Ausgabe 
16.8.1933 Erstes Blatt
 
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würde, so daß Rumänien infolge Mangels an Devisen nicht mehr in der Lage sei. seinen Auslandsverpflichtun­gen nachzukommen und dadurch seine Wäh­rung selbst in Gefahr geraten sei. Infolgedessen habe ein am 12. August stattgefundener Minister­rat das Transfermoratorium beschlossen und gleichzeitig verfügt, die fälligen Beträge künftig­hin der Rationalbank zu überlassen.

Dieser Entschluß wird von der gesamten Morgen- presse einmütig begrüßt. Die Blätter weisen darauf hin, daß Rumänien bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gezahlt habe, daß aber die im Laufe der letzten Berhand- lungen mit den Gläubigern gewährten Zahlungs­erleichterungen in Höhe von 3 Millionen Lei nicht ausreichten, um selbst bei drakonischer Sparsamkeit den Staatshaushalt auszugleichen. Infolgedessen dürfte die Regierung bei den am 1. September be­ginnenden Verhandlungen mit den Gläubigern eine gesetzliche Neuregelung des Schulden- dien'stes überhaupt zu erreichen versuchen.

Zugendliche machen ihren Vätern Platz.

Berlin. 15. Aug. (CAD.) lieber eine neue und beachtenswerte Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit berichtet der Preußische Pressedienst der ASDAP. Danach hat die Lei­tung der Hohl- und Tonsteinwerke in Schöningen allen Jugendlichen, deren Bäter er­werbslos sind, gekündigt mit der Maß­gabe, daß die erwerbslosen Väter die f r e i w e r d e n d e n Arbeitsplätze über­nehmen, während die Jugendlichen im A r - beitsdien st lager Unterkunft finden sollen.

Elsässische Wirtschaft gegen jüdische Einwanderung.

Par i s, 15. Aug. (WTB.) Wie derMatin" aus A a n c y meldet, haben die Handels­kammern von Straßburg. Colmar und Metz in sehr entschieden gehaltenen Schreiben an den französischen Ministerpräsidenten gegen die Lleberfreindung der elsaß-lothrin­gischen Wirtschaft durch deutsche Juden protestiert. Das Blatt veröffentlicht den Wort­laut dieser Schreiben, in denen übereinstimmend festgestellt wird, daß es sich um den Zuzug durch­aus unerwünschter Elemente handele, der durch Verwaltungsmaßnahmen unterbunden werden müsse. In dem Schreiben der Metzer Handels- kammer heißt es:Man kann ohne jede Heber» treibung behaupten, daß diese in höchstem Maße

unerwünschten Elemente eine wahrhafte Plage geworden sind für die ehrbaren französischen Kaufleute."

Kriegsschuldenverhandlungen mit Amerika im Oktober.

w a s h i n gt o n . 15. Aug. (WTV.) Staatssekretär hüll teilte mit. daß die Kriegsschuldenver­handlungen wahrscheinlich Anfang Okto­ber beginnen würden. Zu dieser Zeit werde sich Sir Frederick Leikh - Roß , der Hauptberater der britischen Regierung in wirtschaflssragen, zu einlei­tenden Besprechungen nach Washington begeben.

Amerika

droht mit Weizendumping.

Washington, 15. Aug. (TU.) Landwirtschafts­minister Wallace droht in einer amtlichen Er­klärung im Hinblick auf die bevorstehende Lon­doner Weizenkonferenz an, daß die amerikanische Regierung vor einem Dumping nicht zurückschrecken werde, falls die Hauptweizenländer eine Zusammenarbeit zur Einschränkung der Erzeugung ab­lehnen sollten. Wallace stellte große Ausfuhren nach dem Orient, Ausfuhrprämien für die amerika­nischen Ausfuhrhändler und den Widerruf der vor­gesehenen amerikanischen Anbaueinschränkung in Aussicht.

Äon Amerika anerkannt.

