Ausgabe 
17.6.1933 Frühausgabe
 
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leihen, daß in ihren Reihen mit Vorliebe Melo­dien nationalsozialistischer Kampflieder und selbst das Horst-Wessel-Lied mit anderen Texten gesungen wurden. Auch sei den Mitgliedern der Baden-Wacht in einem Rundschreiben emp­fohlen worden, Rundfunkübertragungen der Regierung mit allen Mitteln zu stören. Rach älebernahme der Macht durch die Rationale Bewegung liege auch der Schutz der Kirche allein den Trägern der Staatsgewalt ob.

Beilegung des Konflikts mit Lettland.

Berlin, 16. Juni (BJIB.) Der lettische Außenminister hat dem Herrn Reichsaußen- minister Freiherrn v. Reurath in London die bindende Erklärung abgegeben, daß die lettische Re­gierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mit­teln jeden Boykott gegen deutsche Wa­ren verhindern und jede Boykottpro- paganda unterbinden wird, Ferner hat die lettische Regierung gerichtliche Maßnahmen gegen die Veran st alter der Versammlung jüdischer Organisationen, in der der Boykottbeschluß gefaßt worden ist, eingeleitet. Die deutsche Regierung wird daraufhin die Einfuhr lettischer But­ter wieder zulassen.

Keine Mißhandlung Mierendorffs.

Frankfurt a. M., 16. Juni. (WSN.) Im Zu­sammenhang mit der Verhaftung des sozialdemokra­tischen Pressechefs der früheren hessischen Regierung, Dr. Mierendorff, ist in Genfer Kreisen aus­ländischer Journalisten das Greuelgerücht verbreitet worden, daß Mierendorff bei seiner Ver­haftung von der SA. schwer mißhandelt worden sei. Diese unsinnige und böswillige Behaup­tung ist durch ein entschiedenes Dementi der hessischen Regierung und der Darmstädter Polizei rasch wieder aus der Welt geschafft worden. Dr. Mierendorff ist selbstverständlich nicht mißhandelt worden. /

Oer 75. Geburtstag des schwedischen Königs.

Stockholm, 16.3uni. (TU.)Svenska Dag- bladet" bringt anläßlich des 75. Geburtstages von König Gustav auf der ersten Textseite ein Kopfbild des schwedischen Königs mit einem vom Prinzen Wilhelm, dem zweiten Sohn des Königs verfaßten formvollendeten Gedicht. Die ganze bürgerliche Presse steht im Zeichen des Geburtstages. Der König hat auf Schloß Tullg arn lediglich den Besuch des däni­schen Königs Paares empfangen.

Die Feier erreichte ihren Höhepunkt, als der König sich im Rundfunk an sein Volk wandte. Der König dankte herzlichst für all die Liebe und das Vertrauen, das ihm von allen Seiten.jeder­zeit entgegengebracht worden sei- 3n Stockholm war überall geflaggt und auf den Straßen der 3nnenstabt besondere Flaggenstangen er­richtet worden. Gegen Mittag wurde von allen Festungen und Kriegsschiffen Königssalut geschossen. Dem König wurde auf Schloß Tull- garn, wohin er sich zurückgezogen hatte, herzlichst gehuldigt. Schon am frühen Morgen machten die Schulkinder ihre Aufwartung. Die sozial­demokratische Regierung, die Präsi­denten der beiden Reichstagskammern und viele andere Persönlichkeiten überbrachten persönlich ihre Glückwünsche.

Kleine politische Rachrichten.

Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund veranstaltete am Freitagnoch- mittag auf dem Berliner Opernplatz einen Gene­ralappell seiner Berliner Mitglie­der. Bundesführer Dr. Stöbet nahm die Mel­dung von über 2500 Angetretenen entgegen und

Gchlang-Anekdoten.

Don Hans Riebau.

Galle.

Fräulein Lolott strahlt. Fräulein Lolott ist selig. Denken Sie", sagt sie,drei Wochen bin ich schon mit Dr. Tolle verlobt, und keiner von A)nen, die Sie chn doch alle so gut kennen, hat auch nur das Geringste geahnt."

