Ausgabe 
15.6.1933 Erstes Blatt
 
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Sei Mei »ek Mei!

Lin vaterländischerRoman vonHcmsVietzbe

Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau.

23 Fortsetzung Nachdruck verbotenI

Lefevre wird wütend. Seine Worte kommen er­regt:Hoffen Sie nicht, daß ich Sie schonen werde! Was meine Frau getan hat, entsprang der verant­wortungslosen Gutgläubigkeit ..."

Wieder unterbricht Döllnitz:NeinHerr Haupt­mann! Es war der Wille zu helfen Gleiches mit Gleichem zu vergelten! Ich hatte das Glück, Ihre Frau aus den Händen von Mördern zu retten, die aus den Reihen Ihrer Armee stammen die­sen Augenblick, der dem Tod so nahe war, vergißt keine Frau im Leben!" Döllnitz macht eine Pause, er begreift, wo hinaus Lefevre will.Im übrigen fürchten Sie nicht, daß ich, um mein Leben zu retten, irgendwann von dieser Affäre Gebrauch machen werde. Ich weiß über Dinge, die gewesen sind, zu schweigen!"

Lefevre sieht ein, daß diese Partie für ihn ver­loren geht. Er muß sie beenden, bevor der Gegner ihn schattmatt setzt.Sie sind mein Gefangener, Hauptmann Döllnitz! Alles weitere ist Sache des französischen Kriegsgerichts."

Jetzt hält Döllnitz den Zeitpunkt für gekommen, seinen Trumpf auszuspielen.Aller Voraussicht nach, Herr Hauptmann, wird Ihr Kronzeuge, der Kommissar Rambeaux, dabei fehlen!"

Lefevre blickt aus und starrt Döllnitz an, der mit bewußtem Nachdruck weiterspricht:Ihr Spitzel ist in der Hand von Mitgliedern des deutschen Tugend­bundes seit heute abend, Herr Hauptmanm Die Macht dieser Vereinigung preußischer Patrioten zu fühlen, wäre für Sie und Ihre Kameraden sehr un­angenehm. Ich würde Ihnen also raten, sofern Ihnen am Wohlbefinden des Kommissars auch nur das Geringste liegt, die angedrohten Repressalien erheblich zu mildern." Ein bitteres Lachen, zwischen Hohn und Stolz, steht offen auf Döllnitz' Gesicht. Meiner Person haben Sie sich nun auf angenehme Art versichert Ihr Kriegsgericht wird sogenanntes Recht sprechen, womit der eigentliche Fall, der mich betrifft, erledigt wäre. Sie brauchen auf mich kei­nerlei Rücksicht zu nehmen ich warne Sie aber dringend, die Bevölkerung oder die Schloßbewohner auch nur die mindeste Gewalt spüren zu lassen. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden!"

17.

Gegen Mittag des 25. Februar, es ist ein sonnen­warmer heiterer Spätwmtertag, rollt im beschwing­ten Trab eine schwere Reisechaise auf der Straße nach Breslau. Im mattgrauen Dunst der Ferne

ragen schon die Türme der Stadt, der Kutscher treibt die Gäule an, befriedigt setzt sich der müde Rei­sende noch einmal bequem in den Kissen zurecht, die nur wenig die harten Stöße der Wagenfedern mildern können. Die Straßen sind löcherig und oer- wahrlost, den unaufhörlichen Strapazen seit Mo- naten preisgegeben.

Der Freiherr vom Stein ist aus Kalisch mit be­sonderen Vollmachten des Zaren Alexander abge- reist. Sein gichtkranker Körper hat die Mühen des unwirtlichen Weges nicht gescheut alles steht auf dem Spiel was gilt Leben, Bequemlichkeit und Gesundheit eines einzelnen! Er kennt seit Jahren in seinem Vaterlande und im Exil, dieses Vaga­bundierenmüssen, dieses Wandern um der Sache willen, ohne Heim, ohne Ruhe. Fast ein Jahrzehnt schon geht dieses Nomadenleben einmal wird es ein Ende haben im Guten oder Bösen. Diese Mission kann die letzte sein, die schwerste ist sie seit langem! Der Baron kennt den König, kennt das Zaudern, das Hinauszögern aller Entschlüsse, kennt die Höflinge er weiß, daß nur eine harte Sprache das zustandebringen kann, was der Augenblick als Größtes fordert: Offenes Bekenntnis zum Anschluß an Rußland ...

