Ausgabe 
17.5.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 1'4 Erster Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 17. Mai (933

Erlchetnt tägltd), äuget Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Die Illustriert» (Bußener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle monats Beiugsprels:

Tiit 4 Beilagen MM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vn'ck und Verlag: vrühl'sche UniverfikäkZ'Vuch' und Stcinörudcrel R. Lange in Sieben. Schristleitung und Gefchäftrftelle: Schullttabe 7.

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Chefredakteur.

Dr. Jyriebr. Wtlh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Or H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfür denAn- zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich in (fließen.

Oie Neuorganisation der deutschen Nationalwirtschaft

Oie künftigen Aufgaben des Industrie- und Handelstages.

Berlin, 16. Mai. (WTB.) Der neue Präfi- bent dcS Industrie- und Handelstages Dr. von R e n t c l n umritz vor Pressevertretern den Auf- gabenkreiS des neuen Präsidium-. Der Präsi­dent betonte, datz eS feine vornehmste Pflicht fein werde, durch enge Zusammenarbeit eine ^Bereinigung von Kammern und Verbänden unter einheitlicher Führung au erzielen Eine solche Neuordnung bringt selbstverständlich eine starke Vereinfachung und finanzielle Ent - laftung der Angehörigen der erfaßten Wirt- schufISgruppen mit sich Nunmehr (oll eine feft- gefügte ständische Gliederung vorbe­reitet werden Durch eine weitgehende Selbstverwaltung wird ein Ausgleich der Interessengegensätze innerhalb der Stände er­zielt werden können. Auch regional wird man die ständische Gliederung straffer gestalten müssen und schon in der nächsten Zeit dazu übergehen, Wirtschaftsprovinzen zu schaffen, inner­halb deren die Verbände und Kammern zu- sammengefchloffen werden. Die Folge davon wird jein, datz die Erfüllung des nationalsozialisti- jchen Wirtschaftsprinzips hier zum erstenmal in aller Schärfe und Reinheit gelungen ist Dem nationalsozialistischen Führerpripzip folgend liegt bei mir die Befehlsgewalt, und ich werde die Neuordnung der Dinge von mir auS vornehmen Eine Selbstverständlichkeit ist eS, datz ich mich hierbei aller vorhandenen aufbau- willigen Kräfte bedienen und auf dem Boden des historisch Gewordenen Weiterarbeiten werde. Heute ist nichts so notwendig wie jener neue Typ des Wirtschaftlers, der aus einem organischen Denken heraus zur schöpferischen Neugestaltung befähigt ist. Eine Wirtschastsbelebung kann nur ersolgen von innen heraus, nämlich durch die Wirtschaftsträger. Hand in Hand damit mutz auch eine Beruhigung der Wirtschaft gehen. Leider konnte die Beobachtung gemacht werden, datz dunkle Elemente hier und da den Versuch unternehmen, gutgläubige Kreise zu mitz- brauchcn, um die Wirtschastsruhe zu stören. In den Dienststellen der NSDAP- wie der Negie­rung wird man sich in Zukunst diese unverant­wortlichen Gerüchtemacher daraufhin genau an­sehen.

Oie Sicherung des Arbeitssriedens.

Berlin, 16. Mai. (WTB.) Der Reichskommissar für die Wirtschaft. Dr. Wagener, und der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, haben sämt­liche Bezirke der Landesarbeitsämter mit Partei- genossen als Bezirksleiler besetzt. Für den Bezirk Hessen, mit dem Sitz Frankfurt a. M., wurde als Vertreter der Wirtschaft der Pg. Dr. Braun, für die Deutsche Arbeitsfront der Pg. Wilhelm D e ck e r zu Bezirksleitcrn ernannt. Die Bezirksleiter der Wirtschaft und der Arbeit sind in ihren Gebieten allein verantwortlich für den Wirt- schaf tsfrieden und für den Aufbau. Sie ordnen die Tarifverhältnisse, sie wachen über den Arbeitsschutz und über das Arbeitsrecht, über die sozialen Maßnahmen, sie verhindern mit allen Mitteln wirtschaftliche Sabo­tage, sie allein sind für den reibungslosen Aufbau der deutschen Arbeit verantwort- lich. Gleichzeitig geben Dr. Wagener und Dr. Ley bekannt, daß auf die Dauer oon acht Wochen ein Wassensti11stand für alle deutschen Arbeitsmenschen der Stirn und der Faust geschlossen wurde bis der ständische Aufbau der organisch gegliederten Wirtschaft durchgeführt ist. Preisbildung und Kaufkraft.

