besonders ausgeprägt ist. Dieses Fest wird im Ausmaß und gediegener Ausgestaltung olle früheren Feste weit in den Schallen stellen. Dabei handelt es sich gerade hier um eine wahrhaft ernste An- «elehenheit, um ein Bekenntnis zu den höheren Serien des Lebens inmitten des Kampfes gegen die materielle Not, eine Bekundung des Willens zu kultureller Ällätfgung und schöpferischer künstlerischer Arbeit, ein Protest gegen alle Absichten, durch politische und wirtschaftlich« Dedängnis unser Volk auf ein niedrigeres Niveau herabzudrücken und seinen Sinn für ideelle Güter abzulöten. Denn nach den Worten des Führers ist die Kunst „eine erhabene zum Fanatismus verpflichtende Mission", und sie soll und wird im Dritten Reich ihre Auferstehung feiern. Diesem schönen 3iele dient der „Tag der Deutschen Kunst", dient das .Haus der Deutschen Runfr in München.
lieber Grenzen vorwärts.
Dom Staatspresseomt Darm- st a d t gehen uns folgende Ausführungen zur Veröffentlichung zu.
Noch zittern die letzten Töne des meisterhaft oor- Sietragenen Haydnschen Kaiserquartetts durch ben erlaben schönen Raum des Festsaales im Mlten Paals zu Darmstadt, noch klingen diese wunderbaren Variationen der Weise unseres Deutschlandliedes in den Obren nach und noch liegt es wie ein Bann, der sich erst allmählich löst, über den hier versammelten Volksgenossen, die der feierlichen Gründung des „Lanbesoerkehrs-Verbandes
(spenden für die AS -Vollswohl^ahrt
werden eingezahlt auf Konto Nr 4513 NS -Volkswohlfahrt des Kreises Gießen bei der Beztrksfparkasfe Gießen.
Rhein-Main" beigewohnt haben, da wird es einem allmählich bewußt, daß es uns vergönnt war einen Augenblick von weittragender historischer Bedeutung miterleben zu dürfen.
In den Zeitläuften der letzten zwei Jahrhunderte, die ganz der durch die große französische Revolution geschaffenen Idee, dem Liberalismus, huldigten, wurde die Geschichte immer mehr in den Börsen- hallen gemanaged bzw. glaubte man damals, daß die Geschäfte, die hier gemacht wurden, Geschichte seien. Ein wahrhaft würdiger Rahmen für die „Geschichte" dieser instinktlosen Meute internationaler, volksfremder Geld- und Goldmänner: die Hallen, die dem Götzen Mammon geweiht waren, wo man kreischend und mauschelnd Die Werte des deutschen Dolksoermögens, seien es nun die Produkte des Dauern oder die Anlagen der Qnbuftrie, Der- Öerte und glaubte, damit auch gleichzeitig die
he Seele zu verkaufen. Wenn es ihnen auch gelungen ist, das erste zu erreichen und das deutsche Volk auszupowern, die deutsche Seele zu verschachern, war ihnen nicht möglich.
Und wie ist es heute? Heute wird tatsächlich wieder Geschichte gemacht, unb zwar von einem Volk, dessen Führer unb Gefolgschaft, da volks- unb blut- verbunden, in sich das Walten der deutschen Seele spüren und hierdurch zur Erfüllung einer großen Mission bestimmt sind. Folgerichtig spielen sich daher derartige Augenblicke, in denen geschichtliche Entscheidungen bekanntgegeben werden, in einem anderen Rahmen als früher ab: Nicht Börsenhallen, sondern die im Kerzenlicht schimmernden Festsäle alter deutscher Bauten, Zeichen deutschen Geschmacks geben solchen Augenblicken die äußere Weihe. Und wenn derartige feierliche Tagungen mit Werken alter Meister deutscher Musik eröffnet werden, die immer von neuem die deutsche Seele sich daran erbauen lassen, so ist dies für diese Feierhandlung richtungweisend, indem alte Ewigkeitswerte beut- schen Schassens unb Könnens sich mit dem in diesen Augenblicken sich anfünbigenben geschichtlichen Werden vermählen.
Welches sind nun die geschichtlichen Momente, die wir hier in unserem Gebiet in den letzten Wochen aufzuzeichnen haben und wie wirken sich biefe aus?
