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16.11.1933 Zweites Blatt
 
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llr. 269 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Donnerstag, lb. November 1933

Europas Gesicht nach dem 42. November.

Ißir haben unsere K o r r e s p o n d e n- tcn in Paris, London und Ron, gebeten, uns über die ersten unmittelbaren Wirkungen der Abstimmungen vom 12. No­vember, durch die das deutsche Volk zur Nation geworden ist, zu berichten, lieber die Notwendigkeit, mit Deutschland wieder direkte und freundschaftliche Verhandlungen über öie Abrüstungsfrage und andere vordring­liche europäische Probleme zu führen, scheinen weder in Nom und London, noch auch in Paris noch Zweifel zu bestehen. Es geht jetzt offenbar nur noch um das W i e

Paris in Verlegenheit.

Don unserem ständigen v G.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten' Paris, 14. November 1933 Frankreich hat sich verhältnismäßig schnell dar­ein geschickt, das Ergebnis des Volksentscheids und der Reichstagswahlen vom 12. November a l s eine vollendete, wenn auch unbehag­liche Tatsache zu werten. Für ein Volk, das in zahllose Parteien und Gruppen gespalten ist, bleibt dennoch die disziplinierte Einmütigkeit der deut­schen Nation ein unfaßbares und un­glaubliches Rätsel. Aber eben dies Volk, das mit seiner Parteienzerklüftung die Regierung an einer kontinuierlichen Politik hindert, sieht den­noch ein, daß die Willensäußerung Deutschlands als eine unumstößliche Wirklichkeit Eingenommen werden muß. Die anfänglichen Ver­suche, den Sieg des Nationalsozialismus durch Uebertreibung der geringen Zahl oppositioneller Stimmen zu schmälern, sind, von einigen Aus­nahmen abgesehen, bald einer realistischeren Be­trachtung gewichen, lieber die geschlossene Front Deutschlands besteht in Paris keinerlei Unklarheit mehr-, man weiß, daß man die deutsche Einheit künftig als reale politische Tatsache in die außenpolitische Rechnung einstellen muß.

Umso groß re Uneinigkeit herrscht bezeichnender­weise immer noch in der Beantwortung der seit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund ständig wiederholten Frage: Was nun9 Die Ueberyeblichkeit der französischen Politik ist in Un- chlüssigkeit umgeschlagen, seitdem es sich unmißver- tändlich herausgestellt hat, daß eine Einheits - r o n t gegenüber dem Deutschland, das feine Schicksals- und Lebensfragen nicht mehr in Genf mit mehr oder weniger diktatorifchen Methoden der Gegenseite behandelt zu wissen wünscht, nicht vorhanden ist. Nicht nur der kleine französische Bürger, sondern auch einflußreiche Politiker Frank­reichs sinnen heute, nachdem sie an London, Washington und Rom irre geworden sind, auf neue Wege. Die einen verlangen Festigung des französischen Bündnissystems in Ost- und Südost­europa als letztes Pfand der französischen Sicher­heit, die anderen reden unmittelbaren Ver­handlungen mit Deutschland das Wort. Der Gedanke an militärische Sanktionen oder gar an einen Präventivkrieg ist im allgemeinen a u f ge­geben, und selbst in solchen Kreisen, die noch vor kurzem einen Gedankenaustausch mit dem neuen Deutschland Hitlers empört ablehnten, wird heute der Weg von Verhandlungen mit Berlin als geringstes liebel bezeichnet.

Der Umschwung der öffentlichen Meinung war in der Provinz langsam herangereift. In der Pari- ser Presse kommt er so plötzlich, daß die Einstellung der Regierungskreise, denen bisher zu große Be­reitschaft zur Nachgiebigkeit vorgeworfen wurde, heute fast als unnachgiebig erscheint Aus der öffentlichen Aussprache ergeben sich, soweit bisher erkennbar, von Paris aus gesehen, folgende Mög­lichkeiten: Rückführung Deutschlands in den Völkerbund durch irgend welche Zuge­ständnisse Dafür spricht die so beliebte Genfer

Grundlage, dagegen aber die Scheu vor Zugeständ­nissen, die, wie man weiß, sehr bedeutsamer und grundsätzlicher Art sein mühten, um den Genfer Rahmen überhaupt wiederherzustellen. Daneben taucht der Viermächtepakt auf, doch werden auch gegen ihn in der französischen Oefsentlichkeit sehr viel Einwände erhoben. Man fürchtet bei In­anspruchnahme des Viermächteabkommens einen gemeinsamen Druck von Deutschland und Italien offenbar umsomehr, als der Beistand Englands einigermaßen problematisch geworden ist. Außer­dem rechnet man in diesem Falle mit erheblichen Widerständen der am Viermächtepakt unbeteiligten Nationen, und man möchte gerade im Augenblick die Sympathien der Kleinen Entente nur ungern aufs Spiel setzen.

