Ausgabe 
16.9.1933 Frühausgabe
 
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Nr. 217 Erster Blaff

185. Jahrgang

Samstag, 16. September 1953

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i-D.TH.KÜmmel sämtlich in Dietzen.

Pariser Vorspiel.

Die große Sommerpause ist nun auch in der Außenpolitik vorbei. Am 22. September tritt der Völkerbundsrat in Genf zusammen, drei Tage später auch die Völkerbundsversamm­lung. Das Reichskabinett hat in feiner letzten Sitzung bereits über die Zusammensetzung der deut­schen Delegation für Gens Beschlüsse gefaßt. Wie zu erwarten war, wird der Reichsaußenminister Frei­herr von Neurath die Führung der Delega­tion übernehmen und sich von mehreren Herren feines Reff orts begleiten lassen, denen das Genfer Pflaster kein ungewohnter Boden ist. Eine Ueber- raschung hingegen ist die Nachricht, daß auch der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels Mit­glied der deutschen Delegation sein wird. Wir be« iirüfjen diesen Entschluß des Reichskanzlers, einen einer hervorragendsten und ihm persönlich nahe- tehenden Mitarbeiter als Kämpfer für Ehre und Wahrheit in die Genfer Arena zu entsenden, wo eine Atmosphäre von Mißgunst, Verleumdung, Skepsis und Uebelroollen die Vertreter des neuen nationalsozialistischen Deutschland erwartet. Herrn Dr. Goebbels erwartet hier also eine schwierige und delikate Aufgabe, aber wir haben das Zu­trauen zu ihm, daß es feiner ungewöhnlichen Kunst der Menschenbehandlung gelingen wird, die Nebel- fchwaden verleumderischer Propaganda zu durch­stoßen, Die gewissen Mächten äußerst gelegen kom­men, um das neue Deutschland in eine Isolierung zu bringen, die den eigenen Plänen förderlich sein müßte.

Wichtiger als die Dölkerbundstagung ist der ziemlich gleichzeitig anberaumte Zusammentritt von Büro und Präsidium der A b r ü ft u n g s t o n f e r e n 3. Um das Vorgelände für diesen für bas Schicksal des Abrüstungsgedankens überhaupt viel­leicht entscheidenden Konferenzabschnitt zu sondie­ren, hat die französische Diplomatie wiederum eine der berüchtigten Vorbesprechungen der Mächte eingefädelt, von denen sich Frankreich am ehesten eine Unterstützung der eigenen Pläne verspricht. So wird am Montag der englische Abrüstungssachver- ständige, Unterstaatssekretär Eden in Paris er­wartet und wenig später gedenkt auch Amerikas Sonderbotschafter Norman Davis dort feinen Besuch zu machen. Die beiden haben in London bereits untereinander und mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson Fühlung genommen, zweifellos bereits in voller Kenntnis der Vorschläge, die man ihnen in Paris unterbrei­ten will. Sie werden sich vermutlich auch über ihre Haltung verständigt haben. Wenn sie trotzdem Wert Darauf legen, nicht gemeinsam in Paris zu erschei­nen, so soll wohl der Einbruck vermieden. werden, als ob nun schon unter Frankreichs Aegide eine Einheitsfront gegen das nicht hinzugezogene Deutsch­land zustande gekommen sei und man es in Genf von vornherein vor einen fertigen Beschluß der drei Westmächte stellen wolle. Der französischen Politik liegt natürlich alles daran, den Anschein zu er- wecken, als ob Frankreich und die Angelsachsen sich schon einig seien, als ob Italiens Standpunkt auch kaum abweiche und Deutschland nichts übrig bleibe, als zu allem ja und Amen zu sagen, was man ihm in Genf gleichsam ultimativ präsentieren werde. Indessen diese plumpen Einschüchterungsver- suche werden trotz der geschickten Regie der Pariser Presse Deutschland keinesfalls irre machen. Denn es ist ja noch längst nicht fo, daß über das Vor­gehen in Genf zwischen den drei Westmächten be­reits die Einigkeit bestehe, die die Pariser Presse geschäftig oorzutäuschen sucht. Weder Amerika noch England haben sich von Italien ganz zu schwei- gen irgendwie festgelegt.

