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16.2.1933 Frühausgabe
 
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Die Vorfälle im Lteberwachungsausschuß. Erklärungen der -Abgeordneten Streicher und Morath.

München, 15. Febr. (TU.) Ueber den 3ufam- menstoß mit dem Abgeordneten Morath (DVP.) im Ucberwachungsaussckuß des Reichstages gibt der nationalsoziallstische Reichstagsabgeordneter Str ei« cher folgende Erklärung ab:Der Vorfall im Ueberwachungsausschllß wurde von einem Teil der Presse völlig entstellt wiedergegeben. Während der Ausführungen des Abgeordneten Dr. Frank II über das Unglück von Neunkirchen verließen die Abge» ordneten der Sozialdemokratie, der Kommunisten und Zentrumspartei den Saal. Unter ihnen sah ich einen Abgeordneten mit einer bren­nenden Zigarre im Munde. Ich ging auf ihn zu, und als er trotz wiederholter Auffor­derung das Rauchen nicht unterließ, schlug ick ihm die Zigarre fort. Weder von mir noch van einem meiner Parteigenossen wurde jener Ab­geordnete aus den Rücken oder in das Gesicht ge­schlagen. Die Zurechtweisung des Abgeordneten Morath war mit dem ausdrücklichen Hin­weis erfolgt, deß e» ein unwürdiges Verhalten fei, wenn während einer Toten gedenk- rede geraucht würde."

Reichstagsabgeordneter Morath (DVP.) teilt mit, daß er die Absicht gehabt habe, den Saal zu verlassen, als der Lärm der Nationalsozialisten ein- setzte. Gr habe sich aber er ft z u m Ausgang b e g eb? n, als 15er stellvertretende Vorsitzende der Abgeordnete Frank II d i e Sitzung schloß. An der Tür habe ereinenSchlaginoenRucken bekommen, und als er sich umdrehte, einenzwei- ten Schlag ins Gesicht. Der Angreifer sei der Nationalsozialistische Abgeordnete Streicher ge­wesen. Der Abgeordnete Morath erklärt ausdrück­lich, daß er während der Trauerkundgebung seine brennende Zigarre in der Hand gehabt habe, ohne sie in den Mund zu nehmen, und daß er sich nicht zusammen mit den Sozialdemokraten und Kommunisten aus dem Saal entfernt habe.

Wie wir hören, hat der R e i ch s t a g s p r ä s i - dent eine Untersuchung über die Vorgänge im Ueberwachungsausschuh angeordnet. Er wird dafür Sorge tragen, daß in Zukunft ähnliche Vorfälle unterbleiben.

Zur Neuregelung des Vollstreckungsschuhes. Berlin, 15. Febr. (TU.) Zu der Verordnung über den Vollstreckungsschuh für die Landwirt- schäft wird amtlich noch folgendes mitgeteilt:

Allein der feste Wille, die zur Gesundung der deutschen Landwirtschaft eingeleiteten Maßnah­men durchzuführen und die äleberzeugung von ihrem Erfolge, haben zu dem schwerwiegenden Entschluß Veranlassung gegeben, den gegenwärti­gen Bollstreckungsschuh auch über die erst vor we­nigen Wochen getroffenen Maßnahmen hinaus zu erweitern. Besondere Unterstreichung bedarf der Hinweis auf das Interesse der Gläubiger. Es handelt sich hier nicht um einen ausschließlichen Konflikt Schuldner Gläu­biger. Der gleiche Konflikt besteht zwischen den rangbesseren und rangschlechte­ren Gläubigern. Gelingt es, durch die ein­geleiteten Sanierungsmaßnahmen, wenn auch un­ter zeitweiligen Opfern der Gläubiger, die Be­triebe durch die Krisenzeit durchzu­halten, bis zu der Zeit, wo ausder Ernte größere Barmittel erzielt werden, so ist Schuldnern wie ®Iäubio'''*n unendlich viel mehr gedient als mit einer Liq i dation der Substanz.

Auf der anderen Seite tu die Kehrseite durchaus nicht zu beriennen. Die VcichSregierung und eben­so die Kreise, die den Vollstreckungsschuh befür­wortet haben, verschließen sich keineswegs den

Gießener Gtavttheater.

