Ausgabe 
17.8.1933 Frühausgabe
 
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16 Äug. lDTD. Draht' n Lörsenlage hat suh leit Immer noch halt « trägen zurück, und auch Äcigung zu neuen An Kielen Umständen übten a£g Ostpreuhens von 'schäftigungsstelgerungm ,e Wirkung aus.

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nr. 191 srübauSgave

185. Jahrgang

Donnerstag, 17. August 1955

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r. H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein undfürdenAn. zeigenterl i. D. TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Neue Gegensätze im irischen Kreiheiiskamps.

Oe Valera und die Blauhemden. Irische Einheitsfront gegen England. Großes Interesie in Paris für die Ereignisse in Irland.

IS a r i s , 16. Aug. (TU.) Die Vorgänge in Irland erregen in der französischen Oeffenttichkeik großes Interesse. Neben ausführlichen Berichten veröffent­lichen Mehrere Blätter Unterredungen ihrer Mit­arbeiter mit den Führern der sich gegenüberstehenden Fronten. General O'Duffy, der Führer der Blau- Hemden, erklärte einer Gruppe oon Pressevertretern, daß feine Partei kein Blut vergießen wolle, sondern aus gesetzlichem Wege zur Macht zu ge­langen denke. Er werde die Auflösung seiner Or­ganisation nicht hinnehmen. Alle Blauhemden, Män­ner und Frauen, würden sich den Militärgerichten stellen, deren Einsetzung man erwarte. Man werde dann wohl sehr große Konzentrationslager errichten müssen, um alle politisch Verurteilten unterzubringen.

DasJournal" veröffentlicht eine Unterredung mit Ministerpräsident de Valero, der u. a. er­klärte: Sie fragen mich warum ich die Runbgebun- aen der Nationalgarden verboten habe? Wir wollten schwere Zusammenstöße in den Straßen vermeiden. Wir wissen, daß die Nationalgarden bewaffnet sind. Die gegnerischen Verbände sind ebenfalls be­waffnet. Die Regierung hat aber die Pflicht, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Wir können uns dieser Aufgabe nicht entziehen. Es ist ein Scherz, wenn man sagt, daß die neue Bewegung den Zweck hat, den Kommunismus zu be­kämpfen. In Irland gibt es keinen Stommu- nismus in dem Sinne, wie er in den verschiede­nen anderen europäischen Ländern vorhanden ist. Wir sind ein konservatives katholisches Volk, das Ordnung und Gerechtigkeit achtet. Wir sind mit unserer Erde vermählt. Irland hat nicht für feine Freiheit jahrhundertelang gekämpft, um heute bereit zu fein, fein Schicksal in die Hand einer kleinen Gruppe von Leuten zu legen. Wenn das irische Volk seine Regierungsform und seine Ver­fassung zu ändern wünscht, so muß ich diese Reform auf aus schliß ßlich friedlichem Wege vollziehen. Die Regierung werde sich zunächst dar­auf beschränken, die Kundgebungen der National­garden zu überwachen. Wenn sie aber fortfahren würden, Uniformen zu tragen, werde die Regierung nicht zögern, die Organisation völlig zu beseitigen.

DerParis Soir' hat einen seiner Vertreter zu de Valero entsandt, der ihn darüber befragte, ob er und seine Gegner verschiedener Ansicht über das Verhältnis Irlands zu England seien, de Valero verneinte dies. Irland, sagte er, werde von einer von der englischen ganz ver­schiedenen Rosse bewohnt und Hobe stets feine Frei- heit gewollt. Man suche noch den besten Wegen, um zum Ziele zu gelangen. 1912 Hobe Irland England feste Bürgschaften dafür angeboten, daß irisches Ge­biet niemals zum Schauplatz feindlicher Handlungen gegen England dienen würde. Ueberbies Hobe Ir­land seine völlige Neutralität versprochen. England habe diese Angebote ebenso wie die Unabhängig- teitsforberungen abgelebt. Wenn wir, so er­klärte de Valero, etwas freier wären, würden wir sofort- an der Seite Englands stehen, wenn dessen Unabhängigkeit bedroht sein sollte. Von welchen Gefühlen aber können wir beseelt sein, so­lange wir diese Freiheit entbehren? Während des Krieges sagte man uns:Ihr seid zu deutsch­freundlich." Wenn eine Katze mit der Maus spielt und selbst von einem Hunde angegriffen wird, was kann die Maus dann für Gefühle haben?"

