ZurNeuordnung derCvangeiischenmrche
Berlin, 15. Juni. Wie die Pressestelle der „Deutschen Christen" mitteilt, hat Recchs- innenminister Dr. Frick eine Besprechung mit Dr. von Bodelschwingh gehabt, um die grundsätzlichen staatlichen Gesichtspunkte gegenüber den kirchlichen Vorgängen sicherzustellen. Die Mitteilung schließt: „Die Ereignisse der nächsten Tage werden den Sinn dieses Empfanges noch naher klären." Dazu schreibt die „Tägliche Rundschau u. a.: Bekanntlich werde seit langem ein Projekt studiert, demzufolge die R e i ch s st a t t h a l t e r als Rechtsnachfolger der Landesherren und also auch als Inhaber der Kirchen Hoheit (ius circa sacra) mit dem Recht zur Kirche n r e so r m (ius reformandi) angesehen werden sollen. Werde aus einer Verletzung der Kirchenverfassung eine Be- unruhiguna des Kirchenvolkes erfolgen, so sei der Staat berechtigt, einer Kirche gegenüber, die sich in die Illegalität begebe, dieses ius reformandi in Zuspruch zu nehmen.
Die K r e i s s y n o d e von W i t t e n b e r g hat mit 70 gegen 5 Stimmen eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Wir unterwerfen uns willig dem von den Führern der Kirche zum Reichsbifchof be° stimmten D. von Bodelschwingh und begrüßen in ihm den durch soziale und nationale Gesinnung und Tat bewährten Mann. Wir bitten ihn mit Nachdruck das Einigungs- und Re- formwerk unserer Kirche zu vollenden und hierbei vor allem der Kirche die Kräfte einzu- gliedern, die die Träger der nationalen Erneuerung unseres deutschen Volkes sind. Eine Erklärung von ÄZehrkreispfarrer
Müller.
Berlin, 15. Juni. (TU.) Wehrkreispfarrer Müller hat die folgende Erklärung der Oef- fentlichkeit übergeben: ,
„Durch mißverständliche Aeußerungen in der Presse ist der Anschein entstanden, als ob ich beim
Neubau der Kirche der Bekenntnisfrage eine nur untergeordnete Bedeutung zumähe. Ich stehe nach wie vor uneingeschränkt «auf dem Boden dessen, was in unseren Richtlinien über den Bekenntnisstand niedergelegt ist, d. h. wir treten ein für völlige Wahrung des Bekenntnis st andes der Reformation, verlangen aber von diesem Grunde aus ein bekenntnismähiges Wort der Kirche zu den brennenden Fragen der Gegenwart. Es ist selbstverständlich, daß das für uns keine leeren Worte sind, sondern daß wir für die Durchführung des Erstrebten mit aller Energie und Verantwortung eintreten."
Ore Lübecker Bodelschwingh-Kund- gebung nicht verboten.
Lübeck, 15. 3uni. (WTB.) Die Rachrichtenstelle des Senats teilt mit: Wie dem Senat bekanntgeworden ist, ist das Gerücht verbreitet, daß die von der Iungreforma- torischen Bewegung für Freitag, 16. Juni, in Lübeck geplant gewesene Kundgebung für den Reichsbischof D. v. Bodelschwingh polizeilicherseits verboten worden sei. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß von einem Verbot der Veranstaltung nicht die Rede sein kann. Die Kundgebung ist lediglich um acht Tage verschoben worden.
Oer Mecklenburgische Oberkirchenrat zur Reichsbifchofsfrage.
Schwerin, 15.Juni. (ERB.) Der Oberkirchenrat von Mecklenburg-Schwerin sagt in einer Erklärung, daß Pfarrer von Bodelschwingh nicht als ordnungsmäßig berufener, sondern nur alsfür das 21 in t beftimmter Reichsbischof anzusehen sei. Irgendwelche Rechte oder Funktionen im Rahmen des Evangelischen Kirchenbundes ständen ihm n i ch t zu.
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gefährdet wird.
Ein Beschluß des sozialdemokratischen parteivorftandeö.
. B e r 11 n, 15. Juni. (DDZ. Funkspruch.) Der sozialdemokratische Parteivorstand faßte folgende Entschließung: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mißbilligt ausdrück- 1 i ch alle vom 2lusland ergangenen, scheinbar im Namen der Partei abgegebenen Kundgebungen und erklärt, daß niemand im Auslande ein Recht habe, im Namen der Partei zu sprechen. Die Vertreter der Parteiorganisationen werden in den nächsten Tagen eine r e st l o s e Klärung der Angelegenheit herbeiführen." Dieser Be- sd)luß des sozialdemokratischen Parteivorstandes bedeutet eine scharfe Zurückweisung der bisherigen SPD.-Führer Wels, Vogel, Breitscheidt und Stampfer. Man darf annehmen, daß die sozialdemokratischen Parteiorganisationen den Ausschluß der vier verfügen werden.
/ Zur Verhaftung Or. Mierendorfs.
/ Darmstadt, 15. Juni. (WSN.) Vom Hessischen Staatspolizeiamt wird zu der Verhaftung Dr. Mierendorfs mitgeteilt: Am Abend des 13. Juni 1933 wurde in einem Frankfurter Caf6 der frühere Pressechef dec hessischen Regierung Dr. Karl M i e r e n d o r f aus Veranlassung des Hessischen Staatspolizeiamts in Schutzhaft genommen und nach Darmstadt übergeführt. Der Aufenthalt Dr. Mierendorfs war seither unbekannt. Es bestand aber schon längere Zeit der Verdacht, daß er mit einem hiesigen Rechtsanwalt in geheimer Verbindung steht. Durch geeignete unauffällige Ueberwachung dieses Herrn wurde fcst- gestellt, daß er sich am Dienstagabend unter Vorspiegelung einer beruflichen Besprechung i n F r a n k- furt mit einem Bekannten treffen würde, dessen Name zwar nicht genannt war, dessen angegebener Vorname Karl-Heinz aber sehr verdächtig erschien, zumal Karl der Vorname Dr. Mierendorfs ist. Die Beobachtung des Frankfurter Cafes ergab, daß es sich tatsächlich um Mierendorf handelte, der sich seither unangemeldet in Berlin, angeblich bei dem Schriftsteller Karl Zuckmeyer, dem bekannten Verfasser des Bühnenstücks „Der fröhliche Weinberg", aufgehalten hat. Dr. Mierendorf ist bekannt als rechte Hand Leuschners, geistiger Führer der SPD. Hessens und schärfster Gegner und Bekämpfet: der NSDAP. Seine Verhaftung hat in der gesamten deutschbewußten Bevölkerung größte Befriedigung ausgelöst, die sich gelegentlich der Verbringung Dr. Mierendorfs in das Gerichtsgefängnis in teilweise stürmischen Kundgebungen äußerte. Gegenüber etwaigen Gerüchten wird ausdrücklich betont, daß irgendwelche körperliche Mißhandlungen des Schutzhäftlings nicht erfolgt sind.
Eine deutsche Erklärung zu den Vorfällen auf der Internationalen Arbeiterkonferenz.
Berlin, 15. Juni. (WTB.) Zu den -Vorfällen der letzten Tage auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf wird amtlich mitgeteilt: Die deutsche Regierung hat wiederholt betont, daß sie in der Arbeit das Höch sie Gut sieht. Sie mißbilligt jede Beleidigung der Arbeitnehmer irgendeines Landes.
Genfer Pressevertreter verurteilen das Verhalten Or. Oanger.
Genf, 15.Juni. (WTB. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die von amtlicher deutscher Seite gegebene sachliche Darstellung der Vorgänge aus der Presse- konferenzderdeutschenDelegationauf drrJnternationalenArbeitskonferenz am 8. d. M. haben die Pressevertreter, die an dieser Konferenz teilgenommen haben, eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: Wir verurteilen es auf das schärfste, daß der Vertreter der „Danziger Valksstirnme", Dr. Alfred
Dang, unter schwerer Verletzung der für alle Pressekonferenzen maßgebenden Regeln ausländischen Blättern eine Darstellung übermittelt hat, die unter böswilliger Entstelluna des Tatbe st andes der Absicht diente, das Ansehen der deutschen Vertretung zu schädigen und die öffentliche Meinung gegen Deutschland aufzuhetzen.
50Lahre Krankenversicherung
Berlin, 15. Ium. (WTB.) Arn Donnerstag waren 50 Jahre verflossen, seitdem das Kran- kenversicherungsgesetz am 15. 3uni 1883 erlassen wurde. Durch dieses Gesetz wurde die Grundlage für die deutsche Krankenversicherung geschaffen, deren Geist und Grundsätze heute nicht nur das Krankenversicherungsrecht Deutschlands, sondern auch das der ganzen Welt beherrschen.
Am Anfang betreute die Krankenversicherung vier bis fünf Millionen Versicherte. Auf dem höchsten Stande 1929 wurde eine Mitgliederzahl von rund 22 Millionen erreicht. Gegenwärtig unterstehen dem Schutze der Krankenversicherung etwa 19 Millionen Versicherte. Dabei sind die mitge- schühten Familienmitglieder nicht mitgezählt.
Bei der großen Bedeutung der Krankenversicherung für die Erhaltung der deutschen Volkskraft und den Schutz der arbeitenden Bevölkerung wird es sich die Reichsregierung in besonderem Maße angelegen sein lassen, diese soziale Errungenschaft dem deutschen Volke unversehrt zu erhalten. Die von ihr tatkräftig und zielbewußt durchgeführten Maßnahmen werden die Krankenversicherung von allen Schlacken reinigen und im Geiste ihrer Begründer über die gegenwärtige schwere Zeit in eine bessere Zukunft führen.
Unbekannte Tierstimmen schollen fern und dumpf aus den Gründen und versickerten in den weichen Urwaldpolstern der Hänge: zuweilen brach das Licht eines märchenhaft großen Sternes durch das Dickicht der Wipfel und warf fiir einen Augenblick Dämmer- nis über den Weg und über das weiße Fell meines Tieres. Von den verwünschten Laternenträgern war kein Laut mehr zu vernehmen.
Doch als ich endlich auf dem noch nächtlichen Hochplateau ankam, da standen sie hübsch nebeneinander alle viere und schwenkten die Lichter. „He da, ihr Halunken, warum, glaubt ihr wohl, hab' ich euch mitgenommen, euch und eure Laternen?!"
Ein freundliches Kinderlachen antwortete meinen englischen Drohungen, sie lobten mein Pferdchen, daß es so klug den Wen gefunden, sie streichelten meinen Pelz: mariner Pelz — guter Pelz! — sie strahlten vor Harmlosigkeit, sie froren fein bißchen, sie waren alles in allem unsäglich entwaffnend. Ich schüttete mein Kleingeld in ihre entzückt geöffneten Hände und schickte sie samt ihrem guten Gewissen und ihren Laternen nach Darjeeling zurück.
Es mochte etwa in dreitausend Meter Höhe sein. Die namenlose Einsamkeit des Hochplateaus umfing mich, während ich, wärmesuchend an dem zottigen Leib meines Pferdchens geschmiegt, in die fahle Stunde zwischen Nacht und Tag starrte. Und zum ersten Male im Leben offenbarte sich mir, die ich nur auf Sonne und 2Bärme geschworen, die ungeheure, die unfaßbare Schönheit und Majestät der Kälte.
Denn was da heranschritt aus langsam hinschwindender Nacht, das war nicht bloß ein bißchen Schnee- kühle und Gletscherhauch, das war der Atem des Weltalls selbst, hinwehend über den Scheitel der Erde. Aus Tälern, fahlen, fernen, stiegen Wände, Schlünde und Eis bis hinauf zu Gipfeln, die sich in den farblosen Räumen der Ewigkeit verloren; die ganze gigantische Welt des Himalaya, lichtlos noch, aber eisig klar, bis zu den fernsten Fernen Tibets, wuchs in die silbergraue, lautlose Stunde vor Sonnenaufgang, und um sie her schwebte jener Atem des Alls, dessen Kälte und Größe so über alle Vernunft und allen Begriffen, so sehr Wort der Ewigkeit war, daß selbst der verlorene Hauch, der darüber wehte auf mein Hochplateau, genügte, mir das Herz zu erstarren in ohnmächtiger Anbetung.
Aber das tote und bleierne Grau fing an, sich zu beleben, nicht langsam, sondern mit einem Male, wie van den lichtspendenden Fingerspitzen eines Gottes angerührt. Ein rosiger Schein, von einer zarten Glut und einem Glanze ohnegleichen umfloß die entrückten Gipfel, Eis wurde zu Purpur, Grauen der Schlünde wurde zur Wiege des Lichts, über dem Scheitel der Erde hob sich segnend das Lächeln der Himmel.
Kleine politische Nachrichten.
Ministerpräsident Göring ist vom Flughafen Tempelhof nach Stettin abgeflogen. Er begibt sich von dort zur Hochzeit der Tochter seines Schwagers zu einem kurzen Aufenthalt nach Stockholm.
Am Montag, 19. Juni, am Geburtstag des Reichsministers Hugenberg, spricht um 20.05 Uhr der Pressechef der Deutschnationalen Front, Hauptmann a. D. Brosius, im Rundfunk in einem kurzen Vortr.ag über „Hugenberg und sein Werk". Der Vortrag geht über alle deutschen Sender. Durch Lautsprecher wird er auf die im ganzen Lande stattfindenden deutschnationalen Versammlungen, die zu Hugenbergs Geburtstag veranstaltet sind, übertragen.
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Reichswirtschaftsminister Dr. Hugenberg. der zur Zeit in London ist, wird a m M o n t a g, 2 6. 3 uni, in Berlin auf einer Reichsgruppenführertagung des Deutschnationalen Bundes des gewerblichen Mittelstandes zu dem Thema: „Er st der Betrieb — dann die Organisation!" sprechen.
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Das preußische Staatsministerium hat die Auflösung der preußischen Landwirtschaftskammern beschlossen. Der Landwirtschaftsminister wird Kommissare einsetzen, die bis zur Konstituierung der neugewählten Kammern die Geschäfte führen. Die Reuwahlen zu den Landwirtschaftskammern werden beschleunigt durchgeführt werden.
Das württembergische Jnnenmin ist e- rium hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat die Kampfgemeinschaft revolutionärer
Eine kärgliche halbe Stunde, eine ewige halbe Stunde lang lag das von Menschen nie bezwungene Reich des Himalaya, der Thron der Götter, frei von Nebeln und Wolken vor den Augen der Sterblichen. „Dm mani padrne hum — o du Kleinod im Lotos, Amen!" fangen die Stürme, die brausenden Herolde der Weltallkalte, über dem ewigen Eis. —
Aber mein Pferdchen schnaubte freudig und unbekümmert in Licht und Tag.
Tonfilm: Oie blonde Ehnstl.