Washington, 15. Aug. (WTB.) Die neue kubanische Regierung wird nach einer Reu­ter-Meldung von den Vereinigten Staaten als anerkannt angesehen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr v. N e u r a t h hat dem Königlich italienischen Minister­präsidenten Mussolini nach Rückkehr des italieni­schen Geschwaders von seinem glanzvollen Irans* ozeanflug telegraphische Glückwünsche übermittelt.

*

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, daß bei Feierlichkeiten auf schweizerischem Boden, an denen deutsche Vereine, Verbände usw. teilnehmen, die Reichsflagge Schwärzweißrot und die Hakenkreuzfahne gezeigt werden dürfen.

Wieder Rüstungs-Wettlauf?

Frankreich wiederbedroht".

Balbos Erfolg geht den Franzosen auf die Nerven.

Paris. 16. Aug. (WTB.) Zum Geschwader­flug Balbos schreibtQuotidien": Der Beweis ist erbracht, daß man im modernen Flugwesen ungestört alles durch­führen kann, was man will. Sicherlich würde es

beim Luftkrieg leichter fein, zum Vorstoß aus- zuholen, als abzuwehren. Dann würde es nach dem Grundsatz gehen: Auge um Auge.

Aber dem Angegriffenen würde das Auge auf» geschlagen werden und seine Bevölkerung würde hingemordet, seine Städte vernichtet werden. Man rät uns, nach dem italienischen Flug nun eben­falls einen gewaltigen Geschwaderflug zu unter­nehmen, der beweise, daß auch wir die große Reise auszuführen vermögen. Wir sehen die Aot- wendigkeit dazu nicht ein.

Italien hat die kosten für eine Demonstration getragen, ius der heute alle Welt eine Lehre ziehen kann. Uns scheint es dringender, unser Flugwesen vorzubereiten, als es aller Welt vor Augen zu führen.

Wir sind ungeheuer im Rück st and. Lassen wir uns also nicht in eine Art Flugzeug­wettbewerb hineinziehen, bei dem wir unsere Mo­toren abnühen, aber sicher nichts Besseres leisten würden, als die Flugzeuge des italienischen Luft­marschalls. Machen wir uns an d i e Arbeit. Japan fordertFlottengleichheit

mit Amerika.

Seit dem letzten Iulitag manöverieren im Stil­len Ozean 150 Einheiten der japani­schen Flotte. Es ist das größte Flottenmanöver, das jemals in den Gewässern des Stillen Ozeans stattfand. Während die Japaner im W e st e n manöverieren, haben die Vereinigten Staa­ten ihre Seestreitkräfte im Osten zusammengezo­

gen. Gleichzeitig veröffentlichte die amerikanische Re­gierung ein neues Programm über die Verstärkung ihrer Flotte. Die Antwort aus Tokio kommt prompt. Roch dem letzten Washingtoner Flottenabkommen war den Vereinigten Staaten eine größere Flotte zugebilligt worden als Japan, da naturgemäß die nordamerikanische Union ihre Flotte im Atlantik und im Pazifik bereitzuhalten hat. Dieses Verhältnis von 10 zu 6,3 wird von Japan jetzt verworfen. Ja­pan will die restlichen 3,7 Prozent ebenfalls und fordert daher schon jetzt für die kommende Flotten­konferenz im Jahre 1935 die Flottenparität. Die Weltmacht im Fernen Osten will also auch ver­tragsgemäß eine gleichstarke Flotte wie jene der angelsächsischen Mächte, und da bekanntlich Japan unter einem großen Schleier seine militärischen Vor­bereitungen zu treffen pflegt, ist es mehr als wahr­scheinlich, daß der tatsächliche Flottenbau Japans schon heute praktisch dieser Forderung angepaßt wird. Die Besorgnisse nicht nur in Eng­land, sondern auch in Australien, sind durch diese Forderung neu geweckt worden. Australien will auch an seiner Nordküste einen großen Kriegshafen aufbauen, denn man weiß, daß die Menschenausfuhr des übervölkerten Japan nicht vom Mandschureistaat ausgenommen werden kann, weil der Japaner dort nicht gedeiht, im Gegensatz zum Chinesen, daß aber Japan selbst die großen gelben Mächte zu einem ostasiatischen Block zusam­menzubinden bestrebt ist und die gesamte Süd- | e e, die Philippinen und Australien das Ziel der spanischen Außenpolitik sind.

