Ausgabe 
15.9.1933 Erstes Blatt
 
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den. Auch dem D a t e r des Gauleiters, dem 60 Jahre alten, in Hall in Tirol geborenen und dort zustän­digen Weinhändler Franz Hofer Senior ist die ö st erreichische Staatsbürgerschaft aber­kannt, und die Sicherstellung des vorhandenen Ver­mögens verfügt worden. Hofer Senior war früher Pächter eines Gasthofes in Innsbruck und lebte zuletzt als Privatier in Innsbruck. Zur Zeit hält sich Hofer Senior mit seiner Familie in München auf.

Den in der vorigen Woche nach Bayern überge­gangenen Offizieren des Bundesheeres, Oberleutnant Bruno Fuschelberger und Ober­leutnant Theodor Schwarzäugl ist die Bundes­bürgerschaft ebenfalls aberkannt worden.

Oer erste Spatenstich zum Eiderdamm.

Ein großes Meliorationswerk an der Nordmark.

Friedrichs st adt a. d. Eider, 14. Sept. (TU.) Hier fand die feierliche Eröffnung des großen Meliorationswerkes der Eider-Abdämmung statt, eines großen Landeskulturprojektes, dessen Kosten 6 bis 7 Millionen RM. betragen und das 35 000 Hektar wertvollen Landes der Eider­niederung vor den Sturmfluten der Nordsee, ins­besondere durch einen gewaltigen Eiderdamm bei Nortseld, sowie durch Verbesserung der Deiche schützen soll. Reichsminister Darr 6 war in Be­gleitung von Staatssekretär Willikens, Vertretern der Behörden, SA., SS., Stahlhelm und Hitler­jugend zu der Feier erschienen.

Er führte u. a. aus: Die nationalsozialistische Re­gierung habe in voller Würdigung der verantwor­tungsschweren Aufgabe, die hier der Nation gestellt sei, einen der bedeutungsvollsten Frontabschnitte der gewaltigen Arbeitsschlacht des deutschen Volkes in das meerumschlungene Schleswig- H ölst ein gelegt, um das Werk zu beginnen, das sich würdig an den Meliorationsplan des gro­ßen Preußenkünigs anschließen werde und das ein­mal unserer deutschen Heimat ein im Frieden er­obertes Gebiet schenken solle. Es gelte die zwischen beiden Seiten der Eider und der Treene sich er­streckenden Flüsse vor den gewaltigen Ueberschwem- mungen der Nordseefluten zu schützen. Ein hoher Damm solle nun die ganze Eiderbucht gegen die Nordsee absperren und unter seinem Schutz würden neue Bauernhöfe und Dörfer erblühen und die beiden Landesteile Schleswig und Holstein damit noch fester anein­andergefügt werden. Es sei zu hoffen, daß bis zum Jahre 1936 das gewaltige Werk endgültig abge­schlossen sein werde. Der Reichsminister vollzog dar­auf den ersten Spatenstich.

O>e Angeklagten im Reichstagsbrand-Prozeß.

Leipzig, 14. Sept. (WTB.) Nunmehr liegt der amtliche Terminzettel in dem Prozeß gegen die Reichstagsbrand st ifter vor. Die Verhandlung ist auf Donnerstag, 21. September, 9 Uhr, im Hauptsitzungssaal des Reichsgerichts vor dem Vierten Strafsenat festge­setzt. Die Namen der fünf Angeklagten lauten: Marinus van der Lubbe, Maurer, Ernst Torgler, Georgi Dimitroff, Schrift­steller, geboren in Radomir (Bulgarien), P o p o f f, Student, geboren in Drjan bei Sofia, Wassil T a n e f f, Schuhmacher, geboren in Gevgeli (Ma­zedonien).

