sich auch gar nicht in der Lage, hier Erläuterungen zu geben, was das nun ist, diese Allgemeinbildung. Wir glauben nur ganz bescheiden bemerken zu müssen, daß mancher schlichte Mann aus dem Volk, der biel­leicht die einfachsten chemischen Formeln nicht kennt, mehr Herzens bildung besitzt, als irgend einer, der das Lexikon von A bis Z beherrscht.

Diese Leute kennen u. a. auch nicht den Sah: Ich weiß es nicht!" Sie glauben, sich etwas zu vergeben, wenn sie auf eine Frage einmal derart antworten müßten. Statt die Wahrheit einzu­gestehen, machen sie viele Worte, um eben ihre Unwissenheit zu verbergen. Cs ist doch keine Schande, wenn wir einem Fragenden ehrlich sa­gen: Ich weiß das nicht! Wie oft wird auch ver­sucht, den Kindern auf diese Art etwas vorzu­machen. Alle, die Kinder haben, wissen, mit wel­cher Gier sie nach allem Möglichen und lln- möglichen fragen. Da heißt es: Gedickd! Aber alle Fragen können wir durchaus nicht beant- Worten. Deshalb soll man auch in diesen Fällen aufrichtig sagen: 2ch weih es nicht. Die kleinen Kinder, gewohnt, in ihrem Vater die Unfehlbar­keit selber zu sehen, werden wohl zuerst erstaunt sein, tr i sie diese Antwort Horen. Aber sie werden ch bald daran gewöhnen, daß auch die Väter nicht allwissend sind.

besser! Wir hatten in Naturgeschichte einen alten Herrn, der uns auf den Spaziergängen die Pflan­zen bestimmen half. Wir g'aubten an ihn wie an einen Gott, denn für jede Biume, für jede Ab­art hatte er schnell einen Namen. Aber nach­träglich stellten wir sest, daß gar vieles nicht stimmte. Da war natürlich der Glaube an seine Autorität zum Teufel. Hätte der Lehrer gesagt: Diese Pflanze kenne ich nicht, wir hätten es ihm doch sicher nicht übel genommen. Liber er glaubte, sich damit eine Blöße zu geben, wenn er ein­mal eingestand: Ich weiß es nicht!

Seien wir ehrlich, und sagen wir die Wahr­heit! Schon bei den kleinsten Sachen können wir uns irren. Machen wir schnell einmal die Probe. Wir alle haben doch Geographie in der Schule getrieben. Wie oft sind wir in unferm Vaterland herumgereist. Wir kennen es doch in- und aus­wendig! Gut! Also fragen wir einmal: Ich steige in Kiel in einen Zug, um nach Hamburg zu fahren. In welcher Himmelsrichtung fährt dann der Zug? Du und alle, die ich fragte, antwor­teten: Nach Südwesten! Das ist falsch. Der Zug fährt genau nach Süden! Bitte im Atlas nach­prüfen! Ich fahre mit dem Flugzeug von Ham­burg nach London, bitte die Himmelsrichtung!

Wir werden staunen, wie wenig wir eigentlich wissen. Deshalb lieber die aufrichtige, aber wahre Antwort:Ich weiß es nicht!" F. G.

Taten für Mittwoch, 18 Januar.

papens Forderungen zur Korrektur von Weimar.

