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Aus der provinzi'alhauptfladt.
Was der Städter wissen muh!
Don Siudienprofessor Heinz Reuther.
Was weiß der Städter über die Erz^lgungskoften von x. B. einem Zentner Roggen? Mensc^n, die gewohnt sind, auch In landwirtschaftlichen Dingen nach induslriellen Gesichtspunkten zu urteilen, vergleichen oft den zur Saat benutzten Zentner mit dem Mehrfachen des Ernteergebnisses. Alles was da- zwischen liegt an Arbeit und Treue, Hoffnung und Sorge das Jahr entlang, das bleibt ihm größtenteils unbewußt, weil man wohl die Erfolge, aber nicht die Lasten kennt.
Die Ausgaben für ein Hektar Rogaen betragen:
Pacht, bxw. Verzinsung des im Boden
steckenden Kapitals 90 RM.
Stalldüngermitfel, entspricht dem Wert
des erzeugten Strohes
Handelsdüngemittel
Gespannarbeit
Handarbeit
Druschkosten
Saatgut
Allgemeine Unkosten (Steuern, Feld-
Hut usw.)
90
48
60
54
45
39
Erzeugungskosten für 1 Hektar 426 RM.
Bei einem Ernteergebnis von 45 Zentnern je 1 Hektar beträgt der Selbstkostenpreis also 426 RM. und die Selbstunkosten für den Zentner somit den ^nfundoierzigsten Teil von 426 RM., sind 9,24 RM. Werden dem Landwirt nun unter Berufung auf den Weltmarktpreis oder unter Geltendmachung von Mängelrügen nur 8,25 RM. je Zentner bezahlt, dann bedeutet das für ihn einen Verlust von 44,55 RM. pro Hektar. Damit geht der größte Teil der in die obige Berechnung eingesetzten Arbcits- kosten verloren. Die Arbeit war fast umsonst geleistet und alle von vornherein an den Erfolg geknüpften Anschaffungsmöglichkeiten werden hinfällig.
Für einen Bezirk mit 2480 Hektar Roagenanbau- fläche läßt sich hieraus ein Verlust von 100 480 RM. berechnen. Das sind bei 48 RM. Dünaemittelkosten für 1 Hektar die Düngekosten von 2093,44 Hektar. Wenn 48 RM. einer Volldüngung von 3 Zentner schwefelsaurem Ammoniak, 3 Zentner 40er Kalisalz und 3 Zentner 18 v. H. Superphosphat entsprechen, dann können 2093,44 Hektar mal 9 Zentner oder aufgerundet 94 Waggon Düngemittel (je 200 Zentner) nicht bezogen werden. Handelt es sich um 42 Gemeinden, bann können in jeder 2% Waggon Düngemittel nicht zur Anwendung kommen. Wenn der Düngemittelverbrauch trotzdem nicht wesentlich zurückgegangen ist, dann beweist das, daß der Landwirt der von ihm betreuten Erde dient und daß er hinter den Bedürfnissen seiner Scholle zurücktritt. Sie ist sein Herr unb e r nicht der ihrige.
Den vorstehend berechneten Unkosten von 426 RM. für 1 Hektar darf nicht der Charakter einer Lehrmeinung beigemessen werden. Nachbarliche Be« triebe können schon andere Ergebnisse haben. Klima, Bodenbearbeitung, Düngung, Lage des Betriebes, wirtschaftliche Verhältnisse bedingen diese Aende« rungen. Es soll nur erklärt werden, wie viel ein Zentner Roggen kostet unb wie sich niebriger Preis unb geringe Erträge auswirken. Wer in biefer Berechnung bie Beträge für Düngemittel unb Saatgut kürzen würbe, verstieße gegen Das oberste Gesetz bes Pflanzenbaus. Das Gesetz lautet: Die fleißigste unb wiberstanbsfähigste Pflanze gewährleistet nur bei sorgsamster Bobenbearbeitung, Düngung unb Pflege ben Erfolg. Was wollen aber bie obigen nüchternen Zohlen noch außerbem besagen? Sie wollen: ein duftumflossen blühend Roggenfeld, daraus der Erde Segensströme quellen, zum Nutzen einer Großstadt' weit ihr auf den starren Marktplatz stellen, damit fein Segen kann in alle Seelen rinnen, bah sie sich auf ben Tag unb auf ihr Brot, auf Gott unb Heimatscholle unb auf sich selbst besinnen.