Stein wird aus seinen Gedanken gerissen: Im­mer lauter dröhnen Marschtritt und Gesang an seine Ohren er öffnet das Fenster und beugt sich su­chend hinaus. Der schnelle Trab des Wagens bringt ihn dem Zuge näher: Freiwillige auf dem Marsch nach Breslau!

Aus hellen Kehlen steigt das Vaterlandslied seines Famulus und treuen Wegbegleiters, Ernst Moritz Arndt, in den sonnigen Winterhimmel:

Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Der wollte keine Knechte, Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß Dem Mann in seine Rechte, Drüm gab er ihm den kühnen Mut, Den Zorn der freien Rede, Daß er bestände bis aufs Blut, Bis in den Tod die Fehde!"

Machtvoller, jauchzender schwillt der Gesang an. Die Kutsche verlangsamt die Fahrt. Der Marsch­trupp gibt den Weg frei. Der Freiherr beugt sich aus den Kissen vor, sein kranker Leib fühlt keine Schmerzen mehr das ist schönste Musik!

O Deutschland, heil'ges Vaterland!

O deutsche Lieb und Treue!

Du hohes Land! Du schönes Land!

Die schwören wir auf neue:

Dem Buben und dem Knecht-die Acht! Der führe Krähn und Raben!

So ziehn wir aus zur Hermannsschlacht Und wollen Rache haben'!"

Scharf zeichnet sich der Kopf des Freiherrn vom Stein im Rahmen des geöffneten Fensters ab. Die Marschierenden erkennen ihn. Blitzende Augen su­chen ihn. Arme recken sich, Waffen und eichene

Stöcke fliegen, von markigen Fäusten geschwungen, zu begeistertem Willkommen in die Luft, jubelnde Hochrufe grüßen Stein, den Mann der Tat!

Laßt brausen, was nur brausen kann, In hellen, lichten Flammen,

Ihr Deutschen alle, Mann für Mann, Fürs Vaterland zusammen!

Und hebt die Herzen himmelan!

Und himmelan die Hände!

Und rufet alle, Mann für Mann:

Die Knechtschaft hat ein Ende!"

Langsam lehnt sich der Freiherr in die Polster zurück. Seine grüßende Hand sindt in den Schoß, ferner wird der Gesang, der Marschtritt verhallt, der Wagen macht wieder schnelle Fahrt.

Ein Glanz liegt in den Augen des Barons, ein Beglücktsein wie selten in all den Jahren der ewi­gen Mühsal. Das gibt Kraft, diese Gewißheit stärkt für die kommende Stunde. Wie oben im Osten, so will auch hier das Volk dasselbe: Freiheit! Man muß das Wort erzwingen, der König muß handeln! Dann sind Jahre der Not nicht umsonst gewesen, dann hat dieses zerrissene Leben einen Sinn!

Hinter ihm marschieren sie die Freiwilligen.

Den gleichen Weg, den gleichen Willen im Herzen.

Nation Vaterland Preußen! Ein Begriff für alle!

Marschiert ihr, ihr jungen Menschen, ihr Studen­ten, Primaner, Gymnasiasten, Arbeiter und Bauern, Handwerker aller Zünfte, ihr reifen Männer von Amt und Würden, Familienväter ihr, die ihr ent­schlossen seid, das Heiligste zu opfern ich bereite euch den Weg!

Eine Stunde später hiell der Reisewagen des Freiherrn vom Stein vor dem Schloß in Breslau. Der Baran begibt sich ohne Aufenthalt in seinen einfachen Reisekleidern zur Audienz. Diese Nicht­beachtung des höfischen Zeremoniells forderte die Sicherheit, denn noch immer steht der Freiherr vom Stein in der Acht Napoleons, und wenn die Häscher seiner auf preußischem Boden habhaft wurden, be­vor er offiziell unter dem persönlichen Schutze seines Königs stand, hätte er sein Leben verwirkt.