Die letzte Frage ist vorwegzunehmen: Eine Entwicklung hat auf Grund der Initiative des Herrn Reichsstatthalters in Hessen, Sprenger, in dem ihm als Gauleiter anoertrauten Gebiet eingesetzt, die richtungweisend und vorbildlich für die Ihmmenbe Entwicklung und Gestaltung des Deutschen Reiches sein wird Ist doch hier Aum ersten Aal dazu übergegangen worden, über Ländergrenzen hinweg auf verschiedenen (Mieten eine durch wirtschaftspolitische, kulturelle und landsmannschaftliche Belange oorgezeichnete Vereinigung herbeizuführen, deren Verwirklichung sich seither die durch partikularistische und bpnastischc Bestrebungen willkürlich gezogenen Län- dergrenzen als unüberwindbares Hindernis in den Weg stellten. Der Tatkraft des Herrn Reichsstatthal- ters in Hessen war es vorbehalten, den ersten Schritt zur Vorbereitung der Neugestaltuna des Reiches zu tun und damit ben anberen Ländern wegweisend voranzugehen. Wenn es gilt, das Reich neu zu gestatten und es sinnge- wäß nach wirtschaftlichen Belangen und kultureller und stammesinäßiger Entwicklung einzuteilen, so wird hierbei nicht vor ben manchmal gerabezu widernatürlichen CänbergrenAcn Halt gemacht werden, sondern diese werden ein für allemal oer- f ch w i n b e n. Unb mit ihnen wird auch allen parti- kularistischen Strömungen und Eigenbrödeleien einiger unverbesserlicher Kirchtumspolitiker der Boden entzogen werden. Ueber Grenzen vor- wart» zur Einheit des Reichs!
Dieser vorbereitenden Entwicklung diente die in Den lefiten Wochen erfolgte Zusammenfassung der hessischen und hessen-nassauiichen Bauernschaften zum r Heini sch- mainischenBauern st and. Wurde so der Nahrstand für einen großen Gebiets- teil )usammengeichlossen, so folgte bie Wirtschaft durch bie Gründung des r h e i n - m a i n i s ch e n I nb u str ' e - und Handelstages, in dem bie Industrie- unb i>anbelsfammer bes Groh Gaues Hessen-Nassau sich zusaminengefunben haben. Ebenso hat sich bie Presse dieses Gebietes unter einheitliche Führung gestellt unb sich in dem Landes- verband Rhein-Main-Weser des Reichs- oerbanbes der deutschen Presse zu gemeinsamer Arbeit vereint. Das zur Zeit jüngste Glied in dieser Entwicklung ist der Landesverkehrs-Der- b a nb Rhein-Main, der bei der eingangs ermähnten feierlichen Tagung Ins Leben gerufen wurde und in dem sich die Derkehrsoereine des Groß-Gaues Hesien - Nasiau zufammcngelchlosten habest. Zusainmenfosscnb ist festzustellen, daß der Herr Reichsstatthalter in Hesien. Sprenger, eine Entwicklung in feinem Gebiet eingeleitet ha, die bahnbrechend für die Neugestaltung desReiches genannt werden muß
Deutsche KolouialpoM heute und morgen.
Bon Or. Paul Rohrbach
Hn Bord der „Ubena", 17. Sept. 1933.
Nun liegt auch unser altes Südwest hinter mir, und ich stelle die Frage: Ist es möglich, Kolo- nialpolitit ohne Kolonien zu machen? Warum nicht, wenn nur ein koloniales Ziel besteht unb bie Möglichkeit, es eines Tages zu erreichen! Ich möchte sagen: Unsere heutige Kolonialpotttik muß darin bescehen, dafür zu sorgen, daß, wenn über kurz ober lang die politische Lage es bei- den Teilen nahelegt, die Rückgabe praktisch zu erörtern, dann am Deutschtum in unfern alten Schutzgebieten kein Schaden geschehen ist, über den bie Heimat sich nachträglich Vorwürfe machen muß.
