Ausgabe 
15.5.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Erfolglose Generalstreikhetze in Danzig.

Danzig, 13. Mai. (TU.) Die Gauleitung Dan­zig der NSDAP, teilt mit: Die Gleichschaltung der Gewerkschaften in Danzig ist vom ADGB., dem auch die Danziger Gewerkschaften unterstehen, an­geordnet worden. Die Durchführung dieser recht­mäßigen Anordnung haben die marxistischen Führer in Danzig zu sabotieren versucht. Infolgedessen hat der neuerannte Führer der Gewerkschaften in Danzig einen Gerichtsbeschluß zur Durchführung seines Auf­trages erwirkt. Daraufhin erfolgte die Uebergabc, die auf absolut rechtlicher Grundlage mit Hilfe des Gerichts oorgenommen wurde, ordnungsgemäß und ohne jeden Widerstand.Die abgesetzten marxistischen Gewerkschaftsführer be­nutzten diese in jeder Beziehung rechtlich begründete Maßnahme zu einer unerhörten Hetze, ine in der Aufforderung an die friedliche Danziger Ar­beiterschaft zum Generalstreik gipfelte. Die Danziger Arbeiterschaft hat dieser Auf­forderung zum Generalstreik jedoch kein Gehör geschenkt, sondern hat Samstag früh die Ar­beit ausgenommen, wie an jedem anderen Tage. Von einem Generalstreik ist nirgends etwas zu be­merken. Gestreikt habep lediglich die abgesetzten marxistischen Gewerkschaftsführer. Die Danziger Arbeiterschaft hat ihnen die Gefolg­schaft versagt und sich freudig der neuen Gewerk­schaftsführung unterstellt. In der ganzen Stadt Danzig herrscht Ruhe und Ordnung.

Die in der ausländischen Presse verbreiteten Meldungen von Unruhen in Danzig sind unwahr und finden ihre Begründung lediglich in den lügenhaften Behauptungender abgesehten marxistischen Gewerk­schaftsführer, die die rechtlich einwandfrei durchgeführte Gleichschaltungsaktion bei den Dan­ziger Gewerkschaften zu einer landesverrä- terischenHehe benutzen, wie sie verwerflicher nicht gedacht werden kann. So wurde z. B. die Ostpreußenfahrt des ADAC., die am Freitag Dan­zig auf der Durchfahrt berührte, von ihnen als Einmarsch reichsdeutscher (5QI. und Reichswehr bezeichnet, die angeblich die Gewerkschaftshäuser beseht haben sollen. Qllle derartigen Gerüchte und Meldungen, die frei erfunden sind, wer­den bewußt von den Marxistenführern lediglich deshalb verbreitet, um nicht v orhandene LInruhe künstlich zu inszenieren.

Die GPN.-Führer rufenpolen zu Hilfe.

Danzig, 13. Mai. (TU.) In einer sozial­demokratischen Wahlversammlung in Danzig hielt der Parteivorsitzende Brill eine Rede, die eine einzige Beschimpfung und Ver­leumdung des nationalen Deutsch­lands war. Der Redner wiederholte alle längst widerlegten Greuelmärchen und behauptete u. n., daß die Nationalsozialisten in Deutschland Tausende von sozialdemokratischen Gewerkschafts­funktionären ermordet hätten. Der sozialdemokratische Listenführer, Abgeordneter Gehl, entwickelte dann em Programm, wie die Sozialdemokratie m > t H ilfe der Polen verhindern könne, daß die Nationalsozialisten in Danzig an die Macht kämen.

Er erklärte, daß die SPD. alles Material über angebliche Uebergriffe der Nationalsozialisten in Danzig sorgfältig gesammelt habe und diese Denkschrift Polen übergeben werde, damit dieses den Völkerbund zu einem Einschreiten in Danzig zugunsten dec Sozialdemokratie veranlasse. Die Danziger Polen hätten gleichartiges Material gesammelt. Es würde zusammen mit dem sozial­demokratischen Material in Genf oorgelegt werden.