Oer 18. März in Heften schulfrei.
Der Hessische Minister für Kultus- und Bildungswesen teilt mit:
„3n einem mehr als zehn Jahre langen Kampf haben wir Nationalsozialisten gegen den internationalen, Volk und Vaterland zerstörenden, Glauben, Tugend und Charakter verderbenden Irrsinn gekämpft, haben ihm die Macht im Staat entrissen und haben nun selbst nach einem ihn niederschmetternden Sieg die Führung im Reich und am 13. März auch im Hessenlanoe in die Hand genommen. Es ist unsere Aufgabe, den Sieg des deutschen Gedankens unserem Volte eindringlichst zum Bewußtsein zu bringen und
zu seiner Erhaltung auS unserer Jugend ein selbstbewußtes, stolzes, kraftvolles und gläubiges Geschlecht zu formen.
,3ch ordne daher an: Am Samstag, 18. März, fällt der Anterricht an sämtlichen Schulen aus. Es werden gruppenweise Feiern abgehalten, bei denen durch die Leiter auf oie historische Bedeutung des 13. März hingewiesen wird. Der Gegensatz zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen wird dabei hervorgehoben und der aufbauende, staatSpolilische, sittliche Wert des nationalen unb sozialistischen Gedankens in den Vordergrund gestellt. Die Feier muh e i n Bekenntnis zu Deutschland we d n. Das Deutschlandlied, Horst-Wessel-Lied, Schülervorträge usw. dienen der Belebung, und die Fahnen des Zweiten und Dritten Reiches treten in Erscheinung. Lehrer und Schüler können, soweit sie dazu berechtigt sind, das braune Ehrenkleid an« legen. Der Raum oder das Gelände der Feier ist so zu wählen, daß weite Kreise der Bevölkerung daran teilnehmen können."
Taten für Tonnersiai, 16. März.
1930: der spanische General und Ministerpräsident Primo de Rivera in Paris gestorben. 1925: der Mediziner August Wassermann in Berlin gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Alice-Schule, Turmhaus am Brandplatz, 10 bis 13 Ahr, Ausstellung von Schülerinnenarbeiten der Kurse und Fachschule.
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 20 bis 22 Uhr als 23. Vorstellung im Freitag-Abonnement Br. Franks Komödie „Nina" (Spielleitung: Karl Hehler). Gewöhnliche Preise. — Samstag, 18. März, und Sonntag, 19. März, die beiden vorletzten Vorstellungen der Operetten-Revue „3m weißen Röhl". Beide Vorstellungen zu kleinen Operetten-Preis.n. Dcrzugsgutscheine hab n Gültigkeit; Samstag auch Schülerkarten. Die für Samstag bzw. für Sonntag vorbestellten Karten müssen bis Freitag- bzw. Samstagmittag 13 ilfyr abgeholt werden, da der regen Rachsrage wegen über nicht abgeholte vorbestellte Karten anderweitig verfügt werden mutz. Spieldauer der Vorstellungen am Samstag von 20 bis 23 Ahr, am Sonntag von 18.30 bis 21.30 Ahr.
— Vortrag im Oberhessischen Ge - schichtsperein. Auf den heutigen Vortrag im Oberhessischen Geschichtsverein von Prof. Dr. Ebel über „Gründung und Verfassung der Stadt Gießen" mit Lichtbildern aus dem alten Gießen sei noch einmal hingewiesen. Der Vortrag beginnt pünktlich um 20.15 Ahr im Kunstwissenschaftlichen Institut.
•* Dienstiubilaum bei der Reichsbahn. Reichsbahnzugschaffner Heinrich Weller beim Bahnhof Gießen, wohnhaft in Wieseck, Gießener Straße 44, konnte am Dienstaa auf eine fünf- unbzwanzigjahrige Dienstzeit bei Der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß würbe bem Jubilar von bem Leiter bes Bahnhofs Gießen, Reichsbahn- amtmann Dörr, unter warmen Worten der Anerkennung ein Glückwunschschreiben ber Reichsbahnverwaltung ausgehändigt. Bon feinen Mitarbeitern wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil.
