Ausgabe 
17.8.1933 Frühausgabe
 
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Kultusminister Schemm aus der Weltlehrertagung in Santander.

Versailles, das Schicksal der Welt."

Nürnberg, 16. Aug. (CNB.) Auf der Welt­lehrertagung in Santander überreichte Kultusmini­ster Schemm beim Kongreß demFränkischen Volk" zufolge eine Rede, in der er u. a. aus­führte, das Werk des Reichskanzlers Adolf Hitler, dessen Ziel die Zusammenfassung aller Kräfte des deutschen Volkes zur Ueberwindung der deutschen Not sei, habe lauten Widerhall und begeisterte Zu­stimmung in den Seelen aller Deutschen gefunden. So sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß sich alle deutschen L e h r e r v e r b ä n d e ohne Ausnahme zu einem einheitlichen deut­schen Erzieherbund unter seiner, Schemms, Führung vereinigt haben, um durch ihre Erziehungs­arbeit an der deutschen Jugend mitzuhelfen an der Wiederaufrichtung des deutschen Volkes. Der freu­dige Wille zur kulturellen Zusammenarbeit mit allen anderen Völkern sei nur dann möglich und sinnvoll, wenn Deutschland als g l e i ch b e r e ch- tigt und gleichwertig im Rahmen der Vol­ker angesehen werde. Versailles sei unser und der Welt Schicksal! Das gelte auch für dis Arbeit der internationalen Lehreroereinigung, auch ihr Erfolg fei an die Gleichberechtigung aller Völker, also auch des deutschen Volkes, gebunden. Dieses einig gewordene Volk beweise seinen Willen durch die Tat. Zwei Millionen Arbeits­lose seien schon heute dem Arbeitsprozeß wieder e i n g e g l i e d e r t und damit für das sinnvolle Leben gerettet eine Erziehungstat im Höch st en Sinne des Wortes, im Sinne des Lebens. Wer an dem Friedenswillen des neuen Deutschlands zweifele, der habe das Wesen des ge­einten deutschen Volkes nicht begriffen.

Die deutsche Delegation war sich, wie das Fränkische Doll" weiter berichtet, nicht lange im 'Unklaren darüber, welche Delegationsmitglieder den Deutschen freundlich oder unfreundlich gegen­überstehen. Am unfreundlich st en habe sich zur Ueberraschung der Deutschen aber die öfter- reichische Vertretung gebärdet. 2m An­gesicht der Delegierten aller Welt habe sie u. a. Deutschland als das Land hingestellt, das Bom­ben und Flugzeuge in Massen herstelle, um den Frieden Europas zu stören.

OieLeitungderOeuffchenCvangelischen

Kirche im Reichsinnenministenum.

Berlin, 16. Aug. (WTD.) 3n Vertretung des beurlaubten Reichsinnenministers Dr. Frick empfing dec Staatssekretär im Reichsministerium des Innern Pfundner am Mittwochvormittag die Herren der einstweiligen Lei­tung der Deutschen Evangelischen Kirche, und zwar den Vorsitzenden Landes­bischof Wchrkreispfarrer Müller, ferner Prof. Fez er, Tübingen; Präsident Koopmann, Aurich; Landesbischof Sch ö ff es, Hamburg, und Prof. Schumann, Halle a. d. S., die sich in ihrer Eigenschaft dem Reichsinnenminister vor­stellen wollten. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die die Evangelische Kirche betreffenden Fragen besprochen.

Keine Miitwoch-Ausflugskarien mehr.

Berlin, 16. Aug. (TU.) In Anpassung an die Ziele der nationalen Regierung hatte der Deutsche Industrie- und Handelstag der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft eine Ent­schließung übermittelt, wonach die versuchs­weise Ausgabe der sogenannten Mitt- woch-Ausflugskarten zum Preise der Sonntagsrückfahrkarten für den Ver­kehr von kleineren nach größeren Orten unterbleiben möchte, weil hierdurch auch der ländliche Einzelhandel zum Vorteil dec Warenhäuser und Kaufhäuser in den Großstädten geschädigt werden. Diese Ent­schließung hat sich die Hauptverwaltung der Reichs­bahn jetzt zu eigen gemacht. Anträgen auf Ausgabe

Läger in Masuren.

