Ausgabe 
16.3.1933 Frühausgabe
 
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Oie Regierung an der Arbeit.

Deschlüffe -es Reichskabinetts

Aufhebung der Einftellungsprämie.

Berlin 15. März. (IlL Amtlich.) Das Reichs­kabinett erörterte In seiner Sitzung am Mittwoch die mit der Reichviagseroffnung zusammenhängenden Fragen, insbesondere auch die Einbringung und Durchführung des Ermächtigungs­gesetzes. Ferner nahm dos Reichskabinett einen Bericht über die kommunistischen Um­triebe zur Kenntnis. Es wurde vorgeschlagen, eine Ablieferungsfrist für die ge st oh- lenen Spreng st offe mit ganz brutalen Stra­fen festzufetzen und zwar mit Rücksicht darauf, dah von den nachweislich gestohlenen etwa 3000 Zent­nern Sprengstoffen bisher nur etwas über 200 Zent­ner cmfgc-- den worden find. Diese riesigen Spreng- stofsmeng. Hellen naturgemäß in der Hand von rrbcr.ch i n Elementen eine enorme Gefahr dar.

Das chs* nnett war im Anschluß an einen Bericht d Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung grundsäl, der Meinung, dah die E i n st e l - tungs Prämien vom 1. April d. 3. ab a b - geschafft werden sotten. Die Formalitäten wer­den noch in Linzelverhandlungen festgestellt werden. 3m übrigen wird sich ein Ausschuh des Reichskabl- netls schon in den nächsten Tagen mit den Vor­schlägen beschäftigen, die eine wesentliche Förde­rung det Arbeitsbeschaffung versprechen. Mit Rücksicht auf die Bildung des Reichsministeriums für volksaufklärung und Propaganda beschloß das Reichskabinett die Auflösung der Reichs­zenkrale für heimaldienst, für die setzt keine stoatspolltische Rotwendigkeit mehr besteht.

Rücktritt des Reichsbankpräsidenten Or. Luther?

Berlin, 16. März. (OB.) wie dieBossische Zeitung" meldet, erwartet man in wirtschaftlichen Kreisen, dah Reichsbankprasident Dr. Luther im Lause des heutigen Tages seinen Rücktritt erklären wird, und zwar auf Grund einer güt­lichen Einigung. Der Reichsbankpräsident hatte, wie bereits mitgeteilt worden war, gestern vormittag eine längere Aussprache mit dem Reichs­kanzler. Man nimmt an, dah Dr. Schachtzum Reichsbankpräsidenten ernannt wird.

Die Durchführung der Landhilfe.

Berlin, 15. März. (TLI.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung, Dr. Syrup, hat an die Arbeitsämter Anweisungen über die Durchfüh­rung der Landhilse gerichtet. Dr. Syrup weist darauf hin, dah die Landhilfe solchen Betrieben zugute kommen soll, die sich überwiegend auf die Mitarbeit von Familienangehöri­gen stützen. In den Richtlinien wird eingehend Las Verfahren, die Kostenregelung unb ihre Ver­rechnung geregelt. Auch die Verpflichtungen des Detriebsinhabers sowie des Helfers werden auf der Grundlage eines Arbeitsdertragsmusters fest­gelegt. Anträge von Arbeitslosen auf Zuweisung als Helfer zur Landhilfe sind danach bei dsm Arbeitsamt des Wohnortes zu stellen. Der Antrag des Betriebsin­habers auf Förderung aus der Landhilfe ist durch die Gemeindebehörde des Wohnorts an das zuständige Arbeitsamt zu richten. Die Vermittlung der Helfer ist eine Auf­gabe der landwirtschaftlichen Arbeits­vermittlung. Gegen den Willen des De­triebsinhabers kann kein Helfer zugewiesen wer­den. Aamentlichcn Anforderungen ist nach Möglichkeit zu entsprechen. Sobald der Hel­fer die Stelle angetreten hat, muh das Arbeits­amt sich den Arbeitsvertrag zur Anerkennung vorlegen lassen. Der Betriebsinhaber soll seine Forderung nach Ablauf des Monats beim Ar­

beitsamt geltend machen. Die Landhilfe tritt mit Wirkung vom 1. März 1933 in Kraft.

