Zehn Lahre Bun- Königin Luise.
frütjcr explodiert wäre, häkle sie großes Unheil an- gerichtet. Rach den Tätern wird gefahndet.
vom Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer.
Im „Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer E. V. (gegr. 1903), dessen Ehrenvorsitz Generalintendant Professor D r. Max v. Schillings führt, traten an die Spetze des Hauptoor- ftonbes als Vorsitzender der bekannte nationalsozia- listiiche Führer der deutschen Musiker, Prof. Dr. Gustav Havemann, und der bisherige Vorsitzende, der Komponist Arnold Ebel, dem die Geschäftsführung des Verbandes obliegt. Stellvertretender Geschäftsführender Vorsitzender ist Kapellmeister h. E. I h l e r t (NSDAP.). Der Reichsoerband, der etwa 10 000 Mitglieder und 200 Ortsgruppen zählt, soll zur einzigen Standesorganisa- tion der Unterricht erteilenden deutschen Tonkünstler ausgebaut werden, um in dem neugeschaffenen „Reichskartell berufstätiger Mufi- k e r" die Standesvertretung der Musikerzieher zu bilden.
Dh-V. uab Kampfbund für deutsche Kultur.
Der Bund der Lobedasänger, Bund der Männerchöre im Deutschnationalen Hand- lungsgchilfen-Berband, hat dieser Tage seinen korporativen Beitritt indenKampfbundfür deutsche Kultur erklärt. Der Bund ist einer der wenigen Sängerbünde, der seit seinem Bestehen den Arierparagraphen in seiner Satzung verankert hat. Der Bund hat mit seinem Beitritt die Aufgabe und die Absicht, seine besonders von der Iugend getragenen Ziele und die des Kampfbundes für deutsche Kultur im Deutschen Sängerbund durchzusehen und wird, wie wir hören, nunmehr die Verhandlungen in diesem Sinne mit dem Deutschen Sängerbund aufnehmen. Das Bingen um neue Ausdrucksformen der deutschen Kultur, die Schaffung neuen deutschen Liedgutes, der Kampf um Reinigung der Chorliteratur von allem Kitsch beschäftigt den Bund der Männerchöre im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Berbande, aus dem die Lo° beda-Bewcgung erwuchs, seit (Zähren. Als stärkste und kampfesfrohe (Zugendgruppe im Deutschen Sängerbund bedeuten seine Chöre in den Reihen aller Sängerschaften ein belebendes Element, ohne dos der Wille zur Erneuerung im deutscher« Chorleben kaum an Boden gewonnen hätte. War das Singen nach Lobeda (dem Lobeda- Singebuch für Männerchöre) ursprünglich nur sür die Kreise des DHV. gedacht, so trug das Buch doch dazu bei, daß die Gemeinschaften, die sich um Lobeda scharten, und die den Kampf gegen Schund und Minderwertiges aufnahmen, wuchsen. An manchen Plätzen wurden Lobeda-Arbeitsgemeinschaften ins Leben gerufen.
Der Tag des Schachs.
Der Llnterverband des Großdeutschen Schachbundes, der Mittelrheinische Schachbund, erläßt folgenden Aufruf: Halten Sie sich Montag, 22., Mittwoch, 24., und Sonntag, 28. Mai (Himmelfahrtswoche) frei. (Zeder Schachliebhaber suche einen Schachverein auf. An jedem dieser drei Tage finden in allen Schach vereinen des Reiches Beranstaltungen statt, auch für Anfänger im Spiel.
„Graf Zeppelin" auf dem Rückflug.
Wie Haoas aus Pernambuco berichtet, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" zum Rückflug nach Europa gestartet.
TNinisterialdirekkor a. D. Dr. Jahnke f.
