Ausgabe 
16.10.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 242 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

München begeht den Tag der deutschen Kunst.

Bayerns Hauptstadt erneuert ihren 2Ruf als Metropole deutscher Kunst.

München im Festkleid.

München, 14. Okt. (TU.) Die bayerische Landes» hauptstadtprangtimSchmuck derFahnen,Wimpel und Guirlanden. Tausende von fleißigen Händen haben in der Nacht zum Samstag gearbeitet, um das Festkleid der Stadt zum Tage der deutschen Kunst rechtzeitig fertigzustellen. Noch niemals hat Mün­chen, das doch schon so viele Künstlerfeste erlebt hat, ein so großartiges Bild geboten. Den prächtigsten Schmuck trägt der schon durch seine Ausmaße über­raschende Schauplatz der Grundstein- legung an der Prinzregent en st raße. Inmitten eines riesigen Stadions steht der Grund­stein zumHaus der deutscken Kunst". In der Prinzregentenstraße geben die bunt belaubten Bäume des Englischen Gartens einen wirkungs­vollen Hintergrund. Ein gewaltiger Triumphbogen bildet die Eingangspforte zur Feststraße.

Besonders würdigen Schmuck hat der historische Platz vor der Feldherrnhalle erhalten, als der Stätte der Bluttaufe der nationalsozialisti­schen Bewegung. Es ist ein Altar mit goldenem Lorbeerkranz errichtet. Eine Flamme lodert den Toten zu Gedenken gen Himmel. Ein Blumen- gebinde des Führers liegt auf den Stufen zur Feldherrnhalle. Ein prächtiges Festkleid trägt auch das Rathaus. Ernste Feierlichkeit liegt über dem ragenden Obelisk auf dem Karolinenplatz. An riesigen Masten hängen schwarze Banner, di« abwechselnd das silberne eiserne Kreuz und das Hakenkreuz tragen. An dieser Stätte, die dem An­denken der 30 000 gefallenen Bayern in Rußland gewidmet ist, werden am Festtage SS.-Formatio- nen im Stahlhelm die Ehrenwache halten. Das Braune Haus prangt in Braun und Gold. Der Balkon ist mit roten und goldenen Teppichen ge­schmückt. Das Obergeschoß trägt einen riesigen brau­nen Laubkranz mit Gold und eine Umrahmung der Mitteltür. Bier hohe quadratische Ständer in Tan­nengrün mit den Hoheitszeichen und goldenen Ad­lern flankieren den Zugang zumKönigsplatz. Rings­herum stehen zahlreiche Pylone von rotem Fahnen­tuch umflattert, verbunden durch rotberändertes Laubgewinde.

Wohl das eindrucksvollste Schaubild bietet d i e L u d w i g st r a ß e, die ganz auf Rot abgestimmt ist. Die Sockelgeschosse der Monumentalgebäude, die diese prächtigste Straßen Münchens bilden, sind mit breiten roten Bändern vollständig verkleidet. Riesige Hakenkreuzfahnen, die bis zu den Sockel­geschossen herabreichen, eine Unzahl von Pylonen in Rot, gekrönt von dem goldenen Hakenkreuz in grünem Kranz, unterstreichen den wuchtigen Ein­druck dieses Festschmucks.

Unmöglich, den Prunkschmuck der weiteren Stra­ßen und Plätze der Innenstadt zu beschreiben, der in altert Straßenzügen a u f wechselnde Farb­stimmungen abgestellt ist. Weiß und Rot mit dem Kunstwappen in der Prinzregenten- ft raße als Straße der Kunst, Weiß und Blau als Farbe der Landestradition zu Ehren des Schöpfers der Kunststadt München, des Königs Ludwig I. am Wittelsbacherplatz, der sein Standbild, um­baut mit einem von goldener Krone beherrschten Baldachin trägt, Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz- Gelb am Marienvlatz, und endlich Braun und Rot in der Brienner Straße, der Straße der nationalen Bewegung, ergeben in ihrem Wechsel eine Farbensympyonie von stärkster Eindringlich­keit.

Noch einmal steigert sich der ungeheure Eindruck "dieser festlichen Ausschmückung einer festlichen Stadt am Königsplatz, der Stätte zahlloser nationaler Kundgebungen, dessen Prunkgebäude mächtige rote Banner mir dem Hakenkreuz zwischen den Säulen der Propyläen, der Staatsgalerie und der Glypto- thek aufweisen. Riesige Pechkandelaber, durch Laub- gewind mit roten Bändern verbunden, umsäumen den Platz, der an den Propyläen durch eine riesen­hafte rote Bahn mit goldenem Lorbeerkranz und den Schildern der Kunst in Gold abgeschlossen wird. Die Feier der Grundsteinlegung.