Oluf die Verhandlungen zwischen Irland und England eingehend, erklärte de Valero: Sie ken­nen die Lage. Die Verhandlungen sind geschei­tert. Wir wünschen mit England in freundschaft­lichen Beziehungen zu bleiben, aber wir kön­nen unsere Rechte und unsere Ide­ale nicht opfern. Wir wollen ein inter­nationales Schiedsgericht; England be­steht aber nach wie vor auf einem Schiedsgericht des Britischen Imperiums.

In einem Kommentar schreibt derIn- transigeant", daß de Valera die Blauhemden mehr als politische Partei, dennals bewaffnete Macht fürchte. Sein nächster Schlag werde daher auf politischem Gebiet erfolgen und ztrar werde er die Wahlen bald­möglichst ausschreiben, noch ehe Gene­ral O'Duffy seine politische Organisation aufge­zogen haben könnte.

Amerikas Kampf gegen die Wirtschastskrisis.

N e u i) o r f, 16. Aug. (TU.) 60 000 organisierte Konfektionsarbeiter sind trotz des vom Präsidenten Roosevelt erklärten Arbeitsfriedens i n den Streik getreten. Das Ziel des Streiks ist die Abschaffung sogenannter Sweatshops, d. h. des Hungerlohnes für Schwerstarbeit. Die amtlichen Stellen sympathisieren mit den Streikenden, da das Streikziel gleichbedeutend mit ber von ber Regie­rung angestrebten Kaufkrafterhöhung ist.

'jftic aus Washington berichtet wird, wird die staatliche Kreditorganisation für die Landwirt­schaft der Vereinigten Staaten mit Zustimmung des Präsidenten Roosevelt weitere 2 0 0 Mil­lionen Dollar Hilfsgelder bereitstellen. 110 Millionen Dollar sollen den Baumwoll­pflanzern und 90 Millionen Dollar den G e - treibebauern für Zwecke ber Probuktionsein- schränkung zur Verfügung gestellt werben. Der Unterstaatssekretär im Alkerbauamt Wallace er­klärte, daß, wenn an ber bevorstehenden neuen

Weltweizenkonferenz ein internationales Abkommen über bie Beschränkung ber Anbau­flächen nicht erreicht würbe, bie Vereinigten Staaten ihren Weizenexport mit Regierungs- gelbem subventionieren würben.

Oie Liquidation der Aera Machado in Kuba.

Zunehmende Beruhigung.

Havanna, 16. Aug. (WTD.) Die neue ku­banische Regierung zeigt sich bestrebt, das Erbe des Regime Machado möglichst rasch und gründ­lich zu liquidieren. So ist jetzt gegen den ehemali­gen Präsidenten und drei seiner Minister A n - klage wegen Mordes und Unterschla­gung öffentlicher Gelder erhoben wor­den. Außer Machado werden vor dem Obersten Gericht drei Staatssekretäre zur Verantwortung gezogen. Auch Der Leiter der Polizei und der Bürgermeister von Havanna stehen unter An­klage. Die Beruhigung und Wiederaufnahme

eines geordneten Geschäftslebens nimmt ihren Fortgang. Allerdings macht sich die Erbitterung der Kubaner gegen das nunmehr verschwundene Regime noch immer in Einzclaktionen Lust. Für die Stimmung des Volles ist cs bezeichnend, daß ein Gefängnisinsasse sich weigerte, seine Zelle mit einem Rcuankörnrnling zu teilen, der als An­hänger der Regierung Machada verhaftet wor­den war. Als die Gefängnisbehörde sich weigerte, darauf Rücksicht zu nehmen, kam cs zu einem regelrechten Ausstand, da die übrigen Gefangenen ebenfalls gegen den Neuangekommenen Stellung nahmen. Schließlich gingen die Sträflinge tät­lich gegen ihre Wärter vor, so daß diese von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten.

Die britischen DampferMauretania" unbFran- conia", die 700 bis 800 Passagiere an Bord haben, liegen wegen Streiks ber Dorfarbeiter untätig im Hafen. Kein Dampfer kann in bas Hafen­becken einlaufen. Einige andere Häfen im Norden der Iirsel sind ebenfalls wegen Ausstands geschlossen. In Santiago de Cuba streiken noch 40 o. H. ber organisierten Arbeiter.

Oie Brandstiftung im Reichstag.

Oer Oberreichsanwalt fordert Branting und Romain Rolland auf, ihm ihr angebliches Beweismaterial bekannt zu geben.