Die Anklage lautet auf Hochverrat und andere Verbrechen. Im Laufe der Beweisaufnahme dürften im Berliner Abschnitt des Prozesses etwa 120 Zeugen vernommen werden, nachdem in der Voruntersuchung 500 Zeugen gehört worden sind. Von den Angeklagten besitzt lediglich Torgler die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Hauptange­klagte oan der Lubbe ist Holländer, während die übrigen Angeklagten bulgarische Staatsange­hörige sind.

Torglers Verteidiger in London.

London, 15.Sept. (WTB. Funkspruch.) Reichs­anwalt Dr. Sack, der die Verteidigung des Kom­munisten Torgler im Leipziger Prozeß sühren wird, ist gestern abend auf dem Luftwege in Croydon eingetragen. Er und seine beiden Begleiter wurden von den Paßkontrollbeamten ungewöhnliche Zeit, angeblich über eine Stunde, aufgehalten, bevor sie sich nach London weiterbegeben konnten. Die Morgenblätter vermuten, daß Dr. Sack nach London gekommen ist, um der heutigen Sitzung der soge­nanntenInternationalen ,uristischen Untersuchungskommission" über den Reichstagsbrand beizuwohnen.Daily Expreß" zieht aus dem Londoner Besuch von Dr. Sack den Schluß, M die Behauptung, den Angeklagten werde in Leipzig feine angemessene Verteidi­gung sm öglichkeit gegeben werden, möglicher­weise doch nicht den Tatsachen ent­spreche.

Hilfsaktion für Kinderreiche.

, ® Erl in, 14. Sept. (TU.) Die Bevölkerungspoli­tische Aufklarungsaktion des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda wird gleichzeitig zu einer Hilfsaktion für Kinderreiche gestaltet Die mit der der Verbreitung der Broschüre Mu r ter kämpft für euere Kinder!" verbundene Arbeit und die daraus entstehenden Einnahmen sollen bevorrechtet k inderrei­chen Familien z u g u t e k o m m e n. Die dem Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands ange­gliederten Vereinigungen werden daher aufgefor- dert, den Ortsgruppenleitern der NSDAP, beschleu­nigt würdige und bedürftige Kinderreiche zum Ver­trieb der Broschüren namhaft zu machen.

Llnbedmgler Vorrang der Arbeits­beschaffung.

Berlin, 14. Sept. (Vdz.) Der Reichswirt- schaftsminister hat Richtlinien über die Vergebung öffentlicher Aufträge erlassen. Es wird darin be­tont, daß unbeschadet der grundsätzlichenBe- vorzugung d e u t s ch st ä m m i g e r Firmen die Beschaffungsstellen ohne besonderen Antrag weitschwestige Ermittlungen nach der Arier-Eigenschaft der in Frage kommenden Personen nicht anstellen sollten, weil damit dem vordringlichen Interesse der Arbeitsbe­schaffung nicht gedient werde. Mit diesem Grundsatz unvereinbar sei es, wenn einzelne Beschaffungsstellen an die I n d u st r i e - und Handelskammer usw. formular- und listen­mäßige Anfragen übersenden, die teilweise Hunderte von Firmennamen enthalten. Derartige Anfragen seien, so erklärte der Minister, a u f das wirklich notwendige Maß zu

beschranken. Es müsse auch in jedem Einzel- fall der besondere Anlaß der Anfrage ausdrücklich heroorgehoben werden. Die Beschei­nigung alsdeutsches Unternehmen" usw., gleichgültig, an wen sie erteilt wurde, sei mit den Richtlinien vom 19. Juli d. I. g e g e n lt a n d s° los geworden. Es wird dabei auf die stets gegebene Gefahr d e s reklamemäßigen Mißbrauches solcher Bescheinigungen hinge­wiesen. Bescheinigungen dieser Art sollten daher von amtlichen Stellen nicht erteilt werden.

Neue preußische Staatsräte.