Gewiß darf die Gefahr nicht verschwiegen wer- den, daß namentlich in England in letzter Zeit Strömungen wieder Oberwasser zu bekommen drohen, die den eigenen Kahn hemmungslos in das französische Fahrwasser zu treiben suchen. So sind weder der Staatssekretär des Auswärtigen Sir John Simon noch die Konservativen Churchill und Chamberlain Freunde des neuen, zu einem starken Nationalbewußtsein zurückgefundenen Deutschland, wie sie ja auch vor dem 30. Januar schon nichts unterlassen haben, was der deutschen Politik Schwie­rigkeiten machen konnte. Man spricht davon, daß Simons Stellung im Kabinett Macdonald erschüttert sein soll und nennt bereits Eden als seinen Nach­folger. An der betont kühlen Einstellung des amt­lichen England uns gegenüber würde sich durch diesen Personenwechsel vermutlich nichts ändern. Man ist in Downingstreet leider immer noch allzu bereit, um allen Schwierigkeiten in Europa aus dem Wege zu gehen und den Rücken für die gro­ßen überseeischen Probleme frei zu haben. Die Das britische Imperium als Ganzes berühren, die Hege­monie Frankreichs auf dem Kontinent zu stützen, in Der ebenso leichtfertigen wie kurzsichtigen An­nahme, Die gepanzerte Faust Des französischen Gen­darmen werde schon jeben aufkommenden Funken im Unruheherd Mitteleuropa zum schnellen Er­sticken bringen, damit nicht das kunstvolle, allen natürlichen Lebensgesetzen Der Völker hohnsprechenDe Gebäude von Versailles ins Wanken gerate. Aber eine Politik, die vor Den brennenden Problemen Mitteleuropas geflissentlich Die Augen verschließt unD bestenfalls mit lächerlich winzigen Behelfsmit­teln eine trügerische Ruhe zu schaffen sucht, ohne zu wagen, auch nur eine Der großen Fragen, Die Ver­sailles in Mitteleuropa offen gelassen hat, ehrlich unD entschlossen anzupacken, eine solche Politik, wie sie England betrieben.hat, seitdem es durch Deutsch­lands Entwaffnung feinen Festlandsdegen gegen die stärkste Kontinentalmacht zerbrochen sah, muß früher oder später an ihrer eigenen Ideenlosigkeit scheitern, lobald das nationale Erwachen Der Völker Mittel­europas ihnen Kraft und Einsicht gibt, gemeinsame Probleme gemeinsam zu lösen und Damit Den un-

Deutschland will einen aufbauenden Frieden im Innern wie nach außen.

Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath vor der ausländischen presseOeuischland fordert Sicherheit und Gleichberechtigung zur Wahrung feiner Unabhängigkeit und denkt nicht an kriegerische Verwicklungen. Keine Einmischung in Oesterreich, aber freie Bahn der natür­lichen Entwicklung.Das neue Deutschland zu aufrichtiger Zusammenarbeit bereit.

Berlin, 15. Sdpt. (WTB.) Reichsaußenminister Freiherr von Neurath empfang heute abend die Vertreter der ausländischen Presse in Berlin zu einem geselligen Beisammensein im Hotel Kaiserhof, an dem auch der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goeb­bels, teilnahm. Der Reichsminister des Aeußern machte in einer Ansprache Ausführungen über d i e außenpolitische Lage, denen seine Gäste mit größter Aufmerksamkeit folgten. Der Minister erklärte, daß man hinsichtlich der gro­ßen internationalen Probleme nichts anderes als eine nahezu vollständige Stagnation feststellen könne, weil der Gei st des Systems von Versailles auch heute noch weitgehend die Politik beherrscht.

Das Ausland, fuhr Der Minister fort, muß end­lich begreifen, daß das deutsche Volk das Recht hat, sich gegen diesen Geist von Versailles mit allen Kräften zur Wehr zu setzen. Der Reichskanzler hat in seiner großen Reichs­tagsrede vom 17. Mai bargelegt, in welchem Sinne, mit welchen Methoden und mit welchen Zielen wir diesen Kampf führen wollen. Seine Darlegungen bleiben für die deutsche Außenpolitik maßgebend.

Ich kann nur mit Bedauern feststellen, daß es an vielen Stellen des Auslandes bis heute an der richtigen Würdigung der Richtlinien unserer Außenpolitik fehlt, deren Kernpunkt es ist, daß Deutschland den Frieden und nicht Den Krieg, einen aufbauendenFriedenim Innern und nach außen will. (Eine Entspannung kann nur herbeigeführt werden durch Maßnah­men, Die wirklich an Die großen außenpolitischen Probleme Herangehen und ihre Behandlung ent­scheidend fördern.

