Frage Wedgewoobs, ob es nicht besser sei, den Besuch des Schiffes vorzuverlegcn, damit es zur revolutionären Wahl am 2 8. Mai i n Danzig sein könne, erwiderte Simon, daß bei seiner Zusammenkunft mit dem Völkerbundskom- missar vor einer Woche dieser alarmierende Gerüchte über die Möglichkeit von Anruhen während der Danziger Wahlen mißbilligt habe.
Der deutsche Protest in Wien.
Wien. 16. Mai. (IM.) 3n einer amtlichen Verlautbarung wird mitgeteilt, daß der deutsche Gesandte in Wien, Dr. Rieth, wegen der Vorfälle, die sich bei der Ankunft der deutschen 2Hi- nisier und ihrer Begleiter auf dem Flugfelde in Aspern ereignet haben, Protest erhoben Hal. Der Bundeskanzler erwiderte nach der Verlautbarung, daß er zu diesem Schritt Stellung nehmen werde, wenn die Angelegenheit der Rund- f n n k r e d e des Reichsjustizkommissars Minister Dr. Frank seinem wiederholt gestellten Ersuchen gemäß geklärt sei. Jedenfalls bleibe es in seinem Bestreben, alles dazu beizutragen, um das selbstverständliche Freundschaftsverhältnis zur deutschen Reichsregierung zu fördern.
Oer Führerwechsel im Deutschen Landwirtschastsrat.
Berlin, 15. Mai. (CNB.) Die Uebernahme der Geschäfte des Deutschen Landwirtschaftsrates durch den neugewählten Präsidenten, den Reichsbauernführer R. Walter D a r r ö , gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Nach Ansprachen des Grafen B a u d i s s i n und Dr. K r ä u t- l e s begrüßte Präsident Darre seine neuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. „Seit Bismarck", führte er u. a. aus, „ist wohl nie ein Reichskanzler so von der tragenden Bedeutung des Bauern tu mes für das Volk überzeugt gewesen wie Adolf Hitler. Er ist die letzte Hoffnung, auf die der deutsche Bauer alles gesetzt hat.
Der deutsche Bauer wird sich von Adolf Hiller nicht mehr abbringen lassen. Wenn das Ausland uns jetzt bedroht, bloß weil ihm der deutsche Führer nicht paßt, dann ist der deutsche Bauer fest entschlossen, eher zugrunde zu gehen, als sich von seinem Führer zu trennen.
In einem Deutschland, das die jetzt vom Nationalsozialismus eingeschlagene Bauernpolitik verläßt, würde ein deutsches Bauerntum, das 1000 Jahre der Träger'deutscher Geschichte gewesen sei, keinen Platz mehr haben. Dann gibt es vielleicht noch Farmer, die sich unter Anwendung gerissener Geschäftsmetho- den über Wasser halten können, aber kein geschlossenes deutsches Bauerntum mehr.
Nach warm empfundenen Dankesworten für den früheren Präsidenten Dr. Brandes fuhr Präsident Darre fort: Mein Verhältnis zu meinen Mitarbeitern soll nicht getrübt werden durch irgendwelche persönliche Unstimmigkeiten, die mir in der Der- aangenheit angetan worden sind. Für die Zukunft ist selbstverständlich persönliches Vertrauen eine unbedingte Notwendigkeit. Ich werde aber alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen lediglich noch der L e i st u n g beurteilen, wenn sie sich der großen gemeinsamen Ziele einfügen.
Präsident Darre schloß mit einem Heil auf den Volks- und Bauernkanzler Adolf Hitler.
