Ausgabe 
14.9.1933 Frühausgabe
 
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Kurhessen und die Großhessische Kirche. Der Kasseler Landeskirchentag beschließt abzuwarten.

Kassel, 13. Sept. (WEN.) Hier wurde der Landeskirchentag mit einem Gottesdienst eröffnet. Die eigentlichen Verhandlungen fanden im Sitzungs­saal des Rathauses statt. Es wurde bekanntgegeben, daß Präsident Dr. Bähr zum 1. Oktober 1933, ferner Landesoberpfarrer D. Möller, die Lan­despfarrer D. Dettmering und D. Fuchs zum 1. Januar 1934 in den Ruhe st and treten. Hierauf wurde Zum Vorsitzenden des Landeskirchentages Metropolitan a. D. Dithmar, früher in Wilhelmshöhe, jetzt in Homberg, ein­stimmig gewählt. Der wichtigste Punkt der Tages­ordnung der Sitzung war die Frage der groß- hessischen Kirche. Obwohl die Landeskirchen Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Nassau und Frank­furt a. M. schon seit Jahren bemüht sind, sich zu­sammenzuschließen, haben die Versuche bis jetzt zu keinem Ziel geführt. Noch am vergangenen Freitag hat Ministerialdirektor Jäger als Bevollmächtigter des Landesbischofs Ludwig Müller bei einer Zu­sammenkunft der Vertreter der vier Landeskirchen in Kassel einen Weg gesucht, die bestehenden Schwie­rigkeiten zu überwinden. Man kam jedoch dahin überein, die demnächst bevorstehende Reichs­länderreform abzuwarten, um nicht durch eine Neuordnung auf kirchlichem Gebiet d i e politische Neueinteilung z u erschwe­ren. Zur Weiterführung der Verhandlungen über die künftige Gestaltung der Landeskirche sei es im Sinne eines Zusammenschlusses mit Nach- r barkirchen, sei es auch im Sinne einer selbständigen ' Landeskirche in einer etwa entstehenden selbständi­gen Provinz Kurhessen wurde einmütig Dr. Paulmann bevollmächtigt. Dr. Paulmann ver­tritt die Kasseler Landeskirche auch auf der Natio- nalsynode.

Die Aufgaben der Akademie für deutsches Recht.

München, 13. Sept. (TU.) Einem Mitarbeiter derMünchener Neuesten Nachrichten" stellte Reichs­justizkommissar Justizminister Dr. Frank bedeut­same Ausführungen über die Aufgaben der Aka­demie für deutsches Recht zur Verfügung. Bekannt­lich wird die feierliche Proklamierung dieser Aka­demie auf dem Deutschen Juristentag in Leipzig er­folgen. Nach den Darlegungen des Ministers will die Akademie für deutsches Recht einmal d i e in a n - nigfachen Kräfte des volksverbun­denen Juriftentumes zufammenfas- f e n und die gemeinsame Arbeit aller gutwilligen Sachverständigen auf dem Gebiet des Rechts und der Wirtschaft in den Dien st des Rechts und damit des Volkes st elle n. Sie wird zu diesem Zweck ihr Augenmerk auf die Heranbil­dung des juristischen Nachwuchses wenden und zwar durch Einflußnahme auf die Ge­staltung des juristischen Hochschulunterrichts, des Prüfungswesens und des praktischen Vorbereitungsdienstes. Sie wird ferner die Träger der Wirtschaft in der Auswahl geeigneter Persönlichkeiten für die ^telleniresetzung beraten. Eine weitere Obliegenheit der Akademie für deutsches Recht wird die fortlau­fende Kontrolle des Rechtslebens fein. Unzweckmä­ßige Wege der Gesetzgebung, Mißstände in Verwal­tung oder Rechtsprechung, fühlbare Lücken im Rechte wird sie zum Gegenstand der Kritik machen. Dor allem wird sie bei den nötigen Reformen des Rechts mitzuarbeiten haben. Endlich dient die Akademie der Pflege der Rechts- und Staatswiffenschaft durch Veranstaltung Din Vorträgen und Kursen, Stel­lung von Preisangaben usw. Sie wird auch in Fühlung mit ähnlichen Organisationen des Aus­landes treten.

