reich entfaltet wird. Wir werden auf unserem Boden kein Hitlertum leiden, wir werden aber auch nicht zulassen, dah gewisse Cmigrantenorga- nisationen uns Schwierigkeiten machen. Das würde sich kein Rachbarreich gefallen lassen, am wenigsten Deutschland. Wir würden umgekehrt auch nicht ruhig zusehen, toenn man gegen uns etwas sehnliches unternehmen würde. Die Sozialdemokraten hätten besser daran getan, wenn sie sich draußen wie ein Mann gewehrt und nicht die Flinte ins Korn geworfen hätten."
Offener Brief des Landesleiters der NSDAP. Oesterreichs an den Bundespräsidenten.
Wien, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Landesleiter der RSDAP. Oesterreichs, Alfred Proksch, über den- das falsche Gerücht verbreitet war, dah er geflüchtet sei, hat an den Bundespräsidenten Miklas ein Schreiben gerichtet, in dem er gegen das Borgehen der Regierung schärfsten Protest einlegt und in Wahrung seines Amtes an den Gerechtigkeitssinn des Bundespräsidenten appelliert. Das Schreiben wendet sich mit allem Nachdruck gegen die Ansicht der Regierung, dah in der Tätigkeit der österreichischen RSDAP. Hoch- und Landesverrat zu sehen sei und weist diese „schwer beschimpfende und vollkommen irrige Annahme" auf das leidenschaftlichste zurück.
Vor einem erfolgreichen Abschluß der Londoner Stillhalteverhandlungen.
London, 15. Sunt. (GRD.) Die während der letzten Tage in London geführten Stillhalteverhandlungen dürften, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, Freitag zu ei nem erfolgreichen Abschluß gebracht werden. 3n der Hauptsache ist es den deutschen Schuldnern gelungen, in der Zinsfrage Zugeständ- nisse zu erlangen, und zwar ist der Durch- schnittssah einschliehlich Provisionen und Kommissionen von etwa 4,75 a.u f 4,25 Prozent gesenkt worden. Ferner verzichten die Gläubiger auf die unter dem Stillhalteabkommen fällige Zahlung der Tilgungsrate. Es sei daran erinnert, dah die aus kurzfristigen in langfristige Kredite entsprechend der Schweizer Klausel umgewandelten Beträge nicht unter das Tranfermoratorium fallen. Die Verhandlungen sollen durchaus harmonisch vonstatten gegangen sein, und deutscherseits ist man mit dem erzielten Ergebnis zufrieden.
Die Treuhänder der Arbeit.
D e r l i n, 15. Sunt. (WTB.) Der Herr Reichskanzler hat auf Vorschlag der Landesregierungen nachfolgende Persönlichkeiten zu Treuhändern der Arbeit ernannt: 1. Rechtsanwalt Dr. Graf von der Goltz für das Wirtschaftsgebiet Pommern: 2. Rechtsanwalt Dr- Ragel für das Wirtschaftsgebiet Schlesien: 3. Johannes Engel für das Wirtschaftsgebiet Brandenburg: 4. Oberregierungsrat Dr. Wiesel für das Wirtschaftsgebiet Mitteldeutschland: 5. Dr. Joseph Klein für das Wirtschaftsgebiet Westfalen: 6. Wilhelm Börger für das Wirtschaftsgebiet Rheinland: 7. Bürgermeister Dr- M a r ck e r t für das Wirtschaftsgebiet Riedersachsen: 8. Senator Dr. Völher für das Wirtschaftsgebiet Rordmark: 9. Hartmann für das Wirtschaftsgebiet Bayern: 10. Ministerialrat Hoppe für das Wirtschaftsgebiet Sachsen: 11- Dr. Kim- m i ch für das Wirtschaftsgebiet S ü d Westdeutschland: 12. Handelskammerpräsident Dr. Lüer für das Wirtschaftsgebiet Hessen. Die Ernennung des Treuhänders für das Wirtschaftsgebiet Ostpreußen wird in Kürze erfolgen.
Die Abgrenzungen der Wirtschaftsgebiete, die sich im wesentlichen mit den bisherigen Schlichterbezirken decken, sind durch eine Verordnung des Reichsarbeitsministers im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister erfolgt. Die Verordnung wird im heutigen Reichs- gesehblatt veröffentlicht werden.
Der Treuhänder für Hessen.
Dr. Karl Quer wurde 1897 zu Bockenem in der Provinz Hannover geboren. 1915 trat er beim 1. Garderegiment zu Fuß ein und machte den Krieg bis zum Ende mit. Er wurde mehrfach verwundet. Rach dem Kriege war er als Kaufmann tätig. Rcbenbei widmete er sich seinen Studien und promovierte 1924. Danach übte er wieder eine praktische Tätigkeit bei Banken und Behörden aus. In die RSDAP. trat er 1926 ein. Hier bearbeitete er wirtschaftspolitische Fragen. Zwei Jahre war er ehrenhalber tätig für den Wirt- schaftsteil des „Frankfurter Volksblattes" und für andere südwestdeutsche Zeitungen der RSDAP. Er ist der Begründer des Rachrichten- dienstes der Landesinspektion Süd- west. Außerdem ist er Führer der Fachgruppe Industrie des Gaues Hessen- Rassau-Süd und Leiter der nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft für berufsständische Wirtschaftsgestaltung. Er ist stellvertretender Etadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender wirtschaftlicher Ausschüsse und Deputationen der Stadtverwaltung. Im Jahre 1933 wurde er zum Präsidenten der Preußischen Industrie - und Handelskammer für das rhein-mainische Wirtschaftsgebiet, Sih Frankfurt a. M., .gewählt.
Oer deutsche Zeitplan macht Schule.
Berlin, 15. Juni. (ERB.) In Italien. Holland und England werden gegenwärtig Maßnahmen erwogen und vorbereitet, die der von der Reichsregierung eingeleiteten Reuordnung der Fettwirtschaft sehr ähnlich sind. In Italien hat die einflußreiche italienische Landwirtschaftskonföderation mit einem scharfen Feldzug gegen die Margarine und sonstige Butterer- sahfette begonnen. Man fordert von der Regierung ein Derbpt der Margarineherstellung und der Margarineeinfuhr. Die Fettversorgung Italiens soll, ebenso wie es in Deutschland erstrebt wird, vollkommen auf eigene Füße gestellt werden. Im Hinblick aus die nationalwirtschaftliche Grundeinstellung der italienischen Regierung dürfte die Derwirllichung dieser Pläne nicht ausbleiben.
Auch in Holland wird das nationalpolitische Ziel der Unabhängigkeit in der Fettversorgung verstärkt verfolgt. Diesem Zweck soll eine Kontingentierung der Margarineproduktion dienen. Es ist bekannt, daß die holländische Mar- 1
garineindustrie gegen diese Absicht, die Margarine zugunsten der einheimischen Butter zurückzudrängen, bereits einen entsprechenden Kampf vorbereitet. — In England soll die Einfuhr des Walfischtrans aus ähnlichen Gründen gedrosselt werden. Das erfolgreiche Vorgehen der nationalen Regierung in Deutschland auf dem Gebiete der Fettwirtschaft findet also eindeutig bereits über die deutschen Grenzen hinaus Anerkennung, wird als Schulbeispiel betrachtet und nachgeahmt.
Oas Llrteil im Gereke-prozeß.
Berlin, 16. 3uni. (MTB.-Junkspruch.) 3in Prozeß gegen den früheren Reichskommifsar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke verkündete Land- gerichtsdirektor Dr. 3asper folgendes Urteil: „Der Angeklagte Dr. Gereke wird wegen fortgesetz. ter Untreue im Jolle der verbandszeitschrifl 3 u IVi 3 ahrea Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrase verurteilt. 3m Jolle Auf - wondsentfchädigung wird der Angeklogte Dr. Gereke freigesprochen. 3m Jolle hin- denburgausschuh wird dos Verfahren ous Grund des Gesetzes über Straffreiheit vom 20. Dezember 1932 eingestellk. Der Angeklogte J r e i - gong wird wegen B e i h i l s e zur fortgesetzten Untreue zu vier Monoten Gefängnis verurteilt. Beiden Angeklogten wird die bisher erlittene Unterfuchungshoft auf die anerkannte Strafe angerechnet. Der Haftbefehl gegen Dr. Gereke wird mit Rücksicht auf die höhe der erkannten Strafe aufrecht erhalten.
Einstellung der Vorlesungen an der Universität Rostock.
R o st o ck, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Führer der Rostocker Studentenschaft hatte für heute abend eine Bolloersammlung der evangelischen Studenten einberufen, auf der der Reichsleiter der Deutschen Christen, sprechen sollte. Diele Versammlung wurde von Rektor und Senat der Universität mit der Begründung verboten, daß sie dem vereinbarten Burgfrieden widerspreche und daß die Bewegung innerhalb der Studentenschaft zu der Befürchtung Anlaß gebe, daß Ruhe und Ordnung gestört werden könnten. Als Protest gegen dieses Verbot besuchten die nationalsozialistischen Studenten heute nicht die Vorlesungen. Da der SA.-Führung bekannt geworden war, daß Provokateure die erregte Stimmung für ihre Zwecke ausnutzen wollten, erschienen S A.- S t u > denten im Dienstanzug, um jegliche Störungen von vornherein zu unterbinden. Die Gänge im Universitätsgebäude und das Institut für Leibesübungen wurden durch starke Patrouillen gesichert. Daraufhin wurden auf Anordnung des Rektors die Vorlesungen an der Universität e i n g e st e 11 t.
Das Verbot ausländischer Zeitungen.
Berlin. 14. Juni. (VDZ.) Der preußische Innenminister hat ein Verzeichnis der für das Inland verbotenen ausländischen Druckschriften den in Frage kommenden Behörden zur Kenntnis gebracht. Danach war am Stichtage die Verbreitung von 2 5 4 ausländischen Zeitun - gen in Deutschland, meist „bis auf weiteres" verboten. Die einzelnen Staaten sind u. a. mit folgenden Ziffern auf der Vervotsliste vertreten: Amerika mit neun Zeitungen, Dänemark mit vier, Danzig mit drei, England mit fünf, Frankreich mit 31, Holland mit 9, Luxemburg mit fünf, Oesterreich mit 37, Polen mit 24, Saargebiet mit 4, die Schweiz mit 26, Rußland mit 9, die Tschechoslowakei mit 66. Bekanntlich handelt es sich bei den verbotenen Zeitungen meist um k o m m u n i st i s ch e und sozialdemokratische periodische Druckschriften. Es sind aber auch solche Druckschriften verboten worden, die sich an der Verbreitung von Greuellügen beteiligt oder die die Zustände in Deutschland böswillig kritisiert und deutsche Regierungen und Zustände unberechtigt angegriffen haben.
Halbmast am Tage des Versailler Diktats.
Berlin, 15. Juni. (VDZ. Funkspruch.) Die Reichsregierung hat bei den Länderregierungen angeregt, den Tag der Unterzeichnung des Versailler Diktats, den 28.Juni, allgemein durch Veranstaltungen zu begehen, in denen darauf hingewiesen wird, welcheBedrückungenDeutsch- land in diesem Vertrag auferlegt mürben und welche schicksalhaft schwere Bedeutung das Versailler Diktat für das Leben der deutschen Nation bekommen hat. Um rein äußerlich zum Ausdruck zu bringen, daß der 28.Juni ein Trauertag für Deuts ch.l and ist, sind die Länder ersucht worden, zu erwirken, daß am 28.Juni die Flaggen auf halbmast gesetzt werden.
Fronleichnam.
In R o m fand am Abend des Fronleichnamtages zum zweiten Mal feit 1870 die große Papstprozession statt. Die Prozession wurde eröffnet von päpstlichen Gendarmen und der Ehrenpalastwache. Dann folgten die Orden, der weltliche Klerus, die Pfarrer der römischen Kirchen und die Domkapitel. Nunmehr begann der eigentliche päpstliche Zug, der von der Schweizer Garde, dem Prokurator der apostolischen Paläste usw. begleitet war. Es schlossen sich bann die Abte, Bischöfe, Erzbischöfe, die Patriarchen und schließlich die Kardinäle an. Sodann kam d e r Papst auf dem Podium, das von dem in prächtige Tracht gekleideten Sediarii getragen wurde. Der Papst kniete auf dem Podium und hielt vor sich das Allerheiligste. Die Prozession bewegte sich durch die großen Säulenreihen des Bernini, überquerte den Platz und nahm durch die linke Hälfte der Säulen- reihen den Weg zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Vor dem Hauptportal war der große Papstaltar er- richtet, von dem Pius XL aus den apostolischen Segen erteilte. Inzwischen war die Fassade der Peterskirche festlich illuminiert worden.
In B e r l i n hatte die Fronlcichnamsprozession bei schönstem Wetter eine Beteiligung aufzuweifen wie sie wohl bei einer Prozession in Berlin noch nie gesehen worden ist. Dies war möglich, weil sich zum ersten Male die Prozession über den Kaiser-Franz-Josephs-Platz, wo zwei Altäre errichtet waren, am Denkmal Friedrich des Großen vorbei über die Straße Anter den Linden zum Haupteingang der Universität erstreckte. Die Prozession eröffneten die Abordnungen der katholischen Vereine mit mehreren hundert Fahnen und Wimpeln. Es folgte die Sch u tz p o l i z e i, die erstmalig an der Fronleichnamsprozession teilnahm. Dann kamen die Studentenkorporationen, die Reichswehr, weiter folgten 500 Ordensschwestern, die Vertreter der männlichen Or
den, 50 Geistliche tn ihren Meßgewändern, blumenstreuende Mädchen und das A l l e r h eilig st e, getragen von Domprobst und Generalvikar Dr. S t e i n m a n n. Anschließend! gingen Vizekanzler von Papen und Reichsverkehrsminister Freiherr Elz v. Rübenach. dahinter die früheren preußischen Minister Dr. Steiger und Dr. Schmidt. Der Verkehr Anter den Linden war für zweieinhalb Stunden unterbrochen.
3n München nahm nach dem Hochamt in der Liebfrauenkirche die Prozession ihren Weg wie seit Jahrhunderten durch die Altstadt über den Marienplatz, Odeonsplatz und zurück zur Kirche durch die Theatinerstraße. Zahllos die vielen katholischen Vereine, Verbände und Organisatio- knen, die im Zuge einherschritten. Auch die Aniversitätsprofessoren in ihrer historischen Tracht mit Prorektor Geheimrat Dr. Demo l l an der Spitze, die katholischen Studentenverbindungen mit ihren Bannern und Fahnen hatten sich wie immer an der Prozession beteiligt. Kardinalerzbischof Dr. v. Faulhaber trug das Allerheiligste, das von einer Ehrenkompanie Reichswehr zur Rechten und zur Linken begleitet wurde. Anmittelbar hinter dem Sanktissimum folgte Staatsminister Esser, zugleich als Vertreter des Reichsstatthalters General v. E p p, mit Wirt- schaftsminister Graf Q u a d t und Staatssekretär Stocker, bann der Kommandeur des Wehrkreises VII General v. Leeb, hohe Regierungsbeamte mit Landtagsabgeordneten und der Stadt- ratssraktion der Bayerischen Volkspartei, Vertreter des Reichswehroffizierkorps und der Landespolizei.
Aus aller Welt.
Nachspiel zum Lübecker Lalmelle-Prozeh.
Die Lübecker Strafkammer beschäftigte sich mit einer Anklage gegen den Berliner Arzt Dr. Genter, die im ursächlichen Zusammenhang mit dem Lübecker Calmetteurteil steht. Im Jahre 1930 be
handelte Dr. Genter eine ganze Reihe erkrankter Lübecker Säuglinge mit seinem Tuberkulose-Präparat Antiphthysin. Sachverständige erklärten u. □., daß bei drei gestorbenen Kindern der Tod durch die Genterschen Injektionen b e - schleunigt worden sei. Auf Grund dieser Aussage erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Dr. Genter wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Dr. Genter erklärte, er habe außerordentlich große Erfolge mit seinem Mittel erzielt und viele schwer kranke Menschen gerettet. Der als Zeuge vernommene Dr. med. M ö g l i n g bekundete, daß er bei drei weiteren Kindern Jnjektio.ns- a b z e s s e festgestellt habe. Der Angeklagte erklärte, daß in den drei von Dr. Mögling erwähnten Fällen die Infektion erfolgt sei durch Umstände, die außerhalb seiner Verantwortung lägen. Das Gericht beschloß, das Gentersche Mittel Antiphthysin, von dem der Angeklagte eine beträchtliche Dosis bei sich führte, im bakteriologischen Untersuchungsinstitut der Universität Kiel auf Keimfreiheit untersuchen zu lassen.
Dr. Wagener Ehrendelegierler zur Tvellkraflkonferen; in Stockholm.
Das deutsche nationale Komitee der Weltkraftkonferenz hat den Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP. Dr. Otto W a g e n e r als Ehrendelegierten für die wichtigen Verhandlungen über Fragen der Energiewirtschaft benannt, die in Stockholm Ende Juni ftatt- finden. Dr. Wagener wird, wenn irgend möglich, an der Tagung teilnehmen. Namhafte Vertreter der Technik und Wirtschaft von etwa 40 Nationen werden diesen Kongreß besuchen, der gerade für den deutschen Aufbau grundlegend wichtige Aufgaben technischer und wirtschaftlicher Art zu behandeln hat.
Bier Tote bei einem Strahenbahnunglück. <
Die Straßenbahn Eupen - Derviers (Belg.) ist in einer scharfen Kurve entgleist und mit einem Pferdefuhrwerk zusammengestoßen. Ein Kraftwagen, der nicht mehr rechtzeitig aus- weichen konnte, fuhr in die Trümmer, wobei der Triebwagen der Straßenbahn u m st ü r z t e. Vier Personen wurden getötet, etwa 30 verletzt.
Aus der Provinzialhauptstadt.
„Und abends — Zruhgemirfe!"
V. A. Das kalte Abendessen verlangt viel Abwechslung. Wenn jedesmal Wurst aufgetischt wird und man die verschiedenen Kaltschüsseln schon auswendig kennt, so hebt dies weder den Appetit, noch die Stimmung Darum sollte man mit der Jahreszeit gehen und sich die jeweiligen Gaben der Natur nutzbar machen.
Die seit Jahren an vielen Orten Deutschlands gut arbeitenden Gemüsetreibanlagen machen die Hausfrau von ausländischer Ware unabhängig und ermöglichen es ihr dennoch, längst vor der regulären Erntezeit Frischgemüse auf den Tisch zu bringen. Denn der Mensch ist nun einmal so: er begehrt immer das Neue, Besondere. Wenn noch Schnee liegt, sollen die ersten Tomaten, Radieschen und Gurken schon serviert werden — und siehe da, der deutsche Gartenbau bringt das Wunder fertig! Als Produkt der deutschen Scholle und deutscher Leistung ist es obendrein zu mäßigen Preisen zu erstehen.
Drum abends Frühgemüse! Als Salat zubereitet oder auch warm. Die Kohlrabi- Knollen werden beim Kochen weich wie Butter, und die Blätter lassen sich mitverwenden. Gurken- Rezepte gibt es so unzählige und einfache, man hat reiche Auswahl. Geschmorte, gefüllte Gurken als kalte Platte mit Salat oder Tomaten garniert ist durstlöschend und leicht bekömmlich-. Kräuterbutter, die man selbst mit Schnittlauch und Peter- s i sti e Herstellen kann, macht das einfache Butterbrot groß und klein schmackhaft. Statt Butter kann man auch Weichkäse nehmen, der kalorienarmer ist. Frauen, die sich ihre gute Figur erhalten wollen, können nichts besseres tun, als viel Gemüse zu essen. Spargel, Blumenkohl, zarte Bohnen, Karotten, um nur einiges aufzuzählen und die große Auswahl erkennen zu lassen! Ende Januar greifen wir zum ersten F r i s ch s a 1 a t, im März ist die Treibhausgurke da, und ab Mitte Mai bieten sich noch Tomaten und andere Frühgemüse an — was will man mehr!
