Nr. 40 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Donnerstag, 16. Zebruar 1933
Lricheini «ügllch, autza Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustrierte (Bienener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholl»
IHonats-. Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RÄ.4 195 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. . - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt
Sern|pred)anfd)lüffe anter Sammelnummer 2251. Anlchrrst für Drahtnach» richten Anzeiger Siehe».
Postscheckkonto: ^ronnurt am Main 11686.
GietzenerAiizeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vn- Verlag: vrühl'fche Untverfitülr-Vuch- und Stetnöniderei R. tanne in Gießen. Zchristleitung und Geschäftritelle: 5chu!ltraße 7.
Annahme oon Anze.geZ für die Tagesnummer bi« ZUM Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, ausmärt, 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantmortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unbfür benTln» jeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen.
Frankreichs Kriegsindustrie iorpedieri die Abrüstung.
Warum eine Aussöhnung zwischen Paris und 2Rom nicht zustandekam.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Dom, Mitte Februar.
Ein Verhängnis will es, daß dem europäischen Frieden je. esmal, wenn er sich mühsam erheben will, von irgendeinem Tolpatsch ein Prügel zwischen die Deine geworfen wird. Der neue französische Botschafter in Rom hatte die besten Absichten. Er schickte einen Schwarm von Zeitungsherolden voraus, die verkündeten, daß er um jeden Preis Italien gewinnen wolle, in Minne und Freundschaft. Die ewige Reibungsfläche müsse verschwinden. Er sagte es gern und oft, vielleicht eine Kleinigkeit zu oft. Kaum in Rom eingetroffen, noch hatte er sein Beglaubigungsschreiben nicht überreicht, galt sein erster Besuch der Ausstellung der faschistischen Revo- lution. Sehr klug, sehr nett, vielleicht eine Kleinigkeit zu nett. Man merkte die Absicht.
Italien wollte an Höflichkeit nicht zurückstehen und behandelte den Professor E y d o u x . den geständigen Spion, samt seiner Freundin vor dem Eondergericht mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit vielleicht eine Kleinigkeit zu liebenswürdig.
Man war so schön im Zuge, es hieb bereits, Mussolini betrachte es als seine zweite große Po- litische Ausgabe, auch die Bersöhnung mit der lateinischen Schwester zuwege zu bringen, nachdem ihm das Unwahrscheinliche einer Aussöhnung zwischen Quirinal und Vatikan so meisterhaft geglückt war.
In diesem Augenblick tappte der Alltag plump in das seine diplomatische Gewerbe. Jene fran- zösische Presse, die in ihrer schon abgeschmackten Sucht, alles Unangenehme, was Frankreich zustößt, dem Boche in die Schuhe zu schieben, als Reservesündenbock den Faschismus entdeckt hat, jene von der Kriegsindustrie ausgehaltenen Blätter wollten in dem Saboteur der ,Atlan- t i a u e“ Italien erkannt haben. Ferner habe Italien an Ungarn Bombenflugzeuge geliefert, neben den Waffen von Hirtenberg, und schließlich ließ Herriot und nicht bloß Herriot durchblicken, daß Mussolini heimlich e i n B ü n d - nis mit Deutschland und Ungarn an- gezettelt habe. Gleichzeitig gefiel es dem gallischen Gockel, in Genf wieder einmal auf die Abrüstung zu krähen.
Rom antwortet nun auf eine Weise, die Aufsehen erregen muß. Es wird der französischen Regierung nicht mehr und nicht weniger vorgcworfen, als daß sie den Frieden Europas aus Geldgier verrate. „Mit Blindheit geschlagen" oder „Agenti provocatori“ liest man über den Leitartikeln der italienischen Regierungspresse. Wir erleben, so beginnt der Leiter des offiziösen Giornale d'Italia, Birginio Gayda, seine Philippika, augenblicklich eine offene Wiederaufnahme italienfeindlicher Kundgebungen feilens französischer agents provocateurs. Er weist di« Anschuldigungen der französischen Presse wie Her- riots und anderer Parlamentarier als Provokation zurück und eröffnet seinerseits das Feuer mit peinlichen Enthüllungen, die man auch Erläuterungen zur französischen Politik, insbesondere in Genf, nennen könnte.