Berlin, 14. Sept. (WTB.) Der preußische Mi­nisterpräsident Göring hat den Ministerialrat im preußischen Justizministerium Gustav W a g e mann gleichzeitig mit seiner Ernennung zum Präsidenten des E r b h o f g e r i ch t e s in Celle zum preußischen Staatsrat ernannt. Präsiden Wagemann hat als Sachbearbeiter maß- gebend an der Schaffung des bäuerlichen Erbhof- rechtes in Preußen mitgewirkt. Ferner hat der preußische Ministerpräsident den Gruppenführer Seidel-Dittmarsch, den Chef des Füh - rungsstabes der gesamten SS., zum preußischen Staatsrat ernannt.

Llugarischer Besuch in Paris.

Paris 15. Sept. (WTB.) Minister des Aeuße- ren von Kayna ist nach Paris abgereist, um dem französischen Minister des Aeußeren Paul- Boncour einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Im gestrigen Kabinettsrat soll Paul-Boncour erklärt haben, daß bei seinen Besprechungen mit Kayna keine politischen Fragen erörtert werden und daß diese Besprechungen lediglich den Wirtschaftsproblemen und insbesondere der Rolle dienen würden, die Ungarn bei der Re­organisation Mitteleuropas spielen könnte. Fast sämtliche Blätter äußern sich in diesem Sinne und versichern dem ungarischen Außenminister, daß er unter diesen Umständen auf die verftändnis- volle Unter st ützung Frankreichs rech­nen dürfe. Nur dasEcho de Paris" wittert in dem Besuch Kaynas eine politische Falle, die Paul- Boncour vielleicht nicht zu umgehen verstehen werde.

Gandhi schließt auf ein Jahr Waffenstillstand.

Bombay, 15. Sept. (TU.) Ein einjähriger Waffenstillstand in dem Ungehorsamkeits- feldzug ist das Ergebnis der Besprechungen, die zwischen dem Kongreßführer Pandit Nehm und Gandhi stattfanden. Nachdem Gandhi lange im Ge­bet mit sich gerungen hatte, versprach er, daß er bis zum 3. August 1934 keinen aggres­siven Wider st and gegen die Behörden leisten und seine Wiederverhaftung vermeiden wolle. Der Entschluß sei ihm, so sagte er, sehr schwer gefallen, aber es werde noch mehrere Wochen dauern, bis er feine volle Gesund­heit wiedererlangt habe.

Koloniale Werbung.

Zur Vereinheitlichung der deutschen Kolonial- bewegung sind alle Organisationen auf diesem Ge- biete in den Reichs-Kolonialbund zusam-

mengeschlossen. Dieser gibt jetzt zur Werbung des kolonialen Gedankens eine Denkmünze heraus, die von dem bekannten Bildhauer Morin entwor­fen worden ist. Wie aus den Abbildungen hervor­geht, ist der GedankeM e h r R a u m", den Deutsch­land für seinen Fortbestand braucht, in eindrucks­voller Weise dargestellt.

Kleine politische Nachrichten.

Die Abgeordnetenkammer der Philippinen hat mit 58 gegen 10 Stimmen einen Gesetzentwurf angenommen, durch den bestimmt wird, daß am 30. Oktober eine Volksabstimmung über die Frage entscheiden soll, ob die Philippinen das ihnen vom Kongreß der Vereinigten Staaten gemachte An­gebot, innerhalb von zehn Jahren ihre Unabhängigkeit zu gewinnen, anneh­men sollen oder nicht.

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Der frühere Intendant des Westdeutschen Rund­funks Ernst Hardt und der frühere kaufmän­nische Direktor des Westfunks Korte find auf Grund eines neuerlichen Haftbefehls wegen Miß­wirtschaft beim Westdeutschen Rundfunk verhaf - t e t worden.

Aus aller Welt.

Amokläufer richtet ein Blutbad an.

Auf der Insel Taliaboe wurden, wie aus Am- boina (Molukken) berichtet wird, mehrere Menschen das Opfer eines Amokläufers. Bei einem Hochzeitsfeste ergriff der vom Tropenkoller befallene Brautvater plötzlich ein Messer und tötete vier Frauen aus dem Kreise der entsetzten Gäste. Drei weiteren Frauen und einem Mann brachte er schwere Verletzungen bei. Der Täter konnte im Getümmel entkommen.

