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Nr. 190 Erstes Blaff
185. Jahrgang
Mittwoch, 16. August 1955
Annahme oon Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Ne» klameanzeigen oon 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzoorschrift 20°, mehr.
Chefredakteur
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Langei für Feuilleton Dr H.Thynot; für den übrigen Teil Ernst DIumfchein und für den An» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Bießen
Lrlcheini täglich, autzo Sonntags und feiertags Beilagen; Die Illustrierte (Bießener Familienblätter Heimat im Bild DieScholle
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General-Anzeiger für Oberheffen
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französische Minen gegen die deutsche Ostpolitik.
Die bekannte Tatsache, daß in den Vereinig- fen Staaten, in Kanada, Argentinien und Australien eine gewaltige ilcberprobuttion von Getreide besteht, daß Dort Millionen Zentner der Vernichtung preisaegcben find, während die Menschen in Rußland und China wahnwitzigen Hungerexperimenten ausgesetzt sind — diese bekannte Tatsache Hai gelegentlich des Scheiterns der Lond 0 ner K vnserenz wieder einmal einigen Journalisten der großen Weltblätter zu denken undzu schreiben gegeben. So bemerkt ein bekannter Mitarbeiter des Pariser „Journal", keiner der vielen Fehlschläge der Londoner Konferenz könne als verhängnisvoller angesehen werden als der Mißerfolg aller Bemühungen, den internationalen Getreidemarkt zu regulieren. Der Franzose weist daraus hin, daß Rußlands Anspruch auf ein Aus- fuhrrechi von 85 Millionen Vufhels Getreide — nämlich im Falle eines geplanten Abkommens mit den erwähnten Getreideländern, die ihre Produktion freiwillig einfchränken wollten - ein „geradezu tragisches Paradox" zu nennen fei, denn Rußland dürfe in Anbetracht feiner Hungersnot eigentlich überhaupt nichts ausführen.
Mussolini hat sich an einer deutschen Kreisen besonders zugänglichen Stelle auch vernichtend über die gescheiterte Londoner Konferenz geäußert. Es lohnt sich über diese erledigte Angelegenheit deshalb noch ein Wort zu verlieren. Der Duce sagt: „D a s heutige System i st absolut verfehlt. Die Konferenzen werden nicht vorbereitet, und die Londoner Konferenz war es weniger als alle anderen " Er wendet sich dann gegen die „konventionelle Lüge", um deinetwillen man dem demokratischen Gleichberechtigungsprinzip Weihrauch zu streuen sich verpflichtet fühle, indem man Dutzende von Staaten zur Konferenz einlädt, die für die Geschicke der Welt gar keine Bedeutung haben Und er schließt: „Auch hier handelt es sich darum, die Mißbräuche u n d Degenerierungen einer falsch v e r- ltandenen Demokratie zu korrigieren, nach der kein Lotse das Schiff führen darf, sondern nur Ignoranten, die nicht einmal einen Kompaß zu Rate zu ziehen verstehen ..." Das ist deutlich genug. Mussolini folgert: „Die Zeit der unnützen Diskussionen muß daher einer Epoche bereiten Gehorsams den Platz räumen." Der Duce will also auch in der Welt- Politik Führung durch d i e Berufenen. Es kommt jetzt nur darauf an, daß die Berufenen — so wie er sie versteht — sich durchsetzen. Die nach allgemeiner Auffassung so kläglich abgelaufene versuchte Maßregelung der deutschen Regierung durch Frankreich und England wegen gewisser deutscher Kundgebungen gegen das Regime Dollfuß in Oesterreich, könnte schon eine Lehre werden bezüglich des Berusenseins.
Ganz sicher nicht berufen zur Regelung der Geschicke der Völker Europas sind jene Staatsmänner, die die „Kleine Entent e“ der Welt in unerträglich aufdringlicher Form immer wieder präsentiert. Vor allem gibt es da eine gewisse tschechoslowakische Presse, die dem Prager Außen- amt nahesteht und mit überheblicher Geste „anti- revisionistische" Sammlung betreibt. Reuerdings stellt diese Presse fest, daß Rußland für diesen fiktiven .,a n t i r e v i f i o n i st i - scheu Block" gewonnen fei. Man spürt deutlich die französische Regie bei diesen Versuchen, die Weltmeinung gegen Deutschland und seinen gerechten Anspruch auf Gleichberechtigung unter den großen Rationen zu beeinflussen. In einem Brünner Dlatt wird auf die beiden „wunden Punkte" der osteuropäischen Politik hingewiesen: auf den polnischen Korridor und Bessarabien. In beiden Fällen glaubt man jetzt eine Sicherung zu sehen. Polen finde dieRückendeckung Rußlands und dieses werde seinerseits wieder nicht mehr Rumänien angreifen. Rußland sei durch die Politik der Kleinen Entente zu dieser sriedsertigen Politik geführt worden. Es gehöre jetzt zum Block der antireoisionistischen, also antideutschen Mächte, dessen wichtigstes Glied es neben Frankreich sei. Man spürt allzudeutlich die Tips des Herrn Herriot, der für die französische Finanzpolitik nach Rußland reifte.