Reue Maßnahmen im Arbeitsdienst.

Berlin, 15. März. (WTB.- Der Reichskom- missar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Reichs- arbeitsrninister S e l d t e hat die wichtigsten vor­läufigen Regelungen für den organisatori­schen Ausbau des Arbeitsdienstes getroffen. Ohne späteren endgültigen Organisationsformen vorzugreifen, wird zunächst die Leitung des Ar> beitsdienstes zu einer vollständigen und in sich geschlossenen Verwaltung ausgebaut; dabei wird die äußere Verbindung zur Verwaltung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbells- lpsenversicherung aufrechterhalten, da diese für Finanzierung und Terwaltung des Arbeitsdienstes zunächst unentbehrlich ist. In den Bezirken der Landesarbeitsämter wird die Leitung vollständig und hauptamtlich in dieHände von neu- be st eilten Bezirkskommissaren gelegt. Innerhalb der Landesarbeitsämter werden jeweils die Bereiche mehrerer Arbeitsämter zu einem eigenen Arbeitsdienstomt zusam­men g e f a h t, das an das dafür jeweils best- geeignete Arbeitsamt angelehnt wird. Durch eine umfassende Landesplanung soll die Aus­wahl der Arbeiten unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit, der Landeskultur, Siedlung und Raumpolitik sinnvoll gestaltet werden. Die geschulten Führer st ämme der Ver­bände sollen für den Aufbau der späteren Ar­beitsdienstpflicht sichergestellt werden.

Ore württembergische Regierung gebildet.

Stuttgart, 15. März. Im württembergi- schen Landtag fand die Wahl des Staatspräsiden­ten und des Landtagspräsidenten statt. Der na­tionalsozialistische Abgeordnete Murr erhielt 36 Stimmen, der sozialdemokratische Abg. Keil 12 und der sozialdemokratische Abg. Pflüger eine Stimme, außerdem wurden 19 Weiße Zettel ab­gegeben. Murr wurde also verfassungsgemäh zum Staatspräsidenten gewählt. Murr erklärte, daß er selbst noch das Innen- und das Wirt­schaftsmini st erium übernehme. Weiterhin berief er zum Kultus - und Iustizmini- st e r den nationalsozialistischen Landtagspräsi­denten Mergenthaler, zum Finanzmi- n i st e r den deutfchnationalen bisherigen Finanz­minister Dr. Dehlinger, ferner den deutsch­nationalen Abgeordneten H i r z e l zum ehren­amtlichen Staatsrat mit beratender Stimme.

Zum Landtagspräsidenten wurde der natio­nalsozialistische Abg. Dr. Ionathan Schmid ge­wählt.

Fahnenrückgabe an die RGOAP. in München.

München, 15. März. Dse Fahnen und die Standarte, die am 8. Rovember 19 2 3 an der Feldherrnhalle von der Polizei den Rationalsozialisten abgenom­men worden waren, wurden am Mittwoch vom Polizeigebäude zum Braunen Haus ge­bracht. Mit militärischen Ehren erfolgte der Einholungsakt vor dem Gebäude, wo die SA. in Stärke von 750 Mann Aufstellung genommen hatte. Als die Fahnen aus dem Gebäude gebracht wurden, erklang der Präsentiermarsch und Ge­neral v. E p p mit sämtlichen Staatskommifsaren und der Führung der Münchener SA. schritt unter Vorantragung der Fahnen die Front der SA. ab. Stabschef Hauptmann a. D. R o e h m hielt hierauf eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Im Ramen des Obersten SA.-Füh­rers, der heute als Reichskanzler die Geschicke Deutschlands lenft, gebe ich die Feldzeichen wie-

Ländlicher Bogelhof.

