Ausgabe 
16.10.1933 Zweites Blatt
 
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Deutsche Kulturarbeit bei den Afghanen.

13on unserem D. B-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Kabul, September 1933.

Afghanistan ist gewillt, auf dem Wege wirt- schafttlcher und erzieherischer Entwicklung fortzu- schreiten. Dazu muß die Jugend des Lan­des im modernen Sinne erzogen wer­den, daß sie späterhin befähigt ist, die natürlichen Bodenschätze des Landes zu erschließen, Landwirt­schaft, Handel und Verkehr zu fördern. Ich vertrau meinem Bolte, sich die im Jahre 1919 erkämpfte Unabhängigkeit auch weiterhin zu wahren, da die afghaniscke Nation sich ihr gesundes Volkstum und ihren Glauben bewahrt hat!" Darin gipfelte an­läßlich der fünfzehnten Wiederkehr des Befreiungs­festes die Rede Nadir Schahs, des Königs der Afghanen an sein Volk. Ein Gedenktag, der den Afghanen Sicherheit gegen jedes Eroberungsgelüst britischer Kolonialpolitik verheißt.

Wer länger hier im Lande lebt und die Ent­wicklung einigermaßen verfolgt hat, weiß, daß dieser König mit dem Gelehrtenkopf, den klugen freundlichen Augen, hält, was er verspricht. Es ist noch nicht allzulange her, daß Afghanistan das ver­schlossene Land war, in das an Fremden nur Regierungsangestellte und Mitglieder der diploma­tischen Missionen Eingang hatten. Diesmal wurde das Befreiungsfest geradezu ein Treffpunkt reiselustiger Europäer, die, aus dem nördlichen Indien kommend, die kühlen, hochge­legenen Gesilde der Kabulebene aufsuchten und im angenehmen Sinne höchst erstaunt waren, anstatt einer blutigen Frontierstory die entzückendste Som­merfrische mit in jeder Hinsicht liebenswürdigen Gastgebern zu erleben. Und jeder fand freundliche Aufnahme.

Afghanistan zeigte, daß es ein Land ist, in dem die so ost betonte orientalische Gastfreundschaft nicht nur zu einer literarischen Angelegenheit geworden ist. Reichte das Hotel nicht aus, so brachte man die Gäste in einer der reizenden Dorstadtvillcn der grünen wie ein großer verwilderter Garten an- mutenden Darulamanebene unter.

Das Land hatte sich zu diesem, seinem Feste ge­schmückt. Denn es ist erhebend zu sehen, wie jeder einzelne Afghane es als etwas Persönliches, eine eigene ihn zutiefst angehende Freude erlebt und nicht nur im Sinne einer feierlichen Regierungs­vorschrift. Da sicht man die Kaufleute in ihren reichen typischen Kabuligewändem, Turban, Kittel und weiter, faltenreicher Hose, olles in leuchtendem Weiß, auf dem sich nur die farbige Samtweste mit viel Goldstickerei geschmückt obhebt. Daneben er­scheinen im Bilde die kräftigen, hochgewachfenen Gestalten der Bergstämme, ruhig, wie mit ver­haltener Kraft in ihrer Bewegung, die sich in den Tänzen zur Feier des Tages in wilden Rhythmen und Wirbeln löst, fo als wären sie trunken, auf- gepeitscht von dem dumpf und hohl klingenden Ge­dröhn der großen Afghanitrommeln, die ihren Tanz begleiten. Im Gegensatz zu diesen Söhnen der

Berge sieht man Afghanen, die einen Teil ihres Lebens in Europa verbracht haben, in eleganten Anzügen einher,pazieren oder am Steuer ihres Wagens, letztes europäisches Modell. Doch alles versteht sich, ist freundlich und höflich zueinander, kein Standesdünkel trennt arm und reich, hoch und niedrig.