Obwohl Gehl selbst zugab, daß bisher die Ruhe und Ordnung noch nirgend gestört sei, meinte er, daß dies aber vielleicht in Zukunft möglich sei. (!) Aus diesem Grunde müsse oorgebaut werden. (!!)

Aus diesen Mitteilungen des sozialdemokratischen Führers ergibt sich vollkommen klar, daß es sich um einen gemeinsam mit den Polen organisierten sozialdemokratischen Landesverrat handelt. Die Danziger Bevölke­rung ist gegen diesen Verrat des deutschen Danzig an Polen außerordentlich erregt. Es wird energisch die Verhaftung und Aburteilung der sozialdemokrati­schen Dolchstößler gefordert.

Im Gebiet der Danziger Altstadt kam es am Frei­tag verschiedentlich zu Ansammlungen und Kund­gebungen.

Als die Polizei einschreiten wollte, flüchtete ein

Teil der sozialdemokratischen Demonstranten in das Gebäude der Polnischen Post, während die Demonstranten das Gebäude der Polnischen Post ohne weiteres betreten dursten, wurde den Dan­ziger Polizeibeamlen, die die Demonstranten verhaften wollten, der Zutritt zur Polnischen

Post verweigert.

Aus den Fenstern des Gebäudes der Polnischen Post riefen die Sozialdemokraten dann Schmährufe auf die Polizei aus. U. a. wurde gerufen:Polen gibt uns die Freihei t!" undPolen gibt uns die internationale Polizei!"

Auch in Danzig Korruption bei den Gewerkschasten.

Das Ergebnis der Nachprüfung durch die RSBO,

Danzig, 14. Mai. (TTl.) Sn einer über­füllten Massenversammlung in der Messehalle teilte der Leiter der R SD O. in Danzig, K e n d z i a. mit, daß die sozialdemokratischen Leiter der Danziger Gewerkschaften noch einen Tag vor dem völlig fehlgeschlagenen General­streik erklärt hätten, sie ließen nicht zu, daß das Vermögen der Danziger Freien Gewerkschaften beschlagnahmt würde.

vielmehr sei bereits der Versuch gemacht wor­den, sich von den deutschen Gewerkschaften los­zulösen und sich den polnischen Gewerkschaften anzugliedern. Diesem landesverräterischen Trei­ben sei die RSBO. zuvorgekommen und habe durch Gerichtsbeschluß die ordnungsmäßige Uebergabe des Hauses der Freien Gewerkschaften

an die JISBO. erwirkt.

Der Danziger Gauleiter der RSBO., Qllbert Forster, schilderte sodann die unglaub­liche Korruptionswirtschaft, die bei den Danziger Gewerkschaften geherrscht habe. Ganze Kartotheken seien fortge- schleppt, die meisten Qlkten vernich­tet gewesen. Bargeld sei bei der TIebernahme nicht gefunden worden. Die Kassenbücher seien seit Monaten nicht mehr geführt worden, ebenso waren keine Kassenbelege vorhanden.

Ls sei ferner zweifelsfrei feslgeslellt worden, daß sich die Danziger Gewerkschaften mit den pol­nischen Berufsorganisationen zusammenschließen und sich dem polnischen Gewertschaftsring unter­stellen wollten.

Diese Mitteilungen riefen in der Versamm­lung ungeheure Empörung und stürmische Rufe wie .Landesverräter".Pfui Teufel" usw. her­vor. Es wurde, wie Gauleiter F o r st e r weiter bekanntgab, auch eine ilrfunöe gefunden, daß der Deutsche Baugewerkschastsbund, Bezirksverband

Danzig, im Süll 1930 der sozialdemokratischen Zeitung, der .Danziger Volksstimme", über 20 000 Gulden zur Verfügung gestellt und die­ses Geld somit in ein Unternehmen gesteckt habe, das pleite war. Ferner ist festgestellt worden, daß die sozialdemokratischeDanziger Volks­stimme" 60 000 Mk. von der Qlrbeiterbank in Ber­lin geliehen erhalten habe. Oluf Grund dieser un­glaublichen Schulden werde jetzt privatrechtlich gegen dieDanziger Dolksstimme" vorgegangen werden. Wenn dieDanziger Volksstimme" nicht zahlen könne, so werde ein Gerichtsbeschluß bzw. eine Beschlagnahme der Zeitung er­wirkt werden. Die Riefenversammlung nahm die Mitteilungen über den erneuten Landesverrat und die ungeheure Korruptionswirtschaft der Danziger Gewerkschaften mit großer Erregung auf.

