Zuständen zu erleichtern, beabsichtigen die preußischen Staatsminister 001 einer We iterverf0 l- g u n g ihrer Klage auf Ungültigkeitserklärung der Landtagswahl vor dem Staatsgerichtshof a b • zusehen, sobald die Neubildung der Regierung durch den Landtag verfassungsmäßig erfolgt ist."
*
Der deutsche Gesandte in Prag hat zu wiederholten Malen im Außenministerium gegen die Gehässigkeiten und Maßlosigkeiten in der Bcrchterstattung einzelner Blätter der Tschechoslowakei Borstellungen erhoben. Bon der Regierüng wurde zugesichert, daß in Zukunft beunruhigende und übertriebene Darstellungen der Borgänge in Deutschland in, der Presse unterbleiben.
Aus alter Wett
Schmiergelderskandal bei der Post-Krankenkasse.
Durch Beamte bei der Berliner Kriminalpostdienststelle wurde der 2. Vorsitzende der Krankenkasse für Beamte der Deutschen Reichspost im Bezirk der Oberpostdirektion Berlin, Postsekretär Franz Kugler, Charlottenburg, verhaftet. Außerdem wurden festgenommen dessen Ehefrau sowie der Dentist Willi Griebel und dessen Ehefrau. Ein Dentist, der Griebel und Kugler beschuldigt hatte, seine Angaben aber widerrief, als ihm von den beiden Verhafteten 3 5 0 0 0 Mark Schweigegelder gezahlt wurden, wurde vorübergehend festgenommen und nach Ablegung eines Geständnisses wieder auf freien Fuß gesetzt. Kugler hat gemeinsam mit Griebel seit längerer Zeit durch raffinierte Fälschungen der Unterlagen von der Postkrankenkasse und der Rotstandsbeihilfe der Deutschen Reichspost Beträge an Griebel ausAahlen lassen, ohne daß entsprechende Leistungen des Dentisten Griebel Vorlagen. Den größten Teil der so vereinnahmten Beträge hat Griebel an Kugler gezahlt. Die Summe der veruntreuten Gelder dürfte sich auf etwa 7 5 0 0 0 b i s 100 000 Mark belaufen. Die Betrügereien erstrecken sich auf einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren.
Gontard
wegen Devisenverfchiebung festgenommen.
Der als Belastungszeuge aus dem Dullerjahn- prozeß bekannte Generaldirektor v. Gontard, der gemeinsam mit feiner Sekretärin unter der Beschuldigung, Steuern hintertrieben und Auslandguthaben in Höhe von 1 Million Mark nicht angemeldet zu haben, festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden ist, hatte vor einiger Zeit die Staatsangehörigkeit von Liechten st ein erworben, v. Gontard bestreitet die ihm zur Last gelegten Vergehen und gibt an, daß die Guthaben im Ausland nicht sein Eigentum seien, sondern feiner Frau gehörten, einer Deutfchamerikanerin, die durch Erbschaften in den Besitz des Geldes gekommen sei, aber nicht selbst verwaltete.
Rechtsanwalt Bahn bleibt Verteidiger im Prozeß hinhe.
Auf Veranlassung des Vorstandes der Berliner Anwaltskammer hat eine Aussprache zwischen den Beteiligten Über die bereit- gemeldeten Vorgänge in der letzten Schwurgerichtsverhandlung gegen den Bankier Hintze stattgefunden: Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vorsitzenden und der Verteidigung hatten zur Aiederlegung der Verteidigung durch den Rechtsanwalt Dahn geführt. Die Aussprache ergab eine Verständigung, auf Grund deren Rechtsanwalt Bahn die Verteidigung wieder ausgenommen hat.
Ueberfall auf Generalkonsul Wanner.
Vom Polizeipräsidium Stuttgart wird mitgeteilt: Am 13. März, abends, haben sich zwei unbekannte Männer unter dem Vorwand,
sie seien Kriminalbeamte, in die Wohnung des schwedischen Generalkonsuls Dr. h. c. Wanner, des Vorsitzenden des Deut- schen Auslandinstitutes in Stuttgart, Zutritt verfchafst und haben den Generalkonsul tätlich angegriffen. Der Polizeikommissar für das Land Württemberg hat für Mitteilungen aus der Bevölkerung, die zur Ermittlung der Täter führen, eine Belohnung bis zum Betrage von 500 Mk. ausgesetzt.
