Ausgabe 
16.11.1933 Zweites Blatt
 
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führt zu haben, daß eine Ueberficht unmöglich schien und schließlich den Stand der Gesellschasts- Verhältnisse der Generalversammlung nicht dot- Stragen bzw. verschleiert zu haben. K. fl. sollte er Forderungen und andere Dermögensstücke ver­fügt und Sachen, die er in Gewahrsam hatte, sich zugeeignet haben. Im Lause der gestrigen Beweis-

Am 19 November sammelt die Hitlerjugend für das Winterhilfswert!

aufnahme, zu der auch ein Buchsachverständiger zu­gegen war, kam das Gericht, sowie auch der Ver­treter der Anklage zu der Auffassung, daß wohl Verdachtsmomente oorliegen, eine positive schuld der Angeklagten jedoch nicht zu erweisen war. Nach­dem der Staatsanwalt die Entscheidung in das Er­messen des Gerichts stellte, erfolgte die Are:- sprechung der Angeklagten von Kosten und Strafe

Brand in Büdingen.

Büdingen. 16. November. (Drahtbericht des Gießener Anzeigers.) In der letzten Nacht gegen 1.30 Uhr brach im hiesigen Armenhaus Feuer aus, das sich in kurzer Zeit erheblich ousdehnte und auch ein angrenzendes Haus für kurze Zeit leicht in Mitleidenschaft zog. Der Brand war durch glimmende Asche, die man in einem unge­eigneten Behälter auf den Boden gestellt hatte, ent­standen. Die Flammen zerstörten das Armenhaus etwa zur Hälfte. so daß die bisher dort wohnenden zwei Familien ob­dachlos wurden und anderweitig untergebracht werden müssen. Die Möbel der Familien sind zum Teil mit verbrannt. Zum Glück kamen aber Men­schenleben nicht zu Schaden. Die Feuerwehr hatte mehrere Stunden lang angestrengt zu tun, bis s>e des Brandes Herr geworden war

tlreb. -«ilieicli».

ll. Merlau, 15. Nov. In einem vorn Evangeli­schen Pfarramt veranstalteten und gutbesuchten G e meindeabend sprach der frühere Burenkornrnan- dant Koos Joste in interessanter Weife über seine Erlebnisse. Der Abend wurde durch Lieder der Schul- fügend verschönt und mit einem gemeinsam gesunge­nen Liede beschlossen.

Aus -er Erinnerungsmappe eines Briefkastenonkels".

rtzem, Kinder sprechen gelernt haben, dann kom­men sie in dasFragealter" und verfolgen nun ihre Eltern mit der ständigen Frage:Warum?". Warum hat der Hund vier Beine? Warum läßt der liebe Gott regnen? Warum und immer wieder warum?" Die Kinder wollen für alle Dinge und Vorgänge eine Erklärung haben, sie stellen Fragen, die kein Verständiger restlos beantworten kann. Aber nicht nur in der Kinderseele herrscht dieser Wissensdrang. Die FrageWarum?" beschäftigt den Menschen, solange er lebt. Auch die Erwachse- nen können häufig Fragen stellen, die nicht be­friedigend zu lösen sind. Schon der alte Leibniz beklagte sich über die Königin Sophie Charlotte, daß sie immer weiter frage, auch wenn er ihr ein philosophisches Problem gelöst yabe, sie verlange das Warum des Warums"

Schon frühzeitig haben es sich viele Tageszeitun­gen zur Aufgabe gestellt, den Wissensdurst ihrer Leser zu befriedigen. Sie schufen denB rief* k o st«n", in dem aus dem Leserkreis einlaufende Fragen Beantwortung finden. Eine führende Ber­liner Tageszeitung hatte wohl den größtenBrief­kasten" aufzuweisen. Täglich gingen Hunderte von Fragen ein, zu deren Beantwortung ein großer Stab gelegentlich-r Mitarbeiter tätig war. Es gab wohl kaum ein Wissensgebiet, aus dem nicht Fragen einüefcn, ob es sich um Vertilgung von Ungeziefer. Beseitigung von Flecken aller Art, oder um ge­schichtliche, medizinische, juristische, literarische, tech- nische. Verkehrs- oder auch familiäre Dinge handelte. Es war oft nicht leicht, die richtige Antwort zu geben, manche verursachten viel Kopfzerbrechen und Nachforschungen. Als oberster Grundsatz galt, es darf keine Frage unbeantwortet bleiben. Wenn irgendwo an einem Stammtisch eine Frage auf­geworfen wurde, über die man sich nicht einigen konnte, der Briefkostenonkel mußte mit seinem Rat helfen, manche Wette wurde eingegangen, die der Briefkastenonkel entscheiden mußte, manche Haus­frau erinnerte sich in ihrer Verzweiflung über einen undefinierbaren Fleck in ihrem Kleid an den Briefkastenonkel, und alle warteten sie gespannt auf die Nummer, in der Frage und Antwort ge­druckt Vorlagen. Alle möglichen Dinge wurden zur Begutachtung und Bestimmung eingeschickt, tote Insekten, Stoffmuster, Mineralien usw. usw., und für all diese Fragen waren Fachleute vorhanden, die die Beantwortung vornahmen. Mancher Frage­steller stellte gleich mehrere Fragen, die oft jeden inneren Zusammenhang entbehrten. Es mögen hier einige Beispiele folgen