AlleBetriebe in Danzig arbeiten wieder

Danzig, 15. Mai. (WTB. Funkspruch.) Montag früh ist die Arbeit in den am Samstag vom Ge­neralstreik betroffenen Danziger Betrieben wieder' voll ausgenommen worden. Auch die Schriftsetzer, die der Generalstreikparole am Samstag gefolgt waren, arbeiten wieder.

Thüringer Bauernführer gegen Hugenberg.

Meiningen, 14. Mai. (WTB.) Eine große Thüringer Landvolkführerversamm­lung faßte auf ihrer am Sonntag in Meiningen abgehaltenen Bundestagung nach einer program­matischen Rede des Reichsbauernführers Walter Darre folgende Entschließung, die an den Reichspräsidenten von Hindenburg, den Reichskanzler Qldolf Hitler und den Reichs­minister Göring telegraphisch abgesandt wurde ' »Die Tauernführer aus allen Teilen Thüringens haben heute anläßlich ihres diesjährigen Bauern- kongresies einmütig ein T r e u b e k e n n t n i s SU der unter Qldolf Hitler stehenden Regie­rung abgelegt. Die Thüringer Bauern haben jedoch nicht das Vertrauen zu der von Reichs­minister Hugenberg geführten Qlgrarpolitik. Sie fordern daher einstimmig die Ersetzung von Reichsmini st er Hugenberg durch den nationalsozialistischen Reichsbauernführer

Ein Reichsgesetz über Zweck­sparunternehmungen.

Berlin, 12. Mai. (ERB.) Das Reichskabi­nett hat ein Reichsgeseh über die Zwecksparunter- nehrnungen verabschiedet, das besonders dazu die­nen soll, eine scharfe Unterscheidung zwischen den sogenannten Z w e ck s p a r k a s f e n und den a l l- gerneinenSparkassenzu schaffen. Die Be­zeichnung der Zwecksparunternehmungen als Sparkassen ist bei der oft nicht ganz geklärten! finanziellen Lage der Zweck- und Bausparkassen geeignet, das Vertrauen zu den Sparkassen all­gemein zu untergraben. Dieser Gefahr beugt der neue Gesetzentwurf dadurch vor, daß allen Zweck- sparkassen die BezeichnungSparkasse" verboten wird. Die Unternehmungen müssen hch künftig als Zwecksparunternehmungen bezeich­nen. Es wird ein Reichskommissar für die Zwecksparunternehmungen eingesetzt werden, der diese Unternehmen scharf überwacht. Sn Zukunft können Zwecksparunternehmungen nur in Form einer Aktiengesellschaft, einer Kommanditgesell­schaft auf Aktien oder einer GmbH, gegründet werden. Das Kapital muß m i n d e ft e n s 5 0 000 Mark betragen und in bar voll ein­gezahlt werden. Bei bestehenden Unternehmungen muß zumindest die Hälfte dieses Aktienkapitals voll eingezahlt werden, also zumindest 25 000 Mk. Um eine größere Publizität für diese Unternehmen zu schaffen, müssen künftig die Bilanzen im Reichsanzeiger veröffentlicht wer­

den, ferner werden sehr weitgehende Aevi- sionsbestimmungen über die Zweckspar­unternehmungen verhängt.

Schilder zur Bezeichnung deutscher Geschäfte.

München, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Ru- dolf Heß, der Stellvertreter Adolf Hitlers in der Führung der NSDAP., hat folgende Bekannt­machung erlassen:

Van geschäftstüchtiger Seite wird versucht, unter ^^ufung auf alle möglichen Instanzen der NSDAP., Schilder zur Bezeichnung deutscher Geschäfte in den Handel zu drin­gen. Es wird hiermit ausdrücklich festgestellt, daß die rur alle Fragen des Handwerks, Handels und Gewerbes allein zuständige Stelle der NSDAP., die Reichsführung des Kampfbundes' d e s g e w e r b l i ch e n Mittelstandes, den Vertrieb derartiger Schilder nicht genehmigt hat. Es kommt daher solchen Schildern kein par­teiamtlicher Charakter zu. Allen Dienst- Ilellen der NSDAP, und ihren Untergliederungen wird untersagt, den Vertrieb solcher Schilder zu unterstützen.

Aus aller Welt.

vom Reichsverband Deutscher Tonkünstler und rNusiklehrec.

ImReichsvcrband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer" E. B. (gegr. 1903), dessen Ehrenvorsitz Generalintendant Professor D r. Max v. Schil­lings führt, traten an die Spetze des Hauptoor- standes als Vorsitzender der bekannte nationalsozia­listische Führer der deutschen Musiker, Prof. Dr. Gustav Havemann, und der bisherige Vor­sitzende, der Komponist Arnold Ebel, dem die Geschäftsführung des Verbandes obliegt. Stellver­tretender Geschäftsführender Vorsitzender ist Kapell­meister H. E. I h l e r t (NSDAP.). Der Reichsver- band, der etwa 10 000 Mitglieder und 200 Orts­gruppen zählt, soll zur einzigen Standesorganisa- tion der Unterricht erteilenden deutschen Tonkünstlqr ausgebaut werden, um in dem neugeschafseneir Reichs kar teil berufstätiger M usi - f e r" die Standesvertcetung der Musikerzieher zu bilden.

Dhv. und Kampfbund für deutsche Kultur.

Der Bund der Lobedasänger, Bund der Männerchöre im Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Derband^ hat dieser Tage seinen korporativen Beitritt in den Kampfbund f ü r deutsche Kultur erklärt. Der Bund ist einer der wenigen Sängerbünde, der seit feinem Be­stehen den Qlrierparagraphen in feiner Satzung verankert hat. Der Bund hat mit feinem Bei­tritt die Aufgabe und die Absicht, seine besonders von der Sugenö getragenen Ziele und die des Kampfbundes für deutsche Kultur im Deutschen Sängerbund durchzusetzen und wird, wie wir hören, nunmehr die Verhandlungen in diesem Sinne mit dem Deutschen Sängerbund ausnehmen. Das Ringen um neue Ausdrucksformen der deut­schen Kultur, die Schaffung neuen deut­schen Liedgutes, der Kampf um Reinigung der Chorliteratur von allem Kitsch beschäftigt den Bund der Männerchöre im Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Verbande, aus dem die Lo- beda-Bewegung erwuchs, seit Sahren. Als stärkste und kampfesfrohe Sugendgruppe im Deutschen Sängerbund bedeuten seine Chöre in den Reihen aller Sängerschaften ein belebendes Element, ohne das der Wille zur Erneuerung im deutschen Chorleben kaum an Boden gewonnen hätte. War das Singen nach Lobeda idem Lobeda- Singebuch für Männerchöre) ursprünglich nur für die Kreise des DHV. gedacht, so trug das Buch doch dazu bei, daß die Gemeinschaften, die sich um Lobeda scharten,' und die den Kamps gegen Schund und Minderwertiges aufnahmen, wuchsen. Qln manchen Plätzen wurden Lobeda-Arbeitsgemeinschaften ins Leben gerufen.

Gießener Gtavttheaier.

Gastspiel des Mainzer Stadttheaters: Trrstan und Isolde" von Richard Wagner

Roch während der Komposition derWalküre" wurde Richard Wagner durch einen dramati­schen Entwurf seines Freundes Karl Ritter auf den ihm schon von früher her bekannten -^riftanftoff aufmerksam gemacht. Er schreibt noch im selben Sahre (1854) an Franz Liszt:Da ich im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genosien habe, so will ich dem schönsten aller -L-räume noch ein Denkmal sehen, in dem vor., Anfang bis zum Ende diese Liebe sich einmal jo^ recht sättigen soll. Sch habe im Kopfe einen Ariston und Ssolde" entworfen, die einfachste, oder vollblütigste musikalische Konzeption; mit per schwarzen Flagge, die am Ende weht, will ich mich dann zudecken, um zu sterben." Sn demselben Briefe berichtet er seinem Freunde üon dem Studium von Arthur S ch o p e n - h aue r sDie Welt als Wille und Vorstellung", auf das ihn Georg Her weg h verwiesen hatte'