Auffindung einer Kindesleiche.
3n der Schlesischen Talsperre Kynau ist eine Kindesleiche gefunden worden, die mit Steinen beschwert in einer Art Kiste untergebracht und versenkt war. Da zur Zeit kein Kind vermißt wird, wird angenommen, daß es sich um den verschwundenen Horst Schulz, den Sohn des früheren kommunistischen Reichstagsabgeordneten Richard Schulz aus Dittersbach handelt. Horst Schulz wird feit dem Sommer v. 3. vermißt. Sein Vater, der im September wegen barbarischer Mißhandlung seines eisjäh.nenSohnes Werner vom Sondergericht Waldenburg wegen fortgesetzter gefährlicher Körperverletzung zu
vier 3ahren Gefängnis verurteilt worden war, gab damals an, er habe den älteren 3 u n g e n H 0 r st nach Sowjetrußland g e s ch i ck t. Das wurde jedoch für unglaubhaft gehalten. Alle Nachforschungen nach dem verschwundenen Knaben waren aber bisher ergebnislos, obwohl die Wälder in der Umgebung Waldenburgs wiederholt von zahlreichen Polizeibeamten abgesucht wurden.
kanadische Slrelchholzfabrik niedergebrannt.
In S) u 11 (Quebec) wurde die Fabrik der kanadi- schen Streichholzyesellschaft durch eine Feuersbrunst völlig 3er ft ort. Zehn junge Mädchen d ernannten, 21 wurden verletzt.
verheerender Wirbelsturm in USA. — 20 lote, 120 verletzte.
Wie aus Rashville (Te/inessee) berichtet wird, hat ein Tornado zahlreiche Gemeinden der Staaten Tennessee, Kentucki, Missouri und Arkansas zerstört. 20 Personen wurden getötet und 120 verletzt. 150 Häuser und zahlreiche Scheunen mit der gesamten Ernte wurden vernichtet. Der Sachschaden wird auf 300000 Dollar geschäht.
Aus der Provinzialhaupistadi.
Die Arbeit als Glück.
Zwischen Morgen und Abend liegt die uns verliehene Krait, das Werk unseres Lebens In der Ausweitung unserer Persönlichkeit zum Weltumfassenden in Einklang zu bringen mit dem Dasein göttlichen Schöpfertums in der Welt. Zwischen Vergangenheit und Werden liegt unsere Gegenwärtigkeit.
Die Jugend kommt aus dem Morgen und schreitet froh in den Tag hinein, aber der Abend liegt ihr fern und ist ihr fremd. Erst aus der Abendhöhe des Lebens, im Wissen um ein neues Morgenrot kommenden Geschlechtern, wird Ansang und Ende zur frohen Bejahung des Daseins und zur klaren Ruhe:
In jüngern lagen war ich des Morgens froh, Des Abends weint' ich; jetzt, da ich älter bin, Beginn' ich zweifelnd meinen Tag, doch Heilig und heiter ist mir fein Ende,
wußte Hölderlin. Die Jugend schaut auf die Sonne, das Gestirn des Taaes. Sie will nicht Ruhe, sondern Tat, Handeln, und selbst ein Romantiker wie Novalis wandte sich gegen die absolute Ruh: „Ruh ist Gottern nur gegeben, doch für uns ist Handeln Leben." Im Kampf um dieses eigene Dasein blüht uns der Tag. Wenn uns Dunkelheit einspinnt, träumen wir ihn.