200000 RM. vom KraktionSvor« sitzenden der GpO. Köln unterschlagen.
Köln, 16. Mai. (CNB) Ueber große Unterschlagungen des Fraktionsoorsitzenden der SPD. Gör- linger teilt die „Köln. Ztg." mit: Der Stahlhelm hat mit einem Untersuchungsausschuß die Räume der Kölner Arbeiterwohlfahrt bezogen und dort wichtige Feststellungen gemacht. Es ergab sich, daß der Fraktionsoorsitzende der SPD. G ö r l i n - g e r im März mit 100 000 RM. nachSaar - brücken geflüchtet ist. Er hat dieses Geld der Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte entnommen. Inzwischen ist es ihm gelungen, zwei ^Angestellte zu bestimmen, weitere 100000 RM. an derselben KasseinEmpfangzunehmen und diesen Betrag dem früheren Aachener Parteisekretär M ö n i s s e n in Trier auszuhändigen. Diese Summe hat Görlinger dann in Saarbrücken in Empfanggenommen. Gegen die Helfer an dieser Geldverschiebung wird strafrechtlich vorgegangen. Es fanden sich auch Briefe, aus denen hervorgeht, daß Görlinger für den Bankier Molling in Berlin, der inzwischen Selbstmord begangen hat, Geschäfte tätigte, die ihm ein Monatseinkommen von 2 5 0 0 R M. für drei Jahre zusicherten. Als Leiter der Arbeiterwohlfahrt bezog Görlinger 800 RM. Monatsgehalt. Dazu kamen Vergütungen für Auslagen, deren Höhe nicht feftfteht. In Köln besah Görlinger zwei Wohnungen, eine dritte in Berlin.
Kleine politische Nachrichten.
Der Eingang der Spenden für die „Stiftung für Opfer der Arbeit" nimmt von Tag zu Tag zu. Er hat einen derart erfreulichen Umfang angenommen, daß der Betrag heute die Summe von 500 000 RM. überschritten hat.
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Walter Darr 6, der die Führung des gesamten deutschen Bauernstandes in feiner Hand vereinigt, ist vom Reichsführer der SS-, Himmler zum SS. - Gruppenführer ernannt worden, nachdem er bisher SS.-Oberführer war.
Der geschäftsführende Vorstand sowie der Gesamt- Vorstand des Reichsverbandes deutscher Hausfrauenvereine haben den Anschluß an die deutsche Frauenfront vollzogen.
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3n Dad-Rauheim fanden Besprechungen von Vertretern der fünf südwestdeutschen Landeskirchen (Hessen, Frankfurt a. M., Rassau, Kurhessen und Waldeck) statt, die einerseits dem schon seit Zähren geplanten Zusammenschluß galten, anderseits aber auch der gesamten kirchenpolitischen Lage, die durch des Thema „R e i ch s k i r ch e" am ^ besten g^h^stzeichnet wird. Die Verhandlungen fortgesetzt- ,
2ln den d^^chuationalen Staatsminister von Mecklenburg-L-trelih Dr. von Michael, der durch Deschluh^bes Landtages von seinem Posten abberuf en werdet sollte, hat der Reichsminister des Innern Sr.) 8 r t d folgendes Schreiben gerichtet: „Oluf diej telegraphische Mitteilung vom
Konstituierende Sitzung des HesMchen Landtages.
Or. Müller LandiagSpräsiöeni.-feierliche Begrüßung des Reichsstatthalters. Einstimmige Annahme eines Ermächtigungsgesetzes.
Darmstadt. 16. Mai. (WTB.-Drahtbericht.) Im festlich geschmückten Saale des Hessischen Landtages, den die Fahnen des alten und des neuen Reiches, sowie diejenigen in den Landesfarben zierten, fand heute in Anwesenheit des Reichs st atthalters Sprenger die konstituierende Sitzung statt. Der Reichsstatt- haltec wurde vor dem Landtagsgebäude von Ministerpräsidenten Dr. Werner herzlich willkommen geheißen. Schutzpolizei und SA. hatten vor dem Landtag Aufstellung genommen und wurden von dem Statthalter begrüßt. Die Sitzung des Landtages eröffnete der seitherige Präsident und jetzige Staatssekretär Iung. Einstimmig wurde der seitherige Staats Minister Dr. Müller zum Landtaaspräsiden- t e n , der Abgeordnete Klo st ermann (RSDAP.) zum ersten und der Zentrumsabgeordnete W e ck l e r zum zweiten Vizepräsidenten gewählt.
