Ausgabe 
16.2.1933 Erstes Blatt
 
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in einem Konflikt suchen soll. Sollte ein Vergleich im Augenblick fehlschlagen, so habe der Völkerbund die Pflicht, mit Festigkeit und Unparteilichkeit einen Bericht herzustellen und Empfehlungen zu machen, so Daß die öffentliche Meinung der Welt zu einer Lösung und Regelung beitragen könne.

Das Attentat auf Roosevelt.

Die Vernehmung des Täters.

Mi a m t, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Äußerungen des verhafteten Täters, Zingara, dah er auf Roosevelt geschossen habe, weil so viele Menschen dem Hungertode nahe seien, und dah ein Magenleiden ihn auf den Attentatsgedan- ken gebracht habe, bestärken die Vermutung, dah es sich um einen Geisteskranken handelt. Trotzdem wurden, da immer noch die Möglichkeit besteht, daß der Anschlag Cermak galt, in Ehikago mehrere bekannte Gangsters verhaftet. Zingara ge­hört seit acht Jahren dem Bauarbeiteroerband in Rew-Persey an. Zingara soll im weiteren Verhör zugegeben haben, dah er vor drei Tagen einen Re­volver in der Absicht kaufte, Präsident 5) o o o e r 3M erschießen. Als er von Roosevelts An­kunft in Miami erfuhr, habe er beschlossen, diesen zu ermorden. Zingara bestand bei seiner Verneh- mung darauf, daß er von niemand beein­flußt worden sei, noch den Plan mit irgend je­manden erörtert habe. Die Polizei verhaftete im Zusammenhang mit der Tut einen Freund Zin­garos, Andreas Volenti.

Der Zustand des bei dem Anschlag auf Roosevelt schwer verletzten Bürgermeisters von Ehikago ist ernst, aber nicht lebensgefährlich. Die Kugel drang durch das Zwerchfell, streifte die Leber und blieb in dem elften Rückenwirbelknochen stecken. Die Aerzte halten einen chirurgischen Eingriff für gefährlich.

Oer Sabotageakt auf den Stuttgarter Rundfunk.

Stuttgart, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei hat gestern abend noch zahlreiche Per­sonen fe st genommen, die im Verdacht stehen, während der Hitlerkundgebung das von der Stadt- Halle zum Telegraphenbouamt führende Kabel durchschnitten zu haben. Bei einigen Verhafte­ten wurden auch Waffen gefunden. Schon zu Beginn der Hitlerversammlung war mehrmals eine Kabelstörung versucht worden, was aber sofort bemerkt wurde. Die Reichspost hatte zwar d i e Kabelbrunnen bewachen lassen, aber nicht die Freileitungen. Das Telegraphenbauamt bestreitet, daß die Nationalsozialisten an das Amt herangetreten seien mit dem Anträge, das Kabel durch «A.°Leute bewachen zu lassen. Der Staats­kommissar für den Südfunk, Vögele, begab sich nach Schluß der Kundgebung sofort zum Reichs­kanzler, um über die Vorfälle und das bisherige Untersuchungsergebnis Bericht zu erstatten. Dr. Göb­bels und der Reichspressechef der NSDAP., Dr. Diet- rich, erkannten an, daß den Rundfunk keiner­lei Schuld trifft. Die Störung erfolgte auf e i n e r post eigenen Leitung.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Reichspost- minister sofort nach Bekanntwerden der Störung eine Untersuchung eingeleitet und angeordnet, daß die für den technischen Rundfunkbetrieb ver. ontwortlichen Beamten Postbaurat Feucht, Oberpostdirektor M ö s s i n g e r und Dr. K o f e s unverzüglich bis zum Abschluß der Untersuchung auherD lenst gesetzt werden. Gegen beide Be­amten ist sofort ein Dienststrafverfahren eingeleitet worden. Außerdem wird auch noch unter­sucht werden, inwieweit ein Verschulden der Polizei oorliegt.

Oie Gerüchte um die Bildung eines propagandakommiffariats.