Nur mit größter Anstrengung gelangt der kranke Baron in das Arbeitszimmer des Königs, der ihn sofort empfängt, kühl und zurückhaltend wie immer. Er kennt den revolutionären Geist, das fast rebel­lische Fordern dieses eisernen Charakters und fürchtet ihn. Als ihm Stein gegenübersitzt, muß er an die Worte seiner toten Königin denken:Viel­leicht ist dieser Stein, ein Mann großen Herzens, umfassenden Geistes der einzige von allen, der Aus­wege kennt, die uns noch verborgen liegen er ist mein letzter Trost!"

Mit würdigem Ernst beginnt Freiherr vom Stein feinen Vortrag:Eure Majestät sehen mich als Sondergesandten Rußlands. Zar Alexander hat mich mit persönlichen Vollmachten ausgestattet, um jed­wede Möglichkeiten wahrzunehmen."

Der König kennt das Kommend. Mißtrauisch hört er die Worte Steins, die drängender werden. Eure Majestät, die Ereignisse sind in einer Weise vorgeschritten, die die kühnsten Erwartungen über­troffen haben. Alles ist im Fluß, der Geist, der die Nation beflügelt zu großen Taten, ist in herrlichstem Schwung. Ihn aufhalten hieße ihn vernichten! Das Volk erwartet das erlösende Wort ..."

Der König unterbricht ihn, seinen Worten durch betonte Kälte den Anschein innerer Festigkeit geben wollend:Weiß das alles! Hardenberg sagt es. Kenne diese Reden. Hoffe Neues von Ihnen, Baron."

Auf Steins Gesicht zeichnet sich eine steile Furche, seine Hände fallen sich mühsam, er muß den auf- steigenden Zorn niederringen.Rußland erwartet unverzügliche Entscheidung. Alles hängt ab davon, Majestät, dieser mächtige Bundesgenosse ist uner­läßlich für Preußens kommende Aktionen!"

Der König wird noch zurückhaltender bei dem Ton von Steins Worten. Zögernd kommt die Frage: Knesebeck verhandelt wo bleibt Vertragsent­wurf?"

In meiner Vollmacht, Majestät! Der Zar hat mich ermächtigt, alle Punkte durchzusprechen und zur Entscheidung zu bringen."

Der König siebt keine Möglichkeit eines Aus­weichens. Verschlossen ruht sein Blick auf Stein.Ich höre!"

Eure Majestät im wesentlichen gehen alle Forderungen nach Preußens Wunsch. Es ist vor­gesehen, ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis zu schließen, demgemäß Rußland hundertfünfzigtausend Mann, Preußen siebzigtausend zu stellen sich ver­pflichtet. Dieser Zustand dauert solange an, bis Preußen in seinen geographischen, statistischen und finanziellen Verhältnissen wieder hergestellt ist wie Anno 1806, bis Deutschland frei ist von franzö­sischer Herrschaft."

Werde mir entsprechend von Knesebeck berichten lassen."

Stein erwidert schürf, zum äußersten entschlossenr Eure Majestät wollen davon Kenntnis nehmen, daß Zar Alexander sofortige Abberufung des preu­ßischen Unterhändlers von dem Knesebeck fordert. Rußland drängt auf unverzüglichen Abschluß. Herr von dem Knesebeck genießt nicht das Vertrauen, das der bevorstehende, entscheidende Schritt verlangt. Als Zeichen eines festen Entschlusses erwartet der Zar das Eintreffen des Generals Scharnhorst oder Obersten Doyen."

Der König ist erregt. Die Forderung beleidigt ihn. Wir sind frei in unseren Entschlüssen!" Ein zor­niger Blick mißt der^ Baron. Stein steht unbeweg­lich. Der König sieht den unerbittlichen Ernst der Forderung, weiß um das Schicksal der Entscheidung. Es gibt nur einen Ausweg:Hardenberg soll kommen!"