Don Peter Bauer.

Er liegt als geräumiger, geschützter Platz zwi­schen den rechtwinkelig aneinandergrenzenden Ge­bäuden des Gehöftes. Wohnhaus, Scheune, Stal­lungen und ein Stück Gartenmauer sind es, die ihn umragen. Er ist ungepflastert bis auf die breiten Verbindungswege der einzelnen Gebäude. Durch die hohe, weitverzweigte Krone eines Birnbaumes tanzt der Reigen des Iahres. Bald wird sich ein Knospengewimmel auf den windgeschwenkten Zweigen wiegen. Unter ihnen tummelt sich eine Schar großer und kleiner Vögel, aus deren buntem Gemisch die Farben Weiß, Braun und Schwarz am häufigsten leuchten.

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Das Hühnervolk ist in der Lieberzahl und be­nimmt sich auch danach. Die Hennen gackern, picken und scharren mit so viel Wichtigtuerei, als ob nur sie auf der Welt wären und alles nur für sie. Keiner der vielen Ichlinge und Reid- bolde gönnt dem andern ein Korn. Um eines auf- gestöberten Wurmes willen rennen sie minuten­lang einander nach und jagen sich gegenseitig die Deute ab. Ein gelegtes Ei wird mit einem Riesen- fpektakel angezeigt. Der ganze Hof und die Rach- barschaft müssen sich das laute Getue eines Vo­gels anhören, den der jahrtausendalte Umgang mit den Menschen so seiner eigenen Ratur ent­fremdete, daß er diesen einfachen Vorgang wie eine Iahrmarktssensation hinausschreit.

Daß ihnen nur ein Mann zugeteilt ist, macht die Hennen dem Hahn sklavisch ergeben. Er braucht nur ein paar lockende Töne ausstoßen, da sind sie um ihn herum und picken gierig in die Erde, die er auseinanderkraht, auch wenn sie nichts finden. Der Hahn genießt diese blinde Unterwür­figkeit seines großen Anhangs mit stolz gewölbter Drust. Er trabt wie ein Paradepferd einher und trägt den schillernden Sichelschweif wie eine Fahne. In seine laute Stimme ist er verliebt. Wenn er auf dem Misthügel kräht, schlägt er hin­terher mit den Flügeln, so begeistern kann er sich über sich selbst. Aber nur den Hennen pocht das Herz rascher bei seinem ewig gleichförmigenKi­keriki 1

Schon die Perlhühner, die wie vornehme, ältere Damen sich auffällig absondern, läßt das eitle, selbstgefällige Wesen des vermeintlichen Hofherr- fchers falt. Wagt er Annäherungsversuche, ge­nügen einige Schnabelhiebe, den dünkelhaften Stutzer in die Flucht zu schlagen

Die Tauben sind noch größere Futterneider als die Hühner. Selbst wenn sie sich den Wanst feist vollgestopft haben, schnappen sie stzch einander die Körner weg und kröpfen sie ein. Ihr ständiges Kopfnicken ist wie jedes übertriebene Herum die­nern nur ein schönes Getue, das über ihre Miß­gunst und Selbstsucht nicht hinwegtäuschen kann. In der Liebe ist eine völlige Entartung einae- rifsen. Während die wilde Felsentaube, von der alle Kulturarten abstammen, noch in strenger Ein­ehe lebt werden hier die Liebespartner nach Will­kür und Laune getauscht und gewechselt. Der ruck- sende und turtelnde Täuber, der eben diese Schöne mit verliebtemDu, Du!" und wilden Drehun­gen und Bücklingen bestürmt, fängt bei der näch­sten Gelegenheit das gleiche Gegirre und Geschnä- bel mit einer andern an.