Von Hans Seiffert.

Doktor Wackerbarth war vor dem Kriege Gym­nasialoberlehrer in Ailenstein. Ein lieber Mensch! sagten die Kollegen von ihm, und seine Quar­taner wären für ihn durchs Feuer gegangen. Rur einen Fehler hatte er, und wer das Leben in Ostpreußen kennt, wird begreiflich finden, daß Doktor Wackerbarth zuzeiten recht unglücklich über diesen Fehler war: er war nämlich kein Jäger. Besser gesagt: kein Schütze. Da kamen nun jedes Iahr im Herbst und Winker de Iagdeinladüngen, wie das in dem Iägerparad.cs Ostpreußen so üblich ist; der überall beliebte Doktor Wacker­barth durfte nicht fehlen, aber wieviel gut­mütigen Spott mußte ec einstecken, wenn er dann wieder, wie gewöhnlich, nichts, aber auch gar nichts geschossen hatte! Seine Freunde nannten ihn neckend Dormin der umgekehrte Rimrod, und dieser Spitzname machte ihm manchen stil­len Kummer.

Da kam der August 1914, und die Russen bra­chen in die friedliche Provinz Ostpreußen ein. Alles eilte, die Heimat zu verteidigen. Auch Doktor Wackerbarth, wiewohl ungedient, meldete sich sofort freiwillig und wurde einer Land­sturmformation zugeteilt. An eine große militä­rische Ausbildung war in jenen drangvollen Tagen natürlich nicht zu denken; man kleidete die Leute ein, zeigte ihnen die Handhabung des Ge­wehrs und verwendete sie im übrigen möglichst zu den mehr friedlichen Aufgaben des rauhen Kriegshandwerks: Wache stehen, fouragieren, Transporte begleiten...

So erhielt Landsturmmann Doktor Wackerbarth eines Tages gegen Ende August, ehe die Be­freiungsschlacht bei Tannenberg geschlagen wurde, den Auftrag, Postsachen zu einem anderen Trup­penteil vorzubringen. Er hängte sich das Gewehr über den Rücken, nahm neben dem Kutscher, einem biederen Masuren, Platz, und ächzend seht« sich das Wägelchen in Bewegung.

Eintöniges Räderknarren, Augustsonne, Kie­fernwald; die Räder mahlen durch tiefen Sand. Da auf einmal, der Weg tritt gerade aus dem Wald aufs offene Feld hinaus und will eine kleine Höhe erklimmen, stößt der Kutscher einen halb­unterdrückten Schreckensruf aus, springt vom Bock und ist wie der Blitz zwischen den Stämmen ver­schwunden. Der Wagen steht, das müde Pferd spitzt die Ohren...

Unö Landsturmmann Wackerbarth sieht drüben, scharf gegen den hellen Himmel sich abhebend, einen Trupp Reiter über die Höhe und in schlan-

von ermäßigten Mittwochs-Karten von kleineren nach größeren Orten, insbesondere nach Großstädten werde daher nicht mehr stattgegeben.

Gegen die Vivisektion an Tieren.

München, 16. Aug. (WTD.) Wie die Reichs­pressestelle der RSDAP. mitteilt, wird durch einen Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten Göring vom heutigen Tage ab die Bwrsektion an Tieren aller Art für. das gesamte preu­ßische Staatsgebiet verboten. Der Ministerpräsident hat die zuständigen Ministerien beauftragt, ihm unverzüglich ein solches Gesetz, nach welchem die Vivisektion mithohenStra-- fen belegt wird, vorzulegen. Dis zum Erlaß dieses Gesetzes werden Personen, die trotz des Verbotes die Vivisektion von Tieren aller Art veranlassen, durchführen oder sich daran beteili­gen, ins Konzentrationslag er abge­führt.

Amtsenthebung des 2. Bürgermeisters in Göttingen.