Allerdings", nickt Schlang,Sie haben recht. Wir alle haben gedacht: Dr. Tolle, der arme Kerl, hätte es wieder einmal mit der Galle."

Vererbung.

,Hallo!" ruft Gomminger,wissen Sie es schon? Mein Sohn hat sein Abitur mit Auszeichnung be­standen."

Gratuliere", sagt Schlang.

Danke", strahlt Gomminger.Kein Wunder schließlich: Intelligenz ist nach den neuesten Unter­suchungen eine der wenigen Eigenschaften, die sich in erster Linie vererben."

Sehr richtig", nickt Schlang,ich habe Ihre Frau Gemahlin von jeher für eine überaus gescheite Frau gehalten."

Gegensätze.

die rau.

Gegensätze ziehen sich an", sagt Schlang,be­sonders bei Ehepaaren kann man das immer wieder feststellen."

Allerdings", nickte Frau Leander.

Sehen Sie wohl", lächelte Schlang,und Ihr Mann hatte, ich weiß es genau, 30 000 Mark Schul­den."

Wieso?" Äiicft Frau Leander die Achsel.Mein Mann zum Beispiel ist blond bnd blauäugig, und ich bin auch blond und blauäugig."

Das sind Äußerlichkeiten, zuckt Schlang Achsel.Aber betrug Ihre Mitgift, gnädige Fi nicht ungefähr 33 000 Mark?"

Sprichwörter.

Schlang ist im Theaterfoyer. Mit Fräulein Anita. Aber Fräulein Anita ist nicht in Stimmung.

Unerhört", stampft sie mit dem Fuß auf,alle Spiegel sind von Damen besetzt, die augenscheinlich erst hier mit ihrer Toilette beginnen. Wo in aller Welt soll i ch mich zurecht machen?"

Tja, tja, sagt Schlang,wer zuerst kommt, malt zuerst."

ßapitalbilüung.

Nebenan von Schlang wohnt Herr Gollziegel. Die Wände des Hauses sind dünn, und hin und wieder hört man, wie es bei Gollziegels zugeht.

Wissen Sie es eigentlich schon", lächelt Herr Goll­ziegel,jedesmal, wenn ich mich mit meiner Frau gezankt und wieder vertragen habe, tue ich drei Mark in eine besondere Kasse."

Aber das ist ja ausgezeichnet", sagt Schlang, mie ist es? Wollen Sie sich nicht mit 250 000 Mark an meiner Auto-G.m.b.H. beteiligen?"

schritt sodann die Reihen der nach Fachschaften und Hochschulgruppen gegliederten Studenten ab.

*

Das von Rektor und Senat der Universität Rostock ausgesprochene Verbot der für heute anberaumten Versammlung der evange­lischen Studenten ist vom Ministerpräsiden­ten Granzow aufgehoben worden.

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DieD. A. 3", deren Verbot nach 17tägiger Dauer vom Geheimen Staatspolizeiamt a u f ge­hoben worden ist, ist w i e d e r e r s ch i e n e n. Der bisherige Chefredakteur Dr. Fritz Klein ist aus- g e s ch i e d e n und an Stelle des bisherigen verant­wortlichen Schriftleiters Dr. W. v. W e d e l zeichnen für den politischen Teil Otmar B e ft und für den unpolitischen Teil Dr. Paul Fechter.

Der Preußenführer und Gauleiter der NSDAP. Wilhelm K u b e, Oberoräsident von Brandenburg und Berlin, der den Bund Deutscher Osten mit begründete und das erste Bundesbanner weihte, hat die Schirmherrschaft des Bundes Deut­scher Osten übernommen.*

Die Vorstandsmitglieder des Deutschen Frei­denkerverbandes Sievers und Graul sind seit einigen Tagen unter Mitnahme der Verbands­kasse von 700 000 Mark flüchtig. Sie werden gesucht. _________

Kunst und Wissenschaft.

