in Genf ausgeschiedene Portner tritt über Nacht mit einem neuen politischen Erzeugnis auf den Plan. Und dies Produkt ist — das fühlte der Engländer — eine iabelhafte Sache. Es ist „Made in Ger- mant)"' Müssen wir uns wundern über die englische Haltung? Nein? Aber wir müssen uns überlegen, wie peinlich die Loge Englands ist, das eben eine völlige Umwertung gewohnter Vorstellungen erlebt hot. Es gehört Mut dazu, in solchen Fallen der Wahrheit die Ehre zu geben. Mehr Mut, als England vorläufig noch besitzt. Es wird chn aber eines Tages dennoch wiederfinden.
Gegen Mißbrauche beim Versand von Reai iermart.
Um zahlreiche Mißbräuche beim Versand der Reyistermark abzustellen, hat das Reichsbankdirek- torium angeordnet, daß mtt Wirkung vom 15. November ab Registermark-Auszahlungen an Inhaber saarländischer Pässe innerhalb einer dem Saargebiet benachbarten Zone nur noch in Höhe von 20 Mark je Tag und Person erfolgen dürfen. Diese
Sperrzone wird von der saarländischen und elsaß- lothringischen Grenze durch die Eisenbahnlinien Kehl—Appenweier—Karlsruhe—Darmstadt—Frankfurt a. M —Wiesbaden, Rüdesheim—Köln—Euskirchen—Trier obgegrenzt. In dem gesamten von diesen Linien eingeschlossenen Gebier einschließlich der an den Bahnlinien liegenden Orte findet die beschränkte Auszahlung statt, während im übrigen Deutschland die normalen Bestimmungen gelten. Lor dem 15. November 1933 ausgestellte Register- schecks werden noch nach der bisherigen Regelung eingelöst.
Taten für Donnerstag, 16. November.
1632: Tod Gustav Adol's von Schweden bei Lützen (geboren 1594); — 1831: der preußische General und Militärschriftsteller Karl von Elousewig in Breslau gestorben (peboren 1780); — 1863: der Germanist und Sprachforscher Ludwig Sütterlin in Heidelberg geboren (Sütteriin-Schrist), — 1869: der Geschichtsforscher Hermann Dürfen in Oldenburg geboren.
Laßt das Feiern!
Die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministc riums für Dolksaufklärung und Propaganda teilt mit:
Ueberall häufen sich sogenannte Feiertage, Kund- aebungen aller möglichen Art, Feste und dergleichen. Die große Masie des Volkes hat kein Verständnis dafür. Jede kulturelle, wirtschaftliche und sportliche Vereinigung veranstaltet ihren „Tag". Es besteht Gefahr, daß dadurch die großen vom Führer gewollten nationalen Feiertaae, wie „Feiertag der nationalen Arbeit" und „Erntedankfest" in ihrer hohen Bedeutung abgeschwächt werden.
Durch Hinzuziehung nationalsozialistischer Führer versucht man, an und für sich belanglosen Veranstal- tungen eine besondere und dabei unverdiente Bedeutungzu geben.
Der Winter naht heran und wird von großen Teilen des Volkes hart und schwer empfunden. Deshalb muß mit dieser unsinnigen Fest- seuche ein Ende gemacht werden. Vor allen Dingen versucht man, sogenannte Wohltätigkeitsfeste zu veranstalten, die dadurch schmackhafter gemacht
werden sollen, daß man erklärt: „Der Reinertrag wird an das Winterhilfswerk abgeführt!" Es ist ein Unfug, glanzvolle Feste zu feiern, und dadurch unverschuldet in Not Geratenen helfen zu wollen. Dabei kommt bei der Abrechnung meist nur ein minimaler Betrag dem Winterhilfswerk zugute. Es wird daher Vorsorge getroffen werden, daß bei sogenannten Wohltätigkeitsfesten 75 o. H. der Bruttoeinnahmen von vornherein verttaglich an das Win- tcrhilfswerk abzuführen sind.
Vereine und Einzelpersonen, die die Möglichkeit und das Bedürfnis haben, überflüssiges Geld auszugeben, mögen dies im Rahmen des Winterhilfswerks tun.