Halle, 17. Jan. (CNB) Reichskanzler a. D. von P a p e n hielt heute die Festrede auf der Reichsgründungsfeier des Stahlhelms. Er führte u. a. aus: Der Kampf für die Wiedererlangung i unserer äußeren Freiheit sei untrennbar verbunden mit dem Kampf um die Korrektur des N o t - baues von Weimar. Marxismus und Bol- , schewismus drohten nicht nur Deutschland zu zer­stören. Die vermeintlichen Kräfte der Demokratie könnten die Lage nicht meistern. Deutschlands Kampf um seine Gleichberechtigung sei nur zu führen durch eine Zusammenfassung der nationalen | Kräfte zu einer Staatsführung im Sinne eines neuen staatsbildenden Prinzips. Er glaube, daß die Zeit überreif sei für eine grund­sätzliche Reform d e s kapitalistischen Systems. Die klassenkämpferischen Fronten des Unternehmertums und der Gewerkschaften müßten verschwinden. Der neue Staat könne nur mit d e m deutschen Arbeiter aufgebaut werden. Das Bekenntnis des Reichskanzlers v. Schleicher zuderallgemeinenWehrpflicht werde ihm ganz Deutschland von Herzen danken. Der Redner schloß mit dem Ruf:Zum Kampf mit Hindenburg für ein neues Deutsches Reich."

Asta Wahlen in Braunschweig.

Braunschweig, 17. Jan. (CNB.) An der hiesigen TechnischenHochschule fanden heute die Wahlen zum Allgemeinen Deutschen Studenten­ausschuß statt, nachdem der Asta im Dezember 1932 im Zusammenhang mit dem Konflikt an der Tech­nischen Hochschule in Braunschweig auf Beschluß der Studentenschaft aufgelöst worden war. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Liste 1 (Hoch­schulring der Braunschweiger Studentenschaft) 324 Stimmen, 9 Sitze, Liste 2 (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) 250 Stimmen, 7 Sitze, Liste 3 (Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Studen­tenschaft) 129 Stimmen, 3 Sitze, Lifte 4 (Sozia­listische Studentengruppe) 44 Stimmen 1 Sitz.

Bei der vorjährigen Astawahl am 15. Februar 1932 hatten erhalten: Kampfgruppe völkischer Kor- porationen und Freistudenten 353 Stimmen und 9 Sitze, Sozialistische Studentengruppe 89 Stimmen und 2 Sitze.

Aus aller Welt.

Das Reichsehrenmal.

Das Preisrichterkollegium der Stiftung Reichsehrenmal tritt nunmehr zu der ent- fch^idenden Beratung, über die Entwürfe für das Reichsehrenmal zusammen. Sämtliche an dem en­geren Wettbewerb beteiligten 20 Künstler haben Qusgearbcitete Entwürfe eingesandt. Den Vorsitz im Preisgericht führt Ministerialdirigent Dr. D o e h l e. Die Beratungen des Preisgerichtes werden durch eine Reise nach Bad Berka unter­brochen werden, um an Ort und Stelle die etwa erforderlichen Feststellungen zu treffen. S^ie Stif­tung ist in ihrer Entschließung an den Vorschlag Les Preisrichterkollegiums nicht gebunden, doch be­steht die Absicht, diesem Vorschlag tunlichst zu entsprechen.

Selbstmord eines Dozenten verursacht schwere Gasexplosion.

In Spandau erfolgte in der letzten Nacht in der Wohnung des Dozenten Dr. Werner Schulte eine Gasexplosion, durch die eine 15 Zenti­meter starke Wand völlig eingedrückt wurde. Der 35jährige Dozent wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo er nach kurzer Zeit starb. Dr. Schulte hatte in selbstmörderischer Ab­sicht die Gashähne geöffnet. Bereits im vorigen Jahre hat der Dozent mehrfach Selbstmordabsichten geäußert. Die Feuerwehr konnte nur unter eigener Gefahr den Schwerverletzten bergen, ein Teil der Einrichtung war bereits in Brand geraten. Dr. Robert Werner Schulte war Leiter des Psycholo­gischen Institutes der Preußischen Hochschule für Leibesübungen und einer der Pioniere und Metho- tiker der Psycho-Technik. Seine Forschungen wurden von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft unterstützt. Er war Verfasser zahlreicher Bücher und Mitarbeiter an einer Reihe von wissenschaftlichen Filmen.

Sechs Scheunen durch Grohfeuer vernichtet.