Unzählige Male bin ich von den Deutschen in Oft- wie in Sübroeftafrita gefragt worden, ob Aussicht bestände, daß sie „wieder deutsch" würden? Ich habe darauf geantwortet, sie müßten sich drei Punkte klarmachen, und diese seien:
1. Das neue Deutschland wird den Endkampf gegen d i e koloniale Schuldlüge mit aller Energie aufnehmen und unfern unverjährbaren Anspruch auf unsre Kolonien unbeirrbar weiter vertreten unb durchfechten.
2. Die nationale Regierung wird den Versuch zu einer praktischen Lösung der Äolonialfraae voraussichtlich nicht eher machen, als bis der innere Umbau Deutschlands fertig und gewisse fundamentale außen- politische Aufgaben der Losung näher geführt sind.
3. Der richtige Zeitpunkt, über die Rückgabe zu sprechen, wird dann gekommen fein, wenn Deutschland genügend erstarkt sein wird, um für England und Italien eine wertvolle und notwendige Hilfe Aur Beseitigung des französischen Drucks auf die Entschliehungsfreiheit der englischen Politik und auf den notwendigen Lebensspielraum des italienischen Volkes zu sein.
Ich habe in Afrika ben durch gewisse Informa- Honen und Beobachtungen begründeten Eindruck gewonnen, daß die maßgebenden Stellen der Mandatsmächte (England und die Südafrikanische Union, Frankreich lasse ich hier aus dem Spiel) nicht mehr so wie früher die Mandatsformel a l s bloße Umschreibung der Annexion betrachten, sondern mit der Rückgabemöglichkeit rechnen. Natürlich denken sie nicht daran, aus Gewissensbissen wegen der kolonialen Schuldlüge und des Wortbruchs gegenüber dem fünften von Wilsons 14 Punkten — gerechte und unparteiische Erledigung aller Kolonialfragen — auch nicht um der schönen Augen Deutschlands willen, sondern weil sie das Gefühl haben, daß eine allgemeine Revision der Frie - densdick täte sich vorbereitet und das koloniale Problem im Sinne einer Beteiligung Deutschlands dabei nicht ausgeschaltet werden kann. Dabei macht es nicht viel aus, daß die national!- i stischen unb kolonialpublizistischen Kräfte zweiter I
und dritter Ordnung die Rückgabe nach wie vor als ein Rührmichnichtan behandeln unb ihr „Nie unb nimmer" mit aufgeplusterter Leidenschaft wiederholen. Die Sache ist zur praktisch-politischen '.Bebanölung noch nicht reif, aber sie wird es in dem Augenblick fein, wo man Deutschland braucht.
Ich habe in einigen Vorträgen, sowohl in Oft- afrita als auch in Südwest, in Gegenwart von englischen unb afrikanischen Zuhörern, diese (Bebauten ausgesprochen und dabei besonders betont, daß die deutsche, die englische und die italiensche nationale Lebenslinie deutlich auf den Punkt hin konvergieren, wo das gemeinsame Bedürfnis sich offenbart, vom französischen Druck frei zu werden. England ist heute keine Insel mehr, denn die dreifach überlegene französische Luftflotte ist imstande, die englische Verteidigung in der Lust niederzukämpfen und tataftro- ohale Zerstörungen in England anzurichten. Das heißt, für England ist praktisch genau derselbe Fall eingetreten, als ob eine andere Flotte die unbedingte Ueberlegenheit über die englische gewonnen hätte. Die Engländer haben sich bei sich selbst für diese peinliche Veränderung ihrer Lage — ich halte sie für bas eigentlich entscheidende (Er- g e 6 n l s des Weltkriegs — zu bedanken, aber sie müßten ihre ganze Natur, ihren nationalen Charakter geändert haben, wenn sie sich das auf die Dauer gefallen ließen. England wäre damit einfach nicht mehr England. Die Schlußfolgerung daraus für den Augenblick, wo Deutschland wieder wehrfähig ist (stüher können nur politische Utopisten unb Dilettanten daran denken), liegt auf der Hand.
