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Alleweil drückt sich's nit so mit der Arbeit, da kriegt auf mein' Muhl — und die Eve wird mein Frau, man eher iemano und braucht auch die höchste und der eine Betrieb nährt uns besser, als die zwei.
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Feindschaft. Es will alles beraten und bedacht sein im Leben, und ein fetter Ochs ist allemal noch besser als zwei magere Küh', das mein' ich."
Der Jerrisepp war während dieser Rede doch erregt geworden. Es war ja auch nicht leicht gewesen, das mit der Eve, und er hatte seine Kappe rasch in den Händen gedreht, roie's heraus mußte.
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„Du willst aber gerad' alles umstürzen", spöttelte darauf der Wiesenmüller.
„Es kann nit alles ewig halten. Menschenwerk ist nit für die Ewigkeit", erwiderte ihm der Jerrisepp mit Nachdruck.
Die Mutter wechselte einen Blick mit der Eve und zog die Augenbrauen hoch. Die Eve lächelte und wurde rot. Sie guckte in ihre Kaffeeschale und rührte verlegen den Zucker.
Als der Kaffee getrunken war, trug die Eve ab. Und als sie draußen war und der Jerrisepp sich mit einem scharfen Blick nach der Tür vergewissert hatte, daß die Eve außer Hörweite war, fragte er: „Nun, wie ist's, Nachbar, habt Ihr Euch besonnen?" „Allerdings", sagte der Wiesenmüller, „und zwar so, daß nix draus werden kann. Wir sind noch nit so weit, die Mutter und ich, daß wir aus dem Haus zu gehen brauchen auf Gnad' und Barmherzigkeit. In unseren Jahren aber außerdem, geht man nur aus sei'm Haus, wann man hinausgetragen wird auf den Kirchhof. Bis dahin —"
„Hm, hm", machte nun der Jerrisepp. Er lächelte verschmitzt in sich hinein.
„Das ist ganz schön, Nachbar, aber ob’s nit doch vernünftiger wär' —"
„Du guckst's mit deinen Augen an, ich mit meinen, da siehfs jeder auf eine andere Vernünftigkeit."
„Also brauchen wir nix mehr $u reden?" „Dadrüber vorläufig nit. Nein, das wollen wir doch noch mal ein bißchen abwarten."
„Hm, hm! Wie Ihr wollt, Nachbar."
Dann ging der Jerrisepp, und lächelte auch dann noch verschmitzt vor sich hin. —
In dieser Woche blieb plötzlich die Wiesenmühle stillstehen. Der Müller sah nach, es fehlte an Wasser. Wie ausgetrunken war der Bach. Das hatte der Jerrisepp gemacht. Er schaffte oben sechs Mann hoch. Nun, der Wiesenmüller wollte den Frieden bewahren und wartete noch ein paar Tage. Aber das Wasser kam nicht. Endlich lief ein dünnes Rinnsal. Und als es mehr wurde, war's recht schwach und träge. Da es nicht besser werden wallte, schickte der Wiesenmüller die Eve hinauf zum Jerrisepp, fragen, wann er denn mit feiner Arbeit fertig sein werde. Sie sei schon fertig, brachte die Eve Antwort. Es hatte schon immer so wie so an einem tüchtigen Gefäll gehapert, nun war ihm alle Kraft genommen. Droben beim Jerrisepp war's fein eingefangen und hoch gelegt und rauschte es nur so übers Rad. Dann hatte er’s unterhalb der Mühle ganz tief gelegt, so daß es sich nur so faul durch die Wiesen hinsickerte bis es zur Wiesenmühle kam.
(Schluß folgt.)
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„Hm, hm!"
Dann war's wieder eine Weile still.
Die Tür ging auf, und Eve steckte den herein.
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„Ja, bring ihn", sagte der Vater.
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Löhn' nit zu bezahlen. Ich hab' mir drum für mor- gen fünf, sechs Mann bestellt, ich heb die Bach vor der Mühl' aus, saß das Wasser enger und leit’s hoch und mach mein Rad oberschlächtig."
Was tausend!" knurrte der Müller.
"Dann rechne ich, geht's wieder zehn, fünfzehn Jahre. Und geht's dann nit mehr und man erlebt's noch, so kost's halt eine Dampfmaschine."
„Jerrisepp", fuhr es der Müllerin heraus, „daß du dann so einen hohen Schornstein bauen müßt?"
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Der alte Müller hatte heftig getrommelt und den Takt getreten, die Müllerin machte noch große Augen und schien gar nicht zu sich zu kommen. So halb etwas Glänzendes war nämlich in ihren Augen.
„Das wär' schon ein Plan", stammelte sie.
Aber der alte Müller guckte sie streng an, daß sie sich ganz zusammennahm und ihre weitere Rede für sich behielt.
Es blieb still zwischen den dreien.
„Ihr müßt mir doch sagen, Nachbar", unterbrach der Jerrisepp das Schweigen, „daß ich's gut mit Euch mein’."
Das löste die Spannung beim alten Wiesenmüller.
„Auf Gnad' und Barmherzigkeit, Jerrisepp, nein, babrouf sinb wir boch noch nit angewiesen. Nit wahr, Mutter? Wir haben all unser Tag reblich schafft unb hausgehalten, unb wann wir ruhen wollen, ruhen wir baheim, wo wir alt geworben sinb unb wo wir auch sterben wollen. Nit wahr, Mutter?"