Bleiben als Letztes unmittelbare Ver­handlungen mit Berlin. Ohne die Schwierig­keiten der Wahl eines dieser Wege zu unterschätzen, spricht nach der französischen Mentalität im Augen­blick manches für eine unmittelbare deutsch-franzö­sische Fühlungnahme. Allen Mißtrauen zum Trotz hat sich die Aufrichtigkeit der neuen deutschen Außen­politik hinsichtlich einer direkten Verständigung zwischen Berlin und Paris in Frankreich zweifel­los immer mehr Geltung verschafft. Freilich wäre

es falsch, etwa von der französischen Regierung eine bereitwillige Preisgabe des Vertragsinstruments von Versailles zu erwarten. Die vereidigten Ver­teidiger dieses Diktats fühlen jedoch, daß es sich allmählich gegen seine Urheber f e l b ft zu wenden beginnt. Ist das der Anfang der Dämme­rung eines politischen Systems, dos bisher über Europa nur Unheil gebracht hat?

Die Frage ganz schlüssig zu beantworten, ist im Augenblick nicht möglich. Denn einmal sucht Paris zunächst noch einer taktisch günstigen Ausgang s- ft e U u n g für direkte Besprechung mit Berlin. Zum zweiten aber handelt es sich gegenüber der eigenen öffentlichen Meinung, die bisher stark chauvinistisch aufgepuloM wurde, um die Frage: w i e sage ich's meinem Kinde? Die Ver­legenheit, in der sich das französische Kabinett und die hinter ihm siegenden Parteien seit den deutschen Wahlen befinden, mutet etwas grotesk an. Sie wird noch vermehrt durch die inneren Schwierig­keiten, durch die parlamentarischen Hemmungen und durch ein instinktives Gefühl, daß Frankreich in feiner gegenwärtigen inneren Verfassung keine besonders gute Figur auf dem Felde der Außen­politik macht.

Hochachtung in Italien von unserem M-Äerichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! R o m, 14. November 1933.

An einem glatten Regierungserfolg bei den deut­schen Wahlen vom 12. November hat hier niemand gezweifelt. Unerwartet und überraschend kam nun das grandiose Ausmaß dieses Sieges. Im Lande Mussolinis, dessen Politik seit einem Jahr­zehnt auf die Herstellung eines gerechten und ver­nünftigen Gleichgewichts in Europa gerichtet ist, mußte man sich geradezu wünschen, daß die Macht Deutschlands, die hierzu unentbehrlich ist, möglichst geschlossen und innerlich kraftvoll in Erscheinung trete. Und darum hat Italien das Ergebnis des 12. November aufrichtig begrüßt.

Mehr, da der erwartete Erfolg Hillers zu einem unerwarteten Triumph des Volkskanzlers wurde, ist die ttalienische öffentliche Meinung durchaus von dem Gefühl einer gewaltigen Hochachtung vor der Disziplin des deutschen Volkes erfüllt. Gerade der Faschismus weiß die einzigartige Tatsache ganz besonders zu würdigen, daß eine schon fast tradi­tionell gewordene Demokratie durch den unerhör­ten Sieg einer antidemokattschen Bwegung mit ihren eigenen Mitteln überwunden wurde. Und es ist vielleicht nicht zuviel, wenn wir sagen, daß man hier fast so etwas wie Neid per- spürt, zumal man das deutsche Geschehen in seiner Einmaligkeit doch offenbar nicht völlig begreift. Sv lieft man in dem Berliner Bericht eines großen

römischen Blattes beispielsweise, daß dieser Wahltag eigentlich überflüssig gewesen sei, um am Schlüsse die Feststellung zu finden, daß vom internationalen Standpunkt aus diese gewaltige Bekräftigung des deutschen Willens nicht übergangen werden könne.