Ich komme zurück auf unsere „gegenwärtige" Kolonialpolitik. Man sollte zu Hause wissen, und weiß es hoffentlich auch, daß in Ostafrika unb in SÜbwestafrika die deutschen Pflanzer und Farmer, überhaupt das Deutschtum, jetzt öirt- schaftltch in sehr schwerer Lage, zum Teil direkt in seiner Existenz bedroht ist. Die Weltkrise, die schlechte Mandatsverwaltung unb bestimmte, namentlich in Sübwest direkt auf bie Zermürbung der Deutschen hinzielende Absichten wirken zusammen dahin. Man sollte wissen, und weiß es hoffentlich, daß viele deutsche Kinder von ihren Eltern nicht in deutsche Schulen geschickt werden können, weil die Eltern nicht mehr fähig sind, die Mittel dafür aufzubringen. Das noch länger ohne durchgreifende Hilfeleistung mitanzusehen, wäre für die Heimat nichts a oberes, als schuldhafte Vernachlässigung einer nationalen Pflicht. Will man zu Hause die Verantwortung dafür tragen, daß, wenn der Augenblick der Rücknahme unserer alten Schutzgebiete gekommen ist, wir e i n Ruinenfeld kolonialen Deutschtums vor uns sehen, anstatt einer seelisch und wirtschaftlich gesund erhaltenen deutschen Bevölkerung? Ich meine, bie Frage im neuen Deutschland stellen, heißt auch, sie beantworten.
Geschichten aus aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Perlengcschichte in Miami.
r. — Chikago.
In Miami auf Florida treffen sich die reichsten Leute und die größten Verbrecher. Im Hotel Excel- sior stieg zur Abwechslung einer der reichsten ab, bas war Mr. Barry, der millionenschwere mexikanische Reeder. Dieser Mann ist nicht nur sehr reich, sondern auch sehr bekannt, obwohl er niemals Wert barauf legt, photographiert zu werden.
Mr. Barry kam also nach Miami, und die Zeitungen schrieben von ihm, bah er darauf aus sei, sich unter den 10 000 Girls, die den berühmten Strand bevölkern, eine Frau auszusuchen. Unb als er den Hoteldirektor bat, ihm einen guten Juwelier zu nennen und ihn bei dem Einkauf zu begleiten, war das weiter nicht verwunderlich: Mr. Barry braucht eben schon ein Hochzeitsgeschenk.
Der reiche Mann wählte unter den Kostbarkeiten, bie der Juwelier ihm vorlegte, eine herrliche Perlenkette. Er bezahlte sie mit einem Scheck und verließ mit dem Hoteldirektor das Haus.
Nach zwei Stunden bereits wußte der Juwelier, daß der Scheck falsch war. Er berichtete freube- strahlend den Reportern: Er sei natürlich vorsichtig gewesen, er habe dem Kunden nur eine falsche Perlenkette gegeben, die er, wenn der Scheck richtig gewesen wäre, leicht gegen eine echte Kette hätte umtauschen können. Daraufhin schrieb Mr. Barry, der Miami längst verlosten hotte, baß er natürlich gar nicht Mr. Barrn sei unb diesen Namen nur vorsichtshalber gewählt habe. Er sei aber auch weiterhin so vorsichtig gewesen, die Perlenkette bei bem Hoteldirektor gegen 20 000 Dollar zu ver- pfänben. Daraufhin antwortete der Hotelbirektor, bie Sache sei zwar richtig, aber sein Scheck über 20 000 Dollar sei im Augenblick der Uebergabe auch schon gesperrt gewesen, derartige Dorsichtsmaß. regeln seien unbedingt am Platze.
So weit ist die Angelegenheit bisher gediehen. Die Oeffentlichkeit wartet auf die Antwort des falschen Barry, besten Vorrat an Dorsichtsmaß- regeln jo zweifellos auch noch nicht zu Ende ist.
Kleiner Unfall eines MeistcrboxerS.
(hb) Mexiko — Stadt.
Der mexikanische Leichtgewichtsmeister Manuel Villa hatte es sich gewiß niemals träumen lassen, daß er eines schonen Tages von einem schwächlichen unb kränklich aussehenben Nachtschwärmer k. o geflogen unb vor versammeltem Publikum in einem bekannten Nachtlokal ausgezählt werben würbe '•aber das Unglaubliche wurde Tatsache.
