Dienstag, November 1935
185. Jahrgang
Nr. 267 Erstes Blatt
Das Echo des Auslands
einviertel Jahrhunderten zu den Engländern unterhalte, mit denen es Jahrhunderte hindurch ganz andere Duelle ausgefochlen habe.
Paris, 14. Koo. (TBIB. Funkfpruch.) Der Gedanke einer direkten deulfch-franzöfifchen Aussprache tvicb — abgesehen von einigen Unentwegten — von den Blättern immer mehr in den Bereich der Möglichkeit gezogen. Daß dies mit allen Vorbehalten und zum Teil recht gewundenen Begründungen geschieht, braucht nicht zu verwundern, da dem französischen Bott bis in die jüngste Zeit eingehämmert wurde und noch wird: eine deutsch-französische Aussprache wird mit einer Katastrophe enden. „211 a t i n" führt aus: Die Bündnisse der Bölterbundspolitik haben Frankreich nur Enttäuschungenund Vertu sie eingetragen. Folglich bleibe nur die direkte Aussprache mit Deutschland ohne einen Dritten und ohnevermittler. Diesen Weg habe Briand in Thoiry beschreiten wollen. Kun erscheine unter den heutigen Umständen der Weg der direkten Asusprache der einzig mögliche zu sein.
Das Reich sei zu Verhandlungen bereit, schreibt „O e u v r e", v e r h a n d e l n wir also! — „volonte" erklärt: Wir dürfen nicht warten, bis die deutsche Glocke auss neue ertönt. Paul-Boncour muh sich heute bereit erklären, unter bestimmten Bedingungen mit Hitler zu verhandeln. Jeder Tag, der vergeht, kann den Vorteil einer solchen Initiative nur verringern. — „Republique" schreibt: Da der Reichskanzler immer wieder seine friedliche Absicht beteuert hat, würden wir uns ins Unrecht setzen, wenn wir uns den Anschein geben, a l s lehnten wir von vornherein jede Aus- spräche mit Deutschland ab.
Auch die katholische „Aube" ist der Auffassung, daß Frankreich aus diplomatischem Wege Verhandlungen mit Deutschland aufnehmen könnte, „he r v 6" regt an, Deutschland aus eigener Initiative zu fragen, ob man nicht ein gut nachbarliches Verhältnis zu einander finden könne, wie Frankreich es feil ein-
3h Paris wächst dir Siinmmng für eine biretle Aussprache mit SruiWmd.
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für eine Herabsetzung der Weltrüstungen a u f das niedrig st mögliche Niveau. Wir müssen kämpfen, daß eine Begrenzung der Rüstungen in jedem Lande erreicht wird durch ein Abkommen, dem die Länder freiwillig beitreten können. Wir können sagen, daß wir mit Energie und Mut diesen Weg verfolgt haben, daß wir ihn weiter verfolgen werden und daß wir keinen Stein unberührt lassen werden, um der Welt den großen Nutzen zu verschaffen, den die internationale Abrüstung durch em Weltabkommen liefern kann.
Das Mitglied der Arbeiteropposition Wedge- wood nahm in überaus gehässiger Form gegen Deutschland Stellung. Der Redner ließ sich zu der gänzlich abwegigen Bemerkung hinreihen, daß Deutschland beschlossen habe, aufzurüsten, um der Welt zu zeigen, daß es wenigstens gefürchtet werden solle, wenn es nicht geliebt werden könne. Don diesem Entschluß könne keine Revision der Friedensverträge Deutschland abhalten. Im übrigen erlaubte sich Wedgewood, über rein innerpolitische Fragen Deutschlands abfällige Werturteile abzugeben.
Bei der A b st i m m u n g wurde der Tadelsantrag der Arbeiteropposition mit 409 gegen 54 Stimmen abgelehnt. Die liberalen Anhänger Sir Herbert Samuels enthielten sich der Stimme.
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Chefredakteur
Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An« zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich >n (Bienen.
Versöhnung oderalfeZwiettacht?
Ein italienischer Appell an die Vernunft der europäischen Mächte.