Menschen, die diesen Tag verloren haben, also die Armee der Arbeitslosen, wünschen jetzt sehnsüchtig den Zwang zum Schaffen herbei, unter dem sie früher gestöhnt. Des Menschen Dasein ist, fühlen sie jetzt, nur berechtigt, wenn es sich arbeitend auswirkt in menschlicher Gemeinschaft. Die soziale Gemeinschaft hat zum ersten Mal in der Geschichte für ungezählte Millionen dieses Auswirken unmöglich ge- macht. Früher stöhnten die Menschen über den Arbeitstag, heute sehnen sie ihn herbei. Früher konnte die Arbeit nicht geschafft werden, heute ist zu wenig Arbeit vorhanden, und die Folgen sind für den Aufbau der Gesellschaft sowohl wie für den Einzelnen furchtbar, denn Menschen, die ihre arbeitsreichen Tage verloren und nur graue und eintönige Tage des Nichtstun vor sich sehen, werden gesellschaftsfeindlich.
Wie der Nebel den Sinn eintrübt, so der graue Tag der Arbeitslosigkeit alles, was ehedem wertebildend ivar. Volker und Menschen können viel ertragen, Unglück und Niedergang, Entbehrung und Mangel, aber Tatenlosigkeit wird ihnen verderblich. Wenn daher, wie ein Rus aus seelischer Tiefe, unser Volk nach Beschäftigung ruft, dann will es nicht den verdämmernden Abend, die Ruhe, sondern aus einem Ueberschuß an Kraft das fröhliche und befreiende Morgenrot eines Arbeitstages. Arbeitstage für alle;
es ist fast, als ob wir in ihrer Wiederkehr die Erlösung aus vielen Gebresten sehen, unter denen wir jetzt seufzen. Da wir arbeitslos wurden, erkannten wir, wie sehr die Arbeit des Menschen wahrer Freund und der Arbeitstag die Vorstufe zu wirklicher Ruhe, also Erholung und Geruhsamkeit.
Diese Erkenntnis wäre vor zehn Jahren noch bespöttelt worden, heute ist sie allgemein, und was allgemein gefühlt wird, ist noch stets irgendwie verwirklicht worden, so daß, wenn Arbeitsmorgenrot wieder kommt, das deutsche Volk wohl auch ein anderes und innigeres Verhältnis zur Arbeit an sich haben wird als es in weiten Kreisen früher vorhanden war. rt.
Gießens Glückwunsch
an den neuen Staatspräsidenten.
Oberbürgermeister Dr. K e l l e r hat am Dienstag, 14. März, das nachstehende Glückwunschschreiben der Stadt Gießen an den Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner gerichtet:
Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner, Darmstadt.
Sehr verehrter Herr Staatspräsident!
Zu Ihrer ehrenvollen Wahl zum Staatspräfiden- ten beehre ich mich, Ihnen herzlichste Glückwünsche zu übermitteln. Es hat mich besonders gefreut, daß eine mit der Provinz Oberhessen und insbesondere der Provinzialhauptstadt Gießen so eng verbundene Persönlichkeit zum höchsten hessischen Staatsbeamten berufen worden ist. Ich wünsche Ihrer Tätigkeit reichen Segen zum Besten unseres Hessenlandes.
Mit der Versicherung ausgezeichneter Hochach- tung verbleibe ich
Ihr ergebener
Dr. Keller, Oberbürgermeister u. Ehrenbürger • der Stadt Gießen.
Weil er keine Zeitung las.
Wie notwendig es ist, daß der Bauer da- ganze 3ahr hindurch feine Heimatzeitung lieft, zeigte mir wieder folgender Vorfall: Mein Rach- oar mußte zinsen und verkaufte zu diesem Zweck -Anfangs Februar Getreide an einen Händler, der ins Dorf kam. Einige Tage später kam eine Erholung auf dem Getreidemarkt; die Preis« zogen etwas an und mein übelgelaunter Rachbar rechnete sich aus, daß, wenn er mit seinem Getreideverkauf noch gewartet hätte, er jetzt 13 Mark mehr erlöst haben würde. Auf meine Bemerkung:
Wie sie ihn bezwang
Dnginalroman von J. Schneider.Ioerstl.
Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau t. 5.
24 Fortsetzung. Nachdruck verbotenI
Schade, daß er dessen Gesicht nicht sah, wenn er erwachte. Das wäre immerhin eine Photoplatte wert gewesen. Ehe er die Türe zudrückte, winkte er noch einmal nach dem Freunde zurück. Uebermütig wie ein Schuljunge balancierte er die Treppe hinab und rüttelte unten im Vorgarten den Boy an den Schultern. „Ein Taxi zum Flugplatz!"