Inmitten eines beschwingten und sicherlich bewußt mehr der heiteren Muse gewidmetem Sommerprogramms bringt das Lichtspielhaus in glücklicher Abwechslung einen Film ernsten Gepräges. Es handelt sich bei dem Bildstreifen „Die blonde Christi" um die Verfilmung des Ganghoferfchen Romans „Der Geigenmacher von Mittenwald", der allerdings eine sehr freie Bearbeitung erfuhr. Die Grundmotioe des Romans sind zwar gewahrt, haben aber eine durchaus filmische Ausschmückung erfahren, die im Interesse der Publikumswirkung notwendig gewesen sein mag. Der Regisseur war dabei aber nach besten Kräften bemüht, den volkstümlichen und landschaftsgebundenen Charakter zu wahren. Die Handlung dürfte vom Roman her, vielen bekannt sein. Es ist die Geschichte der jungen Christine Schröder, die, bedroht von einem zudringlichen Manne, den jungen Geigenbauer Hans Brandtner kennen und lieben lernt, ihn aber nach Mailand ziehen lassen muß, damit er die Grundlage für einen zukünftigen Ehestand schaffen kann. Briefe kommen von Mailand, die aber Christi nie erreichen, weil die Mutter, die gegen die Verbindung ist, die Briefe verbirgt. So mußte Christine an des Liebsten Wort zweifeln und gibt dem älteren Geigenbauern Benedikt ihr Ja-Wort, da er sich inzwischen als großer Wohltäter erwiesen hatte. Erst als Hans zur Hochzeit kommt, klären sich die Zusammenhänge und Benedikt sucht und findet den Tod, um den beiden jungen Menschen den Weg zum Glück frei zu machen.
Die dramatische Handlung erfahrt in diesem Film eine sehr eindrucksvolle Wiedergabe, insbesondere durch die vorzügliche Darstellung. Karin Hardt verbindet als Christi viel zarte Mädchenhaftigkeit mit tiefem Qfrnft. Rolf von Goth gibt sehr verhalten den jungen Geigenbauer. Theodor L o o s als Benedikt Oberbucher und väterlicher Freund weiß durch feine ruhige Sicherheit und hochentwickelte darstellerische Kunst zu gefallen. Gertrud d e Lalsky gibt der mütterlichen Figur der Frau Schröder die hier notwendige Härte. In der lustigen Charge des immer hungrigen Otto sieht man Josef Stöckel. Die Landschaft der Berge gibt dem Film
Der Scheitel her Erde.
Von Sofie von llhde.
Copyright 1933 by I. L. A., Wien.
Es war zwei Uhr des Morgens. Darjeeling, das „Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas", lag in tiefer Ruhe, über Tibet und Nepal standen die klirrenden Sterne der Gebirgsnacht.
Die zwei oder drei Grad Kälte, die herrschten, genügten, um mir, die ich eben aus Kalkutta und somit aus vierzig Grad im Schatten gekommen war, das Mark in den Knochen und das Gehirn im Schädel vereisen zu lassen. Apathisch wie ein Erfrierender bestieg ich, in Pelze gehüllt, das zottige weiße Pony, das vor der Türe des Berghotels wartete, und schickte mich an, zu reiten, wohin es eben lief.
Ziel sollte der Tiger-Hill sein, von besten Hochplateau man vor Sonnenaufgang die sonst stets verhüllte überirdische Einsamkeit der Himalanagipsel nebellos erblicken konnte: aber wäre das Pony in die Rhododendronwildnis der Berghänge oder in die Teeplantagen der Niederungen gelaufen — gleichviel! Nur nicht auch noch denken und handeln müssen, während einem das Herz im Leibe erfror. Wie eine ferne und niemals zu erreichende Fata Morgana flatterte die herrliche, göttliche, kochende Hitze der indischen Täler durch meine erstarrten Gedanken.
Vier junge, tibetanische Burschen mit seltsam schonen Laternen begleiten mich, um mir den Weg zu weisen. Warum vier? Genügte nicht einer? Aber von mir aus auch dreißig!! Alles war egal! Ge- spensterhaft umringten ihre mongolischen Gesichter in dem ungewissen Flackerlicht der Laternen das zottige Pferd.