Göttingen, 16. Aug. (211.) Bürgermeister Dr. Warmbold ist seines Amtes enthoben worden. Es soll gegen ihn ein Disziplinar­verfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung beantragt werden. Die Angelegenheit hängt zu­sammen mit dem Berkaus des Städti­schen Elektrizitätswerkes an die Elek­trizitätsgesellschaft Mitteldeutschland, die seiner­zeit im Stadtparlament stark umstritten war. Rach llebernahme der Machtverhältnisse durch die RSDAP. wurde in Göttingen ein Ausschuß eingesetzt, der den Verkauf des Elektrizitäts­werkes nachzuprüfen hatte. Auf Grund der Ergebnisse der Rachprüfungen hat der Magistrat am Mittwoch unter Stimmenthaltung seiner be­soldeten Mitglieder den obenerwähnten Be­schluß gefaßt, dem die nationalsozialistische Frak­tion des Bürgervorsteherkollegiums beigetreten ist.

Kleine politische Nachrichten.

Der stellvertretende Führer der RSDAP., Pg. -Heß, empfing in Obersalzberg den Leiter der Beamtenabteilung der RSDAP. und Führer des Deutschen Deamtenbundes Pg. Reef sowie den Stabsleiter der Beamtenabteilung Pg. Reu sch und den Hauptschriftleiter der Zeitung des Deut­schen Beamtenbundes, Pg. Reck. Sämtliche schwe­benden Deamtenfragen wurden eingehend erör­tert.

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Nach einer Bekanntmachung des Landesleiters der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Gau Ba­den, haben zwecks Beendigung der politi­schen Betätigung der Geistlichen sämt­liche evangelischen Geistlichen der evangelisch-prote­stantischen Kirche ihre Aemter als Ortsgruppenfüh­rer, Kreisleiter usw. niederzulegen.

Auf Anordnung des Führers der Deutschen Stu­denteilschaft findet der 17. Deutsche Studen­tentag in Lauenburg in Pommern statt. Die Vorbereitungen sind dem Kreis Ostland der Deutschen Studentenschaft und dec Studentenschaft der Hoch­schule für Lehrerbildung Lauenburg übertragen.

Der Eingang von Spenden zur Förde­rung der nationalen Arbeit hält in un­verminderter Stärke an. So hat die i n d e n S i e - menswerken von den Angestellten und Arbei­tern aufgebrachte Spende die Summe von 1 0 0 0 0 0 R M. bereits überschritten.

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DerVölkische Beobachter" veröffentlicht folgende Verfügung des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß: Um eine Entwertung des Begriffes der Ehrenbürgerschaft zu verhindern, wird ver­fügt, daß künftighin nationalsozialistische Ge­meindevertretungen den Antrag auf Ver­leihung von Ehrenbürgerrechten nur noch in ganz außergewöhnlichen Fäl - l e r. stellen dürfen.

Die Bundessührerin des Bundes Königin Luise Frau v. H a d e l n ist von dec Führerin Der Deut-

kem Trabe auf sich zukommen. Das sind aber das sind doch keine deutschen Reiter! Das sind ja Kosaken! Fünf, sechs, acht, zehn Kosaken! Weiß der Teufel, wie die hierherkommen!

Da faßt den Doktor Wackerbarth wilde Ent­schlossenheit. Hastig häkelt er sich das Gewehr vom Rücken, entsichert, reißt es an die Backe und jagt päng! ruckzuck päng! päng! seine fünf Schuß den Feinden entgegen.

Die Kosaken stutzen bei diesem unerwarteten Feuerüberfall, wenden ihre Gäule und sind im Ru wieder hinter dem Hügel verschwunden. Ohne Verluste! Aber etwas Gelb.s liegt am Wege, sechzig Schritt Dorrn Waldrand, lind als der siegreiche Landsturmmann Doktor Wackerbarth sich vorsichtig heranpirscht, findet er ein Häs'ein, vom tödlichen Blei durchbohrt.

Rimrod Dormin hatte seinen ersten Hasen ge­schossen!

