Ausgabe 
14.10.1933 Zweites Blatt
 
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Der Gninberger Gallusmartt 1933.

©rünberg rüstet wiederum zum Gallusmarkt. Sind doch große Vorbereitungen der Geschäftswelt und ganz besonders der Wirtschaften und Metzgereien nötig, um genügend vorgesorgt zu haben, denn für sie ist der Markt in wirtschaftlicher Hinsicht von ein­schneidender Bedeutung, er ist ein großes Ereignis. Aber nicht nur für Grünberg, sondern auch für die Umgebung ist er das große Ereignis des Jahres, auf das sich Jung und Alt, Reich und Arm freut, das jeder miterleben will, sei es, um Geschäftliches zu erledigen, oder sei es, um sich dort zu vergnügen. Denn das sei vorweg gesagt, der Gal- lusmarktist nicht einMarktaewöhn- licher Art, wie sie an so manchen Orten abge­halten werden, die nur noch als schwacher Abglanz der alten Jahrmärkte ein kümmerliches Scheinleben führen und deren einzige Bedeutung meist nur im Handel mit Ferkeln besteht, wozu sich ab und zu noch vereinzelte Krämerstände gesellen. Gallus- markt ist etwas ganz anderes, etwas Doppeltes: Markt und D o l k s f e ft. Zunächst ein Markt von Bedeutung, denn von den zehn in Grünberg statt­findenden Märkten ist er der größte: ein Tag Vieh- markt mit stets sehr starkem Auftrieb durchschnitt­lich tausend Ferkel und dann zwei Tage großer Krämermarkt mit langen Reihen Verkaufsständen und einem ausgedehnten Jurplatz. In seiner Größe dürfte er von keinem oberhessischen Markte übertrof­fen werden, und der NameGallusmarkt" ist Min­destens so weit verbreitet, wie Walter Markt" in Ortenberg. Zum andern aber ist er auch ein Volksfest. Genau wie jedes Dorf seine Kirmes feiert, so tritt in Krünberg der Gallusmarkt an die Stelle dieser dörflichen Dolkssitte. Nur daß in dieser Beziehung sein Rahmen viel weiter gespannt ist. Die Kirmes in dem Bauerndorf ist eine reine Angelegen­heit des Dorfes, die in der Hauptsache nur dessen Einwohnerschaft bewegt. Ganz anders zeigt sich der Gallusmarkt als Volksfest. Da zieht er seine Kreise weit über sein Heimatstädtchen Grünberg hinaus, denn die gun^e Umgebung und die auswärtigen Grünberger feiern ihn gemeinsam Der echte Grün- berger, der mit Bornbergswasser getauft ist im Volksmunde heißt erE griewe läßt sich seinen Gallmährt" nicht nehmen. Er feiert ihn schon tüch- tig am Dienstagabend an, und soweit ihn die ae- lchäftliche Seite des Marktes am Mittwoch nicht in­teressiert, kann er auf dem Iuxplatz in jeder Bezie- hung auf seine Rechnung kommen. Denn hier sieht man sich wie auf eine Messe versetzt: Karussell, Schießbuden, Schiffschaukel, Zirkus, Kabinette mit allerlei Sehenswürdigkeiten, Schausteller und Künst­ler aller Art, Harfenmädchen und Musikanten, dazu Bierzelte, Zuckerstände, Wassel- und Wurstküchcn u. a. sind in großer Zahl vorhanden. Und erst der Abend in der Stadt: Tanzgelegenheit in allen Sälen und Hochbetrieb in allen Wirtschaften bei bayrischen Kellnerinnen und Künstlertrupps.

Sowohl die Einheimischen, als auch die Bewohner der Umgebung und ganz besonders die auswärts- lebenden Grünberger, die immer den Besuch ihrer Geburtsstadt, zum Gallusmarkte einrichten, sind ge­meinsam an'diesen Feiern beteiligt. Es ist eine lat- Iache, daß selbst der knauserigste Grünberger, der onst das ganze Jahr kein Wirtshaus betritt, an die- em Tage die Hände nicht so fest auf dem Geldbeutel hält, wie sonst. Gallusmarkt ist sein Feiertag, den yält er hoch. Das ist das äußere Gesicht des Gallus- Marktes, wie er sicy im Wandel der Zeiten gestaltet hat, denn wie kaum ein anderer Markt in der wei­ten Umgebung kann er auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken, ist er zu einem großen Volksfest des vorderen Vogelsberges, der Raben­au, des Busecker Tales u. a. geworden.