München, 15. Okt. (TU.) Die Grundsteinlegung zum Hause der Deutschen Kunst gestaltete sich zu einem glanzvollen Ereignis. Bei zwar kühlem, aber trockenem Herbstwetter begann schon in früher Morgenskunde der Aufmarsch der Künstler- und Studentenschaft, der gesamten SA., SS., des Stahlhelms, der Landespolizei und der Hitler- Jugend. Die Straßen der inneren Stadt, vor allem die in herrlichem Festschmuck prangenden Festzugs- straßen waren von einer wogenden, festlich gestimm­ten Menschenmenge belebt, die in dichten Strömen den Festplatz an der Pringregentenstraße am (Ein­gang zum Englischen Garten zu erreichen suchte.

Die riesige Tribüne am Platz der Grund­steinlegung war bereits um 9.30 Uhr bis auf den letzten Platz besetzt. Bon den großen Opferschalen loderten Feuersäulen gen Himmel. Auf den Emporen der Galerie hatte die Stu­dentenschaft in vollem Wichs und mit Fahnen Ausstellung genommen. Ebenso flankierten die Fah- nen der SA., SS., des Stahlhelms und der Hitler- Jugend das große Rund des Platzes. Eine Abtei­lung SS. hatte sich zum Ehrenspalier aufgestellt.

Gegen 10 Uhr trafen die Ehrengäste ein, tmter ihnen die Reichsminister Frhr. von Neu- r a t h, Dr. Goebbels und Dr. Schmitt, Staatssekretär Feder, Reichsstatthalter Ritter von Epp mit dem bayerischen Ministerpräsiden­ten und den sämtlichen Mitgliedern der bayerischen Staatsregieruna, de«- Stabschef Röhm, das Diplomatische i. o r p s mit dem Apostolischen Nuntius an der Spitze. Ferner sah man König Ferdinand von Bulgarien, viele Grup­pen- und Obergruppenführer der SA. und SS. und prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Bayerische Präsentiermarsch ertönte, brausende Heilrufe kündeten das Kommen des Führers. Der Kanzler begrüßte die Herren des Diplomati- schen Korps, die Spitzen der Behörden und Regie­rungen, sowie die hohen SA.- und SS.-Führer.

Die Feier der Grundsteinlegung wurde durch das Reichs-Symphonieorchester mit dem Vorspiel aus den Meistersingern von R. Wagner eingeleitet. Der Vorsitzende des Vorstandes des Hauses der Deutschen Kunst, Herr von Finck, hieß den Reichskanzler und alle, die zum heutigen Tag erschienen waren, willkommen, worauf Reichskanzler Adols Hit­ler an das Rednerpult trat.

Oie Weiherede des Führers.

Es ist herrlich, in einer Zeit zu leben, die ihren Menschen große Aufgaben stellt. Als die Re­gierung der nationalen Erhebung die Verantwor­tung übernahm, übernahm sie damit die Pflicht, die Aufgaben zu meistern, die wir alle vor und um uns sehen. Ein Volk ist zusammengebrochen und soll seine Wiederaufrichtung erleben. Wir wollen heute nicht hadern über das Unglück, das uns getroffen, die Katastrophe, die uns gestürzt hat. Wir wollen nur erkennen, daß das Gebrochene wieder aufgerichtet werden muß und daß der Ver­fall sich wieder zu neuem Leben wende. Furcht­bar sind Not und Elend über unser Volk gekommen. Eine stolze Wirtschaft, einst blühend und reich, scheint zu verfallen. Millionen fleißige Menschen verdammt die Arbeitslosigkeit zum Müßiggang. Die Proletarisierung reißt immer neue Lebens­stände in ihre Tiefe. Das Gefüge unserer Gesell­schaft geht in Brüche, ja selbst an die Pforten der Tempel unseres Glaubens pocht die Faust der Trä- 1;er einer neuen Weltzerstörung. Unrat und Un­riede überall. Deutschland wehrlos und rechtlos, as Volk erfüllt von Verzagtheit und Verzweiflung! Uns hat das Schicksal die herrliche Aufgabe gestellt, in dieser Not zu kämpfen, die Herzen dieser verzagten Menschen wieder mit Glauben und Vertrauen zu erfüllen, die Wirtschaft in Ordnung zu bringen, den Millionen Feiernden Arbeit zu geben, die Stände vor der Vernichtung zurückzureißen, eine neue Gesellschaft aufzubauen nd ihre Feinde mit eiserner Faust zu zügeln, der Nation ihre sachlichen, moralischen und kulturellen Güter in Schutz zu nehmen vor den Elementen der Zerstörung. Eine kühne und stolze Mis­sion!