Berlin, 16. Mai. (WTB.-Fernspruch.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung und der Reichskommissar für die Wirtschaft geben bekannt:

Der Weg zur Besserung der Wirtschaftslage kann auf den Gebieten der lebenswichtigen Gegenstände und Leitungen des täglichen Bedarfes nicht mit einer Preiskonjunktur, sondern mutz mit einer M e n g e n k o n j u n k t u r beginnen. Erst hier­nach kann eine Preiskonjunktur folgen.

Eine vorweggenommene, etwa durch wirtschaftliche oder politische Machtstellungen künstlich er­rungene Preiskonjunktur mutz zusam­menbrechen, wenn sie auf einen Markt trifft, beffen Kaufkraft nicht vorher durch produktive Mehrarbeit entsprechend der Preissteigerung gehoben ist. Echte neue Kaufkraft kann nur durch Beschaffung von Gegenwerten durch nutz- l i d) e Arbeit erzeugt werden

Der Wunsch der einzelnen Wirtschaftsgruppen, aus der heute vielfach unlohnenden Preisbildung heraus- zukommen, ist wohl zu verstehen. In der Vorstellung eines gerechten Ausgleiches von L et - stung, Lohn und Gewinn sieht die Reichs- regierung ebenso wie in der A r b e i t s b e f d) a f una Ihre vornehmste Ausgabe. Sie verlangt von cbem Deutschen in dieser Zeit des Wirtschaftsan. lauses das grötzte Matz von Selbftbescheidung, Selbstzucht und Opfersinn. Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

Der Reichskommissar für die Wirtschaft gez. Dr. Wagener.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung gez. I. A.: o o n B a l tz.

Das Gesetz zumSchutz desEinzethandels.

Das Geleh zum Schutz des Einzelhandels wird nunmehr im Ncichsgesetzblatt veröffentlicht. ES be­stimmt u. a., datz das Verbot der Errichtung, Er­weiterung und Verlegung von Einheitspreisge­schäften unbefristet gilt. Verkaufsstellen, in denen Waren zum Verkauf feilgehalten werden, dürfen in der Zeit bis 1. November 1933 nicht errichtet werden. Als Errichtung gilt es nicht, wenn eine Verkaufsstelle unter Ausgabe der bisherigen Ver­kaufsräume innerhalb desselben GemeindebczirkS in andere Verkaufsräume verlegt wird. Der Er­richtung werden gleichgestellt: die Erweiterung einer Verkaufsstelle durch bisher nicht dazu be­nutzte Verkaufsräume, sofern diese mehr als den zehnten Teil dcS beim Inkrasttreten des Gesetzes vorhandenen Verkaufsraumes ausmachen: die Tlebernahme einer Verkaufsstelle durch ein meh­rere Verkaufsstellen betreibendes Unternehmen: die Uebernahme der Verkaussstelle durch eine an­dere Person, sofern mit der Uebernahme eine Aendernng der Betriebsart, insbesondere die Um­wandlung in ein Warenhaus, oder in ein an­deres durch die besondere Art der Preisstellung gekennzeichnetes Geschäft verbunden ist- eine Aenderung in der Bezeichnung der Verkaufsstelle

Preisstellung oder auf den Bezug der Waren von einem bestimmten Cin'.aufsunlernchmcn hingewie- sen wird, die Ausdehnung des Verkaufs auf Le­bens- und Gcnutzmittel in Verkaufsstellen, in denen ausschließlich oder überwiegend andere Waren zum Verkauf seilgehalten werden.

Selbständige Handwerksbetriebe bürten in dem Betrieb eineS Warenhauses, Ein­heitspreisgeschäftes oder eines anderen, durch die besondere Art der Preisstellung gekennzeichneten Geschäftes, in der Verkaufs- oder Verteilungs­stelle eines Konsumvereins oder einer WerlSkon- sumanstalt nicht errichtet werden.

Die Gewerbeordnung wird u. a. wie folgt geändert: Hinter § 35a wird eine Vorschrift als § 35b mit folgendem Inhalt eingefügt: .Die Aus­übung des Handels mit Gegenständen des täg­lichen Bedarfs kann untersagt werden, wenn sich aus einer rechtskräftigen Verurtei­lung des Handeltreibenden wegen Betruges ober einer anderen straf­baren Verletzung fremden Vermögens oder wegen Wuchers oder aus wiederholter Verurtei­lung des Handeltreibenden wegen schweren Ver­stoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb seine Unzuverlässigkeit in Bezug auf den Gewerbebetrieb ergibt. Die Lan- deszentralbehörde oder die von ihr bestimmte Be­hörde kann die Wiederaufnahme deS Handels ge­statten, wenn seit der Untersagung mindestens ein

aus Geschäftsschildern, Anschlägen, auf Geschäfts

papieren und in Ankündigungen, wenn durch die '-$°vr verstauen qi. geänderte Bezeichnung auf eine besondere Art der

Das Echo der Roosevelt-Botschafi

pariser Blätterstimmen.