Dies ist die Zeit, in der Afghanistan mit Stolz dem Fremden seine Entwicklung oorweist. Eine ganze Straße neuer Laden ist an der Festwiese errichtet. Einfache, aber solide und zweck­mäßige Ziegelbauten, in denen alles zu haben ist, vom Tropenhut bis zum Heratiteppich. Diese Straße ist der typische Ausdruck für die heutige Art des Fortschritts in Afghanistan. Man läßt sich nicht mehr aus MaMmutprojekte, dem Wesen des Landes fremd und seine Möglichkeiten übersteigend ein, sondern hält sich mit weiser Vorsicht an das Mög­liche, bleibt bescheiden, aber gründlich und solide, und, bis es soweit ist, daß sich daraus Größeres entwickeln kann. So hat man den Weiter­bau von Darulaman, ein Riesenprojekt von Amanullah, der dort die Gründung einer voll­ständig neuen Stadt vorsah, eingestellt und begnügt sich vorläufig damit, die Gebäude vor dem Verfall zu schützen und dos damit freigewordene Geld anderen, zur Zeit wichtigeren Unternehmungen zur Verfügung zu stellen.

Zur Festwiese gehört eine Art Landesaus- ft e 11 u n g , die jedem Schaulustigen einen Quer­schnitt über den Fortschritt im Lande vermittelt. Es ist erfreulich, an dieser Arbeit viele deutsche Kräfte beteiligt zu sehen. In Landwirtschaft, Schule, Kunstgewerbe und Innenarchitektur, in gewerblicher Malerei und in den Erzeugnissen einer Knopffabrik erkennt man mit Freuden, daß hier deutsche Kulturpioniere nicht vergeblich gearbeitet Haden. Beim Anblick der Truppenparade glaubt man im Anfang seinen Augen nicht trauen zu dürfen: Ein mächtiger Zug feldgrauer Sol­daten aller Formationen im deutschen Stahl­helm. Alle gut diszipliniert, jedes Kommando klappt wie am Schnürchen. Ein Erfolg deutscher Instruk­tionsoffiziere, die wilden, ungebärdigen Söhne der Berge in mühevoller Arbeit zu einer tüchtigen, regierungstreuen Miliz ausgebildet haben.

Pfadfinder laden zum Besuch im Lager ein, Hockey- und Tenniswettkämpfe zwischen Afghanen und ihren europäischen Gästen finden statt. Don Indien sind ein Zirkus n e b ft Ton- filmfino gekommen, Luftschaukel, Karussell, alles ist da! Ein Land will seine Freude haben, ganze acht Tage lang. Es hat ehrlich und hart gearbeitet, um weiter zu kommen, und es wird weiter arbei­ten, dem Gruß der Karawanen folgend, den man immer wieder hört vom Amu Darya bis tief hin­ein nach Indien: Manda na baschi mögest du nicht ermüden!

Otto Burghardt, Deutsche Oberrealschule Kabul.

Die Völkerschlacht bei Leipzig.

Dor 12Ojol)ren: vom 16. bis 18. Oktober 1813.

Don Hans Sturm.

1809 stand Napoleon auf der Höhe. Oesterreich hatte er wiederholt unterworfen und seiner besten Landesteile beraubt. Das damalige Deutschland stand unter seiner Macht, die weit über die Elbe bis an die Ostsee reichte. Nun gedachte er Rußland mit seinen unermeßlichen Reichtümern und seinem Menschenntaterial zu erobern, um von dort das Türkenreich und nach der Rückkehr England seiner Unioersalmonarchie" einzualiedern. Mit 600 000 Mann zog er 1812 gegen Moskau, fand aber nur eine brennende Stadl und keine Friedensmöglich- keiten. Mangel an Verpflegung, die Unzufrieden- beit des vielsprachigen Heeres und der zu spät be­gonnene Rückzug über die Schneeselder Rußlands kosteten den Kaiser mehr als neun Zehntel seiner Truppen: nur rund 60 (XX), Franzosen und Rhein- bunblruppen, sahen deutschen Boden wieder.