Darauf wurde der Reichsstalthaller Sprenger vom Ministerpräsident Dr. Werner und dem Landlagspräsidenien in den Landtag eingeführt.
Vor dem mit Hakenkreuzbanner geschmückten Präsidentenftuhl stand der Sessel für den R e i ch s st a t t h a l te r. der von Dr. Werner mit einem dreifachen Sieg-Heil als Statthalter des Reiches und Vertrauensmanns des Führers Adolf Hitler begrüßt wurde.
Der Ministerpräsident hielt dann eine längere Ansprache an den Reichsstatthalter, in der er ihm die besonderen Sorgen und Nöte des Hessenlandes vor Augen führte. Seine Ansprache schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichsstatthalter, auf Hessen, das deutsche Vaterland und den Führer Adolf Hitler. Der Landtag verabschiedete dann ein Ermächtigungsgesetz für die hessische Negierung, das von den anwesenden nationalsozialistischen und Zentrumsabgeordneten (die Frak- die der SPD. war nicht erschienen) e i n st i m m i g gebilligt wurde. Die Sitzung schloß mit dem Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel- Liedes. Anschließend richtete der Statthalter vom Balkon des Landtages an die auf dem Adolf- Hitler-Platz in großer Zahl erschienene Volksmenge eine kurze Ansprache.
Die Aufgabe des Buchs beim Wiederaufbau der Nation. Reichsminister Or. Goebbels vor den deutschen Buchhändlern.
Leipzig, 15. Mai. (TU.) Bei der Kantatefeier des Börsenoereins für den deutschen Buchhandel erklärte Reichsminister Dr. Goebbels u. a.: Gerade in Zeiten seelischen Druckes und größter Not braucht das Volk Entspannung, und da hat das deutsche Buch einzusehen. Wir werden den Zeitgeschmack ändern. Gewiß möchte ich nicht einem hemmungslosen nationalsozialistischen Kitsch das Wort reden, der glaubt, schon genug zu tun, wenn er sich der Farben und Symbole der neuen Regierung bedient. Nein, je tiefer der revolutionäre Umbruch in den Herzen eines jeden Menschen verankert ist, je tiefer er geifticj durchsetzt wird, um so dauerhafter und ewiger wird er fein. Dann hat das Buch noch die große Aufgabe, den Menschen nach den harten und nervenaufpeitschenden Kämpfen des Tages abzulenken von der Schwere und von der dü ft eren Mechanik der Zeit. Vielleicht werden wir einmal in absehbarer Zeit dazu kommen müssen, d i e Arbeitszeit an s i ch herabzusetzen. Vielleicht wird das keine revolutionäre Forderung mehr fein, sondern eine Selbstverständlichkeit. Man hört den Einwand, was dann der Mensch mit den Stunden tun soll, in denen er nicht arbeitet. Wir werden den Menschen Beschäftigung geben.
Wir werden sie für den Staat beanspruchen. Hier hat das Buch eine große Aufgabe zu erfüllen. Der Mensch, der fein Vaterland nicht kennt, wird allein seinem Vaterland innerlich und äußerlich untreu werden. Und wenn gerade unsere Aermsten urtb Armen dem internationalen Geiste sich am meisten verschrieben haben, so hat das seine Ursache darin, daß sie ihr Vaterland gar nicht kannten, daß sie nicht wußten, was sie mit Deutschland aufgeben. Hier Wan- d e l z u s ch a f f e n, das ist die Aufgabe einer neuen kulturellen Wendung. Dem ärmsten Sohn des Volkes Zugang zu schaffen zu den kulturellen Werten der deutschen Nation, ihm zu zeigen, was Deutschland ist und warum er Grund hat, auf dieses Deutschland stolz zu fein. Die Regierung ist überzeugt, daß das Buch, das dem Geist der Zeit gerecht wird, auch in Zukunft seinen Weg machen wird. Das deutsche Volk wird wirtschaftlich und politisch seinen Weg nach oben gezeigt bekommen, aber auch kulturell und geistig nur unter der Voraussetzung allerdings: So weitherzig wir in den Methoden sind, so human wir mit unseren Gegnern verfahren, so eng, so hart und so unerbittlich sind wir in den Grundsätzen, die unseren Staat tragen.
