Ausgabe 
14.10.1933 Drittes Blatt
 
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gelassene und mit Vergnügen aufgenommene Schla­ger vom Schoße der Familie, vom Opapa und vom Paddelboot, vom Frühling und vom Küssen mit schwungvollen Rhythmen in Musik gesetzt hat.

Die Aufführung unter Hubs Regie war mit einer Laune inszeniert, die jeder Silvester- oder Faschings-Vorstellung zur Ehre gereicht hätte. Am Dirigentenpult wirkte Franz Kerzisnik, der Kollos Partitur straff und sauber akzentuiert zur Geltung brachte. Dazu eine lustige Dekoration von Löffler, der sich insbesondere einen mit den Emblemen des Stückes geschmückten Zwischenakt- oorhang gleichsam als Plakat für die kommenden Ereignisse ausgedacht hatte, während Herr Keim mit wirkungsvollen Beleuchtungseffekten zum Er­folge beitrug.

Auch das Ensemble war in großer Fahrt und ließ sich keine Pointe der mit verblüffenden Zwi­schenfällen gewürzten Handlung entgehen. Allen voran Heinz-Albrecht Marcks, der Rechtsanwalt als Spreewälder Amme. (Das Gegenteil einer Hosenrolle sozusagen.) Herr Marcks fand sich nut schlagfertigem Humor in das ungewohnte Kostüm und in die abenteuerlichsten Situationen. An den dialektischen Höhepunkten seiner Verzweiflung brachte er unwiderstehlich komische Effekte zustande.

Herr Hub und Frau Schubert-Jüngling erschienen mit drastischen Sprüchen als Opa und Oma aus der Provinz und feierten ein erhebendes Festim Schoße der Familie". Das Elternpaar, Fräulein Flemming und Herr Wrede, er­freute mit einer ehelichen Szene gleich zu Beginn der Feierlichkeiten. In der Partie der unterneh­mungslustigen und oeränderungssüchtigen Adele zeigte sich Fräulein Erna Renz, die bereits im Schwarzwaldmädel" das Bärbels und inWo die Lerche singt" die Margit gegeben hatte, als eine muntere Soubrettenbegabung: mit dem ungeschick­ten goldbebrillten Liebhaber, Herrn Fierment, sang sie das durch sportliche Effekte belebte Duett vom Alexander. Fräulein Perry spielte mit un­beschwertem Temperament die Rolle der heirats­fähigen Margot: Fräulein Tippmann als Agathe und Herr Kühne als Herr von Hahn fügten sich mit hübschen Episoden dem heiteren Rei­gen ein.

Das Haus war gut besetzt, unterhielt sich aufs Beste und spendete angeregt Beifall. hth.

Gchönheitssalon" der Tiere.