Gastspiel des Hessischen Landcstheaters: Ter Rosenkavalrer".

Als es seinerzeit bekannt wurde, daß Richard Strauß nach den Höhepunkten klanglicher und sze­nischer Dramatik (Salome",Elektra") eine mufl- kalische Komödie als fein nächstes Werk ausersehen hatte, horchte man erstaunt auf; aber diese Um- kehr war zu allermeist in dem Bestreben begrün­det, einen Stoff mit mehr menschlichen Hinter­gründen zu bearbeiten. Dieses Vorwalten eines persönlichen Momentes fand dann später In dem ,Intermezzo", dem Geschehnisse aus dem Leben des Meisters zugrunde liegen, seinen letzten Aus- druck. Daß in Richard Strauß eine besondere Fähigkeit für das Komische schlummerte, das hat­ten verschiedene Züge in seinen symphonischen Dich­tungen erkennen lassen, nicht zuletzt In seinem RondoTill Eulenspiegels lustige Streiche". Hier nun kam ihm im Text desRosenkavallers" ein Stoss von gana besonderer Anregungskraft ent­gegen, der bei ihm stärksten Widerhall wachrufen mußte.

Es war sicher eine glückliche Fügung, daß ihm in Hugo von Hosmannsthal eine dichterische Per- sönlichkeit zur Seite stand, die ungemein befruch­tend auf die musik-dramatische Entwicklung von Richard Strauß sich auswirken konnte. Ja, man Seht nicht fehl in der Annahme, daß vielleicht MozartsFigaros Hochzeit" undDon Juan" ohne da Pontes Mitarbeit in der vorliegenden Form ebensowenig möglich gewesen wären, wie das Overnschafsen Richard Strauß von derElek- tra" ab. Es märe interessant, aus dem Briefwechsel der beiden festzustellen, wie hier Dichter und Mu­siker sich Hand in Hand gearbeitet haben, wie sie im gegenseitigen Gedankenaustausch und gegenfei- ttger Anregung das Werk förderten und wie hier eine psnchologisch tief schürfende Dichternatur mit ungemein feinem Empfinden dem Musikalischen den Boden bereitete, auf dem es sich zu üppiger Blute entfalten konnte. Ebenso reizvoll ist es zu verfolgen, wie Richard Strauß als Wirklichkeits­mensch die heitere Gesamtatmosphäre des Dichters mit plastischen Strichen z. B. in der Charakter­zeichnung des Ochs von Lerchenau scharf mar­kiert.Das Publikum müsse lachen, nicht lächeln."

Es geschah sicher nicht ohne besondere Absicht die Handlung in die Rokokozeit zu verlegen. Hier war das geistige Milieu für das Gesellschaftsspiel gegeben und damit auch eine Rorm für die gei­stige Haltung des Stils. Dieses Zeitalter war Richard Strauß besonders geistesnah durch die Tradition geworden; ja, als Mozart-Dirigent hatte er ganz besondere Erfolge errungen. Zum andern war ihm aber auch die Wiener Sphäre als solche sowohl musikalisch wie auch örtlich ver-

Gefahren, die der Vollstreckungsschutz begreif­licherweise in sich schließt.

Daß der landwirtschaftliche Vollstreckungsschuh kein vollkommener fein kann, daß sowohl im Inter­esse bestimmter Gruppen von Gläubigern wie auch im Interesse des auf Kredit an­gewiesenen Schuldners von dem Voll­streckungsschutz weitgehende Ausnahmen gemacht werden müssen, wird von dem Befürwor­ter des Vollstreckungsschutzes absolut anerkannt. Ebenso wird von denjenigen, die den Voll­streckungsschutz grundsätzlich bekämpfen, in keiner Weise in Abrede gestellt, daß für diese Krisen­zeit gewisse Hilfsmaßnahmen unbedingt notwendig sind, und daß es ganz unmöglich ist, die Zwangsvollstreckung in der jetzigen Krisen­zeit ebenso laufen zu lassen wie in früheren Zeiten. Oer Reichskanzler empfängt Vertreter

der Kriegsopfer.