Von entscheidender Bedeutung aber ist die Tat­sache, daß auch nach italienischer Meinung die Er­gebnisse des 12. November das Gesicht der euro­päischen Politik grundlegend verändert haben. Das Blatt des italienischen Außenministe­riums, dasGiornale d'Italia", beschwört geradezu die europäischen Mächte, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Es sagt, das europäische Verantwortlich­keitsgefühl Deutschlands sei mit feiner nationalen Einigung noch gewachsen Aber man dürfe nach dem 12. November von Deutschland nicht erwarten, daß es von dem einmal eingenommenen Standpunkt abweiche. Das Ausland kennt den deutschen Stand­punkt, der eine Politik des europäischen Friedens aber auch der nationalen Ehre und der Gleichberech­tigung aller Mächte will. Und Mussolini weiß nach den oben zitierten Sätzen seines Organs ganz genau, daß der 12. November als Zeichen innerer Kraft und stärksten Gerechtigkeitssin­nes eines Volkes gedeutet werden muß. Die Zeit der französischen Äufrüstungspropagandisten und Prävenllvkriegsschreier ist endgüttig vorbei.

London wartet ab.

Von unserem (^Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, 14. November 1933.

Es gehört zu den Geflogenheiten John Bulls, in schwierigen Fällen den politischen Denkapparctt nur langsam und sozusagen stufenweise einzuschal­ten Das geschieht in der Erwägung, daß die Er- kenntnis von Tatsachen ein langsamerer Prozeß ist, als das Denken. Man wartet also ab. Um die inzwischen dennoch auftretenbe öffentliche Neugier zu befriedigen. Dazu genügen bei den deutschen Wahlen die sehr ausführlichen Berichte der Ber­

liner Korrespondenten. Man ist aber von den Er­gebnissen des 12. November in Deutschland sehr viel tiefer beeinflußt, als man 3 u g e - b e n will. Gerade die geschilderte Taktik der eng­lischen Blätter beweißt das auf das Deutlichste.

Trotz aller propagandistischen Vorbereitung ist nämlich die Oesfentlichkeit durch diesen Volksent- fcheid und mehr noch durch das Resultat dieser Reichstagswahl überrascht worden: Denn man hatte sich wirklich nicht träumen lassen, daß fast 40 Millionen Wähler, die insgesamt reichlich 60 Millio-

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Gletzener (Ataöttdeater

Kranz Motnar.

Der Lrannl der Ä.lnia SUkiiwn.

Dieses Stuck, Gejellfchaflsiomodie in vier Akten, ist unter dem TitelDas Ulaicijeii vom Wolf über viele Bühnen gegangen. Im Plogiummyeft wird erklärt, warum man den ur|piuiiguü)tn Namen fallen gelassen habe: damit namud) die Heute nicht, was ja naheliegen wurde, an dasRot­käppchen' denken, die tleine jutze Dirne bei Bruder Grimm, womit nun diejes ehid allerdings gar nichts zu schaffen hat

Das Märchen, das hier erzähl! wuo, i>i zwar auch ein Kinderrnaichen, bas Papa feinem Bübchen vorm Einschlafen erzählt, aber kein deutsches, jonbern ein ungarychrs Unb außerbem ist es inchi nur ein Märchen für Siinbcr, sondern noch nnyr für große Leute: ein jymbvlisches Märchen, eine Geschichle mit Hintergründen und durcyfichllgen Be­ziehungen von der Vorstellungswelt bei Meinen zum Leden bet Großen

In ber Paufe, noch ehe die Gejch.chrr zu Ende erzählt war, wurde über den Sinn des Stüdes diskutiert: ohne Ergebnis zwar, da die Pause zu Ende ging, immerhin ergaben sich Vergleiche mit demWallenstein" von Schiller und mit den No­vellen von Franz Kafka. Uns icheint aber, daß man nicht mehr hinter dem Stück vermuten soll, als es ohne Umstande bietet: eine spielerische und spannende Unterhaltung nämlich über ein altes und wohl un­erschöpfliches Thema, und zwar in einer szenischen Form, für die man Dieberuni bie Vordilber zwang­los in ber Weltliteratur aufweisen konnte: bei Eal- beron unb Grillparzer, um nur bie berühmtesten Namen zu nennen