Gänse lieben Gesellschaft. Das Gemeinschafts­gefühl liegt ihnen von ihren Stammeltern, den Wildgänsen, her im Blute. Darum scharen sie sich auch zur Herde um den Hirten. Im Hof sam­meln sie sich gern um die Futterstätte oder den Wassertrog und stecken mit vorgereckten Halsen geheimnisvoll die Köpfe zusammen, um zu tu­scheln und zu schnattern. Sie führen sozusagen Tischgespräche und kümmern sich dabei kaum um ihre Umgebung. Aber sie wollen selbst auch nicht gestört sein. Aähert man sich ihnen, so lassen sie ihren Unwillen durch stärkeres Geschnatter laut werden. Rützt das nichts, bann machen sie ent­schlossen gegen den vermeintlichen Angreifer Front. Mit schmetternden Fanfaren trompeten sie sich gegenseitig Mut zu und stoßen schließlich mit bösem Gezisch vor.

So oft sie Gelegenheit dazu haben, verlassen sie die Enge des Hofes und marschieren hinter­einander zum nächsten Gewässer, das sie wie die Griechen einst das Meer, mit jubelnden Rufen begrüßen. .

Auch die Enten, die noch mehr als die Gänse die Freiheit des Wassers lieben, sind keine Höflinge. Die Natur hat ihnen kurze, kräftige Ruder, aber feine Laufbeine unter den Körper gesetzt. Darum ist ihr Gang ein beschwerliches Watscheln wie der eines Fußfranken, wobei der Körper geschaukelt anstatt ge­tragen wird. Erst im Wasser sind sie daheim und stehen gründelnd Kopf vor Freude.

Der Truthahn ist der ewige Fremdling auf dem Hofe, der in Verbitterung und Gereiztheit über seine eigene Spottgestalt, zu der ihn die Men- ichen aufgemästet haben, sein einsames Leben lebt. Roch schreitet er stolz und erhobenen Haup-

der in die Hand der Kämpfer zurück. Uebernehmt sie als Symbol der Treue und Standhaftigkeit. Der feierliche Akt endete mit dem Horst-Wessel- Lied.

Nachprüfung von Strafverfahren gegen Kämpfer der nationalen Erhebung.

Berlin, 15. März. (WTB. Amtlich.) Im Kampf für die nationale Erhebung des deutschen Volks sind Straftaten begangen worden, die zu rechtskräftiger Verurteilung oder zur Einleitung von Strafverfah­ren geführt haben, in welchen die Täter zum Teil auch in Untersuchungshaft genommen worden sind. In Würdigung der vaterländiichsn Beweggründe der Täter haben die Kommissare des Reichs in Preußen den kommissarischen Justizminifter ermächtigt, eine Nachprüfungdieser Fälle zwecks beschleunigter Durchs uh r u n g von Gnadenakten zu veranlassen. Nachdem die nationale Revolution sich siegreich durchgesetzt hat und die Sicherheit dafür besteht, daß der Wille der nationalen Regierung von sämtlichen Behörden vollstreckt wird, kann keinerlei strafbare Handlung mehr entschuldigt und ge­duldet werden.

Die Poiempaer Verurteilten auf freiem Fuß.

G l e i w i tz, 15. März. (TU.) Auf Grund des Erlasses der Kommissare des Reiches für Preu­ßen, wonach Straftaten beschleunigt nachgeprüft werben sollen, bie im Kampf um bie nationale Erhebung bes beutschen Volkes begangen wurden, find, wie bie Tel. Un. zuverlässig erfährt, bie im August vorigen Iahres vom Beuthener Sondergericht verurteilten Potem­paer Täter Kottisch, Lachmann, Hoppe, Wol- niha, Müller und Gräupner auf freien Fuß gesetzt worben. Die wegen der gleichen Straf­taten noch in Untersuchungshaft befinblichen Mitangeklagten Golombek unb

Dutzkt, bie zur Zett der Durchführung bes Sondergerichtsverfahrens flüchtig waren, würben auf Grunb bes gleichen Erlasses aus ber Un­tersuchungshaft entlassen.