Oer Mikado nimmt an den japanischen Flottenmanövern teil.

Tokio, 16. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die großen Manöver der japanischen Hochseeflotte K; vor dem Abschluß. Den Mittelpunkt der igen wird eine fingierte Seeschlacht bei den Bonin-Jnseln im Südosten der ja« panischenHalbinseln bilden. Die Bedeutung, die man den diesjährigen Flottenmanövern in Japan beimißt, wird durch die Tatsache unterstrichen, daß der Kaiser selbst den Verlauf dieser Seeschlacht b' dachten wird.

Großer Bestechungsskandal bei der Badischen Beamtenbank.

Karlsruhe. 15. Aug. (Täl.) Die Rach- hrüfung der Geschäfte bei der Badischen Beamten­bank hat jetzt, wie die nationalsozialistische Zei­tungDer Führer" meldet, zur Anklage gegen den Direktor der Dersicherungsabteilung der Deichszentralkasse der Deutschen Deamtenbanken. Sitz Karlsruhe. Reichsbahnoberinspektor Eduard Fink, wegen Bestechung und Betruges geführt. Fink hatte einen Vertrag mit dem Ger­ling-Konzern von Köln über eine Hnfallversiche- rung abgeschlossen, wofür er sich eine Provision von 3000 Mk. vom Gerling-Konzern geben ließ. Fink hat weiter 1930 einen Rückversicherungsver­trag für die bei der Deichszentralkasse bestehende Sterbekasse mit dem Gerlingkonzern in Köln ab­geschlossen. Dieser Rückversicherungsvertrag war das größte Dersicherungsgeschäft, das je in Deutschland getätigt wurde, denn nach der Zahl der Mitglieder der Reichszentralkasse der deutschen Beamtenbanken war die Summe von über 1,5 Millionen Mark als Jah­resprämie zu zahlen, wofür Fink 5 v. H., das sind 75 000 Mk., versprochen wurden.

Er erhielt auch tatsächlich vom Generaldirektor Hildebrand am 30. Mai 1930 50 000 Mark auf sein Konto bei der Schweizer Volksbank in Kreuz­ungen überwiesen. Fink wird sich also auch wegen Umgehung der Devisengesetzgebung zu verantworten haben. Der Komplize bei diesem Geschäft" war der Direktor der Württembergischen Beamtenbank, E n d r e ß - Stuttgart, der seit dem Spätjahr 1929 auch stellvertretender Aufsichtsrats- vorsitzender der Reichszentralkasse der Deutschen Be-

amtenbant in Karlsruhe war. Auch er ließ sich be­stechen und nahm vom Gerlingkonzern einePro­vision" von 86000 Reichsmark an. Nach Abschluß dieses Rückoersicherungsoertrages hatte der Gerling-Konzern in Köln natürlich das größte In- teresse daran, daß alle Mitglieder der Deutschen Beamtenbanken sich bei der Reichszentrale versichern ließen. Deshalb bekam E n d r e ß eine Provision bei einem reinen Zuwachs an Mitgliedern. Da E n - dreß und Fink die vorn Gerling-Konzern erhal­tenen Gelder im Gesamtbeträge von annähernd 130 000 Mark nicht an die von ihnen vertretene Reichszentralkasse ablieferten, verletzten sie ihre Treuepflicht in gröblichster Weise und machten sich sowohl der Bestechung als des Betruges schuldig. Der Jude B u x m a n n , der Bezirksvertreter des Gerling-Konzerns für Baden, der die Verhandlun­gen geführt hat, hat seine Firma um 17 000 Mark betrogen und werde deshalb ebenfalls wegen der gleichen Verbrechen angeklagt. Die Bestechungen haben zu keiner direkten Schädigung der Beamten­banken ober der Mitglieder geführt.