Pari«, 17. Mar. (WTB. Funkspruch.) Die Botschast Noosevelts hat in Frankreich offensicht­lich enttäuscht.Echo de Paris" erklärt, die ame- rikanijche Politik hat nichts gelernt. An der Bot­schast Noosevelts ist die Naivität der Be­gründung am enttäuschendsten und besonders anstößig ist, daß die Bereinigten Staaten, die im moralisierenden Ton der Puritaner des neuen Englands eingreifen, um das gegenwärtige poli­tische Gleichgewicht zu ändern, keine Verant­wortung übernehmen wollen. Wenn Deutschland aufrüftet, was werden dann die Ver­einigten Staaten tun9 Nichts. Auch .Jour­nal" fragt, ob Roosevelt nicht wieder einmal die Realität der Verteidigung dem angelsächsischen Hirngespinst geopfert habe, wonach die Abrüstung allein Sicherheit schofle.

Tas Blatt HcrriotsErc Nouvelle" begnügt sich mit folgender Lieberschrift.Roosevelt gibt Hitler eine ernste Warnung wegen der Ausrüstung."Repnbligue" schreibt: Man kann die Botsd)ast als eine direkte Antwort auf die der deutschen Regierung zugeschriebenen Pläne aussassen. Sie soll Hitler verhindern, in der von ihm angekündigten Rede die zivilisierte Welt und besonders Frankreich, England. Polen und die Kleine Entente herauSzusordern.

©deilte Ausnahme in London

London, 17. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Botschaft des Präsidenten Roosevelt an die Na­tionen der Welt ist nach der Meinung der Mor­genpresse vor allem darauf berechnet, die heutige Rede des deutschen Reichskanzlers zu beeinflussen undDeutschland einen Oelzweig zu reiche n". In den meisten Blättern kommt eine gewisse Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß Amerika keinen greifbareren Beitrag zum eu­ropäischen Problem gestellt habe. ,Moming Post" äußert sich durchaus skeptisch. Die Bot­schaft soll offenbar Herrn Hitler veranlassen, heute weniger kriegerisch zu sprechen, als es neulich Herr von Popen tat. Aber wenn Präsident Roosevelt bei der Sicherung des europäischen Friedens mit- helfen will, dann muß er zu eventuellen Interventionen bereit sein.

ImDaily Telegraph" heißt es, nach Herrn von Papens neulicherVerherrlichung des Krieges sei diese öffentliche Verurteilung des Militaris­mus zu begrüßen. Wenn die Kundgebung in Wahrheit für den Reichskanzler be­stimmt gewesen sei, so werde sie vielleicht Gutes bewirken. Den anderen 43 Empfängern werde man es verzeihen, wenn sie einige Enttäuschung über den unbestimmten Charakter der Botschaft emp­fänden. Wenn Roosevelt mit voller Llnterstützung des Kongresses Europa Garantien geben könnte, so würde er eine neue und glücklichere Epoche in der Geschichte der Welt einleiten.

Mit großer Wörme schreibt dagegenTime s" von einembegeisternden Aufruf", in dem der Prä­sident kühn und furchtlos eine vernünftige intcr* ationalc Zusammenarbeit befürworte. Ein amerika­nischer Verzicht auf die Vorrechte der N e ut r a l i t ä t würde die Aufgabe anderer Länder sehr erleichtern, die bereit seien, gegen unberechtigte Gewaltanwendung aufzutreten. Völlig im Fahr- wasser der französischen Hegemoniepolitik schreibt das Blatt bann weiter: Die Abrüstungskonferenz ist in ihren Arbeiten aufgehalten worden, weil Deutsch­land wünscht, eine Bcrufsarmce mit langer Dienst­zeit zu behalten, während andere Länder sich auf

Streitkräfte mit kurzer Dienstzeit beschränken wollen, die nur der Verteidigung dienen. Die erste und ab­solute Bedingung für einen Fortschritt ist Deut sch- lands Verzicht auf seinen Wunsch. So­lange das durch seine Forderung entstandene Miß» trauen nicht beseitigt ist, kann es keine wirklichen Fortschritte in anderer Richtung geben.