Doch bald erwies sich, daß auch einer noch zu viel und herzlich überflüssig war. Denn kaum hatte die undurchdringliche Schwärze des steilen Bergwaldes uns ausgenommen, als die vier auch schon mitsamt ihren nun recht nötig gewordenen Laternen verschwunden waren. Kichernd wie Kinder und behend wie Ziegen kletterten sie auf irgendwelchen Wild- pfaden zur Höhe und ließen mich mit meinem Pony auf dem schmalen, gewundenen Bergwaidsträßchen in einer wahrhaft höllischen Finsternis allein.
Es war selbst zum Fluchen zu kalt. So blieb mir nichts übrig, als dem braven Pony die Zügel auf den Hals zu legen und der guten Drientierungsgabe des Pferdes zu vertrauen. Das stieg denn auch treu den aewohnten Weg, vorsichtig tastend mit den klei- nen Hufen. Als sein Atem anfing hastiger zu gehen auf den? immer steileren Wege, ermannte sich meine eingefrorene Energie so weit, um abzusteigen, und am Zügel mehr geführt denn führend, schritt ich durch die unsäglich fremde Nacht.
Nationalsozialisten (schwarze Front — Otto-Straßer-Bewegung) für Württemberg auf- g e I ö ft und das vorhandene Vermögen beschlagnahmt.
Die Pläne des Präsidenten Roosevelt, die. Unterstützungen für die amerikanischen Kriegsteilnehmer erheblich (über 25 Prozent hinaus) zu kürzen, wurden vom Senat mit 51 zu 39 Stimmen abgelehnt. Stattdessen wurde ein weniger weitgehender Plan angenommen. Gegen diesen Plan wird Roosevelt sein Veto einlegen.
Kunsi unh Wissenschaft.
21m den neuen Frankfurter Generalintendanten.
Dor einigen Tagen ist der bisherige 3ntendant des Stettiner Stadttheaters Meißner zum Generalintendanten der Franifurter Bühnen verpflichtet worden. Heute veröffentlicht nun das nationalsozialistische „Frankfurter Volksblatt" einen Offenen Brief eines alten Stettiner Parteigenossen an Meißner, in dem diesem enge Beziehungen zur SPD. nachgesagt werden. Tl. a. sei bei der Besetzung des Stettiner „Volksboten" - Hauses ein Brief des 3ntendanten Meißner gefunden worden, in dem er am 3. März bat, ihn aus den Li st en der Partei zu st reich e n, und auf der Sammelliste der Eisernen Front war festzustellen, daß er noch vor kurzem wiederholt für die Eiserne Front Geld gab. Die Redaktion des „Frankfurter Volks- blatts" bemerkt zu diesem offenen Brief: 3eht ist es an Herrn Meißner das Wort zu ergreifen. Wir wissen, daß er ein guter Theater- s a ch m a n n ist und einguterWirtschaft- I e r. Gerade der letzte Faktor war wohl für eine Anstellung in Frankfurt entscheidend. Der Rationalsozialismus verlangt aber auch Charaktere, und so erwarten wir von Herrn Meißner, daß er aus diesem Schreiben dieKonsequen- z e n zieht, es sei denn, die Vorwürfe seien vollkommen aus der Luft gegriffen.
Aus aller Welt.
Der streikende Fahrstuhl.
Der letzte 21bschnitt der allgemeinen Debatte der Weltwirtschaftskonferenz in London brachte einen amüsanten Zwischenfall. Die große Spannung, mit der die Beschlüsse des Konferenzbureaus erwartet wurden, hatte die Delegation rechtzeitig in der großen Halle versammelt. 21ber sie warteten vergeblich. Die Mitglieder des Bureaus traten nicht ein. Schließlich stellte sich heraus, daß das gesamte Bureau i m Fahrstuhl i) e s Hauses zwischen Zwei Stockwerken st ecken geblieben war. Es dauerte acht Minuten, ehe sie befreit werden konnten. Das verspätete Eintreffen des Vorsitzenden der Konferenz, der die Delegierten am ersten Tage 3 u größerer Pünktlichkeit ermahnt hatte, rief im Saale große Heiterkeit hervor.