Kleine politische Nachrichten.

In Darmstadt sind die Einheitspreis­geschäfte und die Großwarenhäuser ge» schlossen. Die Polizei hält mit Unterstützung der Hilfspotizei den Verkehr aufrecht.

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Der Rundfunk überträgt am Freitag, 13.15 Uhr, aus Stettin eine Kundgebung des Pom- merschen Landbundes mit Ansprachen des Staats­sekretärs v. Rohr und des Reichsministers Gö­ring und am gleichen Tage, 19 Uhr, aus Breslau eine Stahlhelmtundgebung mit einer Rede des Vizekanzlers v. Papen zum 120. Jahrestag des Aufrufs Friedrich Wilhelms (II. an sein Volk.

Die Unsicherheit über die'Gewerbe st euer- pflicht der Konsumvereine in Sachsen soll vom 1. April ab dadurch beseitigt werden, daß die unbedingte Gewerbe st euerpflicht der Konsumvereine vorgeschrieben wird, gleichviel, ob sie ihren Geschäftsbetrieb nur auf den Kreis der Mitglieder bezieht ober nicht. Die gesetz­liche Grundlage hierfür ist die im Reichsfinanzmini­sterium ausgearbeitete Aufhebung der Real? fteuerfperre.

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Der Kommissar für das Land Sachsen hat auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat die Vornahme der Wahl von Betriebs­vertretungen (Betriebs-, Angestellten- und Arbeiterräten) bis auf weiteres untersagt.

Der frühere preußische Ministerpräsident Dttn Braun hat den Verwaltungen des Reichstags unb des Preußischen Landtags mitgeteilt, daß er ro e b e r sein Reichstags- noch fein Landtags­mandat annefjme.

Wünsche der Angestelltenschaft in Hessen.

Der Vertreter des DHV. Dom Staatspräsidenten Dr. Werner empfangen.

Darm stabt, 15. März. (WER.) Rachbem gestern bie Vertreter bes Mittelstanbes vorn hessischen Staatspräsidenten empfangen worben waren, empfing heute ber Staatspräsibent bie Vertreter bes Gaues Main-Weser im Deutsch- nationalen Hanblungsgehilfen- Verbanb. Gauvorsteher Auerbach (Frank­furt a. M.) beglückwünschte ben Staatspräsibent zur Uebernahrne bes hohen Amts unb gab ber Freude Ausdruck, daß der Volksstaat Hessen endlich eine nationale Regierung habe. Er er­klärte, daß ber DHV. jederzeit bereit sei, die Regierung bei ber Lösung aller sozial- unb wirt­schaftspolitischen Fragen nach besten Kräften zu unterstützen. Erfreulicherweise verbinde den DHV. mit dem Staatspräsidenten jahrzehntealte freund­schaftliche Beziehungen, da der Staatspräsibent genau wie ber DHV. für bie Verwirklichung bes völlischen, nationalen unb sozialen Gebankens eingetreten sei.

_ Staatspräsident Dr. Werner bankte herzlich für die Glückwünsche und unterstrich feine alte enge Verbundenheit mit dem DHV. und feine Hochachtung vor dessen Leistungen. Er erklärte, der DHV. sei heute aus dem sozialen, wirtschaft­lichen unb politischen Leben nicht mehr wegzu- benken. Der Vertreter bes DHV. bat ben Staats­präsidenten u. a., sich für Maßnahmen zur balb- möglichsten Milderung ber großen Arbeitslosigkeit einzufetzen. Insbesondere gelte bie Sorge bes DHV. der Ll.nterbrin- gung ber stellenlosen Angestellten. Staatspräsident Dr. Werner erklärte, daß hof­fentlich bereits in den nächsten Tagen umfang­reiche A r b e i t s b e s ch a f f u n g s p l ä n e verwirklicht werden könnten. Die Genehmi­gung durch Berlin fei bereits erfolgt. Zur 71 e u - besetzung ber leitenden Stellen im ehemaligen Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft wünscht ber DHV. eine Berück­

sichtigung von aus nationalen Arbeitnehmer- kreisen hervorgegangenen Persönlichkeiten. Staats­präsident Dr. Werner hatte hierfür volles Ver­ständnis unb sagte bie Heranziehung bes DHV. bei Erledigung ber sozial- und wirt­schaftspolitischen Fragen zu. Der DHV. kündigte an, daß er seine Wünsche zu verschiedenen Cinzel- fragen noch schriftlich unterbreiten würbe.