Das hatte sehr traurig unb bitter geklungen.
Aus ben Augen ber Müllerin war nun bas Glänzende geschwunben. Sie waren trübe geworben, unb sie mußte sich schnäuzen.
„So ist das aber nit gemeint, Nachbar, unb so ist bas auch nit zu verstehen. Ihr feib ja bann bei
Oie Kreiie.
(Sine Erzählung von Wilhelm Holzamer.
(Fortsetzung.)
„Ja", sagte ber alte Müller, „unb ich hab' bir’s von Herzen gegönnt."
Der Jerrisepp besann sich. Er war betroffen. Es hatte so gütig geklungen. Er war ein bißchen Der- wirrt. ,
„Euer Mühl' läuft leer, Nachbar", entfuhr es ihm. Dabei würbe er rot.
„Die feiert Sonntag heut", erroiberte lächelnb der Müller. „Man muß fo einer Mühl' auch ihren Sonntag gönnen."
Nun war ber Jerrisepp ganz geschlagen. Um so mehr verwirrt würbe er. Er wußte nicht mehr zu unterscheiben, was gut und was nicht gut zu reden wäre. Und er hatte sich doch alles ganz genau ausgedacht gehabt, was er sagen wollte.
Der Jerrisepp verwurstelte sich noch weiter. „Mein' Mühl' kann ich halt nit Sonntag feiern lassen, das verträgt's nit. Es ist halt, daß ich durch die neu’ Chaussee so einen guten Weg gekriegt hab. Die Fuhrleut' wollen doch die holprigen Feldweg heutigestags nit machen. Drum ist's halt was anders bei Euch, Nachbar. Den langen Feldweg scheuen sie halt all." .
„Und kommen aber doch", fuhr die Müllerin nun heraus. Ä _
Der alte Müller bekam einen roten Kopf. Er trommelte sehr laut.
„Willst dich nit setzen, Jerrisepp? fragte er. Der Jerrisepp fat's.
„Bei dei'm Großvater und mei m Vater, Jerrisepp, wie ich noch Bub war und an dich noch kein Mensch gedacht hat, war's anders. Jeder hatt' damals sein gleich Teil."
„Ja", sagte der Jerrisepp, „so roie’s bei den Menschen ist, daß die einen alt werden und die anderen jung, so ist's auch mit den Mühlen. Das eine überlebt sich, das andere erhebt sich."
„Hm!" knurrte der Alte. .
„Ich hab' sogar noch weiter gedacht. Ich seh ein, bah bie Müllerei muß zugrunde gehen, wenn sie nit ein bißchen aufgeholfen kriegt. Durch die Müller mein’ ich. Die alten Einrichtungen taugen nit mehr. Ich hab' mir Bücher angeschafft, die fürs neue sind. „Der praktische Mühlenbauer", „Unsere Muhlenein- richtungen", „Dampf- und Wassermühlen", und noch so ein paar. Man kann ja nit alles brauchen, was da grab brinsteht, aber manches ist boch richtig und gut. Ich will jetzt die Sach' anders einrichten. Zuerst mal das Wasser besser ausnutzen. Das geht ja
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„Gewiß, Nachbar'n, man muß mit der Zeit gehn. Wer das richtig tut, wird nix dabei verlier'n, aber zugucken, roie's dort weitergeht und doch still sitzenbleiben auf sei'm alten Fleckelchen, das führt zu nix. Ja, und was ich sagen wollt, Nachbar, mit dem Wasser das, Ihr müßt auch dabei was tun. Ich kann bann mit wenig Wasser mahlen, aber bei bem schlechten Zustand von ber Bach roirb’s bei Euch bann erst recht hapern, 's ist halt alles verschlammt, und Euer Gefall ist so gut wie keins. Die Hauptkraft nehm' ich dann weg, wie gesagt, weil das Wasser dann kein' Gewalt von oben mehr für Euch ^,'Jch hab’ aber das Wassergerecht schon von alten Zeiten her", protestierte hier der Müller.
„Ganz recht, Nachbar, das Wassergerecht wird Euch auch nit genommen, nur das Wasser wird seine Kraft verlieren. Und unser Muhl ist auch nit jünger wie Eure. Bloß hab ich den Vorteil, daß ich oben lieg und Ihr unten, und daß ich also vor Euch das Wasser hab'."
Der Alte sah, daß ihn der Jerrisepp sesthatte. Und der Jerrisepp sah, daß sich das Blättchen ge- wendet hatte. Nun galt's, den Vorteil auszunutzen. Der Alte brummelte etwas vor sich hin, das der Jerrisepp nicht verstand.
„Es ist ja vorauszusehen, Nachbar, und Darüber muh man sich klar sein, wenn ich mein’ Betrieb in die Hohe bring, geht Eurer herunter. Das liegt auf der Hand. Weismachen wollen wir uns mx. Was ist, das ist. Aber ich hab' mir gedacht, da wär' doch abzuhelfen. Ich denk' immer bloß nit von heut auf morgen, auch auf übermorgen. Und da hab' ich gemeint, Ihr macht einfach ganz zu, Nachbar!"
Der Müller fuhr auf. Und die Müllerin gab der Katze einen Tritt.
„Radikalkur!" sagte der Alte. „Ich bedank mich aber schön."
Aber der Jerrisepp war jetzt im Zug.
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