Berlin, 16. Febr. (ERB. Funkspruch.) Zu den Gerüchten, dah die Einrichtung eines Kommissariats für Rundfunk und Propaganda geplant sein soll, dessen Leitung der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Göbbels übernehmen würde, wird von zu­ständiger Stelle erklärt, dah über derartige Dinge überhaupt nicht gesprochen worden sei.

Kleine politische Nachrichten.

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsi- denken zum Schuhe des deutschen Volkes ist der .Vorwärts" bis zum 22. Februar verboten worden. Dieses Verbot wird mit einem Artikel »Für die Wahrheit! Der Dlutsonntag in Eisle­ben" begründet. Auf Grund der gleichen Ver­ordnung ist das3 - Tl h r - A b e n d b l a t t" bis zum 22. Februar verboten worden.

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Kardinal-Staatssekretär Pace11i hat dem deutschen Botschafter am Heiligen Stuhl das Beileid des Pap st es zur Kata- strophe von Neunkirchen ausgesprochen. Der Reichskanzler hat dem Papst in eine* Telegramm an den Kardinal-Staatssekretär für das Mitempfinden gedankt. Offizielle Beileids­kundgebungen liegen weiter vor von Rumänien, Oesterreich, Italien, Sowjetrußland, Rorwegen, der Tschechoslowakei, Bulgarien, Brasilien, Peru, Ungarn, Haiti.

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Die Reichstagsabgeordnete des Zentrums, Frau T e u f ch aus Köln, sollte in Eupen einen Vor­trag über die Stellung der Frau im sozialen Da­sein halten. Ihr ist von den belgischen Behörden die Einreiseerlaubnis verweigert worden, und zwar mit der Begründung, daß der Veranstalter des Vortragsabends, der Heimat­bund, und feine Führer das Vertrauen der bel­gischen Behörden nicht verdienten.

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Königin Wilhelmina der Aiederlande hat die Zweite Kammer aufgelöst. Die Neuwahlen sind auf den. April anberaumt worden.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Karl Correne f.

3n Dahlem bei Berlin ist Professor Dr. Karl Cor- rens, der Wiederentdecker der sogenanntenMen- d e l s ch e n Regeln", an einer Lungenentzündung gestorben. Correns, am 19. September 1864 in München geboren, hatte sich 1892 in Tübingen habi­litiert, war 1902 ao. Professor in Leipzig und 1914 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Biologie in Dahjem geworden. Der bekannte Forscher hatte sich vor allem um die Entwicklungsgeschichte der Pflanzen und um die Geschlechtsbestimmung der Tiere und Pflanzen bedeutende wissenschaftliche Der- dienste erworben. Im Jahre 1900 hatte Correns die

in Vergessenheit geratenenMendelschen Regeln" neu entdeckt. Wenn man erst seit 1900 von einer modernen Vererbungslehre sprechen kann, so ist dies nicht zuletzt der weiterbauenden und unermüdlichen Arbeit des Verstorbenen zu danken. Die Kaiser-Wil- Helm-Gesellschaft und die Biologie hat einen der tüchtigsten Gelehrten verloren.

Heinrich Mann, Käthe Kollwih, Stodtbaurat Wagner aus der Akademie der Künste ausgefchieden.

Wie dieDAZ." berichtet, haben im Verlauf einer lebhaften Auseinandersetzung in der Preußi-

Das Schicksal

der Verschütteten auf derKönigin-Louise '-Grube.

Wie das Oberbergamt Breslau mitteilt, sind von den zehn verschütteten Bergleuten der- nigin-Louise-Grube in Hindenburg (O. S.) bis­her vier Mann lebend, wenn auch mit mehr oder weniger schweren Verletzungen geborgen worden. Ein Toter ist halb freigelegt. Das Schicksal der übrigen fünf Leute ist ungewiß. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß sie noch am Leben sind.

Der Tod im Rathaus.