In Iakobshagen (Kreis Saßnitz) entstand in einer Scheune ein Brand, der sich mit großer Schnelligkeit auf die angrenzenden Scheunen aus- dreitete. Trotzdem sich mehrere Wehren aus der

Umgebung an der Eindämmung des Feuers be­teiligten, sind doch insgesamt sechs Scheunen, die mit Futtervorräten und landwirtschaftlichen Maschinen angefüllt waren, bis auf die Grundmauern zerstört worden. Als Ent- stehungsursache dieser Feuersbrunst wird Brand­stiftung vermutet.

Degen Unterschlagung von 31 000 R2H. Spargeldern verhaftet.

Außerordentliches Aufsehen erregt in Herrei­sen im Landkreise Weimar die Verhaftung des Oberlehrers Walter Michael, der a.s Rechner der Raiffeisenbank etwa 31 0 0 0 M k. Spargelder unterschlagen hat. Der Oberlehrer, der das Rechneramt seit zwei Iah- ren nicht mehr inne hat, brachte es fertig, vom Konto eines Apoldaer Fabrikanten durch falsche Belege rund 30 000 Mark abzuheben. Das Konto war nach diesen Abhebungen feit 1930 erloschen, so daß bei Revisionen kein Verdacht geschöpft wurde. Als nun der Kontoinhaber von der Dank die Gut­schrift der Zinsen für 1932 verlangte, wurde der Schwindel aufgedeckt.

Aufklärung eines Förstermordes.

Der Ermittlungstätigkeit der Kriminalpolizei in Suhl (Thür.), der Landjägern und der Forst- beamten ist es nunmehr gelungen, den Mord an dem Staatsförster Daeke, der am 14. Novem­ber v. 2. verübt wurde, aufzuklären. Als Tater wurden ein 61 Iahre alter Drechsler, dessen Sohn und ein Kistenmacher ermittelt. Unter dem Druck des Belastungsmaterials haben die Täter, die sich in Haft befinden, Geständnisse aogelegt. Die Bearbeitung des Mordfalles hat auch eme große Anzahl von Wildfreveleien geklärt. Zahlreiche Wilddiebe konnten ermittelt und zur Anzeige gebracht werden. In der Mehrzahl der Fälle gelang es auch, die Hersteller der verböte- nen Waffen zu ermitteln.

Aus 70 Meter höhe in die Maas gesprungen.

Großes Aufsehen erregte in Rotterdam ein 19jähriger junger Mann, F. B l a s b l o m , durch einen Sprung von der Spitze des ungefähr 70 Meter hohen Turmes der über den Kon.ngshaven führenden Cismbahnbrücke. Blas- blom wollte feststellen, von welcher Höhe ein in Not befindlicher Mensch springen könne, ohne daß dies ernstliche Folgen für ihn habe. Zum Schrecken einer großen Menschenmenge kletterte er auf den Turm der Brücke und sprang in voller Bekleidung in die Neue Maas. Während des Sprunges schlug er mehrere prachtvolle Sal­tos. Nach mehreren Sekunden tauchte er wieder aus den Fluten auf und schwamm mit raschen Stößen auf ein Motorboot zu, das ihn ans Ufer brachte.

England wird energisch?

Genf, 17. Ian. (TU.) Der englische Außen­minister Simon hatte am Dienstag eingehende Verhandlungen mit den Vertretern 2apans und Chinas über die weitere Behandlung des Mandschureistreites. In leitenden eng­lischen Kreisen zeigt man jetzt eine auffallend energische Haltung.

Der Neunzehner-Ausschuß soll nach englischer Ausfassung im Falle einer Ablehnung der japanischen Vorschläge zunächst die außer- ordentliche V ö l k e r b u n d s v e r s a m m- lung einberufen und dieser die Annahme der praktischen Vorschläge des Lytton-Berichtes emp­fehlen, in denen bekanntlich die Oberhoheit Chinas in der Mandschurei aner­kannt und eine internationalere rto al* tung und Kontrolle der Mandschurei vor- geschlagen wurde. Man ist sich in den leitenden englischen Kreisen im klaren, daß ein solches Vor­gehen des Völkerbundes zum A u s t r i 11 2 a - pans aus dem Völkerbund führen konnte^

Der englische Außenminister kehrt am Mittwoch nach London zurück, um an der ersten englischen Kabincttss.tzung nach Weihnachten teilzunehmen 2n dieser Kabinettssihung am Donnerstag soll eine grundsätzliche 6 t e 11 u n g n a b m e derenglischenRegierungzum lapamsch- chinesischen Streit herbeigeführt werden.