Am 9 Mai ist Ministerialdirektor a. D. Dr. Richard Jahnke in Berlin nach kurzer Krankheit im Alter von 66 Jahren g e st o r b e n. Jahnke war zuletzt Leiter der Abteilung für das höhere Schulwesen im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und stand als erster Vorsitzender an der Spitze des DeutschenSprachvereins. Jahnke war von 1899 bis 1904 Direktor der Deutschen Schule in Brüssel, dann Direktor der Gymnasien in Lüdenscheid und Elberfeld, Prooinzialschulrat in Munster t. W. und wurde 1919 zur Leitung des höheren Schulwesens in das preußische Ministerium sur Wissenschaft, Kunst und Volksbildung berufen, Dem er bis zu dessen Umbau im Jahre 1932 ange- ßorte. Dr. Jahnke war auf dem Gebiete des Schul-
Berlin, 14. Mai. (TU.) Die Feier des zehnjährigen Bestehens des Bundes Königin Luise hatte nicht weniger als 30 000 Kameradinnen aus allen Landesverbänden nach Potsdam und Berlin geführt. Nach einer großen Feier im Potsdamer Stadion am Samstag, in deren Mittelpunkt Die Aufführung des nationalen Festspiels „Auf bricht Deutschland" stand, begann der Sonntag mit Gottesdiensten in allen Potsdamer und Berliner Kirchen. Eine besondere Weihestunde fand im Dom statt. Der Bundesvorstand legte Kränze am Antiken Tempel, der Ruhestätte der Kaiserin Auguste Viktoria, am Denkmal Friedrichs des Großen, am Gedenkstein der Gefallenen in Potsdam, am Denkmal der Königin Luise im Tiergarten, im Mausoleum und am Ehrenmal Unter den Linden nieder. Am Nachmittag wurden die Ehrengäste durch die Bundesführung und den Bundesvorstand im Hotel „Kaiserhof" empfangen.
Der reich mit Fahnen geschmückte Sportpalast, ick dem nachmittags die Festkundgebung stattfand, mußte wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen werden. Paralleloersammlungen fanden i m Clou und in Der Krolloper statt. Unter Den Klängen des Präsentiermarsches erfolgte der Einzug von vielen Hunderten blauweißen Wimpeln und Fahnen der nationalen Organisationen. Unter den Ehrengästen sah man u. a. Prinzessin Oskar von Preußen, Vertreter Der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, der Wehrverbände, sowie die stellvertretende Vorsitzende der finnischen Frauenbewegung Frau Baronin Munk. Die stellvertretende Bundesführerin und Gründerin des Bundes, Frau Elfe Sennewald begrüßte die Schirmherrin Kronprinzessin C e c i l i e , sowie die Ehrengäste und verlas Dann ein Glückwunschschreiben Des Reichspräsidenten. Sie stellte fest, daß mehr als 400 neue Ortsgruppen im letzten Jahre gegründet worden feien. Der Bund zähle 150 000 Kameradinnen und 40 000 Jugendliche.
Kronprinzessin Lecilie
führte dann u. a. aus: Wenn wir den heutigen Jubiläumstag in freudigster und zuversichtlicher Stimmung begehen dürfen, so bringen wir nationalen Frauen, die sich von nun an in breiter Front zu-
wesens hervorragend literarisch tätig. Den Deutschen Sprachverein leitete er seit Jahren mit großem Erfolg und Geschick.
Innsbruck ohne Jeuerroeßr.
Bei Kundgebungen in Innsbruck wurde dieser Tage an einem Fahnenmast der Nationalsozialistischen Partei eine Puppe in Heimwehruniform au - gehängt. Der Bürgermeister gab der Berufsfeuerwehr den Auftrag, diese Puppe zu entfernen, was jedoch von dem Branddirektor abgelehnt wurde. Der Bürgermeister hat nun auf Grund dieser Weigerung die gesamte B e r u f s f e u e r w e h r aus den städtischen Diensten entlassen. Daraufhin hat die freiwillige Feuerwehr sich mit den Entlassenen solidarisch erklärt.
Afrikaflieger Schwabe in München eingelroffen.
Der Münchener Afrikaflieger Karl Schwabe traf von Innsbruck kommend auf dem Flugplatz München-Oberwiesenfeld ein. Zu seinem Ernp- fang hatten sich u. a. Vertreter der bayerischen Staatsregierung und der Stadt München eingefunden, die mit Worten der Anerkennung und des Dankes für die hervorragende Leistung den Flieger begrüßten. Schwabe erklärte in seiner Erwiderung, er habe 30 000 Kilometer zurückgelegt, wobei die Klemm-Maschine und der Siemensmotor sich aufs beste bewährt hätten.