Dom Blitz erschlagen.
Ein schweres Gewitter, das am Nachmittag des Fronleichnamstages über Karlsruhe nieder- ging, forderte zwei Todesopfer. Die Ehefrau des Fabrikanten L e i ch t l i n g und der Pfarrer der evangelischen Christengemeinschaft in Karlsruhe, Wilhelm Luttenberger, befanden sich im Garten des Leichtlingschen Wohnhauses in der Kaiserallee in Karlsruhe, als ein Blitz in die hohe Silberpappel fuhr, unter der sich die beiden befanden. Sie wurden auf der Stelle getötet.
Paddelbootunglück auf dem Rhein.
Auf dem Rhein kenterte unweit der berüchtigten Stromschnelle zwischen 3 stein und Groh- Kembs ein mit Düsseldorfer Personen, Herr und Dame, besetztes Paddelboot. Das Doot war in die hohen Wellen eines vorbeifahrenden Schleppzuges geraten, schlug um, und die beiden 3nsassen ertranken, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Die Personalien der Ertrunkenen sind noch nicht bekannt, auch sind die Leichen noch nicht geländet.
einen ansprechenden Hintergrund: die Photographie, wie auch die Tonwiedergabe dürfen gut genannt werden. Im Beiprogramm sieht man hervorragende Bilder aus Rom. Der Besuch des Lichtspielhauses empfiehlt sich. n-
Zeitschriften.
— „DerRatursorsche r", vereint mit „Ra- tut und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Raturwissenschaft und ihre Anwendung in Raturschuh. Unterricht. Wirtschaft und Technik. Herausgeber Dr Oskar Prochnow. 3ahrgang X, Heft 3: 40 Seiten Text, 4 Tafeln und 28 Textabbildungen. Preis vierteljährlich 2,50 Mark, einzeln 1 Mark, Hugo Der- mühler-Derlag, Berlin-Lichterfelde. — Die bekannte Zeitschrift bringt in dem 3uniheft einen interessanten Aufsatz über die Kraftquellen des Segelfluges. Eine uralte Kernfrage der Flugforschung ist beantwortet durch gründliche Versuche t ielec 3ahre. Das Geheimnis des Segelfluges der großen Wasser- und Landvögel ist ihnen abgelauscht worden — und von den Versuchen P. 3dracs dazu nimmt die grofte Oeffentlichkeit kaum Kenntnis: Wir können ja segeln wie die Vögel. Wirtlich? — darüber berichtet Dr. F. Höhn- d o r s, der Tleberseher der 3dracschen Schrift und zeigt, daß wohl immer die Kunst des Albatros in der Ausnutzung der verschiedenen Windgeschwindigkeiten der Luftschichten über den Wellen den Segelfliegern unter den Menschen verschlossen bleiben wird. — Viele Ratschläge für Raturaufnahmen geben uns die durch ihr prächtiges Buch ..Waldweben" bestens bekannten Verfasser Gerhard und Wolff und zeigen zugleich Hochleistungen ihrer schwarzen Kunst. Prof. Moewes von der Staatlichen Stelle für Raturdenkmalpflege bespricht die neue preußische Tier- und Pflanzenschutzverordnung. Kleinere Abhandlungen über die Entdeckung des positiven Elektrons, über die Schleifen auf Blihbildern, über Trockeneis, über unfern Kalivorrat usw. zeugen von der Vielseitigkeit der reich bebilderten und sorgfältig gedruckten Zeitschrift.
Dochschulnachrichten.
Der ordentliche Professor in der juristischen Fakultät der LIniversität Kiel Dr. Wedemeyer ist auf seinen Antrag zum 1. Oktober von seinen Verpflichtungen entbunden worden. — Dem Präsidenten der Universität Chikago. H u ch i n s, dem Präsidenten der Rorthwestern Llniversith Scott und dem Präsidenten der ilni* versität Wisconsin Frank wurde die Goethe- Plakette verliehen.
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