Berlin, 15. Febr. U.f Der Reichs­kanzler empfing am Mittwoch den Vorsitzen­den des Reichsverbandes Deutscher Kriegsopfer e. 03., Dietrich Lehmann, und Referenten der Reichsleitung der ASDAP. für Kriegsopfer den Reichstagsabgeordneten Oberlindober und ließ sich die besonderen Wünsche der Kriegsopfer auf Verbesserung ihrer Versorgung und Fürsorge vortragen. Der Reichs­kanzler erklärte, daß er sich auch als Reichs­kanzler den Kriegsopfern gegenüber a l s Ka­merad fühle und besorgt sei, bereits in kürzester Frist dringend notwendige Ver­besserungen in der Versorgungs- und Für- sorgegesetzgebung durchzuführen.

Eine Reichspropagandazentrale unter

Or. Goebbels.

Berlin, 15. Febr. (Täl.) Wie die «Deutsche Zeitung" hört, soll der Rundfunk in Zukunft unmittelbar dem Reichskanzler unter­teilt werden. Diese Eingliederung des Rund­funks in den Regierungsapparat hängt mit noch weiteren organisatorischen Aenderungen zusam­men. Das Reichsministerium des Innern will die «Zentrale für Heimatdienst" auflö­sen und dafür eine Reichspropaganda- zentrale einrichten, die nicht dem Reichsinnen­ministerium, sondern dem Reichskanzler unterstellt werden soll, und als deren Leiter der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Goeb­bels ausersehen fein soll. Diese Reichspropa­gandazentrale wird sich mit den Fragen des Rundfunks, der Presse, des Tonfilms usw. beschäftigen.

Internationaler Kongreß der Krastverkehrswirtschast.

Unter großer Beteiligung von Vertretern der Behörden, der in- und ausländischen Automobil­industrie, der übrigen Wirtschaft, der ausländi­schen Gesandtschaften und der ausländischen Handelskammern wurde in Berlin der Inter­nationale Kongreß der Kraftverlehrswirtschaft eröffnet, der vom Bureau Permanent Inter­national des Constructeurs d'Automobiles, Paris, veranstaltet wird. Unter den Anwesenden be­merkte man u. a. den Reichsverkehrsminister Frhr. Eltz v.Rübenach, Oberbürgermeister Dr. Sahm, den Prinzgemahl der Rie­derlande, den Präsidenten der Internatio­nalen Handelskammer Olbraham F r o h w e i n. Der Kongreß wurde von dem Präsidenten des Bureau Permanent International des Construc­teurs d'Automobiles, Asutis, eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache u. a. ausführte, wäh­rend der Aera des wirtschaftlichen Aufstieges hätten sich in den Konkurrenzverhältnissen zwi­schen Eisenbahn und Kraftwagen keine Schwierigkeiten ergeben. D'-eie seien erst mit der Zeit des wirtschaftlichen Abstieg.'s hervorgetreten. Die Schuld an der geringeren Benutzung der Ver­kehrsmittel trage aber in erster Linie die Wirt­

traut und als Süddeutschen besonders nahe­stehend. Trotzdem aber ließ er sich nicht zum Archaismus verleiten, sondern die Handlung wurde ihm zur Basis individuellen Durchdrin­gens, gesehen mit den Augen der Gegenwart und erfühlt mit Lebensnähe.

2lls wichtigster Faktor des musikalischen De- schebens ist die Gestalt der Marschallin anzusehen in der Wehmut und Resignation ihrer vielleicht letzten Liebe zu Oktavian, dem sie dann in edler entsagender Selbstverleugnung zur Stifterin des neuen Liebesglücks wird. Wiederum stark für musikalische Aufblühen ist die erste Liebe Ok­tavians zu der reiferen Frau; aber erst in dem Zusammentreffen als Rosenkavalier mit der fast noch kindisch naiven, unerschlossenen Sophie findet er sich selbst im Aufwallen der großen, tatbereiten Liebe. In diesem Rahmen kontrastiert Ochs von Lerchenau, ein Großtuer, Mitgiftjäger, ein Wüst­ling. in Einzelzügen an Falstaff gemahnend; überheblich in der Würde seines Erbadels gegen­über dem neugeadelten Faninal. Dazu ein zu allem bereites Jntrigantenpaar und die Fülle und Reichhaltigkeit der charakteristischen Reben­personen, die auf einen Musiker wie Richard Strauß förmlich wie elektrisierend wirken mußten und ihn zu vielfältigster Zeichnungskunst anlock­ten.