• ** Sonntagsrückfahrkarten zur Kölner Frühjahrsmesse. Vom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: An die Besucher der diesjährigen Kölner Frühjahrsmessen werden vom 18. bis 22. März gegen Vorzeigung eines von der Messe- unb Ausstellungs-Ges. m. b. H. Köln auf ben 'Hamen bes einzelnen Messe-Besuchers ausgestellten Besucherausweises, sowie gegen Vorzeigung von messeamtlichcn Ausweiskarten unb Einkäuferausweisen von allen höchstens ?50 Kilometer von Köln entfernten Bahnhöfen — also auch von Gießen unb umliegenden Bahnhöfen — Sonntagsrückfahrkarten nach Köln ausgegeben. Die Geltungsdauer ber Sonntagsrückfahrkarten wirb wie folgt festgesetzt: a) Die am 18. März (Samstag) unb am 19. März (Sonntag) gelosten Sonntagsrückfahrkarten gelten zur H i n fahrt jeweils von 0 Uhr an bis zum 19. März 24 Uhr (Beenbigung ber H i n fahrt) unb zurRück - fahrt bis zum 20. März 24 Uhr (Beenbigung ber Rück fahrt) ; b) bie am 20., 21. unb 22. März gelösten Sonntags-Rückfahrkarten gelten bis zum 22. März 24 Uhr durchgehend zur Hin - unb Rückfahrt. Am 22. 3. 24 Uhr muß bie Rückfahrt beendet fein.
An die Abiturienten des Jahres 1933.
Von der Gießener Studentenschaft werden wir um Aufnahme folgender Zeilen gebeten:
„In diesen historischen Tagen ruft nicht allein eine starke Regierung, sondern durch sie und mit ihr das ganze deutsche Volk zur Mitarbeit am Wiederaufbau seiner zerrütteten Wirtschaft und an der Erneuerung seiner verwüsteten Lebensgrundlagen auf. Niemand empfindet das Kommen einer gewaltigen neuen Zeit so tief und frohbewußt wie die Iugend aller Klassen und Stände, die die Autorität der Staatsführung nur aus geschichtlichen Quellen kennt, die aber gläubig weiß, daß alles, was sie nun an Arbeit für unser Volk erfahren wird, Dienst an ihrer eigenen Zukunft ist.
Wie einst in den Tagen der Freiheitskriege erhebt sich das Volk selbst aus dem Sumps einer widernatürlichen Lethargie und schließt die Reihen über Stände und Klassen hinweg zum letzten Kampf gegen seine Zerstörer und zu neuer, opferwilliger Arbeit für das kommende Reich. Der jungen Generation unserer Zeit ist es vergönnt, gegenwartsnah zu erleben, wie unter dem Druck ungeheuerster Not ein gequältes Volk zur selbstbewußten Nation wird, sie darf es im eigenen Herzen spüren, daß sich immer und überall das Lcbensrecht eines Volles über Dogmen und Theorien hinweg den Weg zum Licht sucht.
Die Not furchtbarer Jahre hat bie Jugend unseres Volkes früh reif unb wissend gemacht. Mit klaren Augen steht sie in bem großen Geschehen der^ Zeit unb sucht sich ein Ziel für ben Einsatz ihrer Schaffenskraft, wie sie vorher ein Ziel ihrer Begeiste- rungssähiqteit im Kampf für bie Nationwerbung des deutschen Volkes fand. Deutsche Jungmannschaft, bie du gerade jetzt die höheren Schulen verläßt, bedenke wohl, wenn du ins Leben trittst, was dich für Verpflichtungen und Aufgaben erwarten, bie nie zuvor einer Jugend gestellt wurden.