Es wird erwartet, daß alle gesunden und vernünftigen Volksgenossen ihren ganzen Einfluß geb tend machen, dieser unsinnigen Festseuche ein Ende zu bereiten!
Gez.: Müller - Scheid, Gaupropagandaleiter
und Leiter der Landesstclle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.
Aus -er ))rovinzialhaupista-i.
Zimmerturnen für unsere Kinder.
Das Baden in Lust und Sonne, das Schwimmen im kühlen Wasser, das Umhertollen in Feld und Wald, alles ist vorbei! Wohl kommen Tage, an denen der Schnee zu neuer Tätigkeit lockt, Tage, an denen die Buben und Mädchen ihre Schlittschuhe hervorholen können, um sich in der winterlichen Luft zu freuen und zu stärken. Aber vorläufig rnüs- fen wir mit dem Regenwetter vorlieb nehmen. Da fitzen dann die Kinder im Zimmer, spielen oder lassen sich etwas erzählen. Die größeren haben ihre Schularbeiten, ihre Musikinstrumente oder den Rundfunk. Die Kleinen aber, die Vorschulpflichtigen und die ganz Kleinen, die noch nicht laufen können, langweilen sich.
Wie konnten sie sich noch vor kurzem in der warmen Lust austoben! Gott sei Dank, sind ja die Wirfelwindeln und Steckkissen bei den kleinen Menschenkindern gänzlich verschwunden. Sie können ihre drallen Beinchen in die Lust strecken, sie können strampeln nach Herzenslust. Man sei gerade bei ihnen nicht zu ängsttich. Sie zeigen uns eigentlich, wie nötig das Turnen — denn ihr Strampeln ist ja weiter nichts als Turnen — ist. Wir lassen des- halb auch unsere Kleinsten in möglichst leichter Kleidung im Stühlchen sitzen ober auf dem Fußboden Herumkriechen. Sie sorgen schon von selbst für ihre Turnstunde,
Den Vorschulpflichtigen wird das Sitzen im Zimmer oft unerträglich. Wir nehmen sie deshalb, weil sie weder einen Schulweg, noch andere Gelegenheiten haben, auszugehen, immer auf unfern Spaziergängen mit, damit sie in die frische Luft kommen. Das ist allerdings an manchen Tagen ausgeschlossen.
Da tritt nun das Zimmerturnen ein. In ihm haben wir ein großartiges Mittel, um unfern Kindern Freude zu machen, die Langeweile zu bannen und vor allem — die Hauptsache! — ihren Körper zu stählen. Vorbedingung beim Zimmertur- nen ist, daß wir selber ober ältere Geschwister mit- machen. Es kann sich in ganz einfachem Rahmen abspielen. Wir brauchen weder viel Geräte, noch einen besonderen Platz. Ein Spazierstock, ein Paar Hanteln ober Keulen, ein Stück Teppich, auf dem wir liegen können, bas ist alles. Aber selbst ohne das all können wir gut turnen. Die Liegeübungen, die zur Stärkung unsrer Rücken- und Bauchmuskeln dienen, werden auf dem Fußboden ausaefübrt. Das macht den Kindern viel Freude. Die Kleidung sei möglichst einfach. Am besten ist immer der Badeanzug. Selbstverständlich muß das Zimmer yeheizt lein. Das Wohnzimmer wird wohl nicht immer frei fein. Dann gibt es im kalten Nebenzimmer einige andere Uebungen, wie Laufen an Ort und Stelle, Kniebeugen, Rumpf- und Rückenbeugen ufw.
Die Hauptsache ist, daß wir überhaupt einmal anfangen. Die Äinbcr forgen schon dafür, daß eine Fortsetzung nicht vergessen wird. Bei mitUeren Temperaturen eignet sich für das Turnen immer noch gut ein freier Balkon, auch da» Badezimmer, wenn es genügend groß ist. Bor dem Bad sollten immer einige leichte Freiübungen eingeschoben werden. Der Körper ist frei von den einengenben Kleidern
Den kleinen Kindern machen wir schon große Freude, wenn wir Verstecken mit ihnen spielen. Das gibt Bewegung Es schadet uns Großen, „Ausgewachsenen-, auch nichts, wenn wir einmal zusam- mengefauert einige Minuten in der Erfe sitzen und bann wieder laufen müssen Bei Leibschmerzen hat sich immer wieder ein zehnmaliges Aus- und Ablauten einer Wendeltreppe großartig bewährt. Natürlich können das nur die, die ein eigenes Haus haben
Lassen mir die Drei- und Vierjährigen nur ordentlich hüpfen! Zuerst von einem dicken Buch b.rab, dann von einem Schemel und schließlich von ein'm Stuhl. Zeigen wir ihnen, daß alle Uebungen gar nicht so schwer sind und machen mir besonders d n ängstlichen immer wieder Mut Am Anfang kann man unbemerkt leicht mithelfen.