Karlsruhe, 15. Aug. (TU.) In der großen badischen Korruptionsaffäre bei der Badi­schen Versicherungsanstalt für Gemeindebeamte, über die wir bereits berichteten, werden jetzt die Namen van verhafteten Bürgermeistern bekannt. Es handelt sich um den Schwetzinger Bürgermeister Dr. Trautmann, den am schwersten beschuldig­ten Bürgermeister Tietje r-Breisach, den früheren Bürgermeister K o ch-Ladenburg, die Bürgermeister Menges-Gernsbach, Trunk-Walldorf, und Reinke- Edingen. i

Aus der Provinzialhauptstadt.

Geh. Medizinalrat Prof. Or. Popperi f.

Der Direktor der Chirurgischen Klinik der Uni­versität Gießen, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Pop- pert, ist gestern abend im 74. Lebensjahre ver­storben.

Geheimrat Prof. Dr. Poppert wurde am 10. April 1860 in Offenbach a. M. geboren. Don Ostern 1878 ab studierte er zunächst zwei Semester Mathematik in Leipzig, hierauf Medizin in Gießen bis zum Herbst 1883. Die ärztliche Approbations­prüfung bestand er im Prüfungsjahr 1883/84 mit der Note 1. Arn 3. Mai 1885 erwarb er sich bei der medizinischen Fakultät der Universität Gießen den Doktorgrad mit der Note summa cum laude. Vorn November 1883 ab war er als Assistenzarzt an der Chirurgischen Klinik zu Gießen tätig. Er habilitierte sich für Chirurgie in der medizinischen Fakultät der Gießener Universität am 12. Juli 1889. Am 19. Ok­tober 1892 erfolgte seine Ernennung zum außer­ordentlichen Professor an der Universität Gießen. Am 21. Juni 1894 wurde er zum Oberarzt der Chi­rurgischen Klinik ernannt. Am 1. April 1900 erhielt er die Ernennung zum ordentlichen Professor und Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Gießen. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen ehrte den hervorragenden Mediziner und Kliniker am 25. November 1915 durch die Verleihung des Cha­rakters als (Seheimer Medizinalrat.

Geheimrat Prof. Dr. Poppert hat in der langen Zeit seiner segensreichen Tätigkeit als Mitarbeiter und dann als Leiter der Chirurgischen Universitäts­klinik unendlich vielen Menschen aus Stadt und Land, aus Gießen und von weither als ärztlicher Helfer beigeftanben und ihnen durch feine Kunst Gutes erwiesen. Die Universitätsklinik hatte an ihm einen Leiter, der seine ganze Kraft und sein unge­teiltes Interesse in den Dienst der hohen Mission stellte, zu der er berufen war. Am 1. Oktober d. I. beabsichtigte Geheimrat Poppert in den wohlver­dienten Ruhestand zu treten. Die Chirurgische Kli­nik und alle ihre Mitarbeiter verlieren durch den Heimgang Geheimrats Poppert einen Vorgesetzten und Führer, der sich allenthalben durch seine her­vorragenden menschlichen Eigenschaften und seine ausgezeichneten ärztlichen Qualitäten größter Wert­schätzung erfreute und dessen Andenken für alle Zeiten sowohl in den Kreisen der Klinik, wie auch bei allen denen, die sich seiner ärztlichen Kunst an- vertrauten, in Ehren fortleben wird.

Nächte der Gternenschnuppen.