Ein tragischer Vorfall ereignete sich im Rat- haus Chorlottenburg. Als dort der 72^ährige Arzt Dr. Adam S ch r o h e, aus der Spreestraße in Charlottenburg, erschienen war, brach er plötz­lich während eines Gespräches mit einem Be­amten zusammen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Als die Tlmstehenden den Toten fortschaffen wollten, stürzte einer von ihnen, ein älterer Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt sind, ebenfalls tot zu Boden.

Explosion in Triest. Jünf Tote.

In einer Mineralölrasfinerie in Triest ist eine Sauerstofflasche explodiert. Fünf Personen, darunter der stellvertretende Direktor des Unter­nehmens, haben den Tod gefunden. Sechs Per­sonen sind verletzt worden.

Eine Mühle fliegt auseinander. Ein Toter, ein Schweroerlehter.

In Beuren (Hunsrück) versuchten einige Leute, eine Hafermühle, die früher Handbetrieb hatte, mit einem 18 ?8 Motor zu treiben; dabei erzielte die Mühle eine solche Geschwindigkeit, daß plötzlich die ganze Anlage unter lautem Krach auseinander- flog. Von den umherfliegenden Maschinenteilen erlitt ein Mann eine schwere Kopfverletzung, an der der Verunglückte inzwischen verstorben ist. Der Kasten der Maschine traf einen zweiten Mann am Unterleib. Dieser mußte sich mit schweren Verletzungen in ärztliche Behandlung begeben. Sein Zustand gibt zu ernsten Bedenken Anlaß.

Unliebsame Begegnung mit Hirschen.

Einen dramatischen Zusammenstoß mit einem Ru­del Hirschen erlebten vier Radfahrer auf der Hunsrückerstrahe bei Bad Kreuznach. Die Hirsche, die auf der Straße standen, hatten offenbar das herannahen der Radfahrer nicht gehört. Sie er­schraken plötzlich, und einer der kapitalen Hirsche nahm in seiner Wut einen Radfahrer kurzerhand auf das Geweih. Das wütende Tier schleppte Mann und Rad zehn Meter weit, um dann seine Last ab- zuwersen. Der Radfahrer kam, abgesehen von eini­gen Hautabschürfungen, mit dem Schrecken davon. Das Rad wurde demoliert. Ehe sich die Radfahrer besinnen konnten, waren die Hirsche im Dickicht verschwunden.

Zwei Strafgefangene niedergeschossen.

3m Landgerichtsgefängni,s in Weiden (Ober- Pfalz), in dem auch der zum Tode verurteilte Felix Schied er untergebracht ist, waren seit einiger Zeit in einer gemeinsamen Zelle ein zu fünf Iahren Zuchthaus verurteilter Schwerver­brecher und ein Oesterrricher inhaftiert, der im Verdacht steht, den Einbruch in die Kirche von Schwarzenbach bei Pressath begangen zu haben. Diese beiden Gefangenen wurden nachts von

Oer Tanz.

Kennen Sie dasTanzlegendchen" von Gott­fried Keller? Diese bezaubernde Geschichte von der kleinen Heiligen, die dasunheilige' Tanzen beim besten Willen nicht lassen tonnte, und die es dann auch schließlich durch,etzte, daß das Tan­zen heilig gesprochen wurde, und der ganze Himmel mit allen seinen Heiligen anfing, das Tanzbein zu schwingen? Wenn ich mir eine Hei­lige aussuchen müßte: Diese rhythmen-trunrene kleine Heilige von Keller würde ich wählen. Denn auch ich glaube an den Tanz als eine Quelle vieler Freuden.

Ost haben die Philosophen gefragt, welche der Künste zuerst bestanden haoe. And sie sanden, daß im Anfang aller Dinge der Rhythmus gewesen sei, und daß er sich gespalten habe in Musik und Tanz. Und es scheint wirklich, dah der Tanz die primärste aller Künste ist, denn bei den primi­tiven Völkern finden wir ihn so ausgebildet und so geheiligt wie keine andere Kunst sonst.