Berufungen

ins hessische Kultusministerium.

Darmstabt, 15.März. (WER.) Der Mi­nister für Kultus unb Bilbungswesen hat, wie schon gemelbet, ben Stubienrat Dr. Blank in Gießen als Mitarbeiter für bas höhere Schul­wesen, Lehrer Großmann in Rierstein für bie Volksschulen berufen. Als Hilfsarbeiter wurde im Kultusministerium eingestellt der Schulver.- toalter Siebert in Auerbach. Für bie Lei­tung bes gesamten Schulwesens in Hessen ist Lehrer Ringshausen in Offenbach bestellt unb gleichzeitig zum Oberschulr at er­nannt worben.

Die Veränderungen in der hessischen Polizei.

Darmstabt, 15. März. (WSR.) Der Kom­missar für bas Polizeiwesen in Hessen hat den Standartenführer Dr. I v e r s in Eberstadt, M. d. L-, als Regierungsrat mit ber Leitung des Polizeiamts Darmstadt beauftragt. Zu seinem Stellvertreter wurde Regierungsrat Köhler in Darmstadt, ber bereits früher dienst­lich am Polizeiamt Darmstadt tätig war, beauf­tragt. Der seitherige Leiter des Polizeiamts Darmstadt, Polizeidirektor D i 11 m a r, wurde mit Dienstleistung im Innenministerium be­auftragt.

tes, wie er es einst in den Llrwäldern Louisianas tat, wo er als ber heilige Vogel untergegangener Inbianerstämme auf Zypressen unb Magnolien horstete. Aber das geringste Geräusch macht ihn unruhig unb argwöhnisch. Er traut keinem Schritt, keinem Zuruf. Mißtrauen unb Lleberreiztheit er­füllen ihn wie ein böser Zünbstoff. Ls bebarf nur des geringsten Anstoßes, bann explodiert sein Zorn in Wutausbrüchen. So, wenn man ihm ein votes Tuch Vorhalt. Er kullert unb welscht, sträubt bie Febern, fächert den schweif unb läßt die halbgeblähten Flügel auf ber Erbe schleifen. Daboi schwellen bie schnurrigen Fleischklunker am Halse, bie Brustborsten spreizen sich unb über ben Schnabel wächst purpurrot eine Rase herab. Das alles soll schrecklich unb gewaltig wirken unb bleibt doch nur lächerlich, komisch und grotesk.

Vielleicht weiß es auch der Puter wie ein Clown, dessen Schicksal es ist, sich immer wieder -u bemalen und lächerlich zu machen. Den bie Menschen sich nicht ernst denken können unb dessen heiligsten Zorn sie nur wie einen neuen Trick belachen würden. Vielleicht weiß es dieser Verbitterte unb Einsame unb steigert in grau­samer Selbstverspottung nur seine Qual ...

Auch ber Pfau paßt nicht in diese Umgebung. Dafür hat ihn feine indische Heimat mit zuviel fremder Pracht ausgestattet. In ben sprühenden unb schillernden Augen seiner königlichen Schleppe leuchtet das tiefe Blau ferner Tropennächte unb das helle Grün ihrer Sterne. Ein Abglanz des zauberischen Farbenprunks ber Dschungelwelt fun­kelt auf jeber Feder seines seidenen Gefieders. Man muh an geminenhaft glitzernde Vögel unb Falter benken, an metallisch schimmernde Schlan- gen und Echsen und an phantastische Blumen. Eine aus zartesten Febern blüht ihm auf bem Scheitel.