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Immer neue Massen warfen die Russen ins Gefecht, um das Dorf Iaschkowen in ihren Be­sitz zu bringen und damit den Durchgang zwischen den Seen zu erzwingen. Aber eine lehmbraune Welle nach der anderen brach sich an der ost- preußischen Landwehr, die sich dort festgebissen hatte und keinen Fußbreit wich.

Besonders dem etwas höhergelegenen und mit einer niedrigen Mauer umgebenen Kirchhof des Dorfes galten die wütenden Anstrengungen der Russen. Eben schickten sie sich, wie man aus ihren Vorbereitungen deutlich genug sah, zu einem neuen Sturmlauf an. Hauptmann von Kruglan­ken, selber in Ostpreußen zu Haus und nun Füh­rer der Kompanie, die diesen Abschnitt Heimat­erde verteidigte, gab seinen Leuten letzte Anwei­sungen, ermunterte, ermahnte...

Da verstummte drüben das heftige Vorberei­tungsfeuer, und die Russen brachen hervor aus dem deckenden Gehölz. Die Offiziere mit gezoge­nem Degen voran, dahinter, mehrere Glieder tief, dichte Schützenschwärme. Es war ein Bild, wie man es nur zu Anfang des Krieges noch sehen konnte.

Hauptmann von Kruglanken gab den Befehl aum Feuern, und aus zweihundert Gewehren jagte die Feuergarbe dem Feind entgegen. Der Haupt­mann beobachtete die Wirkung der Abwehr. Da wurde er auf einen Landwehrmann seiner Kom­panie aufmerksam, der neben ihm stand, das Ge­wehr auf die Mauerkrone gelegt, und mit einer geradezu unglaublichen Kaltblütigkeit und Sicher­heit zielte und schoß und nicht einen einzigen Fehlschuß abgab. Einen solchen Meisterschützen hatte er noch nicht gesehen!

schen Frauenschaft und Reichsleiterin her NS.- Frauenschaft Lydia Gottschewsky im Einver­nehmen mit der Obersten Leitung der PO. ihres Amtes enthoben worden. Die Landesverbände des Bundes Königin Luise werden den zuständigen Gau-Frauenschästsleiterinnen der NS.-Frauenschaft unmittelbar unter st ellt.

Im Einvernehmen mit dem Führer hat das Ge­samtministerium des Freistaates Bayern den Staats­minister des Innern Adolf Wagner zum Staats- kommiffar für die öffentliche An st alt Haus der Deutschen Kunst" (neuer Glas- palast) ernannt. Es soll dem Schöpfer und uner­müdlichen Förderer des Gedankens, dec deutschen Kunst in München wieder eine würdige Heimstätte zu verschaffen, die Führung bis zur Fertigstellung des Monumentalwerkes in die Hände gelegt werden.

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Reichsminister Dr. Goebbels hat Werner Krauß als stellvertretenden Präsidenten in die neugegründete Reichstheaterkammer be­rufen.

Die kirchlichen Behörden haben dem Abt Schachleitner wieder gestattet, die Messe zu lesen. 'Abt Schachleitner war Anfang 1933 we­gen seines offenen Bekenntnisses zum Rational­sozialismus seiner geistlichen Funktionen entklei­det worden.

In der letzten Augustwoche wird eine zweite DeutscheBischosskonferenzin Fulda statt- finden. Nähere Einzelyoiten über den genauen Ter­min und den Gegenstand der Beratungen sind noch nicht bekanntgeworden.

Der Schweizer Bundesrat hat am Diens­tag dem aus dem Amt scheidenden deutschen Ge­sandten in Bern, Dr. Adolf Müller, ein Ab­schiedsdiner gegeben, zu dem auch die im Berner Oberland in Ferien weilenden Bundesräte Motta und Ringer erschienen waren. Außer Bundespräsi­dent Schultheß nahmen daran auch noch die Bundes­räte Häberlin und Meyer teil.

Aus aller Weit.

Rekordfahrt eines italienischen Ozeanriesen.