Bemerkenswert ist, daß sich auch die „Neue Züricher Zeitung" bemüßigt fühlt, oön einer anderen Seite her in diese Kerbe zu hauen. Sie berichtet über das angeblich oon Stalin veranlaßte Zusammentreffen Litwinows mit Trotzki in dem französischen Seebade Royat. Stalin bereite angeblich die Rückkehr seines erbitterten Gegners Trotzki nach Sowjetrußland vor, weil man dort die antideutsche (!) Jugend durch das Wiedererscheinen des radikalen Trotzki beschwichtigen wolle .. Nicht ohne Grund habe die französische Regierung dem „lästigen Ausländer" Trotzki mit so großer Zuvorkommenheit Gaftrecht gewährt.
Diese Hinweise sind für die charakteristische Methode der französischen Pressepolitik wesentlich. Sie sind Beispiele für die Richtigkeit des Urteils Mussolinis über die Notwendigkeit eines Wandels in der Führung der WeltpoIitik. Niemals wird auf diese Weise auch nur ein kleiner Teil der großen Aufgaben gelöst werden, die sich heute mit furchtbarer Mahnung der politischen Führung der Menschheit stellen. Bereitschaft zum Gehorsam — ngmlich gegenüber den wirklichen Gesetzen der Geschichte — setzt einen ganz anderen Typus voraus als den, der in Paris und im Bannkreise der Kleinen Entente Stimmung gegen Deutschland und für das System von 1919 zu machen sucht. Daß dieser Typus der Reinheit und der wahren Menschlichkeit aber heraufkommt, das
mitgeteilt habe, daß er nicht beabsichtige, bei seinem Aufenthalt zum Reichsparteitag in Nürnberg auf der Burg oder in einem Nürnberger Hotel zu woh- nen, sondern Quartier in den Biwaks seiner S A. beziehen werde.
Die Berliner KpD.-Leitung ausgehoben.
Berlin. 16. Aug. (WTB. Funkspruch.) Das Geheime Staatspolizeiamt hat wiederum einen erfolgreichen Schlag gegen den illegalen kommunistischen Apparat geführt. Im Verfolg der kürzlich vorgenommenen Festnahme des kommunistischen Funktionärs Karl Pinnow gelang <s, durch Auswertung des bei ihm Dorgefunbenen Materials den Rachrichten- und Sicherungsdienst der KPD. inBerlinaus- äu lieben, dessen Leiter Pinnow war. Sechs Personen konnten dem Oberreichsanwalt vorgeführt werden, weitere zwölf sind in Schutzhaft genommen worden.
Reichswehr und Motor-SA. bei der Ostland-Treuefahrt.
Berlin, 15. Aug. (TU.) Wie jetzt feststeht, wer- den zu derOstlandtreuefahrt auch die Kraft- fahrabteilungen der Reichswehr und die Grup
penstaffeln der Motor-SA. je eine Sendboten- Mannschaft melden. Diese Mannschaften werden auf dem Seewege nach Königsberg bzw. dem Königsberger Hafen Pillau gebracht. Reichswehr und Motor-SA. stellen allein etwa 100 bis 120 Fahrzeuge zur Ostland-Treuefahrt.