12. erwidere ich ergebend, daß die Frage der Reubildung der mecklenburg-strelihschen Staats- regierung in den ersten Tagen der kommenden Woche durch die Ernennung eines Reichs st atthalters für das Land Mecklenburg-Strelitz entschieden wird. Dis dahin steht Ihnen die Führung der Amts- aefchäfte als Staatsminister zu. Den Präsidenten des mecklenburg-strelihschen Landtags habe ich entsprechend verständigt."
Aus aller Well.
Generaloberst von Schubert f.
Im hohen Alter von 83 Jahren d e r ft a r b nach längerem Kranksein der in Marburg im Ruhestand lebende Generaloberst o. Schubert. 1867 bei dem westfälischen Pionierbataillon 7 eingetreten, wurde er 1868 als Fähnrich in das Feldart.-Regt. 10 versetzt, bei dem er mit Auszeichnung den Feldzug 1870 bis 71 mitmachte. Nach dem Kriege besuchte er die Kriegsakademie und hatte 15 Jahre lang hohe Stellungen im Generalstab inne. Schubert wurde dann nacheinander Regiments-, Brigade» und Divisionskommandeur und 1907 zum Inspekteur der Feldartillerie ernannt. Als solcher erwarb er sich große Verdienste um die Umbewaffnung und Munitionierung der deutschen Feldartillerie, was sich bei Kriegsausbruch als großer Vorteil erwies. Unter Erhebung in den Adelstand schied er 1909 aus dem Heeresdienst, meldete sich jedoch 1914 erneut und übernahm ein Armeekorps in den Vogesen. Kurze Zeit war er darauf Armeeführer im Osten, dann wieder Korps- und Armeeführer im Westen. 1917 trat der bewährte Offizier in den Ruhestand.
Der »Fliegende Hamburger" in Betrieb.
Mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans der Reichsbahn hat auch der „Fliegende Hamburger" seine erste regelmäßige Fahrt zwischen Berlin und Hamburg durchgeführt. Er fuhr 8 02 Ahr vom Lehrter Bahnhof in Berlin ab und traf um 1020 Ahr fahrplanmäßig im Hamburger Hauptbahnhof ein, von wo er gleich darauf nach Altona weiterfuhr. Die Rückfahrt erfolgt ab Altona 14-58 Ahr, ab Hamburg 15.16 Ahr und die Ankunft in Berlin 17.36 Ahr. Der Doppelwagen war leider nur zum Teil beseht. Von den etwa 75 vorhandenen Plätzen waren nur 53 verkauft worden.
Weltrekord im Rückenflug.
Der italienische Fliegerleutnant Gugliemo D o - cola hat einen neuen Weltrekord im Rückenflug aufgestellt. Er flog eine Stunde und sechs Minuten in Rückenlage. Der alte Rekord, den der Fliegerkapitän C o l a c i c ch i hielt, betrug 41 Minuten. Bocola erklärte, der Zweck des Fluges sei das Studium der physiologischen Wirkungen des Rückenfluges gewesen. Die Aerzte stellten fest, dah die lebenswichtigen Organe des Fliegers nach dem Rückenfluge durchaus in Ordnung waren. Es wurde lediglich eine leichte Zunahme der Zahl der Herzschläge festgestellt.
Der Bestechungsskandal bei der Postkrankenkafse.