Der Boy rieb sich noch im Daoonspringen die Augen blank. 21 ah — war so fein gewesen, aber die Fünflirenote in feinen Händen war auch nicht zu verachten. Zwei Minuten später stieg M-rlin über das Trittbrett des Mietautos.
Ehe dieses um die Ecke bog, winkte er noch einmal nach der Loggia hinauf, wo Oehme schlief. Er konnte das Lachen nicht verbeißen und trug noch einen Schimmer davon im Gesicht, als er Stephanie auf dem Flugplatz gegenübertrat.
„Zch fürchtete schon, Sie hätten den Mut verloren", sagte sie, indem sie ihm ihre Rechte überließ. „Soll es bei der Campagna bleiben?"
„Sie können mich entführen, wohin Sie wollen, Slanorina." Sein Blick strahlte sie an, daß sie nicht mehr wußte, wohin sie den ihren schicken sollte. Sie schritten die Ü^ibünen entlang, die gestern brechend voll Menschen gewesen waren und heute in nüchterner Leere gähnten. Der Rasen war strohig-gelb und knisterte unter ihren Füßen. Ein Doppeldecker jagte über die Fläche und schob sich bann triumphierend in das schillernde Blau.
„Feinst sagte er, „nicht? — Und es gibt keine Menschen dort oben, .das Ift noch das allerschönste."
„Hassen Sie die Menschen, Baron?" Ohne ihn anzusehen, bog sie nach den Hallen ein.
„Nicht alle", gab er zurück. „Es gibt aber auch welche, die ich liebe!" Er faßte nach ihrer Hand und hielt sie mit kräftigem Drucke fest. Stephanie entzog sie ihm erst, als einer der Bediensteten auf sie zukam.
Ihr Eindecker rollte heraus und spiegelte mit seinen Aluminiumtragfläcyen in der Sonne. Gemeinsam untersuchten sie die Maschine, die sie in die Lüste tragen sollte. Es war alles intakt Stephanie merkte, wie fein Blick an ihr hinunterglitt und fühlte dunkles Rot auf den Wangen. Unwillkürlich sah sie an sich herab. „Ist es nicht sehr heiß in dem Dreß?" beruhigte er. Und als sie verneinte, meinte er gutmütig: „Wir können ja der Sonne aus dem Wege fliegen. Die Campagna liegt ostwärts."
Er trug einen leichten Flanellanzug und hatte die Jacke über dem hellen Beinkleid geschlossen. Es war gewiß nicht fliegermäßig! Aber er legte wohl heute keinen Wert darauf. Alles, was sie nun tat, vollzog
sich wie in einem Traumzustand. Als sie sich an den Führersitz setzte, nahm er ebenfalls Platz und rückte ganz nahe. Sein Blick hielt noch einmal Kontrolle. „Alles intakt, Signorina. Als alter Flieger habe ich so etwas wie einen sechsten Sinn dafür. Los!"
Die Räder rollten über die Fläche, dann ein Auf- brüllen des Motors, ein Schaukeln, Heben, bann eine schräge, himmelanstrebenbe Linie, und sie schwebten.
Das einige Rom lag wie ein Teppich unter ihnen hingebreitet. Die Kuppel ber Peterskirche glitzerte zu ihnen herau unb schillerte wie ein riesiger Amethyst. Stumps, wie ein abgesprengter Kegel lag bie Engelsburg hingebuckt. Sie flogen tiberaufwärts unb sahen ihn lehmig, wie regloses Stroh, in sein Bett gebunben. Fern über Dächern unb schlängeln- ben Straßen blaute bas Meer.
Das Surren ber Propeller gebot Schweigen. Nur ab unb zu warf Merlin ein Wort in bas Getöse, merkte, baß er nicht gehört würbe unb gab es auf, zu sprechen. San Paolo leuchtete herauf.
Stephanie brehte in scharfem Winkel bei. -Rocco di papa dunkelte herauf. Das Castell Gondolfo dräute als schwarzer Schatten und schickte krallen- artige Fänge aus. Nur Frascati lag noch ganz in Sonne gebadet. Für Sekunden schwieg der Motor, ruhte als veratmender Vogel und strebte bann mit gebreiteten Schwingen in bie Enblostgkelt ber Campagna hinaus.