Leipzig, 16. Aug. (WTB.) In Sachen Reichstagsbrand st iftung hat der Ober- rcichsanwalt am 10 August d. I. an den schwedi­schen Rechtsanwalt Branting (ehemaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten) und an den französischen Schriftsteller Romain Rol­land die nachstehenden Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt!

In der in Kopenhagen erscheinenden Zeitung Social-Demokraten" vom H. Juli d. 2. ist ein Artikel erschienen mit der Lleberschrist:Die Wahrheit über den Reichstagsbrand muß an den Tag". Rach diesem Artikel haben Sie einem Berichterstatter der genannten Zeitung in einer ihm gewährten Unterredung erklärt, daß Sie Mitglied einerKommission inter­national anerkannter Juristen seien, die demnächst im Haag zusammentreten solle und die Ausgabe übernommen habe, ein Gutachten darüber abzugeben, was in der Sache des Brandes des Deutschen Reichstages für recht und richtig" erachtet werde. Sie sollen dabei betont haben, daß sich die Kommission bei Abgabe ihres Gutachtens nicht begnügen werde mit den Auskünften, die die Oesfentlich- feit bereits aus Zeitungen und Blättern kennt, sondern daß ihrtatsächliche Aussagen aus er st er Hand und Berichte" zur Ver­fügung ständen. Hieraus glaube ich bestimmt entnehmen zu können, daß es sich um Be­weismaterial handelt, das in dem hier an­hängig gemachten Verfahren bisher feine Verwendung gesunden hat, das aber nach Ihrer Auffassung für die Beurteilung der Schuld- frage der von mir verfolgten Personen von Bedeutung, darüber hinaus aber auch geeignet ist, den Verdacht der Beteiligung an dem Brande gegen Personen zu begründen, gegen die bisher ein Verfahren nicht anhängig gemacht worden ist.

Da weder mir noch dem Unter- suchungsrichter des Reichsgerichts trotz der in der Öffentlichkeit ergangenen Aufforderung der Mitteilung aller der Aufklärung der Sache die­

nenden Umstände und trotz der Aussetzung einer hohen Belohnung für die Mitwirkung bei der Ermittlung der Täter andere als die in den Akten verwerteten Angaben zugegangen sind, die Anklagebehörde und dos Gericht aber das allergrößte Interesse daran haben, alle Umstände kennenzulernen und bei der Bildung des Urteils zu verwerten, die für die Aufklärung des Sachverhalts dienlich fein können, wäre ich Ihnen, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt, zum Dank verpflichtet, wenn Sie mir Kenntnis von dem angeblich im Besitz der Kommission befindlichen Beweismaterial ge­ben würden. Für eine möglichst baldige Über­mittlung des Streitmaterials, insbesondere für die Angabe der Anschriften von Zeu­gen, die über den Reichstagsbrand sachdienliche Angaben machen können und verpflichtet oder be­reit sind, zur Verhandlung vor dem Reichsgericht zu erscheinen, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Genehmigen Sie usw."

Sehr geehrter Herr Romain Rolland!

Ihr in ber Reichstagsbranbsache an ben Herrn beutschen Botschafter in Paris gerichtetes Schreiben vom 18. Juni 1933 ist mir übermittelt worben. In ihm bringen Sie zum Ausbruck, baß alle Erkunbi- flungen Ihnen keinen Zweifel baran gestatten, baß bie als Mittäter ber Brandstiftung im Reichstag beschuldigten Bulgaren unschuldig seien. Da ich wohl davon ausgehen darf, daß Sie glauben, für Ihre Annahme beweiskräftige tatsäch­liche Unterlagen zu haben und da die deut­schen Untersuchungsbehörden das allergrößte Inter­esse daran haben, ben Sachverhalt nach jeber Rich­tung restlos aufzuklären unb auch alle Beweise zu erheben, bie etwa für bie Unschulb ber Angeschulbig- ten erbracht werben können, wäre ich Ihnen zu be- fonberem Dank verpflichtet, wenn Sie mir bas in Ihrer Hand befindliche Material zur Verwertung in dem anhängigen Verfahren baldmöglich ft zugängig machen würden.

Genehmigen Sie usw."

Durchführung des neuen ArSeitsbeschaffungspwgramms

Möglichst Neueinstellungen.

Gesichtspunkte für die Auswahl der Arbeiter.