Du bist national unb bu sagst es oft unb stolz. Weißt bu, was bas bebeutet? Hast du einmal darüber nachgedacht, daß du kein Recht hast, fwlz auf
dein nationales Fühlen zu fein, als ob es dein Verdienst wäre; oder glaubst du, es fei dein Verdienst, daß du deine Mutter liebst? Es ist ein heiliges Recht, das dir gestattet, dein Bolt zu lieben wie deine Mutter. Wenn bu die Verpflichtungen, die aus dieser Liebe für dich erwachsen, erkennst und erfüllst, erst bann darfst bu stolz bekennen: ich bin ein Deutscher unb fühle national.
Iedes Recht verpflichtet. Das ist die Losung für die kommende Aufbauarbeit. Dein Volk, junger De' tkcher, erwartet dein Detenntnis durch die Tat. Angcheuer werden die Anforderungen an die Ovi^oereitschaft aller Kreise sein, die die Zukunft stellt und stellen muß, um den gegenwärtigen Tiefstand zu überwinden. Neue Wege und neue Ziele verlangen gebieterisch nach neuem Mut und nach neuen Formen des Einsatzes aller Kräfte. Stellt euch vor, ein Kreuzzug der Arbeit riefe euch zu einem gigantischen Kampf für Deutschlands Zukunft auf! Wollt ihr da hinten bleiben oder wollt ihr nicht vielmehr alten Traditionen treu als Freiwillige an der Spitze marschieren, längst ehe die äußere Form einer Dienstpflicht eure Teilnahme verlangt?
Diese Dienstpflicht wird kommen! Soll sie euch beschämen, wenn sie euch auS dem Studium und aus dem Berus zur Erfüllung eurer Aufgaben gegenüber Volk und Vaterland herausruft? Ihr alle habt beim Abgang von der Schule das Merkblatt für das Werkhalbjahr der deutschen Iugend erhalten. Legt es nicht leichtsinnig aus der Hand, es ist ein Stück eurer unb eures Volkes Zukunft. Deutschland ruft feine Söhne!
Folgt diesem Rufi Meldet euch zum Werkhalbjahr bei den zuständigen akademischen Bün- den für Arbeitsdienst oder den Arbeitsämtern."
3m Bereich der Provinz Oberhessen beim Bund für Arbeitsdienst an der Aniversität Gießen, Zimmer 6, Sprechstunden Montags, Mittwochs und Freitags von 12 bis 1 Ahr, sowie beim Arbeitsamt Gießen, Bahnhofstraße.
Sinnierter Raubüberfall.
WEN. Frankfurt a. M., 15. März. Am Damstagnachmittag wurde einem Lehrling In der Hedderichstraße, der auf einem Rad zum Postamt fuhr, ein Deutel mit 550 Mark Bargeld entwendet. Wie die Kriminalpolizei inzwischen festgestellt hat, ist auch dieser angebliche Raubüberfall, wie so viele andere. fingiert Bereits am Tage vor der „Tat" hat sich der Lehrling mit zwei Freunden verabredet, wie sie möglichst unbemerkt den Raubüberfall ausführen konnten. Sie fuhren auf Rädern nach dem Postamt 10 und probierten aus. ob die Sache auch klappt. Am nächsten Tage, zu der verabredeten Zeit, folgten dem Lehrling feine Freunde auf Rädern, überholten ihn und nahmen ihm ben Geldbeutel, als wenn es ein Staffettenstab wäre, ab und fuhren davon. Die Deute teilten sie sich bann im Stadtwald. Der Anstifter zu dieser Tat, d. h. der angeblich Bestohlene, hat bis jetzt von seinen Komplicen noch keinen Pfennig erhalten. Am Abend ber Tat besuchten bie beiden Räuber mehrere Weinlokale unb setzten so einen Teil beS geraubten Geldes um. (Inzwischen sind sie jeboch ermittelt worben; ein Teil deS Gelbes konnte toieber herbeigeschafft werden. Die Täter sind junge Durschen im Alter von 18 unb 19 3ähren.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Scbriftleitung.)
ft. B., Gießen. „Spitz bie Schar" ruft bie Kohlmeise, nicht aber — wie irrtümlich angenommen wirb — bie weiße Bachstelze.
Buntes Allerlei.
Das Jubiläum des Regenschirms.