Dieser Erkenntnis entsprang die weitblickende staatsmännische Initiative des italienischen Regie­rungschefs, die nach schwierigen Verhandlungen schließlich zur Unterzeichnung des Bier- mächtepaktes geführt hat. Deutschland hat Den Pakt unterzeichnet, um seinerseits kein Mittel unversucht zu lassen, Das zur Anbahnung einer fruchtbaren Periode der Entwickelung beitragen könnte. Dabei scheint mir Das eine selbstverständlich zu sein: Das Ziel des Paktes kann nicht die N i ederha11ung des einen Partners durch die anderen, sondern nur d i e Verständi« g u n g zwischen gleichberechtigten Part­nern fein. Ich bin überzeugt, daß bei gutem Willen eine Verständigung der vier Mächte über alle gro­ßen politischen Fragen, die heute Europa beunru­higen, durchaus möglich ist, und daß eine Zusam­menarbeit Der vier Mächte auch für Die anDeren Länder nur von Vorteil sein kann.

Aeußerst skeptisch muß in dieser Hinsicht aller­dings der Stand der Abrüstungsfrage stimmen. Nach gewissen Anzeichen zu schließen, scheint die Bereitschaft der hochgerüsteten Staaten zur Erfüllung ihrer Abrüstungsverpflichtung heute geringer denn je zu fein.

Es ist für uns nichts Neues, daß man ver­sucht, diese Haltung mit der Behauptung deut­schen Aufrüstungswiltens zu recht­

fertigen. weine Damen und Herren, ich sage mit dem vollen Bewußtsein der Tragweite mei­ner Worte, daß das nichts anderes ist als eine bewußte Verschleierung der Tat­sache, daß Deutschlands Ziel lediglich die Beseitigung des heutigen Zustan- des einseitiger Wehrlosigkeit ist. Die hochgerüsteten Staaten rüsten weiter, und statt von ihrer Abrüstung sprechen sie von ihrer Sicherheit, wer ist Denn bedroht? Nicht Die anderen Länder, sondern Deutschland. Nur im Auslande spricht man vom Kriege. In Deutschland denkt niemand an kriegerische Verwicklungen. Deutschland verlangt Sicherheit und Gleichberechtigung; es wünscht

nichts anderes als feine Unabhängigkeit be­wahren und feine Grenzen schützen zu können. Das ganze deutsche Volk weih, nicht zuletzt aus den Erfahrungen der Nachkriegszeit, daß der Krieg auch dem Sieger feinen wahren Nutzen, keinen bleibenden Vorteil bringt Ist es fair. Demgegenüber mit der Behauptung zu ope­rieren, daß die neue deutsche Regierung zwar zunächst wohl alle äußeren Verwicklungen zu vermeiden wünsche, daß es Ihr aber nur Darauf ankomme, Deutschland in einer ersten Ruhe­perlode stark genug zu machen, um dann zu offener Gewaltpolitik übergehen zu können? Das sind bloße Gedankenfpielereien, die In den wirklichen Tatsachen nicht die geringste Stühe

Schätzung der deutschen Getreideernte zu Anfang September 1933.

Berlin, 15. Sept. (WTB.) Nach den Meldun­gen der 7000 amtlichen Ernteberichterstatter über das Ergebnis der diesjährigen Getreideernte nach Dem Stande von Anfang September ist weiter­hin mit einem recht guten Gesamt­ertrag zu rechnen. Auf Grund der vorlie­genden Meldungen ergeben sich nach Den Feststel­lungen Des Statistischen Reichsamtes im Reichs- Durchschnitt (gegenüber Den Schätzungen zu Anfang August D.I.) nunmehr folgende Erträge je Hektar: Winterroggen 19,4 (18,7) Doppelzent­ner; Sommerroggen 14,9 (14,1); Winterweizen 23,9 (22,7); Sommerweizen 23,2 (22,1); Spelz (14,7) (13,4); Wintergerste 25,9 (25,3); Sommergerste 20,7 (20,0); Hafer 21,6 (20,7) Doppelzentner. Im einzel­nen würde die Weizenernte (einschließlich Spelz) in diesem Jahre voraussichtlich um 530 000 Tonnen und Die Roggenernte um rund 385 000 Tonnen großer fein, als sie im Vorjahre war.

Die vorliegende Schätzung über das Ergebnis der diesjährigen Getreideernte nach dem Stande von Anfang September kann nicht überraschen. Sie be­stätigt erneut die schon auf Grund früherer Ernte- vorschätzungen verzeichnete Tatsache, daß der Be­darf des deutschen Volkes an Getreide in diesem Jahre erstmalig in vollem Umfange aus deutscher Erzeugung gedeckt werden kann.