Im Gegensatz zu den vorausgegangenen bei­den Werken braune die im Rosenkavalier te;t- gebundene Gefühlöhaftigkeit neben dem musik- dramatischen Prinzip das Rein-Musikalische zu besonders starkem Durchbruch. Wir finden ihn groß in der Zeichnung der Situation mit einer fast an das Artistische gemahnenden Sublimiert- heit des Klanglichen und in der Ausprägung typischer Gebärden und Bewegungen in Rhythmus und Melos Da aber, wo die Situation die Höhe des Gefühls ausstrahlen läßt, da gibt auch der Musiker Richard Strauß seine großen Höhepunkte wie etwa im Schlußduett des ersten Aktes zwischen Marschallin und Oktavian oder in der Lvrik des zweiten Aktes bei der in Zartheit getauchten Ueberrcidjung der silbernen Rose und dem von Innigkeit erfüllten Duett von Oktavian und Sophie; dann im dritten Akt, als nach Aeberwindung des Maskenspiels das Rein- Menschliche im Terzett sich wieder Geltung ver­schafft, und wie er in letzter Schlichtheit und ursprünglicher Einfachheit des Schlußduetts Töne von Herzlichkeit anschlägt. Dazwischen aber sprüht es von geistvollen Einfällen schärfster Pointierung als Milieukontur. Da darf der WalzerrhythmuS mit Prickeln und Sentiment in typisch Richard Strauß'scher Prägung nicht fehlen. Er wird zum Leitgedanken der komischen Zwiespältigkeit des Ochs von Lerchenau am Schluß des zweiten AlteS; im letzten Akte sich zum Grotesken stei­gernd, bei der Entlarvung des skrupellosen Lie­besritters. Ständig aufs neue muß man die

| schastSkrlse. Der Gedanke, die Eisenbahn durch das Auto zu ersetzen, sei absurd. Beide müßten sich aber aufeinander ein ft eilen, um auf diese Weise der Allgemeinheit zu dienen.

Aeichsverlehrsminister Freiherr v. Sitz- Rübenach erklärte: Als Deichsminister, der die verschiedenen Zweige des Verkehrs gleichmäßig zu betreuen hat, liegt mir die Regelung des Wettbewerbes zwischen den Eisenbahnen und Kraftfahrzeugen besonders am Herzen. Die der» kehrswirtschaftliche Bedeutung des Kraftfahr­zeuges liegt in seiner Anpassungsfähigkeit an die schnell wechselnden örtlichen und zeitlichen Der- kehrsnotwendigkeiten der Wirtschaft. Die Eisen­bahnen sind das an feste Fahrpläne gebundene Masfenverkehrsmittel; sie sind infolge der Grösts ihres Verkehrsnetzes sowie des volkswirtschast- Uchen Charakters ihrer Tarife noch auf lange Zeit das unentbehrlichste Instrument der Wirt­schaft und damit das Rückgrat des gesamten Ver­kehrs.

Das französisch-russische Problem.

Herriot bicbcit sich in Moskau an.

Paris, 15. Febr. (WTD.) In der illustrier­ten WochenschriftOHarianne" nimmt Herriot Stellung zum französisch-russischen Problem. Er begrüße es, daß angesichts der Angriffe gegen den sog. Konstruktivplan Frankreichs in Denf und angesichts der, wie er sich ausdrückt, am wenigsten erwarteten Abfälle in Genf, Lit­winow sich über Frankreichs Ansichten in zu­rückhaltender oder sogar wohlwollender Weisegeäuhert habe. Er habe mehrere der französischen Vorschläge unterstützt, er habe an­erkannt, daß Frankreichs Sicherheitswesen von Interesse fei, er habe den Aufbau der nötigen Garantien anempfohlen, da­mit der Kellogg-Pakt voll wirksam werde, und sehr interessante Bemerkungen über die Defi­nierung des Angriffes gemacht. Dafür müsse man ihm danken.