Schwerer Autounfall.

An einer Straßenkreuzung in Dortmund stießen zwei Personenkraftwagen mit großer Wucht aufeinander. In dem einen Wagen befand sich der Oberpräsident von Hannover SA. - Obergruppenführer Lutze, der andere Wagen wurde von dem bekannten Rennfahrer M a i d o r n aus Dresden gesteuert. Während SA.° Obergruppenführer Lutze an beiden Knien nur leichtere Verletzungen erlitt, trug Maidorn eine schwere Beckenquetschung und eine Darmverletzung davon.

Irländische Boykottbewegung gegen englisches Bier.

Im irischen Freistaat ist im Zusammenhang mit dem englisch-irischen Wirtschaftskrieg ein regelrech­ter Kampf gegen engl i s ch e s Bier im Gange. In Dublin haben am Mittwochabend acht verschiedene Ueberfälle auf Schank st ci t - t e n stattgefunden. Eine Gruppe bewaffneter Män­ner hielt einen von Dublin nach Dundalk fahrenden Güterzug auf, entfernte ein Faß mit englischem und versehentlich auch ein Faß mit irischem Bier und zerschlug diese Fässer.

Krieg im Oleander.

O!e Geheimnisse der spanischen Maro ko-Zone. - Französischer Kultur- und Raffenkampf. - Oie Kosten des Atlas-Krieges.

Von unserem Ms.»Sonderberichterstaüer.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tanger, September 1933.

Kommt man nach dem Kriege das erstemal wie­der nach Tanger, so möchte man sehr traurig werden. Auch diese Stadt noch vor zwanzig Jahren ein Märchen reinsten Orients im unmittel­baren Angesicht Europas scheint dem Schicksal aller afrikanischen Randstädte nunmehr endgültig anheimgefallen zu sein, völlig europäisiert zu werden und alle Eigenart zu verlieren. Das ist jedenfalls der erste Eindruck, den man von der weit- ausladenden Bucht gewinnt, in der das Schiff auf der Reede ankert. Das Innere, insbesondere aber d i e Kasbah mit ihrem Gewirr von engen, blau- weißen Gassen, scheint sich doch mehr den eigenen Charakter bewahrt zu haben. Vielleicht ist auch schon eine Kommission tätig, die um des Fremdenverkehrs willen hier gewissermaßennaturschützend" wirkt. Auch das Bazar und vor allem dergroße Soco", der H a u p t m a r k t, an dem das heute von einem Sultanspräsidenten bewohnte, hinter einer Mauer mit orientalischem Tor verborgene Gebäude der ehemaligen deutschen Gesandtschaft liegt, zeigen vor allem in den Volkstypen noch alte Ursprünglichkeit. Jeder, der in seiner Jugend Karl Mai; gelesen hat, kann sich hier nach Bedarf den Hadschi Halef Omar und die anderen Heldengestalten der arabischen Bände heraussuchen. Der Streit über Karl May ist in der Tat mit einem einzigen Blick auf das Ge­triebe des Gran Soco entschieden. Und wenn Kara Ben Nemsi Effendi niemals einen Fuß auf afrika­nischen Boden gesetzt hat, Afrika sah seinerzeit jedenfalls genau so aus, wie er es schildert.