Reue schwere Erdstöße auf Ehalkidike.
Die Halbinsel Ehalkidike wurde in einer der letzten Rächte von neuen schweren Erdstößen erschüttert. Mehrere Häuser stürzten ein und über 100 Wohnungen wurden schwer beschädigt. Die Einwohner des heimgesuchten Gebiets find geflüchtet. (Zn dem Dorf Bolivo wurden drei Einwohner durch den Einsturz mehrerer Häuser schwer verletzt.
sammengeschlossen haben, unserem Reichskanzler Adolf Hitler unseren von Herzen kommenden Dank dafür, daß wir unter seinem Schutz unsere vaterländischen Aufgaben ungehemmt erfüllen dürfen. In der Zeit großer Umgestaltung des äußeren und inneren Volkslebens muß auch die deutsche Frau mithelfen und mitschaffen und zwar in erster Linie an dem inneren Aufbau unseres Volkes. Uns Frauen fällt die Aufgabe zu, Hüterinnen der Güter des Volkes zu sein. Niemals wird ein Volk blühen und gedeihen, wenn nicht seine Frauen ihre Würde behalten und die ihnen von Gott zugedachten Aufgaben treulich erfüllen. In das dreifache Heil stimmten Die 20 000 Frauen begeistert ein.
Die Bundesführerin Freifrau von hadeln sprach dann über die Aufgaben des Bundes: Wir bekennen uns zu dem Glauben, daß die deutsche Frau und das deutsche Mädchen Sonderauf- gaben im Volk zu vollbringen haben zur Ergänzung Der Tat des Mannes. Führer Der Freiheitsbewegung erklärten, sie wollten den neuen deutschen Mann schaffen. Der Bund Königin Luise stellt sich die Aufgabe, die neue deutsche Frau zu bilden. Gebührt dem Manne die Staatsgestaltung, so gebührt der Frau die Mitarbeit an der Volksgestaltung. Es gilt für uns, der ganzen deutschen Frauenwelt den tiefen Sinn der Begriffe „Volk, K u l t u r u n d Rasse" einzuhämmern, nicht nur im Hinblick auf die jetzt Lebenden und auf das Heute, sondern in Gedanken an einen hochwertigen Nachwuchs. Wir kennen die vielen Aufgaben, Die nach Erfüllung rufen: Arbeitsdienst, Mutter- und Kinderdienst, Kranken- und Luftschutzdienst, ländliche und städtische Randsiedlungen, Grenzsiedlungen und Sicherung des deutschen Ostlandes durch den Zuzug deutschrassischer Menschen. Unserem greifen Reichspräsidenten und seinem jungen Kanzler übertrug Gott die Aufsicht und Ausführung dieser gigantischen Aufgaben. Wir vom Bund Königin Luise stellen uns offiziell und geschlossen hinter den Führer Wolf Hitler und feinen Schutz.
Keine Einladungen mehr an den Reichskanzler.
Dem Herrn Reichskanzler werden täglich von Vereinen, Verbänden und GeseNschasten usw. in ungeheuerer Fülle wohlgemeinte Einladungen zu Versammlungen, Tagungen, Stiftungsfesten, Fest- essen u. dgl. übersandt. Bei der überaus starken Belastung des Herrn Reichskanzlers mit Amtsgeschäften ist es ihm nicht möglich, auch nur dem kleinsten Teil dieser Einladungen Folge zu leisten. Ebensowenig ist die Reichskanzlei bei ihrem geringen Personalbestand in der Lage, alle Einladungen zu beantworten. Es wird daher dringend gebeten, von Einladungen an den Herrn Reichskanzler freundlichst Abstand zu nehmen.
Wettervoraussage.
Die Störungen im Osten bewirken durch ihre Rückseite weiterhin Zufuhr ziemlich kühler ozeanischer Luft. Dabei bleibt das Wetter immer noch etwas wechselhaft, so daß bei vorübergehender stärkerer Bewölkung auch einzelne Schauer auftreten. Doch steigt von Westen her der Luftdruck kräftig an, was auf eine Beruhigung hindeutet. Die Riederschlagstätigkeit dürfte damit nachlas. sen, und späterhin wird sich auch bei zeitweiser Aufheiterung die Sonnenstrahlung durchsetzen und Erwärmung bringen.
Aussichten für Dienstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm und noch einzelne Schauer.
Aussichten für Mittwoch: Ruhigeres Wetter, bewölkt mit Aufheiterung und meist trocken.
Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 15,2 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 15. Mai: morgens 8,4 Grad. Maximum 16 Grad Minimum 5 Grad. — GrDtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 13 Grad: am 15. Mai: morgens 10,5 Grad.
Aus der pwvinzialbauptstadt.
Kleide dich aus heimischen Rohstoffen!
V. A. Ein erfreuliches Zeichen Der Zeit ist Der Eifer, mit Dem man sich heute auch auf wirtschaftlichem Gebiet lange versäumten Aufgaben zuwenDet. Es geht eine Welle Der Tatfreude und Tatbereit- schäft durch das ganze deutsche Volk. Was einst in Eigensucht und Beharrungswillen befangen war und zu erstarren drohte, ist heute durch die Schwungkraft der nationalen Revolution in Bewegung gesetzt worden. Notwendiger denn je ist in diesem Zeitpunkt, dafür zu sorgen, Daß alle Volkskräfte planvoll angesetzt werden und sich nicht im Gegen- einander und Nebeneinander fruchtlos erschöpfen. Gemeinschaftliche Arbeit tut not, nicht zuletzt auch auf wirtschaftlichem Gebiet!
Eine der wichtigsten Aufgaben, die nur durch gemeinschaftliches Zusammenwirken aller Volksgenossen gelöst werden kann, ist der Ka u f h e i m i- scher Erzeugnisse. Wer deutsche Ware kauft, gibt deutschen Arbeitern Brot. Das gilt auf dem Gebiete der Gewerbe- und Jndustrieerzeugung ebenso, wie auf Dem der Landwirtschaft. Gerade hier ist viel nachzuholen. Nur mit Schulung und Selbsterziehung des deutschen Verbrauchers werden die wirtschaftspolitischen Pläne der Reichsregierung zum Erfolge geführt werden können.
Ein sehr aufschlußreiches Beispiel Dafür bietet der Flachsanbau und die Leinenerzeugung. Die Regierung bemüht sich, der heimischen Bevölkerung Arbeit zu schaffen, vor allem dem Bauer wieder ein Tätigkeitsfeld zu eröffnen, von dem er im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr und mehr abgedrängt worden ist. Verstärkung des Flachsanbaues verringert gleichzeitig den Einfuhrbedarf an fremden Faserstoffen, entlastet also unsere ohnehin stark angespannte Außenhandels - Bilanz. Vermehrter Flachsbau ist auch in hohem Maße geeignet, die Zufuhr an Baumwolle zu vermindern. An ausländischen Faserstoffen und Baumwolle haben wir insgesamt eingeführt: 1931 für rund 407 Millionen Mark, 1932 für rund 348 Millionen Mark. Hier heißt es sparen helfen im Jnteressr der Allgemeinheit.
Aus diesem Grunde hat die Reichsregierung sich an alle Behörden gewandt, die für die Beschaffung von Uniformen, Dienstkleidung und sonstigen Ausrüstungsgegenständen in Frage kommen. Sie hat gleichzeitig auch die Reichsleitung Der NSDAP, und das Bundesamt des Stahlhelm zur Mitarbeit aufgerufen. Alle diese Stellen sollen bemüht fein, Leinengewebe in größerem Umfange als bisher zu verwenden. Insbesondere ist hierbei an eine verstärkte Verwendung von Leinendrillichanzügen gedacht. Dadurch soll für gesteigerten Absatz der aus dem Flachs gewonnenen Erzeugnisse Vorsorge getroffen werden. Die genannten Stellen können also die Wirtschaftspolitik der Regierung auf diesem Gebiet fordern. Aber auch der einzelne Verbraucher kann an dieser Ausgabe mitwirken, indem er im Bedarfsfälle auch Leinenwaren verwendet. Gewiß: Baumwollwaren sind billiger. Das gibt bei der Verarmung unseres Volkes oft den Ausschlag. Aber sollte man nicht auch bedenken, daß im allgemeinen ein Leinengewebe oder auch ein Mischgewebe, in dem Leinen enthalten ist, meist widerstandsfähiger und damit auch billiger ist?