Wohl sorgen manche Tiere auch in der Freiheit eifrig für die Pflege ihres Körpers und die Schön­heit ihres Aussehens, aber bei den Insassen der Zoos muß das in der Regel von dem Personal besorgt werden. So gibt es in jedem Zoologischen Garten eine Art Schönheitssalon, dessen Arbeiten mit dem Waschen und Säubern der Tiere am Mor­gen beginnen. Allerlei Einzelheiten von den dabei vorzunehmenden Arbeiten erzählt aus über 40jäh- riger Erfahrung der Oberwärter des Londoner Zoos, George Blore, in einer englischen Zeitschrift. Die meisten Vögel putzen sich selbst am Morgen; sie legen auch in der Mauser ihr Kleid ab und das­selbe tun viele Schlangen mit ihrer Haut. Doch diese selbständigen Herrschaften sind in der Minder­zahl. Eine Hille bei der Morgentoilette wird in der Regel verlangt und gern angenommen. Der Riesentiger schnurrt wie ein vergnügtes Kätzchen, wenn sein gestreiftes Fell tüchtig gebürstet wird. Die Elefanten lassen sich bereitwillig auf ihre Knie nieder und schauen vergnügt zu, wenn die Wärter mit einer langgriffigen Bürste eine Schutzhaut von Oel gegen Wind und Kälte über ihre rissige Haut ziehen. Die Gorillas haben es auch gern, wenn sie mit einer Mischung aus Wasser und Petroleum ab­gerieben werden, um ihre Haut glänzend und bak­terienfrei zu machen. Doch nicht immer ist die Schönheitspflege bei Tieren eine so sichere und an­genehme Arbeit. Die Giraffen z. B. lassen sich trotz ihrer scheinbaren Gleichgültigkeit nur mit Wider­willen mit Wasser und Seife behandeln und es ist ein Glück, daß sie gewöhnlich schon an und für sich sauber und glatt aussehen.Ein höchst unangeneh­mes Erlebnis", schreibt Blore,hatte ich einmal mit einem Taschita, einem Jagdleoparden. Das feinneroige Tier, das schon an und für sich an die­sem Morgen recht unruhig war, wurde durch den Lärm einiger benachbarter Affen so in Mut ver­setzt, daß es blitzschnell nach mir schnappte und meinen Arm bis auf den Knochen durchbiß. Der nähere Umgang mit Schlangen ist auch nicht stets ein reines Vergnügen, besonders wenn man be­denkt, daß Kobras ihr Gift bis zu einer Entfernung von 2 Metern weit spritzen. Don Zeit zu Zeit müssen die'Häute der Reptilien mit einem Tuch ab­gewischt werden, das vorher in eine desinfizierende Lösung getaucht ist, und wenn die Schlangen ihre Haut abwerfen, muß ihnen in der Gefangenschaft diese Arbeit dadurch erleichtert werden, daß man sie mit Olivenöl einschmiert. Das Baden mancher In­

sassen des Reptilienhauses erfolgt in der Weise, daß man den Glaskasten oben öffnet, und, während der Bewohner noch nichts Böses ahnt, ihn mit einem Schlauch tüchtig bespritzt. Ich kann allen Ernstes versichern, daß Baumfrösche bei dieser Ge­legenheit fingen. Die Fußpflege macht manchmal Schwierigkeiten, so besonders bei Elefanten, deren Sohlen allmählich verdicken und brüchig werden; wenn in die Risse Fremdkörper eindringen, kann es leicht zu Geschwüren kommen. Drei Männer arbeiten zusammen, um Jumbos Füße in Ordnung zu halten. Zunächst wird der Fuß des Riesen aus einen Schemel gehoben, und während ein Mann das Bein festhält, sind die beiden andern mit Bürste, Feile und Messer tätig, um die Fußnägel zu be­schneiden und herauszuziehen, was sich an der Sohle angesammelt hat. An jedem Fuß wird min­destens eine halbe Stunde eifrig gearbeitet. Nicht selten ist mit der Pediküre eine kleine Operation verbunden, denn Nägel, Münzen, Federmesser, ja sogar Teelöffel sind schon an den Soblen gefunden worden. Eine besonders 'schwierige Aufgabe harrt häufig des Zoo-Zahnarztes, da die Tiere, ebenso wie die Menschen bei Zahnschmerzen in unfreund­licher Stimmung sind. Es ist keine Kleinigkeit, auf einer hohen Stehleiter die Backzähne einer Giraffe zu untersuchen oder einem höchst ungebärdigen Flußpferd einen Zahn zu ziehen.

Hochfcbulnacbrichten.

Der Amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Die Durchführung des Berufsbeamtengesetzes hat eine umfassende Umwandlung des Lehrkörpers an den preußischen Hochschulen zur Folge. Das preu­ßische Kultusministerium wird in den nächsten Tagen laufend die Berufungen zum Win- tersemester veröffentlichen. Von den juristischen und nationalökonomischen Berufungen sind bereits folgende bekannt: Nach Frankfurt a. M.: Pro­fessor Böhmer, Halle (deutsches und römisches Recht); Privatdozent von Hippel, Frankfurt am Main; Privatdozent Forsthoff, Freiburg (Staatsrecht); Privatdozent Henkel, Frankfurt am Main (Strafrecht); Professor Skalweit, Kiel (Nationalökonomie). Nach Marb u r g: Professor E n g i s ch , Gießen (Strafrecht); Professor G i e s e ck e, Berlin (Handelsrecht), Professor Herr, fehrdt Greifswald (Staatsrecht); Professor Wehrle, Karlsruhe (Nationalökonomie).