Staalskommissar hiykel erhält die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt.

Die nationalsozialistische Gastspielbühne unter der Leitung von Robert Rohde, die auch schon denWanderer" von Reichsminister Göb­bels ausgeführt hat, gab in Frankfurt die tra­gische Komödie des nationalsozialistischen Dichters Dietrich Eckart:Familienväter". Vor­her hatte Oberbürgermeister Dr. Krebs dem an­wesenden Staatskommissar und Leiter des Kampf­bundes für deutsche Kultur, Hinkel, für seine Verdienste um das deutsche Theaterwesen die Goetheplakette der Stadt Frankfurt über­reicht. Staatskommissar Hinkel dankte für die ihm zuteil gewordene Ehre und versicherte, daß nun, nachdem der Rationalsozialismus sich durch­gesetzt habe, auch für die nationalsozialistischen Künstler die Zeit gekommen sei, ihre ganze Kraft einzusetzen, das deutsche Theater wieder zu seiner alten Höhe znrückzuführen. 3n ihm werde das deutsche Theater stets einen tatkräftigen Förde­rer finden.

Zurückweisung der vorwürfe gegen den neuen Frankfurter Generalintendanten.

Frankfurt a. M., 16. Juni. (WSN.) Zu den in einem offenen Brief dem neuen General­intendanten der Frankfurter städtischen Bühnen, Meißner, gemachten Barwürfen gibt Ober­bürgermeister D r. Krebs folgende Erklä- rung ab:Zu der Pressenotiz über Herrn General­intendanten Meißner erkläre ich, daß sämtliche Akten dem Herrn preußischen Mini­ster p r ä s i d e n t e n vor der Bestätigung Vor­gelegen haben und alle Angriffe als nicht stichhaltig von ihm zurückgewiesen worden sind."

Reichsgemeinschaft der technisch-wissenschaftlichen Arbeit.

Die gewaltige Aufgabe, allen deutschen Volks­genoffen Arbeit und Brot zu schaffen, verpflichtet jeden Beruf, hierfür feine ganzen Kräfte verfügbar zu machen. Um die Arbeit der deutschen Technik ge­schlossen für die Losung dieser Aufgabe einzusetzen, haben sich die technisch-wissenschaftlichen Verbände unter Führung des Vereins deutscher Ingenieure zu einer Reichsgemeinschaft der technisch-wissenschaft­lichen Arbeit zusammengeschloffen. Der Reichsgemein­schaft gehören an: Verein deutscher Ingenieure ein-

Der Ochse.

Schlang ist im Restaurant. Der Herr, der am Nebentisch sitzt, zieht die Stirn in Falten. Das Bier ist ihm zu warm, die Suppe zu kalt, und als jetzt das Beafsteak kommt, schlägt er mit der Faust auf den Tisch.

Sehen Sie sich das einmal an", sagt er zu Schlang.So etwas soll ein Beafsteak [ein? Das ist ja eine Beleidigung für jeden Ochsen."

Gewiß", nickt Schlang,aber ich bin überzeugt: Der Koch hat gar nicht die Absicht gehabt, Sie zu beleidigen."

Gommerliebe.

Don Jloemi.

Don der Weißen Mauer der Rachbarvilla leuch­ten die Kletterrosen. Es ist ein heißes, ein über­schwängliches Rot. Es ist beinahe so rot wie der Oartenaiuug, der manchmal durch das Grün der Büsche schimmert. Die Rachbarvilla ist jetzt be­wohnt. Ein Ehepaar hat sie für die Dauer des Sommers bezogen.

Klaus liegt lang hingestreckt neben dem Zaun. Eigentlich ist es gar kein Zaun, sondern eine Hecke. Eine sehr dichte Hecke zwar, die kaum et­was erspähen läßt, aber einen Zettel könnte man doch vielleicht durchstecken. Oder eine Rose, wenn man es geschickt anstellt. Klaus versucht, die klei­nen zähen Aeste auseinanderzubiegen. Von ihm nur durch diese Hecke getrennt, liegt sie in ihrem Liegestuhl. Klaus weih es. Es ist der schattigste Platz des Gartens, und dort ruht sie, dicht neben der Hecke, Klaus kann ihren Atem Horen, wenn er den seinen anhält.