Daily 9)1 a i l" gebt der Auffassung Ausdruck, daß Herr Hitler heute eine maßvollere Haltung zeigen werde, als feine Untergebenen es letzthin ge­tan hätten. Die Hauptschwierigkeit sei die Bestür­zung, die in Europa über die nationalsozialistische Bewegung herrsche.N e ro s C hr o n i c I e" führt aus: Herr Hitler kann in der Frage Krieg ober Frieden heute einen ebenso entscheidenden Einfluß ausüben, wie gestern Präsident Roosevelt. Die An- nähme der Vorschläge des Präsidenten würde einen Fortschritt ermöglichen, der das Fehlen materieller Maßnahmen Amerikas vielleicht für den Augenblick weniger wesentlich macht. Inzwischen bedeutet die Botschaft offenbar das Ende der Isolierung Amerikas.

Macdonald über Deutschland

London, 17. Mai. (Reuter.) Premierminister Macdonald hielt auf einem ihm zu Ehren ge­gebenen Diner eine Rede, in der er erklärte: Wenn lemand sagt, wir seien gegen dieDeutschen, so erkläre ich, wir sind es nicht. Wenn je­mand lagt, wir seien gegen Deutschland als Na­tion, so erkläre ich nicht nur, daß wir daS nicht sind, jondern ich fordere auf, sich bie T a t - jachen anzusehen. Seit 1924 habe kein europäi- jd)cr Staat immer wieder biS in die jüngste Zeit jo sehr wie England den Wunsch gezeigt, Deutsch­land in bie europäischen Beziehungen einzu- spannen, wie es mit seiner Selbstachtung zu vereinbaren sei, unb es bis zum Aeußersten instand zu setzen, seine Verpflichtungen zu erfüllen. England wünsche Deutschland als Staat zu sehen, der an der europäischen Einigkeit und dem europäischen Frieden mitarbeit et. Er bestreite, daß England sich, soweit es Deutschland angehe, in Dinge zu mischen w ü n f ch e , die lediglich national zu re­geln seien. England muffe hören, waS geredet werde, müsse die Geschehnisse feststellen, könne seine Augen vor Ergebnissen nicht verschließen, könne der gegenwärtigen Lage gegenüber nicht in­different fein und sei es nicht. Europäischer Friede bedeute Weltfriede, und Amerika habe heule er­klärt, weder dem einen noch dem anderen gegen­über indifferent zu bleiben.

(5m Karabiner für drei polizeibeamie.

Wo bleibt dermilitärische" Cßa alter der deutschen Schutzpolizei?

Berlin, 17. Mai. (TU.) DerVölkische Be­obachter" veröffentlicht einen Aufsatz oon Polizei- major Botho E l st e r , der der deutschen Abordnung für die Abrüstungskonferenz als Mitglied angehört. Elster weist auf das unehrliche Spiel der Sieger- floaten des Weltkrieges unter Vorantritt Frank- reichs hin, das darauf hinausgehe, dort den stärk­sten Rüstungsstand zu behalten und hier Sicherheitslosigkeit und damit poli- tische Ohnmacht zu schaffen. Alles, was her Erreichung biefes Zieles dienen könne, werde heran- gezogen zum Beweis dafür, daß die entwaffneten I Machte noch nicht genügend entwaffnet feien. Die

deutsche Polizei werde als einezweite il­legale Armee" bezeichnet. In Wirklichkeit werde der ..militärische Charakter" der Schutzpolizei in Deutsch­land, den das Ausland unterstelle, schon dadurch hin- ällig, datz die Polizeien in den einzelnen deutschen Ländern gänzlid, ohne einheitliche Füh­rung und Vervindung untereinander eien. Wenn man diese Dezentralisation beispiels- weise mit der Gendarmerie in Frankreich ver­gleiche, die dem K r i e g s m i n i st e r unterstehe, und in Regimenter, Bataillone und Kompanien gegliedert sei, so werde man wissen, auf welcher Seite dermilitärische Charakter" zu finden sei. Zu dreien teilten die Polizeibeamten In den deutschen Ländern sich in einen Karabiner, zu fünfhundert in ein Maschinengewehr, bas zu­dem noch in einem an Landstraßen gebundenen Panzerwagen fest eingebaut sei. Frank- rcid) betreibe mit der dauernden Behauptung von 150000 Mann kriegsverwendungssähiger deutscher Polizei einen böswilligen und absolut unwahren Verleumdungsfeldzug.

Die Vorbereitung der Reichstagssitzung.

