Nr. 1'3 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Dienstag, 16. Mai 1933
Erlchein, tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monat«=Be)ug$prel$:
Mit 4 Beilagen RM. 1.9L Ohne Illustriert« , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
zernsprechanschlüsse onter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen.
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11686.
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnick und Dedag: vriihl'sch« Untocrfttäts^u»- und Sktnbniderei H. fange in Sietzen. Sdjrtftleltung und S-schästrst-lle: Schulüratze 7.
Annahme oon Snjeigcf für die Tagesnummer oli zum Nachmittag vorher.
Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20". mehr.
Chefredakteur:
Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Bußen.
Randnoten.
DA. Die deutsche Wirtschaft lebt! Aus allen Wirtschaftszweigen mehren sich ständig die Stimmen, die eine innere und ehrliche Beruhigung melden. Damit haben Unternehmer und Arbeiterschaft, Handel und Derbraucher eine Haltung bewiesen, die auch die optimistischsten Hossnungen weit überschreitet. Wohl noch zu keiner Zeit und in keinem Lande der Erde hat sich nach der Kette der notwendigen Umwälzungen und ticswirkenden Eingriffe, die jede Revolution mit sich bringt, betartig schnell Ordnung, Disziplin und Dertrauen durchgeseht. Das aber ist ja gerade das Kennzeichen der nationalen Erhebung, baß sie nicht den Zusammenbruch will, um, wie der Bolschewismus auf den Trümmern des Ehaos etwas Phantastisches, völlig Neues aufzubauen, sondern durch eine organische, zielklare Leitung und Förderung der Wirtschaft wieder ausbauen will, was in den letzten 14 Fahren durch die verständnislosen Eingriffe des Marxismus zerstört wurde.
Die jüngsten Berichte der Handelskammern, Handwerkskammern und Wirtschaftsverbände melden eine auf fast allen Gebieten einsetzende Hebung der deutschen Wirtschaft. Rach den Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung liegt die gewerbliche Erzeugung bereits um 7 v. H. über dem Stand zur gleichen Zeit des Dorjahres, und um 12 v. H. über dem konjunkturellen Tiefstand im August 1932. Besonders im Kalibergbau und bei der Erdölgewinnung hat eine bemerkenswerte Hebung des Absatzes stattgefunden. Die Erdölgewinnung betrug im April in Preußen über 19 000 Tonnen und damit erheblich mehr als im Monatsdurchschnitt des letzten Jahres. Die Erdölbohrung be- ansprucht im Hinblick auf einen möglichst starken Anteil der eigenen Erzeugung am deutschen Oel- verbrauch in Zukunst ganz besondere Beachtung. Auch die Eisenindustrie hat eine erhebliche Verstärkung des Absatzes zu verzeichnen. Als Folge der durch die ständig fortschreitende Absperrung des Auslandes gegen lästige Einfuhren bedingte Umstellung der Mimischen Industrie auf den Binnenmarkt hat die Rachfrage des Inlandes nach Spezialmaschinen auffallend stark zugenommen. Die landwirtschaftliche Maschinenindustrie meldet gleichfalls eine erhöhte Beschäftigung. Hier beginnt sich die Wirkung der allmählichen Gesundung deS deutschen Bauern zu zeigen. Im Iahre 1931/32, im Tiefpunkt der Krise also, bezog die Landwirtschaft für nur 90 Millionen landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, während es 1927/28 noch weit über 320 Millionen waren. Aehnlich erfreulich berichten Automobilindustrie, Fahrradindustrie und Motorenbau. Die Tuchindustrie bezeichnet den Monat April als einen Rekordmonat. Der flotte Absatz ist auf die umfangreichen Uniform- lieferungen an nationale Verbände und Arbeitsdienstorganisationen zurückzuführen. Bei der Anfertigung der neuen Tuche wird ausnahmslos die Verwendung deutscher Wolle vorgeschrieben. Auch auf diese Weise wird der Arbeitsdienst für Industrie und Landwirtschaft Arbeit
schaffen.