In der Korruptionsaffäre bei der Berliner Post- krankenkasse hat die Staatsanwaltschaft gegen den Postsekretär Kugler und den Dentisten Willi Griebel Anklage wegen fortgesetzter schwerer aktiver und passiver Bestech.ung im Amt und wegen Betrugs zum Nachteil der Reichspostbehörde erhoben. Die Ehefrauen Kugler und Griebel werden der Beihilfe zur Beamtenbestechung beschuldigt. Griebel erhielt im Laufe der Zeit bei der Post- krankenkasse eine Monopolstellung, die ihm in den Jahren 1926 bis 1932 die ungeheuere Summe von
über 900 000 RM. einbrachte: er zahlte dafür als Gegenleistung an Kugler Bestechungssummen von insgesamt 75 000 RM. Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft wurde ferner durch Ausstellung falscher Rechnungen fortgesetzter Betrug an der Reichspost verübt.
Reichslagsabgeordneler Börger an die Universität Köln berufen.
Der preußische Kultusminister hat den Reichstagsabgeordneten Wilhelm Börger, Landesobmann der Betriebszellenorganisation für Westdeutschland und Mitglied des Ausschusses für ständische Ordnung in der westdeutschen Wirtschaft, auf besonderen Wunsch der Kölner Wirt- schasts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an die Aniversität Köln berufen. Börger wird seinen Lehrauftrag über „Grundfragen des deutschen Sozialismus" mit einer Vorlesung über „Die Eingliederung des deutschen Arbeitertums in den Staat" aufnehmen.
Einbruch in die Wohnung des Präsidenten der Landwirtschaftsorganisationen Darre.
In der Berliner Privatwohnung des Präsidenten der großen Landwirtschaftsorganisation Darr 6 wurde ein E i n b r u ch verübt, der in seiner Eigenart den Verdacht aufkommen läßt, daß politische Motive dabei im Spiele waren. Die Täter müssen mit den Wohnungsverhältnissen genau vertraut gewesen sein, was umso mehr verwunderlich ist, als die Wohnung erst seit wenigen Wochen eingerichtet bzw. bewohnt ist.
Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener.
Gelegentlich einer Tagung des Gaues Südwestdeutschland der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener (R.e.K.) wurde dem Reichskanzler Adolf Hitler ein Telegramm mit dem Gelöbnis treuer Gefolgschaft im Kampfe für den sozialen Frieden und die innere Erneuerung des deutschen Volkes übersandt und der Hoffnung auf eine Einigung der Front- kümpferbewegung durch den Frontsoldaten- Kanzler Ausdruck gegeben. — Auf ihrem diesjährigen Bundestag, vom 22. bis 25. Iuli in Hamburg, wird die R. e. K. unter dem Motto „Durch Erneuerung zur Freiheit" Vertreter aller deutschen Gaue vereinen. Eine Ausstellung des Archivs und Museums der Kriegsgefangenschaft wird die von deutschen Kriegsgefangenen in allen ehemals feindlichen Ländern unter schwierigsten Amständen geleistete kulturpolitische Arbeit in eindrucksvoller Weise zeigen.
Deutsche Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Deutschen Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung haben, wie die Agrarpolitische Pressestelle der RSDAP. (Gau Hessen) uns mitzuteilen bittet, Herrn R. Walter Darre zu seiner Wahl zum Präsidenten der Reichsführergemeinschaft des deutschen Bauerntums und zu der dadurch zustande gebrachten Einigung der deutschen Landwirtschaft beglückwünscht und sich ihm freudig zur Mitarbeit am Wiederaufbau des deutschen Bauerntums zur Verfügung gestellt.
Berlin—Hamburg in 45 Minuten.
Das von den Heinkel-Werken für die Deutsche Lufthansa erbaute siebensihige Schnellflugzeug „He 70 D 3“ hat den Probeflug Ber- l i n—H amburg in etwa 45 Minuten zurückgelegt. Es besitzt eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 320 und eine Höchstgeschwindigkeit von 362 Kilometer. Das Flugzeug wird zunächst seine Probeslüge fortsehen und soll dann im Post- und Frachtverkehr und int Langstreckenverkehr Berlin—Saloniki, Berlin—Athen oder Berlin—Spanien eingesetzt werden.