Hauptgedanke, die endliche Verneinung des Willens zum Leben, ist von furchtbarem Ernste aber einzig erlösend. Mir kam er natür­lich nicht neu, und niemand kann ihn überhaupt denken, m dem er nicht bereits lebte; aber zu KKr Klarheit erweckt hat ihn mir erst dieser Philosoph." '

Solcher seelischen Verfassung Richard Wagners wurde die letzte innerliche Kraft gegeben durch seine geistige Freundschaft mit Mathilde W e s e n d'o n k per Gattin des Züricher Seidenhändlers, deren täa- Uche Nahe ihm zum künstlerischen Leitstern wurde Sem zehnen nach dem Besitze der Frau, die ihm niemals angehorcn durfte, wurde der Urgrund aus dem die Tristanstimmung erwuchs. Er selber äußert sich seiner Schwester Clara gegenüber:Da zwischen uns nie von einer Vereinigung die Rede sein konnte gewann unsere tiefe Neigung den traurig wehmüti- gen Charakter, der alles Gemeine und Niedere ferm W nr in dem Wohlergehen des andern den Quell der Freude erkennt... And diese Liebe die stets unausgesprochen zwischen uns blieb, mußte sich endlich auch offen enthüllen, als ich vorm Jahre den Tristan dichtete und ihr gab. Da zum ersten Male wurde fie^ machtlos und erklärte, nun sterben zu müssen ... Somit resignierten wir, jedem selbst­süchtigen Wunsche entsagend, litten, duldeten, aber liebten uns."

So ergriff den Meister im Sommer 1857, nachdem er die Arbeit amRibelungen-Ringe' im zweiten Akt desSiegfried" abgebrochen hatte ein ekstatischer Schaffensrausch, bestärkt durch die Zusage des Verlages Breitkopf & Härtel für bie Annahme einer einfachen Oper. Dazu kam, daß der Kaiser von Brasilien, ein Verehrer |

seiner Werke, ihn um eine Oper für das italie­nische Theater in Rio de Saneiro gebeten hatte. Diese letzte Aussicht wie auch sein Vorhaben, die Oper mit Qllbert Riemann als Tristan in Straßburg, der Heimat des Dichters des mittel­alterlichen Epos, aufzuführen, verwirklichten sich spater nicht. Die Partitur des ersten Aktes wurde

Zürich imÄshl auf dem Grünen Hügel" vollendet und sofort an Breitkopf & Härtel aus- gehefert gegen Zahlung des halben Honorars den zweiten Auszug vertonte er in Venedig, im Schweizer Hofe" zu Luzern reifte der dritte Akt

Die verschiedenen Pläne zur Aufführung des Wer­kes in Karlsruhe (trotz starker Bemühungen Eduard Deorients) und in Wien scheiterten; erst das Eingreifen L u d w i g s II. überwand alle Hemmnisse und sicherte die Uraufführung in München unter 5)0115 von Bülows Leitung mit einer geradezu ctri3igartig prädestinierten Besetzung der Rollen. Glaubte Wagner nun in Schnorr von Carolsfeld den Verkorperer seiner Helden gefunden zu haben- wenige Wochen spater wurde Schnorr dem Leben entrissen; in ihm verlor ich den großen Granitblock, welchen ich für die Ausführung meines Baues hatte Cme men9C DDn Backsteinen zu ersetzen

^-^reng der Idee des Werkes folgend, entwarf Nichard Wagner eine Handlung von größter Ein­fachheit und stärkster Folgerichtigkeit, dabei selbst rein epische Momente in das Geschehen einbeziehend Der Welt Tristans und Isoldens steht im scharfen Kontrast die Gruppe der Außenstehenden, an ihrer Spitze Marke, gegenüber; als vermittelnde Binde­glieder erscheinen Kurwenal und Brangäne, die er­gebenen Vertrauten der beiden Helden.

