Aus der Provinzialhauptstadt.
Bezirkssparkasse Gießen.
Man berichtet uns:_ In Anwesenheit des Vertreters der Aufsichtsbehörde, des Kreisamles Gießen. 5)tttn Negierungsrat Grein fand am 9. Juni in dem mit den Farben des neuen Reiches und den Bildern des Reichspräsidenten v. Hindenburg und Les Kanzlers und Führers Adolf Hitler gc schmückten Saale des Arbeitgeberverbandes in Gießen eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Gießen statt.
Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Direktor Zach eis. erwähnte dieser in einer weiteren Ansprache, daß die außerordentliche Mitgliederversammlung unter dem Zeichen des neuen Deutschen Reiches stehe und damit ein ganz besonderes Gepräge erhalte. Wie sich der Deutsche Sparkassen- und Girooerband am Tage von Potsdam freudig zur Regierung der nationalen Erhe- bung bekannt habe. |o lege er auch heute namens der Bezirkssparkasse Gießen ein Treugelöbnis zu der nationalen Regieruna ab. Dos Treugelöbnis klang aus in ein dreifaches „Sieg- Heil' auf dos Deutsche Reich, auf den Reichsprä- sidenten o. Hindenburg und den Kanzler und Führer Adolf Hitler, das von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde.
Insgesamt waren 44 Vertreter der Stadt Gießen und der Landgemeinden erschienen.
Nach einigen weiteren Bemerkungen des Vorsitzenden wurde die Neuwahl des Auflichtsrates der Bezirkssparkasse Gießen, die auf Antrag des Vertreters der Stadt Gießen, Herrn komm. Beigeordneten Rechtsanwalt ßu leg, durch Zuruf stattsand, oorgenommen. Den Bestim- mungen der Satzung entsprechend, wurden zwei Drittel der Mitglieder von der Versammlung g e • wählt, nämlich die Herren:
1. Komm. Beigeordneter Rechtsanwall Luley, Gießen,
2 Beigeordn. Wilh. B e ck e r V., Treis a. d. Lumda, 3. Komm. Beigeordneter Karl Euler, Wiefeck, 4. Referendar Theod. H o^r f« n m ü l le r. Gießen, 5. Rechtsanwalt Karl Kruger, Gießen.
6. Fabrikant Dr. Erasmus Pauly, Gießen,
7. Stadtrat Konr. Heinrich Reinhardt, Allen- darf a. d. Lumda,
8. Bürgermeister Wilh. Karl R o m p f, Lang-Göns.
Der Regierungsoertreter, Herr Regierungsrat Grein, teilte hierzu ferner mit, daß die Aufsichtsbehörde folgende Herren in den Aufsichtsrat der Be- zirksfparkafse Gießen berufen hat:
9. Amtsgerichtsrat Wilh. B rü cke l, Gießen, 10. Stiftspfarrer D r a u d t, Lich, 11. Oberzollinspektor Heß, Gießen, 12. Kaufmann Karl Horst, Gießen.
Nach einer kurzen Ansprache des Vertreters der Stadt, Herrn komm. Beigeordneten Rechtsanwalt Luley, die in einem „Sieg-Heil' auf den Kanz- ler und Führer Adolf Hitler ausklang, wies der Vorsitzende in seinem Schlußwort auf die Tatsache hin, daß auch in den letzten Jahren die Sparkasse stets in ihren Organen (Vorstand und Aufsichtsrat) von Männern betreut gewesen sei, die Sauberkeit und Gewissenhaftigkeit als ihren obersten Grundsatz angesehen haben und daß die Sparkasie ihnen hierfür Dank wisse. Damit wurde die Versammlung geschlossen.
Im Anschluß an diese Tagung fand eine Sitzung des neu gewählten und neu bestellten A u f s i ch t s - rotes statt, die durch Herrn Regierungsrat Grein berufen war. In dieser Sitzung wurden gewähll:
1. Zum Vorsitzenden des Aussichtsrates Herr komm. Beigeordneter Rechtsanwalt Luley. Gießen,
2. zum ftelloertr. Vorsitzenden des Aufsichtsrates Herr Fabrikant Dr. Erasmus Pauly. Gießen, 3. zum Schriftführer des Aufsichtsrates Herr komm.
Beigeordneter Karl Euler, Wiefeck,
4. zum ltelloertr. Schriftführer des Aufsichtsrates Herr Bürgermeister Wilh. Karl R o m p f, Lang- Göns.
Zu unständigen Mitgliedern des Vorstandes wurden gewählt:
1. Herr Oberforstmeister Karl Nicolaus, Gießen, 2. Herr Kaufmann Adolf Su dheimer, Gießen.
Zum Stellvertreter des Direktors wurde Herr Oberforstmeistcr Karl Nicolaus, Gießen, be- stimmt. Als ständige Mitglieder gehören die Herren: 3. Direktor Ph. Zachcis, Gießen: 4. Rechner Wilh. Braun, Gießen: 5. Kontrolleur Hrch. Feick, Gießen, dem Vorstände an.
Hochschulgruppe Gießen der Glaubensbewegung -Deutsche Christen^.
Am Donnerstag veranstaltete die H o ch f ch u l - gruppe Gießen der Glaubensbewegung „deutsche Christen' mit der Stuben- tenschaft eine Kundgebung, bei der Herr Studien- Direktor Scheller, Naumburg, über dos Thema „D a s gläubige Dennoch der deutschen Christen' sprach. Der Referent führte — so berichtet man uns — folgendes aus:
Wir wollen zu dem Kern durchdringen, der das Innerste und Heiligste umfaßt, dem Dennochglauben Luthers. In diesem Dennoch steckt ein Sichwehren- müssen, eine Kampfstellung der Bewegung, die verlangen kann, daß auf ihre Kernsache gehört wird. Die Rechtslage der Bischofsfrage ist im Augenblick die befragtest« Sache. Doch soll hier nichts abschließendes pro oder contra gesagt werden. Der häufigste Vorwurf, den man uns macht, ist der, daß wir kein Verständnis für die Staatsfrecheit der Kirche hätten. Demgegenüber sogen wir, daß die Kirche nichrs weniger als Politik vertragen kann. Sie soll und muß in ihrer Verkündigung frei sein, das ihr von Gott aufgetragene Wort sagen zu rönnen. Denn hier ist etwas anoerttaut, das sich keiner Autorität beugt und beugen kann. Aber sie kann staatsgebunden sein in ihrer Menschlichkeit, ihrem äußeren Erscheinen. Gottes Dort will gerade dort in diesen Formen menschlichen Zusammenseins Gestalt gewinnen. Darin soll sie gerade stark sein, darin beweist sic ihre Kraft, daß sie vor dieser Bindung traft ihres Inhaltes keine Angst hat. Ilrre Erzogen- heit zum Staat gehört nicht zu ihrer Glaubenssubstanz. Diese enge Verbundenheit muß nicht um des Staates, sondern um der Kirche willen gefordert werden nach jenem großen Erleben der jüngsten Vergangenheit. Jeder Diener der Kirche soll jene vier Tugenden des Staatsbürgers leuchtend zwin- gen: Treue, Gehorsam, Disziplin und Beharrlichkeit. Denn in der Kirche als Hüterin des höchsten Gutes auf Erden darf der Mangel an jenen Tugenden nicht gefunden werden. Das ist ein Staatsinteresse, das die Kirche dem Staate zubilligen muß.
Anderseits müßen wir uns wehren gegen eine Verkirchlichung des Staates. Denn in der Kirche sind Kräfte mobil, die durch falsch verstandenes Evangelium die tragenden Kräfte des Staates zu zermürben drohen, indem man glaubt, daß das Evangelium zum Staatsgesetz in dieser Well gemacht wer-
Iben könne (religiös-soziales Verständnis). Es kann nie Ersatz gefunden werden für ein weltlich Regiment etwa durch das Evangelium. Auch Christen brauchen jenes Herde, ftrenge Denken weltlichen Regiments, wollen wir nicht in einer Täuschung untergehen. Luther hat keine Schuld daran, wenn in jenen kirchlichen Kreisen Staat und Staatsordnung als eine Sache minderen Rechts angesehen werden. Der Staat muh wehren können, muß Macht haben, wenn er schützen will, und in der Welt muß geschützt werden, gerade daß die Kirche ihre Aufgabe tun kann. Man kann Evangelium nicht predigen in ein von allen Bindungen freies Menschen- tum. Evangelium kann nur da hörbar gemacht werden, wo Gesetz und Obrigkeit in seiner tiefsten Verbindlichkeit verstanden wird wie im neuen Staat, wo wir etwas spüren von jenem Imperativ als Un- bedingtem. Jene pietistisch kirchlichen Kräfte sind nicht mehr zeugniskräftig genug für den modernen Menschen: sie haben wohl die Kraft, sich in sich zu konservieren, aber sie sind nirgendwo mehr in ein wirkliches Gespräch mit dem Fronttämpfer des Weltkrieges gekommen, weil ihr gefehlt hat ein In- tereffiertsein an dem Anliegen des Mannes, besten Seele im Deutschland, Deutschland schlug. Auch wir willen uns stehend vor dem, vor dem wir einst stehen werden und zurückverwiesen auf das Feld hier aus Erden, wo uns unsere Aufgabe erwartet. Auch wir haben etwas verspürt von jener Autorität, die über uns steht und über uns verfügt, und wissen, daß in dieser Gebundenheit die höchste Freiheit besteht. Deshalb wollen wir den Staat in jenen letzten Grund einbauen und verwurzeln in allerletzter Bin- bung. So steht das Volk vor der Kirche in dem Verlangen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, auch Staat und Regiment wieder als Gottesordnung zu lehen.
Wir, das deutsche Volk, sind seit der Reformation auf Gedeih und Verderb mit der evangelischen Kirche durch Luther verkoppelt, die Neubesinnung ist ohne Luther nicht denkbar, weil reformatorisches Gut in ihr steckt. Was man an uns haßt, ist nicht zuletzt lutherisches Erbgut: so wollen wir stehen und lamp- sen. weil das Volk jetzt ruft nach der Kirche als nach ihrer Predigerin, mit ihr in den vordersten Reihen zu stehen, um ihm in schonungsloser Wahrheit in Vollmacht zu sprechen vom Gesetz des ewi- gen Gottes und vom Evangelium Christi. Das ist das dröhnende Pochen der deutschen Christen an das Tor der Kirche. Wir brauchen jetzt weniger Samariterdienst als Kräfte für den großen Kampf, wir brauchen weniger Samariterkolonnen als milites (Streiter) Christi.
Im Schlußwort dankte Herr Prof. D. Born- lamm dem Redner und wies darauf hin, daß cs heute keine Seltenheit ist, daß so viele Studenten auf die religiöse Frage wieder hören; das ist in unserer Führung so wie auch im Volk. Es ist ein Zeichen dafür, daß der Strom des Umbruches ein religiöser Strom ist, der an uns und die Kirche strömt. Wichtiger als die Personensrage ist die Kirche und die Bewegung der deutschen Christen. Wir wollen nicht wieder schuldig werden wie die Kirche in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie dem erwachenden Arbeiter keine Antwort zu geben vermochte. Deshalb wollen wir uns zusammenschließen und ein Stück Gemeinde sein, der es um die Kirche und um das Volk geht, um sie vor der drohenden Fäulnis zu bewahren.
Leeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft in Gießen.
Vorn 13. bis 16. Juni sanden die diesjährigen Ab- schlußprüsungen II und I unter dem Vorsitz des hiesi- gen Truppenunterrichtsleiters, Fachstudiendirektor B o u ch h o l tz, statt. Nachstehende Behörden hatten je einen stimmberechtigten Vertreter in den Prüfungsausschuß entsandt: Oberpostdirektion Darmstadt; Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.; Landes- jinanzamt Darmstadt; Ministerium für Kultus und Bildungswesen in Darmstadt; Industrie- und Handelskammer in Gießen: Hessischer Städtetag in Darmstadt; Hessischer Landgemeindetag in Gonsen- heim.
Der Abschlußprüfung II (Berechtigung zum (Eintritt in den gehobenen mittleren Beamtendienst) unterzogen sich 5 Prüflinge: der Abschlußprüfung I (Berechtigung zum Eintritt in den einfachen mittleren Bureaudienst) unterzogen sich 19 Unteroffiziere, Mannschaften und Dersorgungsamvärter. Sie haben alle die Prüfung bestanden.
Die Abschlußprüfung II bestanden: FeDwebel Manns; Ders.-Anw. Pfeffer; Ders.-Anw. P i o s e k ; Feldwebel Ritter; Unterfeldwebel Sch le i n i n g.
Die Abschlußprüfung I bestanden: Feldwebel Bormuth; Feldwebel B o n nie ; Unterfeldwebel Bischel; Obergefreiter Dietzel; Feldwebel Dinges; Vers.-Anw. Supp; Feldwebel Fröhlich; Feldwebel Funk; Ders.-Anw. G a n ß ; Feldwebel Maiß; Oberfeldwebel Müller; Obergefreiter P e r s ch ; Stabsgefreiter Ramge; Stabsgefreiter Stahl; Feldwebel Stoll; Feldwebel oiebeder; Vers.-Anw. Schmidt; Ders.-Anw. Schnee; Feldwebel Wenzel.
Das Sommerfest
der Gießener Studentenschaft.
Die Leitung des diesjährigen großen Sommer- festes der Gießener Studentenschaft zu Gunsten der Gießener Studentenhilfe am Sonntag, 18. Juni, 20 Uhr, in der Dottshalle teilt über die Ausgestaltung des Festes folgendes mit: Das Grundrnotio der Beranftaüung ist die ,Lleinftadt". Es werden unter Mitwirkung von Mitgliedern des Stadttheaters, der Studentenschaft, der hiesigen Innungen, sowie von hündischen Gruppen Szenen aus deutscher Vergangenheit und Gegenwart aufgeführt. Die Spielleitung liegt in den Händen von Herrn Spielleiter Heinrich Hub vorn Gießener Stadttheater. Die Teilnehmer am Feste, welche wir in sehr großer Zahl zu sehen wünschen, werden im Rahmen des Abends aus der Zeit des 30jährigen Krieges bis hinein in die jüngste Gegenwart geführt werden. Der Aufbau des großartigen Bühnenbildes,'sowie die Ausgestaltung der Festhalle überhaupt werden von dem bestens bekannten technischen Leiter des Stadttheaters, Herrn Löffler, gekettet. Unter den wetteren Mitwirken- den sehen wir Herrn Tanzlehrer B ä u 1 k e mit verschiedenen Tanzgruppen, das bekannte Landsknechtspaar Krämer und Metz aus Frankfurt a. *Dl, sowie eine wettere Zahl namhafter Kräfte. Herr Ge- wandmeister Huber vom Stadttheater sorgt für die historische Kostümierung. Die Belustigungsstände werden durch die hiesigen Korporationen verwaltet. Große Tanzflächen, Buden aller Art, sowie die unentbehrlichen nahrhaften Stände werden dem Som- merfeft das allbekannte bunte Gesicht geben. Frohe und genußreiche Stunden stehen jedem bevor, der am Sonntag den Weg in die Dottshalle findet. Da
bei möchten wir wiederum betonen, daß es sich bei dem Sommerfeft der Studentenschaft nicht nur um ein Fest für Angehörige der Universität handelt, sondern um eine Angelegenheit der gesamten Gießener Bürgerschaft zur Teilnahme daran herzlichst eingeladen ist. Man beachte die heutige Anzeige.
Vorfrage vor der Studentenschaft.
Dom Amt für politische Schulung der Gießener Studentenschaft wird uns mitgeteilt:
Am Mittwoch, 21. Juni, sprechen im Rahmen des politischen Abends der Studentenschaft die Herren:
stud. tbeol. et phil. Seipp über: „Das Werden des Arbeitsdienstgedankens';
Regierungsrat Dr. Sues über: „Der deutsche Arbeitsdienst';
Studienrat Dr. König über: „Auslandsdeutschtum und Arbeitsdienst unter besonderer Berücksichtigung der Passauer Tagung".
Bornottzen.
lagestalenberfür Samstag: Neues Schloß, 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, Werbe-Ausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpfereien. — Flughafen-Restaurant und Cafe, nachmittags Garten-Konzert, abends große Illumination. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die blonde Christi'.
** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Prooinzialstrahe Langgöns- Holzheim (Abzweigung ©rüninigen—Holzheim) ist wieder aufgehoben.
** Sonntagskarten zum SA.-Tag in Münzenberg. Vom Bahnhof Gießen wird uns mitgeleilt: Zur Sonnwendfeier und SA.-Treffen der
Standarte 222 auf der Burg Münzenberg am 18. Juni werden Sonntagsrückfahrkarlen von allen Bahnhöfen der Strecken Friedberg—Mücke, Lollar— Vilbel-Nord, Gießen—Gelnhausen, Vilbel-Norl^- Slockheim, Friedberg—Hanau Hbf., Friedberg—Bad
Denkt an die „Stiftung für Opfer der Arbeit"!
Einzahlungen an Reichskredttgefellfchaft Berlin W 8, Behrcnsstraße 2122, sowie auf deren Reid)»- bankgirokouto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Konlobezeichnung: „Stiftung für Opfer her Arbeit'.
Homburg, Friedberg—Nidda, Gießen—Mücke, Collar—Grunbcrg nach Münzenberg (Butzbach-tzicher Eisenbahn) ausgegeben. Geltungsdauer: wie allgemein an Sonntagen.
" Sonderzüge aus Anlaß der Son- nenwendfeier und des SA. - Sportfestes in QHünAcnberg. Am Sonntag. 18. 3uni, verkehren auf der Butzbach—Sicher Eisenbahn folgende Eonderzüge: Münzenberg ab 22.30 Ahr. Butzbach-West an 22.58 Uhr, Bad-Aauheim - Bord an 23.18 Uhr. Anschluß an die Reichsbahn- züge m Butzbach und Bad-Bauheim In Richtung Gießen bzw. Frankfurt (Bk.) wird erreicht. Don den Bahnhöfen der Butzbach— Licher Eisenbahn werden an diesem Tage verbilligte Rückfahrkarten nach Bkunzenberg ausgegeben.
Meidet die Gefahren des Wassers!
Zehn beherzigenswerte Richtlinien.
Alljährlich ertrinken in Deutschland viele Men- schen nicht nur, weil sie meistens des Schwimmens unkundig sind, sondern auch durch Außerachtlassung der einfachsten Baderegeln. Zur Verhinderung von Unglückssällen in und auf dem Wasser und zur Erleichterung des Rettungswesens der Deutschen Ret- tungsgesellschast kann nicht oft genug daraus hin- gewiesen werden, daß den Anordnungen und Ratschlägen der Rettungsschwimmer und Rettungswachen im eigenen Interesse und zur eigenen Sicherheit Folge z u leisten ist.
Bor allen Dingen sind die Arbeiten der Rettungsschwimmer weitgehend zu unterstützen und nicht in Verkennung der Sachlage zu behindern, oder sogar die Retter tätlich anzngreifen.
Diese Handlungsweise ist moralisch zu verwerfen und wird strafrechtlich verfolgt. Um Unglückssälle zu vermeiden und dem „nassen Tod' entgegenzutreten, ist es erforderlich, daß
1. Nichtschwimmer nicht wetter als in brusttiefes Wasser gehen, eine Welle hat sonst die Schwimm- unkundigen schnell in Untiefe gehoben.
2. Vor dem Baden ist es nötig, sich über die Wasserverhällnisse und Wasserttesen zu erkundigen. Die Rettungswachen geben hierüber gerne Auskunft.
3. Nicht erhitzt ins Wasser gehen, auch nicht nach längerem Sonnenbad, Lauf oder Anstrengungen. Durch Zusammenziehen der Haut entsteht leicht Schlaganfall. Erst abkühlen.
4. Nicht im Kopfsprung in unbekannte seichte ober trübe Gewässer gehen, sondern durch Fußhocksprung.
5. Nie mit vollem Magen haben, dadurch können
Schwindel- und Ohnmachtsanfälle eintreten. Durch Sprung mit vollem Magen ins Wasser wird Brech- reiz ausgelöst. Der Schwimmer erstickt dann an seinem eigenen Mageninhalt. *
6. Im offenen Strom oder See nur in Begleitung schwimmen. Sumpfiges und schilfdurchwachse- nes Wasser meiden.
7. Bei Ohrenleiden — Trommelfellbeschädigung — Ohren mit ölgetränkter Watte verstopfen, da sonst durch den Eintritt von kaltem Wasier das Gleichgewichtsorgan gereizt wird und der Schwimmer die Orientierung verliert und sich dadurch evtl. auf den Grund arbeitet.