Klaus, kommst du mit zum Baden?"

Rein!"

An einem anderen Tage:Klaus, willst du nicht angeln gehen?"

Rein, es ist zu heiß. 3ch bleib lieber hier."

Klaus, was machst du nur immer in deinem Schlupfwinkel?"

Stört mich doch nicht, ich lese..." Klaus könnte wetten, daß das eben, hinter der Hecke, ein Kichern war.

Klaus hat sie zwei- oder dreimal gesehen. Sie ist schlank und nußbraun, und sie hat einen Mund, der so rot ist wie der Mohn. 3hre Stimme ist hell und kühl. Klaus liebt die Stimme und den Mund. Er weih es ganz genau, daß dies nun endlich die Liebe ist.

3m Garten, neben der Hecke, riecht es nach Dill. Es riecht heih und würzig nach allen Kräutern. Wenn man die kleinen Blättchen des Thymian zwischen den Fingern zerreibt, oder ein paar Min- zerstenael, atmet man ein wenig Kühlung ein. Auch das zerriebene Blatt des Lebensbaumes wirkt erfrischend. Klaus wühlt die heiße Stirn ins Gras. Die Erde duftet. Er spricht mit halb-

Das Llrteil im

Die Begründung.

3n der Begründung des Urteils gegen Dr. Gereke. erllärte der Vorsitzende: 3m Falle der Auf Wandsentschädigung habe die Hauptverhandlung ergeben, daß die Organisation des Landgemeindeverbandes im wesentlichen dank der großen Arbeitskraft, der Initiative und auch eigener Geldopfer Dr. Gere- kes aufgebaut und entfaltet wurde. Gereke stand für seine damalige Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung zu. Die Anllage wirft ihm vor, er habe bei den Vorstandsmitgliedern den Eindruck erweckt, dah er seit der Gründung des Verbandes bis 1928 keinerlei Aufwandsent­schädigung oder Gehalt bekommen habe, obwohl er tatsächlich hohe Beträge entnommen hatte. Weil der Vorstand glaubte, dah Gereke noch nichts be­kommen hätte, wurde zu seinen Gunsten eine Umlage beschlossen, deren Ergebnis fast 76 000 Mark betrug. Gereke hatte aber schon 4 2 0 0 0 Mark entnommen, die Freigang für ihn als Gehalt vom 1. 3uli 1922 bis 31. De­zember 1925 gerechnet hatte. Zweitens hatte er 32 000 Mk. aus einer für die Zeitschrift beschlosse­nen Sonderumlage bekommen. Rach Ueberzeugung des Gerichtes ist das Geld von Dr. Gereke zu politischen Zwecken entnommen und verbraucht worden. Abgesehen davon, daß eine Bestrafung schon aus dem Grunde der Ver­jährung nicht mehr erfolgen konnte, ist das Ge­richt im Falle 2lufwandsentschädigung zu dem Schluß gekommen, dah D» Gereke ein Be­trug nicht nachzuweisen sei.

Zum Falle Hindenburg-Ausschuh er­klärte der Vorsitzende, dah Gereke auch hier nach Ueberzeugung des Gerichtes das Geld für po­litische Zwecke verwenden wollte. Be­züglich der 20 000 Mk. für Frau Beck bzw. für seinen Onkel Schmidt bekundete Gereke, daß die Entnahme auf einem Bureauversehen beruhe. Das Gericht hat diesen Angaben Glauben ge­schenkt. Da die Tat vor dem 1. Dezember 1932 begangen sei, sei auf Grund der Amnestie vom 20 Dezember 1932 im Falle des Hindenburg- Ausschusses auf Einstellung des Ver­fahrens zu erkennen.

