Handwerk und deutsche Kultur.
Don Ministerialdirektor Dr. Wienbeck,
Der Reichsstand des deutschen Handwerks ver- anstaltet vom 15. bis 22. Oktober eine Werbrwoche für das Handwerk unter dem Stichwort „Segen der Arbeitsbeschaffung im Kleinen". Es ist sicher, daß die zahlreichen Werbemaßnahmen, die selbstverständlich weitgehende Unterstützung durch amtliche Stellen gefunden haben, fast alle unsere deutschen Volksgenossen dazu anregen, über die Gegenwart und die Zukunft des deutschen Handwerks nachzudenken. Man wird hierbei entdecken, daß auch das deutsche Handwerk bei dem Umschwung zur nationalen Regierung eine wesentliche Rolle spielt. Dies ist schon aus der nüchternen wirtschaftlichen Umsatzzisfer von mehr als 10 Milliarden RM., oder aus der Zahl der Handwerksbetriebe von etwa 1,3 Millionen zu schließen. Viel höher aber als jeder Geld- und Zahlenwert muh die kulturelle Bedeutung des Handwerks für ucher deutsches Volk und Vaterland beachtet werden. Wir leben heute der Ueberzeugung, daß die praktische Lebenserfahrung und die Erziehung zum Kampf mit dem Leben mindestens eben so viel gelten müssen, als eine hoch gezüchtete wissenschaftliche Ausbildung. Wenn wir daher hören, daß immer noch 770 000 Lehrlinge im Handwerk gezählt werben und daß in Deutschland 4 750 000 gelernte Handwerker etwa je zur Hälite in der deutschen Industrie und in der Handwerkswirlschast tätig sind, so geht daraus die ungeheure B e d eu - tung des Handwerks für d i e deutsche Dolkserziehung hervor. Es ist bekannt, daß das Lebensalter vom 14. bis 18. Geburtstag, also das Lehrlingsalter, für die Erziehung des ganzen Menschen ausschlaggebend ist. Infolgedessen hat der Lehrmeister im Handwerk eine schwere, aber dank- bare Aufgabe, und er braucht dazu volle Autorität gegenüber dem Lehrling. Der neue Staat wird die BedeutungdieserMeisterlehrernit allen Mitteln schützen und erhöhen. Dazu gehört aber auch, daß das Amt des Lehrmeisters nur Persönlichkeiten von untadligem Charakter und bestem Können zuqestanden werden darf. Je höher der Nome „Meister", um so höher muß auch der Wert der Meisterarbeit angsehen werden. Es führt also eine gerade Linie von einer tiefgründigen Erziehung der Lehrlinge zu einer steigenden Einschätzung aller Handwerksarbeit.
Für diese Handwerksarbeit, die den wesentlichen Teil der deutschen Qualitätsarbeit bildet, muß wieder Liebe und Achtung im deutschen Volk geweckt werden. Es handelt sich dabei nicht nur um das Kunsthandwerk, das am aller- mnsten vernachlässigt worden ist, sondern auch um die Stückarbeit aller Art, die auf den Geschmack des einzelnen Bestellers zugeschnitten werden kann. Gewiß haben die Massen, die kürzlich in Nürnberg unter dem Banner des Hakenkreuzes marschierten, einen hohen und unvergeßlichen Eindruck bester deutscher Handwerkskultur der mittelalterlichen Blütezeit des deutschen Kunsthandwerks empfangen.
Reichslommissar für den Mittelstand.
2Iber auch allen anderen Handwerken, die nach Maß und auf persönlichen Bedarf hin arbeiten, wie z. B. Schneider, Schuhmacher, Spengler, Schreiner, Maler, Tapezierer, Maurer, Zimmerer, Schmiede und Schlosser bedürfen einer guten all- gemeinen und einer sehr großen technischen Ausbildung, um den höchsten Anforderungen an Hand- werkslettung gerecht zu werden. Spricht man also vom deutschen Handwerk, so muß man damit eine klar erkennbare, kulturelle Oberschicht des deut- scheu Gewerbes bezeichnen, die nicht auf Massen- wäre, sondern auf Einzelbestellung einer zahlungsfähigen Kundschaft arbeitet. Die Gefamterziehung des Handwerks von der Lehrwerkstatt über die gewerblichen Schulen und während der Gesellenjahre bis zur Meisterprüfung muß auf dieses Ziel gerichtet sein. Ja, man muß das alte Goethewort, daß aller Kunst und allem Können das H a n d - werk vorauszugehen habe, auf die eigentliche hohe Kunst, Architektur, Plastik, Malerei usw. anwenden. Diese Ueberzeuaung hat sich in Künstlerkreisen schon Bahn gebrochen, und sie wird immer wieder dadurch gestützt, daß deutsche Künstler höchsten Ranges vielfach aus dem Handwerk hervor- gegangen sind.