Wenn die Sowjetunion, so fährt Herriot fort, es wünscht, werden sich in Frankreich unabhän­gige Persönlichkeiten finden, die bereit sind, ihr in diesem Friedenswerk nach außen und am Wiederaufbau im inneren zu helfen. Ich habe dieses Land 1922 besucht und Gutes und Schlech­tes festgestellt. Ich bleibe Demokrat, Republi­kaner und Franzose. 2lber ich wünsche von Her­ren, daß ein vielleicht zu Hirngespinsten neigen­des oder dem Mystizismus ergebenes, auf jeden Fall aber generöses Volk seine P r o s p e. rität toiebererlange. Iedesmal, wenn ich mich mit ihm beschäftigen kann, wird es ohne Voreingenommenheit und ohne Vor­urteil geschehen. Ich habe es in gewissen Augenblicken ab gelernt, mich an gewis­sen Koalitionen gegen Sowjetruß- land zu beteiligen, die man zusammen- hringen wollte. Völker erobert man wirklich nur durch Güte. Selbst wenn man Mißerfolge haben sollte, ist es meiner Ansicht nach eine Ehre, an der Anerkennung der Rationen zu arbeiten. Ich bleibe diesem Gesetze treu, weil es das Gesetz der Republikaner ist und auch das Gesetz der Einsicht.

Krisenstimmung in Paris.

Das Finanzsanierungsgesctz noch immer gefährdet.

Paris, 14. Febr. (ERB. Eigene Meldung.. Heber den Gesetzentwurf, der nach fast 40stündi- ger Beratung von der Kammer verabschiedet wurde, empfindet, wie man heute feststetten konnte, keine der Regierungsparteien eine reine Freude, obwohl er als eine Art Sa- nierungsmaßnahme zur Beseitigung des Dudget- defizits betrachtet wird. Die Erregung, die sich der Arbeiterbevolkerung bemächtigt hat, nimmt zu, und am Donnerstag wird sich zeigen, in welchem Matze die Geschäftswelt in Paris

Schlagfertigkeit und Situationsgemähheit in der Handhabung der orchestralen Mittel bewundern vom feinsten Klangfiligran bis zur Fülle des Orchesterklanges, so auch in der geistvollen Ver« webung von Bühnenmusik und Orchester im brü­ten Akt. Aber immer bestimmt eine innere Logik das musikalische Geschehen.

Die Ausführung dieser Komödie für Musik durch die Darmstädter zeigte in allen ihren Phasen seine stilgemäße Abgestimmtheit, Aus- gegllchenheit und Geschlossenheit. UeberaU war sie von pulsierendem Leben erfüllt mit einem sorgfältigen, liebevollen Eingehen in die mannig­faltigen Gegebenheiten des Szenischen (H.S t r o h- b ach). Ganz besonders waren die kontrastie­renden Momente in die deutlichste Erscheinungs­form gerückt worden. Iede der vielen Reben- personen war auf ihren Auswirkungskreis ab­gestimmt; so wurden z. B. die Lakaiengruppen zum treffenden Spiegelbild ihrer unterschiedlichen Gebieter in Lebensform und gesellschaftlicher Hal­tung. So konnte die Mckieuschilderung, den Schau­plätzen der Handlung entsprechend, in Ursprüng­lichkeit zum lebensnahen Hintergrund werden. Ständig zeigte sich der erfolgreiche Wille, dem Werke zu dienen. Ein jeder, auch in der scheinbar unbedeutendsten Rolle, fügte sich dem Ganzen organisch ein.