In Preußen gewann der Gedanke an die Be­freiung von dem unerträglichen Joch immer mehr an Raum, und im März 1813 ging wie ein Früh­lingssturm die Erhebung Preußens durch die Lande und (ein Aufgebot bis zum letzten Mann. Doch Napoleon war nicht müßig; in Frankreich und vor allem in den Rheinbundstaaten stellte er ein neues Heer auf und erschien im Mai 1813 mit 30b 000 Mann wieder in Deutschland, wo er die Preußen und Russen bei Bautzen und Groß­görschen zum Rückzug zwang. Nach einer länge­ren Waffenruhe erhielten die Verbündeten durch den Beitritt Oesterreichs und Schwedens Verstär­kung und von Rußland Nachschub, auch Preußens Rüstungen waren nun beendet. Bei Dresden errang Napoleon noch einmal einen Sieg über die noch unsicher geführten und durch politische Gegensätze nicht immer einigen Verbündeten in einer zwei­tägigen blutigen Schlacht und zog gegen Abend Aum letzten Male als Sieger durch die Tore einer deutschen Stadt. Bei Großbeeren, an der Katzbach, bei Kulm, bei Dennewitz und Wartenburg wurden seine Marschälle zurückgeschlagen; wo der Kaiser nicht war, blühte seinen Adlern kein Glück. Schließ­lich mußte er selbst die Elblinie räumen und stellte fjd) bei Leipzig, wo damals die bedeutendsten Heerstraßen sich kreuzten, mit rund 180 000 Mann ben, wie er richtig ooraiisgeahnt hatte, einzeln an­ruckenden Heeren der Verbündeten entgegen.

'21111 15. Oftober bezogen die beiden für damalige Begriffe riesige Heere ihre Stellungen. Tags dar­auf in aller Frühe begann die Völkerschlacht; zunächst günstig für die Franzosen, denn bei dem Dorfe Wachau konnte Napoleon die Verbündeten zuruckdrangen. Gegen Mittag schickte er Eilkuriere nai, Paris mit Siegesnachrichten und ließ alle Glocken Leipzigs läuten. Zu dem ihm verbündeten König von Sachsen meinte er zuversichtlich: .Noch einmal wird sich das Rad der Weltgeschichte zu meinen Gunsten drehen In vierzehn Tagen werde ich in Berlin und im nächsten Frühjahr am Riemen fein!" Als jedoch am Abend Blücher das drei­mal verlorene Dorf Möckern endlich behauptete, konnte der Korse nur feststellen, daß er noch unbe­wegt sei. Am 17. Oktober, einem Sonntag, ruhten Die Hauptkämpfe. Vergeblich bemühte sich Napoleon um Verhandlungen mit Kaiser Franz, als er sah, daß neue schwedische Verstärkungen zu den 23er- bünbeten fließen

Kaum graute im Osten her Morgen des 18. Ok­tober, da traf, eine Stunde noch dem Erscheinen des russischen Ersatzheere» unter Dennningsen,

in Eilmärschen die Nordarmee unter Bülow ein, die nicht nur den Kampf beginnen, sondern auch entscheiden sollte. Unter unsäglichen Anstrengungen wurden die an den entgegengesetzten Enden der beiden Fronten gelegenen Dörfer Konnewitz und Paunsdorf genommen; Napoleon selbst stand bei Probstheida, wo der Kampf so erbittert wütete, daß in den engen Gassen des Dorfes sich die Leichen mannshoch türmten. Immer mehr wichen die kai­serlichen Truppen zurück, gegen Mittag gingen die württembergischen Reiter und mehrere Regimenter Sachsen zu den Verbündeten über. Die Franzosen wurden von allen Seiten bedrängt und auf Leipzig SU getrieben. Schon schlugen Granaten in die Vor- ftaöt, mit furchtbarem Getöse gingen die zertrüm­merten Dächer in Flammen auf, und geborstene Schornsteine stürzten in die Straßen.