Lleber 10000 Eigenheime für Ange­stellte gesondert.

Berlin, 14. Sept. (VDZ. Funkspruch.) Die Reichsversicherungsan st alt für Ange­stellte, die nicht nur den Wohnungsbau im großen, sondern auch den Eigenheimgedanken durch Kredit-

Denkmaipsiege.

Von Dr. Olga Block.

Am 15. und 16. September findet in Kas­sel eine große Tagung für Denkmalpflege und Heimatschutz statt.

Die Inflation mit ihren schwerwiegenden Folgen brachte die Einschränkung, ja vielfach Stillegung d:r Denkmalpflegearbeiten, die der deutsche Reichs­tag durch jene denkwürdige VerordnungZum Schutzs der Denkmäler und Kunstwerke" vom 8. Mai 1920 in Verbindung mit den Preußischen Aussührungsbestimmungen vom 7. Februar 1921 zu einer Reichsangelegenheit erhoben hatte. Mit Hilfe dieser beiden Gesetze, mit denen sich die seit einem Jahrhundert bei uns in Deutschland ange­strebte Organisation eines staatlichen Denkmalschutzes vollendete, kann die Regie­rung heute in ganz besonders wirksamer Weise darangehen, die lleberrefte alter deutscher Kultur vor dem Untergänge sicherzustellen und die so wich­tigen Dokumente nicht nur der Kunst, sondern auch der Geschichte zu erhalten. In diesem Sinne be­rief das Kultusministerium kürzlich eine deutsche Archäologin als Referentin für alle den Heimat­schutz und die Denkmalpflege betreffenden Ange­legenheiten.

Spricht man von preußischer Denkmalpflege, so kommt wohl dem Fachmann der Name des ersten Generalkonservators der Kunstdenkmäler, Ferdinand von Q u a st ins Gedächtnis, der von Beruf Archi­tekt war und auf Betreiben Schinkels laut jener Kabmettsorder vom l.Juli 1843 mit der Preußi­schen Denkmalpflege betraut wurde. Er erkannte daß die Grundlage schöpferischer Heimatforschung und Heimatpflege die Inventarisation des vorhan­denen Materials, die eigentliche Aufgabe die Siche­rung und Erhaltung der deutschen Denkmäler sein müße. Quasts grundlegende Pläne und Ergebnisse sind unserer heutigen Aufbauarbeit von allergröß­tem Nutzen, bereits im Jahre 1885 unterstützte der Potsdamer Architekt Persius jene Gedanken­gänge durch die Einsetzung der Provinzialkonserva- toren, der Schaffung eines Organs, betiteltDie Denkmalpflege", die in engem Zusammenhang mit demPreußischen Zentralblatt der Bauverwaliung" erschien und noch in unseren Tagen recht eigentlich das bestorientierte Organ auf dem Gebiet der Hei­matpflege darstellt, das im übrigen mit allen deutsch arbeitenden Kreisen des Auslandes in Verbindung steht und über sämtliche Fragen das Auslands­deutschtum unterrichtet.

hergabe förderte, hat bisher über 10 000 Eigenheime von Angestellten mit ersten Hypotheken fördern kön­nen. Solche Hypotheken werden in einer Höhe bis zu 40 v. H. de s Gesamtwertes gegeben, so­fern der Antragsteller Mitglied der Reichsoersiche- rungsanstalt für Angestellte ist und mindestens 30 v. H. Eigenkapital aufzubringen vermag. Der Kredit der Reichsversicherungsanstalt wird als erste Hypochek eingetragen, ist mit 5 o. H. jährlich zu ver­zinsen und mit 1 v. H. zu tilgen, so daß die Tilgung im allgemeinen nach etwa 37 Jahren beendigt ist. Diese Aktion zur Unterstützung des Eigenheim­gedankens wird von der Reichsanftalt weiter fort­gesetzt.

Beförderungen in der preußischen Polizei.

Göring legt die Uniform eines Generals der Landespolizei an.