W>r dürfen uns nicht damit trösten, daß wir la ->*n, in der Schule bekommen die Äinbcr jo Turnstunden. Der Lehrer hat dort mciitrne 40 bi» 50 Schüler und kann sich nicht so um den e n^elnrn f-tmmern, wie wir bas zu Haufe tun Tonnen Die 'chatten Kinder kommen hi 6er Turnstunde im
mer zu kurz. Deshalb muß unser Zimmerturnen als Dorunterricht eingreifen. Mit Spielen fangen wir an und gehen bann nach und nach zu gleichmäßig exakten, aber auch zu lockeren Uebungen über. Wir wollen ja nicht nur die Blutzirkulation im Takt halten, sondern den jungen Körper stählen und gewandt machen.
Selbstverständlich schlafen unsere Kinder bei offenem Fenster. Man gewöhne ihnen nur an, abends vor dem Schlafengehen, wenn die Turnübungen erledigt sind, am offenen Fenster einige Minuten recht Ion Ham und tief die frische Nachtluft einzu- afi" ’ Das gibt einen ruhigen, gesunden Schlaf. Besonders für nervöse Kinder ist dies sehr zu empfehlen.
«eine hochtrabenden Anreden.
Die Staatspressestelle teilt mit: In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen der Herr Staatsminister in Eingaben und auch bei persönlichen Vorsprachen mit dem Prädikat „Exzellenz" oder „Euer Hochwohlgeboren" bedacht wird. Einer Anregung des Herrn Staatsministers folgend, wird hierzu bemerkt, daß derartige Prädikate im nationalsozialistischen Staate unangebracht sind. Unsere Staatsführer zeichnen sich durch Leistung aus und nicht durch hochtrabende Prädikate. Der Herr Staatsminister läßt darauf Hinweisen, daß er für die Parteigenossen der „Pg. Jung" ist und für die übrigen Volksgenossen der /rS)e r r Staats- Minister.
NSDAP.
Der Bund nationalsozialistischer deutscher Juri st en, Fachgruppe Wirtschaftsrechtler, veranstaltet am heutigen Donnerstag, 20.30 Uhr, im U)otel Viktoria" zu Gießen eine Werdeoersammlung Im Mittelpunkt des Abends stehen Berichte vom Iuristentag in Leipzig, erstattet für Volkswirte, Betriebswirte, Wirtschaftsprüfer und Derbandsgeschäftsführer und Wirtschaftsleiter. Es sprechen Dr. Brauns (Darmstadt), Dr. Ausermann (Darmstadt), Dr. Fetzer (Bingen), und Prokurist Bernhard (Darmstadt). Die Schluß- und Werbeansprache hält Dr. rer. pol. Hans Keide 1 aus Michelstadt.
NS.-Frauenschaft Gießen-Mitte Zelle 1 1 : Heute, Donnerstag, 20.30 Uhr. in der „Stabt Mainz", Kreuzplatz, Zellenabend.
NS. - Frauenfchaft Gieß en-Süd: Heute, Donnerstag, 20.15 Uhr, Sanitätsabend im Sani- tätsdepot neben der Goetheschule.
NS-Lehrerbund, Gau Ausland.
Belr. Arbeitsgemeinschaft.
Am nächsten Mittwoch, 22. November, 17 Uhr, spricht in der Neuen Pestalozzischule (In den Eichgärten) Prosesior D. Dr. d-orbier, Gis- ßen, über: „Reiseeindrücke über deut- scher Leben in Jugoslawien". Es können auch Gäste ttilnehmen.
Belr.: Jörberermilgliebet des (Baues Ausland.