Sieht es nicht auch heute noch so aus? Diese Frage muß gestellt werden und sie kann nur beant­wortet werden, wenn man in das Innere kommt und den von spanischer, französischer, und zum Teil auch englischer Zivilisation übertünchten Rand" verläßt. Das Innere Marokkos ist immer noch Geheimnis. Die Spanier haben es oorgezogen, die Finger aus diesem Geheimnis zu lassen, nachdem sie sich in den Kämpfen mit Abd el Krim Niederlagen über Niederlagen geholt hatten. Heute genießen die einzelnen Rystabilenstämme in der spanischen $one eine gewisse unbeachtete Selb­ständigkeit, die sich recht günstig in einer Beruhigung Des Landes auswirkt. Man läßt ihnen ihre volk- lichen und religiösen Gebräuche, behandelt sogar ihr Mohammedanertum pfleglich, plagt sie nicht allzu- ebr mit Steuern und sorgt mit dem immerhin noch ehr großen Aufwand von spanischem Militär nur )afür, daß sich keine der beliebten Räubereien und Ueberfälle ereignen, die den Fremdenverkehr emp­findlich stören würden. In der spanischen Zone kann man auch heute noch einen Blick in Das Innere tun, kann man eine Maultierkarawane zusammenstellen und unter der Führung eines ortskundigen Ein­geborenen romantische Streifen ins Beni-Hassan- Gebirge unternehmen. Die einstmals als Fremden­ziel berühmteFonbak", die größte Karawanse­rei Nordafrikas an der Straße von Tanger nach Tetuan, hat durch den Bau dieser modernen Straße und durch den Autobusverkehr auf ihr ihren Reiz eingebüßt.

Die Franzosen verfahren anders Sie führen ihren Slampf weiter und nichts deutet darauf hin, daß sie ihn einstellen werden, ehe nicht die erstrebte völlige Pazifierung Marokkos und insbe- sondere des südlichen Atlas erreicht ist. Ihr Kampf, mit allem modernen Kriegsmaterial geführt, ist zu­gleich auch ein Kulturkampf letzter Rück­sichtslosigkeit. Sie ziehen Missionare in das Land und benutzen sie als Avantgarden der politi­schen Eroberung. Sie lassen keine -Gelegenheit un­benutzt, um die rassen- und kastenmäßigen Gegen­sätze der verschiedenen Dolksteile zu v e r s ch ä r - f e n und hetzen Berber und Araber gegeneinander. Hier wäscht im übrigen eine Hand die andere. Der französische Resident jetzt als vierter Nachfolger Marschall Lyautey's, der frühere Resident von Syrien Ponsot, läßt dem Scheriss iede ge­wünschte Selbständigkeit im Rahmen der Schutzherr­schaft und wird sicher nichts dagegen tun, wenn das Sultanat sich höhere Einkünfte verschafft. Denn

schließlich soll M a r o k k o selbst einen großen Teil der Kosten für den Atlaskrieg aufbringen, und weiter sind für den Anleihe- und Zinfendienst an die französischen Gläubiger ganz erhebliche Beträge zu zahlen. Außerdem legt die französische Politik begreiflichen Wert darauf, wenn die marokkanischen Behörden einen offensichtlichen Anteil der Verant­wortung an den planmäßigen Versuchen tragen, die Berber dem Islam und der geistlichen Herrschaft zu entfremden. Das läßt sich dann so gut als Gegen- Propaganda gegen die islamitischen Proteste in an­deren Teilen des französischen Kolonialreiches ver­wenden.

Aber Frankreich bringt mit seinen Absichten nicht durch. Die Berber kämpfen in den unwegsamen Schluchten des Dschebel-Badu und der anderen Bergzüge des Atlas nicht nur um ihre Freiheit, sondern auch um ihre religiöse Verfassung. Und sie kämpfen mit einer Zähigkeit und mit einem Fana­tismus, der vor nichts, auch vor keiner Hinterlist zurückschreckt. Die französischen Expeditionstrupps, die im Gebirge ihre Machtmittel gar nicht entfalten können, stehen vor einer geradezu u n - lösbaren Aufgabe, zumal die Berber ganz offensichtlich man sagt über Ttas spanische Rio de Oro fortlaufend Waffen- ^u n d Munitionszufuhr erhalten. Nicht selten tra­gen diese angeblichen Rebellen den Kampf bis in die Ebene hinunter. Dann wird er doppelt unheim­lich und gefährlich. Unendliche Strecken sind hier mit übermannshohem Oleander be­deckt, der mit seinem dichten Grün jeden Hinter­halt ermöglicht und zugleich jede Verfolgung der kleinen Berbertrupps, die ganz plötzlich mit einem Feuerüberfall auftauchen, aussichtslos macht. Nicht einmal Flugzeuge können hier die marschierende Truppe sichern, denn im Gewirr des Oleanders ver­schwinden die braunroten, mit einer großen Kapuze versehenenGaiks" der Kämpfer auch für die Fliegersicht.