Der Mensch lebt nicht von Brot allein, wenn wir die Aufrichtung unseres Volkes als Auf- gabt unserer Zeit und unseres Lebens emp­finden, sehen wir vor uns nicht nur die leidende wirtschaft, sondern ebenso die bedrohte Kultur. Nicht nur die Not des Leibes, sondern nicht weniger die Not der Seele, und wir können uns keinen Wiederaufstieg des deutschen Volkes denken, wenn nicht wieder ersteht auch die deutsche Kultur und vor allem die deutsche Kunst.

Wir vollziehen heute einen symbolischen Akt; eine tragische Verkettung von Zufall, Schuld und Un­geklärtem vernichtet in einer Nacht ein Haus, das für immer verbunden bleiben wird mit dem künst­lerischen Schaffen nicht nur dieser Stadt, sondern der ganzen deutschen Nation. Schätze des deutschen Gemüts und der deutschen Kunst sind den Flam­men zum Opfer gefallen. Allein was da­mals in wenigen Stunden der Vernichtung ver- fiel, kann nicht Vernichtung fein für alle Zukunft. Indem wir uns schmerzlich von dem Verlorenen trennen, beginnen wir vertrauens­voll mit dem Blick in die Zukunft den Aufbau des Neuen. Ein Haus der Deutschen Kunst soll ent­stehen, der alte Glaspalast, durch viele Jahrzehnte

ein Merkmal dieser Stadt, sich verwandelnd in ein Denkmal unserer Zeit.

Das junge Deutschland baut seiner Kun st sein eigen haus. Wenn es aber diesen Bau der deutschen Kunst der Stadt Mün­chen gibt, bekennt es sich zum Geiste desjenigen, der einst als bayerischer König diese Stadt z u einer heimstätle der deutschen K u n st erhob. Indem wir alle die Größe der Verdienste ermessen, die diese kultstätle deut­schen Kunstschaffens und kunstlebens für sich buchen kann, gehorchen wir nicht nur der Stimme des Herzens, sondern auch dem Gebot der Gerechtigkeit, gerade diese Stadl für alle Zukunft zum Mittelpunkt eines neuen Kunst­schaffens und Kunstlebens zu wählen.

E i n Volk sind wir, e i n Reich wollen wir fein! So fanatisch wir für die Größe dieses Reiches, für feinen Frieden, aber auch für feine Ehre eintreten (stürmische Heilrufe), so wenig wir dulden, daß irgendein Geist der Zwietracht die Einheit der Na­tion bedrohe, unverständige Eigenbrödelei die Kraft des politischen Lebens schwäche, so sehr hängen wir an der Eigenart der deutschen Lande und wollen pflegen den Reichtum der Viel- g e st a l t i g k e i t unseres inneren Lebens. Wenn ich heute in stolzem Glück Mithilfen kann, diesen Grundstein zu legen, dann hoffe ich damit dieser Stadt und dem Lande den Weg zu weisen in die Zukunft. Nicht im Hader oder kleinem eifersüch­tigen Streit mit den anderen Brüdern unseres großen deutschen Vaterlandes .haben wir die Mög­lichkeit des Eigenlebens Bayerns und seiner Hauptstadt zu sehen, sondern im Bekenntnis der unlöslichen Verbundenheit mit dem ganzen deutschen Volk, sowie in der Größe des Beitrages, den dieser Stamm und diese Stadt hier leisten zur Größe des Reiches und zur Größe der deutschen Nation. (Stürmische Heilrufe.)