Der Traum ein Leben" jo hieß die tlajsijche Zauberformel für eine ber reizvollsten Vertauschun- t 11 unb Verwanblungen auf bem Theater. Diese spie­lerische unb zugleich tiefsinnige Mischung der (Ele­mente, bas Jneinanberfluten von Wirklichkeit unb Illusion, von Leben unb Traum bat die Phantasie ber Dichter unb ber Schriftsteller immer wieber be­flügelt. Auch für M 0 1 n a r bilbet eine solche Gegen­überstellung den Kern seiner Fabel: er findet die Losung eines ehelichen Konfliktes im Traum und tm Erwachen vom Traum zurück in bie Wirk­lichkeit

Der Konflikt entzünbet sich an der bis zur Mo­nomanie getriebenen Eifersucht bcs Mannes auf die

Vergangenheit seiner Frau. Das Auftauchen eines ^zunächst- fremden Herrn im Restaurant, wo bie Ehegatten zu Nacht essen, bietet willkommenen An­laß für einen unbeherrschten Ausbruch bes Ge­mahls, bas Auftauchen bes Abjchiebsbriefes eines vr i ichollenen Verehrers steigert bie ohnehin exaltierte Gcsühlsspannung Aber das Märchen vom Wolf, das d.. Mann seinem kleinen Sohn zum Einschlafen er- zahlt, läßt auch bie Frau in Schlaf sinken. Unb sie erlebt nun im Traum (vor ben Augen bes Zu­schauers) ben Liebhaber in allen verführerischen Ge­stalten, in benen biefer in jenem letzten Brief seine Wieberkunft angetünöigt hat Währenb bie Frau sich ben Iraumbilbern willenlos unb hingegeden u. erläßt geschieht nach dem Erwachen ber enlfchei- benbe Umschwung Als nämlich bie Iraumgcftalt (auf eine Art unb Weife, über die hier mit Molnar nicht gestritten werden soll) leibhaftig erscheint, da | et weist es sich nach unb nach, daß er für jede der ; von ihm gewählten Rollen ober Verwandlungen völlig I ungeeignet war er kehrte zuruck weder als ütauts- mann noch als Feldherr noch auch als Künstler, nicht einmal zum Lakaien ist ei grjchufsen Und die Frau schickt ihn mit freunbuchrii Worten, den Ent- sch.üsfen ihres Gemahls oorgreifenö und leine Spe­kulationen kurzerhand abjchneidend, wieder fort. Mit Oic|er Wendung ist auch der Mann geheilt, das Leben ist wirklicher als der Traum, und das Märchen der Großen endet fast wie bei den Kleinen:Sie lebten herrlich und in Freuden, und wenn sie nicht ge­storben sind bann leben sie heute noch "

Die Ausführung war vom Intenbanten König selbst inszeniert Das Stück bietet ber Regie ver- lodenbe unb bankbare Ausgaben Der Spielleiter bezog Anregung unb Antrieb für feine Arbeit aus ben beiben gegensätzlichen (Elementen, auf benen bie Fabel ruht', aus bem Kontrast zwischen beut- sicher Wirklichkeit unb verwirrenbem Iraumbub, unb würbe babei vom Regiestab, vornehmlich ben Herren Lössler (Bühnendilb) unb Keim (Be­leuchtung), mit sinnfälliger Wirksamkeit unterstützt.

Die große Traumszene, im Darstellungsstil ge­legentlich an vergangene erpressianistische Dardilber gnklingenb. würbe zum eigentlichen Kernstück der Aufführung umsomehr, als sie auch in ber Rollen­führung ben hier Auftretenben bie breiteste Ent­faltung gestattet. Aber aud) bas geschickte unb nuancenreiche Konoersationskheater ber realen Bil­der kam im fließenden Ablauf und Zusammenspiel, im Wechsel von lächerlichen und ernstgemeinten Situationen lustspielmäßig zur Geltung

Das Stück wird im wesentlichen von drei Per­sonen getragen. Fräulein Sybille-Evelyne Flem­

ming als Frau Vilma Kelemen fand für die Rahmenhandlung die überlegene Gelassenheit und heitere Geduld, die Molnar für diese Rolle verlangt: dafür durfte sie in der Traumszene un­gehemmt aus dem Gefühl heraus spielen und auch die kleinen ironischen Lichter aufsetzen, die ihre darstellerische Aufgabe so reizvoll machen

