Ausgabe 
16.11.1933 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

oatz man im Führer durch die jetzt neu dortselbst erstandene Vogelwarte Essen schreiben konnte:Als aber die Dogeiwelt sich immer weiter vermehrte und wieder heimisch wurde in den Wäldern, war die Hauptgefahr, der vollständige Kahlfraß, beseitigt. Wenn auch die Schädlinge, u. a. auch die Gold- asterraupen, immer wieder auftreten, und besonders in den nördlichen Stadtteilen, mit dem Winde vom Niederrhein über die Kirchhellener Heide kommend, auf ihrem Hochzeitsflug zu Hunderttausenden unsere Waldgebiete durchfliegen, so wurde doch bald er­reicht, daß die Schädlinge niemals mehr so über- Hand nahmen, daß der Wald ernsthaft gefährdet wurde. Die Eichenschildlaus ist im Laufe der Jahre vollständig verschwunden."

Schon sehr bald hat sich der eifrige Vogelschutz bezahlt gemacht, und heute können die Freunde der Vogelwarte Essen, die im Stadtwald als anerkannte Musterstation erstanden ist, die in 45 Großkäfigen 800 Einzeltiere von 250 Arten umfaßt und bis 1931/32 von über 220 000 Menschen besichtigt wor

den ist, es sich als chr Verdienst zurechnen, das unter ihrer planmäßig und unentwegt zielklar durch­geführten Raturbereicherungspolitik bereits eine ganze Anzahl inzwischen ausgewanderter Tiere wieder von s e l b st den Weg in die Essener Wäl­der zurückgefunden haben: !)tochtigall, Pirol, Girlitz, Schwanz- und Haubenmeise, Ringel- und Hohl­taube, Käuze, Rotschwänzchen, Kleiber, Bussarde und wie sie alle heißen.

In diese Gebiete kommen nun auch unsere Fleder­mäuse zur Bereicherung und zum Ausgleich des Naturhaushaltes und in einer nützlichen Mission zugleich: sie sollen das mittlerweile hier stark aus­gebreitete Jnsektenleben, besonders die in der Nähe der Gewässer sich breit machenden Mücken und Schnaken niederhalten und so der Natur ihren wohl abgewogenen, von der Vorsehung der harmonisch ausgeglichenen Bestand (Der Biologe spricht hier vom ,chiologischen Gleichgewichtszustand in der Natur") wiedergeben und so die Selbstregulation der Natur wieder herstellen. Dr. K. R. F.

Beirat für Energie-Wirischafi.

D a r m st a d t, 15. Nov. (WSN.) Das Staats­presseamt teilt mit: Am Mittwochnachmittag fand im alten Palais unter Vorsitz des Herrn Staats­ministers Jung die erste Sitzung des Energie- Beirates statt, an der außer dessen Mitgliedern noch mehrere geladene Gäste teilnahmen.

StaatSministerZunq

eröffnete die Sitzung mit folgender Ansprache:Der Energie-Beirat ist durch Verordnung vom 26. Sep­tember 1933 für das Gebiet des Landes Hessen ins Leben gerufen worden. Ich bin mir darüber klar, daß die großen Fragen der Energiewirtschaft an sich nicht in einem so kleinen Gebiet, wie das Land Hessen es darstellt, endgültig gelöst wer­den können. Nicht einmal werden die Grenzen des Wirtschaftsgebietes Rhein - Main ausreichen, um eine einheilliche Lenkung der Energiequellen zu gewährleisten. Es werden vielmehr alle diese Kräfte in einen Strom geleitet werden müssen, um vom Reiche im Interesse des gesamten deutschen Vol­kes bewirtschaftet zu werden. Immerhin schien cs zweckmäßig, auch in einem so eng begrenzten Ge­biete, wie dem hessischen, Erkenntnisie zu sammeln, um Unterlagen dafür zu gewinnen, was überhaupt geschehen kann, und um dem Herrn Reichsstatthalter die Möglichkeit zu geben, das gesamte Wirtschafts­gebiet Rhein-Main in der Frage der Energiewirt­schaft zusommenzufassen.