Stark in allen Momenten der Durchgestaltung war Inger Karen als Feldmarschallin. Als Dame von gesellschaftlichem Range bewies sie vor­nehmen Takt selbst menschlichen Schwächen gegen­über. ©rofrtoar sie in den Augenblicken, wo sie entsagungsvoll auf Frauenrechte in Edelmut Ver­zicht leistete. Verinnerlicht, von wärmstem Emp­finden getragen, erhob sie sich zu hoher gesang­licher Ausdruckskraft, dabei mit einem schönen schwebenden Piano der feinsten Regung nachge­bend. Richt minder bedeutend war Erna von G e o r g i als Oktavian In starker innerer Verbun­denheit zum Szenischen und Musikalischen. An­passungsfähig in jeder Lage, gewandt im Spiel, geboten durch den Gang der Handlung. Der Sophie gab Fritzi Iokl zunächst jene älnerschlos- senheit, die erst allmählich mit dem Erwachen des Menschlichen-Persönlichen aufblühte zu hinge­bungsvoller Innigkeit. Daß sie diese innere Ent­wicklung auch Im Gesanglichen fein ausprägte, hob die Gestalt der Sophie. Ganz besonders aufeinan­der abgestimmt waren diese drei Frauenstimmen im Ensemble, zum besonderen Vorteil der ihnen zugeteilten lyrischen Höhepunkte. Interessant war es zu sehen, wie Theo Herrmann die vielen kleinen Zuge, mit denen Richard Strautz die Rolle von Lerchenau gezeichnet hat, zu einer t>crfonlubcn Einheit zusammenschweitzte, wie er die tm «RosenkavaIler" erstmalig geschaffene neue Form des Parlando, da» Richard Strauß später im .Intermezzo" zu einer weiteren Entwicklung führte, trotz der eminenten Schwierigkeiten mei- ,

daraus reagiert. Zum Zeichen deS Protests Ist nämlich die Schließung der Sinzeihan­delsgeschäfte für etwa fünf Stunden nach­mittags propagiert worden.

Man nimmt an, daß sich die Kammer noch­mals mit den wesentlichen Bestimmungen des angenommenen Gesetzentwurfs wird beschäftigen müssen, weil der Senat voraussichtlich starke Abänderungen an der Vorlage vornehmen tüirb,_ vor allem an den Artikeln, die eine Ein­schränkung der Militärkredite vor-, sehen. Man behauptet sogar, daß die Senatoren die von der Kammer angenommene Krisen­steuer als zu drückend für die Steuerzahler durch eine sehr empfindliche Kürzung derBeam- tengehälterzu ersetzen beabsichtigen. In die­sem Falle würden die Gewerkschaften auf öen Plan gerufen werden, und die Situation könnte unter Umständen einen Charakter anneh­men, der das Kabinett Daladier veranlassen dürfte, von sich aus eine Reuregelung der Frage der Krisensteuer zu beantragen. Zu allem diesem kommt der Vorstoß des Senators Milan gegen die Sozialversicherung. Hier han­delt es sich um eine Angelegenheit, die, wenn sie mit dem Finanzsanierungsgesetz verbunden werden soll, sich zu einem K o n f l ik t z w i s ch e n Kammer und Senat auswachsen könnte.

Wer wird Amerikas

Botschafter in Berlin?

Washington, 14. Febr. (CNB.) In demw kratischen Kreisen des Bundessenats wird die Mög­lichkeit erörtert, daß HerbertBayardSwope non Roosevelt zum amerikanischen Botschafter in Berlin ernannt werden wird. Swope, der im Jahre 1882 in Heidelberg geboren und In Amerika erzogen wurde, war Kriegsbericht­er statter derNew-York World" auf deutscher Seite von 1914 bis 1916. Er ist bekannt geworden durch seine Schilderungen des Sieges des Generalfeldmarschalls o. Hindenburg an den Masurischen Seen. Swope schrieb ein Buch mit dem TitelInside the German empire". Er wurde später Chefredakteur derWorld" bis zu deren Aufgehen imNew-York World Tele- gram" im Jahre 1930. Swope, der sehr wohl­habend ist, ist ein Bruder des Generaldirektors der General Electric Company. Weiter wird ver­mutet, daß Norman Davis zum Botschafter in Paris und Senator Robinson zum Bot­schafter In London ernannt werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspostminister hat den Dundfunkkom- missar Staatssekretär a. D. Dr. Bredow sei­nem Wunsche entsprechend abberufen und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Rundfunk- kommifsars des Reichspostministeriums den Staatssekretär im Reichspostministerium Dr.-Ing. Kruckow beauftragt

Durch Anordnung des ReichsarbeitSministerS wird zum 1. April 1933 das Hauptversor­gungsamt Württemberg aufgelöst mit dem Hauptversorgungsamt Baden zu einem Hauptversorgungsamt Südwestdeutschland mit dem Amtssitz in Karlsruhe vereinigt. Ferner werden aufgelöst die Versorgungsämter Ellwan­gen und Radolsszell.