Für die Landwirtschaft ist nach wie vor keiner­lei Grund zur Beunruhigung über die weitere Entwicklung der ©etreibepreife ge­geben. Die Reichsregierung hat in ihrer letzten Kabinettssitzung am 12. September einen so um­fassenden Preisschutz beschlossen, daß der Bauer die Gewähr hat, angemessene Preise für fein Getreide zu erhalten. Das Kabinett war sich darüber einig, daß der deutschen Landwirt­schaft unbedingt ein auskömmlicher fe ft er Preis für Getreide zugebi11igt wer- den muß. Auf diese Weise wird jede Speku­

lation in Getreide unterbunden und verhindert, daß wie in früheren Jahren der Land- wirt unter Verkaufsdruck gesetzt wird. Im Rahmen des ständischen Ausbaues, wie er jetzt von dem Reichsminister Darrö durchgeführt ist, werden die organisatorischen Maßnahmen getroffen, die den beschlossenen Preisschutz sichern und auf dem Ge­biete der Getreidewirtschaft geordnete Verhältnisse schaffen.

Im vorigen Jahre standen für den Getreide» bedarf insgesamt 25,5 Millionen Tonnen Getreide zur Verfügung, und zwar 23,3 Millionen Tonnen aus eigener Erzeugung, 1,2 Millionen Tonnen aus zusätzlicher Einfuhr, 0,2 Mil- Honen Tonnen aus Beständen, die Im Besitz des Reiches waren, und 0,8 Millionen Tonnen, wie durch neuere Ermittlungen bestätigt wird, aus Der Einfuhr von Getreides rf atz (Oelkuchen). Von Dieser Menge sind unverbraucht 450 000 Ton­nen als nationale Reserve in Das neue Erntejahr übernommen worden. In diesem Jahre ist die zu­sätzliche Einfuhr von Getreide und von Ge­treideerfatz durch die Maßnahmen der nationalen Regierung unmöglich gemacht worden. In­folgedessen stehen in diesem Jahre nur 25,15 Mil­lionen Tonnen zur Verfügung, und zwar 24,7 Tril­lionen Tonnen aus eigener Ernte und 0,45 Millio­nen Tonnen aus Der vom Vorjahre übernomme­nen nationalen Reserve. Das sind nur 100000 Tonnen mehr, als im Vorjahre ver­braucht wurde. In diesem Jahre wird aber der Verbrauch an Brotgetreide, vor allem an Weizen, infolge der Verminderung der Arbeitslosigkeit zweifellos so steigen, daß mindestens mit einem Mehrverbrauch an Weizen von etwa 100 000 bis 200 000 Tonnen gerechnet werden kann. Eine Betrachtung des Ernteergebnisses für Die einzelnen GetreiDearten ergibt allerdings, daß die Anbau- Verhältnisse nicht vollkommen in Ordnung sind. Dazu wird in Kürze von zuständiger Seite Stellung genommen werden.

natürlichen Ring zu sprengen, den Der blinDe Eigen­nutz der Sieger mit den Pariser Borortsoerträgen um sie gelegt hat. __

Auch gegenüber dem Abrüstungsproblem wird England sobald nicht von seiner Linie abgehen, sich durch billige Zugeständnisse in den Landrüstungen Frankreichs Unterstützung in den maritimen fra­gen zu erkaufen ober wenigstens durch die Ablen­kung Der französischen Politik auf Die europäischen Schwierigkeiten in Ueberfee einen zu Zeiten recht unangenehmen Rivalen auszuschalten. So wäre es zweifellos eine Illusion, wenn wir jetzt in Paris und Genf eine starke eigene Politik Englands er­warten wollten. Frankreich hat, um nicht Farbe bekennen zu müssen, daß es an keine materielle Abrüstung denkt, die Rüstungskontrolle in den Vordergrund geschoben, in der stillen Hoff­nung, daß sich über dieser Frage die Gemüter bis zum Sieden erhitzen werden und daß es dann nicht schwer fallen dürfte, Deutschland, das zäh und er­bittert um die praktische Durchführung der ihm theoretisch längst feierlich zuerkannten Gleichbe­rechtigung kämpft, zum Sündenbock für das Schei­tern der Abrüstungskonferenz zu machen, worauf schließlich Frankreich frischen Mutes neue Kanonen, Tanks und Bombenflugzeuge bauen, neue Kriegs­schiffe auf Kiel legen und neue strategische Bah­nen bis ins Innerste Afrikas führen würde. Um dieses Ziel der wirksamen und gründlichen Sabo­tage jeder tatsächlichen Abrüstung willen verlangen die Franzosen also neuerdings, nachdem man ihren immer wieder variierten Sicherheitswünschen bis zur Grenze des Lächerlichen entgegengekvmmen ist, eine Rüstungskontrolle, Die vor Dem Inkrafttreten einer 2lbrüftungsfonoention, ja vor Der enDgüIti- gen Entscheidung über ihre Form und ihr Ausmaß