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Nr. 241 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 14. Oktober 1933

Lleberführung des Gießener Wehrstahlhelms in die GA.

Am morgigen Sonntag, 15. Oktober, 12 Uhr, fin­det die feierliche lleberführung des Wehrstahlhelms in die SA. statt. Antreten aller Wehrstahlhelmkame­raden um 11 Uhr am Stahlhelmheim zum Marsch nach dem CafL Leib. Später kameradschaftliches Beisammensein mit den SA.-Kameraden im Cafä Leib; die Zeit wird im CafL Leib bekanntgegeben. Entschuldigungen werden für diese Feier nicht an­genommen.

Der Sturmführer: Schneider.

Gängerehrung.

Man schreibt uns: Einem der ältesten aktiven Sänger des Hessischen Sängerbundes, einem echten Gießener, dem im Kreise seiner Mitbürger und weit über Gießens Grenzen hinaus bekannten Ehrenvorsitzenden des Bauerschen Gesangvereins, Herrn Georg Todt, war es gestern vergönnt, im Kreise seiner Lieben und der ihm lieb gewor­denenBauern" seinen 80. Geburtstag zu feiern. Der Jubilar, der seit einem Menschenalter mit dem Bauerschen Gesangverein verwachsen ist, ist gewis­sermaßen die lebendige Chronik des Vereins. Er hat seine Entwicklung aus den kleinsten Anfängen zu feiner jetzigen Größe und führenden Stellung in der Gießener Sängerschaft miterlebt. Seine eigene vieljährige Tätigkeit innerhalb der Vereinsleitung hat zur erfolgreichen Entwicklung beigetragen. Eine große Anzahl von Gedichten, die von dem Jubilar stammen und zum größten Teil vertont wurden, klingen immer wieder aufs neue im Kreise seiner Bauern". Deshalb konnte es auch keine größere Freude für feine Sangesbrüder geben, als an die­sem Jubeltage ihrem allverdienten Ehrenvorsitzen­den außer dem ChorDie Nacht" von Schubert mit zwei von dem Jubilar verarbeiteten Chören Im Buseckertal", vertont von W. Gernhardt- Gießen, und derPostillon", vertont von Franz L i t t e n s ch e i d , mit den Posthornsignalen, die von Herrn M e ck e geblasen wurden, zu gratulie­ren. Einer kernigen Ansprache vom 2. Ehrenvor­sitzenden L. B e l l o ff dankte der greife Sänger.

Aus der provinzialhaupistadt.

sind für die Großstädte. Und die Müllerwagen kom­men täglich. Nun kann Getreide gemahlen werden!

Aber sobald Frost und Sturmwetter einsetzea, atmet der Bauer erleichtert auf. Ein selten schöner Herbst ist ihm im Jahre 1933 geschenkt worden. Die Arbeit ist fast restlos getan. Dankbar für die gute Ernte und hoffnungsvoll auf die kommenden Tage steht der deutsche Bauer in die Zukunft. M.

Deutsche Bühne.-Kommt ins Theater!

Heute noch mußt du deine Mitgliedschaft bei der Deutschen Bühne erklären. Die Spielzeit hat bereits begonnen. Es ist letztes Ziel der Deutschen Bühne, das deutsche Volkstheater im nationalsozialistischen Staat zu schassen. Alle Schichten der Be­völkerung sollen zu Mitgliedern der Deutschen Bühne werden. Getreu dem Grundsatz; Gemeinnutz geht vor Eigennutz, ist die Preisgestaltung in der Deutschen Bühne eine solche, daß leder deutsche Volksgenosse, der den ehrlichen Willen zur Mitarbeit hat, Mitglied der Deutschen Buhne werden kann.