Berlin, 16. Aug. (ERB.) Der Präsident der Reichsanstall für Arbeitsvermittlung unb Arbeits­losenversicherung hat an bie ßanbesarbeits- ämter unb Arbeitsämter einen Erlaß über die Durchführung ber Arbeitsbeschaffung gerichtet, in dem es u. a. heißt:

Die mit dem neuen Arbeitsbeschaffungsprogramm verfolgten Ziele, eine Entlastung des Arbeitsmark­tes und eine vermehrte Beschäftigung, können nur dann erreicht werden, wenn es gelingt, b e i ben Arbeiten des neuen Arbeitsbe­schaffungsprogramms in weitmöglichstem umfange Neueinstellungen zu erreichen. In Uebereinftimmung mit dem bei dem bisherigen Ar- beitsbeschafsungsprogramm gehandhabten Verfah­ren bitte ich, die Arbeitsämter anzuweisen, darauf hinzuwirken, daß die Zahl der vom Träger der Ar­beit bzw. Unternehmer zu beschäftigenden Stamm- arbeitet auf das gering ft e Maß b e - schränkt bleibt. Im wesentlichen wird man hier­

den Erwerbslosen in er st er Linie Kinder­reiche, Familienernährer und lang­fristig Erwerbslose zu berücksichtigen. Zu­nächst wird die berufliche Herkunft und die Eignung der Erwerbslosen zu berücksich­tigen sein. Die im Gesetz aufgeführten Merkmale der sozialen Bedürftigkeit sind für die Vermittlung der Arbeitsämter maßgebend. B e i gleichartigen Voraussetzungen sind d i e ben nationalen Vetbänben Angehö­re n b e n vorweg zu berücksichtigen, und zwar wird hierbei entsprechend den bekanntgegebe­nen Einstellungsgrundsätzen für Angehörige ber nationalen Wehroerbänbe als Stichtag ber Mit- gliebschaft der 30. Januar 1933 angenommen werden können.

Große Arbeitsbeschaffung durch Bausparkaffen.

Berlin, 16. Aug. (ERB.) Der Reichsver» bond Deutscher Bausparkassen hielt un­ter Leitung feines Verbandsratsvoriiyenden Iustiz- minifter Ä e r r l eine gemeinsame Vorstands- und Verbandsratstagung ab, in der Minister Kerrl be­kanntgab, daß es seinen Bemühungen gelungen sei, für die Bausparkassen zusätzliche Vertei­lungsmittel in Höhe von ca. 100 Mil-

bei von einer Stammarbeiterzahl von 10 v. H. der gesamten Belegschaft ausgehen können.

Nach ben Durchführungsbestimmungen sind unter j

Honen Mack zu sofortiger Begebung bereitge­

stellt zu erhalten. Hierdurch werben über 10 000 Eigenheime noch in diesem Jahre fertiggestellt wer­den können und etwa 100 000 Arbeiter B e - s ch ä f t i g u n g finden können.

Oie gewonnene Arbeitsschlacht in Ostpreußen.

Königsberg, 16. Aug. (WTB.) Oberpräsident Koch hat an die Bevölkerung Ostpreußens Aufrufe gerichtet. Darin heißt cs: Ich bin stolz darauf, bah ich als erster Dberpräfibent Preußens heute meinem Führer die Meldung erstatten konnte, daß in Aus­führung feines Befehls eine ganze preußi - s ch e Provinz frei oon Erwerbslosen ist. Dieser Ersolg war nur erreichbar dadurch, daß sich alle Behörden einmütig und opferwillig hinter mich in dem Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit gestellt haben. Aber alle Arbeit der Behörden wäre um­sonst gewesen, wenn nicht die ganze Bevölke- rungO st preußens jeder an seiner Stelle in gleicher Einmütigkeit und Opserwilligkeit in die­sem Kampfe mitgearbeitet, mitgesochlen und mit- geopfert hätte. Ich bin mir bewußt, daß unsere W i r t s ch a f t in Durchführung meiner Befehle schwerwiegende Opfer aussich genom­men hat. Dies gilt insbesondere für bie ßanbmirt« schäft, bie trotz schwierigster Verhältnisse in beispiel­loser Weise für die Unterbringung von Arbeitslosen gesorgt hat.

Das, was das kapitalistische Jahrhundert an Schaden am Volkstum, an Schaden an den Rach­fahren der Bauern wirtschaftlich und seelisch an- gerichtet hat, das wieder gut zu machen, ist bv3 Ziel des Nationalsozialismus. Wir werden nicht eher ruhen, ehe nicht jedem deutschen Ar­beiter wieder sein bodenständiges Eigentum wie seinem Vorfahren geworden ist, das ihm und seinen Kindern dient. Diescs Ziel steuern wir unverrückbar an, und die Arbeits­schlacht, die wir in diesem Monat schlagen, unbi auch in den nächsten Monaten und Jahren weiter durchzukämpsen hab n, d ese Arbeils ch acht ist nu r ein Schritt auf dem Wege zu dem uns vor Augen stehenden Ziel.