Die Verluste der Franzosen sind dem­gemäß auch gewaltig, wobei es allerdings verhält­nismäßig wenig französisches Blut ist, das fließt. Den Hauptanteil an den Blutopfern trägt natürlich bie Frembenlegion und bei ihr, wie überall im französischen Afrika, befinden sich ungezählte Deutsche. Trotzdem kann gesagt werben, daß ein Kommando in Marokko nicht einmal bas schlimmste Schicksal ist, das einen Fremdenlegionär treffen kann. Hier find wenigstens noch soldatische Aufgaben gestellt. Hier findet man zwar den Tod im Feld, aber man krepiert nicht auf der Straße an Ucher- anftrengung. Hunger und Erschöpfung. Der Nach­schub an Munition und Nahrungsmitteln ist schon aus zwingenden militärischen Gründen einigermaßen gut organisiert, und bie gemeinsame Gefahr, in bie Hände des grausamen Gegners zu fallen, bringt Offizier und Mann doch enger zusammen, als es sonst in der Fremdenlegion der Fall ist. Aber es sind schreckliche Leiden, die erduldet werden müssen. Einer Höllenhitze am Tage steht eine von den Schneehöhen des Atlas herabwehende Eises­kälte in der Nacht gegenüber. In den höheren Ge­bieten oft müssen Schlupfwinkel der Berber in einer Höhe von über 3000 Meter aufgefpürt unb erstürmt werben finb überraschende Schneestürme feine Seltenheit. Dabei ist kein Baum, kein Strauch vorhanden, ber etwas Schutz gäbe. Wasser ist ein kostbares Gut. Ganze französische Abteilungen in Stärke von 50 unb 60 Mann wer­ben in biesem Kampfgelände aufgerieben, ohne daß sie ihren Gegner überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Trotzdem führt Frankreich diesen Kampf um Oleanderbüsche und nackte Felsen fort. Und kein Protest der mohammedanischen Welt, ober gar bas Geschrei ber Pariser Sozialistenpresse vermag bie einmal gefaßten Entschlüsse zu ändern. Blut kostet hier nichts, aber bas Ansehen Frankreichs ist durch den nun schon Jahrzehnte währenden Widerstand ber Berber bebroht, unb jo lange es noch irgenb« welche Rebellennester im Hohen Atlas gibt, ist der Landweg von Casablanca nach Algier noch nicht gesichert.

Kamps mit entsprungenen Zuchthäuslern In USA.

Wie aus Neuorleans gemeldet wird, hat eine größere Abteilung Polizei zusammen mit mehreren hundert Farmern die vor einigen Tagen aus dem Zuchthaus entfprunaenen Gefangenen in einem Kornfeld bei Marksville (Louisiana) ent­deckt. Es kam zu einer schweren Schießerei, wobei drei Zuchthäusler getötet wurden. Es ge­lang jedoch nur drei Zuchthäusler wieder festzuneh- men, während bie übrigen entkommen konnten.

Die Schlafkrankheitsepidemie in Missouri.

Wie aus St. Louis (Missouri) gemeldet wird, ist die Zahl der Todesopfer der Schlafkrank­heitsepidemie hier auf 135 gestiegen. In St. Louis ist eineSerumsabteilung" von 200 Aerzten organisiert worden, bie sich bemühen sollen, ein Heilmittel gegen bie Krankheit ausfinbig zu machen. Die Epibemie hat sich jetzt auch auf andere Städte übergegriffen, so auf Kansas, wo 26 T o - b e s f ä 11 e zu verzeichnen sind.

kommunistischer

Sprengstofftrupp vor dem Hamburger Sondergericht.