Hanns König war der fremde Herr: tm Traum, als Liebhaber in vielen Gestatten, gewann er ben echt komobiantischen Verwanblungen feiner Rolle bic amüsantesten Wirkungen ab: er über­trumpfte ben Offizier mit bem Diplomaten, unb biefe beiben mieberum mit den gebärdenreichen Tiraden des Hamletdarstellers, um mit dem Lakaien zuletzt geschickt die Ueberleitung in die nüchterne Wirklichkeit anzubahnen: kleiner Mann mit schüch­ternem Lächeln und ohne Chancen

Herr Loser hatte es in dem Terzett ohne Zweifel am schwersten, weil ihm die Rolle des Gemahls, wie sie nun ist, die relativ geringste Be­wegungsfreiheit gibt und auch in der Traumszene nur unwesentlich von den zuvor festgelegten Grund­linien abweichl, doch besaß er Humor genug, sich in die zappelnde Nervosität, die eigensinnigen Launen und die jählings explodierenden Eisersuchts- anfäUe dieses wahrhaft qualvoll Liebenden ein­zufühlen

Alle übrigen Gestalten im Stück haben nur episodische Geltung: die beiden feschen und etwas gelangweilten Leutnants W r e d e und Fier- ment, und die harmlos-gespenstigen Traum­figuren, die von Kühne (Sekretär), Frau Koch (Gräfin) und Fräulein Stadler (Miezchen) mit wichtigen Gesten und sanfter Ironie zu flüchtigem Leben erweckt wurden

*

Stück und Darstellung sand sehr freundliche Auf­nahme hth

Die Flugieckmik der Doqelschwärme.

Der schwedische Forscher Bengt B e r g ist der erste gewesen, dem es bei seinem Studium des Herbst­zuges ber Kraniche von ßapplanb bis zum Weißen Nil gelungen ist, beweiskräftige Filmaufnahmen von ben Flugformen ber Großvögel-Schwärme zu gewinnen. (Er hat bamit nicht nur ber Dogeiforschung einen großen Dienst erwiesen, fonbern auch bie (Er- kenntnis der Flugtechnik geförbert, wie Dr K Rub. Fischer (Gießen), in der bei Hugo Bermühler in Berlin erfcheinenben MonatszeitschriftD e r Naturforscher" hervorhebt. Es gibt eine Reihe von Zugvögeln, bie bei ihren Wanberungen in ganz bestimmter Ordnung fliegen, so in einer zur Slug-

Oer Polarforscher Willem BarentS.

Der hollänbtsche Seefahrer Willem Barent», bet 1597 auf ber russischen Eismeerinsel Nowaja Semlja das erste arktische Winterquartier aufschlug. Jetzt, nach fast dreieinhalb Jahrhunderten, wurden, wie bereits gemeldet, die Ueberrefte seiner Hütte sowie die eines Bootes auf der Insel entdeckt. Man Hofft, nun auch das Grab dieses Pioniers der Arktis­forschung aufzufinden.

nen eines 65-Millionen-Volkes repräsentieren, sich zu Adolf Hitler und seiner Bewegung mit der Reichstagswahl bekennen würden. Man muh sich nun erst darüber klar werden, was weiter zu ge­schehen hat. In gewisser Weise ist darauf die Ant­wort schon vor den deutschen Wahlen gegeben wor­den. DerObferoer", der von dem gut unterrich­teten Publizisten Garvin herausgegeben wird, hatte bereits vor den Wahlen alles gesagt. Deutsch­land solle sich nämlich vertrauensvoll an die Eng­länder und an die Wett wenden, um seinen Fall vorzutragen und die deutsche Sache zu vertreten.

Diese Ausdrucksweise kennzeichnet die englische Mentalität. Englands maßgebende Kreise Haden sich bisher zwar theoretisch, aber nicht praktisch mit der deutschen Gleichberechtigung befaßt. In ber polüt- schen Vorstellungswelt des Engländers geistert näm­lich immer noch ein Rest von der Bewährung s- f r i ft, ohne die der so auf die Ausfuhr moralischer Werte bedachte Engländer nicht auszukommen scheint. Hier steckt aber auch das neue, unb unbe­kannte Zukunstsproblem für bie englische Oeffent- lichkeit, beren überhebliche unb herablassende Grund­haltung durch das deutsche Wahlergebnis vollständig widerlegt worden ist. In dieser Form gehts nicht mehr das spürt man allmählich in Lon­don. Auf englisches Publikum kann mag mtt den bisherigen Methoden zwar noch Eindruck machen, nicht aber auf die deutsche Politik. Hier scheiden sich die Geister.