Denn sie vermittelt wirklich den billigen Theater­besuch. Sie kann es, weil sie die große, allein anerkannte Zusammenfassung aller Volks­genossen zum Besuch und zur Stützung des Theaters bildet.

Männer wie Goering, Goebbels, Ro- s e n b e r g, Frick usw. sind die Gründer der Deutschen Bühne.

Aktive Kulturarbeit muß aber von allen ver­langt werden, die sich verantwortlich fühlen für die Neugestaltung unserer Kultur.

Gießener Volksgenossen! Wir rufen jeden, wir brauchen alle ohne Unterschied des Standes, wir kennen nicht mehr den Unterschied von Gebildet und Ungebildet. Alle rufen wir auf zur Mitarbeit und zum Miterleben des deutschen Theaters.

Meldungen nehmen entgegen: Dr. Nuckels- hausen, Goethestraße 30; Theaterkasse, Johan- nesstraße.

Gaarland-Iugend in Oberheffen.

Ein Aufruf der Hitler-Jugend.

Ausklang der Feldarbeit.

Dankbar und freudig beging am ersten Oktober ganz Deutschland das Fest des deutschen Bauern. Es war ein Erntedankfest, wie es unser Vaterland noch nie erlebte. Und zu gleicher Zeit war es ein schöner Abschluß der arbeitsreichen Wochen. Die Hauptsache ist nun getan. Das Jahr ist für den Bauern zu Ende. Der Segen des Feldes wurde eingeerntet. Die Aecker sind leer.

Aber Ruhe hat der Bauer nicht. Noch sind Rüben und Gemüse draußen, noch müssen viele Aecker ge­pflügt werden. Und schon rüstet er sich zur neuen Arbeit. Das Wintergetreide wird gesät. Da, wo noch vor kurzem das grüne Laub der Kartofsel- sträucher den Boden deckte und nach eingebrachter Ernte der Acker verlassen und kahl lag, berühren sich Tod und Leben. Die vertrockneten Stengel wer-

Fahnen heraus!

Alle Mitbürger, die sich in der deutschen Volks- gemeinschaft mit dem deutschen Handwerk verbun­den fühlen, schmücken während der Handwerks- Werbewoche vom 15. bis 22. Oktober die Häuser mit den

nationalen Flaggen!

den zusammengeengt, auf Haufen gesetzt und ver­brannt. Das ist ein Fest für die Knaben. In ju­gendlichem Uebermut springen sie durch den Rauch und holen Gras und Blätterwerk, um einen recht dicken Qualm zu erzeugen. Und wenn alles ver­brannt ist, nur noch ein Häufchen Asche den Boden deckt, dann werden die letzten kleinen Kartoffeln in die Glut geworfen. Rasch sind sie gebraten und werden mit der Schale verzehrt. Bessere und schmack­haftere Kartoffeln gibt es nicht. Fragt nur die Buben!

Am andern Ende des Ackers hält schon der Vater mit dem Pflug. Bald glänzen die dunklen Schollen im Herbstlicht. Das Säetuch wird umgebunden, und mit ruhigen, abgemessenen Schritten geht der Bauer über das Land. Er ist voll Hoffnung und Zuver­sicht. Er fühlt sich nur Gott unterstellt. Er tut die Arbeit, und Gott läßt wachsen und gedeihen.

Es gibt kein schöneres Bild als einen Säemann zur Herbstzeit auf dem braunen Acker. Die Natur will zur Ruhe gehen. Voll Andacht steht der Wald, im Sterben legt er fein schönstes Kleid an. Leise und fast unbemerkt fallen die Blätter. Sie haben ihre Arbeit vollendet. Ein wehmutsvoller Ton klingt durch die Welt. Draußen aber im Feld schrei­tet der Bauer und wirft die goldne Saat in die dampfende Erde. Dort das stille, langsame Ver­gehen, hier der Anfang eines neuen, beginnnben Lebens.

Mögen auch kalte Stürme brausen und der Win­ter mit Schnee und Eis drohen. Wohl geborgen werden die Hälmchen des jungen Getreides unter der weißen Decke stehen. Und es kommt ein Früh­lingstag,> an dem neues Leben überall einsetzen wird.

Die Tage werden kürzer. Ueberall mischt sich in ter. Rauch der Kartosselfeuerchen der feuchte Herbst­nebel. Mit langen Schleiern bedeckt er Wald und Feld, und schnell kommt der Abend. Wie es da noch auf den Straßen lebendig ist! Da kommen die letzten Wagen mit den Rüben und dem Gemüse, Säemaschinen rattern daher, und dort hält mitten aus der Straße die Dreschmaschine. Auch sie hat jetzt ihre Arbeit getan. Sie fährt weiter in das Nach­bardorf.

Nirgends ist Ruhe, überall gibt es noch zu richten und zll ordnen. Schwere Wagen, hochbeladen mit Kartoffelfäcken, fahren zu den Bahnhöfen. Polternd füllen die dicken Knollen die Eisenbahnwagen. Sie

Von der Presse-Abteilung des Ober­bannes IV (Oberhessen) der Hitler-Ju­gend geht uns folgender Aufruf zu:

Ist es nicht Wahnsinn,

einen Teil eines Körpers abzuschnüren und ihn in dieser Abschnürung jahrelang sich selbst zu über­lassen? Noch mehr, zu versuchen, ihn einem art­fremden Körper anzugliedern? Ist es nicht Wahn­sinn. rein deutsches Land dem Volkskörper auf fünfzehn Jahre zu entreißen, noch mehr, mit allen Mitteln zu versuchen, es einem fremden Volkskörper einzuverleiben? Nie und nimmer wird es Frank­reich gelingen, sich das Saargebiet anzueignen, das ein Gewaltpakt ihm zur Verwaltung gab, damit es seine Kohlengier befriedige und Deutschlands Le- bensinteresse untergrübe. Nie und nimmer wird es ihm gelingen, wenn es auch lockt und droht.

Das Saarland war und ist und bleibt deutsch, was die Abstimmung 1935 schlagend beweisen wird, trotz des heimlichen und offenen Kampfes der Fran­zosen.

Doch wie man das Blut des lange Zeit abge- schnürten Gliedes erst mit dem des Körpers in Be- rührung bringen, es von ihm durchdringen lassen muß, um diesen Teil des Körpers wieder lebens- und funktionsfähig zu machen, genau so notwendig ist es, das Blut, d. h. die Jugend des abgetrennten Volksteils in lebendigen Kontakt mit der Jugend des Mutterlandes zu bringen. Nur so ist die Gewähr gegeben, das Grenzland für Deutschland gesund zu erhalten. Es müssen Opfer gebracht werden.

Die Hitlerjugend bringt dieses Opfer.

Seit Jahren arbeiten die Franzosen daran, in Verfolg des Satzes:Wer die Jugend hat, hat die Zukunft", im Saargebiet der deutschen Jugend ranzösischen Geist einzuimpfen. Sie haben der deut­schen Schule Kampf angesagt, versuchen mit Gewalt, )en Kindern ihre Muttersprache zu nehmen, indem ie die Bergleute zwingen, ihre Kinder in französische Schulen zu schicken, andernfalls sie selbst brotlos würden. Allerlei Vergünstigungen lange Ferien, Straffreiheit der Schulversäumnisse, Schulprämien und Geschenke dienen als Lockmittel, die franzö­sischen Schulen den deutschen vorzuziehen. Besonders der deutschen Familie gilt der Kamps, und den ge­sunden Familiensinn sucht man durch alle möglichen Schikanen zu vergiften. Dagegen helfen nicht Worte, dagegen Helsen nur Taten.

Die Hitlerjugend schreitet zur Tat.

Tausend Saarkinder werden noch im November in Oberhessen von der Hitler­jugend untergebracht, um hier in innige Verbindung mit der deutschen Jugend zu treten und um deut­schem Denken und Fühlen wieder nahezukommen, zum Heil des Saarlandes, zum Heile Deutschlands. Das ist wahre nationale und soziale Tat. Kein Volksgenosse darf abseits stehen, wenn die Hitlerjugend aufruft, sie in diesem Werk zu un­terstützen. Deutscher Volksgenosse zeige hier, ob du durchdrungen bist von nationalsozialistischem Geist und es auch wagst, diesen Nationalsozialismus im Sinne unseres Führers und zum Besten unsres Volkes in die Tat umzusetzen. Hitlerjugend OberhessensansWerk! E. R.

Eine große Anzahl Mitbürger und Sangesfreunve brachten ihre Glückwünsche gleichfalls dar.

Georg Todt wurde am 12. Oktober 1853 zu Gießen geboren, besuchte die hiesige Fortbildungs­schule und erlernte das Schuhmacherhandwerk. Im Frühjahr 1871 ging er auf die Wanderschaft, die durch kurz Tätigkeit in Wiesbaden, Karlsruhe, Straßburg, Konstanz und Zürich unterbrochen wurde. Als lebenslustiger und sangesfreudiger jun­ger Mensch ließ er es sich nicht nehmen, schon da­mals den Gesangsabteilungen der Arbeiterbildungs- vereine in Zürich und Konstanz anzugehören. Die Militärpflicht führte ihn 1873 wieder nach Gießen zurück, wo er in das 2. Hess. Infanterie-Regiment eintrat. Noch im bunten Rock ließ er sich 1874 als aktives Mitglied in den Bauerschen Gesangverein aufnehmen, dem er bis heute als aktiver Sänger angehört. Im Jahre 1893 wurde er in den Vorstand gewählt und war zunächst Bibliothekar, bis er 1901 zweiter Vorsitzender wurde. Im Jahre 1908 über­trug man ihm das Amt des 1. Vorsitzenden, das er umsichtig unb mit viel Geschick verwaltete. Anläß­lich der 60jährigen Vereinsgründungsfeier 1924 wurde er in Anerkennung feiner 50jährigen Zuge- Hörigkeit zur aktiven Sängerschar zum Ehrenvor­sitzenden ernannt. Gleichzeitig wurde dabei der Grundstock derGeorg-Todt-Stiftung" gelegt, aus deren Zinsen in Not geratene aktive Sänger Unter­stützungen erhalten.

Nach 55jähriger aktiver Zugehörigkeit wurde er, der im vorhergehenden Jahr keine Singstunde ver­säumt hatte, mit der goldenen Sängernadel ausge­zeichnet. Der Jubilar ist infolge feiner langjährigen Sängertätigkeit auch in befreundeten Sängerkreifen eine bekannte und geschätzte Persönlichkeit. So wurde er in den letzten Jahren von dem Gesang­vereinLiedertafel" Marburg und demHarmo­nischen Kränzchen" Schlitz zum Ehrenmitglied er­nannt und es wurden ihm alle ootn Deutschen Sängerbund zu vergebenden Ehrungen zuteil. Trotz aller dieser verdienten Anerkennungen ist Georg Todt ein einfacher, schlichter Mensch mit gutem Gemüt und warmen Herzen für die edle Sänger­fache geblieben. Ein deutscher Sänger von echtem Schrot und Korn, der allen zum Vorbild dienen sollte.

Am Sonntag, 15. Oktober, wird der Bauersche Gesangverein im oberen Saale des Gewerkschafts­hauses einen Familienabend abhalten, an dem noch­mals des greifen Jubilars gedacht werden soll.

Polizeibericht.