Blattgemüse muß prall und frischgrün sein und darf keine vertrockneten oder gelben Stellen auf- weisen. Die Tomate sei glatt nicht hart und von dunkelroter Farbe. Schwammige Radieschen lassen sich mit zwei Fingern eindrücken — fort damit! Blumenkohl ist fest und in sich geschlossen. Bohnen müssen fleischig und jung sein, ein Griff muß sie entzweibrechen können. Große Kerne verraten das nicht gewünschte Alter.
Die Zwiebel ist zwar kein Gemüse im üblichen Sinne, ihre gesundheitliche Bedeutung ist aber mindestens gleich wichtig. Wer hätte nicht schon gelesen und gehört von der blutreinigenden Wirkung von Knoblauch und Zwiebel. Der reiche Phosphorgehalt macht diese Knollenfrucht zu einem wertvollen Nervennährmittel für Geistesarbeiter und Kinder. Daneben werden der Zwiebel noch andere Eigenschaften zugesprochen, die bei Erkältung und Infektionsgefahr hilfreiche Dienste leisten.
Die Mehrarbeit, die der Hausfrau durch warme oder kalte Gemüseschüsseln entsteht (dies zu leugnen wäre unehrlich) lohnt sich nach verschiedener Richtung. Sie kommt dem Gesundheitszustand der Familie zugute und macht frohe Stimmung, da auch die Feinschmecker befriedigt werden. Und über dies hinaus haben wir die Genugtuung, daß unferGeld im Lande bleibt und unseren Volksgenossen Brot und Arbeit gibt.
L. L.
Oie Schnakenbekämpfung.
Der Hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat an die Direktionen und Leiter der höheren Schulen und die Kreis- und Stadtschulämter folgende Anordnung ergehen lassen:
Um im Interesse der Volksgesundheit die Schnakep- befämpfung nachhaltiger und systematischer wie seither betreiben zu lassen, ordne ich an:
In jedem Kreis sind baldigst zwei Vertrauensleute namhaft zu machen, die die persönliche Verbindung mit den Zentralstellen für die Schnakenbekämpfung (Pros. Dr. S ch m i d t g e n-Mainz für Die Provinz Rheinhessen und Oberstudiendirektor Dr. Beisinger - Heppenheim für die übrigen bedrohten Gebiete Hessens) aufnehmen sollen. In Betracht kommen in erster Linie Biologen und sonst interessierte Lehrer. Die Zentralstellen werden entsprechende Anweisungen auf Anfrage erteilen. Die Vertrauensleute sollen sich einen Stamm von freiwilligen Hilfsarbeitern heranbilden, um in gemein« jamer Arbeit die jeweils erforderlichen Maßnahmen
durchzuführen. Es sollen ferner in möglichst vielen Schulklassen Aquarien aufgestellt werden, worin die Entwicklung der Schnakenbrut und ihre Vertilgung veranschaulicht wird. Jm^naturwissenschaftlichen Unterricht ist die Schnakenoertilgung eingehend zu behandeln.
Bis zum 1. Juli 1933 melden die Direktionen, Leiter und Schulämter, inwieweit meine obige Anordnung durchgeführt worden ist.
Verwertung 6er Volkszählung für die Heimatkunde.
Der Hessische Minister für Kultes und Dil- dungswesen hat folgende Verfügung an die Direktionen und Leiter der höheren Schulen und die Kreis- und Stadtschulämter gerichtet:
Ich ordne an, daß die heimatkundlich interessierten Lehrkräfte den von der Volkszählung gelieferten heimatkundlichen Stoff, soweit er für Heimatkunde und Ortsgeschichte wertvoll ist (Zahl der Bewohner, Häuser, Wohnungen, Berufe, landwirtschaftliche Besihderteilung usw.), im Auszug füb die Schule oder Gemeinde festhalten. Stiftungsfest des VOSt. zu Gießen.