(Fortsetzung folpf >

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Heute am 14. Juni, abends 9'/« Uhr, entschlief nach kurzem aber schweren Leid en unser innigstprelieb- ter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

Herr Johannes Hardt

Gemeinde-Beamter L R.

im Alter von 70 Jahren.

In tiefer Trauer:

Fam. Georg Velth und alle Angehörigen.

Lang-Göns, Kirch-Göns, Duisburg, Beeck, Heuchelheim, Wetzlar, den 14. Juni 1933.

Die Beerdigung findet am Samstag, dem 17. Juni, nachmittags l*/3 Uhr statt.

Nach Gottes unertorschlichem Willen verschied gestern morgen in der Klinik zu Gießen meine innigst geliebte Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin Frau Anna Aff.geb.Becker

In tiefer Trauer:

Ludwig Aff und Kind.

Großen-Buseck, Alten-Bus eck, Gießen, den 15. Juni 1933.

Die Beerdigung findet am Freitag, 16. Juni, nach­mittags 2li, Uhr, vom Trauerhause aus statt.

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Betrifft: Vermietung der Marktlauben.

Die Marktlauben werden für die Zell vom 1. Juli 1933 bis 30. Juni 1934 neu vermietet. Die Bedingungen für die Ver­mietung sind bei der Standzeichenstelle auf dem Wochenmarkt und im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 12, erhältlich. Schriftliche Angebote sind unter Verwen­dung eines Angedotslyeins in verschlosse­nem Umschlag mit der Anschrift:Angebot zur Marktlaubenvermietung" versehen, bis spätestens zum 22 Juni 1933 im Stadthaus, Bergstraße, abzugeben. 3951L

Gießen, den 15. Juni 1933.

Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Seid.

Mittwoch, den 21. Juni 1933, nachmit­tags 4 Uhr, werden aus dem Gemeinde­wald Treis a. d. Lda. folgende Holzsorti­mente auf dem Submissionswege vergeben: Eiche: Abschnitte N.

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Angebote sind nach Klassen getrennt bis zu obigem Termin bei der unterzeichne­ten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Bedingungen bekanntgegeben werden. 39500

Treis a. d. Lda., 13. Juni 1933.

Hessische Bürgermeisterei Treis. Berghöfe r.

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60jährigen Stiftungsfest des Kriegervereins Lieh

verbunden mit dem Bezirks-Kriegerfest am 17. und 18. Juni in Lieh (Turnhalle mit Garten) FESTFOLGE:

Samstag, 17. Juni, nachm 6l/27% Uhr, Konzert der gesamten Reichswehr - Kapelle vor dem Rathaus / 7% Uhr Gedächtnisfeier an den Kriegerdenkmälern / Von 9 Uhr ab Feier und Kommers in der Turnhalle

Sonntag, 18. Juni, vormittags 7 Uhr, Weckruf, an­schließend Platzkonzert im Schloßpark 9% Uhr Fest-Gottesdienst in der Kirche unter Mitwirkung der Reichsw.-Kapelle 1% Uhr Aufstellung des Festzuges am Bahnhof / 2/4 Uhr Abmarsch nach dem Festplatz. Hierselbst Begrüßungs- und Fest-Ansprachen, Konzert, Tanz, kameradschaft­liches Beisammensein, Gesangsvorträge usw. 39570

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samstag, 17. Juni auf der Karlsruh. Gemeinsamer Ab­marsch 20*/2 Uhr am Walltor. 3962d Der Vorstand.

MMMnIe Sonntag, 18. Juni Heimatkundlicher Auöflug nach Kloster Arns­burg u. Burg Mün­zenberg. Führung: Divl.-Ing.Schmitt, Architekt. Abfahrt nach Lich: 8.28 Uhr mit Sonntagskarte. 9lüdfunft: Gießen 19.34 Uhr. 3658D Teilnehmergebühr: 50 Pf., Mitglieder 30 Pfg. Bei Regen- wetterwirddieFüh» rung verschoben.

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Samstag, 17. Juni, 20 Uhr vünktl. 03621 denen-W im^iBöenönro