Cr bleibt allen Annäherungen bes Menschen gegenüber kühl unb verschlossen. Er sucht keinen Anschluß, sondern jagt bie Hühner, wenn sie ihm lästig werben. Sogar gegen bie Katze läuft er Sturm. Ihr raubtierhaftes Anschleichen haßt er leidenschaftlich. Er wittert in ihr wohl eine Verwandte ber Tiger unb Leoparben, vor benen er in ben Dschungeln auf der Hut sein muh.

Seine Stimme, bie etwas Klägliches hat, ist im ilrtoalb ein elementarer Schrei unter vielen. Sie gehört zur Symphonie biefer Landschaft. Hier wirkt sie häßlich und abstoßend.

Der Daum ist des Pfaues liebster Aufenthalt. Dort fühlt er sich erhaben über bas lärmende

Treiben ber kleinen Reiber unb Zänker und träumt im Schlaf den Traum ber Freiheit.

VomPillendrehers

Man hat bei bem Pillendreher, diesem Käser, der als Skarabäus schon bei ben alten Aeghptem als ein heiliges Tier verehrt wurde, bisher einen sozialen Instinkt angenommen, weil man glaubte, daß ein Käferpaar, also ein Männchen und Weib­chen, beim Herstellen und Fortrollen ihrer Dung- Kugel, der sog. Futterpille, planmäßig zusammen- wirkten. Gegen diese Annahme wendet sich nun Prof. Hanns von Lengerken in einem Auf­satz des bei Hugo Dermühler in Berlin erschei­nendenNaturforschers", in bem er über feine eingehenden Beobachtungen dieses merkwürdigen Tieres berichtet. Die Behauptung, daß zwei Kä­fer ihre Pille gemeinsam fortbewegten, ist irriger­weise dadurch entstanden, bah ein besitzloser Pil­lendreher, der einer sich bewegenden Kugel be­gegnet, sich an dieser zunächst hochrichtet unb da­durch bie Bewegung ber Kugel hemmt. Das ist aber keineswegs eine soziale Handlung, und ein sinnvolles gemeinsames Fortrollen der Dung- Kugel durch zwei Käfer kommt niemals vor. Viel­mehr handelt es sich, wenn sich zwei Käfer an einer Futterpille gemeinsam zu schaffen machen, in ber Regel darum, bah ber eine bem anbern feinen Besitz stehlen will. Ist das Männchen mit dem Backen der Pille beschäftigt, so bleibt ein etwa sich hinzugesellendes Weibchen völlig gleich­gültig, unb bas Männchen vollendet seine Tätig­keit ohne Hilfe des Weibchens, ja, schiebt es sogar als Hindernis beiseite. Treibt bann das Männ­chen bie Pille rückwärts, so folgt das Weibchen in zwei bis drei Zentimeter Entfernung mit auf­wärts gerichteten Fühlern, um durch bie Witte­rung bes Dunges bem Männchen stets auf ber Spur zu bleiben. Beim Eingraben ber Futter- Pille verhält sich bas Weibchen völlig untätig unb erweckt ben Anschein, als fehle ihm über­haupt ber Instinkt des Vergrabens der Pille, obwohl es boch, sich selbst überlassen, genau so gut wie bas Männchen bie Futterpille unter bie Erde bringt, ja sogar ben für bie Brutpille be­stimmten Dung ganz allein eingräbt. Der Ge­lehrte kommt zu dem Ergebnis, baß ber soziale Instinkt des Pillendrehers sich auf eine vorüber­gehende Frahgemeinschaft eines Männchens und eines Weibchens unter ber Erbe beschränkt und aus bie vom Weibchen allein ausgeführte Brut- fürforge, die aber ben Grab einer wirklichen Brut­pflege nicht erreicht.