Einschränkung des Kapitaltransfers nach der Tschechen
Berlin, 15. Aug. (WTB.) Nachdem die Tschechoslowakische Nationalbank neuerdings weitere Devisenbeschränkungen für Zahlungen im Kapitalverkehr nach Deutschland erlassen hat, ergab sich die Notwendigkeit, auch deutscherseits den Transfer von Kapitalzahlungen nach derTfchechoslowakeientsprechendein- zuschränken. Bekanntlich werden eine Reihe von Zahlungen im Kapitalverkehr durch den Erlaß des Transsermoratortums nicht berührt und können mit Genehmigung der Devisenbewirtfchastungsstelle auch weiterhin nach dem Ausland transferiert werden. An Stelle dieses Transfer tritt nun — soweit die Zahlung zu Gunsten eines in der Tschechoslowakei ansässigen Gläubigers erfolgen soll — künftighin die Einzahlung auf ein bei der Reichshauptbank Berlin errichtetes Spezialkonto der Tschechoslowakischen Nationalbant. Ferner werden die unter das Transfermoratorium fallenden Zahlungen in Höhe des zur Zeit transferierbaren Teils von der Konoersionskasse für deutsche Auslandsschulden nicht transferiert, sondern für Rechnung der tschechoslowakischen Gläubiger auf das bezeichnete Spezialkonto überwiesen werden. Für die Restbeträge werden auch an tschechoslowakische Gläubiger, wie an diejenigen in dritten Ländern Schuldscheine ausgegeben werden
Da die Tschechoslowakei für den Warenverkehr und für den Reiseverkehr keine einschränkenden Bestimmungen erlassen hat, bleiben insoweit auch deutscherseits die auf Grund des Dem- jenabfommens vom 11. April 1933 erlassenen Bestimmungen weiterhin in Kraft.
Oie Gründe für das rumänische Transfermoratorium.
Bukarest, 15. Aug. (TU.) Der Beschluß der Regierung, mit Wirkung vom heutigen Tage ein Transfermoratorium zu erklären, gründet sich auf einen Bericht des Finanzministers Madgearu, der darin nachweist, daß der Ge » samtaussuhrüberschutz Rumäniens im ersten Halbjahr 1933 aus insgesamt 13 Mill. Mark zurückgegangen sei, während er im gleichen Zeitraum des Jahres 1932 sich noch auf 50 Millionen Mk. belaufen habe. Im Juni sei die Handelsbi lanz zum erstenmal sogar um eine halbe Mill. Goldmark passiv gewesen. Madgearu weist darauf hin, daß sich dies» Zahl im Lause der kommenden Monate infolge der Einfuhrbeschränkungen der meisten europäischen Länder und infolge der Blockierung hoher Leibe träge, die den rumänischen Aussuhrhandlem zuständen, noch weiter verschlechtern
Baltischer Dreibund?
3m Zusammenhang mit den jüngsten Vorgängen im 2Tlemelgebiet dürste es interessant sein, zu erfahren, daß in letzter Zell über die Frage eines baltischen Dreibunds inoffizielle Besprechungen zwischen litauischen und lettischen Staatsmännern stattgesunden haben. 3n einer Unterredung in ftorono zwischen dem litauischen Ministerpräsidenten Tibelis und dem früheren lettifchen Gesandten in Rußland, Ozols, wurde diese Frage, nach „Iaunakas Sinas“, eingehend berührt. 3m gleichen Sinne soll der 3nnenminifter 2U i t) l b e r g anläßlich eines Besuches in fiorono gewirkt haben. Jladj Meldungen der baltischen Presse aus fiorono soll die dortige Stimmung im Hinblick aus die neue verschärfte Lage im Memelgebiet für die lettischen Bündnispläne wieder günstiger sein.
Die Pariser Korrespondenz der angesehenen lettischen „Brihwa Seme“ bringt das Problem im Zusammenhang mit der französischen O st - po l i t i f. Das wachsende 3nteresse Frankreichs für die baltischen Staaten sei nicht nur daraus zurückzuführen, dgß ein unabhängiger Block der baltischen Staaten seit jeher das Ziel der französischen Politik gewesen sei. Frankreich sei neuerdings stark interessiert, die baltischen Staaten vor „etwaigen Ueber-
sichlige. Man sei in London davon überzeugt, so heißt es. daß außer dem Anschluß durchaus annehmbare Lösungen des österreichischen Problems vorhanden seien.
Unzweifelhaft neigten die verantwortlichen Kreise zu einer Annäherung Oesterreichs an die Kleine Entente, was ihrer Ansicht nach den doppelten Vorzug haben würde, das politische Statut Oesterreichs und gleichzeitig seine wirtschaftliche Position zu festigen.
Voraussetzung dieser Reuorientierung sei vor allem die Schaffung herzlicher französisch ■ italienischer Beziehungen, die als conditio sine qua non für jede Organisation im Donaubecken angesehen würde. England habe den Plan einer Organisation der Donauländer, ohne der deutschen Anpassung irgendwelchen Abbruch tun zu wollen. Sollte die antiösterreichische Propaganda fortdauern, dann würde der Rückgriff auf Artikel 11 des Bölkerbundspaltes nicht ausbleiben können.