Rom, 13. Nov. (TU.) Gayda betrachtet im Leitartikel des halbamtlichen „G i o r n a l e d ' I t a Ito die mögliche internationale Wirkung der deutschen Volksabstimmung, die er die plastische Demonstration der nationalen Solidarität nennt und stellt sofort fest, daß durch sie keine neuen Tatsachen geschaffen werden. Alles, was mit dem „3a" der über 40 Millionen Abstimmenden gesagt ist, sei schon in präziser Form von der Regierung Hitlers in Gens und den Hauptstädten Europas gesagt worden. Es gibt deshalb — wir sprechen nicht zum faschistischen Italien, sondern zu anderen Ländern und politischen Kreisen — fei ne neuen Grund zum Alarm. Dagegen muß man mit dieser lebendigen und organisierten Wirklichkeit der deutschen Nation und ihrem auf einen Frieden mit Ehre und Gleichberechtigung gerichteten Willen rechnen. Man muh sich auch vollkommen klar machen, daß es hinfort unmöglich ist, von Deutschland ein
Zurückweichen aus dieser Stellung zu erwarten. Deutschland wird in einem durch die nationale Einigung noch gesteigerten europäischen Verantwortungsgefühl seinen Standpunkt sicher nicht bis zum äußersten überspannen. Aber kein Land Europas wird dessen Bedeutung übersehen ober entwerten dürfen. Ein neuer entscheidender Augenblick in der Geschichte Europas zeichnet sich heute ab. Er läßt sich dahin zusammenfassen: „Entweder Versöhnung oder schwerer endgültiger Bruch der europäischen Eintrach t." Zum Schluß appelliert Gayda an die Vernunft der anderen europäischen Mächte, die einzige beunruhigende' Tatsache des Augenblicks bestehe gerade dann, daß gewisse politische Kreise mit der Deutung der deutschen Volksabstimmung als eines neuen er(d3roeren* den Elements der Berliner Politik zu spekulieren versuchten.
2Tlan müsse abroarfen, wie sich bas gestrige Wahlergebnis in Deutschland auswirken werde. 3m gegenwärtigen Augenblick werbe bas Unterhaus wohl keine Erklärung über bie Absichten der britischen Regierung verlangen. Großbritannien stehe rnitFrankreichundJta- Hen in enger Fühlung, und die vereinigten Staaten würben ständig aus bern Lau- senben gehalten. Aber auch mit anberen Kationen, insbesondere kleineren europäischen, stehe Großbritannien in verbinbung. Da auch diese Staaten in Gens vertreten seien, so werde eine Besprechung der schwebenden Fragen sehr leicht sein. „WirersuchenDeutschlan d", so suhr der Premierminister fort, „sichanbie - (e n Beratungen ,u beteiligen, und zwar jetzt und nicht erst zum Schluß, w.r wollen, daß Deutschland sein eigner Wortsührer ist." 2Nan verfolge mit ihnen den Zweck, dem Frieden zu dienen, und ziele nicht etwa auf „Bestrafung ab Großbritannien stelle sich der Anschauung entgegen, daß man den Völkerbund beseitigen müsse, um die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu beheben. Großbritannien sei dagegen, daß die Abrüstungsarbeiten aus dem Grunde unterbrochen wurden, weil Deutschland die Abrüstungskonferenz verlassen habe. Der britische Konven- tioiisentwurs bleibe auch weiterhin die
Grundlage für die Genfer Beratungen.
Der Liberale Sir Herbert Samuel erklärte, um in der Abrüstungsfrage weiter zu kommen, mutze man einen Vorschlag ausarbeiten, den Deutschland annehmen könne, den aber auch die einsichtsvolle Oeffentlichkeit sowohl in Großbritannien als aud in der ganzen Welt billigen könne Zwei Dinge müssen den neuen Beratungen zugrunde gelegt werden' nämlich, daß eine „Aktion" gegen Deutschland nur unternommen werden dürfe, wenn sie moralisch sehr stark fundiert sei, zum anderen aber sei es in höchstem Maße wünschenswert, daß man eine Rückkehr Deutschlands in den Vol- f e r b u n b ins Auge fasse.
Der Konservative Lord Dinier ton erklärte, er komme soeben aus Deutschland zurück. Bei objektiver Betrachtung der Sachlage sei
Macdonatd fordert Deutschland zur Teilnahme an neuen Verhandlungen auf.
Abrüstungsdebatte im britischen Ltnterhaus. - Ein Tadelsvotum der Arbeiteropposition mit großer Mehrheit abgelehnt.