Dann aber wollen wir treu bleiben der Eigenart dieser Stadt. Wenn Berlin Haupt­stadt des Reiches ist, Hamburg und Bremen die Hauptstädte der deutschen Schiffahrt, Leipzig und Köln Hauptstädte des deutschen Handels, Essen und Ehemnitz Hauptstädte der deutschen Industrie, dann soll München wieder werden Haupt st a d t der deutschen Kunst. (Stürmische Heilrufe.) Sie findet damit den Weg zurück zu ihrer eigentlichen Größe. Was ein kleines Geschlecht nicht begriff, müssen wir zur Freude und zum Nutzen des ganzen deutschen Volkes erfüllen: Möge diese Stadt sich wieder zurückbesinnen auf ihre eigent­liche Mission, Stätte des Erhabenen und des Schönen zu sein, auf daß sich wie­der als Wahrheit erweise, daß man diese Stadt gesehen haben muß, um Deutschland zu kennen. In diesem Sinne wollen wir zum ersten schönen Bau des neuen Reiches hier den Grundstein legen, einem deutschen Baumeister zu verdanken, der Stcckt Mün­chen zu treuen Händen, der deutschen Kunst zu eigen." (Stürmische Heilrufe.)

Oer Führer legt -en Grundstein.

Staatsminister Adolf Wagner dankte dem Füh­rer der Nation für die Richtung, die er der deutschen Kunst und der deutschen Kultur gegeben habe und bat ihn, nunmehr die Grundsteinlegung vorzuneh­men. Während die in alter Handwerkstracht gekleide­ten Maurer und Steiklmetze die handwerklichen Vor­bereitungen trafen, wurde eine Urkunde über die Grundsteinlegung verkündet, aus der hervorgeht, daß dieses Haus seine Entstehung dem Wunsche und Willen des Erneuerers des Deutschen Reiches, Reichs­kanzler Adolf Hitler, verdankt. Staatsminister Wag­ner überreichte dem Führer als Geschenk des Gaues München-Oberbayern einen silbernen Ham- m e r mit der Bitte, damit die Grundsteinlegung des Hauses der Deutschen Kunst vorzunehmen und ihn auch bei allen sväteren Neubauten des neuen Reiches zu benutzen. Reichskanzler Adolf Hitler übernahm

den Hammer und erklärte, er fei glücklich, diesen Tag in der Stadt München erleben zu dürfen, von der die große Erhebung des deutschen Volkes ihren Ausgang nahm. Er sei glücklich, diesen Tag erleben zu können, von dem eineneuedeutscheKunst ihren Ausgangnehmen werde.Der Grund­stein ist gelegt." Unterdessen hatten die Handwerker die in einer Rolle verwahrte Urkunde über die Grundsteinlegung in den geöffneten Grundstein ge­legt und diesen wieder zugemauert. Der Reichskanz. ter führte hierauf den Hammerschlag aus. Während sich der Führer wieder auf seinen Platz auf der Ehrentribüne begab, ertönte Trommelwirbel. Die Musik stimmte das Deutschlandlied und das Horst- Wessel-Lied an. Der feierliche Akt der Grundstein­legung zum Hause der deutschen Kunst war beendet.

9er Festziig der riiimchener Mstlerschast.

München, 15. Okt. (TU.) Der Festzug, der sich am Sonntagnachmittag wie ein farbensprühendes Märchen durch die Münchener Feststraßen bewegte, war ein selbst in München noch nicht gesehenes einzigartiges und unvergeßliches künstlerisches Schauspiel. Den Anfang machten berittene Paukenschläger, die in Grau, Silber und Rot gekleidet sind und in ihren friderizianischen Mützen und auf prächtig gezäumten Pferden einen materi- schen Anblick bieten. Nun folgt der Adler, das Hoheitszeichen der NSDAP., feierlich getragen von Männern in Braun, Rot, Gelb und Weiß. Sechzehn Reiter in Rot, Schwarz und Silber mit wehenden in allen Farben leuchtenden Fahnen begleiten sie. Als nächste Gruppe kommen zwölf Herolde zu Fuß in hohem weißen und roten Aufputz. Sie kündigen die nun folgenden Embleme an, zunächst das der Architektur, versinnbildlicht durch ionisches Kapitäl, dann das der Malerei, dar- gestellt durch antike Wandmalereien und zuletzt das der Plastik, bestehend aus einer Nachbildung des Heraklestores. Auf einem großen prächtigen Wagen folgte, von vier Schimmeln gezogen, die hohe vergoldete Statue der Pallas Athene, der ein Jüngling in Gold mit der Fahne der Kunst voran- ritt. Ein Trupp aus Studierenden der Akademie in der Tracht der Scholaren bildete den Abschluß dieser ungemein wirkungsvollen Gruppe.