Die Zeit der hellen Nächte ist schon wieder vor­bei. Wie schnell ist sie vergangen! Aber wenn die Johannisnacht vorbei ist, wenn Sonnenwend ge­feiert wurde, dann werden die Tage wieder kürzer, und wir merken, daß der Sommer bereits ganz heimlich von uns Abschied nimmt. Das unglaubliche Wunder der Mitternachtssonne kennen wir in un­seren Zonen nicht, der Zauber einer Südseenacht, das Geheimnis des südlichen Kreuzes leuchtet nie über uns. Wir sind gewöhnt, unseren Sternenhim­mel als etwas hinzunehmen, das keine besondere Auszeichnung verdient. Doch der August lehrt uns etwas anderes. Wenn auch der Städter wenig vom Himmel sehen kann, weil die Häuser der schmalen Straßen nur ein recht bescheidenes Stück des tief­blauen Daches der Welt erkennen lassen, so wird es doch einmal vorkommen, daß er an ein freies Feld in der Vorstadt gerät. Und einmal, wenn er bann in diesen Augusttagen nur ein Weilchen Geduld übt, bann gehen ihm die Wunder des Sternenhimmels sehr schnell auf. Es ist ja schon etwas Ueberwälti- gendes, diesen nachtschwarzen Himmel zu betrachten, aus dem die Millionen Sterne silbern, rötlich und stahlblau herniederleuchten. Fest und unverändert scheinen sie am Himmelszelt zu stehen; wir können gar nicht so leicht glauben, was uns die Wissen­schaftler sagen, daß nämlich alle diese Sterne ihre bestimmte Bahn durchlaufen.

Noch sind wir versunken bei der Betrachtung des Himmelsgeheimnisses. Da plötzlich löst sich ein Stern aus der Vielfalt, und pfeilschnell rast er eine un­heimliche Bahn, er scheint irgendwo auf die Erde zu fallen. Eine Sternschnuppe! Wir rufen es aus, und leider fällt uns erst jetzt, da sie bereits wieder im All versunken ist, ein, daß man sich ja etwas wünschen muß, wenn eine Sternschnuppe her- niedergeht. Aber dieser Wunsch muß eben gedacht oder ausgesprochen werden gerade in dem Äugen­blick, da der wanderlustige Stern seine rasende Fahrt antritt, und diesen Augenblick abzupassen, ist außerordentlich schwierig. Nur Geduld; in der Mitte des Monats August dauert es nur eine kurze Weile, da beginnt schon wieder eine neue Stern­schnuppe ihre Reise, wandelt irgendwo ums Welt­all, ja vielleicht fällt sie sogar als Meteor irgend­wohin auf die Erde, und über die Menschen, die den seltsamen Stein finden, kommt ein großes Wundern. Sternschnuppen sind in diesen Nächten außerordentlich häufig. Man kann sie kaum zählen. Und gelänge es uns, mit jeder fallenden Stern­schnuppe einen Wunsch so vorschriftsmäßig anzu­bringen, wie es der Volksglaube verlangt, so müßte unser restliches Leben eine einzige Erfüllung be­deuten. Aber die Natur ist auch hier wieder ein­mal schneller als der Geist des Menschen, dessen Sinne das Wunder einer Sternschnuppe meist erst dann richtig wahrnehmen, wenn sie ihre leucytende Bahn bereits durchzogen hat.

Jioffeamt

Dec Leiter der Landesstelle Hessen-Rossau für Volksausk.'ärung und Propaganda bittet um Auf­nahme folgender Dotiz:

Die Landesstelle IX Biitteldeutschland für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit: Von der obersten Leitung des Organisationsamtes der DSDAP. ergeht Mitteilung, daß es nur ein Rasse am i, und zwar das der SS. gibt. Je­der Aufbau von Einrichtungen, die sich mit der Rassepflege b.schäftigen, erfolgt nach einheitlichen Richtlinien über die Gesundheitsämter vom Staate aus. Irgendwelche schon gegründete oder noch in der Gründung befindliche Stellen find zuAuf- klärungsstellen für Raffefragen" umzubauen. Dor Anmaßungen unberufener Kreise wird ausdrück­lich gewarnt. Wer ein Rasseamt gründet, ohne von den berufenen Stellen beauftragt zu sein, wird als Schädling betrachtet."