38 Vertreter, ehemalige Arbeitslose, der Kreise Ostpreußens, kamen im Oberpräsidium zusammen, um dem Oberpräsidenten und Gauleiter Koch ein Glückwunschschreiben zu übermitteln, in dem es heißt: Wenn am heutigen Tage aus allen Kreisen der Provinz Vertreter der deutschen Arbei­terschaft, die nach jahrelanger Erwerbs­losigkeit endlich wieder in Lohn und Brot gekommen sind, vor Ihnen stehen und d c n Dank aller o st preußischen '21 r b e i t s fameraben für biefes Werk aussprechen wollen, so geschieht bas in bem Bewußtsein, in Ihnen, hoch­verehrter (Sauleiter unb Dberpräfibent, ben Freund unb Helfer bes beutschen Arbeiters zu wissen, dessen langjähriger Kamps um bie Einglieberung bes deut- schen Arbeiters in ben Probuktionsprozeß durch ben Erfolg des heutigen Tages eine Genugtuung ge° funben hat.

Don dem Herrn Reichspräsidenten ist nachstehendes Telegramm cingelausen:

Oberpräsident Koch, Königsberg. Für Ihre Meldung von der Lieberwindung der Arbeits­losigkeit in der Provinz Ostpreußen danke ich Ihnen herzlich. In aufrichtiger Anerkennung Ihrer Arbeit beglückwünsche ich Sie zu diesem schönen Erfolg auf dem Wege der Gesun­dung unseres Wirtschaftslebens.

(gez ) v. Hindenburg, Reichspräsident."

Drei Jahre Zuchthaus für Heinrich Sklarz.

Ein alter Wirtschastspirat vor den Richtern.

Perlin, 16. Aug. (TU.) Vor dem Schnellschöi- fengericht hatte sich am Mittwoch ber 52 Jahre alte Kaufmann Heinrich Sklarz wegen Devisenschie' bung zu verantworten. Sklarz wirb aus bem (Ge­fängnis in Tegel vorgeführt, wo er augenblicklich eine eineinhalbjährige Gefängnisstrafe wegen Be­trugs unb Erpressung verbüßt. Er hat sich wegen Verschiebung beutscher Wertpapiere im Betrage von 35 000 Mark zu verantworten. Die 35 000 Mark hatte er seinem Sohn Leonharb in Paris zugeführt. Bei ber Erörterung seiner Vor­strafen erklärt Sklar; auf die Frage des Vorsitzen­den, ob er sich freiwillig zur Verbüßung der einein­halbjährigen Gefängnisstrafe gestellt habe, im Juli 1932 fei ihm die Aufforderung zum Straf­antritt zugestellt worden. Daraufhin habe er u m eine Frist gebeten, weil, wie er angibt, ber Antritt der Strafe für ihn katastrophal gewesen wäre. Sein Gesuch sei jedoch a b g e l e h n t worden, worauf er sich ins Ausland verzogen habe. Erst als er hörte, daß seine Tochter in Hakt genom­men worden war, sei er wieder zurückgekornrnen, um sich zu stellen. Sein Sohn habe für ihn in Poris Geschäfte aller Art erledigt, bis er nach Palä­stina auswanderte, weil er auf Veranlassung ber deutschen Behörden in Paris verhaftet werden sollte.

Sklarz kommt mit 50 Beweisanträgen, in denen er nachweisen will, daß er einen durchaus ein­wandfreien Geschäftsbetrieb gehabt habe und daß sein Sohn in Paris lediglich als sein (Beauf­tragter handelte, während sich der Hauptsitz in (Berlin befand. Er verlangt, diese 50 Anträge, die fast alle den gleichen Inhalt haben, einzeln begründen zu dürfen. Der Staatsanwalt bittet, der augenscheinlichen Absicht des Angeklagten, die Verhandlung zu sabotieren, entgegenzutreten.

Rach beinahe sechsstündiger Verhandlung wurde Sklarz dann wegen fortgesetzten Dev^senvergehens und Devisenverbrechens in drei Fällen zu drei Jahren Zuchthaus, fünfzehntausend Mark Geldstrafe bzw. hilssweise 150 Tagen Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteUt.