Ausgabe 
17.5.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

20

bis 22 Uhr.

des

3aud)c und Abortgruben gespritzt sich eine Oelhaut aus dem Wasser,

Um die Rückverlegung des Finanzamtes Butzbach.

15 bis 17 Uhr, Ausstellung. Lichtspielhaus (Bahn­hofstraße):Liebe auf den ersten Ton".

Aus dem Stodtlhealerbureau wird

Deutsche, entdeckt Deutschland!

Mannigfaltigkeit und Einheit der deutschen Stämme.

Von Or. Friedrich Schulze-Maizier.

Auch auf Dachrinnen und Schmuckgefäße ist zu achten.

2. Die Gießwasserbchälter kippe man alle 14 Tage völlig um. Dadurch gelangt die Brut restlos auf die Erde und trocknet aus.

3. Falls die Behälter sich nicht völlig ausleeren lassen, so kann man sich durch starkes Durch­spülen und gleichzeitiges Ueberlausenlassen des Wassers Helsen. Schnakenlarven dürfen nicht Zu­rückbleiben. , r

4. Auch durch festschließende Deckel, mit Hilfe von Sackleinwand und dergl. kann man verhindern, daß Schnaken ihre Eier in das Wasser der Ge­fäße legen.

Wo demnach verständnisvolles und zuverlässiges Mitarbeiten der Gartenbesitzer angctroffen wird, be­stehl die Aufgabe der städtischen Abgesandten nur im Nachsehen Diese Nachprüfung darf natürlich nicht vernachlässigt werden. Auch muß den städtischen Be­auftragten allein die Entscheidung zustehen, ob Sa- prol angewandt wird oder nicht. Bei genauer Inne­haltung dieser Vorschläge kann die Schnakenplage durch Hausschnaken bald unterdrückt sein.

Das gilt jedoch nicht für die Wiesen-- und Wald­schnaken, die uns in Gießen ebenfalls zu schaffen machen. Auch sie entstehen zu Millionen. Infolge ihrer andersgearteten Lebensweise müssen sie etwas an­ders bekämpft werden. Diese Aufgabe fällt ganz den Behörden zu. Wir finden diese Schnaken nicht dort, wo wir die Hausschnaken und ihre Brut zu suchen pflegen. Zwar kommen im Herbst auch von ihnen einige ins Haus, doch überwintern diese Schnaken meist als Eier, die infolge ihrer schlechten Auffind- barkeit gegen Zugriffe geschützt sind. Gewisse Wald­schnaken überwintern auch als Larven. Während für die Hausschnakenlarven und die meisten Wiesen- und Waldschnaken eine Eisdecke tödlich ist. kommen die genannten überwinternden Larven entweder mit dem Sauerstoff aus. der im Wasser gelöst ist, oder sie bohren die Luftgänge von Wasserpflanzen an und versorgen sich auf diese Weise mit dem notigen Sauerstoff. Gegen diese Larven hilft eine Saproldccke auf dem Wasser nichts. Für die Umgebung von Gießen ist das ohne Bedeutung, da gerade diese Schnakenarten bisher nicht in großer und störender Jndividuenzahl aufgetreten sind. E. M.

Taten für Donnerstag, 18 Mai.

1782: der Freischarenführcr Major Adolf Freiherr von Lützow in Berlin geboren; 1799: der fran­zösische Schriftsteller Pierre August Caron de Beau­marchais in Paris gestorben, 1804: Napoleon wird erblicher Kaiser, 1848: Eröffnung der ersten Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt n. 'UL; r- 1862: der Okkultist und Parapsychologe Albcrt Freiherr von Schrenck Notzing in Oldenburg ge­boren; 1869: der ehemalige Kronprinz Rupprecht von Bayern in München geboren.

Bornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch. Ober­hessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brandplatz:

Danach sprach Bürgermeister Dr. Scheller. Als Kernpunkte stellte er heraus, daß die seinerzeit für die Verlegung des Finanzamtes ange­führten Gründe sich als Fehlschlüsse erwiesen hatten. Die damalige Begründung habe von Anfang an nichts Ueberzeugendes gehabt. Die Wohnungsfrage, die zunächst den Grund abgeben muhte, habe sich als ganz anders gelagert erwiesen, wie schon damals von Butzbacher Seite aus betont wurde. Dor allem ober sei die Voraussage, es könnten erhebliche Per­sonalersparnisse gemacht werden, als gänzlich irrig erwiesen. Es sei nicht nur keine Ersparnis gemacht worden, sondern die Personalkosten hätten sich im Gegenteil vermehrt. Besonders sei hervor- zuheben, daß neben diesen fiskalischen Verlusten die Bevölkerung von Butzbach und Umgebung schwere Ausfälle zu tragen habe. Der Redner bezifferte den rein materiellen Schaden auf 120 000 RM. im Jahr, wobei der Derdienstausfall und das Risiko von größeren Geschäftsverlusten bei Kaufleuten und Ge­werbetreibenden noch nicht in Rechnung gestellt sei. Wie vor anderthalb Jahren stehe auch heute die ge-

Buntes Allerlei.

Von einer Brillenschlange umhalst.

Ein Bewohner von Broken Hill in Bord-Rho­desien. R- LyonS. ging friedlich in seinem ®orten spazieren, als plötzlich eine Brillenschlange von einem Baum auf seine Schulter herabfiel und sich rasch viermal um seinen HalS ringelte. Sie zog ihre heftigen MuSkeln immer enger zusammen, zischte wütend und hatte ihren HalS schildförmig gebläht. Wie aus Johannesburg berichtet wird, verlor Lyons in dieser furchtbaren Gefahr keinen Augenblick seine Geistesgegenwart Er konnte ge­rade den Kopf deS giftigen Reptils aus dem Winkel feiner Augen sehen, hob langsam seine Hände und packte Die Kobra, um die Windunaen aufzulösen, die sich ihm bereits erstickend um den Hals legten, während die Schuppen sich in seine Haut emschnitten. DaS Grausige seiner Lage wurde noch dadurch erhöht, daß sein eingeborener Diener in den Garten kam, mit einer Flinte be­waffnet, und diese auf die Schlange richtete, ohne zu bedenken, daß ein Schuß nur den Kops seines Herrn zerschmettern konnte. Glücklicherweise fiel Lyons ein, daß das Gewehr nicht geladen war; er fuhr also fort, sich von der Schlange zu be­freien, und es gelang ihm auch schließlich, ohne Schaden zu erleiden, die Windungen zu lösen und die Kobra zu töten.

Blutspuren.

Als man vor kurzem auf dem Bahnhof von Or­leans in dem Abteil eines aus St. Etienne kom­menden Zuges starke Blutspuren entdeckte, glaub­ten die Beamten, daß hier ein Verbrechen ver­übt worden sein müsse. Der Waggon wurde ab­gehängt, amtlich versiegelt und Die Polizei be­nachrichtigt; da man einen Mord vermutete, nah­men Detektive die Suche nach der Leiche auf. Aber als die Zeitungen von der geheimnisvollen Angelegenheit in großer Aufmachung berichteten, löste sich alles in Wohlgefallen auf, denn ein 12- jähriges Mädchen, Simonne Poirier, betrat schüch­tern die Polizei-Inspektion und fragte nach dem

Inspektor. Als sie dorgelasfen wurde. Tagte Tic: .Ich möchte nur den Mord ausklären. von dem die Zeitungen so viel erzählen. I ch war es nämlich!" Das Erstaunen des Beamten ver­schwand, als ihm Simonne erzählte, fie habe un­terwegs in dem Zuge starkes Nasenbluten gehabt.

Haus zu befürchten.

Dazu müssen die Gartenbesitzer allesamt nut- heljcn. Sie sind durch die Polizeiverordnung vom 28. Rovcmber 1911 dazu verpflichtet. Sie wird jährlich vom Oberbürgermeister der Stadt be- fanntgegeben. (Der Bekanntmachung des Kreis- arntes (z. B. vom 5. Dezember 1930) wonach die Scknakenbrut in den Monaten Dezember bis Februar zu vernichten ist, muh ein Druckfehler zugrunde liegen. Denn Schnakenbrut der Haus­schnaken gibt cs in diefen Monaten praktisch nicht. Als tropische Tiere brauchen die Hausschnaken zur Entwicklung Sommerwärme.)

Erfahrungsgemäß richtet sich niemand nach den genannten Verordnungen. Auch ist vereinzelte Bekämpfung nutzlos. Deshalb wird es gut fein, wenn die Stadtverwaltung auch die Sommer- betämbfung einheitlich regelt. Dazu mögen die folgenden Richtlinien dienen.

Die Polizeiverordnung verlangt die Vertilgung der Larven mit Saprol. Alle drei Wochen soll diese teerische Flüssigkeit auf die Wasseroberfläche von Regensässern, Gießwasferbehältern, Wasserlachen, Jauche und Abortgruben gespritzt werden. Es bildet

Landkreis Gießen.

I I Großcn-Lindcn. 15. Mai. Am Sams­tag fand hier der alljährlich einmal vorgesehene Feuerschutztag statt. Unter Vorantritt des Spielmannzuges der Freiwilligen Feuerwehr marschierten die Freiwillige und die Pflicht­feuerwehr mit den Jeuerlöschgeräten nach einem Umzug durch Den Ort auf Dem freien Platz bei Der Turnhalle auf. Unter Leitung ihres ersten ÄommanDantcn, Landwirt Wilhelm Volk, führte anschließend die Freiwillige Feuerwehr ein Schau- ererzicrcn vor. Zum Schluß hielt Der erste Kom­mandant eine Ansprache, in der er auf Den Zweck und die BeDeutung dieser Veranstaltung hinwies, die ebenso sehr der Bekämpfung, al« auch der Verhütung von Bränden diene.

- ©rünberg. 13. Mai. Dieser Tage hielt der hiesige Zweigverein des V H E im .Wilden Mann" seine Hauptversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete der 1. Vorsitzende. Rek­tor Bender. Die Mitgliederzahl beträgt 85. darunter 3 Ehrenmitglieder; sie hat sich Damit auf derselben Höhe wie im Vorjahre gehalten. Bei 14 Wanderungen war eine durchschnittliche Be­teiligung von 21 Wanderern zu verzeichnen. Ge­legentlich einer Familienfeier konnten an acht slei- fjige Wanderer Auszeichnungen verliehen werden. Der Zweigverein ließ bei Der Bismarckfeier auf Dem Hoherodskopf ein Bild des verstorbenen Ober­amtsrichters Fritz (Komponist des Vogelsberg- Liedes) als Geschenk an den Hauptvcrcin über­reichen. Die Rechnungsablage ergab einen kleinen Ueberschuß Der Kasse Mit einem Sieg-Heil auf Das EhrenmitglieD Des VHE.. Staatspräsidenten Dr. Werner, auf Den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Reichskanzler Hitler schloß Der Vorsitzende die Versammlung.

Zur Bekämpfung der Schnakenplage.

Die Schnakenplage in den Häusern und Gärten von Gießen wird im Wesentlichen von der Hausfchnake hervorgerufen. Die Bekämpfung die- fer lästigen Insekten muß sich nach ihrer Lebens- weise richten. Im vergangenen Winter hat die Stadtverwaltung die Vernichtung der in den Kellern überwinternden Schnakenweibchen durch Abflammen der Kellerwände wieder ausgenom­men. Diese Maßnahme ist gut gewesen, doch ist sie nicht ausreichend, um weitere Plagen zu ver­hindern. .

Im Weichbild von Gießen finden sich m Den Gärten in großer Zahl Wasserbehälter Der ver­schiedensten Art xum Auf bewahren von Gieß- wasser. Dadurch daß dieses Wasser oft genug wochenlang steht, bietet es eine vortreffliche Ge­legenheit zur Entwicklung der Hausschnakenlarven. Die Hausschnakenplage wird dort geradezu her- angezs'chtet. und in kurzer Zeit ist wieder die Zahl der Schnaken eingeholt, die im Winter müh­sam vernichtet wurde. Die Vermehrung der Tiere ist so ungeheuer, daß im Herbst die Plage er­neut auftritt.

Dagegen hilft nur die Bekämpfung der Schna­ken im Sommer. Sie richtet sich gegen die Larven der Tiere. Wenn ihnen in vernachlässigten Was­serbehältern keine Entwicklungsmöglichkeit ge­boten wird, ist auch keine Schnakenpflage im

.....................-taffer, Die den Schnaken- läroen beim Lustholen das Atemrohr verstopft. Sie ersticken in kurzer Zeit. Diese Maßnahme bringt ge- wisse Unbequemlichkeiten und Nachteile für den Gar­tenbesitzer mit sich. Er muß sich hüten mit saprolhal- tigern Wasser seine Pflanzen zu gießen. Gewöhnlich wird auch darüber geklagt, daß Vögel und Bienen nach dem Genuß solchen Wassers eingehen. Meist bewahrheiten sich diese Angaben nicht, weil die Tiere saprolhaltiges Wasser meiden. Jedoch wird der Bienenzüchter gut tun, seinen Bienen eine einwand­freie Tränke mit oft gewechseltem Wasser zu bieten. Es ist für ihn so am sichersten, daß die Bienen nicht verdächtiges Wasser genießen.

Die Stadtverwaltung braucht eigentlich nur eine einheitliche Aufsicht auszuüben. Die Verwendung von Saprol kann sehr stark eingeschränkt werden. Es ist nur Dann nötig, die Wasserbecken mit Saprol zu de- spritzen, wenn der Besitzer durch eigenes Verschulden am Tag des Nachprüfens noch Schnakenlarven am Leben gelassen hat. In den meisten Fällen genügt die Aufklärung. In den meisten Fällen werden Dann Die Gartenbesitzer ihr Gießwasser selbst vor Schnaken­brut schützen. Dies geschieht auf folgende Weise:

1. Man kehre alle nichtgebrauchten Gefäße (Blech- do!en, Gießkannen u. dergl.) grundsätzlich um, damit nicht Wasseransammlungen entstehen.

lichcr Uebcrrafchung vernahmen, baß auch Die preußischen Ketzer an Den Herrn Christus glau­ben. Schwerlich Dürfte es vorkommen. Daß (wie ein aus Dem RorDosten ftammenDer Germanist erzählte) rheinische SolDaten, Die zu einer Hebung nach Der Ostmark kommandiert waren, vorsorglich Seife und Zwirn mitbrachten. Da fie meinten, bei Den Barbaren Des Ostens gäbe es solche Kulturgüter noch nicht. Aber andere, leider we­sentlich tiefer greifende landsmannschaftliche Vor­urteile sind noch immer genug zu überwinden im deutschen Vaterlande.

Um nur eines Der häufigsten zu- nennen Daß Die vielzitierteM a i n l i n i e" cm purtiku- laristisches Phantom war. haben die Ereignisse der allerletzten Zeit bewiesen (bekanntlich ist der brückenreichc Main, an dem sich so viele auf furt endigende Ortsnamen finden, weit mehr ein ver­bindender als ein trennender Fluß; die Würz­burger. obwohl fie aus dem rechten Mainufer Hau­sen, würden protestieren, wollte man sic für Norddeutsche" erklären); aber die schiefe und übertriebene Art, in der man (selbst Bismarck hat hier in seinen Anfangsjahren gelegentlich ge­sündigt) deutschen Norden und Süden gegenein­ander ausspielte, scheint immer noch nachzuwir­ken. Immer noch spukt der plumpe und völlig irreführende angebliche Gegensatz zwischen den tatkräftigen Verstandesmenschen des Nordens'' und denbehaglich genießenden Gemütsmenschen" des Südens. Wir sollten ihn endlich für immer verabschieden. Als ob der Unterschied zwischen Dem kolonisierten, slawisch durchsetzten Osten und dem viel früher kultivierten Westen nicht wich­tiger wäre! Als ob es nicht ebenso gescheite wie energische Schwaben gäbe und höchst behagliche Pommern, höchst gemütvolle Ostpreußen! Und wer längere Zeit in Sachsen lebte, wird sich fra­gen, ob Die viel erzählten Dialektswitze nicht ein recht verzerrtes, ja läppisches Bild von einem Menschenschläge verbreiten halfen, der so gar nicht gemütliche" Kampf- und Tatmenschen wie Les­sing und Fichte hervorgebracht hat. Ohne Zweifel, es wird hier noch auf allen Seiten an­einander gesündigt, auch bei gebildeten und leid­lich vorurteilslosen Deutschen. Wir müssen eben alle noch lernen, nicht Klasse gegen Klasse, Stand gegen Stand, sondern auch Stamm gegen Stamm die Augen und vor allem die Herzen immer bes­ser und feiner für einander offen zu halten. Deutsche, entdeckt Deutschland!" möchte man auch hier raten.

Selbst Vielgereiste, wenn sie sich ehrlich Rechen­schaft geben, müssen einsehen, daß es im Grunde oft nicht zum Besten steht mit ihrer erlebten Kenntnis Der Deutschen Gaue. Gewiß, man geht fleißig in Die Museen, wenn man reift, man be­trachtet aufmerksam Kirchen unD Burgen. Kunst- unD GeschichtsDenkmäler. Aber wie wenige un­serer Gebildeten machen sich Die Mühe, das Volks­tum Der von ihnen bereisten deutschen Landschaften näher kennen zu lernen! Und wenn sie neben1 DemLand" auch ein wenig auf DieLeute" ach­ten, wie oberflächlich bleiet Diese Kenntnis zu­meist. wie viele Fehlerquellen trüben Dann oft das Urteil! Selbst ein fo verdienter Volksfor­scher wie Riehl: wie merkwürdig schief, wie spür­bar voreingenommen mutet sein Urteil über den mitteldeutschen Volkscharakter denjenigen an, Der MittelDeutschland wirklich unD von GrunD auf kennt!

Steine des Anstoßes, Züge, die einem nicht ge­fallen wollen, wird man überall finden, bei Den weichen" Thüringern ebenso wie bei denfor­schen" Brandenburgern oder Dengroben" Bayern UnD man wird sich nur dann nicht an ihnen wehe tun. nur dann Die richtige, sozusagen universal­deutsche Einstellung gewinnen, wenn man alle Be- sunde. Die guten wie die minder erfreulichen, mit jenem gefunden Humor und mit jener weither­zigen Unbefangenheit hinzunehmen weiß, welche der fympathifche Vollsfestredner in Gottfrieds Kellers NovelleDas Fähnlein der sieben Aufrechten" an Den Tag legt:Was wimmelt Da für verschieDenes Volk im engen Raume, mannig­faltig in feiner Hantierung, in Sitten und Ge­bräuchen, in Tracht und Aussprache! Welche Schlauköpfe und welche Mondkälber laufen ba nicht herum, welches Edelgewächs und welches Un­kraut blüht da lustig durcheinander, und alles ist gut und herrlich und ans Herz gewachsen; denn es ist im Vaterland!"

* Butzbach, 15. Mai. Auf Veranlassung Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand, Des Einzelhandelsvereins und Des Ortsgewerbeoereins, fand Dieser Tage eine Bürgeroersammlung im .Hessischen yof" statt, zu Der u. a. auch Vertreter von Behörden unD Organisationen erschienen waren.

Nach Der Begrüßung Durch Den VorsitzenDen Des KampfbunDes, Kaufmann Wiehler, sprach Kauf­mann Wilhelm S e i p p e l über Den Zweck Der Zu­sammenkunft. Er wies Darauf hin, Daß vor einem Jahr Das jinanjamt von Butzbach weg- verlegt fei, was sich schon heute als Fehler er­weise. Das Finanzamt habe seit über einem halben JahrhunDert seinen Sitz in Butzbach gehabt unD sei eines Der heften Finanzämter gewesen, so Daß kein GrunD zur Auflösung vorgelegen habe. Die ange­schlossenen VerbänDe würben alles Daransetzen, Daß Der Fehler, Der Dem Staat roif Der Bevölkerung Geld koste, gutgemacht werDe; man habe zu Der nationalen Regierung Das Vertrauen, Daß sie Dieses Unrecht Des alten Systems ausmerzen werDe.

uns geschrieben: Heute, 20.30 Uhr Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Vorletzte Aufführung Des Lustspiels:Die Deutschen ftleinftäDter von Kotzebue unter Der Spielleitung von DberjpicIIciter Peter Fassott und mit Frau Auguste P r a s ch - Gre­ve n b e r g , EhrenmitglieD Des Meininger Landes- theaters, als Gast. Gewöhnliche Preise. SpielDauer von 20 bis 22 Uhr. Freitag, 19. Mai, 31. Vorstel­lung im Freitag.Abonnement unD zum letztenmal Das LustspielDie Deutschen KleinstäDter" qpn Kotzebue. Gewöhnliche Preise. SpielDauer von

Einer der besten und gründlichsten Kenner deutschen Volkstums, der Kulturhistoriker Wil­helm Heinrich Riehl, hat einmal einen Aus­spruch getan, den vielleicht erst wir Heutigen voll zu würdigen wissen:Der Volksgeist ist nicht etwa ein nebliges Gespenst, über das man gut Worte machen kann, weil es doch noch nie­mand gesehen; er läßt sich leibhaftig zitieren, wenn einer nur die rechte Beschwörungsformel weiß." Wir alle spüren es, daß dieser Volksgeist wieder rege wurde und sich sein ewige- Lebens­recht aus freie Entfaltung nicht länger verküm- ------ - ------- - - - , ,. . . mern lassen will. Um so mehr Anlaß für uns, samte Landbevölkerung aus der Umgebung hinter bedenken, daß jeneBeschwörungsformel" nur Dem Antrag, Das Finanzamt nach Butzbach I £ann gesunden werden kann, wenn es eben die zurückzuverlegen. Das Gesuch an den Herrn re$tc« ist, wenn sic die Artung des deutschen Reichsfinanzminister fei ebenso wie damals von Gesamtwesens richtig und den tatsächlichen Ver- sämtlichen 24 Gememden, Die semerzeit dem Finanz- ^Itniffen gemäß zur Geltung bringt.