Villa vergnügte sich in einem Kabarett, in dem auch fein „Bezwinger" zu Gaste weilte. Dieser lieh plötzlich einen lautschallenden Pfiff nach Art der Eselstreiber ertönen, den der Boxer auf sich bezog Das war ausreichend, um den Unbekannten zur Rede ,u stellen Ein Wort gab das andere, und bevor der Meiller es sich versah, hatte er auch schon einen woblgezielten Kinnhaken weg, der ihn wie einen Mehlsack auf dos Parkett legte. Der unbetonte „Sieger" aber nahm Reißaus, als er erfuhr welchen Gegner er kampfunfähig gemacht hatte.
Das letzte AriegStelegramm.
~ . _lrv m (—) London.
hranf Hüber Pennington ist ein Telegrafist wie feber andere auch Freilich erzählt man flüsternd | oo" ihm baß er vom Weltkrieg unb seinem Der- taut mehr wisse als irgend jemand sonst von den
Außenstehenden. Jetzt, nachdem er in der Brighton- Post seinen letzten Arbeitstag abgetan hat und in den Ruhestand getreten ist, erfährt man von ihm, daß er es gewesen ist, der an jenem 11. November 1918 bas letzte Kriegstelegramm in die Welt hinausschickte, eines der schicksaloollsten Telegramme, bie nicht nur Frank Hilder je aufgab, sondern die überhaupt bisher durch den Aether gingen. Das Telegramm, das Lord H a i g oetfaßt hatte, lautete so:
„Heute, am 11. November, um 11 Uhr hören alle Feindseligkeiten auf. Die Truppen bleiben auf der Linie stehen, bie sie zu bie,er Stunde erreicht haben, und bie bem Hauptquartier unverzüglich mitgeteilt werben muß. Defensiv-Mahnahmen werben aufrechterhalten. Mit bem Feind dürfen keinerlei Abmachungen irgend welcher Art getroffen werden, bis die Instruktionen des Generalstabs oorliegen. Weitere Richtlinien folgen."
Damit war praktisch der Weltkrieg zu Ende. In den Kriegsjahren hatte Pennington Hunderte von Geheimtelegrammen hinausgeschickt, verkodet, mit Geheimzeichen verkleidet. Er kannte ihren Inhalt, er wußte bie Bedeutung aller Zeichen. Aber er schweigt auch heute noch darüber — nur über jenes letzte Telegramm, von bem er sich sogar eine Kopie anfertigte, unb bei dessen Durchgabe er zum ersten Male in seinem Lcben nervös war unb zitterte, spricht er heute, nachbem er ausgedient hat — als einfacher Telegrafist in Brighton ...
LPfer der guten Erziehung»
q. Manchester.
Ein schottischer Edelmann kam einmal nach Manchester und stieg in einem kleinen Dorstadthotel ab. Er legte sich bald zu Bett, zündete sich eine Zigarette an unb brehte bas Licht aus. Wie er so rauchte, fiel ihm bas Feuer von seiner Zigarette auf ben Bettvorleger. Er neigte sich aus dem Bett, um das Feuer auszudrücken. Da sah er verwundert eine fremde Hand unter dem Bett hervorlangen, die ihm zuvorkam unb bas Feuer auslöschte.
Der schottische Ebelmann bachte zuerst nach, ob bas nicht eine neue Einrichtung ber Hoteldirektion sei, bie ihre Bettvorleger schonen will. Dann verneinte er diese Frage aus Gründen der Sparsamkeit. Und bann griff er kurz entschlossen unter bas Bett, zerrte ben Einbrecher hervor, langte ihm rechts und links ein paar Ohrfeigen „von guten Eltern" und ließ ihn der Polizei übergeben.
Bei der Vernehmung stellte es sich heraus, daß ber Einbrecher gleichfalls aus Schottlanb stammte. Dort hatte er gelernt, daß man seine Sachen schont. Und bas war ihm so in Fleisch unb Blut übergegangen, daß er sich auch als Einbrecher beeilte, frembes Eigentum vor Schaden zu bewahren.
Opfer der guten Erziehung...
WaS darf ein Radfahrer wiegen?
(e) Kopenhagen.