Was soll man z. B. auf die Frage antworten: Was ist weiß Licht und weiße Farbe?" Ein Für-

bermeifter stellte einmal folgende Fragen:Äann man mit ürgenb einige Schemikalien Frische Rosen so Konserwieren. das die Rosen ümmer Ihr frisches Aussehen haben, ober gieb es wo Bücher mit der art Vorschrüften. ober gieb es berart Professoren ober Gelehrten, bie mir berart Verfahren abgeben roierben. Erwarte ergebens bas Beste" .

Eine Frau stellte fotgenbe Fragen Frauen stell- ten bas Hauptkontingent ber Fragesteller: Abonet fragt an ob Alte Obstbäume verpflanzt werben können? im Januar ober Februar soll we­gen Bauen ausgeschachtet werben, nur mögt ich bie Bäume behalten, aber von ber Stelle müssen sie fort! wenn! unb wie verpflanzt man fiel unb Tra­gen sie auch roieber Obst? mein Knabe von 14 Jahren hott Schweißfüße, womit vertreibt man bas!? auch hat meine Tochter Frostbeule, bie sich itzt schon merkbar machen, womit beseitigt man bie Frostbeule!? auf Zehen haben wir Elter äugen, ober Hüneraugen genannt! womit beseitigt man bie! bitt boch um recht genaue Antworten." Auch biefer vielgeplagten Familie konnte geholfen werben.

Eine anbere Leserin schickte ein Stuck grünen Seibenstoffes ein, auf bem sich ein gelber Fleck befanb. Sie meinte in ihrem Brief, der Fleck könne von einem Hund oder jo" stammen. Man verwies sie an eine chemische Reinigungsanstalt.

Aus einem Brief mit sechs Fragen mögen nur diese herovrgehoben werden:Meine Schwesters Sohn ist doch mein Mann der Onkel, ist mein zweiter Mann auch ber Onkel wie ber erste?" Wenn Osterheiligadenb auf den 1. April fällt und man bewohnt drei Stuben und Küche, wann muß man ziehen?"Wird ber Maikäfer Raupe unb Schmetterling?"

Eine weitere Frage in einem anberen Brief lau­tete:Was halten Sie von einem Menschen, wel­cher fofgenben Ausspruch gemacht hat: .Nebst Schlafen ist mir Essen bie liebste Beschäftigung.'?"

Eine Frage, bie nicht ganz leicht zu beantworten war, lautete:Wie fängt man es an, sich dem Schriftstellerberuf zu widmen?" Aber auch diese Frage fand ihre Erledigung: die Antwort lautete: Nichts leichter als das. Wer den Beruf zum Schriftsteller in sich fühlt, schreibt frisch drauf los und schickt das Geschriebene an eine der vielen gro­ßen Tageszeitungen. Stil ist hierbei Nebensache, denn diesen hineinzubringen ist Sache der Redak­teure. wofür wären sie sonst da unb bezogen bie fürstlichen Gehälter? Orthographie ist Luxus! Für diesen Zweck haben die Zeitungen einen mit jeder Rechtschreibung vertrauten Korrektor, und was ber nicht finbet, stellen bie unzähligen Setzerlehrlinge richtig. Der Stofs? Nichts einfacher als ber Stoff!