Oie Philippiner-Vorlage.

Das Beto Hoovers auch vom Senat überstimmt.

Washington, 17. Ian. (TU.) Ter Senat nahm am Dienstag mit Zweidrittelmehr­heit die Philippinenvorlage an, wo- durch das von Hoover bereits im 2ll> ge o r d - netenhaus ohne Erfolg eingelegte Veto endgültig überstimmt worden ist.

ganzes. ,

Der Raffkapitalismus beginne da, wo die private Verantwortlichkeit aufhöre. Dividende feien dann die Hauptsache, Rücksicht auf Arbeiterschaft und Unter­nehmen werde nicht mehr genommen. Das werte­schaffende Volk fei brotlos geworden, die Not sei beispiellos gestiegen, internationale Wirtschaftsfüh­rung habe die deutsche Wirtschaft ruiniert. Die NSDAP, wolle keine hundertprozentige Autarkie, folange aber dem deutschen Bauern die Aepfel am Baume verfaulen, müsse man auf das Ausland ver­zichten lernen.

In der Folge beschäftigte sich der Vortragende mit der Haltung der einzelnen Parteien im poli­tischen Leben der letzten Jahre, und übte Kritik an DNVP-, SPD. und Zentrum. Der Staat sei revo­lutionsbedürftig, weil die Regierung den Belangen des Volkes mit verfassungsmäßigen Mitteln nicht mehr gewachsen sei. Revolution mühten sich in den Dienst der Erhaltung der Freiheit der Nation stel­len, wenn sie Berechtigung haben wollten. Die NSDAP, sei und bleibe legal bis zur Uebernahme der Staatsmacht. Man wolle den neuen Staat nicht durch Brachialgewalt schaffen, sondern durch geistige Revolution. Der neue Staat solle Jahrhunderte überdauern. Er müsse sich stützen auf die Ideen des Nationalen und des Sozialen. Die NSDAP. trage seit 14 Jahren Leid um die Nation. Sie sei beru­fen, den Staat organisch auszubauen. Es komme der Tag, da es um die Frage gehe, was an die Stelle des gegenwärtigen Systems zu setzen fei. Man müsse fragen, ob man einen deutschen Sow­jetstaat, oder den Staat der Nationalsozialisten wolle.

Nachdem der Redner eingehend die Verhältnisse im gegenwärtigen Rußland geschildert hatte, be­tonte er, die NSDAP, wove, daß der deutsche Landwirt wieder Herr auf eigener Scholle sei. Es werde Schluß gemacht mit dem Parteiwesen, an dessen Stelle die deutschen Stände treten müßten. Die Regierung dürfe sich nicht auf eine kleine Son­derschicht stützen; die Leitung des Reiches werde vom Führer aus den Ständen berufen, man wolle eine Diktatur des wertefchaffenden Volkes. So lege man das Fundament des wahren Volksstaates. Die NSDAP, sei auf dem Vormarsch.