Durch die Straßen Leipzigs wälzten sich endlose Wagen- und Artillerieparks, gefolgt von den ver­staubten Marschkolonnen abziehender Regimenter. Der weite Marktplatz war mit schreienden, fluchen­den, jammernden Menschen gefüllt, dazwischen stauten sich dichte Züge von Wagen, Kanonen, eng aufeinander gefahren und die engen Straßen ver­stopfend. Nur mit Mühe hielt ein Bataillon Garbe­arenabiere einen schmalen Durchgang frei. Eine französische Kürafsierschwabron ritt vorüber unb hielt vor bem Palais des sächsischen Königs. Hinter ihren wehenben Noßhaarschweifen tauchte an ber Spitze einer glänzenben Reiterkavalkabe unter bem schwarzen Dreispitz ein blasses Antlitz auf, inmitten ber vielen unruhigen, verzerrten Gesichter, starr unbewegt. Behende schwang sich ber Kaiser von [einem Rappen, schritt burch ein Spalier sächsischer Garbisten in bas Palais, um von feinem Verbün­deten Abschieb zu nehmen. Wenige Augenblicke spater schwang sich ber Kaiser, noch blasser, roieber auf sein Pferd und ritt mit kaltem Blick von dannen, den König seinem Schicksal überlaßen!)

Unaufhaltsam wälzten sich vom Grimmaischen Tor her Kolonnen flüchtender Franzosen heran, alle Waffengattungen und Uniformen nebenein­ander, immer näher kam das Gewehrfeuer der preußischen Füsiliere; wenn sie ihnen den Rückzug durch Leipzig abgeschnitten hätten, hätten sie die blühende Handelsstadt, die ohnedies schon viel ge­litten hatte, in einen Trümmerhaufen verwandeln müssen. Immer schneller wurde das Marschtempo der Fluchtenden, immer hastiger Drängten die Füsiliere nach. Da scholl plötzlich ein donnerähn- l'ches Getöse über die Stabt unb erschütterte bie Luft weithin. Entsetzen überfiel bie fliehenden Fran- zosen, als sie erfuhren, baß ihre Canbsleute d i e El st erdrücke, die am Ranftedter Tor über die Pleiße führte, gesprengt hatten, zu früh, denn 30 000 Mann unb mehrere hundert Geschütze fielen so ben Siegern in die Hände

Wieder begannen alle Glocken zu läuten, diesmal nicht auf des Korsen Befehl, sondern aus Freude über die Befreiung der Stadt. Der Marktplatz war wie verwandelt, überall standen in den Fenstern, auf den Balkonen unb in den Türen frohe M?ri­schen und spähten nach der Grimmaischen Straße hin, von wo ber Jude! des Volkes den einreitenden Monarchen brausend entgegenlief. Wahrend noch au» ber Ferne das Gewehrgeknatter der Verfolger herüberkam. mischten sich in das Geläut schmet­ternde Schlachtfanfaren, und schon bog mit Mißen- ben Hörnern und weißen Helmbüschen das Trom­

peterkorps der Gardeulanen auf ben Marktplatz ein, und hinter ihnen ritten in einfachen Offiziers- uniformen die verbündeten Herrscher: der ernste Mann mit dem gütigen, ruhigen Gesicht war der Preußenkönig Friedrich Wilhelm HL, neben ihm Zar Alexander, hinter ihnen die Heer- sührer, der Generalissimus Schwarzenberg, der eiserne Pork, ber flinke Bülow, Napoleons großer Gegner aus dem russischen Feldzuge, unb bann kam zuletzt bes Korsen fürchterlichster Feind und eigentlicher Bezwinger, Blücher, der kühne Marschall Vorwärts! Unendlicher Jubel brauste den Befreiern entgegen, während Napoleon verbissen dem Rhein zustrebte.

Bei Hanau konnte er sich durch die von General W r e d e geführten Bayern und Oesterreicher nur unter großen Verlusten durchschlagen und setzte am 2. November mit nur noch etwa 30 000 Mann über den Rhein. Der Rheinbund bestand nicht mehr, die rechtmäßigen Besitzer nahmen ihre Anteile an dem Reiche Westfalen, dessen König spurlos ver­schwunden war, zurück.