Zu dem Fall Verbandszeitschrift be-

schließlich der Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebs­ingenieure und seiner sämtlichen fachlichen Zusam- menschlüffe, Verband deutscher Elektrotechniker, Ver­ein deutscher Eisenhüttenleute, Deutsche Gesellschaft für Bauwesen, Schiffbautechnische Gesellschaft, Gesell­schaft deutscher Metallhütten- und Bergleute, Deut­sche Gesellschaft für Metallkunde, Deutscher Verband für die Materialprüfungen der Technik, Automobil- unb Flugtechnische Gesellschaft. Ferner sind chr als Gemeinschaftsorgane die großen technisch-wiffen- schaftlichen Ausschüsse wie Deutscher Normenaus­schuß, Deutscher Ausschuß für technisches Schulwesen, Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung beigetreten. Der Ehrenvorfitz wurde Dr. Otto 'M a g e n e r, dem Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP, übertragen. Das Präsidium bilden die Vorsitzenden der zusammengeschlossenen Verbände; ferner gehören ihm führende Persönlichkeiten der Reichsregierung an.

Wissenschaftliche höhenfahrt des größten deutschen Freiballons.

Am Freitag früh startete in Bitterfeld Deutschlands größter FreiballonBarsch von Sigseld" unter der Führung des bekannten Ballonfahrers Schütze zu einer'wissenschaftlichen Höhenfahrt. Als wissenschaftlicher Begleiter fährt ein Beamter vom obseroatorisch-magnetischen Institut in Potsdam mit. Es soll Strahlenforschung

Gereke-Prozeß.

tonte der Vorsitzende, die Behauptung Gerekes in der Hauptverhandlung, um die Jahreswende 1924/25 Eigentümer der Zeitschrift geworden zu sein, widerspreche den Gereke vollkommen bekannten Tatsachen. 3hm als 3uristen hätte es vollkommen klar sein müssen, daß zur Heber» tragung des Eigentums an der Derbandszeit- schrist andere Mittel erforderlich waren als eine Freigebigkeit, die als einzig zu bezeichnen sei. Gänzlich unerheblich sei dabei die Tatsache, daß einzelne Mitglieder des Verbandes Gereke als Eigentümer der Zeitschrift betrachtet haben. 3m Gesamtvorstand, erllärte der Vor­sitzende, hatte bis zu diesem Prozeß niemand etwas von einer Eigentumsübereig­nung erfahren. Gereke war also nach dem Willen der Derbandsorgane der Treuhän­der. Zu Hnrecht hat er daher die aus der Zeitschrift fließenden Gelder für sich und seine persönlichen Zwecke verwendet. 3n diesem Ver­halten Gerekes liegt Untreue.

Bei der Strafzumessung wirkte strafverschärfend für Gereke, daß er ein ihm allseitig unbeschränkt ent­gegengebrachtes Vertrauen in unerhörter Weise miß­braucht hat. Gerekes Handlungen sind deshalb beson­ders verwerflich, weil wertvoll sie Teile un­serer Volksgenossen, gerade die Landbevöl­kerung, die Bauern, in ihrem Vertrauen zu der leitenden Persönlichkeit ihres Verbandes in schwerster Weise ge­täuscht worden sind. Als strafmildernd kommt da­gegen in Betracht, daß Gereke in seinem Wirkungs­kreise mit Fleißund Srfolg tätig war. Zur Zeit einer links eingestellten Regierung hat er sich a u f nationalem Boden g e ft eilt und d a - durch feinen Posten als ßanörat ver­loren. Insbesondere hatte das Gericht unter diesen Umständen keine Veranlassung, dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte zu entsprechen. Der Vorsitzende schloß: Ein unerfreulicher Prozeß, ein unerfreuliches Bits hat sich in den letzten Wochen vor unseren Augen abgerollt. Hoffen wir, daß in unserem neuen, feinen Deutschland derartige Prozesse überhaupt nicht mehr vorkommen und die Fälle der Untreue zumindest bei Personen in leitenden ober Ver­trauensstellungen vollkommen verschwinden werden.

in den hohen Luftschichten betrieben wer­den. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß der bereits vor dem Krieg aufgestellte Freiballon- Höhenrekord von 10 800 Meter ü b e r b o « t e n wird. Der Ballon saßt 9800 cbm. Er mar mit 5000 Kilo Kubikmeter gefüllt. 2200 Kilo Ballast wurden mitgenommen. Der Ballon entfernte sich in südlicher Richtung.