Die dänische Hauptstadt, die Stadt ber Radfahrer, mußte „von rechtswegen" herauskriegen, wie schwer eigentlich ein Radfahrer sein dürfte. Denn auch in dieser Großstadt wird, wie der Berliner sagt, eifrig „gebuddelt" Immer ist irgend ein Straßenzug auf- gerissen, mit irgendwelchen Röhren ober Kabeln elegt, woraus man alles wieder zuschüttet. Dieses Spiel wiederholt sich mit erstaunlicher Kürze bald in dieser, bald in jener Gegend Kopenhagens. Bei einer dieser Buddeleien legte man für die Nachtstunden Bretter über die Baustelle, Damit der Ber- kehr nicht gehindert wäre. Ein Radfahrer, der die
Stelle passierte, brach ein unb wurde mit einigen Verletzungen aus ber Grube herausgeholt. Raum gesund, rannte er zum Gericht und verklagte bie Stadt auf Schadenersatz, weil sie nicht genügend feste Bretter verwendet hätte. Als die Vertreter der Stadt den Kläger bei Gericht kennenlernten, fiel ihnen besten, Leibesumfang auf. Sie verlangten, daß ber Rabsahrer amtlich gewogen werbe, unb als sich ergab, daß er immerhin gut unb gerne feine 223 Pfund Lebendgewicht besaß, wandten sie ein, dack dies bas Gewicht eines gewöhnlichen Bob- fahrers übersteige. Gegenfrage des Klägers: wie schwer darf eigentlich in Kopenhagen ein Radfahrer fein. Das war dem Gericht zuviel des Guten. Es riet bringend zu einem Vergleich. Denn 228 Pfund sind im Lande ber guten bänifchen Küche immerhin nichts Ungewöhnliches.
Krieg mit Menschenfressern.
(z) Amsterdam.
Unbeachtet von ber großen Weltpresse vollzieht sich gegenwärtig in ber Südsee ein hartnäckiger Buschkrieg, ber schon manches Opfer gekostet hat Europäer unb farbige Hilsstruppen befinben sich dort im Kampfe mit blutdürstigen Eingeborenen unb zwar auf Rieberländisch-Neuguinea, bas ber Unterschlupf ber letzten Kannibalen ber Erbe zu fein scheint. Wir lesen herüber Im .Lava-Boden":
Eine militkrische unb polizeiliche Expebition ist seit einigen Monaten ins Innere Neuguineas gedrungen, um der eingeborenen Mcmoewees habhaft zu werden, die im April dieses Jahres einen Polizisten unb seine Begleitung überfallen, ermordet unb aufgefreffen haben. Etwa hundert Angehörige dieses Kannibalenstammes sind bereits in bie Hände ber Expebition gefallen, aber gerabe die an dem Mord Schuldigen halten sich noch immer im Busch verborgen und liefern ber Expebition heiße Gefechte.
Der letzte Kampf fanb breißig Meilen stromaufwärts von Otoemboewe statt, wobei sich etwa 30 Mann ber Expebition einer Uebermacht von 700 Menschenfressern gegenüberfahen. Die Ueberlegenheit ber modernen Schußwaffen siegte jedoch auch hier, unb bie Manoewees ließen weit über 100 lote auf bem Platze. D. h.: sie ließen sie nicht auf bem Platze. Denn am Abend muhten die Teilnehmer ber Expebition beobachten, wie bie Manoewees zurückkehrten unb ihre Gefallenen wegschafften. Eine nachgesandte Schleichpattouille muhte dann zu ihrem Entsetzen mit ansehen, wie die Eingeborenen ihre gefallenen Kameraden kunstgerecht an offenen Feuern brieten unb mit großem Appetit verzehrten.
Tie Krau, die auf dem Dampfer wohnen wollte.
(k) Pari».
Die in Frage fommenben Schiffahrtsgesellschaften rieben sich fröhlich bie Hände, als sie vor einigen laaen hörten, daß eine gewisse Madame Vischer d'Assonleville, eine Schweizerin, sich entschlossen habe, den Rest ihres Lebens nur noch auf Ozeandampfern zuzubringen. Sie wollte sich gewissermaßen auf Lebzeiten ein Abonnement erster Klasse für Ozeandampfer nehmen und ihren Aufenthaltsort auf die verschiedenen Dampfer verlegen, die zwischen (Europas Küsten und Amerikas Hafen hin und her fahren.