Heute wie vor Hunderten von Iahren tanzen Suvseemädchen, Araberinnen, Reger, Indianer, Hindumädchen den Göttern zu Ehren. Manchmal ind diese Götter auch Liebesgötter. Denn der Tanz ist die alte Drücke vom Heiligen zum Pro- anen, von der Anbetung der himmlischen zur Anbetung der irdischen Liebe. Indien, Japan Griechenland, drei alte Kulturen, haben ihre schönsten Mädchen in dieser Kunst vervollkomm­nen lassen, den Göttern und Menschen zur Freude. Wir Europäer haben in den Städten einen Sport aus ihm gemacht, haben Vereine um ihn herum gegründet, mit Wettbewerben, Turnieren, Rekor- den. Unb~ haben ihm mit alledem in der Stadt einen größten Zauber genommen.

Erfreulicherweise ist aber auf dem Lande dem Tanz noch ein Teil seines ursprünglichen Sinnes erhalten geblieben: Ausdruck eines starten Gefühls, der Freude oder der Verehrung, der Trauer oder der Liebe zu fein. Wie da die Dorfburfchen ihre Schönen umfangen, wie da die alten Bauern ihre Mütterchen feierlich herumschwingen, das hat noch etwas mit richtigem Tanz zu tun. Es steckt noch viel von der ganzen natürlichen Kraft dieser Menschen und ihrer Glieder darin. Sie freuen sich. Sie lieben ich. Und darum tanzen sie.

So muß es fein. Tanz als Ausdruck unseres Emp- | Indens. Kinder wissen das ganz genau, ohne es I gelernt zu haben. In ihren Spielen kommenFreu- I

schen Akademie der Künste Frau Professor Käthe 5k o 11 w j tz und Heinrich Mann ihren Rück­tritt erklärt und sind aus dem Verband der Aka- demie a u s g e s ch i e d e n. Die Gründe sollen, dem Blatt zufolge, darin liegen, daß Frau Kollwitz und Heinrich Mann die Aufrufe der Sozial­demokratischen bzw. der K o m m u n i ft i - schen Partei, die sich scharf gegen die gegen­wärtige Regierung wenden, mitunterzeichnet haben. Auch Stadtbaurat Wagner ist aus politischen Gründen aus der Akademie ausgeschieden.

einem Gefangenenaufseher überrascht, als sie sich außerhalb ihrer Zelle befanden. Als er sie an.ief, wurde er von ihnen mit einer Eisenstange bedroht. Der Aufseher zog in der Rotwehr seine Dienstpistole und gab zwei Schüsse ab. Durch einen dieser Schüsse wurde der Oesterreicher sofort getötet und der andere Gefangene le­bensgefährlich verletzt, so daß er ins Weidener Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Der Aufseher blieb unverletzt. Gerüchtweise verlautet, dah von den beiden Ausbrechern ein Befreiungs­versuch für Schieber geplant war. doch liegen nach Auskunft der Gefängnisverwaltung hierfür bis jetzt keinerlei Anhaltspunkte vor.

Sechs Todesopfer der Alkoholvergiftung in Szegedin.

Wie aus Szegedin (Ungarn) gemeldet wird, ist noch ein sechstes Todesopfer der bereits gemeldeten Alkoholvergift ungen zu be­flogen. Fünf Holzfäller befinden sich noch in schwer vergiftetem Zustand im Szegediner Spital. Man befürchtet, dah fich die Zahl der Toten noch erhöhen wird. In dem Dorfe, aus dem die Holz­fäller stammen, mußten noch etwa 80 Personen wegen Alkoholvergiftung ärztliche Hilfe in An­spruch nehmen. Der Branntweinhändler, der so freigebig den Alkohol spendete, ist verhaftet worden, da man annimmt, dah der Alkohol ver. giftet war. Die Obduktion der bisher Derstorbenen zeigt die typischen Merkmale einer aluten Alkohol­vergiftung.

Falschspiel Im BerlinerClub des Westens".