Wenn auch die Völkerschlacht bei Leipzig nicht sofort Napoleons Macht brach, sie war dennoch der Beginn einer neuen Zeit, aus der der preußisch- deutsche Geist erwuchs, der die Tage von 1870/71 heraufführte und auch nach dem Weltkriege nicht erlosch, sondern weiterlebte unb gerabe in unseren Tagen roieber wirksam geworben ist, denn auch heute bewahrheitet sich die weltgeschichtliche Er­kenntnis der Völkerschlacht: Deutschland kann nur durch Deutschland gerettet werden!

Oie Türkei

als politischer Faktor.

lieber ein Jahrzehnt lang hat man sich daran gewöhnt, in der Türkei einen rein asiatischen Staat zu sehen, der sich auf das kleinasiatische Territorium beschränkt und keinerlei Interesse an Europa mehr hat. Man hat darüber ganz vergessen, daß in bic(en zehn Jahren Kemal Pascha bie Macht der Türkei planmäßig ausgebaut hat, und baß schließ- lich immerhin bie Türkei noch ein Balkan- st a a t ist. Jetzt mit einem Male wirb bie europä­ische Oesfentlichkeit gewahr, baß bie türkische Selbst- beschränkung nur ein Mittel zum Zweck war, zum Zwecke bes Wiebererstarkens nämlich, unb baß bie moderne Türkei drauf und dran ist, sich in die große Weltpolitik wieder einzuschalten. Man muß bei allen Betrachtungen grundsätzlich da- von ausgehen, daß die sogenanntenErbseind- schaften", die auf dem Balkan durch Jahrhunderte bestanden haben, durch die völlig veränderte Welt­lage endgültig begraben sind, und daß z. B. die beiden großen Rivalen der Vergangenheit, Tür­ken und Russen, nicht nur keine Feinde mehr sind, sondern heute in engster Freundschaft leben. Den großen Mächten ist es kein Geheimnis, baß bie Türkei unb Rußlanb durch einen engen Bünd­nisvertrag verbunden sind, wie niemals zwei poli­tische Feinde vorher. Jetzt aber geht die Türkei

einen Schritt weiter und begräbt auch bie Feind- schon mix Griechenland, bie ben Politikern der alten Schule seither als ein politisches Faktum galt, an bem nicht zu rütteln war.

ffiie vor einigen Jahren Rom. so ist jetzt bie türkische Hauptstadt Ankara zum politischen Mekka ber ost- und südosteuropaischen Staats­männer geworden. Der griechische Minister­präsident unb sein Außenminister sind erst kürzlich mit einem Freundschaftspakt aus Kemal Paichas Residenz nach Athen zurückgekehrt. Der türkische Ministerpräsident unb jein Außenminister blieben ebenfalls nicht untätig unb verhandelten in Sofia über politische Plane, deren letzter Sinn noch nicht ganz entschleiert ifL Mitte Oktober wird ber rumänische Außenminister Kemal seine Aufwartung machen, während König Alexander von Jugoslawien erst kürzlich in Stambul Verhandlungen sühne, die ebcniaüs auf eine Anregung Ankaras zuruckgehen. Und um das Maß voll zu machen: im Laufe dieses Monats werden sich auch der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s und sein Außenminister Konya in den Orientexpreß setzen, um ihrerseits an den Ver­handlungen im ehemaligen Angora teilzunehmen. Wenn man ferner berücksichtigt, baß biefer Infla­tion an Staatsbesuchen wichtige Konferenzen i n Sinaia unb Sofia oorangegangen finb, bann wird man unschwer zur Uederzeugung kommen, baß sich hier auf bem Balkan eine Umgruppierung vollzieht, die auch auf bie eicUung ber europäischen Großmächte nicht ohne (Einfluß bleiben wirb.