Berlin, 17. Mai. (BDZ.) Der A e l t e st e n - rat des Reichstages trat unter dem Vorsitz deS ReichStagspräs.ben en Göring zusamme'. Nach dem Ergebnis der Beratungen wird RcichStagS- präsident Göring um 15 Uhr bie Reichstags­sitzung mit einer kurzen Ansprache eröffnen, öt wirb bann sofort bem Reichskanzler baS Wort erteilen, um bie Regierungserklärung ab­zugeben. Eine Aussprache soll nach der Re­gierungserklärung nicht stattfinden, auch Er­klärungen der Parteien sollen nicht abgegeben werden. Cs wird vielmehr sofort nach der Kanzlerrede eine Entschließung der Fraktionen eingebracht, in der der Reichs­tag die B i 11 i g u n g der Erklärung der RcichS- rcglerung auSfpricht und sich der Forderung auf Deutschlands Gleichberechtigung anschließt. Diese Entschließung ist bereits vorbereitet und von allen Parteien, mit Ausnahme der Sozialdemokraten unterzeichnet. Die Sozialdemokraten werden in einer neuen Frak- tionssitzung im Anschluß an die AeltestenratSsit- zung ihre Stellungnahme noch endgültig festlegen.

Hugenberg an die Studenten.

Der Führer der Deutschnationalen Front, Reichsminister Dr Hugenberg, hat dem Schriftleiter der studentischen KampfschriftDer nationale Student" ein Interview gewährt, in bem er u. a erklärte: Wenn die deutsche Stu­dentenschaft heute die Tat vom 30. (Januar 1933 als Erfüllung unb Krönung deS Kampfes eineS Jahrzehnts empfinbet, so hat sie damit die Wege selbst bestimmt, bie sie in der Zukunst gehen muß: jie heißen: voller und selbstloser Ein­satz für den Wiederaufbau von Volk, Staat unb Wirtschaft. Ich halte eS für selbstverständlich, daß meine jungen Kameraden jid) im Rahmen dieser Zielsetzung wehrhaft machen unb erhalten, um im Geiste der bei Langemarck gefallenen Brüder Deutschland zu dienen. Die wehrhaften Korporationen sind tra­ditionsgemäß Träger dieser Zielsetzung und blei­ben auch künftig von größter Bedeutung. Ö4 bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß ihr« Selbständigkeit in jeder Hinsicht und unter allen Umständen gewahrt bleiben muß Der Kampf­ring deutschnationaler Studenten wird allen wehr­willigen konservativen Studenten seine Tore öffnen unb bie Hanb zur Mitarbeit an ber Schaffung desjenigen Staates reichen, den wir im Sinne deS 30. Januar gestalten wollen.

Großer Protestantentag am ^0. November.

Berlin, 16. Mai. (DDZ.) Die bem National­sozialismus verbundene Glaubensbewegung Deutsche C h ri st e n " beabsichtigt am 10. No- Dcmber d. I. anläßlich des 450. Geburt»» tages des Reformators D r. Martin Luther in aanz Deutschland einen großzügig organisierten Luthertag zu begehen. Der Rcichskulturwart ber Glaubensbewegunft, Alfred B i e r i ch w a l e, entwickelte vor dem Reichskultur- ausfchutz ber Glaubensbewegung das vorläufig« Programm dieser bedeutenden Veranstaltung. Da* nach soll am 10. November durch ganz Deutschland eine starke Welle des Protestantismus gehen. Die Glaubensbewegung, die keineswegs gegen die Kirche kämpfe, sondern vielmehr nur bie Volksver­bundenheit der Kirche wieder her stet- l e n wolle, sei der Meinung, daß nicht mehr nur eine große Konfession im Katholikentag ihre Anschauun­gen den breiten Volksschichten oortragen solle, son­dern datz auch die Veranstaltung eines Protestanten­tages geboten sei. Man darf danach annehmen, daß die für den 10. November beabsichtigte Feier des Geburtstages von Dr. Luther die regelmäßige Veranstaltung eines Protestanten- tages in Deutschland einleiten wird.

Nach dem vorläufigen Programm ist weiter vor­gesehen, datz der Luthertag in ganz Deutschland mit der Durchgabe von Merksprüchen durch die deutschen Sender schon mit den frühen Morgenstunden bea1*1* neu soll Es sind weiter geplant die Berank' ' von Schulfeiern, von F e ft g o 11 e st e n und am Nachmittag die Durchsicht:, Kundgebungen in allen deutschen unter Dorantragung von Kirchen- und Hak sahnen. Für den Abend sind festliche Derar. gtn, kirchenmusikalischer oder rethorischer A gescheh Auch sollen Rundfunk, Film