Diese amtlichen Berichte reden bereits eine deutliche Sprache. An „Schönfärberei" kann in Deutschland kein Mensch ein Interesse haben. Wir sind es gewohnt geworden, den Dingen der Wirklichkeit ins Auge zu blicken, um mit ihnen rechnen zu können. Die Wirtschaft kann jetzt wieder großzügig planen. Aus der kürzlich veröffentlichten Erklärung der Reichsregierung, daß im Wirtschaftsleben durchaus sichere Verhältnisse eingc- !. eten sind, die der Wirtschaft auf lange Sicht zu arbeiten erlauben, ziehen wir den Schluß: Ohne Verzögerung an die Arbeit, keine ängstliche Kaufzurückhaltung mehr! Es gilt Arbeit und Brot zu schaffen, für „Flaumacher" wird es im neuen Deutschland kein Betätigungsfeld mehr geben 1
Wenn sich das Rationale von selbst versteht, müssen gerade die Hoheitszeichen der Ration in Emst, Würde und Takt jenseits aller nichtigen materiellen und sonstigen Spekulationssphären stehen. Was Kitsch ist, kann eigentlich nicht formuliert werden. Gewisse ästhetische Grundsätze sind auf diesen Begriff nicht anwendbar, man könnte höchstens sagen, eine Verkitschung läge stets dann vor, wenn Ausdruckszeichen und Empfindungen verzerrt, ver- niedücht oder in die Sphäre triefender Senti- mentalität getaucht werden. Als mit dem Aufkommen des Industriezeitalters die Formgebung von Möbeln und Häusern verderbt wurde, blühte der Kitsch. Er täuscht vor. er wendet sich entweder an die üble Art, den Schein über' das Sein zu stellen, oder rührt das Gefühl dort an, wo es moluskenhaft. Kitsch im Film, un Buch, auf der Bühne, kitschige Redensarten weiß jeher Gesunhgewachsene sehr wohl s^ zustellen. Daß derselbe Kitsch aber auch, wie 1914, heute auftauchte. ist durchweg einer grenzenlosen Dumm- heil derer zuzuschreiben, die glauben, sie mußten die Symbole der neuen Ration möglichst immer vor Augen haben, ganz einerlei, wo und wie sie abgebilhet sind, damit sie sich stets erinnern, was geschah. Genau so. wie ein Raffke sich in eine Umwelt versetzt, hie ihm innerlich bisher fremh war. .
Daß hie Inhustrie auf solche Gefühle spekulierte unh hiefe ästhetische Knochenerweichung forherte, hat ein Gesetz zum Schutz her nationalen Symbole nottoenhig gemacht. Man könnte sagen, wer biefem nationalen Kitsch zuneigt, ist im tiefsten Herzen unh Gefühl nicht durchdrungen von her Würde unh Schönheit unh Bedeutung her Symbole selbst, die höchste Ausdrucks- und Verehrungssorm sein sollen und da-
Das Ausland in Erwartung der Kanzlerrede.
Lenkt England ein?
Beruhigende Wirkung der Papcn-Rede.
London, 15. Mai. (TU.) Der Abrüstungsausschuß des englischen Kabinetts hielt am Montag eine Sitzung ab, in der er sich mit her europäischen Krise befaßte. In den Kreisen des Kabinetts ist man im Hinblick auf die Kriegsbesorgnisse her Presse entschlossen, nunmehr beruhigend zu wirken unh den Mächten klar zu machen, daß kriegerisch eMaßnah- men irgendwelcher Art einschließlich der Besetzungfremden Gebietes zur Zeit nicht im Sinne der britischen Politik liegen. In diesem Sinne soll eine Verlautbarung wirken, die besage, daß die Andeutungen des Kriegs-' Ministers über Sanktionsmöglichkeiten lediglich dazu dienten, um das Vorhandensein von Abkommen zu betonen, die ohne Gewaltanwendung einen Ausweg aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten weisen. Die Ausführungen des Vizekanzlers von Papen haben in Degierungskreifen beruhigend gewirkt, weil sich hiermit die Aussichten auf eine Ueberwindung der Krise in Genf wesentlich verbessert haben.
Norman Oavis sucht zu vermitteln.
Washington, 15. Mai. (TU.) Der amerikanische Sondervertreter Norman Davis versuchte den französischen Außenminister Paul Boncour in einer einstündigen Unterhaltung zu bewegen, neuen deutschen Abrüstungsvorschlägen gegenüber eine versöhnliche Haltung einzunehmen, um Amerika und England eine gleiche Haltung zu ermöglichen. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Amerika, England und Frankreich auf diplomatischem Wege nunmehr auf die Reichsrcgierung einwirken werden, damit, wie der amerikanische Vertreter es ausdrückte, „eine geschickte Brücke oon der Insel Elba, auf die sich Hitler manövriert habe, zurück zum Festlande gebaut werden könne."
Fest steht im übrigen, daß Norman Davis und Paul Boncour -bie Frage der Sanktionen nicht besprochen haben. Norman Davis unterstrich die unbedingte Notwendigkeit eines militärischen und wirtschaftlichen Friedens und erklärte, Sanktionen gegen Deutschland seien nur möglich auf Grund einer Entscheidung des Haager Gerichtshofs.
Spannung in London.
London, 16. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Die Ausführungen in der Morgenpresse zeugen von der Spannung, mit der die morgige außenpolitische Rede des Reichskanzlers erwartet wird. Die nervöse Stimmung findet Ausdruck in der Ermahnung, Deutschland möchte nicht — was freilich besser den hochge- rüsteten Mächten gesagt werden sollte — durch maßlose Forderungen die Abrüstungsbomühungen zugrunde richten. Allgemein besteht die Tendenz, der deutschen Regierung die Verantwortung für das herrschende Mißtrauen zuzuschieben, wobei vielfach auch die deutsche Innenpolitik als beunruhigend für die Nachbarländer bezeichnet wird.
„Daily Expreß" schreibt. Europa warte jetzt auf das, was Hitler sagen werde. „Daily Heralh". „Daily Mail" unh „Daily Telegraph" sprechen von einer Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit, haß die morgige Rehe zwar energisch, aber auch versöhnlich sein werbe und eine neue Politik in Genf einlciten werbe In einem Leitartikel her „Daily Mail" heißt es, her deutsche Kanzler habe jetzt eine einzigartige Gelegenheit, zu zeigen, baß er bie höheren. Eignungen eines Staatsmannes besitze. Die rechts
konservative „Morning Post" hofft, daß her* Reichskanzler im Inneren bie Leibenschaften und nach außen hin bie entstanbenen Befürchtungen beschwichtigen werbe. „Times" sucht Deutschlanbs Kriegslust burch Zitate aus Hitlerreben zu beweisen unb stellt bie angesichts her französischen Bünbnispolitik gerabczu kinbische Behauptung auf, nicmanb suche Deutschlanb einzukreisen. „Rews Ehronicle" erklärt, her Stieben hänge von ben Deutschen selber ab. Das liberale Blatt schlägt vor, Präsibent Roosevelt solle sich mit be m beutschen Kanzler telephonisch in Verbinbung sehen.
„Daily Telegraph" sagt, bie Reberei von einer brohenden Kriegsgefahr infolge bet Ereignisse in Danzig unb Wien sei böswillig und fast verbrecherisch in einem Augenblick, wo ein jeder ruhig bleiben unb bie Lage kühl beurteilen müsse. Bon her Erklärung Hitlers würde das Schicksal der Abrüstungskonferenz abhängen. Die Staatskunst müsse erkennen, daß die beste Hoffnung Europas der Viermächtepakt sei, denn der Friede Europas hänge letzten Endes von dem Gleichgewicht der Macht zwischen Frankreich und Deutschland mit England und Italien als Garanten des Locarnovertrages ab. Trotz dieser beruhigenden Worte bringt „Daily Telegraph" den Bericht eines militärischen Mitarbeiters, der behauptet, daß das deutsche Heer sowohl hinsichtlich der Organisation wie
der Waffenausrüstung nicht mehr auf dem Boden von Versailles stehe.
„Daily Mail" erinnert daran, daß Deutschland in den letzten Monaten eine wundervolle Revolution durchgemacht habe unb baß eine neue Gesellschaftsordnung in Deutschlanb geschaffen worden sei, wobei besonders auf die Unterdrückung der kommunistischen Pest hingewiesen wird. Die englischen Sozialisten, die sich so wild gegen baS neue Deutschlanb gebärbeten, seien lediglich Clowns. ilcberall herrschten schreckliche Mißverständnisse. Man dürfe nicht Deutschland allein die Schuld zusprechen. Es sei von Feinden umgeben, die Deutschland sogar seiner Selbstverteidigungsrnittel berauben wollten. Deutschland sei mit ganzem Herzen hinter Hitler, weil er bie Verkörperung von Deutschlands Willen sei. bas. was er für eine internationale Verschwörung gegen Deutschlanb halte, zu brechen. Tatsache sei, baß Deutschlanb trotz aller Gerüchte weit entfernt bavon sei, f ü r ben Krieg bereit zu sein. Der Artikel sor- bert bann eine tatkräftige Revision bee Friebensverträge, was Voraussetzung für eine Rückkehr Europas zur Gesunbheit sei. Ie länger bie Revision aufgeschoben werbe, um so schwieriger werbe sie sein. Die Großmächte müßten im allgemeinen Interesse bereit sein, bie Ungerechtigkeiten wieher gut zu machen.
Die Anrechnung der vormilitärischen Ausbildung.
Aus dem Effektiv-Ausschuß.
Genf, 15. Mai. (TU.) Irn Essektivausschuh ber Abrüstungskonferenz machte her englische Vertreter heute einen neuen Vorschlag für bie Anrechnung ber vormilitärischen Ausbilbung bei ber Festsetzung ber Effektiv- Heeresstärken ber einzelnen Gänber. Rach bem englischen Antrag, ber als ein Kompromißvorschlag für bie großen in ber letzten Zeit aufgetretenen Schwierigkeiten bei her Behanblung ber Wehr- verbänbe gebacht ist, soll auf Grunb einer bestimmten Formel eine vormilitärische Ausbilbung von zwei Jahrgängen erlaubt sein. Die Zahl her für bie erlaubte vormilitärische Ausbilbung zugelassenen Personen soll in ein bestimmtes Verhältnis zur Effektivstärke bes betreffenbenßan- bes gesetzt werben, ähnlich, wie ber Effektivausschuß militärisch organisierte Polizei im Verhältnis zu ben nationalen Armeen zugelassen hat. Von beutscher Seite ist zu biefem Vorschlag bisher noch nicht Stellung genommen worben.
Der beutsche Vertreter, General Schön- Heinz, nahm sobann grunbsählich zu ber Entschließung bes Ausschusses übet den militärischen Charakter ber beutschen Wehrverbänbe Stellung. General Schönheinz betonte, bah eine enbgültige Entscheibung nur fallen könne, wenn festgestellt wäre:
1. ob eine Ausbilbung militärischen Charakters überhaupt vorliege,
2. wieviel Personen mit welcher Ja» gesstunbenzahl biese militärische Ausbilbung genießen.
General Schönheinz wies barauf hin, baß bei ber Prüfung ber beutschen Wehrverbänbe nicht biefer einzig mögliche Weg einer objektiven Feststellung beschritten worden sei. Der Ausschuß habe vielmehr im allgemeinen bie gesamten beutschen Wehrverbänbe unb bie sportliche Ausbilbung zus ammengef aß t unb ben militärischen Charakter her deutschen Wehrverbänbe ohne jegliche sachliche Prüfung fest- gestellt.
Der Vertreter Frankreichs, Oberst Lucien, protestierte gegen diese deutsche Erklärung, obwohl sie bei der praktischen Anwendung allein dem Efsektivausschuh die Möglichkeit geben würde, zu fachlichen, von jeder Politik unabhängigen Entscheidungen zu gelangen. Bei ber Prüfung her vormilitärischen Ausbilbung Frankreichs würbe ein italienischer Antrag vom Ausschuß abgelehnt, nach bem für Frankreich eine Tagesburchschniitsstärke von 13 500 Mann festgestellt werben soll, währenb die französische Regierung für die vormilitärische Ausbildung lediglich eine Tagesdurchschnittsstärke von 1 400 Mann angibt. Gegen die Ablehnung des italienischen Antrages meldeten die Vertreter Deutschlands und Italiens Protest an.
Oanzig-Hetze
im englischen Unterhaus.
Die Regierung lehnt Einmischung ab.
London, 15. Mai. (WTB.) Staatssekretär Sir John Simon wurde im Unterhaus gefragt, ob die britische Regierung angesichts ber ernsten Lage, bie nach bem 28. Mai in Danzig entstehen könnte, bie Gntfenbung eines gemisch- tenVölkerbunbsgerichtshoses erwägen wolle. Sir John Simon lehnte bie Beantwortung biefer Frage ab. Der Arbeiterabgeordnete Web- g e to o o b fragte, ob Simon bie Cntsenbu n g eines englischen Kriegsschiffes nach Danzig (Gelächter unb Zwischenrufe: „Kriegshetzer!") unb bie Annahme eines Mandats über Danzig durch England erwägen wolle. Simon erwiderte, daß unter der Danziger Verfassung ein Mandat nicht in Frage komme. Wie er höre, sei ein Höflichkeitsbesuch eines englischen Kriegsschiffes im Juni vorgesehen. Der Besuch liege jedoch im Rahmen ber normalen Sommerübungsfahrlen (Gelächter). Er sehe keine Ursache dafür, j e h t ein englisches Kriegsschiff nach Danzig zu schickem Auf eine
her so sparsam angewendet werden müssen wie gewisse Ausdrücke des Religiösen. Rur in Hochzeiten der Seele erschließt sich das Gefühl für bie Symbole des Christenglaubens, unb so sollte es auch sein mit ben Symbolen bes Glaubens an bie Kraft unb bie Zukunft ber beutschen Ration. Wer aus Gewinngier bamit ein Geschäft machen will, ber Derbient, hort bestraft zu werben, wo er eine Mihart von Gefühl hat, nämlich am Gelbbeutel, und es ist durchaus angebracht, wenn solche Greuel konfisziert unb vernichtet werben. Aber auch bie Lieber ber nationalen Bewegung sinh zu schützen. Wer in Trunkenheit, am Stammtisch bie Hymnen brüllt ober gröhlt, ist ein erbärmlicher Beweis bafür, bah ihm bas Bekenntnis zum Vaterlanbe nur auf ber burch Alkohol gelösten ober schwergemachten Zunge liegt. Rochmals: Würbe unb Ehrfurcht vor Deutschlanbs Fahnen unb Deutschlands Dater- landsgcsängen, lächelnde, aber unerbittliche Verachtung denen, die ihren Geist und Sinn noch nicht ersght haben unb beshalb nachbrücklichst von ihrem Ungeschmack ober ihrer Torheit abgebracht werben müssen.