Gerade die „Arbeitsbeschaffung im Kleinen" führt zu dem hohen Ziel, das hier gezeigt wird. Es muß in jeder deutschen Familie ein dringendes Streben erwachsen, einzelne vollendete Leistungen der H a n d w e r k s a r d e i t zu erwerben und zu besitzen. Mag es auch nur ein einzelnes Möbelstück, ein Bucheinband, ein Schmuckoder ein hochwertiger Gebrauchsgegenstand sein, er wird stets, wenn er die höchste Handwerksleistung darstellt, eine Auszeichnung für den Her- steller, wie für den Besitzer und oft ein wertvolles Erbstück für Generationen bilden. Aber auch wenn man nicht so weit gehen will, muß doch gute Handwerksarbeit, etwa in Kleidung und Wohnung, der Wunsch aller derer sein, die sich als Kulturmenschen fühlen wollen.
Neben die Erziehung des Handwerks muß also die Erziehung des Dolksgeschmacks treten und die Ueberzeugung, daß gute Handarbeit auf die Dauer gesehen noch immer a m billigten und beften ist. Don diesem Ziele sind weite Dolkskreise ohne Rücksicht auf ihre Vorbildung leider noch weit entfernt, und zwar lediglich deshalb, weil ihnen jegliche kulturelle Schulung gefehlt hat. Man möge daher das Handwerk in die Lage versetzen, immer wieder durch Ausstellungen, Messen und Vorführungen, durch Belehrung an allen Bildungsstätten seine Kunst und sein Können nachzuweisen, vor allem auch bei öffentlichen Aufträgen! Man möge den besten deutschen Handwerksmeistern hohe soziale und gesell- schaftliche Bedeutung zumessen, und man möge sie zur Mitwirkung an den wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben von Staat und Gemeinde berufen. Es wird bann die Handwerksarbeit, die immer im wesentlichen im Einzelauftrag, alfo in
der Arbeitsbeschaffung im Kleinen bestehen wird, eines der Mittel werden, welches Deutschland auf friedlichem Wege an die Spitze aller Kulturvölker führen wird.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung der Deutschen Akademie in München.
Die Akademie aut wissenschaftlichen Erforschung uno Pflege des Deutsch- Iums — Deutsche Akademie — veranstaltete in München ihre 7. Hauptversammlung. Der I. Präsiden, Geh. Rat Prof. Dr. von Müller, wies auf die gefährdete Lage hin, in der sich gegenwärtig die Akademie befinde. Es habe den Anschein, als ob sich alle Länder nach außen hin abschliehen wollten, während es doch auf geistigem Gebiete nur gegenseitigen Austausch der Güter und Errungenschaften geben könne. Da die Deutsche Akademie sich grundsätzlich von der Politik fernhält, ist auch ihr Wirken befreit von dem Verdacht jeder politischen Tätigkeit. Der von der Akademie der bildenden Künste vollzogenen Wahl der folgenden Künstler zu Ehrenmitgliedern der Akademie, nämlich des Malers Professor Josef Dornberger in München, des Bildhauers Prof. Wilh. Gerstel in Berlin, des Architekten Dipl.-Ing. h. c. Hans Hertlein in Berlin, des Bildhauers Prof. Richard Knecht in München, des Malers Prof. Hert- lein in Berlin, des Bildhauers Prof. Ulfert Jansen in Stuttgart, des Malers Prof. Dr. phil. h. c. Artur Kampf in Berlin, des Malers Hans Lichtenberger in München, des Bildhauers Pros. Hubert Netzer in Düßeldorf-München, des Malers Prof. Bernhard P a n k o k in Stuttgart, des Malers Prof. Paul P l o n t k e in Berlin, des Architekten Prof. Dr. ing. h. c. Paul Schmitt- Henner in Stuttgart, des Malers Prof. Eduard Thöny in Holzhausen und des Architekten Prof. Paul Ludwig Tro ost in München, ist vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Bestätigung erteilt worden.