8. Die in den Strom hinausragenden Buhnen ober Kribben bergen insofern Gefahr in sich, als durch den veränderten Wasserstand an zuletzt passierbaren Stellen beim neuen Ueberschwimmen Verletzungen heroorgerufen werden. Auch wird der Schwimmer durch das drehende Master der Strom- Wanderung oft von Angstzuständen erfaßt, feine Kräfte erlahmen bann durch erregtes Schwimmen und ein Untersinken ist ohne Rettung unvermeidlich.
9. Anschwimmen an verankerte oder oorbeifah- rende Schiffe ist zu vermeiden, sie Haden manchem den Tod in den Wellen gebracht, da beim Verpaffen der Schiffe die ganze Kraft nur auf die Erfassung des Schiffes eingestellt war.
10. Bei niedriger Temperatur nie lange im Wasser verweilen, da sich eine Ueberempfindlichkeit bemerkbar machen kann, die sich in Kraftlosigkeit und Bewußtlosigkeit auslöst und daher ein unbemerktes, lautloses Untergehen nach sich zieht.
Dekanatötag des Dekanats Gießen.
Eine Entschließung zur lirchenpolitischen Lage.
X Gestern trat im Iohannessaol zu Gießen der Dekanatstag des Dekanats Gießen unter dem Vorsitz von Dekan G u ß m a n n - Kirchberg zusammen. Als Gast war Superintendent Ober- kirchenrat D. Waaner anwesend.
Nach dem Lied „Ach bleib mit deiner Gnade' hielt Pfarrer Steiner- Hausen die Morgenandacht über Kol. 2, 18. Die heilige Ausgabe der Kirche sei auch heute Schutz der Minderheiten um des Ganzen willen, von ihrem Ziel dürfe sie sich durch nichts abdrängen lasten.
Nach dem Gebet gedachte der Vorsitzende der seit der letzten Tagung verstorbenen Mitglieder: Pfarrer Hartmann, Alten-Duseck, Pfarrer Lic. Waas, Gießen. Wilhelm S ch u ch a r d, Gießen (Lukas), Bürgermeister Meyer, Staufenberg, Balthasar Hirz V., Watzenborn, Wilhelm Godel I., Pohl- Gons.
In feiner Eröffnungsansprache betonte Dekan Gußmann, daß die Kirche keine Umschaltung brauche und in ihrer Knechtsgestalt niemals mit Rom konkurrieren wolle. Besprochen wurde der gedruckt vorliegende Bericht des Dekanats- ausfchusses über die Jahre 1931,32. Dabei wurde der Feier des 31. Oktober gedacht, der immer mehr in bas Dolksdewußtsein hineinkommen soll. Besprochen wurde weiter die Feier des Gründonnerstags. Auch die Berichte der Vertrauensleute der Aeußeren und Inneren Mission, des Dekanatserzie- hungsvereins. Evangelischen Bundes, Gustav-Adolf- Verein, der Kirchengefangvereine und Posaunenchöre lagen gedruckt vor und wurden besprochen.
Der Voranschlag 1933 34 bewegt sich mit Einnahme und Ausgabe von 900 Mark im Jahre im seitherigen Rahmen und wurde gutgeheißen.
Darauf behandelte Pfarrer Lenz- Gießen das Thema: „Die Landeskirche und die politischen Weltanschauungen der Gegenwart'. Seinen Ausführungen lagen folgende Thesen zu Grunde.
1. Der Zusammenbruch des Liberalismus und des Marxismus und das siegreiche Ausflammen der nationalsozialistischen Wellanschauung stellt die Kirche vor die Frage nach gesteigerter Leistung.
2. Diese Frage hat die Kirche zu hören und zu beantworten als Kirche, die ihre besonderen gottver- ordneten Gaben für Staat und Volk zu geben hat.