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Das belgische Kabinett Droqueville hat seine Demission erklärt, nachdem es bei einer Abstimmung über die Ungültigkeitserklärung einer Gemeindewahl durch ein Zusammengehen einiger Liberaler mit den Sozialisten mit 72 ge-'cn 82 Stimmen in die Minderheit geraten wer Der König hat es abgelehnt, die Demission an­zunehmen.

fierte und so diese Bussofigur zu einem besonderen Kabinettstück werden ließ. Durch stimmliche Kraft überraschte Iohannes Drath als neugeadelter Herr von Faninal, in seiner äußeren Haltung dem Wandel der Situationen folgend. Typische Gestal­ten schufen Regina Harre als Iungser Marianne, das Intrigantenpaar Eugen Vogt und Martha Liebel.

Das Orchester unter Dr. Hans Schmidt- I s s e r st e d t erschloß in feinnerviger Art den unerschöpflichen Reichtum an klanglichen Deli­katessen bei souveräner Beherrschung der instru­mentalen Anforderungen; spritzig, aufschaumend, von starkem Impuls getragen. Das Klanglich- Sinnliche des Musikalischen wurde intensiviert durch harmonische Einstellung des Beleuchtungs­technischen (Karl Löffler und Ludwig Keim). Das vollbesetzte Haus folgte mit sichtlicher Ver­bundenheit dieser Aufführung von ganz beson­derem Hochstande. Dr. H.

Tonfilm: »Ein Mann mit Herz".

Die Welt des kleinen Angestellten ist seit einiger Zeit von der Literatur entdeckt worden. Auch der Tonfilm hat sich des Themas bald bemächtigt. Er hat allerdings davon abgesehen, soziologische Unter­suchungen anzustellen und etwa eine Typologie dieser aus Millionen von Einzelwesen sich zusam- mensetzenden Gattung zu versuchen. (Ein solcher Versuch eignet sich besser für die Buchform.) Der Film beschränkt sich vorerst darauf, das Motiv lust- spielmäßig auszuwerten, in diesem speziellen Fall erleben wir eine Umkehrung des Motivs derPri­vatsekretärin". Es handelt sich also um den erfüll­ten Wunsch träum eines kleinen Bankbeamten. Das geht hier so unwahrscheinlick zu wie dort im um­gekehrten Fall aber die Unwahrscheinlichkeit wird auf eine so nette, liebenswürdige und unter« baltlame Art vom Regisseur Gäza von B o l o a r y serviert, daß man ihm nicht böse sein kann; auch wenn man etwa nach dem Auftakt, der an die grob- artige stumme FilmreportageBerlin" erinnert, etwas anderes erwartet haben sollte; Bolvary hat noch eine Menge hübscher Einfälle im Hintergrund. Gustav F r ö.h l i ch in der Hauptrolle: sympathisch und ritterlich, ein tüchtiger Junge und guter Kame­rad. Maria S o l v e g heißt seine scharmante Part­nerin. Gustav Waldau, der stellenweise merk­würdig an Bassermann erinnert, gibt sehr kultiviert den allmächtigen Präsidenten. Der Komiker Paul Kemp bringt eine drollige Charge. Dom Ensemble sind noch Ali G h i t o und Gina F a l k e n b e r g zu nennen. Die leichte und spritzige Begleitmusik stammt von Robert Stolz. Der Film läuft seit gestern im Lichtsoielbaus; im Beiprogramm sieht man u. a. Aufnahmen vom neuen Kabinett und vom großen Fackelzug der nationalen Verbände in Berlin.