amt angeschlossen waren, unterzeichnet. Die Bevolke- aßer gilt vor allem eines: Wir Deutschen

rung habe mit Befriedigung feststellen können, daß ein ^olk der größten landschaftlichen Man- die früher behördlicherseits betriebenen Zentralisa- nigsaltigkeit, das sich aus einer Fülle verschie° tionsbestrebungen, Die zur Entvölkerung des platten ^enartiger Stammesindividualitätcn zusammen- Landes geführt haben, von der nationalen Regierung und das trotzdem in geradezu wunderbarer adgelehnt werden und man irn Gegenteil daraus aus- ^eise über alle Unterschiedlichkeit hinweg eine gehe, die Derbindung , wischen Stad t u n d gewaltige geistig-seelische Einheit bildet. Dieses LanDenqerzuqe st alten und Damit Die Wirt- Wechselspiel von Mannigfaltigkeit und Einheit schäft im Mittelstand zu stärken. Bedeutungsvoll und Don jeher der Reiz (freilich auch die Ge- richtungweisend sei Der Beschluß Des preußischen j^hr) des deutschen Gesamtlebens gewesen. Das Justizministeriums, Die von Der früheren Regierung schon auf sprachlichem Gebiet verfolgen,

verfügte Aufhebung von 60 kleinen Amtsgerichten Spielen doch in kaum einer andern europäischen zurückzuziehen, da nach Ansicht der neuen Regierung Sprache die Dialekte eine so erhebliche Rolle Die Ersparnisse bei Der Verwaltung in keinem Ver- mic in &et unfern. Jede Stammesindividualität bältnis ftänDen zu Den Verlusten, welche Die Wirt- im deutschen Volkstum hat ihre eigene Sprache, schäft Der betreffenDen Stähle unh ihrer Umgebung unZ) fortgesetzt bereichert sich die Sprache aus erlitten. Dieselben GrünDe sprächen für Die Zuruck- 6em unerschöpflichen Bestand der Mundarten. Die Verlegung Des Finanzamtes nach Butzbach, Da hier wundervolle Nuancenfülle und Vielgestalt, der außer den großen Verlusten, welche Die Bevölkerung Synonymenreichtum unserer Sprache erklärt sich treffen, auch Die Behörde nur Ausfälle zu verzeichnen ni$t )ulc^t Quä tiefer Tatsache. Vollends unser habe. Die gesamte Bürgerschaft habe zu der natio- kusiureUes Leben, wie überwältigend spiegelt es nalen Regierung das Vertrauen, daß sie den bered). ;Gnc Einheit in der Dielgestalt, jene Dielgestaltig- tigten Wünschen der Bevölkerung von Butzbach und teit in öcr Einheit wieder! Was hat unser geiftig- Umgebung Rechnung tragen werde. seelisches Volksleben so reich gemacht und es

Es sprachen bann noch Kaufmann Nern als zur Erfüllung großer Kulturaufgaben besonders Vertreter des Einzelhandels, Dachdeckermeister befähigt? Doch wohl vor allem seine Vielstimmig- Heyd für den Ortsgewerbeverein, Bankvorstand (eit, die immer wieder zu einer vollen und wohl- Steinhäuser für die Dereinsbank, Bankvor- I tönenden Harmonie zusammenklang. Gewiß sind fand P a b ft für Die Gewerbebank und Direktor wir Deutschen ein Volk mannigfachster Zusammen- Falter für das Maihildenstift. Alle Redner brach- setzung, Vermischung und Ueberkreuzung. Daß ten ihre volle Zustimmung zu dem Vorgehen Der aber aus Schlesiern wie aus Bayern, aus Thü- Organisationen zum Ausdruck und versprachen auch ringern wie aus Westfalen, aus Schwaben wie ihrerseits Unterstützung. An Hand von praktischen aus Ostpreußen immer wieder rein und stark Beispielen legten sie bar, welche Schwierigkeiten Die der gemeindeutsche Grundton hervor- Bevölkerunq durch die Verlegung des Finanzamtes brach, das ist vielleicht das größte, schönste nach Friedberg und Gießen habe, und daß die Wunder dieser deutschen Polyphonie. Wer nur Richtigstellung dieses Fehlers im allgemeinen Inter- fo erhebliche Verschiedenheit der deutschen Stam- esse Der Wirtschaft liege. Forstassessor SchneiDer mesindividualitäten sieht (die gewiß nicht unter«