Pensionierung als nationale Tat.
Unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns treten mit Wirkung vom 16. Mai 1933 an auf ihr Rachsuchen, in den Ruhestand: der Rektor an der Volksschule zu Rieder-Ingelheim Heinrich Müller, die Lehrerinnen an der Volksschule zu Darmstadt Marie Verls, Auguste G l e n z und Marie Hahn, der Lehrer an der Volksschule zu Mainz Ludwig Degen, Lehrer Iohann Peter Remy zu Undenheim, Lehrer Friedrich Wilhelm Klippel, zu Offenbach, Oberstudienrat Pöilhelm Lie- b r i ch an der Oberrealschule zu Michelstadt i. O., der Lehrer an der Volksschule zu Rieder-Wöllstadt Peter Buch, der Studienrat an der Ernst- Ludwig-Schule zu Bad-Rauheim Heinrich Räder, unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Oberstudienrat": am 6. Mai 1933 der Rektor an der Volksschule zu Grünberg Philipp Bender auf sein Rachsuchen und unter besonderer Wür-
Die stummen Gäste von Zweilirrden
Vornan vonAnny vonpanhuyel.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.
40 Fortsetzung. Rachdruck verbotenl
Konrad lachte laut auf. „Das hast du großartig gemacht, Angela! So, und nun die versprochene Hand her, lieber Herr Baron, und bann kommen Sie mit den anderen beiden Herrschaften aus Wiesental mit ’runter in den Bankettsaal, wo sich meine Mutter befindet. Es ist warm Draußen; ich lasse ein paar Flaschen Wein kaltstellen, beim eDlen Rebensäfte schließen wir Dann aufs neue FreunDschaft."
Sie reichten sich Die HänDe, unD Angela lächelte beiDe zufrieDen an.
Auch Pfarrer Basella war einer guten Flasche Wein nicht abhold; aber der Baron und er konnten sich nur mit Hilfe der Zeichensprache verständigen, Denn Baron Rückert kam beim Französischen über „ja" und „nein" nicht hinweg, vom Spanischen aber hatte er gar keinen Dunst. Der Pfarrer konnte, ebenso wie Catalina, wenigstens schon ein wenig Deutsch, und sie hatten beide Lust und Liebe, es weiterzulernen.
27.
Es war eine vergnügte Gesellschaft, die jetzt im Bankettsaale beisammensaß, und Der Vergnügteste von allen war Baron Rückert, Der so wütend nach Zweilinden gekommen, weil er aus seiner Tochter endlich heraus^ebracht hatte, daß die Liebe zwischen Konrad von Zweilinden und ihr nur vorgetäuscht war, Damit er selbst nicht etwa Den Inspektor beargwöhnen sollte, bis dieser erst fester bei ihm im Sattel säße.
Er war wirklich seelenvergnügt, machte Witze und sprang schließlich auf, begeisterte sich: „Wenn ich nach Haus' komme, nehme ich den langen Lulatsch bei den Ohren, die auch ziemlich reichlich ausgefallen sind, und werfe ihn meiner kleinen Molly ans Herz. Verlobt sind ja die beiden Verliebten; nun sollen sie meinetwegen zusammenbleiben und bald heiraten. Damit mich die Geschichte nicht wieder reut."
Er stand jetzt an dem einen Fenster, und wie zur Bekräftigung seines letzten Satzes schlug er mit der geballten Rechten auf das künstlerisch eingelegte Fensterbrett. „Au!" schrie er auf und machte mit Der Rechten eine unwillkürliche Bewegung, als könne er dadurch einen Schmerz abschütteln. „Sapperlot",
brummte er, „da habe ich mir aber böse die Tatze aufgeschlagen, sie brennt, als ob ich sie am Höllenfeuer versengt hätte! Da muß ich gleich ein Glas non dem gekühlten Goldenen trinken, damit der Schmerz vergeht."
Angela belustigte sich köstlich über diesen Vater, Der mit einer wahren Berserkerwut hier herein- geschneit und jetzt Der harmloseste und heiterste Mensch war, Den man sich nur vorstellen konnte Er setzte sich und trank ihr zu: „Auf Ihre Gesundheit, aUergnaöigfte schöne Friedensstifterin!"