Macdonalds Erklärung, daß die Gleichberechtigung im Prinzip bereits gewährt sei, enthält richtiges und falsches zugleich: unter Mitwirkung Macdonalds wurde vor 11 Monaten die berühmte Fünfmächteerklärung ausgearbeitet, aber die Konferenz hat sich so wenig an diese Erklärung gehalten, daß schließlich nicht einmal d i e grundsätzliche Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands gewahrt blieb. Macdonalds gestern formulierter Vorschlag, eine neue Si ° cherheitsgarantie dadurch zu schaffen, daß die Mächte in feierlicher Form den Verzicht auf Gewaltanwendung aussprechen, ist bekanntlich nicht neu; die Frage bleibt aber offen, ob die französischen Sicherheitswünsche, die weder durch den Völkerbundspakt noch durch Locarno noch durch den Kelloggpakt zu befriedigen waren, durch diese neue Erklärung endgültig erledigt werden können. Am wichtigsten in der Rede Macdonalds aber ist das an Deutschland gerichtete A n ° gebot zu Verhandlungen mit den anderen Mächten, für die er, soweit ersichtlich, keine Klauseln oder Vorbedingungen aufstellt. Auch hier wird es wichtig und interessant sein, zu beobachten, wie die französische Politik darauf reagieren wird. Schon die oben angeführten Pariser Morgenblatter sind auf den Ton gestimmt, daß es besser wäre, unmittelbar und allein mit Deutschland zu verhandeln. So sehr das französische Publikum an diesen Gedanken auch noch geroöhnt werden muß, eine direkte deutsch-französische Aussprache erscheint gerade nach der Rede Macdonalds dem größten Teil der französischen Presse als das „kleinere liebel" gegenüber einer Beratung im Streife der Großmächte, wo Frankreich, wenn nicht isoliert so doch stark in die Defensive gedrängt wäre.
Polen.
Warschau.». N°°. (WTB.) Das R-gl-rungs. blatt Gazeta Palska nennt das Wahlresnltat für bie Regierung ungewöhnlich günstig. Obgleich bie Wahlpropaganba überall bie öffentliche Met«
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drrtf vnd verlaa: vrühl'fche Univerfitäts-Vuch- Md Stetnöniderei K. Lange in Gießen. Zchrifttettung und Geschäftsstelle: 7.
festzustellen, baß in Deutschlanb jeb ermann, gleichgültig, ob Mann, Frau ober Kinb, gegen jebe Ausrüstung sei.
Das Mitglied der Arbeiterpartei Sir George G i l l e 11 gab zu, daß Deutschland Grund Habe, in der Handhabung der Abrüstung durch die übrigen Staaten Veranlassung z u Beschwerden zu sehen.
GirFohu Simon
wandte sich gegen die Beschuldigung, daß England nicht abgerüstet habe. Die britische Regierung sei nicht der Urheber der Abänderungen an dem Mac- donald-Plan gewesen. Es wäre äußerst irrig, anzunehmen, daß man Deutschland Vorschriften machte. 3n erster Linie z. B. fei die sogenannte Bewährungsfrist nicht eine Inspektion nur für Deutschland gewesen; alle anderen Lander würden verpflichtet, ihre Rüstungen in keiner Weise zu erhöhen mit dem Ergebnis daß F r a n k r e i ch seine militärische Starke sehr beträchtlich h e r a d s e tz e n wurde. Wir wünschen, so schloß Sir John Simon, eine Abrustungs- konoention. Dies ist stets unser Ziel gewesen. Wir hoffen, daß eine Gleichheit für Deutschland hergestellt wird durch eine sehr nahe an das gegenwärtige deutsche Niveau herankommende h e r a b- s e tz u n g d e r R ü st u n g e n. Wir müssen kämpfen
Die Pressestimmen des Auslandes, die bisher vorliegen, können selbstverständlich nicht das Ergebnis der Wahl umfälschen. Es geht auch nicht an, wie es das „Echo de Paris" tut, zu behaupten, eine Regierung, die ein solches Vertrauen geschenkt bekommen habe, müsse einfach auf Grund dieser Tatsache als kriegslüstern betrachtet werden. Die Mehrzahl der französischen Zeitungen ist noch aus den Ton des Mißverständnisses gestimmt, auch wenn sich alle französischen Blätter in einer Tatsache einig sind: unerhörte Stärkung der Regierung und erhöhte Stoßkraft für die Durchsetzung der außenpolitischen Forderungen. Die englische Presse sieht die Dinge bereits weitaus nüchterner. Es liegt dem englischen Sinn für Realpolitik nicht, Illusionen nachzujagen oder eine auf Wunschbilder gestützte Politik zu treiben, wenn die Wucht der Tatsachen eine ein= heutige Sprache spricht. Die englische Oeffentlichkeit wird zweifellos auf das Stärkste beeindruckt sein und es ist zu hoffen, daß Macdonald nun auch in die bargebotene Hanb Deutschlanbs em= schlagen wirb. ...