Oie Ausgabe

der Bedarfsdeckungsscheine.

Um Zweifel auszuräumen, die hinsichtlich der Ausgabe der Bedarfsdeckunasjcheine nach dem Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosig­keit entstanden sind, wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß nach dem Gesetz zur Ver­minderung der Arbeitslosigkeit Bedarlsdeckungs- scheine einmal an Arbeitnehmer, die im Rahmen des Reinhardt-Programms bei Tiefbauarbeiten der Län­der und Gemeinden Beschäftigung finden, ausge­

geben werden, ferner werden Bedarssdeckungsscheine aber auch bereitgeftellt, um es den Fürforgeoerbän« den zu ermöglichen, Kleidung, Wäsche und Haus« haltungsgegenstände an Hilfsbedürftige zu verteilen. Die zuerst erwähnten Bedarfsdeckungsscheine wer« den schon jetzt an Arbeitnehmer ausgehändigt, die bei den genannten Tiefbauarbeiten beschäftigt wer­den. Nur die Bedarfsdeckungsscheine, die zum Er­werb von Kleidung usw. für Hilfsbedürftige dienen, werden erst in den Wintermonaten ausgegeben.

Berussmusiker

in der Deutschen Arbeitsfront.

Don der Gießener Dertretung derReichsfach­schaft Musik im Verband der Deutschen Theater­angestellten und ähnlicher Berufe" werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen gebeten:

;,Splitterverbändchen aus der Zeit vor der na­tionalsozialistischen Revolution versuchen unter hoch klingenden 21 amen als die einzig berufene Musikerorganisation aufzutreten und tragen so immer wieder neue Wirrnisse in die Arbeit zur Herstellung eines einheitlichen Willens aller De- rufsrnusiker hinein. Unkontrollierbar wird hier und dort dann auch immer wieder Bezug ge­nommen auf prominente Persönlichkeiten der na­tionalsozialistischen Partei.

Demgegenüber ist immer wieder erneut heraus- zustellen, daß nach wie vor die Deutsche Arbeits­front die Organisation aller Berufstätigen ist, und daß jeder, ganz gleich in welchem Beruf er steht, die Verpflichtung hat, sich einem Verband der Arbeitsfront anzuschließen. Diese national­sozialistischen Organisationen unter oberster Füh­rung erfahrener und bekannter nationalfozialisti- scher Persönlichkeiten sind innerhalb der Arbeits­front die einzig berufenen, denen die Pflicht der sozial- und berufspolitischen Betreuung aller Be­rufstätigen obliegt.

Für alle Orchestermusiker, wie überhaupt für alle künstlerisch Tätigen ist das der Verband der deutschen Theaterangestellten und ähnlicher Berufe. Die erdrückende Mehrzahl der deutschen Orchestermusiker hat sich zu ihm bekannt und hat den Weg zur Arbeitsfront schon gefunden.

Alle noch abseits stehenden Derufsmusiker haben sich deshalb schnellstens im Verband der deutschen Theaterangestellten und ähnlicher Berufe zu or­ganisieren und sich nicht irremachen zu lassen durch außerhalb der Arbeitsfront stehende Splitteror­ganisationen."