Das hanseatische Sondergericht verhandelte gegen eine Gruppe von sieben ehemaligen Kommu- nisten wegen Teilnahme bei der Verabredung eines Spreng st offattentates, das am 1. März erfolgen sollte. Die Angeklagten waren auch am Abend vorher bet dem Ueberfall auf ein NS.-Lokal beteiligt, bei dem der Polizeibeamte K o p k a erschossen wurde. Vier Angeklagte wur­den am 22. Juli zu hohen Zuchthausstrafen ver­urteilt. Das Sondergericht verurteilte unter Einbe- ziehung der am 22. Juli verhängten Strafen den Angeklagten Wieckstrom zu 14 Jahren, die Angeklagten Dose und Flumm zu je zwölf Jahren und den Angeklagten Hans Jabs zu sechs Jahren Zuchthaus.

Vom Gondergerichi verurteilt.

Darmstadt, 14. Sept. (WSN.) Vor dem Son­dergericht hatte sich heute ein jüdischer Kaufmann aus Groß-Gerau wegen unbefugten Waffen­besitzes zu verantworten. Er hatte es unterlassen, eine Selbstladepiftole aus dem Kriege unb Muni­tion, bie zu einer andern Waffe paßte, abzuliesern. Das Gericht verurteilte ihn zu e t n e m Monat Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe.

Wegen Beleidigung bes Reichskanzlers und der Reichsregierung erhielten ein Weißbinder aus Bickenbach und ein vielfach vorbestrafter Bettler je sechs Monate Gefängnis.

Werbung für verbotene Zeitungen.

Mainz, 14. Sept. (WSN.) KPD. unb SPD. verjuchen immer wieber, einen Teil ihrer früheren Anhängerschaft in irgenb einer Weise zu erfassen. Vom Sonberfommanbo Oppenheim würben dort die von hier stammenden Arbeiter Georg Ander» Hub, Heinrich Lerch und Wilhelm Pfalzer ver­haftet. Sie gehören der verbotenen KPD. dzw. SPD. an unb warben in Oppenheim für verbotene Zeitungen dieser Parteien. Die vor einigen Tagen verhafteten fünf Nier st einer Kommuni» ft en würben nach hier ins Landgerichtsgefängnis überführt. Sie werden wegen Hochverrats unter Anklage gestellt werden.

2tietUrvoraii9)<i(ic.

Mit der Kaltluft ist das westliche Hochdruckgebiet nach dem Kontinent verschoben worden, wobei es sich erheblich gekräftigt hat. Obwohl über dem Baltikum noch rege Storungstätigkeit herrscht, deren Rückseite bis in den östlichen Teil Deutschlands vorgreift und zu wechselhafter Bewölkung führt, wird bei uns ber hohe Druck bie Vorherrschaft ge­winnen unb bie Wetterlage ruhiger gestalten. Die sich stellenweise bilbenben Frühnebel werben infolge ber abfinEenben Luft im Hoch tagsüber sich auf­lösen, so baß Ein- unb Ausstrahlung wirksam wer­den können und die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht verschärfen.

Aussichten für Samstag: Stellenweise Frühnebel, sonst leicht wolkig mit Aufheiterung, Temperaturgegensätze zwischen Tag unb Nacht sich verschärfend, trocken.

Aussichten für Sonntag: Nach kalter Nacht unb Frühneoelbildung tagsüber meist heiter, warm unb trocken.

Lufttemperaturen am 14. Sept.: mittags 14,5 Grab Celsius, abenbs 8,9 Grab: am 15. Sept.: mor­gens 10,4 Grab. Maximum 14,9 Grab, Minimum 7,2 Grab. Grbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14.Sept.: abenbs 15,2 Grab, am 15.Sept.: morgens 12,2 Grab. Nieberschläge 0,3 mm. Sonnen» M>otn,hai)er 2 Stunden.