Nun ein Wort zum diesjährigen Gallus­markt. Schon vor einigen Tagen ging ein Aufruf durch die Zeitungen, der sich an die oberhessische Bauernschaft wandte und eine Neugestaltung des Diehmarktes zu erstreben suchte: nämlich starke Beschickung des Marktes durch die Landwirte und unter Ausschaltung des Zwischenhandels, Han- bei von Berusskollege zu Berufskollege. Außerdem ist auf Veranlassung der Bauernschaft und ihrer Fachberater für den zweiten Markttag eine große Bauernkundgebun gge plant, bei der der hes­sische Bauernpräsident Dr. W a g n c r sprechen wird. Besondere Bedeutung gewinnt diele Bauernkund­gebung dadurch, daß auch Reichsstatthalter Spren­ger sein Erscheinen zuacsagt hat. Jedenfalls erhält dadurch der diesjährige Gallusmarkt eine Bedeutung, die ihn weit über das Maß anderer Jahre hinaus­hebt.

Ueber den Verlauf des Gallusmarktes ist noch sol- gendes mitzuteilen: Der vorausgehende Sonntag wird, ähnlich wie in den letzten zwei Jahren, mit

einem Heimatabend, gleichsam als Vorfeier, den Markt einleiten. Diese Veranstaltung findet in der umgebauten und erweiterten Turnhalle statt und wird einen Vortrag aus Grünbergs reicher Geschichte bringen, wozu noch Darbietungen der Grünberger Vereine kommen. Dienstagabend wird der Markt feierlich eröffnet: Platzkonzert auf dem Marktplatz, eine Ansprache des Bürgermeisters und einem alten Brauche gemäß Hissung der Marktfahne. Dadurch wird bekundet, daß die totabt drei Tage unter Marktrecht steht. Dies besagt u. a. daß auf dem Markte den Anordnungen des Markt­meisters und seiner Gehilfen, die als Amtspersonen mit langem Säbel ausgerüstet sind, Folge geleistet werden muß, weiter, daß für die Dauer des Marktes die Polizeistunde aufgehoben ist. Der Mittwoch als Hauptmarkttag bringt dann Pferde-, Rind­vieh- und Schweinemarkt, außerdem Krä- mermartt und Volksbelustigung auf dem Juxplatz. Für die Jugend ist an mehreren Plätzen Gelegen- heit zum Tanzen vorhanden, ebenso bieten die Wirt­schaften allerlei Unterhaltungen. Der Donnerstag, der zweite Markttag, wird diesmal durch die Bauernkundgebung und durch das Erschei­nen des Reichs st atthalters Sprenger und des Dauernpräsidenten Dr. Müller ganz be­sondere Anziehungskraft ausüben. Als Ausklang des Marktes werden am darausfolgenden Sonntag auf dem Iuxplatz noch die Abschiedsvorstellungen der Schaubuden stattfinden.

Daß die Straßen und Plätze der Stadt während der Markttage wiederum reichen Flaggen- und Wim­pelschmuck tragen werden, der diesmal neben den

In der von der Ministerialabteilung für Bil­dungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum an die nachgeordneten Behörden versandten Auswahl von Schulgebeten werden außer den von uns bereits mitgeteilten Gebeten noch folgende empfohlen:

Herr!

Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Was wir gelernt und geleistet, dafür bauten wir bir.

Gib uns nun beinen Segen, neuen Mut und frischen Fleiß.

Präge uns tief ins Gemüt das frohe Recht, die fromme Pflicht,

Deutsche zu sein und Christen nach deinem Sinn. Schaffe aus Deutschland ein Volk der Arbeit und des Gebets, des Vertrauens und der Bruderschaft. Hilf uns vom Schuldfluch von Versailles. Und steh uns bei zum Kampf wider die Lügen der Welt und alle Mächte des Bösen. Schirme das Deutsche Reich, daß es gedeihe und bestehe in Ehre, Freiheit, Sitte und Zucht.

Amen.

Du lieber Gott, zu deiner Ehre Sei unser Tagewerk begonnen! Mit Vaterhuld dich zu uns kehre, Dann ist bas Beste schon gewonnen. Laß uns nach frommer Kinder Weise Recht emsig, treu und fröhlich fein, Und senke zu des Heilands Preise Viel Kraft in unser Herz hinein!