Die Beiträge können auf das Postscheckkonto brr Dresdener Bank, Zweigniederlasiung Gießen, Nr. 1151 Frankfurt a. M., zur Gutschrift auf bas Konto des NSLB, Gau Ausland, eingezahlt werden, oder an die Bezirksobleute, die die Beträge mit dem Gaukassenwart Lehrer Otterbein, Gießen, Ludwigstraße, abrechnen.
Der (Bauobmann: Dr. Henh.
Luther-Zeier im Stadtiheater.
Aus dem Stadttheaterburo wirb uns geschrieben: Die protestantische Glaubenswell begeht am Sonntag, 19. November, bas Fest des 450. Geburtstages bes deutschen Reformators und Religionsstifters Martin Luther. Da das Theater von jeher an allen großen Zeitereignissen lebhaftesten Anteil genommen hat, Tann e» in seiner Aufgabe als Kulturfaktor deutschen Geisteslebens nicht achtlos an diesem Srinncrungstag oorübergehen Die Intendanz des Stabttheaters labt daher alle Kreise ber Gießener Bevölkerung zu einer .Luther-Feier" am Samstagabend ins Stadttheater ein. Da» für diesen Abend belonbere zusammengeftellke Programm, in dessen Mittelpunkt der Vortrag des bekannten Lutber-Forschers Pg Prosesior G D Frey tag (München), ein Sohn des Dichters
Gustav Freytag, über das Thema: «Luther, der Führer, der Kämpfer, der deutsche Mensch" sieht, wird umrahmt von Darbietungen bes Akademischen Gesangvereins und des Bauerschen Gesangvereins; beide Vereine stehen unter Leitung des Unioersi- tätsmusikbirektors Prosesior Dr. Temesvary. Um allen Kreisen den Besuch der Luther-Feier zu ermöglichen, sind die Eintrittspreise von 0,50 bis 1,50 Mark. Anfang: 20 Uhr, Ende: 22 Uhr.
Dpferipenhen
der Beamten im Kreise Gießen.
Don den Beamten im Kreis Gießen werden für bas Winterhilfswerk 1933 34 monatlich insgesamt 10 500 Mark gefpenbet. Denn man bedenkt, daß diese Spenbe in ber Hauptsache von den unteren unb mittleren Beamten neben sonstigen Spen- ben (Eintopfgericht usw.) laufend aufgebracht wird, so ergibt sich das erfreuliche Bild, daß die Beamtenschaft in ErkennMis ber Not unserer hungernden unb frierenden Volksgenossen in wahrer O^'crbere'.tschaft unb Treue hinter dem Führer fteb4 und fe.n großzügiges Hilfswerk tatkräftig und einmütig unterstützt.
Kleider- und Waschesammlung.
Die Ortsgruppe Gießen-Mitte sammelt am Freitag Kleider und Wäschestücke in folgenden Straßen- Sellersweg, Maigaife, Kreuzplag, Weidengasse, Neuenweg, Kaplansgasie, Katharinen- gasse, Löwengasie, Wolkengasse, Teufelslustgärtchen, Blockstraße, An ber Johanneskirche, Iohannesstraße, Hinbenburgwall, Bahnhofsttahe, Grabenstraße, Horst-Wessel-Wall, Hinter ber Westanlage, Mühl- straße, Kleine Mühlgasse, Tiefenw g. Schanzen- slraße, In Lödershof, Kornblumengasse, 5anbgaffe, Neustadt, Kirchstraße, Kirchenplatz, Wetzsteinstraße, Wetzsteingasse, Auf der Bach, Am Pfarrgarten, Burggraben, Goethcstraße, Löberstraße, Blcichstraße, Dismarrfstraße, Ludwigstraße, Stephanstraße.
Sonntagsrückfahrkarten
zur Darmstädter Holzausstettnu^.