Wer stehe hinter dieser Politik? Bor allem die Kriegsindustrie, das Comite des Forges. Richt zufällig ständen an der Spitze des Feldzuges gegen Italien und für die Kriegsrüstungen der „Malin", das „Echo de Paris", das „Iournal des Debats" und der amtliche wie tendenziöse „Tcmps". Alle diese Blätter werden vom C o - mit£ des Forges bezahlt und kontrolliert. Sie stehen im Dienste einer Industrie, die ihre hohen Dividenden der Herstellung und dem Handel mit Waffen verdanke, ein Gewerbe, das zu seinem Gedeihen die Vorbereitung einer permanenten Kriegsatmosphäre brauche. Die französische Demokratie biete damit eine Gala- vorstellung ihrer Dekadenz. Sie arbeite gegen die Abrüstung und gegen die Ruhe in Europa.
Das klingt ja nun freilich etwas anders als die honigsüßen Phrasen von dem edlen, friedliebenden Frankreich, gegen deren Import sich sogar die Kleine Entente zu sträuben beginnt. Gayda aber bleibt bei der Anklage nicht stehen, er begründet sie auch:
Zusammen mit der hohen Militärbürokratie und der Hochfinanz ist das Comitä des Forges heute die wahre beherrschende Macht in F r a n k re ich und auf dec ständigen Suche nach Feinden sür Frankreich und seine Vasallen. Die Kanonenfabrikanten sind es, die aus dem französischen Projekt gegen die Abrüstung sprechen, denn die Kanonenfabrikanten verteidigen damit ihre Ware. Vergessen wir nicht, daß der Leiter des riesigen französischen Rüstungstrusts, Eugen Schneider, Ehrenvorsitzender des Comite des Forges, allein in den letzten drei Jahren 5000 Kanonen und 25 000 Tonnen Schiffspanzer für die Marine geliefert hat, eine'große Zahl der neuen Kriegsschiffe, und Chalons für Saöne, wo er gleichfalls im Aufsichtsrat der Kriegsfabriken sitzt, die neuen Rhein« und Alpenfestungen, für die bereits sieben Milliarden ausgegeben wurden. Vergessen wir nicht, das unter den 250 Gesellschaften des Comite des Forges mindestens 80 bloß von der Herstellung von Kriegsmaterial leben. Vergessen wir nicht, daß in der Generalversammlung von 1932 Eugen Schneider den Aktionären eine Dividende von 25 Prozent mit folgenden klaren Worten ausschüttete: „Während unsere Be
triebe für Eisenbahn und Schiffahrt zu wünschen übrig lassen, haben die Rüstungswerke zu unserer nicht geringenZusrieden- heit gearbeite t." Aehnlich erklärte in der Generalversammlung vom 31. März 1932 der Vorsitzende der Stahl- und Gußeisenindustrie von Firminy, Marcel Dumuis: „Unsere Waffen- fabriken arbeiten gut, die andern unregelmäßig. Hoffen wir also, daß die Staatslieferungen zu- nehmen."
Die Skodawerke des tschechischen Verbündet. an deren Spitze Schneider steht, werfen jährlich für Waffenexport 90 Millionen im Durchschnitt ab. Poincare ist Rechtsberater des Comite des Forges gewesen. Herriot wird von der Dankgruppe des Credit Lyonnais gehalten, die gleichfalls mit der Rüstungsindustrie verfilzt ist. Der Marineminister Carlo Dumont, der bei der Flottenkonferenz eine Rolle spielte, sitzt im Vcr- waltungsrat der französisch-japanischen Dank, die in direkter Geschäftsverbindung mit Schneider steht.
So wird Frankreich regiert, die Kanoneninteressen beherrschen einen guten Teil der europäischen und Weltpolitik. Daher die fortwährende Agitation gegen Deutschland und Italien, die Aufre
gung um die Kleine Entente, diesen guten Äun- den daher die Torpedierung der Flottenkonferenz in London, der Abrüstungskonferenz in Genf. Man macht die Feinde (si creano i ne- mici) und macht die Friedensgefahr, um einen Vorwand für die Rüstungen zu haben. Der dauernde Gärungs- und Spannungszustand in Europa ist künstlich gemacht, weil nur unter einem solchen die Dividenden der Kriegsindustrie gedeihen können. Schulter an Schulter mit den politischen Machenschaften arbeitet die Finanzspelu- lation bald gegen dieses, bald gegen jenes Land Europas, das heißt gegen den Frieden. Der Spekulation dient die Provokation. Und so kommt es nie zu Abrüstung und Sicherheit.
... So steht das wortwörtlich da, im Giornale d'Italia vom 12. Februar 1933, unterzeichnet von Virginia Gayda.
So hart wurde der Finger noch selten auf die wunde Stelle gelegt. Vielleicht gibt das in Genf doch ein bißchen zu denken. Und die französische Regierung wird nicht umhin können, zu antworten. Sollte man meinen.