Mach tüchtig uns zu allen Pflichten Für unser Volk und Vaterland, Und lehre uns mit Ernst verrichten, Was du gebietst für Herz und Hand! Du, Gott, kannst uns ja alles schenken, Drum laß uns eines noch erstehn: Beschirme, die das Reich jetzt lenken, Und laß ihr Werk recht fest bestehn! Sei mit dem greifen Freund der Jugend, Der zeitlos durch die Zeiten geht, Und mit dem Kanzler voller Tugend, Der an des Reiches Steuer steht. Zu dem, was sie für dich gewonnen, Auch heute unfern Sinn bekehre! Du lieber Gott, zu deiner Ehre Sei unser Tagewerk begonnen!

Amen.

Farben der Stadt (Blau-Weiß-Rot) auch die Sym­bole des neuen Reiches zeigen wird, ist felbstver- stündlich. Man kann also wohl schon im voraus sagen, daß der diesjährige Gallusmarkt, der erste im nationalsozialistischen Reiche, sich würdig seinen Vor­gängern an die Seite stellen kann, ja daß er sie so­gar übertreffen wird.

Sonderzüge und Sonntagskarten der Reichsbahn.

Aus Anlaß des Gallusmarktes in Grünberg ver­kehren am Mittwoch, 18. Oktober, nachstehende Sonderzüge:

1. Gieße nG rünberg, Gießen ab 9.35 Uhr, Grünberg an 10.14 Uhr.

2. Burg-u. Rieder-Gemünde nG rün­berg, Burg- u. Rieder-Gemünden ab 11,17 Uhr, Grün­berg an 11.37 Uhr. Beide Züge halten auf allen Zwischenstationen. Die planmäßigen Reisezüge wer- den in Erwartung gesteigerten Verkehrs entspre­chend verstärkt. Es kommen Sonntagskarten nach Grünberg zur Ausgabe auf den Bahnhöfen der Strecken GießenGrünbergAlsfeld, Lang- GöngsFronhausen (Lahn), Gießen-Garbenteich, GießenWetzlar, Burg- und Rieder-Gemünden Kirchhain, MuckeHungen, HungenTrais-Horloff, HungenInheiden, HungenLangsdorf und Col­lar©rünberg. Diese Karten gelten für die Hin- fahrt vom 18. Oktober 0 Uhr bis 19. Oktober, zur Rückfahrt vom 18. Oktober 12 Uhr bis 19. Oktober 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Auf dem unbesetzten Haltepunkt Ke sie Ibach wird Fahr- kartenverkauf eingerichtet, während die Karten für die Strecke BeltershainGrünberg durch bas Zug­personal verkauft werben.

Walte, himmlischer Vater, mit deiner Gnade über unserer Schule und der Arbeit unserer Lehrer und Erzieher und Kinder!

Gib den Leitern der Geschicke unseres Reiches und allen Führern Weisheit, das Rechte zu erkennen, und Gesundheit und Tatkraft, bas Gute auszuführen zum Wohle von Volk und Vaterland!

Herr, gib berfl treuen und sehnlichen Wirken dieser deutschen Männer deinen Segen!

Amen.

*

Wir danken dir, gütiger Gott, für all das, was du uns heute wieder geschenkt hast!

Hilf, daß wir alle brave Deutsche und gute Christen werden, und so dir, den Eltern und Lehrern Freude und der Stadt (Dorf) und dem Vaterland Ehre machen!

Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Himmlischer Vater, in deinem Namen wollen wir mit frommem Sinn den Unterricht beginnen. Erleuchte und lehre uns alle Wahrheit, damit wir als gute Christen unsere Pflichten treu erfüllen und dadurch in Zeit und Ewigkeit wahrhaft glücklich werden durch Christus, unfern Herrn!

Amen.

Buntes Allerlei.

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Der vorliegende 67. Jahresbericht der Deut- s ch e n Gesellschaft zur Rettung Schiff­brüchiger über das Rechnungsjahr 1932 erinnert daran, daß die Gesellschaft entstanden fei unter dem Gesichtspunkt des nationalen Zusammenwirkens des ganzen deutschen Volkes in einer Zeit, als die er­sehnte politische Einheit Deutschlands noch in weitem Felde stand. Dankbar wird der Männer gedacht, die 1860 bis 1865 das Rettungswerk an den deutschen Küsten als Sache aller Deutschen verkündeten und sich schon 1860 mit einem Aufruf zu Beiträgen für die Errichtung von Rettungsstationen an dasge­samte deutsche Volk" wandten, und es alseine Schmach für Deutschland bezeichneten, daß nicht, wie

Gchulgebete.