Ich weiß auch, daß die Reichsregierung an der Bewirtschaftung der Kraftquellen großes Inter­esse hat und in absehbarer Zeit alle hiermit zusammenhängenden Fragen einer Lösung ent­gegenführen wird.

Aber auch wenn das Reich in irgendeiner Form seinen Einfluß im Interesse des Ganzen wahren wird, so dürfte den einzelnen Ländern oder Reichsprovinzen doch noch so viel Selbst­ständigkeit belassen werden, daß auch in den enge­ren Grenzen eine besondere Betreuung der Ener­giewirtschaft notwendig sein wird. Der Energie­beirat hat also den Zweck, der Regierung auf Grund seiner genauen Kenntnis Der Zusammenhänge und Gegebenheiten Die Möglichkeit zu verschaffen, zu Den demnächst aufgeworfenen großen Fragen der Bewirtschaftung der Kräfte Stellung zu nehmen. In den Energiebeirat sind daher Män­ner berufen worden, Deren Fachkenntnisse ihnen tiefere Einblicke in die energiewirtschaftlichen Ver­hältnisse gestatten. Der Energlebeirat ist n i ch t. w,e man fälschlicherweise annehmen könnte, eine In­teressenvertretung oder eine Zusammen­fassung von Jnteressentengruppen, sondern ein v o n d e r R e g i e r u n g b e st e l l t e s G r e m i u m von Persönlichkeiten, die nach bestem Wissen und Ge­wissen

ihr fachmännisches Urteil in den Dienst des Staates stellen und es damit zum Vesten des

Volkes abgeben sollen.

Die einzelnen Mitglieder sind also nicht berufen worden, um die wirtschaftlichen Interessen ihres Fachgewerbes allem anderen voran in jedem Ein­zelfalle zu verfechten, sondern um Urteil und Mei­nung kundzutun, wie sie sich aus dem fachlichen Wissen und Können heraus im Hinblick auf die Interessen des Ganzen, D. h. des hier in Frage kom­menden Teiles der Volksgemeinschaft, bilden. Diese Aufgabe ist für Den Einzelnen schwer und verant­wortungsvoll. Sie erforDert gewissenhafte Selb st Prüfung unD setzt eine Einstellung vor­aus, die über das im alten Wirtschaftsleben übliche Jnteresfenspiel erhaben nur den Dienst an der Gemeinschaft kennt. Ich erwarte daher, daß alle Mitglieder des Beirats Die an sie herantreten- Den Aufgaben in Diesem nationalsozialistischen Geist auffassen unD erfüllen, unD ich wünsche, Daß

jeder einzelne sich immer dessen bewußt bleibt, daß er als Mitglied des Beirats nicht die In­teressen seines Unternehmens oder Energiewirt- fchaftszweiges zu verfolgen berufen wurde, son­dern, daß er dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen hat.

In solchem Geiste kann und wird Das Zusammen­arbeiten befriedigend unD Der Volksgemeinschaft zu Nutz unD Frommen sein. Ich bitte Sie, zum Zeichen Dessen, daß Sie bereit sind, Ihre Kraft in diesem nationalsozialistischen Sinn unDGeist hier im Energiebeirat zur Verfügung zu stellen, aufzustehen und mit einem lauten3a" ihre Zu­stimmung zu erklären."

Die Mitglieder des Energiebeirats.

Als Mitglieder des Energiebeirats wurden Dann durch Handschlag verpflichtet: Direktor Radtke (Worms, EWR.), Oberingenieur Göbel (Worms, EWR), Direktor Böttcher (Mainz, Städt. Be­triebe), Dipl.-Ingenieur Karch (Friedberg, Heber- landwerk Oberhessen), Direktor Lemke (Offenbach, Städt. Elektrizitätswerk), Direktor B r a n D i 3 (Darmstadt, Heag), Prof. Schneider (Darmstadt, Techn. Hochschule), Dipl.-Jng. Laumann (komm. Leiter Der staatlichen Betriebe in Bad-Nauheim), Ministerialrat Weber (Darmstadt, Abteilung Ib), Oberfinanzrat Dr. Kratz (Darmstadt, Ministerial- abteilung III, Ministerialdirektor Schäfer (Darm­stadt) hatte sich entschuldigt.