3. Die Kirche verkündigt das Gesetz Gottes und den Glauben an den dreieinigen Gott, den Schöpfer, den Erlöser, den heiligen Geist.
3a. Im Zusammenhang mit dem ersten Glaubensartikel erkennt die Kirche die neuentdeckten Werte von Boden, Blut, Rasse, Volkstum als Gottes Schöpfergaben und ist bereit, diese Erkenntnis von Schrift und Bekenntnis aus zu vertiefen und zu reinigen.
3b. Der eigentliche (spezifische) Auftrag der Kirche ist ihr von dem Herrn Jcsus gegeben. Sie soll das Evangelium vom Heil in Christo predigen, d. h. von der Erlösung von Sünde, Tod und Teufel, von der Versetzung des Gläubigen aus dem natürlichen Ge
biet in das Reich Gottes, bas hier im Werden und jenseits in der Vollendung seine Stätte hat.
3c. lieber die Gemeinschaft des Blutes und der Rasse hinaus bekennt und verkündigt die Kirche die Gemeinschaft der Gläubigen im heiligen Geiste (3. Artikel).
4. Sotdnge die Kirche in Kraft des heiligen Geistes aus der Fülle des Evangeliums den Befehl ihres Herrn erfüllt, wird sie nie eine sterbende Kirche sein, selbst wenn die Zahl ihrer Glieder zu Zeiten klein werden sollte. Sie wird aber gewiß eine sterbende, wenn sie gefügige Dienerin eines Staates ober einer politischen Weltanschauung wird, obwohl dann zu Zeiten ihr sichtbarer Auftrieb mächtig erscheinen kann.
5. Die Gefahr, daß innerhalb der Kirche durch Verminderung ihres Wesens der Tod einschleicht, sehen wir von den deutschen Christen her drohen. Die „deutschen Christen' hatten die hohe Aufgabe, nichl nur Vertreter des Nationalsozialismus in der Kirche zu fein, sondern vor allem Anwalt der christlichen Kirche in einem alle Gebiete angreifenden Staat zu sein.
6. Nur als selbständige, einmütig bekennende, arbeitende und das Kreuz tragende Kirche dienen wir im wahrsten Sinne unserem Volke und Staate.
An die mjt lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine rege Aussprache an, in der auch sehr stark für die Glaubensbewegung der deutschen Christen eingetreten wurde. Es sprachen Sattler. Wiefeck, Ausfeld. Gießen, Neuenhagen, Gießen, S ucker, Gießen, Fi- scher, Gießen, Bechtolsheimer, Gießen, Dr. S) e p ö i n g, Gießen, Oberkirchenrat D. Wagner, Rehne11, Gießen, Bönning, Rödgen.
Rach einem Schlußwort des Vortragenden wurde folgende Entschließung einstimmig an- g e n o m m e n: „Der Dekanatstag des Dekanates Gießen begrüßt 1. die nationale Erhebung unseres Volkes und die Befreiung des Volkslebens von den zerstörenden Einflüssen religionsfeindlicher Kräfte (Gottlosenschulen); 2. er betont das selbständige Recht und die Vollmacht der Kirche auf Grund ihrer göttlichen Stiftung und Sendung; 3. er erkennt die heilige Pflicht der Kirche, unserem Volke das Gesetz Gottes und das Evangelium von Christus zu predigen; 4. dazu bedarf die Kirche der ungehinderten Freiheit der Predigt und der ungeftfimälerlen Haltung des christlichen Sonntags; 5. er beklagt aufs tiefste den durch politische Agitation in bk Kirche getragenen Zwiespalt um die Person des Reichsbischofs; 6. er erfleht, daß Gott uns schenke eine einige, geistesmächtige deutsche evangelische Reichskirche unter Führung des vom Vertrauen des überwiegenden Teiles des evangelischen Kirchenvolkes Deutschlands und insbesondere der Kirchenregierung unserer evangelischen Landeskirche getragenen Reichsbischof von Bodelschwingh.'
Nach dem Lied „Erhall uns Herr, bei beinern Wort' schloß der Vorsitzende die Tagung.