Der Ballon ist nach mehrstündiger Fahrt bei der Ortschaft Nißma (Provinz Sachsen) unweit von Meuselwitz glatt gelandet. Der Ballon hat eine Höhe von über 11 000 Meter erreicht und da­mit vorbehaltlich einer Nachprüfung der noch ver­siegelten Meßinstrumente den Höhenrekord für Frei­ballons mit offenem Karb Überboten. Die Be­satzung des Ballons ist wohlauf. Die wissenschaft­lichen Instrumente sind unbeschädigt geblieben. Im Laufe des Tages wurde die Ballonhülle mit einem Lastkraftwagen nach Bitterfeld zurückgeschafft.

' Deutsch-schwedischer Schüleraustausch.

3m Rahmen des deutsch-schwedischen Schüler- austausches trafen in Berlin 70 schwedische Schüler und Schülerinnen im Alter von 14 bis 20 3ahren ein. Rach kurzem Aufenthalt trat der größte Teil der Schüler die Weiterreise nach Dresden und Thüringen an.

lautet Stimme einen zarten Liebesvers. Das Laub der Hecke raschelt, es raschelt stärker, es knackt darin und das Herz schlägt Klaus bis in die Kehle ein kleiner Fuß erscheint zwischen den Blättern, die Spitze eines kleinen Fußes in einet blau und silbernen Sandale.Die Rägel schimmern wie Mondstein", denkt Klaus, obwohl er nicht genau weiß, was Mondstein ist. Aber ehe Klaus noch zu Ende denken kann, ist der Leine Fuß verschwunden. Klaus möchte weinen vor Zorn über fein Zaudern.3ch hätte", denkt er,ihn festhalten sollen". Wenn man achtzehn 3ahre alt ist, hat das Wörtchenhätte" einen sehr vertrauten Klang.

Am nächsten Tage hat sich Klaus zu Taten durchgerungen. Die Pfirsiche sind reif, man spürt schon die volle Süße durch den sanften Flaum. Klaus wird die schönste Frucht, auf einen Wei­denzweig gespießt, hinüberreichen. Es dauert etwas lange diesmal, bis der Ruheplatz bezogen wird. Endlich! Klaus steckt mit aller Vorsicht den frucht- gekrönten Weidenzweig durch die widerspenstige Hecke. Schweigen. Richts. Kein Kichern. Kein Ausruf. Dann kommt der Weidenzweig zurück. Er trägt nun eine Zigarette an der Spitze.

Klaus rennt. Er muß vor Freude einen Leinen Dauerlauf um den Rasen machen, dem Punshing- ball einen Schlag versehen, die Fahnenstange er­klettern und eine Flagge hissen.

Da hält vor der Rachbarvilla ein Leiner Wa­gen. Eine Frau steigt aus: sie. Aber hatte sie nicht eben? Wie kann sie denn?... Klaus schleicht zurück zur Hecke.

Da bin ich wieder!" ruft sie, und eine Männer­stimme aus dem Liegestuhl antwortet ihr wohlig faul:Da bin ich noch. 3ch habe hiev den Platzhalter gemacht. Mit gutem Ruhen übri­gens. Der Pfirsich hat mir großartig geschmeckt!"

Der Pfirsich--T*

Hier war ein Pfirsich angekommen, auf höchst bemerkenswerte Weife, ich nehme an, für dich. Aber der Durst, weißt du. 3ch habe mich mit einer Zigarette revanchiert, sie ist in Gnaden auf­genommen worden!"

Sie lacht. Er lacht. Sie lachen beide.