Staatsminister Jung dankte Den Mitgliedern unD bat sie, nun an Die Arbeit zu gehen, damit Das Wirt­schaftsgebiet unter der bewährten und tatkräftigen Führung seines Gauleiters und Reichsstatthalters auch in diesen Fragen vorbildlich für alle deutschen Gaue unD ßänDer werde. Anschließend vereinigte Der Leiter Der Ministerialabteilung III, Obersinanzrat Dr. Kratz, die Mitglieder Des Energiebeirates zu einer engeren Sitzung.

Lustverkehrsverband Rhein-Main

Ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Einheit de« Mein-Main-Gebiets.

Frankfurt a. M., 15. November. (WSN.) Im Bürgersaal Des Frankfurter Rathauses fanD heute Die feierliche Gründung desLuftverk ehr s° oerbandes Rhein-Main e.V. Sitz Frank- furt a.M. statt. Im Auftrage des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger und des Frankfur­ter Oberbürgermeisters Dr. Krebs begrüßte

Bürgermeister Linder

Die Betretet Der verschiedenen Städte und Gesell­schaften, die dem Verband angehören. Er bezeich­nete die Gründung als einen weiteren Schritt auf Dem Wege zur Einheit des Rhein-Main- Gebiets.

Der verband habe Den Zweck, auf geraein- mihiger Grundlage den Luftverkehr des Ge­bietes zu fördern und hierdurch die wirtfchaft- liche Entwicklung des Verbandsgebieter, das die Luftfahrtoerttetungen im Gebiete des Frei­staates heffen, Des Regierungsbezirkes wies- baden und der Steife Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern des Regierungsbezirks Kassel um­faßt, zu heben. Insbesondere fei es auch feine Aufgabe, darauf hinzuwirken, daß Der Zeppelin- Landeplah in das Rhein-Main-Gebiet verlegt werde.

Bürgermeister Linder vollzog darauf die Grün­dung des Verbandes, indem er im Auftrage des Gauleiters zum Verbandsführer Direktor Heinz G r e tz - Frankfurt .. M. von Der SüdwestDeutschen Luftverkehrs A. G. ernannte unD weiterhin Stadt- rat Niemeyer- Frankfurt, Landesrat Schlü­ter- Wiesbaden und Oberregierungsrat Dr. Krebs- Darmstadt, der als Vertreter der hessischen Regierung anwesend war, in den Führer rat b*Nach dem Sieghell auf den Führer und unser deutsches Vaterland und dem Gesang des Deutsch- landliedes ergriff Der neuernannte

Verbandsführer Dr. Gretz

das Wort zu längeren Ausführungen über A u f g ei­ben und Ziele des Verbandes. Im Auf­trage des Reichsstatchalters bat er folgende Herren, einen Sitz im Luftverkehrstag zu Über­nehmen: Staatsminister Dr. I u n g- Darmstadt, Oberpräsident P r i n z P h i l i P p v o n H e s s e n in Raffel, Regierungspräsident Zf chintzfch - Wies­

baden, Landeshauptmann T r a u p e l - Wiebaden, Reichsbahnpräsident Steuernagel - Frankfurt a. M., Oberpostpräsident Plein-Frankfurt a. M., Reichsbahnpräsident Dr. G o u d e f r o y - Mainz, Oberpostrat Jakobi- Darmstadt, Provinzialdirek- tor Gebhardt-Darmstadt, Provinzialdirektor Graes- Gießen, Provinzialdirektor Dr. W e h n e r- Mainz, Direktor Wronsky- Berlin von der Deut­schen Lufchansa A. G., SA.-Obergruppenführer von I a g o w - Frankfurt a. M., Polizeipräsident Beckerle - Frankfurt a. 5DL, SS.-Oberführer R e djeß - Wiesbaden und Treuhänder Der Arbeit Handelskammerpräsident Dr. L ü e r - Frankfurt a. M. Dem Luftverkehrstag werden ferner fatzungs- gemäfj die vom Gauleiter in den Führerrat berufe­nen Heren angehörrn. Stellvertreter des Verbands- führers ist Stadtrat Niemeyer- Frankfurt a. M. Bezüglich der Beiträge und Umlagen betonte Direk­tor Gretz, daß Mitaliedsbeiträge nicht erhoben werden, sondern daß höchstens die geringen Aus­lugen für Porto, Drucksachen usw. umgelegt wur­den Sodann führte er weiter aus, daß Die heutige Gründung Des Luftverkehrsverbandes Rhem-Mam, in Dem alle Menschen und Kräfte Des Gebietes, Die am Luftverkehr interessiert seien, sich zu gemein­samer Arbeit zusammengeschlossen hatten, em Ziel darstelle, das alle, Die seit dem Kriege am Lu ver­kehr des Gebietes mitgearbeitet hatten, angestrebt und herbeigesehnt haben.