•
Der preußische Ministerpräsident Göring unb bie kommunalen Spitzen in Berlin haben klar unb beutlich sich gegen eine Psychose gewandt, die in allen Betrieben und Behörden, abgesehen von der notwendigen Reinigungsaktion, zu Ueberspitztheiten führte. Wenn in einem Roman unb Theaterstück der Held übermäßig glorifiziert unb dessen Gegner als Bösewicht schlechthin gezeichnet wird, empfinden wir das als eine Primitivität, die dem realen Leben nicht entspricht. Die Korruptionsschnüffler, Denunzianten, zumeist aus den Kreisen derer
stammend, die als Märzlinge erst ihre nationalen Tugenden und reinigenden Tapferkeiten entdeckten, pflegen mit einer verdickten Monomanie in jedem, her nicht zu ihrer neuentdeckten Parteifahne sich bekennt, auch wenn er 14 Iahre lang durch Tat und Opfer den Marxismus bekämpfte, ber Bösewicht schlechthin zu erblicken und so hat das übelste Denunziantentum derartig um sich gegriffen, daß die Rüge der nationalsozialistischen Führer durchaus berechtigt erscheint. Die Brandherde ber Korruption finb zu vernichten, aber bie Gesinnungsschnüfsler unb Korruptionsriecher müssen so behandelt werden, wie aus einem natürlichen Rechtsempfinden einst das Volk die Kafseeriecher behandelte, die mit emporgehobenen Rasen durch die Gassen gingen und schnüffelten, ob irgendwo etwas vielleicht später zu Verbietendes sich bemerkbar machte.
Eröffnung der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes.
Berlin, 15. Mai. (TU.) 3m ehemaligen Lehrerseminar in Spandau erfolgte am Montag die feierliche Eröffnung der Reichsführer schule des Arbeitsdienstes. Auf dem Hof der Schule wurden um 8 Uhr die Gäste durch Reichsarbeitsminister Seihte begrüßt. Es hatten sich die Spitzen der Reichs- und Staatsbehörden zu der Feier eingefunden. Während eine Kapelle des Arbeitsdienstes das Deutschland- unb das Horst-Wesfel-Lied spielte, erfolgte im Hose die Hissung der schwarzweißroten und der Hakenkreuzflagge. Dann begaben sich die Gäste in die festlich geschmückte Aula der Schule, in der sich auch die Teilnehmer des ersten Zührerkursus eingesunden hatten. Slaatssekretär für den Arbeits
dienst Oberst a. D. H i e r 1 hob hervor, daß die Führer zu diesem Lehrgang berufen seien, um für die Ausgaben oorgebilbet zu werden, die sie als Leiter und Lehrer der Führerkurse in den einzelnen Bezirken zu erfüllen hätten.
Die Notwendigkeit, den Ausbau des staatlichen Arbeitsdienstes bis Iahresschluß zu vollenden, zwinge dazu, die Zeitdauer aller Führerkurse in diesem Iahr sehr zu beschränken. Der Arbeitsdienstgedanke sei vielleicht der bezeichnendste Ausdruck eines neuen politischen und gesellschaftlichen Denkens, das im Weltkriege geboren und in der deutschen Revolution von 1933 unter dem Zeichen des Hakenkreuzes zum siegreichen Durchbruch gekommen sei.
Die Anforderungen an das berufliche Können des Führers seien vielseitig. Zu den Aufgaben der Technischen Arbeitsleistung und der Verwaltung kämen die körperliche Ertüchtigung und die staatspvlitische Erziehung. Man wolle den Typ des Arbeitsdienstführers heranbilden.
Oie Hülste des Jahrgangs 1915 wird zuerst einberufen.
Berlin, 15. Mai. (TU.) *2BL Parla- mentsdienst her „TU." erfährt, steh^^^ 'c baß am 1. 3 a n u a r 1 9 3 4 bie ber ersten Arbeitsbienst^^^M erfolgen wirb. Es wirb ber I a h-^k tzR aufgerufen toerben, also ®
ner, bie im Iahre 1934 baä J9 1L J enden Zunächst soll die H ä I ganges zur Arbeitsbienstpfli^^^^ werben. Die näheren Ausführ'.
sind in Vorbereitung.