Die Versammlung dankte dem Redner mit leb­haftem Beifall. Zur Aussprache hatte sich ein Kom­munist gemeldet, der kurz aus seiner Anschauung über Rußland erzählte. Im Schlußwort trat der Referent dem Diskussionsredner entgegen und wies seine Ausführungen zum großen Teil als unrichtig zurück. e

Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. Januar 1933 verstorben in unserer Stadt: 2. Adelheid Strack, geb. Henkelmann, 72 Iahre, Frankfurter Straße 13; Marie Pfeif­fer, geb. Schneider, Wwe., 84 Iahre, Neuen Bäue 2; 3. Paul Hornberger, Rechtsanwalt, 53 Iahre, Seltersweg 75; 4. Wilhelm Horst, Heizer, 44 Iahre, Kaiserallee 121; Luise Nicolaus, geb. Ctling, Wwe., 86 Iahre, Marktlauben- strahe 6; 6. Heinrich Barth, Cisenbahnvorschlosser i.R., 63 Iahre, Gutfleischstrahe 2; 7. Anna Selma Rahn, geb. Dennhardt, Wwe., 80 Iahre, Sel­tersweg 70; Marie Hoos, geb. Baist, Wwe., 67 Iahre, Alicenstrahe 26; 12. Marie Weigand, geb. Wehn, Wwe., 92 Iahre. Alicenstrahe 33.

München gest.

Bornotizen.

Ehinesischer Gegenstoß.

London, 17. Ian. (TU.) Aus Cha rb in wird berichtet: 30000 Mann chinesischer Truppen rücken auf Tungliao (nordwest­lich von Mulden) vor. Sie beabsichtigen, Muk- den anzugreisen. Man sieht in der Man­dschurei der Entwicklung der Lage mit großer Besorgnis entgegen.

AmerikasAHeiligkeitderVertM

Neuyork, 17. Jan. (WTB.) Reuter. In einer Erklärung, die der zukünftige Präsident Roosevelt heute herausgab, wird festgestellt, daß zwischen dem gegenwärtigen und dem zukünf­tigen Präsidenten vollkommene Einigkeit darüber herrsche, daß der geheiligte Charak­ter der Verträge aufrechterhalten wer­den müsse.

w3cbe Feststellung über auswärtige Fragen, welcher Art sie auch sei, muh natürlich vom Staalssekretariat ausgehen", sagt Roosevelt, ich bin infolgedessen vollständig bereit, mit aller Deutlichkeit zu sagen, daß die auswärtige Politik Amerikas den geheiligten Charakter der Verträge wahren muh. Das ist der Grundstein, auf dem alle Beziehungen zwischen den Böl­tern ruhen müssen."

Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß diese Erklärung, die Franklin Roosevelt zur Ver­öffentlichung in der Presse niedergeschrieben hat, hier zugleich eine vollkommene Einmütig­keit zwischen den republikanischen und den demo­kratischen Parteiführern über die Politik im Fer - n en Osten bedeutet.

Trotzdem bemerkt der Korrespondent derNeu­york Times" in Washington, nichts deute darauf hin, daß die Vereinigten Staaten andere Pläne hät­ten als eben einfach den, die Unabhängigkeit des Mandschureistaats nicht anzuer­kennen.

stützten anstieg.

Nationalsozialistische Dersammlnnq.