Der Luftverkehrsverband Rhein-Main fei keine formale Gründung, sondern er solle ein Gebilde fein voll Blut und Leben. Das rheiu-maloifche Wirtfchaflsgebiet müsse eine ausgesprochene Lufloerkehrsprovinz werden.

Neben hervorragenden Verkehrsaufgaben als Aus- fallstor nach dem Westen könnte aber auch Der Luftverkehr unseres Gebietes erhebliche außenpoli­tische Aufgaben erfüllen, indem wir dadurch unseren westlichen Nachbarn zeigten, daß wir den Geist dieses völkerverbindenden Verkehrsmittels voll er­faßt haben und daß wir dieses Instrument, das einst zum Völkermorden bestimmt war, heute zur Verbindung und Befriedung der Vol­ker ausbauen wollen. Als Pflicht und Aufgabe aller Mitglieder des neuen Verbandes bezeichnete Direktor Gretz den vollen Einsatz aller Kräfte für die Durchsetzung der Ziele und die Werbung für den Luftverkehrsgedanken. Den Verbanden

liege es in Der Hauptsache ob, ihre Erfahrungen dem neuen Verband zur Verfügung zu stellen und damit seine Aufgaben zu erleichtern. Jeder müsse eine Pflicht tun, wo er hingestellt sei, so wie es Der Führer von jedem Volksgenossen verlange.

Nach einem Sieg-Heil auf den Reichspräsi­denten, auf Den Kanzler unD Führer Adolf Hitler, Den ersten Deutschen Luftfahrtminister Hermann Göring unD Dem Gesang Des Horst- Wessel-Liedes schloß Bürgermeister L i n D e r Die ©rünDungstagung unD erste Mitgliederversamm­lung des Luftverkehrsverbandes Rhein-Main.

Oie Mitglieder des Verbandes.

Dem Lustverkehrsverband Rhein-Main gehöre« u. a. an: Landeshauptmann in Nassau zu Wies­baden, die Städte Frankfurt a. M., Wiesbaven, Hanau, Bad Ems, Nassau, Schlangenbad, Wetzlar, Limburg, Bad Homburg, Bad Soden, Fulda, Gelnhausen, Schlüchtern, Mainz, Gießen, Offen­bach, Bad-Nauheim, Friedberg und Worms, sowie sämtliche Verbände des Luftverkehrs- und Lust­sports, Die Hochschulen Des Gebiets unD Die ver« schiedenen Verkehrsverbände.

Oeuische-verwendet deutsches Holz

Von Oberförster Or. Oannecker.

Der ZustanD einer Volkswirtschaft ist wesentlich be° Dingt durch Den größeren oder geringeren Grad Der Versorgung mit eigenen Rohstoffen. Einer Der we­nigen Rohstoffe, Die DeutschlanD in größerem Um- ange hervorbringt, ist Das Holz.

In Deutschland bilden annähernd 13 Millionen Hektar Wald die Werkstätte, in der etwa 50 Millionen Kubikmeter Rohholz erzeugt werden. Davon wird die Hälfte zu Vrennzwecken ver­wendet, während 25 Millionen Kubikmeter als Nutzholz in die verschiedensten Kanäle der Wirt­schaft fliehen.