Im vergangenen Rovember waren imClub des Westens" in Berlin sieben zum Baccarat fertiggemachte Kartenspiele beschlagnahmt wor­den. Nunmehr ist festgestellt worden, dah fünf dieser Spiele nach bestimmten Schlüsseln gelegt worden waren. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dah seit Iahren im Club zahlreiche Personen durch F a l s ch s p i e l geschädigt worden sind. Biele Besucher des Clubs haben sich wirtschaftlich voll­ständig ruiniert. Eine Reihe von Personen, die im Club verkehrte, hat Selbstmord begangen, weil sie durch Spielverluste in verschiedenen Ber­liner Clubs ihre wirtschaftliche Cxistenzfähigkeit verloren hatte.

Flugzeugabsturz in England. Vier Tote.

Bei Salisbury stürzte ein Militärflugzeug aus noch ungeklärter Ursache ab. Vier Personen mür­ben getötet.

Jünf Todesopfer bei einem Hotelbrand in Kanada.

Dei einem Brand des Imperial-Hotels in Tisdale (Saskatchewan) sind fünf Personen ums Leben gekommen. Zahlreiche Per­sonen wurden zudem schwer verletzt; man befürchtet, dah sich die Zahl der Opfer noch be­deutend erhöhen wird.

Japanisches Marineflugboot abgestürzt. Drei Tote.

3n einer bet letzten Rächte ereignete sich in der Ducht von Tokio ein schweres Flug­zeugunglück Eines der mobernsten und größten Marineflugboote stürzte infolge Motor­schadens ab und ging unter. Gin Leutnant und zwei Hnteroffidiere ertranken, da sie sich nicht aus dem Führerraum befreien konnten. Die übrige Besatzung von sieben Mann schwamm an Land.

dentänze" undTrauertänze" vor, genau wie bei den primitiven Völkern, die uns an Lebendigkeit des körperlichen Ausdrucks ja fo sehr überlegen fin .

UiJir, dieNicht-Primitiven", fangen langsam an, von ihnen zu lernen. Wir beobachten mehr und mehr unfern Körper, lassen ihn wieder zu neuem Recht kommen, räumen ihn [einen gleichberechtigten Platz neben dem der Seele ein. Und fo sollten wir auch wieder lernen, richtig zu tanzen. Gar nicht im Frack und Abendkleid, sondern mitten am Tag, wenn uns danach zumute ist. Ich bin überzeugt, daß eine Frau, dieschlechter Laune" ist, wenn sie allein in einem Zimmer ein bißchen still (oder gelassen) vor sich hin- tanzt, ihre gesamte schlechte Laune für eine ganze Weile los ist.

Wir wissen ja alle, welch ungeheuren Einfluß ein paar Takte Musik und ein paar entsprechende Be­wegungen auf unsere Psyche haben können. Ein Marsch klingt von der Straße her zu uns herauf ... wir gehen im Takt, und unser ganzer Körper strafft sich, wir halten uns unwillkürlich etwas gerader ... innerlich und äußerlich.

Ein Walzer, den eine Drehorgel draußen spielt: wir wiegen uns in ihrem Takt, uns wird ein bißchen weich zumute, wir denken an den Frühling, an viele Dinge, die mit diefen paar Takten vielleicht für unsere Erinnerung Zusammenhängen.

Sie fühlen sich gespannt, abgespannt von dem vielen Sitzen über einer Arbeit, angespannt von zu großer Erregung ... Tanz ist das wunderbarste Ventil, das es gibt!

Jeder hat heute ein Radio ober ein Grammophon, jeder weiß im Notfall ein paar Takte irgendeines leichten Musikstücks zu fingen ... Versuchen Sie es! Nehmen Sie sich Gottfried Kellers kleine Heilige zum Vorbild! Tanzen Sie,! Liliom.

Oie Wählerliste liegt offen!