als Ortsgruppenleiter Der NSDAP, betonte, daß schätzt werden darf), wer immer nur betont, daß

aerobe Die Leitsätze Des Führers Dahin gingen. Durch wir nach Abstammung und Geschichte nun ein- Verbindung zwischen Stadt und Land die Volks- mal kein Volk aus einem Guß seien, wer nicht

Gemeinschaft zu stärken. Er werde Den Antrag un- bas Gesamtdeutsche aus allen Landschaftlichen

terstützcn und versuchen, bei den höheren Stellen der heraushört, beweist damit nur, daß er taub ist

Parteileitung Unterstützung zu erwirken. für das Entscheidende und Wichtigste.

Zum Schluß wurde folgende Entschließung Wir haben jetzt endlich den deutschen Parti- an Den Herrn Reichsfinanzminister einstimmig an- kularismus überwunden ^vatlich über- genommen:Die in Dem überfüllten Saal Des wunden Zu feiner seelischen Ueberwindung Hessischen Hofes" versammelte Bevölkerung Butz- hat noch immer manches zu geschehen, und jeber Dachs bittet DringenDft im Interesse von Handel von uns kann das Seine dazu beitragen Wieer und Gewerbe und zur Erhaltung des Mittelstandes das anfangen soll. Indern er, mit ber Idee des das Finanzamt nach Butzbach zu ruckzu- großen deutschen Ganzen im Herzes sich immer verlegen, Da keine Ersparnisse erzielt roerDen tiefer und freudiger Sineinlebt in die Mannig- und Bevölkerung von Butzbach unD Umgebung faltigleit unserer landschaftlichen Desonderung. dimere Verluste erleidet. Bitten Herrn Reichsfinanz- Indem er zunächst einmal den Gau unö Stamm, Minister Ausschuß persönlich zum Bericht zu emp- aus dem er s e Iber kam. ^cht «rundlich kennen fangen. Antwort an Bürgermeisterei erbeten. Bür- zu lernen sucht (manch einer wird sich tounbern, geroerfammlung Butzbach." wieviel er hier rwch zu entdecken hat). D>ann

Mit dreifachemSieg-Heil" auf den Reichspräsi- aber, indem er sich auch um andere deutsche

benten von Hinbenburg, Dolkskanzler Adolf Stammesarten kümmert und Zwar gerade um

Hitler und Staatspräsidenten Dr. Werner bieicmgen. die ihm bisher fremd und vielleicht wurde die Kundgebung geschloßen. nicht immer ganz systematisch ^rkamen. Es ist

_______ leider unser aller Verhängnis, daß wir im Urn-

x Kfz« gang mit einander so oft am Dordergründlichen

Haftbefehl in der Mordfache «urtp. hängen bleiben, uns so oft am Nebensächlichen WEN Frankfurt a. M., 16 Mai. Dor eini- stoßen, statt durch die freilich nicht immer De­gen Tagen war der 18 Jahre alte Fritz Lange- queme Schale zum K e rn des andern hmdurch- (oth genanntFred", unter dem dringenden Aubnngcn. Hand aufs Herz, Dolksgenossen, gilt Verdacht festgenommen worden, den Mord an das hier und da nicht auch deute noch für die dem Zigarrenhändler K u r t h in der Kronprinzen- Art und Weise, wie einzelne deutsche Stamme straße ausgeführt zu haben. Langeloth war dem übereinander urteilen? Gewiß ist vieles besser Kurth in dessen Geschäft behilflich. Vom Amts- geworden, gewiß ist der gemeindeutsche Gedanke geruht ist jetzt Haftbefehl gegen Langeloth gerade jetzt wieder erfreulich erstarkt. Etzwerlich erlassen toorlteiK I wird man heute noch jene wackeren Ba,uvaren

* treffen, die (wie Riehl einmal berichtet) mit ehr-