Nach Deutschland kamen während der Zeit günstiger Wirtschaftsgestaltung vor Dem Krieg im Jahres- Durchschnitt von 1907/13 runD 15 Millionen Kubik­meter. Durch Die politische unD wirtschaftliche Um« wälzung als Folge Des großen Krieges ist in diesem Holzkreislauf eine Störung eingetreten, Die in Den gewaltigen Holzeinfuhrschwankungen Der folgenden Jahre ihren Ausdruck findet.

Wenn man die neuerliche Entwicklung Des Holz- oerbrouchs nach allen Seiten abwägt, wird Der Eigenbedarf an Nutzholz im Jahre 1933 an­zunehmen sein an Bauholz mit runD 7 Millionen Kubikmeter, Papierholz mit runD 5,5 Millionen Kubikmeter, Grubenholz mit runD 3,5 Millionen Kubikmeter, Werk- unD sonstigen Hölzern mit rund 4 Millionen Kubikmeter, zusammen gegen 20 Mil­lionen Kubikmeter. Gegenüber Dem HolzbeDarf in Vorkriegs- und guten Konjunkturjahren mit 45 Mil­lionen Kubikmeter ist Demnach ein Minderoerbrauch von 10 bis 15 Millionen Kubikmeter eingetreten, was ungefähr der Einfuhrmenge Der Vorkriegsjahre gleichkommt.

Demgegenüber stehen heute aus Der deutschen Eigenerzeugung jährlich in Nutzholz rund 25 Millionen Kubikmeter zur Verfügung, und zwar an Bauholz rund 10 Millionen Kubikmeter, Papierholz rund 5,5 Millionen Kubikmeter, Grubenholz rund 5,5 Millionen Kubikmeter, Werk- und sonstige Höl- zer rund 4 Millionen Kubikmeter Die Gegenüber­stellung zeigt, Daß der heutige Nutzholzdedarf men­genmäßig aus eigener Erzeugung ohne Gefähr- Dung Des Holzertrages der Zukunft gedeckt werden tonn.

Die fortdauernde, wenn auch beschränkte hol;- einfuhr entspringt keineswegs einem deutschen Bedürfnis, sondern lediglich dem verzweifelten Drange östlicher holzüberschußstaaten, die um jeden Preis einen Teil ihrer Rohstoffe mobili­sieren und in das nachbarliche deutsche Wirt­schaftsgebiet hereinpresse«. Diese Einfuhr erfolgt

großenteils auf kosten der innerdeutschen Holz­überschuhgebiete.

Es wäre ein verhängnisvoller Trugschluß, heute noch zu glauben, ein Volk müsse seine Bedürfnisse dort decken, wo sie am billigsten sind. Denn der billigere" Preis für Auslandware muß in Wirk- lichkeit teuer erkauft werden, nämlich mit sinkender Kaufkraft im Jnlande, niedrigen Löhnen und einer Schwächung des Binnenmarktes. Dieses Volkswirt- schaftliche Gesetz hat sich gerade an der Forst, und Holzwirtschaft in verhängnisvollster Weise erfüllt.

Der Nationalsozialismus hat Aum Grundsatz er­hoben, alles Ausländische vom Binnenmarkt fern- zuhalten, was die eigene Scholle trägt, was Die deutsche Arbeit selbst zu leisten vermag. Der Schwer- punkt Der Lebensmöglichkeiten ruht in der Jnland- erzeugung unD im JnlanDadsatz. Ist es nötig, Daß jeDer Fußboden, jede Wandverkleidung, jeder Ver­schlag, ja beinahe schon jede Dachverschalung astrein ist? Das sind Ansprüche, die im beschämenden Wider­spruch zu unserer Not stehen und Die zur Berhrän- gung Des Jnlandholzes geführt haben. .....

Für teueres deutsches Geld bezogen wir jährlich große Mengen Sperrplatten fremder Hölzer aus fernen ßänbern, obwohl nach Auffassung maßgeb­licher Fachleute Die in unseren Schreinereibetrieben hergestellten Platten eigener Absperrung ungleich wertvoller find. Wir haben in DeutschlanD Hölzer, Die sich hervorragenD für Furniere eignen. Wir könnten Den gesamten Bedarf an Möbeln aus Deut­schem WalD, in deutscher Arbeit decken!