Von Stephanie war alle Erbenschwere abgefallen. Was wollte sie noch? Hier oben gab es keine Fessel mehr unb Seite an Seite mit ihr saß ber Mann ihrer Liebe. — „Warum lachen Sie?" frug Merlin in bas Getöse hinein, als er an ber Bewegung ihrer Lippen bie unhörbaren Laute ablas, bie biesen entschlüpften.
Sie blickte ihn von ber Seite an unb hob bie Achsel hoch. Das Geknatter bes Motors enthob sie jeder Antwort.
Unten glitzerte jetzt der Schienenstrang, ber nach Tivoli führte wie ein abgerollter Silberfaden. Die Wasserfälle schimmerten als steingewordener Schaum an das Gefelse gefleht und wo der Schwefelteich von ®agno sich erstreckte, war ein schmutzig- weißer Strich erkennbar.
Und noch immer flogen sie. Das Surren ber Maschine war ein Lied, wie Stephanie noch nie ein schöneres gehört zu haben glaubte. Wo der Schienenstrang ins Tal des 2Irno abzweigte, machte sie kehrt. Einen Augenblick schloß sie geblendet die Lider. Sie hatten die Sonne im Rücken gehabt und nun schüttete sie ihnen lohendes Kupfer in die Augen. Norlin blinzelte und deckte die Hand darüber.
Sei cs nun, daß Stephanie dadurch abgelenkt wurde ober einen falschen Hebelgriff machte, bas Flugzeug schoß plötzlich jählings ber Erde au.
Knapp hundert Meter über dem Boden fing sie cs wieder ein. — Oder war es Hans Jörg gewesen, dessen Hände neben den ihren am Steuer lagen.
„Erschrocken? — Wie?" seine Stimme war ganz voll Güte. „Das kann vorkommen!" Aber sie merkte, wie er aufmerksam auf das Knattern des Motors horchte War irgend etwas nicht inOrdnung?
Da schob er auch schon ihre Hände zur Seite unlieb den Vogel in beängstigend schiefem Gleitslug auf die immer näher rückende Ebene hinab- schweben. „Haben Sie gehört?" frug er, als sie, Zwar nicht ohne kräftig geschüttelt zu werden, aoer doch mit heilen Gliedern, gelandet waren. „Irgend etwas stimmt nicht. Immerhin ist es besser, das hier unten nachzusehen, als es da oben mit Nach- schauen zu risheren." Dabei ging er rings um das Flugzeug und stand nachdenklich vor dem Motor.
„Sie führen doch Werkzeug mtt sich, nicht? — Es wird nicht schwer zu finden fein.' Er legte den Rock ab und krempelte die Aermel seines »eiben- Hemdes etwas zurück. Sie war ihm behilflich und rollte sie ein, als sie immer wieder herabzufallen drohten. „Geben Sie mir einmal den Schraubenschlüssel! Den großen, ja! Verstehen Sie überhaupt etwas von ihrer Maschine, Signorina?"
Nun war er wieder da, der Spott, den sie über alles an ihm fürchtete. „Ich denke doch!" sagte sie verweisend. „Wenn ich allem geflogen märe, hätte ich ja auch niemanb, der mir bie Mühe abnimmt!"
„Allerdings", gab er zu. „Sehr wahrscheinlich hätten Sie bann überhaupt keine Mühe mehr gehabt. Der eine Propellerarm — sehen Sie?" — er faßte sie am Handgelenk und zog sie zu sich nieder. „Es war brav, daß er so lange gehalten hat." — Unb als sie ihn aus tödlich erschreckten Augen ansah, nickte er, nun ebenfalls weiß im Gesicht: „Es wäre nicht nett gewesen, Signorina, so halb neoierteilt ober ganz zerquetscht hier unten anzu- kommen. — Nicht zittern!" beruhigend strich er an ihrem Arm herab. „Wir sind ja da! Zu machen ist in diesem Falle natürlich nichts. Wissen Sie, wie weit die nächste Bahnstation entfernt liegt?"