Daß bie ostpolitischen Vasallen Frankreichs nur ben Widerhall von Paris barftellen, war zu erwarten. Aber gerabe auf Frankreich kommt es Deutfch- lanb an. Frieben unb Gleichberechtigung sind nicht möglich, wenn ' Frankreich nicht bie Vernunft siegt. Deutschland und Frankreich dagegen Hand in Hand sichern ben Weltfrieben wie niemals zuvor. Eine der wenigen Zeitungen, die dies erkannt hat ist die „Victoire" Gustave Herväs, der ben Mut hat zu schreiben: „Anstatt Deutschlanb zu Der- fluchen, sollten wir ihm lieber für das herrliche Beispiel des Mutes, der Vaterlandsliebe ^ der Disziplin und der politischen Klugheit danken! So- lanae in Frankreich allerdings bie alten Parteien im Stile ber halb korrupten 3ntrigantenpolitif bes 19.Iahrhunberts ben Ausschlag geben, mürb em solcher Dank in Gestalt ber Nachahmung bes beut» Ichen Beispiels kaum möglich em. Hier kann man nur an bie eherne Unerbittlichkeit geschichtliche.r Entwicklungen glauben: bie autoritative Demokratie ber Jugend wird sich, wenn auch gleicht unter allen europäischen Volkern zuletzt, auch in Frank reich durchsetzen.
Die Wett hat das Wort.
Der überwältigende Wahlsieg des Führers hat bewiesen, b«nß Nationalsozialismus und Deutschland eines sind. Es gibt auf ber ganzen Welt keine Regierung mehr, die eine solche Einmütigkeit des Volkes vorzeigen konnte. Bei der faschistischen Wahl 1929 in Italien handelte es sich weniger um eine parlamentarische Abstimmung, als um eine Entscheidung für die Liste der Korporationen und ständischen Selbstverwaltungen. Die andern diktatorisch regierten Staaten, Rußland und die Türkei, Haden bisher noch niemals eine solche freie Wahlentschei- bung ermöglicht, wie sie in Deutschland tatsächlich stattgesunden hat. Die Kanzlerschaft Hitlers ist in Zukunft gleichzeitig vollendete Demokratie im altdeutschen Sinne unb autoritatives Führerturn nach ben politischen Lebensgesetzen bes 20. Jahrhunberts. Gestützt auf biefe Ibentität von Volk und Staat, von Volkswillen und Führerwillen, kann nun Adolf Hitler daran gehen, den Kampf um die außenpolitische Gleichberechtigung Deutschlands aufzunehmen und durch einen vollen Erfolg zu frönen.
Denn die Bedeutung der Wahl liegt vorwiegend auf außenpolitischem Gebiete. Das deutsche Volk bedurfte biefer Abstimmung nicht mehr, um fein unbedingtes Vertrauen zum Führer zu beweisen. Wer in den letzten Monaten die Zuversicht des Volkes beobachten konnte, der war nicht darüber im Zweifel, daß wirklich bis auf verschwindende Reste die innere Gleichschaltung der deutschen Nation vollzogen war. Dieses deutsche Wunder der Nationw r- dung aber kann nur derjenige verstehen, der wenigstens einen Teil des trostlosen Jahres 1932 und das aanze Jahr 1933 in Deutschland selbst erlebt hat. i)ies trifft nur auf einen ganz geringen Kreis von Ausländern zu, von denen gerechterweife gejagt werden muß, daß sie es an Versuchen zur Aufklärung nicht fehlen ließen. Planmäßig ist jedoch die Weltmeinung vergiftet worden. Sprach man seither einen Franzosen, Engländer oder Amerikaner, aber auch einen Norweger, Spanier ober Rumänen, stz, wurde einem stets die groteske Meinung vorgehalH ten, Deutschland stöhne unter dem Schreckensregiment einer kleinen militaristischen Minderheit, Deutschland bereite freventlich einen neuen Krieg vor unb sei vom Taumel ber Rüstung ergriffen. Fremde Staatsmänner wie Herriot, Paul-Boncour, Simon wie auch der frühere englische Außenminister Sir Austen Chamberlain hielten es mit ihrer staatsmännischen Würde für vereinbar, Öffentlich solche Derdächtignngen gegen Deutschland auszusprechen und immer abwechselnd das deutsche Volk und die deutsche Regierung der Dummheit und der Niedertracht zu zeihen. .,, .