Das Werk der Liebessehnsucht ließ das Weib an NH 3ii höchster Entfaltung und heldischer Größe sich erheben. In allen Stadien der seelischen Entwick­lung, von glühender Rachsucht zum Liebesrausch hin zur Verklärung des Liebestodes, überall be­herrschte die Sphäre des Gefühls das Werk. Da ken Gefühl des Sehnens. Nicht Vorgänge äußeren Nibelungen hinaus lebensnah durch den Endreim, der als eine Nothilfe zur Herstellung des Verses erscheint, zu deren Gebrauch der gewöhnliche Sprach­ausdruck sich gedrängt fühlt, wenn er sich in erhöh­ter Erregtheit kundgeben will." Sprache und Musik erwachsen aus der Wurzel eines bis ins Tiefste er­listen Gefühls; ja, erst die Musik allein vermag das, was dem Worte unaussprechlich bleibt, bis zum letzten Grunde restlos zu enthüllen. Sind imRing" noch die Motive charakterisierende geistige Symbole und Ausdruck darstellender Gebärden, in der musi- kalischen Handlung ersteht hier das Geschehen aus dem Grunde des Musikalischen, aus dem überstar- fen Gefühl des Sehnens. Nicht Vorgänge äußeren Geschehens werden hier verdeutlicht, sondern der Gesühlsablauf, völlig identisch mit dem Geschehen, mirb hier zur eigentlichen Handlung. So erscheint dieses Werk wie kein zweites ganz aus der Musik

heraus geboren in einer Tiefe dec Verinnerlichung, die selbst Richard Wagner nur in der Einmaligkeit möglich war.

Hatte die Bekanntschaft mit den Werken Franz Liszts sich überaus stark bei Wagner ausgewirkt, »war er doch als Harmoniker ein ganz anderer Kerl geworden". So drängte die große Cntwick- lungslinie in der Fruchtbarmachung der Chro- , matif, wie wir sie seit den Meistern des Hoch­barock beochbachten können, hier zu einem letzten Höhepunkt stärkster Ausdrucksfähigkeit hin, zu einem höchsten Gipfel, der nicht mehr Überboten werden konnte. Mochte die Chromatik des Liebes­motivs schon früher, so bei Spohr, vorgeahnt fein zum unmittelbaren Ausdruck in höchster Differen­ziertheit und Sntenfität wurde sie erst bei Wag­ner. Das prägt sich aus in der symphonischen Verwebung der Themen- tote auch in der Durch­bildung der Orchestersprache, die ebenso zu höch­ster Leidenschaft aufglüht, wie sie in solistischer Thematik der Snstrumentalsarbe charakteristische Gefühlstöne abgewinnt lz. B. Englisch Horn, Baß- Harinette).

Bei dieser Gelegenheit sei der Anteil Mathilde Wesendonks nicht übersehen, den sie mit ihren Gedichten zum Werden des Werkes gab. Zwei_Bertonungen davon nennt Wagner Studien 3U »Tristan und Ssolde";Träume" zeichnet die große Duettszene im zweiten Akt vor;Sm Treibhaus" steht in engster Verwandschaft "mit Dem Kareol-(Einsamkeits"°Motiv) zu Beginn des dritten Aktes.

Das Klangerleben der Partitur wurde rich­tunggebend für die Snszenierung von Tristan und Ssolde" zum Gedächtnis des 50. Todesjahres Richard Wagners durch das Stadttheater Mainz * « 3 V 6 1 eer hob die Gegensätzlichkeit der Geschehens- und Personenkreise ebenso her- vor, wie er dem stummen Spiel,der Kunst des tonenden Schweigens", plastische Gestaltung verlieh. Gebärde, Haltung und Bewegung, alles floß aus der gleichen Wurzel, in Einheit und 007"!^" wirkender Kraft; es war ein Erblühen und Wachsen aus dem Melos unter lebensnaher Betonung der Kraft der Szene.