Klaus bedauert heftig, daß er nicht um ein paar Jahre jünger ist: für einen jungen Herrn in sei­nem Alter ist der Gartenschlauch leider keine Wafse mehr.

Norderoog.

Ein deutsches Dogelparadies.

Unter Tausenden von Seevögeln allein mit dem Vogelwärter, der dort ein modernes Robinsonleben führt, weifte ich in den Jahren 1928,30 einige Wo­chen auf der einsamen, unbewohnten Hallig im Wattenmeer. Die Lebensgemeinschaften dieser Vogel­freistätte näher kennen zu lernen, galt als Auf­

gabe ... Norberoog ist nicht allein Schutzgebiet, son­dern ... ein Naturdenkmal allerersten Ranges und beherbergt u. a. die größte deutsche Branbseeschwal- ben-Kolonie von 4000 bis 5000 Paaren..." Mit diesen Sätzen gibt das Vorwort von P. F. Weck­mann-Wittenburg einem schönen Buche* über das Vogelparadies Norderoog den Auftakt. Das Buch kann vor allem im Hinblick auf sein großartiges Abblldungsmaterial in gewissem Sinne als ein deutsches bodenstänbiges Gegenstück zu der kürzlich hier besprochenen Schilderung der Insel der fünf Millionen Pinguine von dem eng­lischen Naturforscher Eherry Kearton gelten. Wer die 64 Tafeln nach photographischen Aufnahmen durchblättert, die in ihrer Klarheit, Schönheit und Naturnähe an die berühmten Photos des Schweden Bengt Berg erinnern, dem wird sich ein granbiöfes Bild ursprünglichen Tierlebens in der Freiheit und Einsamkeit dieses wenig bekannten Stückchens deut­scher Heimat au [tun. Die Insel Norderoog im Wat­tenmeer der Nordsee wareinftmal die Wohnstätte friedlicher Menschen, heute nur noch Seeoögeln im bewegten Meeresschoße eine Ruhestatt". Das Buch I beschreibt in großen Zügen, immer auf das Bilder­material den eigentlichen Nachdruck legend, den Zugangsweg, die Insel selbst, die Geschichte des Vogelschutzes dort und endlich bas Leben unb die Gewohnheiten der wichtigsten, auf der Insel vor- kommenden Vogelarten; das sind vor allem die Brandfeeschwalben, die im Vorwort bereits erwähnt wurden, ferner Küsten- unb Flußseeschwolben, Brandenten, Feldlerchen, Stare und einige Möwen­arten, bie aber vertrieben wurden, nicht mehr zu den auf Norderoog heimischen Brutvögeln gehören und nur noch auf dem Durchzuge Vorkommen. Die Bilder find wundervoll photographiert und wieder- gegeben, Natururkunden von vorbildlicher Klarheit und Anschaulichkeit; ein abwechslungsreiches, buntes Panorama des urwüchsigen Vogel-Lebens auf Nor- derooa entrollt sich vor den Blicken des Beschauers: man sieht die vorhin aufgezählten Arten sozusagen in allen Lebenslagen, in ihrer natürlichen und an­gestammten Umwelt vor sich, einzeln und in lichten Scharen, am Boden ruhend und im Fluge, auf der Nahrungssuche und beim Brutgeschäft; besonders reizvoll bie Aufnahmen von den Brutstätten, vom Gelege, von den ausschlüpfenben und eben flügge gewordenen Jungen. Alles in allem: ein Buch, das jeden Naturfreund entzücken wird und das sich auch durch seine äußere Erscheinung unb seine solide verlegerische Ausstattung zur Anschaffung unb vor allem zu Geschenkzwecken (auch für jugenbliche Le­ser) eindringlich empfiehlt.

* Norderoog. Ein deutsches Dogeiparadies. Natururkunben von den Halligen unb vom Watten­meer. Don P. F. W e ck m a n n - W i 11 e n b u r g. Einführender Text: Professor Dr. F. Dietrich. 27 Seiten, 64 Tafeln. Hugo Bermühler Verlag, Ber­lin-Lichterfelde. (108.)