Dom Sonntag, 19. Febr., bis einschl. Sonntag, 26.Febr., liegt für die Reichstagswahl im Stadt- haus, Bergstraße 20, Zimmer 14, die Wähler- liste zur Einsichtnahme offen. Personen, die bis zum 5. März 1933 das Wahlalter von 20 Jahren erreichen, Wahlberechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben ober erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Namen führen usw., mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Ein­sichtnahme zu überzeugen. Wählen darf nur, wer in der Wählerliste verzeichnet steht. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei.

Llnser neuer Roman.

Aachbem wir den Abdruck des RomanSDu warst mir doch bestimmt!" von Gert Nothberg in der gestrigen Ausgabe des Gießener An­zeigers zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der vorliegenden Rümmer mit der Ver­öffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, das sich, wenn nicht alles täuscht, zu einem unserer stärksten Publikumserfolge gestalten dürfte. Wir glauben den Wünschen unserer Leserinnen und Leser entgegenzukommen, wenn wir ihnen heute wieder ein Werk zur Lektüre bieten, dessen Autorin sich nicht nur bei uns, sondern auch bei einer großen Gemeinde treuer Anhänger im ganzen Reich immer wieder glänzend bewährt und einen weithin geschätzten Hamen geschaffen hat. llnser neuer Roman

"Wie sie ihn bezwang" von 3- Schneider Foersil.

ist ein groß angelegter Familien- und Liebes­roman aus unserer Zeit, der von Fortsetzung $u Fortsetzung mit wachender Spannung und herz­licher Anteilnahme verfolgt werden dürfte. Wir brauchen ja unfern Lesern die außergewöhn­lichen Vorzüge der allgemein beliebten Schrift­stellerin packende Darstellung, höchste Span­nung einer vielfach in überraschenden Steigerun­gen und dramatischen Konflikten aufgebauten Handlung, und lebenswahre Charalterzeichnung nicht ausdrücklich zu rühmen, da Frau Schneider- Fosrstl ja burch ihre zahlreichen, früher hier veröffentlichten Arbeiten allenthalben hinläng­lich bekannt ist. Romane wieLache Bajazzo", Das Erbe bes Herrn von Anstetten",Wenn Menschen auseinanbergehen" undWenn Töchter Frauen werden" dürften noch in angenehmster Er­innerung sein.

Auch der neue, erst vor kurzem zum Abschluß gelangte Roman vereinigt in sich alle die Eigen­schaften, die den Werken der Frau Schneider- Foerstl eine so weite Verbreitung und all­gemeinen Beifall gesichert haben; er wird auch bei uns davon sind wir fest überzeugt seinen Weg machen und die Herzen unserer Le­serinnen und Leser im Sturm gewinnen.

Oas Werkhalbjahr für Abiturienten.

Zu der am Montag von uns veröffentlichten Mit- teiluna des Landesarbeitsamts Hcffen in Frankfurt am Main über das freiwillige Werkhalbjahr wird uns heute von der Gießener Studentenfchajt folgen­des geschrieben:

Nachdem es sich als vorläufig undurchführbar er­wiesen hatte, em pflichtgemäßes Werkjahr für alle Abiturienten durch entsprechende Verordnungen der Reichsregierung Durchzuführen hat die Deutsche Studentenschaft aus eigener Initiative den groß angelegten Versuch gemacht, von sich aus an den Idealismus der jungen Generation zu appellieren und zu einem freiwilligen Werthalbjahr aufzurufen. Das Ergebnis dieses Appells überzeugte auch bisher dem Gedanken des Werkjahres ablehnend gegenüber» stehende Regierungsstellen davon, daß mit dreier Maßnahme einem allgemein empfundenen Bedürf­nis Rechnung gefrayn würde. Daraufhin wird jetzt auch von feiten der Regierung dem freiwilligen Werkhalbjahr jede erdenkliche Unterstützung zuteil.