Und wenn wir weiter Umschau im Deutschen Wald halten, tritt uns eine Reihe von wertvollen Hölzern entgegen, die sich hervorragend für Woh­nungseinrichtungen eignen. Sei es Das Buchen- oDer Eichenholz für Parkettböden, Das Fichten-, Kiefern- oder Lärchenfurnier als Decken- und Wand- bekleidung.

Ueberschauen wir Die wirtschaftliche Entwicklung Der allerletzten Zeit, so sehen wir. Daß Die Volks­wirtschaften Der Umwelt in einem früher kaum ge­dachten Maße sich Dem Binnenmarkt zutehren.

Auch Der Deutsche wird unter seiner neuen Füh­rung zu sich selbst, zu seinen eigenen Rohstossen, zu seiner eigenen Arbeit zurückfinden. Das hol; ist ein nationaler Rohstoff, ausgezeichnet durch überragende Eigenschaften. Die Werkstatt der Holzerzeugung, der deutsche Wald, ist ein uner- schöplicher Vorn für das deutsche Volk.

Möge jeder Deutsche, wenn er im Schatten des Wal- des Stärkung und Erholung findet. Darüber nach­denken, wie er in seinem Haushalt und Beruf Den Absatz Deutschen Holzes fördern tonn. Damit Dient er seinem Volk und feiner Heimat!

Die Spottrose aus der Habsburger Gaß"

Gerechte Strafe für einen Verleumder des Reichsstatchalters Sprenger.

WSN. Frankfurt a. M.,.Noo. Der 1875 in Mainz geborene HanDelsvertreter Lorenz C a - prano ist feit Jahren eine gerichtsbekannte Per­sönlichkeit. Nicht nur, daß er Schmähschriften gegen Die Justiz verfaßte unD auch mehrfach ange- klagt war, hat er auch wiederholt Beamte De­nunziert unD ihre Ehre angetastet. Kaum ein Richter, Der einmal eine für ihn ungünstige Ent- scheiDung treffen mußte, blieb von ihm ungeschoren, sei es, Daß er ihn durch persönliche Zuschriften, sei es, daß er ihn in Druckschriften herabzusetzen wußte.

(Saprano zog sich jetzt eine Anklage vor dem Sondergericht zu, weil er gegen den § 3 des Gesetzes zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung Der nationalen Erhebung gefehlt haben sollte. Er war Deshalb vor kurzem in Haft genommen roorben. Der Angeklagte war seinerzeit in Preungesheim interniert, und er will sich Dort durch Die Unachtsamkeit der Verwaltung usw. ein körperliches Leiden zugezogen haben. Sein ganzer Unterkörper fei eines Tages steif gewesen, und feine Beine hätten wie Kartoffelsäcke ausgesehen. Er reichte dann gegen Den Justizfiskus eine Schadens- erfatzklage ein, ohne Erfolg damit zu haben. Ca p r a n o war Mitglied der Nationalsozialistischen Partei, ist aber vor einiger Zeit ausgetreten. Er hatte sich in seiner Sache auch an den Gauleiter Sprenger gewandt, der ihn, wie der Angeklagte heute sagt, enttäuscht habe. Bei einem Aufenthalt in Mainz wurde ihm mancherlei erzählt, und er fühlte sich bemüßigt, ein Spottgedicht über Den nunmehrigen Reicks ft atthalter zu ver­öffentlichen, das nach feiner Ansicht in karneoali- stisch-humorvoller Form gehalten war. Dieses Ge- dicht hat er an verschiedene Personen, darunter auch Richter, versandt. Der Angeklagte berief sich in Der Verhandlung auf den Humor Der Mainzer unD be­tonte, daß ihm ein Professor Den Namen:Die Spottrose aus Der Habsburger Goß" gegeben habe. Caprano wohnte nämlich in Der Habsburger Allee. In Dem GeDicht wurDe u. a. ge­jagt, daß Der Reichssta11ha11er in Mainz be- trunken gewesen sei. Bei einer Vernehmung vor einem Richter in Bah Homburg behauptete Der An- geklagte, Daß Reichsstatthatter Sprenger vom Zentrum und Den Juden bestochen fei. Diese un­geheuerlichen Vorwürfe und bas beleibigenbe Ge­dicht trugen Caprano Die erwähnte Anklage ein.