Auf Antrag ber Stäbtischen Verkehrsstelle Darm- stabt in Gemeinschaft mit dem Lanbes-Verkehrs- oerbanb Rhein-Main, ßanbesftelle Hessen, werben für ben Besuch ber zur Zeit im Gewerbemuseum zu Darmftabt stattfindenden Ausstellung „Das deutsche Holz in Haus unb Heim" verbilligte Rückfahrkarten zum Preise einer Sonntagsrückfahrkarte von allen Stationen der Reichsbahn im Umkreis von 75 Kilometer ausgegeben. Außerdem kommen noch die beiden Städte Gießen und Schotten hinzu. Die Karten gelten ab 16. November an jedem Dienstag unb Donnerstag unb müssen bei Besichtigung ber Ausstellung dort abgestempelt werben. Der Eintritt in bie Ausstellung ist frei. Die Gellungsbauer ber Karten erstreckt sich von 0 bis 24 Uhr.
Gießener WochenmarttYreife.
* Gießen, 16. Nov. Auf bem heutigen Wochen- marft kosteten: Süßrahmbutter, bas Pfund 1,55 Mk., Canbbutter 1,40, Kochaulter 1,20 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier (inlänbische) 14 bis 15, Wirsing, bas Pfunb 8 bis 10 Pf., Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 8 bis 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Felbsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Zwiebeln 8 bis 10 Pf, Meerrettich 30 bis 50, Kürbis 5 bis 7 Kartoffeln 3 bis 3% Pf, ber Zentner 2,50 bis 2,80 Mk., Aepfel, bas Pfunb 10 bis 18 Pf., Birnen 10 bis 15, Nüsse 40 bis 60, Honig 50, junge Hähne 70 bis 75, Suppenhühner 60 bis 70, Gänse 60 bis 70, Tauben, da» Stück 45 bis 50, Blumenkohl 10 bis 50, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25 Pf.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Vortragsoereinigung. Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein, Gewerbeoerein, 20 Uhr, Neue Aula, Musikalische Abendstunde. — Oberhessischer (Bc- schichtsoerein, 20.15 Uhr, Kunstwissenschaft!. Institut, Vorttag mit Lichtbildern über „Das mittelalterliche Münz unb Geldwesen im Rhein-Main^ebiet". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Unsichtbare Geg-
ner". — Astoria-Lichtspiele, Sellerswea: „Revolte im Zoo". — Hausbesitzer-Derein, 20 Uhr, ..Hotel Hindenburg", Mitglleder-Lersammlung. — DHV» im Heim, Hausfrauen-Nachmittag. — DWA., 18.15 Uhr. Singsaal des Realgymnasiums, Deutscher Abend. — 16 unb 20 Uhr, „Postteller", Vortrag über „Wie bleibe ich schlank unb schön!"
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen 7. Vorstellung im Freitag- Abonnement statt: „Wenn der Hahn kräht" bie klassische Operette: „W jener Blut" von Johann Strauß. Operetten-Preife. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Samstag, 19. November, findet au» Anlaß der Feier bes 450. Geburtstage» Martin Luthers im Stadttheater eine Luthe »Feier statt unter Mitwirkung bes Lkabemischen Gesangverein» unb bes Bauerschen Gesangvereins. Im Mittel» punkt des Programms steht der Vortrag bes Pg. Professor G. W. Freytag (München): .Luther, der Führer, ber Kämpfer, der beutsche Mensch". Außer Abonnement. Ansang: 20 Uhr, Ende: 22 Uhr. Preise ber Plätze von 0,50 bis 1,50 Mark.
— Die Volkshochschule beginnt heute abenb bie Kurse „Ervgesundheits- unb Rallen- pftege",_ „Volk und Vaterland, deutsche Geschichte", »Französisch für Anfänger" unb „Englisch für Fortgeschrittene", jeweils 20.15 Uhr in der Universität. (Liehe heutige Anzeige.)
— Die Vortrags-Vereinigung (Goethe- Bund, Kaufmann. Verein und Gewerbeoerein) bittet uns, an dieser Stelle nochmals auf bie heute abenb stattfindende musikalische Abendstunde Hinzuwersen. (Siehe heutige Anzeige.)
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*• Don der Landesuniversität, von der Pressestelle ber Universität Gießen wird uns nut- geteilt: Der planmäßige ao. Professor für Volkswirt» schaflslehre an unserer Universität Dr. Ernst Günther ist unter Belassung der vollen ruhcgehalts» fähigen letzten Dienstbezüge al» Ruhegehalt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleiteten langjährigen ausgezeichneten Dienste mit Wirkung vom 1. November 1933 an in den Ruhestand versetzt worden.