Im überfüllten Saale des Caf6 Leib fand vorgestern abend eine nationalsozialistische Versammlung statt. Redner war der frühere Kommunist und jetzige Nationalsozialist Felix Neumann, der über das ThemaSowjetrußland, die Frucht des Marxis­mus" sprach. Der Redner gab zunächst einen Heber- blick über seine eigene politische Vergangenheit, schilderte seine politische Tätigkeit vor 1914 und nach 1918, widmete sich dabei besonders der Darlegung der Verhältnisse in der Kommunistischen Partei Deutschlands und klärte Zusammenhänge zwischen dem deutschen Kommunismus und dem Kommunis­mus in USSR. auf. Eingehend schilderte er einige besondere Korruptionsfälle innerhalb der Kommu­nistischen Partei. Durch seine Tätigkeit sei er (Red­ner) in Konflikt mit dem Republikschutzgesetz ge- raten. Im Gefängnis habe er Gelegenheit gehabt, sich eingehend mit Fragen der Geschichte aller Vol­ker zu beschäftigen. Er habe erkennen müssen, daß Völker, die den Boden des Idealismus verlassen und dem Materialismus huldigen, dem Untergang entgegengeführt würden. Die NSDAP, allein fei die Partei, die das deutsche Volk in die Zukunft führen könne. Der Sonntag habe in Lippe einen beispiel­losen Wahlsieg gebracht. Man habe erneut erkannt, daß der Internationalismus nicht das Heil bringe. Man habe ferner erkennen müssen, daß nur das Nationale und das Soziale in die Zukunft weife. Es gehe nicht um den Tageskampf. Die Entschei- düng falle zwischen drei Kräften, zwischen Kapitalrs- - mus, Kommunismus (Staatskapitalismus) und NSDAP. Die NSDAP, wolle dem deutschen Volke seine neue kulturelle Form geben. Man wisse, daß der Kapitalismus der Todfeind des werteschaffenden Volkes fei. Es fei aber zu unterscheiden zwischen schaffenden und raffe-dem Kapital. Das raffende Kapital habe in der Zeit von 1918 bis heute das deutsche Volksvermögen aufgezehrt. Die Arbeitskraft dürfe in Zukunft nicht mehr nur Ware fein, son­dern müsse als Urproduktionsmittel mehr Achtung genießen. Die NSDAP, wolle ein national denken­des, auf sozialer Grundlage basierendes Volks-

0er Handwerkskammer- Llnterfuchungsausschuß. Die letzten Zeugenvernehmungen.

WSN. Darmstadt, 17. Ian. Der Hand­werkskammer - Unters uchungsaus- schuß beendete heute die Zeugenvernehmung. Zeuge Mehgermeister Falk, Mainz, der seiner­zeit an der Revision der Handwerkskammer und der Handwerker-Zentral-Eenossenschaft teilgenom­men hat, bekundete, daß die vorgenommenen Stich­proben zu keinerlei Beanstandungen führten und das Geschäftsgebaren auch hinsichtlich der Vertei­lung des RheinRuhr-Fonds durchaus den ge­setzlichen Bedingungen entsprach. Auch bei den sogenanntenGroßen Krediten" sei die nötige Vorsicht beobachtet worden. Die llebertragung der 325 000 Mk. sei zur Vermeidung des Zusam- menb.u s dcrHandwerker-Z:ntral-Genossenschaft notwendig und deshalb vertretbar gewesen. Die Meinung, daß die Rhein Ruhr-Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden sollten, sei erst in den letzten Iahren ausgetreten.

Metzgermeister Becker, Offenbach, bestätigte als letzter Zeuge diese Darstellung. Er fügte noch hinzu, daß die erhobenen Vorwürfe hauptsächlich auf Geschwätz beruht hätten. Wenn auch nach den heutigen Ansichten die Kreditgebarung der Hand­werkskammer und der Hanowerker-Zentral-De- nossenschaft bemängelt werden müßte, so fei doch zu betonen, daß Verstöße gegen die Zweckbestim­mung des RheinRuhr-Fonds nicht festzustellen feien.

In einer internen Sitzung beschloß der Aus­schuß, am kommenden Dienstag die Besprechun­gen über die weiteren Arbeiten fortzusetzen.

Aus der Ausstellung ist ersichtlich, daß ein An­steigen der Hauotunterstützungsempfänaer in der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge zu verzeichnen ist, dagegen macht sich schon ein R ü ck - gang der Zahl derWohlfahrtsempfän- ger bemerkbar. Dies ist auf die Verfügung des Präsidenten der Reichsanstalt zurückzuführen, wo­nach nach dem 28. November 1932 eine Aussteuer» rung aus der Krijenfürsorge bis zu.n 31. März 1933 nicht mehr stattfindet. Das Zurückgehen der Pro- zcntsätze in der Notstandsarbeit und im freiwilligen Arbeitsdienst ist auf Einstellungen bzw. Beendi- aungen der Maßnahmen zurückzusühren. Dies hatte natürlich zur Folge, daß die Zahl der Nichtunter-

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2 775

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