Sicher ist auf jeden Fall, daß der Weg, den das heutige Frankreich geht, nicht zur Verständigung mit Italien führen kann.
England schlägt einen europäischen AichtangrWpakt vor.
Genf. 15. Febr. (TU.) Im politischen Ausschuß der Abrüstungskonferenz wurde der englische Vorschlag über die Verpflichtung der Mächte, in einem Streitfall unter keinen Umständen zur Gewalt zu schreiten, erörtert. Er entspricht im wesentlichen den Bestimmungen der Vereinbarung der fünf Großmächte vom 11. Dezember, bleibt jedoch ausschließlich aus die europäischen Staat en beschränkt. Die feierliche Verpflichtung, unter keinen Umständen bei einem Streitfall Gewalt anzuwenden, soll gleichzeitig mit dem '21 b » rüstungsabkommen unterzeichnet werden. Der englische Vorschlag, der auf den Erfahrungen des japanisch-chinesischen Streitfalles aufgebaut ist, bezweckt nicht nur den Krieg, sondern auch die moderne Form der Kriegsführung ohne Kriegserklärung und ohne Abbruch der diplomatischen Beziehungen unmöglich zu machen.
Außenkommissar Litwinow verlangte den Beitritt sämtlicher Mächte der Welt, sowie die sofortige Unterzeichnung der Verpflichtungen noch vor dem Abschluß des Abrüstungsab- kommens. Die Beschränkung auf Europa sei gefährlich und schädlich. In deutlicher Anspielung
auf den japanisch-chinesischen Streit erklärte Litwinow, eine außereuropäische Macht könnte sonst ohne Kriegserklärung mit militärischen Machtmitteln weite Provinzen eines Landes besetzen.
Botschafter Radolny cr .ü.tc. uau die deut- sche Regierung ihre uneingeschränkte Z u st i m - mu iug zu dem englischen Vorschlag erteile. Die Frage der Zuziehung der außereuropäischen Staaten könnte am zweckmäßigsten bis zur Behandlung der die außereuropäischen Mächte berührenden Fragen verschoben werden. Ra» dolny beantragte, daß die feierliche Verpflichtung erst beim Abschluß des Abrü - stungsabkornrnens unterzeichnet werde. Paul-Voncour schloß sich dem englischen Vorschlag untc- ^"m ausdrücklichen Vorbehalt an, daß diese Vers, flich ung dem von Frankreich vorgeschlagenen '^e.itag der gegenseitigen Hilfsmaßnahmen nicht ersetzen dürfe. Der englische Vorschlag bilde vielmehr die Grundlage für die von Frankreich verlangten regionalen Sicherheitsabkommen. Angesichts der großen grundsätzlichen Gegensätze beschloß der Ausschuß die Einsetzung eines Redaktionsausschusses.
Der neue SiaateMock auf dem Balkan.
Das Abkommen der Kleinen Entente.
Genf, 15. Febr. (TU.) Die Konferenz der Kleinen Entente wurde am Mittwochabend abgeschlossen. lieber das Ergebnis der Beratungen wurde eine amtliche Mitteilung veröffentlicht. Die drei Außenminister find zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Notwendigkeit einer Organisation des Friedens und einer Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen mit allen zentraleuropäischen Staaten für die Kleine Entente die Uebernahrne neuer Pflichten bedeutet. Zu diesem Zweck haben sie die notroenbigen Maßnahmen getroffen, um die Kleine Entente in einem vereinheitlichten internationalen Organismus umzugestalten, der für Öen Beitritt anderer Staaten unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen im Einzelfalle offen- stehen soll. Zu jedem politischen Vertrag eines der drei Staaten der Kleinen Entente, jedem einseitigen Akt, der die politische Lage der drei Staaten gegenüber einem dritten Staate ändert, sowie jedem wirtschaftlichen Abkommen, das bedeutungsvolle politischen Folgen nach sich zieht, die ein- ftimmige Zustimmung d e s Rates der Kleinen Entente notwendig ist. Die gegenwärtigen politischen Verträge eines jeden Staates der Kleinen Entente mit einem dritten Staat sollen soweit als möglich vereinheitlicht werden.
Die drei Außenminister haben ferner bedeutungsvolle Beschlüsse auf wirtschaftlichem G e - biete gefaßt. Sie betreffen die Schiffahrt auf der Donau, Eisenbahn- und Luftverkehr, Post, Telegraph, Telefon, Funkwesen, sowie die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den drei Staaten im allgemeinen und die Dorzuaszollab- tommen im besonderen. Weiter ist beschlossen worden, daß die drei Regierungen an ihre Ernis- s i o n s b a n k e n mit der Aufforderung heran- treten sollen, einen Plan für die Zusammen- arbeit aufzustellen.