6. Deutscher Auslandslehrertag in Darmstadt.

Dom VDA., Landesverband Hessen, in Darmstadt, wird uns geschrieben:

Obgleich die Zahl der Vertreter der deutschen Aus­landsschulen, namentlich aus Uebersee, infolge der weiten Entfernungen von der Heimat naturgemäß nur beschränkt sein kann, haben sich doch eine größere Anzahl von Teilnehmern aus aller Herren Länder zum 6. deutschen Ausland s-Lehrertag in Darmstadt vom 17. bis 19. d. Mts. angemeldet. Dor allem werden auch zahlreiche ehemalige Aus­landslehrer an der Tagung teilnehmen. So ergibt die Teilnehmerliste doch ein umfassendes Bild von der weltumspannenden Bedeutung des Vereinsver- bantes der deutschen Auslandslehrer und -lehrerin- nen. Nicht nur daß alle europäischen Staaten, wie Holland, Dänemark, Finnland, Polen, Schweiz, Ita­lien, Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Griechenland, Spanien, Türkei, Südslawien usw. vertreten sind, es kommen auch hinzu jetzige und ehemalige Lehrer aus Süd- und Mittelamerika, aus Südafrika unb Asien. Auch die Reichsregierung (Auswärtiges Amt und Reichsminifterium des Innern) und zahlreiche Länderregierungen, allen voran natürlich die hessi­sche, bekunden ihre Teilnahme durch Abordnungen von Vertretern. Der Reichsführer des VDA., Dr. Steinacher, wird persönlich anwesend fein und den Festvortrag überDie Bedeutung der deutschen Auslandsschule" übernehmen. Außerdem finden eine Reihe von Vorträgen über die eigentliche Arbeit der Auslandsschulen statt, in die sich die Herren Webe r--Berlin, Lappe r-Feld- kirchen, Dr. B e r n a tz k i-Niborowitz und Schrö- t e r-Petershagen teilen. Direktor Schul z-Madrid spricht überStellung und Aufgabe der deutschen Auslandsschule im neuen R e i ch." Ministerialrat Löffler- Stuttgart wird die rechtliche Stellung und Sicherung der Auslands­lehrer behandeln; anschließend findet die Aussprache über alle Vorträge statt.

Ein Spaziergang in die schöne Umgebung des Tagungsortes gibt Gelegenheit zum Gedankenaus­tausch mit den Darmstädter Amtsgenossen. Am Sonntag, 20. d. M., findet als Abschluß eine Be­sichtigung des bekannten Instituts für Völkerpädago­gik in Mainz statt.

Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß das hessische Kultusministerium allen ehemaligen Aus- landslehrern und solchen Lehrkräften, die für den Auslandsdienst vorgemerkt sind, den für den Besuch der Tagung nötigen Urlaub gewährt hat.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: MTV., 20.30 Hhr, Safe Ebel, Spieler-Versamm­lung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Abenteuer der Thea Roland".

** Kreisleiter Großmann Gaukom­missar-Adjutant. Der Gaukommissar I, Mini- sterialrat Ringshausen, hat den Kreisleiter Des Kreises Oppenheim, Paul Großmann, Nierstein, als Stabsleiter in das Gaukommissariat I berufen und zu seinem persönlichen Adjutanten ernannt. Pg. Großmann behält die Kreisleitung Oppenheim auch weiterhin bei.

** Die amtlichen Verkaufs st eilen für Po st Wertzeichen bei Karl D i e r l a m m, Kros- dorfer Straße 5 in Gießen, und bei Frau Marie Seipp in Leihgestern sind aufgehoben worden. Die Markenoerkaufsstelle in Gießen, Kaiserallee 20, ist von Herrn Karl Scheuerlein auf Herrn Karl Balser übergegangen.

D i e Schneiderinnung Gießen hat beschlossen, ab 1. Oktober d. I. keine von der Kund­schaft zugebrachten Stoffe mehr zu verarbeiten, da durch die, in keinem anderen Beruf übliche Materialzubringung nicht nur das Schneider­handwerk, sondern in vielen Fällen auch die Besteller selbst schwer geschädigt werden. Die Rotlage im Schneiderhandwerk zwingt zu die­sem Beschluß. Schwarzarbeit und wilder Stoff­handel müssen im Interesse eines gesunden Wirt­schaftslebens unterbunden werden. Dis zum 1. Oktober d. I. soll der Kundschaft Gelegeicheit gegeben werden, noch in ihrem Besitz befindliche