Man schlägt z. v Meyers Konversationslexikon auf. Schon unter bem Buchstaben « findet man so viel Anregung, daß man von der Fülle des Stoffes er­drückt wird: ist man bis zum Z oorgebrunaen, so kann man sein 25jähriges Schriftsteller-Iubiläum feiern. Ist der erste Artikel von der Zeitung ange­nommen, was gewöhnlich mit großer Freude ge­schieht, so läßt man einen zweiten Artikel folaen, gibt dabei aber seine genaue Adresse an, damit das Honorar richtig abgegeben wird, später findet der Briefträger den Schriftsteller von selbst. Es wird

gut fein, das Honorar in guten Papieren anzu­legen Noch wollen wir nicht unerwähnt taffen, daß nur auf eine Seite des Papiers geschrieben werden darf. Zur Zeit herrscht gerade großer Man­gel an Schriftstellern "

Man sieht aus diesem kleinen Ausschnitt einer umfangreichen Tätigkeit, wie ..aufklärend" die Zei­tung wirken kann Aber auch für den Briefkasten- vnkel war die Tätigkeit anregend und entbehrte nicht des Humors Der Briefkastenonkel a. D.

Bekanntmachungen des Personalamtes.

Ernannt wurden:

am 6. November 1933 der außerordentliche Pro­fessor der wirtschaftlichen Sloatswissenschast an der Universität Breslau Dr. Heinrich Bechtel zum ordentlichen Professor für Praktische Natio­nalökonomie an der Landesuniversität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1933;

am 31. Oktober 1933 der Oberjustizsekretär bei dem Amtsgericht Groß-Gerau, Alfred Eisenhauer, zum Oberjustizsekretär bei dem Amtsgericht Darm­stadt mit Wirkung vom 1. Oktober 1933;

am 16. Oktober 1933 der Studienrat a. D. Fran,; 011 zum Studienrat an dem Gymnasium und ber Realschule zu Bingen a. Rh. mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an.

lleberlragen wurde:

am 3. November 1933 dem Lehrer Adam B i y zu Laubenheim, Kreis Mainz, eine Lehrerstelle an ber Volksschule zu Kelsterbach, Kreis Groß-Gerau, Jakob Fehl zu Gimbsheim, Kreis Worms, eine Lehrerstelle an ber Volksschule zu Laubenheim, Kreis Mainz, ber Lehrerin Magbalene Krepp zu Harheim, Kreis Friedberg, eine Lehrerinnen- stelle an ber Volksschule zu Vilbel, Kreis Fried­berg, bem Lehrer Otto Stellwagen zu Kel­sterbach, Kreis Groß-Gerau, eine Lehrerstelle an ber Volksschule zu Darmstadt,

am 4. November 1933 ber Lehrerin Anna F a y zu Leihgestern, Kreis Gießen, eine Lehrerinnenstelle an ber Volksschule zu Wieseck, Kreis Gießen;

der Lehrerin Anna Ruths zu Wieseck, Kreis Gie­ßen, eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule zu Leihgestern, Kreis Gießen;

sämtlich mit Wirkung vom Tage des Dienstan­tritts an;

am 6. November 1933 dem Lehrer Hans Flach zu Mainz bie Leitung einer Schulgruppe an der Volksschule zu Mainz; dem Lehrer Georg Kolb zu Offenbach die Leitung der Knabenschule am Friebrichsplatz zu Offenbach, bem Lehrer Wil­helm Reinheimer zu Mainz bie Leitung einer Schulgruppe an ber Volksschule zu Mainz; sämtlich unter Verleihung ber Amtsbezeichnung Rektor" für die Dauer dieser Tätigkeit, mit so­fortiger Wirkung.

Aus bem Staatsdienst entlassen:

Auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederher­stellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurde mit sofortiger Wirkung aus bem hessischen Staatsbienst entlasten:

am 6. November 1933 ber Ministerialrat in Darm- stabt Dr. Otto Meller;

ber Oberju^tizinspektor beim Amtsgericht in Vilbel Julius Dalmer;

ber Staatsrat in Darmstadt Dr. Friedrich Joses v o n E i s f:

der Pfleger zu Crumstadt Friedrich Georg S ch ä f er;

der Kammermusiker Karl Jäger unb der Kam­mermusiker Karl Lindner, beide beim Hessi­schen Landestheater in Darmstadt, mit Wirkung vom 1. Januar 1934 ab.

3n den Ruhestand versetzt wurden auf Nachsuchen: am 6. November ber außerorbentliche Professor für

Volkswirtschaft an der Landesuniversität zu Gie­ßen Dr. Ernst Günther mit Wirkung vom 1. November 1933 an;

ber Forster Iheobor Damm zu Forsthaus Klara- berg, mit Wirkung vom 1. Januar 1934 unter Anerkennung ber bem Staate geleisteten lang­jährigen treuen D'enste;

am 31. Oktober 1933 der Rektor an ber Volks­

schule zu oprenbhngen im Kreise Alzey Friedrich Serehe vom 1. 'jtooember 1933 an, unter An­erkennung seiner dem otaate geleisteten Dienste und unter besonderer Würdigung des im natio­nalen Interesse bekundeten Opfersinns

Auf Grund des Ari. 17 des Gesetzes über die Schutzpolizei vom 20. Juli 1923 wurde der Polizci- major Jakob Hauck zu Darmstadt mit Wirkung

Es geht um Deutschland!