Er hob das Glas an die Lippen, tat einen Schluck, unö Dann fetzte er es schnell und hart auf den Tisch.
Es war auch bei jenem Mahl am Tage der filber- nen Hochzeit gewesen, als Die stummen Gäste von Zweillnben ihre Gegenwart durch Schritte, Stühle- rucken und Gläserklingen deutlich kundgetan hatten. Und jetzt horte er wieder die Schritte wie damals. Genau wie damals. Er wußte es sofort. Ein Irrtum war nicht möglich. Es war ja auch niemand einge» treten: alle faßen auf ihren Plätzen.
Er blickte die anderen der Reihe nach an und las auf jedem Gesicht denselben Ausdruck, gemischt aus Staunen und Entsetzen.
Frau Bettinas Wangen waren bleich, der Schreck hatte ihnen jedes Tröpfchen Blut entzogen.
Konrad rief erregt: „Komm hier fort, Mutter, ich mochte nicht, daß du diese unheimlichen Geräusch» weiter horst."
r./'?dL°rerna!)m Schritte, und niemand hier beroeat s'ch - Musterte der Pfarrer vor sich hin. 9
Frau Bettina legte eine Hand auf den Arm des Ö02ne?; "Laß mich nur hier, Konrad, ich bin ja nicht allem. *
h..3A-tou*ben, Stühle gerückt, und plötzlich zog durch die atemlose Stille des Raumes das Zusam- mentlingen femgeschliffener Kelche.
r3He Blicke und der Baron sagte ganz
mut- „Wo anders wurde ich das für eine geschickte Äomobte galten, aber Iper wirkt es verflixt echt und ist es auch. Teufel, ich fange als alter Kerl noch an, bislang verlacht habe.
Mjotiges Jahr, am Tage Der silbernen Hoch-
Er brad) ab, wieder Hannen Kelche aneinander. Dann noch einmal ruckten Stühle, und schließlich wurden wieder Schritte laut, schienen an ihnen, Die an
CS.-?afcI laßen, vorbeizugehen und verloren sich plötzlich.
, .''A"MS, NUN sind sie weg, die unheimlichen Herr- schäften , lachte Baron Rückert etwas zu laut und e^m"?gen, denn er spürte ein unangenehmes Kältegefühl im Rücken.
Frau Bettina zuckte die Achseln. „Was bedeutet das nun wieder?" Sie schauderte zusammen. „Was für Unheil melden sie diesmal, Die stummen Gäste?" fragte sie mit nervös zitternder Stimme.
Catalina sagte auf Spanisch zu ihrem Großonkel: „Es muß sich doch eine Erklärung dafür finden lassen!"
Der gute Pfarrer blickte vor sich nieder. Er fühlte sckh ratlos. Niemals hatte er etwas Aehnliches erlebt, fein Kopf war schwer vom guten Wein und von den Gedanken, die auf ihn einstürmten.
Wieder sah man sich gegenseitig an, und leise sagte Angela: „Ich habe einmal gelesen, daß es in alten Schlössern und Herrenhäusern geheime Türen gibt, hinter denen Geheimnisse stecken, Türen, die niemand öffnet, weil niemand weiß, daß sie überhaupt da sind, nur durch Zufall werden sie meist entdeckt. Und hinter solchen Türen findet man bann oft Tote, die friedlos sind."
Alle erschauerten bei diesen Worten, Die Konrads Braut soeben gesprochen hatte.
Angela sah sich langsam im Bankettsaale um. „Vielleicht gibt es auch hier ein geheimes Gelaß. Man müßte suchen. Eine kleine Erhöhung der Wand, ein Knopf oder Stein, scheinbar einem anderen Zwecke dienend, kann die Stelle sein, auf die man drücken muß, um die Tür zu solch einem geheimen Gelaß zu öffnen."
Konrad von Zweilinden lächelte. „Aber, Liebste, welche phantastischen Ideen!"