Die Regenschikmfabrikanten behauptet!, bah ber Regenschirm jetzt gerade zweitausend 3ahre alt sei unb baher ein 3ubiläum zu begehen habe. Die Erfindung des Regenschirms soll auf eine chinesische Frau zurückgehen, die sich angeblich im Wettstreit mit ihrem Manne befand, wer das nützlichere Hausgerät Herstellen könne. Der Mann konstruierte einen Schlüssel — es wird wohl ber Hausschlüssel gewesen fein —. bie Frau dagegen schuf ein kleines tragbares Dach, das dem Spaziergänger bei Regen Schuh gewährte. Römer unb
Römerinnen trugen bann später bereits Sonnenschirme. bie aus Seide hergestellt waren. Das Hauptland des Regenschirms ist heute das feucht» England, wo seiner Ausgestaltung besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die mittelalterlichen Regenschirme hatten riesige Ausmaße, gewölbte und zugespitzte Formen und oft kostbar ziselierte oder mit Edelsteinen ausgelegte Griffe. Das Dri- tische Museum bewahrt Den Regenschirm Oliver Cromwells auf; der immer verdrießliche und verschnupfte Staatsmann trug stets einen großen, graubraunen Schirm mit massivem Holzgriff. De- sonderS vornehme Leute ließen sich von ihren Dienstboten ,beschirmen". Die spätere Zeit hat diese Bedientenrolle dem Manne zugewiesen, der durchaus seine "Begleiterin mit dem Schirm schützen soll, obgleich er selbst dabei vom Regen unter die Traufe des Schirms kommt unb so bie Sturzbäche bes Himmels gesammelt vom Regendach über sich ergehen lassen muß.
Ein König, der jedes Jahr gekrönt wird.
Der König von Toro, ein Herrscher befl AgaNda-Gebietes, zu dem das berühmte Mond- Gebirge gehört, wird immer wieder gekrönt, obgleich er schon seit vielen Iahren auf dem Thron sitzt, denn der alte Drauch schreibt vor, daß die Zeremonie jedes Iahr am Tage seiner Thronbesteigung wiederholt wird. Dieser Tage hat das Fest wieder stattgefunden, und alle Europäer, die in seinem Reich wohnen, sowie Vertreter fast jedes ostafrikanifchen Stammes waren dazu cingelabcn. Die Zeremonie begann mit einem Gottesdienst, der von einem anglikanischen Dischof unter Anwesenheit vieler Tausender Untertanen des Herrschers unter freiem Himmel in ber in bem Lande gesprochenen Lunjoro-Sprache abgehalten wurde. Danach erschien der König in feierlichem Auszug in dem großen Rats-Saal, in dem er Versammlungen abzuhalten pflegt, und hielt eine Ansprache, worauf er nach seinem Palast, einer Anzahl von Gras gedeckten Hütten, zurückkehrie. Hier wurde er von seinem ersten Minister gekrönt, und mit dem Krönungsornat geschmückt. Dann sand eine große Prozession rund um den Palast statt, wobei der Herrscher voranschritt, geschützt durch einen riesigen Regenschirm, das Zeichen seiner Würde, das von einigen hohen Beamten getragen wurde; seine Minister und Anterhäuptlinge schlossen sich in langem Zuge an. Das Ende des Festes hatte einen modernen Anstrich, denn es bestand in einem Fußball-Wettkampf zwischen eingeborenen Spielgruppen, bie um ben vom Herrscher gestifteten Krönungspreis rangen.
„piiddmgMpn" unb „Schtagerkompomst".
Lustige Geschichten von der alten Marine.
Die Belohnung.
Diese Anekbote stammt von einem Matrosen bes Vermessungsschiffes „Möwe", der sie wie folgt erzählte: Wir hatten bie „Möwe" von ber ©übfee zur Außerdienst,'tcllung nach Tsingtau gebracht. 3m Hafen lag bas Flaggschiff des Kreuzergeschwaders, Panzerkreuzer F. 3ch wurde an Bord geschickt, um im Geschwaderbureau einen wichtigen Brief abzugeben. Als ich das Backbord-Fallreep hoch kam, sah ich auf dem Achterdeck ein abgebranntes Streichholz liegen. An- willkürlich hob ich es auf unb warf es über Borb. Da rief ein Korvettenkapitän, ber auf bem Achterbeck auf unb ab ging: „Der Mann von bet „Möwe", mal Herkommen!" 3ch baute mich erwartungsvoll vor ihm auf, er tippte an bie Mühe, zog einen (leinen Notizblock auS ber 3ackettasche und kritzelte etwas aufS Papier. Dann riß er das Blatt ab unb gab es mir.