Das deutsche Wahlergebnis bedeutet von London aus gesehen die Notwendigkeit einer Um- kehr, ja einer völligen Umkehrung des englischen Begriffs von Deutschland und dem deutschen Volke. Ein Jahrhundert hindurch hat sich England oft entgegen besserer tatsächlicher Erkenntnis immer mehr an die Ueberzeugung von der deutschen Min­derwertigkeit gewöhnt. Nun ist es zu Ende mit dieser bequemen Fiktion Gewiß, England hat stets die überlegene militärische Leistung des deutschen Soldaten neidlos anerkannt. Hier aber gehts um die Politik. Und damit geraten wir auf Englands ureigenstes Gebiet. England hat bisher bie ganze Wett ungestört mit feinen politischen Doktrinen be­lehren dürfen, nun kommen die Deutschen unb schaf­fen etwas oöllicj Neues, Unabhängiges, Gleichberechtigtes. Da ist's kein Wunber, wenn bie alte Firma Sorgen bekommt. Der angeblich bankrotte

richtung schrägen Linie ober in einem spitzen Winkel. Man kann annehmen, baß bie Tiere biefe Drbnung einhatten, weil sie babei am leichtesten vor­wärts kommen, baß sie sich also auf ben geringsten Wiberstanb einstellen unb fühlen, ob sie mit bem führenben Tier in d§r richtigen Flugstellung fliegen. Auf biefe Weise gelingt es, den geringsten Wiber- ftanb zu überminben, genauen Abstand zu halten unb den schwächeren Tieren durch die stärkeren einen Kraftzuschuß zu verleihen. Diese Annahmen sind durch die Filmbilder Bergs bewiesen unb in überaus interessanter Weise veranschaulicht worden. Wenn ein Kranichpaar im Gedränge auseinander­kommt, so suchen sie sich wieder zusammenzusinden, unb zwar geschieht bies baburch, daß ber eine Gatte sich in bie Luft erhebt unb ben Rastort laut schrei- enb umkreist. Der andere Teil wird dadurch auf ihn ausmerksam gemacht, nähert sich sofort dem ersten Vogel und beginnt, wenn er ihn erreicht, sich in dieSchwingungs-Stellung" des suchenden Tieres einzufühlen, so daß beide Tiere den gleichen Schlag der Flügel aufroeifen, wenn sie zur (9e- samtheit zurückkeyren. Da das Filmband neben ber Art ber Schwingung auch bie Anzahl ber Schwin­gungen angibt, so läßt sich aus ben Silbern zeigen, baß bie Flügelschläge aller in bem Zug eingeschal­teten Tiere im gleichen Rhythmus erfolgen, unb zwar führen die Auf- unb Abbewegungen ber Schwingungen bazu, baß alle Vogel an einem be­stimmten Punkt die gleiche Flügelstellung haben. Der erste Vogel des Geschwabers, gewöhnlich ber stärkste, weil er einen ungebrochenen ßuftroiberftanb zu überminben hat, erzeugt durch Flügelschlag eine Schwingung, deren Zahl von ber Flügelbewegung bes Tieres abhängig ist unb bie sich im Raum mit Schallgeschwindigkeit weiterbewegt. Bei ber Einstellung auf ben geringsten ßuftroiberftanb muß nun jebes Tier bestrebt sein, seine Flügelstellung ben von dem Vorgänger hinterlassenen öuftroellen anzugleichen, so kommt ein regelrechter Gleichtakt wie unter der Einwirkung ber Musik zustande es entsteht also eine Art ,Lüftkoppelung" Jedes Tier, das mehr Schlagkraft aufwendet, als es selbst zur Fortbewegung braucht, gibt einen Teil dieser Ener­gie seinem schwächeren Nachfolger weiter, bem sie beim nächsten Flügelschlag zugute kommt Dies ge­schieht solange, als sich Abstand unb Eigengeschrvin- bigteit nicht änbern. ßäßt ein Vogel, ber kräftig fchlagenb, an ber Spitze des Geschwabers ftanb, plötzlich nach, bann schwenkt er und versucht, neben- schwingenb einen geeigneten Platz zu finben Bei dieser Art von Schroingungserzeugung sind zwei Verbindungsfälle möglich, nämi'd) in Form von Schwebung ober von Abstimmung Jedenfalls wirb durch biefe Art der Flugtechnik der Vogelschwarm zu einer großen Einheit zusammengefügt.