lange vorher in anderen Staaten, dieser ersten Pflicht der Humanität genügt sei". Auch in dem Aufruf des ersten Gesellschaftsvorstandes sei dann unter der UeberschristGedenket unserer Brüder zur See" das Küstenrettungswesen als eineNationale Ehrenauf­gabe" bezeichnet: nur der freudige und ermunternde Zuruf und das wachsame Auge des ganzen Volkes vermöge in den Mannschaften der Rettungsstationen jenen hohen Opfermut zu wecken und wachzuhalten, der von ihnen jedesmal gefordert wird, wenn der RufSchiff in Not" an sie ergeht. Wie das Ret- tungswerk von Anfang an als ein volkstümliches im schönsten Sinne hingeftellt worden sei, müsse cs auch in Zukunft eine breite Grundlage im ganzen deutschen Volke haben, um die selbstlose freiwillige Hingabe der Rettungsmannschaften zu würdigen und zu vergelten. Leider weist die Zahl der Mitglieder einen weiteren Rückgang im Vergleich zum Vorjahre auf. Es ist aber zu hoffen, daß im neuen Deutsch­land dieses in so hohem Grade gemeinnützige, natio­nale Werk wieder kräftigere Unterstützung findet.

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Die Änderungen im Altersaufbau des deutschen Volkes.

In der Vorkriegszeit war das deutsche Volk noch ein wachsendes Volk, d. b. cs waren mehr Kinder vorhanden als er- Ivachfene Jahrgänge. In den Nachkriegs. jähren setzte ein ganz bedeutender Gebar- tenrückgang ein. Die letzten Vorkriegsjahr- gängc blieben also am stärksten, während Die nachrückenden Jahrgänge geringer an Zahl waren. Der Altersaufbau glich also nun schon einer den Stürmen der Jahr- zehnte ausgesetzten Tanne. Leute ist das deutsche Volk ein alterndes Volk. Setzt sich der Geburtenrückgang weiter fort, dann ist der weitere Bestand des deutschen Volkes gefährdet. Die beiden unteren Vvramidcn zeigen, wie sich bei gleichbleibendem Ge­burtenrückgang die Zahl der Kinder weiter vermindern wird, bis schließlich in 70 Jah­ren das Bild des Altersaufbaues einer Totenurne gleicht. Der Nachwuchs wird bann an Zahl weitaus geringer sein als die Zahl der Erwachsenen. DaS deutsche Volk ist dann ein Volk von Greisen. Das Ziel einer gesunden Bevölkerungspolitik, wie sie vom Nationalsozialismus tatkräftig eingc- leitet und geführt wird, muß aber fein: Das deutsche Volk wieder zu einem wach- sende» jvge»dkräftige» Volke zu machen.

Sprechstunden der Redaktion.

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GallrismavA Gründers 1933

Sonntag, den 15. Oktober, bis Sonntag, de« 22. Oktober

h 5.5 Abends um 8 Uhr in der Turnhalle Heimatabend mit Anlprachen von Archivverwalfer Gchwetßguth und RechlsanwoltLind unter Mltwlrk. des Deutsch. Iungvolts u. des Grünberger Streichorchesters

Mittwoch, 18Vormittags ab 9 Uhr Marschmusik vom Lahn- Hos durch die Straßen; Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt; anschl. Krämermarkf und Volksbelustigung; in den Sälen Tanzmusik

Lauernkundgebung mit Ansprachen des Herrn Reichsstatthalters In Hesse, Sprenger und des Herrn LandeS-Äaucrnpräsidenten Dr. Wagner

Sonntag, 22.: Rachfeier auf dem Iuxplah gsosd

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an dem Gallusmarkt zu

HaNNkvAtag, 1Ab 9 Uhr bis abends Krämermarkt, Volks- belufhgung; um 10 Uhr vom Marktbrunnen aus Abmarsch mit Musik »um Frühschoppen im Wirtszelt; um 2 Uhr vor dem Naihaus große

Dienstag, 12Abends 8 Uhr vor dem Rathaus Qröffnung des Gallusmarktes durch plahmusik, Ansprache des ÄÜrgermeisters u.Hisiung der Marktsahnc; anschl. Anfeiern des Marktes in den Lokalen der Stadt

gs laden freundlichst ein

Vüraerineifierei und GallnsmarttavKschuß Grünbera

I. A.: vr. Mildner

Hessischer Hof

Grünberg Am Gallusmarkt

Dienstag. Mittwoch, Donnerstag

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