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Die Deutsche Akademie ernannte folgende Senatoren: Reichsstatthalter General Ritter von Epp, Dr. Eckener, Friedrichshafen: Professor Junkers, Dessau; Reichsbischof Müller, Berlin; Vizeadmiral von Trotha, Berlin; August van Finck, München; Oberkonsistorialrat D. H e k - kel; Bischof Berning, Osnabrück; Dr. Ludwig Klages; Geheimrat Prof. Dr. Karl von Kraus, München; Dr. Guido Kolbenheyer, München; Dr. Oswald Spengler, München; Verleger Gustav Fischer, Jena; Pfarrer Dr. h. c. Pinck, Hambach (Lothringen); Prof. Dr. von Srbik, Wien; Geheimrat Prof. Dr. Voh 1 er, München; Staatsrat Prof. Dr. Wiegand, Berlin.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, 15. Oktober. 18. Sonntag nach Trinitatis.
Sladkkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr; 18: Pfr. Becker. — Zohanneskirche. 9.30: Pfarrassistent Dörfern; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfarr- assistent Dörfern; 18: Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbespre
chung im Iohannessaal; Pfr. Lenz. — Kapelle des Alten Friedhof». 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Lmheracmeinde; Pfr. Lenz. — petrus top die. 9.45: Pfr. Ausseid; 18: Pfarrassistent Surfer.— Saal der Neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Jo» hannesgemeinde; Pfr. Ausfeld.— wiefeck. 9.30: Fest- gottesdienst; Chorjchule; Kollekte. — Altcn-Luserf. 9.30. — Großenduserf. 10.30: Gottesdienst. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst. — Albaw. 12.30; Pre- digtgottesdienst. — Steinbach. 9.30: Gottesdienst und Abendmahl für die Alten; Kollekte. — ftlein-Cinben. 10: Festgottesdlenst; 11: Kindergotlesdienst. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst in der Turnhalle aus Anlaß der Handwerker-Werbcwoche unter Mllwir- tung eines Kinderchores; Kollekte. Das Abendmahl findet eine Verlegung auf den 22. Oktober. 13. Erster Kinderaoitesdienst für die Sechs- bis Achtjährigen; 13 45: Zweiter Kindergotlesdienst für die Neun- bis Elfjährigen. — Lollar. 9: Feldgottesdienst anläßlich des Beginns der Handwerkerwoche. — Kirchberg. 10.15: Feldgottesdienst anläßlich des Beginns der Handwerkerwoche; 11: hl. Abendmahl für die jungen Männer und Frauen von Lollar. — Mainzlar. 13: Erntedankfeft-Gottesdienst, hl. Abendmahl für die alten Gemeindeglieder. — Garbcnteich. 10. — hausen. 13. — Watzenborn-Steinberg. 13.15: Haupt- gottesdienst; Kandidat Schemel; 14.15: Kindertirche; Kandidat Schemel. — Gröningen. 10: Hauptgottesdienst; Kandidat Schemel. — Lich. 9.30: Stistsdechant Kahn; Kirchen- und Posaunenchor; Kollekte; 20: Erntedankfest der Kinderkirche; Erntedankfestspiel; Kollekte. — Langsdorf. 11: Adendmahlsseier für die Alten; 20: Predigtgotlesdienst. — Dettenhausen. 9: Predigtgottesdienst; 10: Adendmahlsseier für di« Allen.
katholische Gemeinden.
Samstag, 14. Oktober.
Gießen. 16.30 und 19 Uhr. Beichte.
Sonntag, 15. Oktober. 19. Sonntag nach Pfingsten.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Kinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt zur Eröffnung des Deutschen Handwerkertages; U.- Messe mit Predigt; 17.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt.— Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 9.30: Hochamt mit Predigt; 20: Dortrog und Andacht.
Gießen. An den Werktagen ist die Rosenkranzandacht Montag, Mittwoch und Freitag um 20 Uhr; Dienstag, Donnerstag und Samstag um 18 Uhr.
Mittwoch, 18. Oktober.
Hungen. 7.15 Uhr: Messe.
veffentlicher Sonntagsdienst.
Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01.
Feuerwache: Telefon 2244'45, Notruf Telefon 02.
Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr.
Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr.
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