Frankreich müßte nicht berjenige Staat sein, der am unerbittlichsten die Aufrechterhaltung ber osteuropäischenAntirevisionsfront" betreibt, wenn es nicht von sich aus feine Schachfiguren rechtzeitig in bas politische Spiel auf bem Balkan eingefügt hätte. Griechenland, bie Türkei unb Bul­garien haben ein Hauptziel: bie volle Unab­hängigkeit. Alle drei Staaten finb bereit, eine Lösung hinzunehmen, bie von ber offiziellen türki­schen Staatszeitung teil» alsSchwarzmeer-Locar- no", teils als eineVerstänbigung großen Aus­maßes zwischen ber Staatengruppe ber Kleinen Entente unb ben Staaten bes Balkans" bezeichnet wirb. Frankreich und bie Kleine Entente dagegen wollen Bulgarien von feiner italienischen Rückver­sicherung abspenstig machen und in den Block der Kleinen Entente eingliedern. Die» würde bedeuten, daß Bulgarien au» der deutsch- italienisch-ungarischen Antireoisionsfiont ausscheiden würde. Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: einmal wäre ber italienisch» Einfluß auf dem Balkan herabgemindert, zum zwei­ten wäre Jugoslawien, das zuweilen noch einer Lockerung seiner Beziehungen zu Paris unb Prag trachtet, in die Zange genommen. Die Rolle der Türkei ist in diesem ganzen Spiel noch nicht ein­deutig. Zweifellos verfolgt Kemal Pascha das Ziel, die Türkei zum Garantie st aat für den Balkanfneden auszubauen. Hiergegen hat Deutschland nichts einzuwenden. Es hat nur den dringenden Wunsch, daß die Türkei nicht auf die französischen Leimruten kriecht.

Dreitausend Versammlungen der ASDAp. im Gau Hessen-Nassau.

Wie bereits in ber Presse bekanntgegeben wurde, werden von der NSDAP, in Deutschland 150 000 Versammlungen durchgesührt, in denen das Volk aufgeklärt werden soll über die Zustände, die bei ber Machtübernahme durch Adolf Hitler vorgefun­den wurden, über die Maßnahmen der national- sozialistischen Regierung und vor allen Dingen über das große Winterhilfswerk.

Don diesen 150 000 Versammlungen entfallen 3000 auf den Gau Hessen-Nassau. Die in einem Amt befindlichen Redner der nationalsozialistischen deut­schen Freiheitsbewegung müssen mindestens 15, bie nicht in einem öffentlichen Amt befindlichen minde­stens 25 Versammlungen durchführen.

Der (Bauleiter unb Reichsstatthalter in Hessen, Sprenger, stellt sich auch diesmal an die Spitze dieser großen versammlungswclle unb wird in einer ganzen Reihe von fiunbgebungen sprechen.

ebenso wie sich alle übrigen führenden National­sozialisten in vorderster Linie dieses Aufklärungs- feldzuges befinden.

Die Gaupropagandaabteilung hat alle notroen- bigen Vorbereitungen getroffen. Eine Steigerung ber Dersammlungstätigkeit hat bereits eingesetzt, aber erst am 15. Oktober wird die eigentliche Versammlungswclle beginnen. Bei diesem Propa- gandaoorstoß, ber mehr Versammlungen burchführen wird als jemals in einem großen Wahlkampf burch- yeführt wurden, werden die nationalsozialistischen Redner als Sendboten bes Führers abermals ihre hinreißenbe Fähigkeit, zu Menschen zu sprechen, be­weisen.

Die gesamte wahlberechtigte Bevölkerung, ganz gleich, zu welchen Parteien sie früher gestanden hat, ist moralisch verpflichtet, diesen Versamm­lungen ihre größte Aufmerksamkeit zu schenken und die Versammlungen zu besuchen.

Niemand zweifelt heute mehr, daß Adolf Hitler vom Schicksal berufen wurde, unser deutsches Volk in letzter Stunde vor dem Versinken in einen 21b- gründ zu bewahren. Er hat diese Versammlungswette ungeordnet, um auf diesem Wege zu dem deutschen Volke zu sprechen. Die Versammlungen besuchen,, heißt, diesem ungewöhnlichen Manne die ihm ge- dührende Aufmerksamkeit schenken. Diesen Versamm­lungen fernbleiben, heißt, dem gigantischen Willen des Führers, das deutsche Volk aus seinem Elend und seiner Bedrückung herauszuführen, teilnahmslos gegenüberstehen. Dor allen Dingen sind die, die den Führer und seine Bewegung bis zum 31. Januar 1933 immer nur durch bie Darstellung seiner Gegner sahen, verpflichtet, in ben Versammlungen ben Willen unb die Ziele ber Nationalsozialistischen Deut­schen Arbeiterpartei zur Kenntnis zu nehmen.