Das Deutschland Adolf Hitlers aber will ben Frieben. Unb weil ber Frieben nur gesichert sein kann, wenn er unter gleichberechtigten Staaten abgeschlossen wird, so forderte das völlig abgerüstete Deutschland entweder die Abrüstung der andern oder die Gleichberechtigung auch auf wehrpolitischem Gebiet. Niemals hat Adolf die Aufrüstung gefordert, niemals verirrten sich feine Reden in das Gebiet außenpolitischer Drohungen, die sich fast in allen Reden anderer europäischer Staatsmänner nachweisen lassen. Um den deutschen Friedenswillen und die Einmütigkeit des deutschen Volkes in der Gleichberechtigungsforderung vor der Welt zu dokumenrieren, sind diese Wahlen burch- qeführt worden. Es waren außenpolitische Wahlen, es war ein Appell Deutschlands an die Welt und jetzt, wo Deutschland nach einem so gigantischen Bekenntnis schweigend die Wirkung dieses Appells abwarten kann, hat die Welt selbst das
London, 13. Nov. (WTB.) Im Unterhaus wurde von der Arbeiteroppochion ein Tadelsvotum gegen die Regierung in der Adrüstungssrage eingebracht. Der Arbeiterführer Morgan Jones erklärte dazu u. a., der gesamte Beitrag der britischen Regierung zu der Abrüstung während bes Jahres 1932 liefe auf die Aufgabe keines einzigen britischen Tanks hinaus. Als Jones erklärte, eine schwere Verantwortung für den Mißerfolg der Abrüstungserörterungen im letzten Jahr liege beim britischen Staatssekretär bes Aeußeren, protestierte die Regierungsseite durch laute Nein- und Schande-Rufe. Die Verhandlungen in Gens über die Lustabrüftung hätten ein allgemeines Gefühl der Depression erzeugt, besonders bei den deutschen Delegierten. Was innerhalb Deutschlands geschehe, sei Sache des deutschen Volks. Das Wesentliche sei, das deutsche Volk zu überzeugen, daß es von den anderen Nationen und vom Völkerbund gerecht behandelt werde. Was Deutschland gerechte Behandlung nenne, sei vollkommen präzis. Deutschland bestehe daraus, auf dem Fuße der Gleichheit behandelt zu werden. Morgan Jones legte anhand der Erklärung vom 11. Dezember 1932 hierauf bie Berechtigung des beutfchen Anspruchs dar. Der Redner forderte schließlich tue Abrüstung der anderen Nationen und die Annahme des Planes der Arbeiteropposition als Grundlage und Ziel der englischen Abrüstungspolitik.
Premierm n Her Macdonald orderte unter großem Beifall der Anhänger der Regierung den von der Arbeiterpartei eingebrach- ten Vorschlag, eine internationale Polizei aufzustellen, abzulehnen. Großbritannien könne keine neuen internationalen Verpflichtungen auf sich nehmen, die mit dem Abrüstungsproblem im Zusammenhang stünden. Im Prinzip fei die Gleichberechtigung bereits gewährt; praktifch solle sie, nachdem auch auf diesem Gebiet eine Einigung erzielt worden fei, in Etappen durchgeführt werden. Die hochgeruste- ten Staaten sollen abrüsten und die unbewaffneten Mächte eine größere Sicher h e i ts- gar a n t i e übernehmen. Die Erhöhung der Sicherheit solle darin bestehen, daß die in Frage kommenden Mächte eine Erklärung abgaben, m a h - renb mehrerer Jahre auf das Mittel ber Gewalt zur Durchsetzung ihrer Beschwerden zu verzichten. Diese Dinge seien bereits im März erörtert worden, als er den Konventionsentwurf eingebracht habe. Der deutsche Vertreter habe damals keine Bedenken geltend gemacht Seit damals habe sich die Lage jedoch verändert Alle diejenigen, die dazu beigetragen hatten, baß sich bas Bild gewanbelt habe, hätten bannt weber dem Abrüstungsgedanken noch Deutschland gedient.