Sie erwiderte: „Findest du diese Idee phantastischer als das, was wir alle ins Reich der Fabel oerweisen würben, wenn wir es nicht eben gehört hätten? Ich neige nicht zum Aberglauben, Konrad, aber Die Möglichkeit dessen, was ich sagte, leuchtet mir ein. Da man die stummen Gäste, laut Kirchenchronik, wie Deine Mutter gestern erzählte, zum erstenmal im Jahre 1740 gehört haben will, meine ich, müßte sich Der Spuk nur auf solche Weise erklären lassen.
Aber vor allem sollte man hier nach einer geheimen Tür suchen, jeDe Stelle Der Wand abfühlen, auch Den FußboDen genau prüfen. Das ist sicher alles noch nicht grünDlich genug geschehen. Wer weiß, ob nicht irgenDwo eine geschickt angebrachte FeDer uns ein Schloß aufschnappen läßt."
. Baron Rückert hob die geballte Rechte. „Mir tut Die Tatze von Dem Schlag vorhin noch immer weh. UnD, weiß der Kuckuck, gnäDiges Fräulein, an Dem, was Sie da gesagt haben, ist was dran." Er trank einen schluck Wein. „Ich muß das Glas immer noch mit der Linken anfassen, so weh tut die rechte Hand." Er zuckte zusammen. „Meiner Seele, mir kommt ein
Gedanke." Er sah jetzt Angela groß an. „Sagten Sie nicht: eine kleine Erhöhung der Wand, ein Knopf ober Stein, scheinbar einem anberen Zwecke bienend, kann die Stelle sein, auf die man drücken muß, um Die Tür zu solch einem geheimen (Belaß zu öffnen." Er rieb seine Rechte. ,Ich spüre den Schlag von vorhin noch immer, aber mir wird jetzt eigentlich erst klar, daß sich, als ich mit der Faust zur Bekräftigung meiner Worte auf das Fensterbrett schlug, dabei etwas unter meiner Hand bewegte. Immer deutlicher spüre ich es in der Erinnerung. Es war, als ob bas Stück, auf welches meine Hanb fiel, sich etwas senkte." Er sprang auf unb war mit zwei Schritten am Fenster, wo er vorhin geftanben hatte. Er meinte: „Aber ein Fensterbrett kann boch keine geheime Tür bergen, wenn es auch so auffallend breit ist wie bas hier."
Angela übersetzte Dem Pfarrer unb Catalina mit ein paar Worten, was ber Baron gesagt.
Alle hatten sich erhoben und ebenfalls dem Fenster genähert. In anderer Umgebung, ohne das noch so irische Erlebnis mit dem Spuk von Zweilinden, hätten sie wohl alle gelacht über die Idee, eine Stelle des Fensterbretts könne eine geheime Tür öffnen. Aber sie befanden sich ohne Ausnahme in ber Stimmung, biefe Möglichkeit anzunehmen.
Der Baron suchte umher, nahm jetzt die zur Faust geballte Linke unb ließ sie bann kräftig nieberfaufen, mitten auf bas Fensterbrett, borthin, wo aus hellerem Holz ein großer, unregelmäßig aeschnittener Stern eingelegt war, um ben sich verschiedene anbere Formen in bunflerem unb hellerem Holz zu einem eigenartig verworrenen Muster zusammenschoben.
Der Baron triumphierte: „Ich habe biefelbe Stelle getroffen, jetzt habe ich es beutlich gespürt, ber Stern hat sich, als meine Faust barauflag, etwas gesenkt. Wollen wir weiterforschen, vielleicht einmal kräftiger auf das Sternchen klopfen; denn bis jetzt bleibt ja alles geschloffen, fein Mauseloch geht auf." Er hieb wieder auf die seltsame Verzierung.
„Ach, ber Stern wirb nichts mit einer geheimen Tür zu tun haben, er ist wohl nur im Lause ber Zeit lose geworben unb —"
Das Wort erstarb Frau Bettina auf Der Zunge, denn Die stummen Gäste von Zweilinden kehrten schon roieber.
„Es scheint ihnen hier heute besonders gut zu gefallen, ober haben bis unsichtbaren Herrschaften hier 'vielleicht etwas vergessen", spöttelte ber Baron, unb kannte boch bem Schauer nicht wehren, ber ihm über ben Rücken lief.
. (Schluß folgt.)