In großer Aufmachung feiert die römische Presse die Erringung des Blauen Bandes durch den italienischen OzeanriesenR e x", der mit seiner An­kunft in Neuyork am Mittwochmorgen um 8.40 Uhr Greenwicher Zeit zur Uebecfahrt 4 Tage, 13 Stun­den und 58 Minuten gebraucht hat. DerRex" hatte am 11. August um 18.30 Uhr Gibraltar verlassen. Der Durchschnitt beträgt 28,92 Seemeilen in der Stunde gegenüber dem Durchschnitt von 28,51 See­meilen in der Stunde, den der bisherige Inhaber des Blauen Bandes, der deutsche OzeanrieseB r e - m e n", auf der Strecke NeuyorkCherbourg her­ausgeholt hatte.

Die Tatsache der Rekordfahrt des Schnell- dampfersRex" hat, wie wir aus Bremer Reedereikreisen hören, nicht sehr überrascht. Zu be­rücksichtigen ist bei der Erringung des Blauen Ban­des des Ozeans durch den italienischen Dampfer, daß einmal die Südroute über den Atlantik im all­gemeinen unverhältnismäßig bessere Wetterbedin­gungen aufmcjft, als die von den Schnelldampfern des Norddeutschen Lloyd gefahrene Strecke. Weiter dürfe man nicht vergessen, daß derRex" als Schiff erheblich leichter gebaut ist, als etwa dieBre­men" oder dieEuropa". Die Wasserverdrängung des italienischen Schiffes ist rund 10 000 Tonnen geringer, dagegen verfügt es etwa über die gleiche Maschinenstärke von 135 000 PS. Diese Faktoren hätten die Rekprdfahrt natürlich ungemein begün­stigt, denn es sei selbstverständlich, daß ein sehr viel leichteres Schiff mit den gleichenMaschinenpferden" schneller über den Ozean laufen könne, zumal, wenn noch günstigere Wetterverhältnisse eine Rolle spielen

Abstürze in den Bergen.

Bei einer Tour auf die Hammerspitze (Vorarlberg) wurden die 20 Jahre alte Anna E i n ft e i n aus Leupheim und ihr 14 Jahre alter Bruder von einem Unwetter überrascht. Ein Blitz traf das Mädchen, das den Abhang hinüntergeschleudert wurde und dann t o t liegen blieb. Die Leiche wurde von Berg­steigern nach Mittelberg gebracht.

Im Pustertal in den Sextener Dolomiten, wurde eine Bergsteigerpartke von einem Bergunglück betroffen. Der Nürnberger Tourist Paul Franz, der mit dem Nürnberger Lothar Wiener den Einserkogel besteigen wollte, wurde schwer ver­letzt. Die beiden Bergsteiger wollten eine der schwierigsten Klettertouren der Dolomiten auf der sogenannten Steeger-Route ausführen. Nach einem Drittel des Anstieges erreichte Franz eine äußerst schwierige Stelle, als S t e i n s ch l a g einsetzte und den Kletterer mit voller Wucht traf. Franz stürzte ab und konnte von seinen Gefährten erst in 40 Meter Tiefe zum Halten gebracht werden, wo er am Seil in der Luft hing, bis ihn Wiener zu einem schmalen

Band abseilen konnte. Die Verletzungen von Franz sind jedoch nicht lebensgefährlich. Die beiden Tou­risten mußten sich über Nacht am Felsen anbinden. Ein heftiges Gewitter brachte Hagelschlag und Frost. Am folgenden Tag konnten sie aus ihrer gefähr­lichen Lage befreit werden.

Der Führer bei feinem verletzten Adjutanten.

Der Führer stattete, wie die ReichspressesteUe der RSDAP. mitteilt, seinem durch Auto- Unfall verletzten Adjutanten Gruppenführer Brückner im Krankenhaus in Traunstein einen Besuch ab. Rach dem Befund des zur Behand­lung zugezogenen Professors Magnus vom Krankenhaus Bergmannsheil in Bochum ist, da bisher keine Anzeichen einer Infektion vor­handen find, die unmittelbare Lebensgefahr be­seitigt!. Wie bereits gemeldet, find die Schwester des Reichskanzlers, Frau Angelika R a u b a l, und deren Tochter Friedel nur leicht verletzt. Sie befinden sich auf dem Wege der Besserung.