Arbeite mit am WHW.

vorn 1. November 1933 unter Anerkennung der bem Staate geleisteten Dienste aus bem Dienste der Hessischen Landespolizei verabschiedet.

Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

Am 27. Oktober 1933 wurde der Rechtsanwal Philipp Jakob Partenheimer in Alsfeld unter gleichzeitiger Aufgabe der Rechtsanwaltjchaft bei dem Amtsgericht in Alsfeld zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Oberhesten in Gießen zugelassen. "

Am 28. Oktober 1933 wurde der Amtsgerichts- rat i. R. Franz Reu11er in Gießen zur Rechts­anwaltschaft bei dem Amtsgericht Dingen zugelasten.

sichte mahnt:

Ls sollen erst alle satt werden unb fest wohnen, ehe einer seine Wohnung verziert, erst alle bequem und roarm gekleidet sein, ehe einer sich prächtig kleidet. Ls ist eben unrecht, daß einer das Ent­behrliche bezahlen könne, indes irgendeiner seiner Mitbürger das Noldürffige nicht vorhanden findet oder nicht bezahlen kann; und das, womit der erstere bezahlt, ist gar nicht von Rechts wegen und im ver- nunssttaat bas $ einige.

Spendet für das winterhilfswerkt

Postscheckkonto 28100 Frankfurt am Main.

Girokonto 6200 der Nassauischen Canbesbanf Frankfurt am Main.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt oller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Mehr Licht.

Diesen Wunsch könnten auch diejenigen dringend Vorbringen, deren Berufsweg sie täglich in die Querverbindung zwischen Friedrich- und Liebig- straße durch bie Rodhohl unb den Kirchengang führt. Regelmäßig läuft man in ber Dunkelheit Ge'ahr, auf an bie Wand gebrückte Gestalten aufzustoßen, beren Vorhandensein man bei ber herrschenden Fin­sternis erst in letzter Sekunde wahrnehmen kann. Wahrscheinlich würde eine geringe Verschiebung der vorhandenen großen Lampen an den Schnittpunkten in der Friedrich, Wilhelm- und Liebigstraße ge­nügen, um bem für ben Pastanten vorhandenen Uebelftanb abzuhelfen. Ein Passant.

Vortrags-Vereinigung

(Goethe-Bund. Kaufmänn.Verein und Gewerbeverein)

Heute abend 8 Uhr, Neue Aula

6917 u

2. Vortrag:

Musikalische Abendstunde

UWVVII!IDI!I!II!III!!!IIIIID||I!IIII»I!INII!II»I

Gießener Konzertverein

Denersteo, X3. November 1933, abeidi 8Uhr In 4er Staitklrehe. Zweites Kontert

Professor

GüntherRamin

Organist zu St. Thomae, Leipzig

Bach: Pracludium, FugeEs-Dnr. Choral- vorepiele, Toccata D-Moll.

Reger: Kvrie und Gloria, Choralvor spiele, Introduction und Pass» caglia D-Moll.

Eialrittakarton: 1.50. 2.25 und 3 KM. bei Ernst (.tmllier und abends an der Kasse. .Studentenkarten HO Pf. bei Herrn Sekr. Hitler und im Neuen Studentenhaus gegen Ausweis.. eMon

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Herzlichen Dank

allen denen, die bei Vollendung des achtzig st enLebensjahre- meiner freundlichst gedachten

Friedrich leo

Gießen, den 16. November 1933

§

MM grlMMSletzen Im 10.3. begebt am Samet, dem 18. November 1933, 20 Ubr, im ffnf* Vriu. ihren

SS. Gi'Nndmigstag

unter Mitwirkung des Munkkorvs deoBatl. 1 15Ä «N.

Alle Kameraden der QrtSgr. Gießen wcr)en hierzu nochmal» berzl. eingeladen. Rechtzeitiges u. vollzatll. Erscheinen ,'t vnuht

Am Sonntag, dem 19. November, findet em gemeiniamet

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ftatt. Treffpunkt: Marburger StraßeSternstraße.r> Abmarsch 13 Ubr pünktlich.

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