Fast überall werden bie Versammlungen groß auf- gezogen unb durch EA.-Einmärsche und bas Spiel von SA., SS. ober HI.-Kapellen umrahmt. Die Dersammlungswelle muß bis zum 15. Dezember burchgeführt sein. Ungeheuer sind die Anstrengungen aller mit der Durchführung der Versammlungen Beauftragten.

vom 15. Oktober bi» 15. Dezember lauschen alle.

die mit heißer Anteilnahme bie Entwicklung unseres Schicksal» und die Gestaltung unserer Zukunft verfolgen, in den versammlungssäleu den Rednern Adolf Hitler».

Arbeitsbeschaffung in ber hessischen Forstwirtschaft.

Darmstadt, 13. Okt. (WSN.) Die Forstwirt­schaft ist in der Hauptsache Saisonarbeit. Die Höchst­zahl ihrer Beschäftigten fällt mtt der Holzhaue­rei im Winter zusammen, also in eine Zeit, in der die sonstige saisonübliche Arbeitslosenziffer ein Maximum erreicht. Der Monat August ist, wie insbefonoere aus ben Leschästigungszahlen 1931 heroorgeht, einer der ruhigsten Monate. E» finden Reinigungsarbeiten in Kulturen und Pslanzgärten statt, Wolbwegebauten und Meliorationsarbeiten sind im Gange. Die Beamten sind mit Holzaus- zeichnen, Forstschutz ufro. beschäftigt. Irn August 1931 waren daher auch im Staats- unb Gemrinbe- roalb nur 995 männliche unb 378 weibliche Ar­beiter beschäftigt, also im ganzen 1373. während im August 1933 = 3470 männliche unb 251 weibliche, also im ganzen 3721 Arbeiter beschäftigt waren.

Die Zahl ber Arbeiter ist demnach durch plan­mäßige Arbeitsbeschaffung rast auf das Dreifache gestiegen. Bis zum Jahres'chluß wird sie auf lOOuO bis 12 000 weitersteigen. Im Staatswald sind, ab­gesehen von zahlreichen Notstandsarbeiten, allein

42 Maßnahmen auf Grund des Mrbeifs- bcichaffungsprogramms der Rcichsregierung in der Durchführung begriffen; hierbei finb zur Zett 336 Arbeiter beschäftigt. Die Zabl ber Notstand», arbeiter wird dadurch, baß Das Reich künftig auch für die Wohlfahrtserroerbslosen bie Förderung

übernimmt, im Monat September bereits eine er» Übliche Zunahme erfahren. Die Zahl der Arbeit»- dienstwilligen, die noch 796 im Staalsroafb unb 456 im ©emeinberoalb betrug und sich einmal auf jirfa 3000 belief, ist stark gurücfgegangen: sie wirb noch weiter fallen, da ber Arbeitsdienst in immer größerem Umfange für landwirtschaftliche Meliora­tionen eingesetzt wird.

Die in der Forstwirtschaft planmäßig durch- gesührte Arbeitsbeschaffung hat zahlreiche»

Volksgenossen Arbeit und Brot gegeben.

Sie stellt aber an bas Personal hohe Anforde­rungen, da die Arbetten seither fast alle in eigener Regie durchgesührt wurden, die Planung, technische Durchführung und Beaufsichtigung daher ebenfalls Sache bes vorhanbenen Personals ist. Es verdient besondere Anerkennung, daß bie gesamte Beamten- chaft ausnahmslos mH großem Eifer und Fleiß ich diesem Aufgabenkreis gewidmet hat. Die in der taattichen und kommunalen Forstwirtschaft oorlie- b nben Arbeitsbeschaffung»pläne, die in die Landes­planung eingebaut werden, umfaßen zirka

vier Millionen Tagewerre.

Ihre Durchführung wird zur Bekämpfung der Arbeitslosigkett wesenllich beitragen.