Die Kriminalpolizei st eile Gießen teilt mit:

Durch die Aufmerksamkeit des Personals eines hiesigen Warenhauses gelang es gestern nachmittag, vierLangfinger" dingfest zu machen. Es handelt sich hierbei um die Gebrüder Hermann und Otto Groß, den Landwirt Albert Pfeifer und den Maurer Adolf Jakob, sämtlich aus Erd a. Sie waren durch ihr verdächtiges Benehmen aufge­fallen, auch war beobachtet worden, daß sie aller­lei Dinge in die Tasche verschwinden ließen. Von der herbeigerufenen Polizei konnten sie festgenom­men werden. Ihre Beute, bestehend aus Tabak, Seife, Rasierklingen, Geldbörsen, Schuhsohlen, Haus­schuhen, Brieftaschen usw., wurde ihnen abgenom­men und dem Geschädigten zurückgegeben. Es stellte sich hierbei heraus, daß die Diebe in einem ande­ren hiesigen Warenhaus die gleichen Diebstähle ausgeführt hatten. Die Täter sind geständig.

Gestern gegen 11 Uhr ereignete sich an der Straßengabelung Marburger Straße-Wiesecker Weg ein Verkehrsunfall. Der Handlungsgehilfe Ernst Braun aus Wiefeck fuhr mit feinem Kleinkraft­rad in Richtung Gießen. An der Strahengabelung stieß er mit dem Personenkraftwagen des Kauf­manns Friedrich Scholl aus Hermannstein zu- fammen. Braun, der hierbei einen Bruch des linken Unterschenkels erlitt, wurde von der Frei­willigen Sanitätskolonne in die Chirurgische Klinik verbracht. Scholl wurde nur leicht verletzt. Das Motorrad des Braun wurde fast völlig demoliert, während der Wagen des Scholl fast unbeschädigt blieb. Die polizeiliche Untersuchung über die Schuld­frage ist noch im Gange.

Bei der hiesigen Kriminalpolizeistelle ist eine Autostecklampe sichergestellt, deren Eigentümer nicht

(Siebener Siadttheater.

Hatton und Kollo:

Die Männer sind mal so ..

Na, wie sind sie denn, die Männer? Hal ton, ier Verfasser des Textbuches, hat es schon im Titel »erstanden, eine knisternde Spannung zu erzeugen, unb er hat sich denn auch im Lause der drei Akte rid)t gescheut, gehörig auszupacken. So sind sie unb einige Exemplare biefer Gattung sinb schon bei früheren Gelegenheiten gebührend bloßgestellt worden: jener rüstige und unternehmungsfreu- iige Großvater aus der Provinz zum Beispiel, mit einer kleinen Schwäche für Steinhäger und Kog­nak; er kommt zur Taufe feines Enkelkindes in die Reichshauptstadt und beschließt die selten gebotene Gelegenheit energisch auszunutzen.

Oder jener schüchterne und weltfremde Medizi­ner, dem die Beschäftigung mit der Psychoanalyse, mit den Hormonen und den Vitaminen leider wenig Talent zum Umgang mit heiratsfähigen jungen Damen verliehen hat, der sich dementsprechend be­nimmt, aber trotzdem mit verblüffender Plötzlichkeit »om Frühling und von der Liebe zu fingen an­fangt *

Aber diese beiden sind noch nichts gegen den jungen Rechtsanwalt, welcher unter furchtbarem Getose den Schauplatz in Unterhosen betritt, weil ihm schon am frühen Morgen beim Rasieren Schreckliches widerfahren ist: ein Tobsüchtiger drang mit gefährlichen Drohungen in seine stille Jung­gesellenklause, so daß der verstörten und mangel­haft bekleideten Juristen nur eine eilige Flucht in eine gänzlich fremde Wohnung das Leben retten kannte. Hier kommt er wider Erwarten wie ge­rufen; hier fehlt nämlich zur Kindtaufe nur eine Spreewälder Amme, weil man sich kurz zuvor durch die übereilte Kündigung einer frech gewordenen Hausangestellten in die peinlichste Verlegenheit ge­bracht hat. Also wird der fassungslose Anwalt in die zurückgelassene Spreewälder Tracht gesteckt und ihm ein Kinderwagen, eine Milchflasche und der Säugling Gustävchen zur Wartung überantwortet.

So sind, in großen Zügen, die Männer in dieser Lustspiel-Operette, ober sagen wir lieber: Schwank mit G-sang und Tanz, in drei Akten von Hal- ton, Musik von Walter Kollo, der einige aus-