Der Unfall hat sich offenbar so abgespielt, daß der Wagen, den Oberleutnant Brückner selbst steuerte, auf einer schmalen Straße in eine Rinne geriet. Bei dem Versuch, aus dieser Rinne herauszukommen, schleuderte der Wagen gegen einen gegenüberliegenden Holzstoß.

Ein vierfacher Mörder hingerichtet.

In Görlitz ist im Hof des Gerichtsgefäng- nisfes der Schuhmacher Eduard Just aus Klein- Partwitz wegen Mordes in vier Fällen ent h a u p t e t worden. Iust hatte im Ianuar 1930 seine zweite Ehefrau sowie im September 1932 die Angehörigen seiner dritten Ehefrau, nämlich den Arbeiter Christian Groba, dessen Frau und Kind ermordet.

Gefängnis für ein ungetreues Stadloberhaupt.

Dor dem Schöffengericht in Hof wurde der feit 24. Februar 1933 wegen Amtsunter­schlagung. Untreue und Betrugs in Untersuchungshaft befindliche Oberbürgermeister von Hof Dr. Karl B u h l zu einer, Gefamtgefängnis- ftrafe von zwei Iahren neun Monaten verurteilt. Dr. Buhl, der 1919 zum ersten Bürgermeister von Hof gewählt worden war, hatte in seiner Eigenschaft als Stadtratsvorstand in den Iahren 1926 bis 1929 von mehreren Personen der Stadt anläßlich erfolgter Titelverleihung größere Geldbeträge ausgehändigt erhalten, dic wohltätigen Zwecken zugeführt werden sollten. Von diesen Geldern behielt der Ober­bürgermeister 26 0D0 Mk. für f i ch.

Gewitterstürme in Jamaika. hundert lote.

Wie aus K i n g st o n (Jamaika) berichtet wird, ist die Insel Jamaika von furchtbaren Gewitter- stürmen heimgesucht worden. Riesige Strecken Landes sind überschwemmt. Der Sachschaden ist sehr groß. Bisher werden hundert Tote ge­meldet'

Als dec russische Angriff fünfzig Meter vor der deutschen Stellung zusammengebrochen war und die Reste der Sturmtruppen regellos zurückflu- teten, wandte sich Hauptmann Kruglanken zu dem Landwehrmann, um ihm Lob und Aner­kennung auszudrücken. Ec faßte Ujn schärfer ins Auge und erkannte erst jetzt in ihm einen Mann aus dem in der Rähe seines Gutes gelegenen Dorf Malwischken.

Ah, Sie sind's, Thomalla! Das haben Sie gut gemacht. Ganz hervorragend haben Sie das ge­macht! Bravo, Thomalla! Aber sagen Sie mir, wo haben Sie denn so ausgezeichnet schießen ge­lernt?"

Der Wackere zögerte einen Augenblick.

Dann lächelte er halb stolz, halb verlegen:

Beim Wildern in der Iagd von Herrn Haupt­mann ...!"

Oer Chinese als Patient.

In China gibt es heute unter der Bevölkerung alle nur erdenklichen Uebergänge in Bezug auf die Einstellung zur modernen Kultur. Weite Kreise le­ben noch ganz in der alten Hebetlicferung, wäh­rend andere sich völlig dem abendländi chen Ein­fluß hingegeben haben. Der Arzt stößt daher im Reiche der Milte auf die verschiedensten Anschau­ungen. Doch kommt dec Dekan der medizinischen Fa­kultät an der Schanghaier Universität, Pros. E. B i r t, in Betrachtungen, die er in decDeutschen Medi­zinischen Wochenschrift" veröffentlicht, zu dem Er­gebnis, daß der Geist des alten China noch immer sehr mächtig ist und sich auch der modernste Chi­nese ihm nicht entziehen kann. D>es tritt in dem Verhalten der Patienten deutlich zutage So ist dec chinesische Kranke geneigt, möglichst viele Aerzte zu befragen, denn er steht der Heilkunde mit aus­gesprochenem Mißtrauen entgegen. Sich sein Ver­trauen zu erwerben, ist daher außerordentlich schwie- rig, besonders für den fremden Arzt. Dieser muh nicht nur mit den Wünschen des Patienten selbst, sondern auch mit denen seiner Freunde und Ver­wandten, vor allem mit dem Einfluß der Mutter rechnen, die in der Familie den Hort der alten Ueberlieferung darstellt.Wird der fremde Arzt herbeigerufen," so berichtet der Verfafler,dann hängt von dem ersten Eindruck bei seinem Auftre­ten schon sehr viel ab. Fühlt der Patient in die­sem Augenblick nur eine kleine Erleichterung oder Besserung, so ist schon viel gewonnen. Oft ist der zweite entscheidende Moment, wenn die von diesem Arzt verordnete Medizin am Krankenbett erscheint. Fühlt sich gerade dann der Kranke subjektiv besser, so sind zwei große Schritte gemacht. Dabei sind diese Patienten sehr geneigt, viele verschiedene Medi»