. iE hat bei den ersten Aufführungen

desTristan den Gedanken desKunstfestes" ge° auhert und nur bei forgfältigft durchgearbeiteter Aufführung und bei leistunasfähigster Besetzung vermag das Werk die voll hallende Auswirkung zu finden. a

Sie Gestalt der Ssolde ist eine der höchsten Auf- gaben überhaupt in der Geschichte der Oper. Die Verdeutlichung ihrer Charakterwandlung ist nur Wenigen restlos erreichbar. Elsa L i n k war ihrer Partie durch stimmliche Größe, Durchschlagskraft rn /^7,§vhe des Affektes voll gewachsen. Breite melodische Bogen erfüllte sie mit innerer Wärme. (Stets gab sie sich den jeweiligen Anforderungen

der Szene mit starker Einfühlung und verinner­lichtem Mitgehen hin, mit den großen Momenten heldenhaft wachsend. Sm Verein mit Tristan ließ sie die große Szene des zweiten Aktes, nach Wag­ners Bekenntnis seingrößtes Meisterstück in der Kunst des feinsten allmählichen Aeberganges", in voller Tiefe sich ausbreiten undvom überströ- mendsten Leben in feinen allerheftigsten Affekten" rang sie sich durchzum weihevollsten, innigsten Todesverlangen". Letztes Erschüttern des Hörers weckte sie mit der visionären Verklärungsszene des Schlusses.

Groß war Fritz Perrons Tristan durch die Kraft vergeistigter Durchdringung. Die tragischen Höhepunkte des dritten Aktes zeigten ihn zu höchsten stimmlichen und darstellerischen Akzenten wachsend. Sein Bestreben, die organischen Mittel zu sieghaften Klängen zu erheben, ließ sich nicht völlig mit den kantablen Anforderungen im zweiten Akte verbinden.

Brangäne, Luise Strauß, war bedeutend als Gestalterin, zumal in der Gebärde des stummen Spiels. Mit ihrem Turmgesang verklärte sie die Nacht- ftimmung des zweiten Aktes mit vollem Einsatz stimmlicher Schönheit.

Kurwenal, Franz L e r f e n s , gab sich rauh und trotzia als Necke. In treuer Besorgnis dienend, hob er sich im Dritten Akt stark über seine Eindrücke Der ersten Szenen hinaus. Joseph N i c l a u 5 vom Staatsthcater in Kassel verlieh Dem Marke WürDe uiiD menschliches MitempfinDen. Er war erfolgreich bemüht, gesanglich-musikalisch die ihm gestellte Auf­gabe mit besonderer Note zu erfüllen. Melot, Hirt und Steuermann und die hchöre fügten sich charakte­ristisch ein.

Hans Schwieger als musikalischer Leiter weckte das geistige Erleben Der Partitur, geführt Durch ein starkes Temperament, Das besonders Das Vorspiel Durchdrang und ständig den völligen Kontakt zwi­schen Musik und Szene verbürgte. Durchweg hatte aber der Orchesterklang mehr gedämpft werden müssen, damit er nicht zuviel vom Otimmklang ab- orbierte und womöglich die Sänger zur Ueberschrei- tung ihres stimmlichen Ausmaßes verleitete. Daß gerade die klangdynamische Anpassung in Den Räu­men des Gießener Theaters auch beim vollbesetzten Orchester Wagners möglich ist. Das haben selbst die Ring"-Aufführungen in früheren Jahren erwiesen. Ueber kleinere Entgleisungen (Hörnerfanfaren im 2. Akt und die verunglückte Freudenweise des Hirten) wird man gern angesichts Der Geschlossenheit Der Aufführung hinwegsehen. In vollem Einklang zum Werk ftnnDen Die Bühnenbilder (Karl Löffler), deren wechselnde Beleuchtung (Ludwig Keim) Dem Geschehen ftimmungsangemefferi folgte.

Die Gießener Hörer roerDen sich Der Intendanz Znnz besonders verpflichtet fühlen, Die in diesem xjaljre mit Den Dperngaftfpielen außerordentlich Er­lesenes geboten hat. Dr. H.