*• Eine Saarkundgebung der Burschenschaften findet am kommenden Samstag, 20.15 Uhr, im Stubentenhalls, ßeibgefterner Weg, statt. Die Äunbgebung wirb von ben Gießener unb Marburger Burschenschaften, von dem Ortsgruppen- bezirk Lahngau ber Deutschen Burschenschaften unb von der Saarstelle bes Westamtes der Deutschen Burschenschaften veranstaltet. U. a. wird bei diesem Saarabend Prof. Dr. Maier von ber Universität Gießen sprechen.
** Besonderer Militärgottesbienft. Anläßlich ber Feier des 450. Geburtstag» D. Marlin Luthers findet am kommenden Sonntag, 19. No- uember, 8 Uhr, in ber Johanneskirche ein besonderer Militär gottesdiensl statt, an bem auch Glieder der Zioilgemeinde teilnehmen können.
** Was man bei Geschäftsreisen }u Hause erspart. In ben vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausoegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 22) lesen wir: Geichästsretjekoslen sind grundsätzlich als Werbungskosten vom Einkommen abzusetzen Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, welche Ersparnisie im Haushalt erzielt werden. Insoweit können bk Fi- nanzämter einen Abzug von ben Reisespesen vor- nehmen. Doch ist es nicht angängig, daß da» Finanz- amt für den auf Reisen befindlichen Hausherrn einen anteiligen Betrag der Haushaltung,Tollen bt rechnet und von den Reisespesen abfetzt Maßgebend ist vielmehr, ob und welche Ersparnisse bei der Abwesenheit des Hausherrn tatsächlich im Haushalt erzielt werden Bei geringerer Reisetätigkeit wirb man überhaupt nicht von Ersparnissen nn Haushalt sprechen können, da der Zuschnitt des Haushalts derselbe bleibt (vgl. RFH. vom 11. 1 1928 — VIA 8/2!). Anderseits stellt nach der Entscheidung bes Reichsfinanzhos» VI A 105/29 vom 12 8. 1920 auch ber Mehraufwand an Kleidern usw., ber durh die vermehrte Abnutzung derselben aus Geschäftsreisen verursacht wird, eine abziigkähige Mehrausgabe bar, die unter Umständen etwaige Ersparnisie im Haushalt ausgleicht.
Hessische Fledermäuse rei’en ins Musiriesebiel.
Die Oberbürgermeisterei der Stadt Essen hat während der letzten Wochen ein nicht alltägliches Ex. periment versucht. Sie hat Wiebereinbürge- rungsoersuche mit Fledermäusen begonnen. Die Tiere, die nach unb nach gesammelt worden sind, stammen aus Hessen, wo sie an solchen Orten, die sie noch häufig beherbergen, eingefangen unb bann mit einem besonderen Irans- portgerät nach Essen gebracht wurden. Die Versuche sollen solange fortgesetzt werden, bis man genügend Tiere für den Wiedereinbürgerungsversuch zusam- mengebracht hat. Die Leitung des Unternehmens liegt in ben Händen eines wissenschaftlichen Instituts ber ßanbesunioerfität Gießen.
Nach ben bis jetzt vorliegenden Mitteilungen kann damit gerechnet werden, daß ein solcher Wiederein- bürgerungsoersuch sehr wohl möglich ist; jedenfalls sind die bis jetzt ausgeietzten Tiere nicht abgeroan- bert, sondern haben sich sofort geeignete Unter- schlupfe unb Verstecke gesucht. Als solche hatte man fürsorglich einen alten, fast zur Ruine verfallenen Wasier-Sperrturm an ber Ruhr innerhalb seine» Gemäuers mit kleinen Holzoerschatten und zum Schutz gegen Wetter unb Kälte gut abgedichteten Kämmerchen versehen, bie bie nötige Wärme und auch erforderliche Dunkelheit und Störunasfrelheit (bie wesentlichsten Bedingungen für ben Aufenthaltsort von Fledermäusen) besitzen. Die kommende Frei- losiung eingeführter Fledermäuse wird in ben wärmespeichernden Untertaggeroolben von stillgelegten Industriegebäuben erfolgen, bie ebenso wie bie Bergwerksstollen in der Lindener Mark einen her- vorragenden Unterschlupf und ein ausreichendes Winterquartier für den Winterschlaf der Fledermäuse barbieten.
Bei ber Auswahl ber geeigneten Arten waren aus- schlaggebend bie Gesichtspunkte rein biologischer Eignung zum öiebereinbürgerungs- versuch in einer Gegend, wo früher unter besonderen Verhältnissen die Tiere von der Natur aus aufgegeben worden sind, in erster Linie nämlich erhöhte Frosthärte, Anspruchslosigkeit an ben Aufenthaltsort, Zufriede nheü mit kärglichem In- scktenleden unb andere Gesichtspunkte, die sich aus bem genauen Studium ber arteigenen Lebensge- wohnheiten, bie bei ben verschiedenen glebermau»» arten sehr weit auseinanbergeben, ergeben. Zu ben in Frage kommenden Versuchstieren eignen sich also In erster Linie solche ?Irten, die sehr zeitig tm Früh- fahr aus dem Winterschlaf kommen und noch spat im Herbste, wenn bie Nächte schon empfind! ch naßkalt geworben sind, sich noch in der Abenddämmerung
zeigen: ber beste Ausweis dafür, daß man es hier nicht mit empfindlichen und weichlichen Tieren zu tun hat. Deshalb ist der späte Herbst und bas zeitige Frühjahr auch ber geeignetste Zeitpunkt, solche Der- suche vorzunehmen, weil man da bessere Auslese- Möglichkeiten yat.
Wenn oben gesagt wurde, daß im engeren Ruhrgebiet bie Fiebermäuse, unb mit ihnen noch ein west größeres Kontingent aus den anderen Säuge- unb Wirbeltiergruppen, insonderheit aus dem Reiche der Wald- und Garten-, Feld- unb Siedlungsoögel, von ber Natur her vor Jahrzehnten aufgege ben worden sind, daß also — mit anderen Worten — bie Tiere früher unter bem Druck vertreibender Faktoren aus einer Gegend weichen unb auswan- dem mußten, in ber sie früher genau so gut wie anderwärts zu Hause waren, so dürfte sofort ein kritischer Gedanke aufkommen, wenn von Wiederein- bürgerungsoersuchen die Rede ist. Denn al» Voraussetzung für das Gedeihen und Glücken eines solchen mit Geldaufwand unb Zeitvergeudung verbundenen Versuche wirb doch zweifellos.bie Frage akut, ob sich in ber Zwischenzeit die Umweltsverhältnisie gegen die vorletzten Zustände hin soweit gebessert haben im Sinne ber baieinsbereitenben Möglich, feilen, baß sich ein solcher Versuch mit Aussicht auf Erfolg wagen läßt. Soweit sich diese Frage aus den engsten Esiener Landschastsroum bezieht, dürfte sich eine Erfolgsmöglichkeit bejahen lassen. Denn Hier sind im Verlause ber Durchführung eine» Generalnaturplanes in den, letzten Jahren ent- scheibenbe grofaügige und großräumige Veränbe- rangen oorgenoinmen unb durchgesuhri worben, die im Sinne einer von ber Stadtverwaltung seit zwei Jahrzehnten in weitestgehender Voraussicht unb dankbarster Zukunfisberechnung auf weite Frist angestrebten Umgrünung des Essener Weichbildes unb einer imposanten Umgruppte rung ber Landschaftsarchitektonik nunmehr ihrer Beendigung entgegengeführt werden.
Zunächst hat die Stadt im Jahre 1905 den Stadtwalo erworben und dann spater durch Er- schließuna neuer Grünanlagen unb Waldungen eine plan mäßige Umgrünung»poürif betrieben. Da die Wälder aber außer durch die Industtie auch unter der Gefahr des jroftf panner» und de» Eich en Wicklers zu leiden hatten unb sogar vorübergehender Kahlfraß drohte, hat man gleichzeitig mit einem großangelegten planmäßigen Vogelschutz begonnen und durch Arp'lanzung von Unterholz und Auf- hängen non Nisthöhlen wieder die Vögel im Walde heimisch gemacht. Nach Jahren war man soweit.