Oie Vorbereitungen zum Keicheparteitag der NSDAP.
griffen Deutschlands“ zu schätzen und sie zu einem festen Block gegenüber Deutschland ; u- sammenzufchließen. Das Blatt zitiert einen Ausspruch Paul-Boncours, wonach dieser die Verwirklichung eines lettischen Bundes für möglich erklärt haben soll. Die französische Politik habe, nach „Brihwa Seme“, eine neue Formet ausgeklügelt, wonach der baltische Staatenbund auch ohne Polen zustande gebracht werden könne, hierdurch sei auch eine Hinzuziehung Litauens und Finnlands zu ermöglichen. 3n den polnischen Blättern herrsche Beunruhigung über die Entwicklung der französisch - russischen B e - Ziehungen, weil Warschau dadurch für die Pariser Ostpolitik in den Hintergrund gerate. Man bemühe sich deshalb, die außenpolitische Aktivität Polens möglichst zu unterstreichen, wozu jetzt vor allem der Besuch des früheren lettischen Ministerpräsidenten Skujeneck in Gdingen Anlaß gäbe. Der Außenminister Beck sei ans Meer gefahren, um mit ihm die Fragen der baltischen Politik zu besprechen.
wie wir hierzu in Vertin erfahren, nehmen die neuerlichen Verhandlungen zwischen der deutschen und litauischen Regierung einen durchaus befriedigenden Verlauf.
beweisen die beiden großen neuen Staatsmänner, die ihren Völkern Mut und Würde zurückgaben: Mussolini und Hitler.
Die Drahtzieher in Parts und London.
Paris, 16. Aug. (ERD. Funkspruch.) Die Pariser Presse versucht nach wie vor, den Eng. ländern in der Beurteilung der deutsch- österreichischen Beziehungen den Vortritt zu lassen, um die weitere Entwickelung aus jeden Fall als eine Folge des englischen Verhaltens hinstellen zu können. In dein Bestreben, die ® e g en sähe, die anläßlich der Berliner Intervention zwischen Frankreich, England und Italien hervorgetreten sind, allmählich zu überbrücken, gibt Havas einen aus London datierten Bericht über die gegenwärtige englische Auffassung wieder. Man erfährt daraus. daß England sich abwartend verhalten wolle und keine neue Intervention beab-
Der große Saal im Nürnberger Rathaus, wo vom 30. August bis 3. September der Reichsparteitag der NSDAP, stattfindet. Der Saal ist für die Empfänge sowie für die Sitzungen einiger Untergruppen vorgesehen.
Nürnberg, 15. Aug. (CNB.) Wie die „Nürnberger Zeitung'^ aus bestinformierter Quelle erfährt, werden sich die Umbau- und Umgestaltungsarbeiten, die zur traditionellen Abhaltung der Reichsparteitage in Nürnberg durchge- führt werden, und die sich auf zwei Jahre erstrecken sollen, auf über 2% Mill. Mark belaufen. Das Reichsfinanzministerium, wie die zuständigen Behörden Bayerns, außer anderen Stellen, würden bedeutenden Anteil in finanzieller Hinsicht an diesem umfangreichen Projekt, das dem Nürnberger Arbeitsmarkt einen nennenswerten Auftrieb gibt, nehmen Die Aufstellung der Tribünen am Adolf- Hitler-Platz wie auf der Festwiese am Luitpoldhain zum Reichsparteitag 1933 wird eine Summe oon rund 752 000 Mark Kosten verursachen.
Nach demselben Blatt erwartet der Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich, daß zum Parteitag Hunderte von deutschen und aus- markigen Pressevertretern in Nürnberg eintreffen. Man dürfe ihre Zahl voraussichtlich auf Tausend einschätzen, auf Grund der bereits bis jetzt vorliegenden Anmeldungen. Die Anmeldungen der gesamten Auslandspresse seien bereits außerordentlich zahlreich eingelaufen. Auf dem Presseempfang wird der Reichspressechef einen großen Vortrag halten.
Im Rahmen einer Kundgebung der Betriebszelle des Stadtgartenamtes machte der Führer der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion, Stadtrat Fink, davon Mitteilung, daß der Reichskanz - l e r dem Nürnberger Oberbürgermeister Liebel