Aus der provinzialhaupiffadi.
Provinzialausschuß-Sihung.
In der ersten öffentlichen Sitzung des neuen Provinzialausschuffes am vorigen Samstag wurden folgende Verwaltungsstreitsachen verhandelt:
Klage des Gustav Auer in Grünberg gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 10. Februar 1933 wegen Versagung der Erlaubnis zum Betriebe einer Gast- und Schankwirtschaft im Hause Bahnhofstraße 35 in Grünberg. — Es handelt sich um die Wirtschaft im Bahnhofs b otel in Grün- berg. Konzessionsinhaber war zuletzt der Gastwirt Hermann Brosche in Grünberg, dem sie entzogen wurde. Auer hat das Grundstück käuflich erworben und gleichzeitig beim Kreisamt Gießen um Konzessionserteilung nachgesucht. Von der Bürgermeisterei wurde jedoch ein Bedürfnis verneint und deshalb vom Kreisamt Gießen die Konzessionierung abgelehnt. Der von Auer angefochtene Bescheid wurde vom Provinzial-Ausschutz aufgehoben und die Konzession erteilt.
Klage des Ferdinand Klein in Ilbenstadt auf Aufhebung des Bescheids des Kreisamts Friedberg vom 17. Januar 1933 wegen Versaguna des Wandergewerbescheins für 1933 Kj. — Der Kläger hatte beim Kreisamt Friedberg um Erteilung eines Wandergewerbescheins für das Jahr 1933 zum Musizieren mit einer Ziehharmonika nachgesucht. Dieser Antrag wurde auf Grund des § 57a der Gewerbeordnung abgelehnt, weil der Gesuchsteller keine 25 Jahre alt und noch nicht vier Jahre im Wandergewerbe tätig gewesen ist. Es handelt sich hier um eine Kannbestimmung. Der von Klein verfolgten Klage wurde vom Provinzialausschuß ftattgegeben und der nachgesuchte Wandergewerbeschein erteilt
Hilfsbedürftigkeit des Albert Beutel und seiner Ehefrau Sophie geb. Walz, wohnhaft in Friedberg, hier: Klage derselben gegen die Entscheidung des Bezirksfürsorgeverbandes des Kreises Friedberg, vertreten durch die Bürgermeisterei Friedberg, vom 24. November 1932. — Kläger wurden 1928 bis 1932 vom Wohlfahrtsamt der Stadt Friedberg mit zusammen 1662,70 RM. öffentlich unterstützt. Nachdem die Kläger im vergangenen Jahr eine Erbschaft von 7000 RM. angetreten haben, macht das Wohlfahrtsamt Ersatzansprüche geltend und verlangt die Rückzahlung des Unterstützungsbetrages. Dieses Recht wird nicht bestritten. Don den Eheleuten Beutel wird jedoch eine Gegenforderung erhoben, die sie aufgerechnet haben wollen,^ und zwar aus folgenden Gründen: Die Klägerin sei als junges Mädchen im städtischen Versorgungshaus in Friedberg 1912 bis 1917 erzogen worden, wobei sie sich durch unsachgemäße Behandlung, insbesondere durch Leistung schwerer Arbeiten, ein unheilbares Plattfußleiden zu- gezogen habe. Dieser Aufrechnungsanspruch wird von der Stadt Friedberg bestritten und dem Kläger empfohlen, seinen Anspruch im ordentlichen Rechtsweg geltend zu machen. Da sich der Kläger zur freiwilligen Rückzahlung der Unterstützung nicht bereit erklärte, beantragte der Bezirksfürsorgeverband beim Kreisausschuß, die Eheleute Beutel für verpflichtet zu erklären, die Unterstützungskosten zurückzuerstat- ten, nachdem sie zu hinreichendem Vermögen gelangt seien. Dem Antrag wurde durch Beschluß vom 1. Oktober 1932 / 24. November 1932 ftattgegeben. Die von den Eheleuten Beutel hiergegen eingereichte Klage, die wiederum mit der Gegenforderung begründet wurde, mußte vom Provinzial-Ausschutz als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen werden.