Der Verhandlung wohnten Generalftaatsanwalt Dr. Wacker mann und Oberstaatsanwatt Dr. Raafch bei. Das Gericht vernahm zwei Zeu- gen. Die sich in ständiger Begleitung des Reichs st atthalters auf seinen Fahrten Durch die ihm unterstehenden Landesgebiete be­fanden. Der eine dieser Zeugen, Landeshauptmann Willi T r a u p e l, bekundete, daß er mit dem Reichsstatthatter nicht nur tagsüber, sondern auch abends und auch in Hessen mit ihm zusammen ge­wesen sei, und daß er in all den Jahren den Reichsstatthalter niemals angetrunken sah, und daß er überzeugt sei, daß der Reichsstatchatter sich die Difziplin auferlege, die andere von chm

forderten. Der Zeuge, trat dem Gerücht entgegen, daß her Reichsstatthatter enorme Einnahmen habe. Seine Einnahmen aus her Beamtenzeitung unb feine Ueberfchüffe aus seinem Einkommen stelle her Reichsstatthatter restlos her Partei zur Verfügung. Der zweite Zeuge, her Adju­tant des Reichs st atthalters, bekundete, daß er bei einer Fahrt in Mainz mit dabei war, unb baß es unzutreffend fei, baß her Reichs­statthatter betrunken gewesen sei. Ein als Sachverständiger vernommener Arzt aus der Anstalt Freiendiez bezeichnete den Angeklagten als nicht geistesgestört, es handele sich aber um eine sehr egozentrisch eingestellte Persönlichkeit, die keinerlei Hemmungen kenne.

Staatsanwalt Dr. W e y r i ch beantragte eine Gefängnis st rase von z w e i I a h r e n. Noch kein Angeklagter vor dem Sondergericht habe eine jolche Hartnäckigkeit und Dreistigkeit an den Tag ge­legt wie gerade Caprano. Kein Wort von den Behauptungen des Angeklagten habe sich als wahr erwiesen. Der Reichs st atthalter lebe in einfacher Weise unb stelle seine Einnahmen der Partei zur Verfügung. Der Angeklagte habe ein Verbrechen am Volke begangen, er wollte den Bestand des Staates untergraben.

Der Angeklagte begegnete den Ausführungen des Anklagevertreters mit den Worten:Der Staatsanwalt hat mit Kanonen nach Spatzen ge- schossen."

Das Gericht erkannte auf zwei Jahre Ge­fängnis unb rechnete hem Angeschuldigten hie Untersuchungshaft an. Alle Gerüchte über bie Per­son des Reichsstatthalters Sprenger, bie von bem Angeklagten weitergeleitet würben, entbehrten jeher Grundlage, wie sich aus den Aussagen einwandfreier Zeugen ergeben habe. Der Angeklagte versuchte sich damit herauszureden, daß er behaup­tete, er habe in Fastnachtsstimmung das Gedicht gemacht, aber Fastnacht war damals längst vor­über. Gedicht unb Aussage enthielten ungeheure Vorwürfe, und der Angeklagte benutze jetzt noch jede Gelegenheit, um ausfällig zu werben. Das Ge­richt fei überzeugt, baß ber Angeklagte auch bie nötige Intelligenz befaß, unb daß nur in einem Punkt eine gewisse Milberung vorliegen könne, näm­lich, baß der Angeklagte seine Person in den Vordergrund schieben wollte unb vielleicht an die Erlangung gewisier persönlicher Vorteile bachte.

Schöffengericht Gießen.

In der gtftrigen Sitzung hatten sich der 41jSbrfge Kaufmann G. K. aus Wiesbaden und der 43;ahrige Kaufmann K.J.K. aus Karlshafen zu verantwor- ten. Die Anklage legte bem G. K. zunächst zur Last, es unterlassen zu haben, den Konkurs ber Firma Mitteldeutsche Schmirgelwerke AG., Butzbach, bereu Mitinhaber bzw. Aktionäre die beiden Angeklagte« waren, rechtzeitig anzumelden, außerdem Handels­bücher verheimlicht, vernichtet oder so unklar a**