1 Pubding.
v. K.
ftanb darauf.
3m Geschwaderbureau belehrte man mich, daß ich durch den Zettel des Ersten Offiziers Anrecht auf einen Pudding erhalten habe; ich möge nur in die Kombüse gehen. 3n der Kombüse waltete außer einigen Antersmutjes ein riesiger BootSmannsmaat seines Amtes, der mich anbrüllte: „Was wollen Sie?" 3ch hielt ihm ben Zettel hin unb bat um einen Pudding. Er sah auf mein Mützenband unb schrie. „3n der ©übfee habt ihr nischt mehr zu fressen gehabt unb nun kommt ihr her unb wollt unsere Pubbings auffuttern!“ Auf einem Borb ftanb eine ganze Reche leckerer Pubdings aufmarschiert. Er nahm einen davon, klatschte ihn in einen blechernen Chkumm hinein unb gab ihn mir nebst einem Löffel. 3n einem Winkel in ber Nähe ber Kombüse verzehrte ich ben sehr wohlschmeckenben Pubbing mit großem Appetit Ich war noch nicht fertig damit, als der Küchengewaltige aus ber Kombüsentür sah unb schrie: „Hier, der verhungerte „Möwe"-Kuli!" Ich kam unb er klatschte mir noch einen Pubbing hinein. „Damit ihr auf ber „Möwe" nicht sagt, wir hätten nischt zu fressen hier!" erllärte er rauh.
Nach ber Heimreise wurde ich auf bas Linienschiff D. kommandiert Nach einiger Zeit kam auch v. K. an Bord als Kommandant. Er führte auch hier die Puddingprämie ein. Ieder bekam einen Pudding, von bem er sah, daß er sich um Sauberkeit unb Orbnung verdient machte. In der ganzen Flotte war er bald bekannt als „Puddingskäppn". Leider machten einige sogenannte „Päckchen" unter der Besatzung sich die Pudding-Erziehungsmethode zunutze, indem sie unbemerkt Streichhölzer. Twistflocken, Zigaretten- ftummel usw. an Deck warfen, die sie dann, wenn v. K- in Sicht war, mit scheinheiligem Eifer auf- sammelten
Der „Lchlagerkomponist".
Kapitän zur See v. K. war überhaupt bekannt durch seine Iovialität und durch die Kunst, mit ber er bie Besatzung seines Schiffes gewissermaßen spielend dazu brachte, im Kohlen, Sport, Schießen usw. fast immer bie beste des Ge» schwaderszu sein. Zum Kohlen zum Beispiel, bas bie Mannschaft dadurch, wie sie sich dazu anzieht, ja sowieso zu einer Maskerade macht, pflegte v. K. vor Beginn eine spaßhafte Ansprache zu halten, eine Art karnevalistischer Büttenrede, die aber fast nie ihre Wirkung verfehlte, da sie seine Leute derart anspornte, daß in ber Fixigkeit der Kohlenübernahme sehr oft eine Spitzenleistung erzielt wurde. Der Speach begann stets mit der Anrede: „Seeleute unb Soldaten!" unb endete regelmäßig mit der schließlich durch Tradition geheiligten Aufforderung: „Die ganze Flotte, fa, mehr noch, die gesamte K- W. (Kaiserliche Marine) muh mal wieder von unS sprechen! Wir müssen mal wieder einen Schlager mannen!
Auf in ben Kamps!" v. K. führte deshalb den Spitznamen „Der ©chlagerkomponist".
Gütig und grob.