Man lachte über bie Frau, berounberte ihre Entschlußkraft unb ihre erst ganz junge Liede zum Meer unb zur Ozeanreife unb vergaß ben Fall. Unb bie Schweizerin wäre gewiß recht glücklich geworden mit ihrer Idee und ihrem Dauerabonne- ment, wenn nicht bie französische Regierung ihr einen Strich burch bie Rechnung gemacht hätte. Es gibt nämlich ein französisches Gesetz, das bestimmt, daß in einem Hafen jeder Passagier von Bord gehen muß. Und ferner muß jeder Passagier eine feste Wohnung ober ein festes Ziel haben unb nicht in ber Absicht (eben, ewig ohne feste Nieberlassuna in ber Welt herumzufahren. Und das wollte doch die Schweizerin. So kam es denn, daß man ihr von feiten ber französischen Regierung amtlich mitteilte, man könne ihren Wunsch zwar verstehen, aber nicht erfüllen. Mabame Vischer wirb also eine ßanbratte bleiben mästen ...
Blinddarmoperation in Alaska.
(vk) Warschau.
Dr. Walkowsky heißt ber polnische Arzt, Der sich fern von seiner Heimat vor einiger Zeit in bem Dörfchen Anchorage niebergelaffen hat, um bie Bevölkerung von Alaska mit ben Wohltaten ber zeitgenössischen Medizin bekanntzumachen unb dabei, vermutlich unbeabsichtigt, eine anerkennenswerte Sportleistung zu vollbringen. Dieser durchaus moderne Jünger Aeskulaps macht seine Besuche mit einem kleinen Sportflugzeug und ist auf diese Weise immer schnell erreichbar. Neulich wurde er nach ber nörblich gelegenen Insel Kobiak gerufen, flog prompt ab, erledigte im Handumdrehen eine kleine Blinddarmoperation unb nahm bann ben Patienten an Borb feines Flugzeuges nach Anchorage mit, auf baß er einige Tage unter ärztlicher Beobachtung bleiben könne. Mehr kann man von einem einfachen Felb- unb Diesenarzt in Alaska wirklich nicht verlangen ...
Küfsen ist keine Sünd' ...
(av) Dien.
»Küssen ist keine Sünd'", so heißt es in bem schonen Lieb
Über manchmal ziemlich kostspielig, laut Gerichts- urteil.
(Ein Wiener Bürger zeigte einen Taxichauffeur an, er habe ihn mit voller Absicht irregefahren. D. h. burch große Umwege zum Ziel gebracht. Der Wagen sollte normalerweise ben Weg in 10 Minuten bewältigen, währenb ber Ehaufteur ben Gast eine geschlagene halbe Stunbe spazierensuhr. Leider merkte der Ge- unb Verfahrene erst viel zu spät, was eigentlich los war. Dann begann er allerdings, üch mit dem Ehauffeur zu zanken, unb zuguterletzt landeten beide vor dem Richter. Der aber fällte folgendes Urteil: „Da einwandfrei nachgewiesen werben konnte, baß ber Chauffeur von Anfang an einen falschen Weg einschlug, ber Fahrgast jeboch erlt gegen Cnbe ber Fahrt ben Umweg beanfianbete, mbem er sich während der ganzen Zeit ,mit einer Dame küssend beschäftigt* hatte, verdient der Fahrer nur eine Rüge. Der Gast jedoch trägt bie alleinige Verantwortung. Unb so gebührt ihm fein Schabenersatz."
Wiener Amtsbeutsch ist zwar ein bißchen um- stanblich. Nichtsbestotrotz kann man dem schönformulierten Urteil entnehmen, daß, wie gesagt, bas Küssen zwar keine oünb’, bafür ober gelegentlich eine kostspielige Angelegenheit ist. Für beren Folgen einzig unb allein ber Küssenbe selbst verantwortlich ist. Auch für bie Folgen eine» — Lutoumweges!
Daten für Samstag, 14. Oktober.
1465: ber Humanist Konrad Peutinger in Augsburg geboren; — 1644: der Ouäfer William Denn, Gründer von Pennsyloanien, in London geboren; — 1758: preußischer Feldmarschall Keith bei Hochkirch gefallen.