Paris hochbefriedigt.
Ein Schachzug
gegen die „italienische Gefahr".
Paris, 15. Febr. (TU.) Die Pariser Presse ist über den schon vor längerer Zeit angetüniLiU»
festeren Zusammenschluß der Kleinen Entente sehr befriedigt. Man lobt die beteiligten Staaten, daß sie in Zukunft nicht nur in der Abrüstungsfrage, sondern auch in allen wichtigen politischen Fragen geschlossen vorgehen wollten. Die Beschlüsse der drei Außenminister, die sich in Genf zusammengesetzt hätten, um dem neuen Zusammenschluß eine feste Grundlage zu geben, bezögen sich nicht nur auf die wirtschaftliche Lage Mitteleuropas, sondern auf den gesamten Wiederaufbau Europas und auf die Fragen dec bevorstehenden Weltwirtschaftskonferenz. Außerordentlich wichtig sei es, daß Süd- slawien und Rumänien beschlossen hätten, zwischen beiden Ländern eine Brücke über Die Donau zu schlagen. Der „Petit Parisien" spricht von der „ß i n i e Gdinge n—S alo - niki", die ein Bindeglied zwischen den Staaten der Kleinen Entente und Polen darstellen würde. Das „Echo de Paris" berichtet, daß die Kleine Entente in Zukunft als eine politische Einheit aufzufassen fei. Bisher habe das Bündnis der Kleinen Entente sich lediglich gegen Ungarn gerichtet, jetzt gelte es. der italienischen Gefahr au begegnen. Die neu zu errichtende Donaubrücke schaffe einen Verbindungsweg, der ganz unabhängig von den Verbündeten Italien, Ungarn und Bulgarien fei.
Italien ernilintertdieMzedonier
Gegen den Belgrader Zentralismus.
Rom, 14. Febr. (ERB.) „Giornale d'Italia" befaßt sich mit den Beschlüssen des Mazedonier- Kongresses und erklärt, der Schmerzensruf Der 30 000 Mazedonier dürfe bei den verantwortlichen Faktoren des zivilisierten Europas nicht unge- h ö r t bleiben. Dieser Schrei geselle sich zu dem der Kroaten, der Serben, der Mohammedaner von Bosnien und Herzegowina, der Montenegriner und der A l b a n e r, die in geschlossenen Siedlungen am We strande des neuen Iu - g o s l a w i e n lebten. Zwischen Kroaten und Mazedonier bestehe Einvernehmen. Die Empörung der
bedrückten Völker sei im Begriff, fie mit Riesenschritten einer Einheitsfront entgegenzuführen. Die nationale Bewegung in Jugoslawien nehme im direkten Verhältnis mit den Gewalttätigkeiten und den Bedrückungsversuchen zu. Wir sehen, so schließt das Blatt, diesem historischen Prozeß der Spaltung zwischen Belgrad und der Peripherie mit der Aufmerksamkeit eines Volkes zu, das im Bewußtsein seiner Verantwortung für die Ordnung und den Frieden in Europa lebt.
Ernste Lage in Rumänien.
Zuspitzung des Eiscnbahncrstrciks.
Bukarest, 15. Febr. (TU.) 4000 Arbeiter der Pukarester Eisenbahnwerk statt en traten am Mittwoch erneut in den Streik, weil die Militärbehörden in der vergangenen Rächt elf Arbeiter, die in Verdacht stehen, den aufgelösten kommunistischen Gcheimorganisationen anzugehören, in Haft genommen haben. Die Streikenden fordern nicht nur Freilassung der Verhafteten, sondern stellen auch eine Reihe politischer Forderungen, darunter Aufhebung deS BclagerungszustanDes. Die Verhandlungen zwischen den streikenden Arbeitern und den Militärbehörden dauerten den ganzen Tag. In K lause n b u r g wurde ein Arbeiter durch Gewehrschüsse schwer verletzt. In Constanza schoß ein kommunistischer Führer im Augenblick seiner Verhaftung den Polizeikommissar nieder und verübte Selbstmord. Im übrigen wurden im ganzen Lande, namentlich in den größeren Städten Verhaftungen vorgenommen.