Bekannt in der ganzen Flotte war v. K. auch durch- die geradezu väterliche Milde gegenüber der Besatzung. Er hatte es im allgemeinen auch gar nicht nötig, streng zu fein. Nur gegen Leute, Die nicht zu seinem Schiff gehörten, konnte er bei besonderem Anlaß grob werden. Eines Montags ging v. K. morgens mit seinem Linienschiff in See. Das Schiff hatte gerade von ber Boje los- geworfen und die Schnauze seewärts gerichtet. Maschinen: halbe Fahrt. Da gewahrte v. K. an Steuerbord, noch ziemlich weit voraus, ein Dingi (kleines Doot) mit einem uniformierten ©ec- mann, offenbar einem Heizer darin, ber aus Leibeskräften pullte unb direkt auf bas Linienschiff zuhiclt. In ber Annahme, es sei ein Mann feiner Besatzung, ließ v. K. die Maschinen stoppen, legte beide Hände an den Mund unb ries: ..Heizer! Heizer! Wollen Sie noch mit? Dann machen Sie schnell!" Der Heizer horte nicht. Nun lieh v. K. sich ein Sprachrohr geben unb brüllend zwar, doch nicht ohne väterliches Besorgtsein, erkundigte er sich abermals: „Heizer! Heizer! Wollen Sie noch mit? Dann machen Sie schnell'" Da rief der Heizer, ziemlich „pampig", zurück: „Ich gehöre gar nicht an Bord!" Ietzt aber hauchte ihn v. K. mit Donnerstimme an: „Sie verdammter Kerl! Dann scheren Sie mir nicht vor den Bug und verderben Sie mir das Ma- notier nicht, Sie Hampelmann!"
Die Diktiermaschine.
Eine geschäftstüchtige Berliner Firma versuchte im Jahre 1913 ihre Diktiermaschine auch auf der Flotte einzuführen. Denn auf der Flotte wurde, notgedrungen, wahnsinnig viel geschrieben. Admiralstabsoffiziere und Flaggleutnants, Geschwader- und Flottensekretäre unb sogar einige Kommanbanten. darunter Kapitän zur See v. K., versammelten sich eines Tages auf dem Flottenflagg'chiff, und der Vertreter der Firma führte ihnen den Apparat vor. Man sprach das Diktat in einen Trichter hinein, es wurde- von einer Walze ausgenommen und diese Walze gab das Gesprochene bann mit Grammophonstimme zu jeber gewünschten Zeit beliebig oft und beliebig schnell wieder von sich. Die Maschine erregte allgemeine Bewunderung. Am Schluß der Vorführung erklärte der Vertreter der Firma sich bereit, auf etwaige Fragen noch Antwort zu geben. Da lieft sich Kapitän zur See v. K. vernehmen und fragte mit Anschulbsrniene: „3a. nun sagen Sie mir doch mal, wo kommen denn nun eigentlich die fertigen Briefe raus?"
Mann über Bord!
v. K. war Iunggeselle. Deshalb war sein Schiff auch nachts im Hafen nie sicher vor ihm. Einmal hatte er sich folgenden Trick ausgedacht: Er ruderte gegen Mitternacht in Zi'.ll in einem Zivilboot in bie Nähe feines Schiffs, antwortete auf bas „Boot ahoi!" mit „Passiert!", pullte daraus unbemerkt näher heran bis an b)p Bordwand unb schrie bann aus Leibeskräften „Mann über Borb! Mann über Bord!" Darauf'wartete er, dicht an die Bordwand gedrückt mit ber Ahr in ber Hanb. wie lange es dauerte, bis sein Schiff das Rettungsboot zu Wasser hatte. Beim erstenmal llappte es vorzüglich. Er konnte feft- ftellen, daft das Boot sehr fix zu Wasser kam und pullte befriedigt unb ungesehen an Land Jtitüd. Beim zweiten Versuch, einige Monate später, gewahrte ihn aber, ohne ihn zu erkennen, ber wachhabende Oflizier und schrie ihn an: -Wo ist denn der Mann?" „Hier dicht bei mir treibt er“, antwortete v. K. mit verstellter Stimme. „Na, dann ziehen Sie ihn doch raus, Sie Rindvieh!" brüllte ihm jetzt der Wachhabende zu. Woraus v. K. es vorzog, sich zu erkennen zu geben. Der Wachhabende bekam einen bannigen Schrecken. Aber v. K. nahm ihm seine Grobheit natürlich nicht übel.