zinen von vielen Aerzien zu schlucken, denn darin kann bei den Patienten der alten Schule eigentlich nur die ganze Behandlung bestehen, und so gedenke ich immer noch mit Freuden der Zeiten, da ein un­ter den Chinesen sehr angesehener srentder Arzt dadurch besonders seine großen Erfolge erzielte, daß er, wie die böse Kollegenschafl behauptete, nicht nur den Rachitisch und alle Tische im Krankenzim­mer, sondern das ganze Haus so mit Medizinen vollstellte, daß die arme Konkurrenz keinen Platz mehr fand." Auch sonst hat der chinesiiche Patient ganz bestimmte Ansichten, aus Denen er zunächst dem fremden Arzt mißtraut. Er weih ja, daß dieser Aus­länder sich ganz anders ernährt, daß die tägliche Kost des Chineien für ihn eine Unmöglichkeit ist; daher kann er dem chinesischen Magen (eine rich­tige Diät verordnen, und so erklärt es sich, dah bei Magen- und Darmleiden der fremde Arzt fast immer erst dann geholt wird, wenn es zu spät ist. 3m Vordergrund jeder chinesischen Diät fleht die Unter­scheidung zwischenheiß und kalt", deren Fein­heiten dem Ausländer wirklich sehr schwer zu er­kennen sind. Die Söhne der Mitte wollen, wenn sie sich behandeln lassen, ganz sicher gehen, und so lau­tet die erste 3rage, vor allem vor einer Operation: Kannst du mir die Heilung garantieren? Wird das abgelehnt, so wird gefragt:Wieviel Wahr, scheinlichkeit besteht, dah ich gesund werde?" Gegen gewisse Dinge hat der Chinese eine ganz besondere Abneigung. Gibt man ihm irgendeine Medizin, nach der er kräftig schwitzt, so hat man schon aus- gespielt, denn nichts erscheint dem Chinesen, der immer gleich an den kalten Todesschweiß denkt, geiährlicher als das Schwitzen. Roch tiefer sitzt die Angst vor jedem Blutverlust, und oft ist es schon unmöglich, den Patienten nur dazu zu überreden, sich zu einer Blutuntersuchung einen Tropfen Blut ab- nehmen zu lassen. Das beruht auf der Vorstellung, daß da, wo einmal eine Blutung begonnen hat, ein langsames Verbluten zu erwarten ist. Das ist natürlich eine ungeheure Erschwerung für viele moderne Behandlungen. Ganz selten gelingt es, einem chinesischen Kranken klar zu machen, dah zur Heilung eines chirurgischen Leidens mehrere Ein­griffe notwendig sind. Der Patient erklärt: Es ist jetzt ein Eingriff gemacht worden, geheilt oder ge­heuert bin ich noch nicht; bevor ich also weiter an mir herumschneiden lasse, gehe ich lieber zu einem andern Arzt, denn dieser Fremde hat ja durch die erste Operation bewiesen, dah er nichts kann. Man muh also möglichst mit einer einzigen Operation auszukommen suchen und dabei die vchmerzen, so weit es irgend geht, ausschalten. Selbst die un* angenehmen Folgen einer Betäubung wirken sehr abschreckend."