In den Abendstunden hat sich die Lage weiter verschärft, so daß sich die Regierung genötigt sah, stärkere militärische Kräfte ein» Ausetzen und schärfer vorzugehen. Die Presse- direktion gibt folgenden Lagebericht: „In K lause n b u r g ist es der Polizei gelungen, in die von den streikenden Arbeitern besetzte Werkst ä 11 e der Eisenbahn von rückwärts her einzudringen, worauf die Arbeiter kapitulierten. Die Rädelsführer wurden verhaftet. In Bukarest beginnt soeben die gewaltsame Räumung der von den streikenden Arbeitern besetzten Eisenbahnwerk st ätte, wobei es bei den Gendarmen bisher zwei Verwundete gegeben hat. Aus der Richtung der Fabriken ist zur Zeit Sirenengeheul zu hören. Alle Meldungen über eine in Rumänien auSgebro- chene Revolution sind in das Reich der Fabel zu verweisen. Ein Grund zur Beunruhigung Hegt nicht vor.
Schwere Schießerei in Bukarest.
Bukarest, 16. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Arbeiter, die sich in den Eisenbahnwerkstätten verschanzt hatten, haben während der Rächt mehrere Schüsse auf die sie umzingelndenPolizisten abgegeben. Dabei wurden mehrere Polizeibeamte verletzt. Um 6 Uhr früh richtete der Vertreter der Staatsanwaltschaft an die Arbeiterschaft den Aufruf, die gesamten Betriebsräume unverzüglich zu v e r- lassen. Dieser Aufruf wurde dreimal wiederholt. Die Arbeiter antworteten jedoch erneut mit Revolverschüssen. Das Militär war daher gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Es folgte eine Salve, durch die Drei Arbeiter getötet und neun verletzt wurden. Schließlich ergab sich die Arbeiterschaft. In allen Bukarester Fabriken ist die Arbeit bereits wieder ausgenommen worden.
Simon sordett die Ratifizierung von Lausanne.
TerFeruost onflikt bedroht dcnBölkcrbund.
London, 15. Febr. (TU.) Der englische Außenminister Sir John Simon äußerte sich auf einer Kundgebung für die Nationalregierung in Southampton über die Abrüstung und das Lausanner Abkommen. Wenn auch die Einzelheiten eines allgemeinen Rüstungsabkommens schwierig sein mögen, so seien doch die grundlegenden Meinungsver- schiedenheiten nicht technischer, sondern politi- scherNatur. Die englische Politik suche auch das Gefühl des Vertrauens zw.scheu den Nationen zu vermitteln, da sich hierauf jede international vereinbarte wirksame Abrüstungsmaßnahme stutzen müsse. Die Beziehungen zwischen dem Lausanner Abkommen und Genf beständen darin, daß seit den Tagen der Friedensoerträge die Repa- rationen, die europäische Stabilität und selbst den europäischen Frieden bedroht hätten. Man könne es sich einfach nicht leisten, irgendetwas zu tun, was die Ratifizierung unmöglich machen würde. Sollte die Reparationsfrage etwa wieder von neuem aufgeworfen werden, so würde das Vertrauen in der ganzen Well untergraben. Die Weltmarktpreise würden scharf weiter fallen und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten würden sich wiederum verschärfen. Das Lausanner Abkommen sei mit vollem Recht als ein Waffen st ill st and bezeichnet worden. Es komme jetzt darauf an, es durch gegenseitige Anpassung und durch eine verständige Handhabung zur dauernden Grund- I a g e für die Erholung der Well zu machen.
Die Lage i m Fernen O st e n bereite jeden^ der den Völkerbund stütze, die schwerste Sorge. Eng« land habe bis zum äußersten zu einer Aussöhnung mitgewirkt, wie dies die erste Pflicht des Völkerbun- des in einem solchen Falle sei. Der Völkerbund aber sei kein Ueberftaat, der einen beherrschende» physischen Ztpang auf seine Mitglieder ausüben könne, sondern nur eine internationale Organisation, die d i e Zusammenarbeit an dis Stelle von Gewalt fetze und die AussöhnunG
>t d t- 3
X« |t, in ch iS er ie rs *n ur •rt n- di u- ■in ir. de an en x?c irrig cm len tu» )ur uh de*
e r Die nd- )en. me.
irb. )sen aus rge- ier ien-
Heu.
hen, arge nlen inge sich
)ften er»
eflge mich
mit
weit naus »erke, •18- : um
er* , bc* Ver* zurn :t feit ntal» . Ge- „Cä- •, der "ges- ) daS > für
t hier leider Zwei. Man- benS* t o r - u | e n huf- beffen
> wei* Wet- ) nach Durch cdings über liebige Glichen n ab- Druck [tigern m sich päter- kieder*
g und rocken, vielfach ig und mild,
3 Grad lorgens nimum 10 cm . März: ),0 mm.