Zwangsetatisierung des Anteils der Gemeinde W e i t e r s h a i n an den Verpflegungskosten des in der Landes-Heil- und Pflegeanftcm Gießen untergebrachten Paul Kloß aus Milkow in Polen; hier: Klage der Gemeinde Weitershain gegen den Beschluß des Kreisamts Gießen vom 9. Dezember 1932. — Für den vorgenannten Pflegling waren der Gemeinde Weitershain durch das Kreisamt Gießen für Verpflegungskosten insgesamt 1200,— RM. in den Voranschlag eingestellt. Gegen diesen Beschluß erhob die Gemeinde Klage im Verwaltungsstreitverfahren, die jedoch vom Provinzialausschuß als unbegründet kostenpflichtig zurückgewiesen wurde.
Bilder vom Gießener Klugtag.
Im Bilderaushang am Geschäftshaus des ^Gießener Anzeigers" sind zahlreiche photographische Aufnahmen von dem Großflugtag am vorigen Sonntag in Gießen zur Besichtigung ausge- yängt. Die Aufnahmen wurden von Photo- Pfaff in Gießen gemacht.
Seimaivereinigurig Gchiffenberg.
Die HeimatvereinigungSchiffenberg hielt am Sonntag auf dem Schiffenberg ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Nach der Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden, Cberforftmeiftcr Nikolaus, der bei dieser Gelegenheit auf die Bedeutung des Muttertages hinwies, erstattete der Schriftführer des Vereins, Rektor Valentin Müller/ den Jahresbericht. Daraus ging hervor, daß die Vereinigung zu Beginn des verflossenen Geschäftsjahres 271 Mitglieder zählte, neu aufgenommen wurden 28 Mitglieder, gestorben find 5 Mitglieder, ausgeschieden sind 21 Mitglieder, ab 1. April 1933 neu eingetreten 24 Mitglieder, so daß die Gesamt-Mitgliederzahl sich jetzt auf 297 beläuft. Die Tätigkeit der Vereinigung im abgelaufenen Jahre erstreckte sich u. a. auf die Verschönerung der Anlagen der Umgebung des Schiffenbergs, sowie die Abhaltung von Heimattagungen, die zur Vertiefung des Heimatgedankens und zur Ueberbrürfung der Gegensätze zwischen Stadt und Land wesentlich beitrugen.
Die Rechnungsablage durch Rechner Herrn. Kirchner zeigte eine Einnahme von RM. 572,09 und eine Ausgabe von RM. 442,66, so daß sich ein Bestand von RM. 129,43 ergab. Der Voranschlag 1933/34, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit RM. 300,— fand einstimmige Annahme.
Bei der Vorstandswahl wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Oberforstmeister Nikolaus (1. Vorf.), Bürgermeister Dr. Hamm (2. Dorf.), Rektor Valentin Müller (1. Schriftführer), Kaufmann Karl W e i d i g (2. Schriftführer), Geschäftsführer Herrn. Kirchner (Rechner), Heimatdichter Georg Heß und Steuerberater Jäger (Beisitzer) sämtlich wiedergewählt.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde eine große Zahl wertvoller Anregungen gegeben, mit deren Durchführung sich der Vorstand beschäftigen wird. Die Frist für den Photowettbewerb wurde bis 1. Juli verlängert.
Zum Schluß wies der Vorsitzende noch auf die am 21Mai ftattfmbenbe Heimatveranstaltung in Garbenteich hin, während Herr K. Wei« d i g über die im Juni auf dem Schiffenberg statt- findende Heimatta.gung für die Jugend berichtete, wozu die Vorbereitungen in den einzelnen Ausschüssen 3ur Zeit getroffen werden.
Die anschließende Familien-Zusammenkunft bot noch einige genußreiche Stunden.