sich einer im Rahmen Der Abrüstungskonvention einer für alle Staaten gleichmäßigen Kontrolle jederzeit zu unterziehen. So lehnen auch die Eng- länber anscheinend Die von Frankreich geforberte Probezeit" ab unb wollen vielmehr bie sofortige Inkraftsetzung bes Macbonalbplans. Sie wünschen auch, baß Frankreich Zugeständnisse in Der mate­riellen Abrüstung mache, wenn bie Kontrolle in Gang gesetzt werbe, für bie sie auch in Der Methode von ben Franzosen abweichenbe Pläne haben. So sind also, wenn man aus Den Mitteilungen Der bei­derseitigen Presse schließen Darf, Die Gegensätze in Der Auffassung nicht eben gering. Die in Den Pariser Vorbesprechungen nach Wunsch der Franzosen ein­ander angenähert werben sollen. Wie weit Dies ge­lingen wirb, wird vermutlich sehr wesentlich von der Haltung des amerikanischen Delegierten abhän- gen. Norman Davis zählen die Franzosen wohl nicht ganz ohne Grund zu dem Kreis ihrer engeren Freunde. Möglich, ja wahrscheinlich, baß er sein Votum zugunsten ber französischen Pläne in bie Waagschale werfen wirb. So bürfen wir uns über den bitteren Ernst des Kampfes keiner Täuschung hingeben, der unsere Delegierten auch diesmal wie­der in Genf erwartet. Es geht um das Schicksal de» Abrüstungsgedankens überhaupt. Deutschland hat mit seiner Zustimmung zum Macdonald-Plan unb einer etappenweisen Verwirklichung seines Anspruchs auf Gleichberechtigung die Grenze seiner mit feiner Ehre unb feiner nationalen Sicherheit vereinbarten Zugestänbnisse erreicht. An Frankreich ist es nun, seinen Abrüstungswillen durch bie Tat zu beweisen ober bie Schulb für bas Scheitern ber Abrüstungs­konferenz unb bamit auch für lange Zeit des 21b- rüftungsgebanfens überhaupt auf sich zu nehmen.

mehrere Jahre hinburch praktisch erprobt werben soll. Das bebeutet natürlich, ba kontrolliert nur ein Lanb werben kann, dessen Rüstung bestimmten Vorschriften unterworfen ist, eine einseitige Kontrolle Deutschlands, ein Wiederauf­leben der berüchtigten Investigationen, ein neuer Beweis dafür, daß man an eine Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung in Wahrheit gar nicht denkt, sondern ein Hohn auf den Geist des Bier» mächtepakts in Paris nur darauf sinnt, wie dem neuen Deutschland eine neue Demütigung zu­gefügt werden könnte, ohne selber als wahrer Sa- Doteur des Friedens vor aller Welt dastehen zu müssen. Die Gefahr erkennen, heißt ihr begegnen. Das nationalsozialistische Deutschland wird allen diesen Bersuchen ein eisernesNiemals" ent­gegenstellen.

Wie stehen die andern zu diesem sauber ausgeklü­gelten Spiel? Werden sie daran mitwirken wollen, daß unter dem fadenscheinigem und geradezu beleidi­genden Borwand derneuen Lage", bie eine Nach­prüfung ber deutschen Rüstungen erforderlich mache. Die Berwirklichung bes feierlid) als zu Recht be­stehend anerkannten beutschen Anspruchs auf Gleich­berechtigung zunächst einmal auf Jahre hinaus- gefchoben wirb, wie es bie französische Politik be­zweckt? Unb in ber gleichen Zeit sollen bie andern Mächte, d. h. praktisch Frankreich allein, freie Hand behalten, ihre Rüstungen so zu forcieren, daß es Deutschland bis zur Unmöglichkeit erschwert werben würbe, jemals eine Wehrgleichheit mit seinen hoch­gerüsteten Nachbarn zu erlangen, burch bie es feine nationale Sicherheit ftänbig bebroht sieht. Die Eng­länder haben nun anscheinend gegen ben Grundsatz der Kontrolle nichts einzuwenden, wie ja auch Deutschland sich immer wieder bereit erklärt hat.