Am 16. bis 18. Juni feiert der „Verein Deutscher Studenten zu Gießen" sein diesjähriges Stiftungsfest: ein Ereignis, das in der heutigen Zeit Erwähnung verdient. Ueber 50 Jahre find es her — so schreibt man uns —, daß der „Kyff- häuserverband der Vereine.Deutscher Studenten" den Kampf aufgenommen hat gegen einen alles verflachenden, unfruchtbaren Liberalismus, gegen einen jeder nationalen Regung entgegenarbeitenden Par- tikularismus und Parlamentarismus und den eigentlichen Träger dieses Systems, das Judentum. Der VDSt. rechnet es sich zur besonderen Ehre an, als erster studentischer Verband den Arierparagravhen seinen Satzungen eingefügt zu haben. § 1 der Satzungen erhielt die Fassung: „Den Verband bilden Vereine, welche 1. als Mitglieder nur an den deutschen Hochschulen immatrikulierte christliche Studenten deutscher Nationalität aufnehmen, 2. als Zweck sich setzen, die Förderung des Verständnisses für nationale Fragen und Aufgaben unter ihren Mitglie» gern, sowie Klärung und Kräftigung des Nationalbewußtseins in der gesamten deutschen Studentenschaft." Getreu seinem Wahlspruch „Mit Gott für Kaiser und Reich" bekennt sich der VDSt. damals wie heute zum wahrhaften Christentum, unbedingten Führerprinzip und zum einigen Großdeutschen Reiche. Mit freudiger Genugtuung begrüßt er es, daß die ruhmreichen Farben Schwarzweißrot des alten Kaiserreiches, die er sich zu seinen Verbandsfarben erhoben hat, wieder die Farben des jungen Deutschlands geworden sind. Aus seinem jahrelangen Kampfe heraus und in der Blickrichtung auf das gemeinsame Ziel weiß er sich aufs engste verbunden mit der jungen nationalsozialistischen Volksbewegung, er steht deshalb heute bedingungslos hinter dem Volkskanzler Adolf Hitler.
Der VDSt. zu Gießen begeht in diesen Tagen zum ersten Male sein Stiftungsfest in einer Zeit, wo er aus seiner örtlichen Besonderheit heraus im Rahmen des Gesamtoerbandes mehr den je die Früchte seines Kampfes reifen sieht. Das erfüllt ihn mit Stolz und Freude und mit Dankbarkeit gegen alle diejenigen, die die langen Jahre hindurch in feinen Reihen und an feiner Seite gestanden haben. Sein Gruß gilt in diesen Tagen besonders dem Verbandsehrenmitglied Reichspräsident v. Hindenburg, dem Kanzler des Reiches, Adolf Hitler und dem a. o. A. H. des Gießener Bundes Ministerpräsident Dr. Werne r.
Die Zwingenbergfahrt
der Deutschen Landsmannschaft.
Wiederum wie alljährlich rief auch in diesem Jahre die Deutsche Landsmannschaft ihre Mitglieder diesmal zur 40jährigen Zwingenbergfahrt auf Sonntag noch Pfingsten auf, um die 1868 erfolgte Grün- düng des Gesamtverbandes festlich zu begehen. Leider hatte es der Wettergott nicht sonderlich gut gemeint, denn es regnete fast während des ganzen Tages in Strömen.
Gegen 15 Uhr versammelten sich die Teilnehmer in Zwingenberg im großen Saale des festlich geschmückten Gasthauses „Zum Löwen". Zum ersten Male traf sich die DL. nach der nationalen Erhebung und dem Bekenntnis zum Führerprinzip in Zwingenberg. In bunter Reihe waren vertreten die Vereinigungen alter Landsmannschafter Heidelberg, Darmstadt und Frankfurt, sowie die Korporationen