Sie schüttelte den Kops. Ihr war so wirr. 2lUer Mut hatte sie verlassen. Wenn ber Himmel nicht gnäbig gewesen wäre, lägen sie jetzt hier zerschmettert am Boden. Aber nicht sie allein. Er mit ihr, und er war Vater Merlins Einziger.
„Nicht mehr nacharübcln, wie es hätte sein können", mahnte er. „Das lahmt nur den Willen.— Für mich ist es jetzt darum au tun, Sie unter ein sicheres Dach au bringen. Ich selber bleibe bie Nacht bei unserem Vogel!"
Sie hatte das Bangen abgeschüttelt unb reckte sich- „Dann bleibe ich auch. Eine Nacht bauert nicht ewig"
„Leiber nicht.Signorina!" DerBlick, ber sie streifte, peitschte ihr Blut auf. Er schien bereits wieder an etwas anderes zu denken, denn seine Augen wanderten suchend umher. Sie glaubte ihn verärgert, aber er war nur nachdenklich. Schließlich legte man sich als Mann aus den platten Boden unb schlief nicht einmal sonderlich schlecht dabei. Aber eine Frau? — Nicht zu machen,
„Das hättest du dir doch denken können, daß auf die jüngsten Zollmaßnahmen hin die Preise anziehen werben", gestand er mir, daß «r kein« Zeitung halte und daher von der Zollerhöhung gar nichts gewußt haben (!).
Bauern ich rate euch immer wieder: lest das ganze 3ahr hindurch jeden Tag die Heimatzeitung, es lohnt sich. Wer nicht immer weih, was die- Sache kostet, der wird beim Kausen oder Verkaufen immer wieder hereingelegt werden. Hebet die Stützungsaktion für die Landwirtschaft wird gerade in den nächsten Monaten viel zu lesen sein. Die Heimatzeitung bewahrt vor Schaden und Blamage. M. Dörfler.
Das (Sc&äferfeft in Bad-Nauheim.
Am kommenden Sonntag findet das in Oberhessen rühmlichst bekannte Schäferfest statt. Bad-Rauheim ist diesmal Festort. Den zahlreichen Gästen, die sich auch diesmal wieder zu dem Feste einfinden werden, dürften einige unterhaltsame Stunden gesichert sein. Das Hauptaugenmerk dürfte dem großen F e st z u g gelten, der den Höhepunkt des Festes darstellen wird; 30 Schaurrummern werden im Festzuge mitgesührt. Der historische S ch ä f e r l a u f wird ebensalls viel Aufmerksamkeit apf sich ziehen; Schäferkönigin und Schäferkönig werden gewählt. Der Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) wird Ausschnitte aus seinen Heimatdichtungen zu Gehör bringen. Eine Trachtengruppe, die sich unter seiner Leitung bildete, wird in engster Anlehnung an heimatliche Gepflogenheiten der Vergangenheit fingen, tanzen und spielen und damit altes Volksgut wachwerden lassen. Mit dem Schäfersest wird auch eine Lotterie verbunden sein, deren Ertrag für das Rotwerk der 3ugend Verwendung finden soll. Die Ziehung findet noch am Sonntag (18.30 Ahr) statt. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.
Gießener Wochenmarktpreise.
"Gießen, 16. März. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pf. das Pfund, Landbutter 100, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25» Wirsing (gelb) 10 bis 12, (grün) 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut, Gelbe Ruben je 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 100 bis 120, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfdl 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obstmus 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Rüsse 40; Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Käse 5 bis 10, Eier (inländ.) 7 bis 8, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30, Radieschen 20 Pfennig das Bündel; Kartoffeln 2,50 Mark ber Zentner.
Bornotizen.
— T a g e s k a l e n d e r für Donnerstag: Oberhess. Gekchichtsverein, 20.15 Tihr, Kunstwissenschaftliches 3nstitut, Lichib'lder - Vortrag: „Gründung und Verfassung der Stadt Gießen". — Krieger-Berein Gießen, 20.30 Llhr, Cafü Ebel, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „... und es leuchtet die Puhta". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Razzia in St. Pauli".