Die zweite Gruppe des Zuges wurde eröffnet durch ein Musikkorps zu Fuß in grüner altdeutscher Tracht. 30 Mädchen mit langem gelösten Haar, in fliegenden Gewändern, Blumengirlanden in den Händen schritten der G r u p p e d e r G o t i k voran. Ihnen folgten Reiterinnen in Rot, gotische Ritter in schwarzer Eisenrüsttmg, ungemein reizvoll der Wagen der Gotik ein Brunnen, umgehen von Figuren der Maruska»Fenster aus dem alten Münchener Rathaus, Eines der schönsten Bilder

des Zuges war dann die Gruppe des baye­rischen Rokoko, geführt von 12 Pfeifern unb Trommlern in Weiß und Blau und sechs Reiterin­nen in Blau und Silber, gekrönt von einem Genius, wirkte der Wagen des Rokoko wie eine Meister­schöpfung der Porzellanmanufaktur Nymphenburg, freilich in riesigem Ausmaß. Als Begleitung des Wagens schlossen sich Mädchen und Jünglinge in der Tracht des Rokoko an. Den Schluß der Gruppe machte eine Kompanie der oberbayerischen Schützen in der malerischen Gebirgsschützentracht.

(Einen glanzvollen Mittelpunkt des Zuges bil­dete die Gruppe deshaufesderdeut- f ch e n k u n ft. Sechs Knaben zu Pferd und acht Fanfarenbläser zu Fuß gingen voran. 16 Män­ner in Grün und Gold trugen das gewaltige Modell des Hauses der deutschen Kunst. Jüng­linge mit Girlanden und Kränzen säumten das Modell ein. Sinngemäß folgten dem Modell d i e Zünfte der Bauhandwerker, die Maurer, Steinmehe, Zimmerer, Kupferschmiede mit dem kupfernen Modell einer Bavaria, der Dachdecker und Spengler. Die Gruppe der deutschen Kunst wurde von 16 Reiterinnen mit schwarzweißroten Fahnen eröffnet (Eines der berühmtesten Mei­sterwerke deutscher Frühkunst, der Bamber­ger Reiter, war der künstlerische Mittel­punkt der Gruppe auf einem Wagen, auf dem zwei Herolde mit Schilden und Standarten das Standbild flankierten. Begleitet wurde der Wa­gen von 16 Knaben, die auf Schildern die Namen berühmter Männer der deutschen Kunst trugen.

Eine Spitze Fortunagruppe zu Pferd leitete über zu einem Glanzstück des Zuges, der Gruppe des deutschen Märchens. Von Schimmeln

Montag, w. Oktober 1955

Zeitschriften.

Das Oktoberheft derSüddeutschen Monatshefte" (München) beschäftigt sich in einem großen Aufsatz des bekannten Düsseldorfer Archivdirektors Paul Wentzcke mit dem rheini­schen Separatismus zur Zeit der Fran­zosenbesetzung. Wentzcke gibt eine packende Schilde­rung der verschiedenen separatistischen Versuche, die im Sommer 1923 Dorten und Matthes unter offe­ner Unterstützung des französischen und belgischen Generalstabes, andere Kreise aber verschwiegener gemacht haben. Wir sehen insbesondere, wie die separatistischen Abenteurer ihren Nährboden in der Inflation gefunden haben, und wie gerade an der Beschleunigung der Inflation gewisse einflußreiche Kreise in Deutschland ein hohes materielles In­teresse gehabt haben, die später sich gerne als be­sonders vaterlandstreu bezeichnen ließen. Es ist viel zu wenig bekannt, daß die heimlichen Draht­zieher in Köln,-die sich nach dem Zusammenbruch des Separatismus so trefflich als harmlose Fö­deralisten zu maskieren wußten, noch zu einem Zeitpunkt, als bereits an den wichtigsten Stellen des Rheinlandes die Volkswut die Separatisten vernichtet hatte, hockoerräterische Unterhandlungen mit Frankreich gepflogen haben. Zum erstenmal sehen wir nun dieGrundsätze der Verfassung eines Rheinstaates" vor uns, die von Tirard ver­faßt worden sind und deren Kenntnis bisher von den deutschen Hochverrätern abgeleugnet worden ist. Auf der anderen Seite wird es gerade heute besonders interessieren, welche entscheidende Rolle dem jetzigen ReM'ührer des Vereins für das Deutschtum im Auslande Hans Steinacher bet der Bekämpfung der separatistischen Gefahr zukam.

Eine Gerhart-Hauptmann- Uraufführung.