In einem Merkblatt, bas den Abiturienten dieses Jahres zugestellt wird, geben der Reichsminister des Innern und der Reichstommissar für den Freiwilli- neg Arbeitsdienst die Richtlinien für ein Wcrkhalb- jahr, die in jeder Weise der Auffassung entsprechen, die die Studentenschaft bei ihrem Ausruf leitete. Heute iMes insbesondere die Ausgabe Der Acmter für Arbeitsdienst innerhalb der Einzelstudenten­schaften, im Rahmen eines größeren Ausschusses von Dozenten, Studenten und sonstigen Persönlich.eiten, die in der Lage und gewillt sind, den Arbeitsdienst­gedanken in der akademischen Jugend zu empfinden und selbst weiter zu führen, praktische Arbeit für die Unterbringung der jungen arbeitsdienstwilligen Abi­turienten und Studenten zu leisten und dafür Sorge zu tragen, daß die hohe erzieherische Seite dieses Werkhalbjahres bei der Ejngliederung in den schon bestehenden Arbeitsdienst voll zur Geltung kommen. Im engsten Einvernehmen mit dem Arbeitsamt und allen übrigen Dienstträgerorganisationen geht Die Studentenschaft der Universität Gießen an die ihr gestellten Ausgaben, den Gedanken des Arbeits­dienstes als hohe Schule für die Gemeinschafts­erziehung durch die Tat zu vertiefen und durch Das Wort zu verbreiten. Ein Rundschreiben, gemeinsam vom Arbeitsamt und der Studentenschaft gezeichnet, wird den jungen Abiturienten Aufklärung Darüber geben, wann, wo und wie sie sich selbst für das frei­willige Werkhalbjahr und Damit für Den ArbeitsDienst einsetzen können. AnmelDungen nimmt sowohl Das Arbeitsamt Gießen, wie Die Studentenschaft durch ihr Amt für Arbeitsdienst entgegen.

Wechsel in der Leitung des Arbeitsamts Gießen.

Wie wir zuverlässig hären, wird Der Leiter des Arbeitsamts Gießen, Regierungsrat Dr. B u e s, am 1. März von der Leitung des hiesigen Arbeitsamtes scheiden und auf einstimmige Wahl Der zustänDigen Verwaltungsausschüsse das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitsamts in Köln übernehmen.

Tiroler Werbegruppe in Gießen.

Iunge Tiroler weilten gestern in unserer Stabt Acht stämmige Burschen und ein Mädchen, eine Gitsch", wie die Tiroler sagen, alle voll fröh­lichem Humor und voll Freude, ihrer Heimat dienen zu können. Der Verein für das Deutsch­tum im Ausland, Ortsgruppe Gießen, hatte sie eingeladen und nun füllten sie gestern vor vielen erwartungsvollen Zuhörern im Cafe Leib den Abend drei Stunden lang mit ihrem Wesen, mit ihrer frischen Art, mit ihrem ungekünstelten Charme, der bei aller Derbheit doch etwas Be­schwingtes an sich hat und immer wieder zum Durchbruch kam. Ihr Kommen aber hatte den tieferen Zweck, $u werben für Südtirol, daran zu erinnern, daß Südtirol und Tirol überhaupt deutsches Land sei und nicht vergessen werden dürfe, daß die Menschen jenes herrlichen Landes sich dem Mutterland innig ft verbunden fühlen und nur wünschen, mit dem Mutterland endlich in einem Groh-Deutschland vereinigt zu sein. Sie warben für den Anschluß und zugleich auch für den Verein für das Deutschtum im Ausland.

Studienrat Dr. König hielt die Begrüßungs­ansprache. Der Abend solle Heimat und Volkheit bewußt werden lassen. Mit Oesterreich gehe es um deutsches Schicksal, mit Oesterreich werde' Deutschlands Schicksal entschieden und erkämpft. Die Gäste seien aus Oesterreich, aus Tirol, aus Südtirol und deshalb doppelt willkommen, weil sie heldenmütig gegen Italien ihre deutsche Eigen­art verteidigen.

Hierauf sprach ein Mitglied der Gruppe einen lustigen Dorfpruch, der bei allem Humor doch

Aus aller Well.

Aus der Proviuzialhauplsta-l.