— Konzertber Klavierschule Körner. Man schreibt uns: Den seit einer Reihe von Jahren von Fräulein Minna Körner, ber Leiterin ber Schule für höheres Klaoierspiel unb Theorie ber Musik, veranstalteten Konzerten würbe stets in musikalischen Kreisen Gießens, unb auswärtigen Kreisen lebhaftes Interesse entgegengebracht. In biefem Jahr wirb bie Aufführung am Sonntag, 19. März, 16.30 Uhr, im großen Saale bes Stubentenhauses Leihgesterner Weg ftattfinben. Das Konzert ist zum Besten ber Gießener Frauen-Nothilfe unb bringt Kompositionen von Bach bis Liszt. (Siehe heutige Anzeige.)
Westwärts ftanb noch alles in sprühenber Glut. Von ben Hängen aber, bie bie Ebene gürteten, krochen schon bie mahnenden Schatten ber Nacht.
Er schlüpfte in seinen Rock unb sagte bittenb: „Setzen Sie sich nun einmal brav auf bie Steine hier. Es ist zwar ein bißchen hart, aber ich will sehen, ob sich nicht ehoas besseres findet. Ich komme dann und sage es Ihnen."
Er blieb überlange, so daß es, wenn nicht gerade Furcht, so doch eine gewisse Bangigkeit war, die sie erfüllte, als die Schatten allmählich näher rückten unb sie einfingen. Westwärts lag immer noch ber Helle Schein. Nur ber Osten dräute bereits in dunkelster Nacht. Ihre Glieder waren schlaff von der Aufregung der letzten Tage und dem Schrecken des Sturzes von heute. Zudem bas Bewußtsein, was die kommenden Stunden bringen würden.
Ein Käfer kroch über ihre Hand, bie sich auf die Steine stützte unb schuf ein Rieseln unter ihrer Haut. In den Glockenblumen, welche bie Kelche schlossen, brummelte eine Hummel. Stephanies Herz klopfte, daß sie meinte, in dieser lautlosen Stille ringsum mühte es von jeglicher Kreatur gehört werden.
unb noch immer kam er nicht.
Tau kam unb legte sich kühlend über die ausgebrannte Erde. Sie patte die Leberhaube abgenommen unb spürte ihr Haar feucht werben. Dunst wie von Fieber stieg auf. Aber sie dachte nicht an sich — nur an ihn. Sie hatte ihn gefährdet. Stechmücken surrten an ihrem Ohr vorüber. Sie hob beide Hände, sie abzuwehren.
Wo blieb er nur?
Der feine Geruch einer Zigarette kam gezogen unb bann ftanb er, vom Dunkel halb verschleiert, vor ihr. „Es hat ein bißchen lange gedauert. — Sie haben sich hoffentlich picht gegrault. Es ist wahrhaftig kein Grund dazu gegeben. Menschenleer bie ganze Gegend. Aber da vorne — ist so etwas wie eine Hütte. Nicht eben komfortabel, trotzdem besser als nichts. Den Vogel lassen wir hier. Den stiehlt uns keiner. Kommen Sie jetzt, es wirb kühl auf den Steinen."
Er streckte ihr bie Hänbe entgegen unb zog sie hoch. Sie glaubte ein Lächeln um seinen Mund zu sehen. Mit einem Ruck ftanb sie auf ben Füßen. Langsam gingen sie nebeneinander her. Als sie über einen Laoabrocken stolperte, faßte er nach ihrem Arm unb zog ihn burch ben seinen.
Es war weit bis zur Hütte. Sie begriff nun, daß er solange weggeblieben war. Halb zerfallen ftanb sie mit schiefem Dach über bem Boben. Sie mochte wohl einem Hirten als Unterschlupf gebient haben. Nun lag sie verlassen, benn weit unb breit war keine Herbe zu entbetfen.
„Ich habe schon nachgesehen, ob es nicht zu viel Ungeziefer gibt", sagte Merlin. „Es geht. Ein wenig baoon werden wir wohl abkriegen. — Haben Sie Schlaf?" frug er unvermittelt.
Sie verneinte. (Fortsetzung folgt)