München, 15. Okt. (WTB.) Den literarifchen Höhepunkt des Tages der deutschen Kunst bildete die auf Anordnung des Führers am Sonntagabend im Schauspielhaus angesetzte Urauffüf)- rung des neuesten Werkes von Ger­hart HauptmannDie goldene-Harfe". Die Aufführung, der auch der Dichter beiwohnte, erfolgte vor ausverkauftem Haufe und gestaltete sich zu einem rauschenden Erfolg für Werk und Darsteller. Der Beifall steigerte sich von Akt zu Akt und rief am Schluß Dichter und Hauptdarsteller mehrfach auf die Bühne. Die Inszenierung Otto Falkenbergs und die Bühnenbilder Eduard Sturms schufen zusammen eine Aufführung, die zu den besten zu zählen fein dürften, die in den Kammer- spielen bisher herausgebracht worden find. Auch die Musik von Hermann Zilcher umrahmte das in der Zeit romantischer Empfindsamkeit nach 1813 wurzelnde Werk wirksam.

gezogen folgte der Wagen des deutschen Märchens, darstellend ein Mädchen mit einem Einhorn. Blu­mentragende Mädchen und eine Gruppe Spielleute mit Flöten und Lauten rundeten das Bild, das überleitete zum Wagen der deutschen Sage, dar­gestellt durch einen drachentötenden Ritteo. Der Wagen d e r Dichtkunst schloß sich an. Eine große tragische Maske der Antike war der künst­lerische Ausdruck dieses Gedankens. Ein wilder Pegasus vervollständigte die Darstellung. Der W a gen der Meistersinger zeigte Hans Sachs alsSchuhmacher und Poet dazu", um ihm herum Gestalten der Meistersinger. Den Abschluß machte der Wagen der Zünfte, dargestellt durch eine große Zunstlade. Ringsum Jugend in Pagenklei- düng mit den Emblemen der Zünfte und mit Fahnen.

Gegen 15.30 Uhr war der Führer in Beglei­tung des Reichsstatthalters Ritter von Epp und der bayerischen Staatsregierung an der Tribüne vor dem Odeonsplatz vorgefahren, um hier mit den zahlreichen Ehrengästen aus dem ganzen Reich den Vorbeimarsch des Zuges abzunehmen.

Oer Austtang.

Gegen 17.30 Uhr erreichte der Feftzug den- n i g s p 1 a tz. Nächtlicher Fackelschein aus 40 Py­lonen, die rings um den Platz aufgestellt waren, beleuchtete die riesigen Fahnenreihen, die hier Auf­stellung genommen hatten. Aus den Propyläen lo­derten große Feuergarben in den dämmernden Himmel. Nachdem der Zug in dem von vielen Tau­senden von Menschen besetzten Platz eingezogen war, sprach Prof. Kutsch mann als Präsident des Reichskartells der bildenden Künste den Dank der deutschen Künstlerschaft aus für all das, was sie hier habe erleben dürfen. Nach dem Horst-Wessel- Lied richtete Kultusminister Schemm das Schluß­wort zum Tage der deutschen Kunst an die Zehn­tausende. Erst nach dem Tag von Potsdam, erst nach dem Tag der Arbeit und erst nach dem Be­kenntnis non Blut und Boden könne sich das Schönste im Menschen entfalten, das Bekennt- n i s z u feiner un st erblichen Seele. Mit dem Appell immer weiterzustreben und zu kämpfen schloß der Minister. Das Deutschlandlied klang zum nächtlichen Himmel. Die Massen zerstreuten sich, der Abend brach herein und beschloß einen Tag, un­vergeßlich in der Geschichte der Kunststadt Mün­chen für alle Zeit.

Hochschulnachrichten.

Folgende Berufungen auf juristische und naüo- nalokonomische Lehrstühle an preußischen Universi­täten werden bekannt:

Nach Breslau: Professor Albrecht, Jena (Nationalökonomie); Professor Bechtel, Breslau (Nationalökonomie); Privatdozent Walz, Mar­burg (Staatsrecht).

Nach Königsberg i. Pr.: Professor Wiste- mann, Marburg (Nationalökonomie); Professor Berkenkopf, Hamburg (Nationalökonomie); Privatdozent R e i k e, Königsberg (Bürgerliches Recht).

Nach Göttingen: Privatdozent W ü r d i n - ger, München (Bürgerliches Recht); Privatdozent S i e g e r t, Münster (Strafrecht).

Das bayerische Kultusministerium hat auf Vor­schlag des Senats Geh. Rat Professor Dr. med. et phil. Dr. h. c. Karl Escherich zum neuen Rektor der Universität München ernannt.

Die im Frühjahr d. I. verfügte Beurlaubung des Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Tübingen, Dr. Georg Weise, ist aufgehoben worden.