Berlin, 13. Sept. (TU.) Amtlich. Um seine enge Verbundenheit mit der preußischen Schutzpo­lizei auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, hat der Ministerpräsident Göring als Oberbefehls­haber der preußischen Polizei der ihm vorgetrage­nen Bitte der Mannschaften und des Offizierkorps folgend, sich entschlossen, die Uniform eines Generals der Landespolizei anzulegen.

Der Ministerpräsident hat einem weiteren Wunsche der Mannschaften und des Offizierkorps Rechnung getragen, indem er dem Leiter der Po­lizeiabteilung im preußischen Innenministerium, Staatsrat und SS.-Gruppenführer Saluege in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Aufbau der Polizei mit dem Tage der Staatsratseröffnung zum General der Lan­despolizei und Befehlshaber der Po­lizei in Preußen ernannt hat.

Gleichzeitig hat der Ministerpräsident in Würdi­gung der verdienstvollen Mitarbeit beim Aufbau der preußischen Schutzpolizei folgende Personalver­änderungen verfügt: Der bisherige Chef des Per­sonalamts im Innenministerium, Polizeioberst von Zeppelin, wird zum General der Lan­despolizei befördert und zum Chef der Schutzpolizei ernannt; weiter werden beför­dert: Zu Polizeiobersten: die Polizeioberftleutnants Wecke (Berlin) und von Oven (Ministerium des Innern, Berlin); zum Polizeioberftleutnant: der Polizeimajor Mülverstedt (Hannover) und zum Polizeimajor: der Adjutant des Reichsinnen- michsters Polizeihauptmann G a r s k i (Berlin).

Das neue Bauerntum.

Staatsrat Meinberg über die agrar­politische Aufgabe im Lsten.

Essen, 13. Sept. (CNB.) Auf dem von über 2000 Landfrauen und -töchtern besuchten Rheinisch- Westfälischen Landfrauentag betonte der Reichs­obmann des Landstandes, Staatsrat Meinberg, in feiner Rede, daß der Bauer feinen H o f als Treuhänder zu verwalten und ihn in gu­ter Verfassung seinen Kindern und Enkeln weiter­zuvererben habe. Darum müsse die gesamte Agrar­politik der Regierung darauf gerichtet sein, bas Bauerntum aus den Händen des mobilen Kapitals z u befreien. Eine der wichtigsten Maßnahmen zu diesem Zweck sei das Erbhof­gesetz. Solange es noch liberalistische Konzerne gibt, erklärte der Redner, setzen wir der Gesellschaft in Deutschland, die uns den Preis diktiert, ein Bauernsyndikat entgegen, dessen Macht größer fein wird als die Macht des größten Konzerns, der je­mals bestanden hat. Der Großgrundbesitz, fuhr Meinberg fort, soll nicht zerschlagen werden. Aber wer kann von uns verlangen, daß wir mit dem Steuergroschen des deutschen Bauern und Ar­beiters einen Großgrundbesitz entschulden, der bis über den Hals verschuldet ist und der nach der Ent­schuldung in zwei bis drei Jahren aufs neue ver­schuldet ist?" (Starker Beifall.) Man werde den Besitzern verschuldeter Güter die Möglichkeit geben, auf neuer Scholle neuaufzubauen, aber der überschießende Teil des Großgutes werde dazu benutzt werden, westfälische und rheinische Bauern­söhne im Osten bodenständig zu machen. Das sei vor allem zur Sicherung der deutschen Ost-

Mit besonderem Nachdruck geht man in diesen Tagen daran, an den lebenden Denkmälern das Alte zu erhalten, in einem Sinne, daß das Alte ruhig als alt erscheinen kann und es nicht notwen­dig ist, unbedingt Restaurierungen oorzunehmen. Verfall und Schmutz verunstalten ein lebendes Bauwerk, aber um ein Beispiel aus der Fülle der Probleme herauszugreifen Patina und Schönheitsfehler wie verblichene Farbspuren am Mauerwerk, abgeschliffene Kanten an Säulen oder Kapitellen, Unregelmäßigkeiten zum Beispiel an Gewölben im Innern eines Domes läßt man im Geiste der Tradition und der Wissenschaft bestehen.

Zu den schwierigen Aufgaben der Denkmalpflege gehörten schon immer die Fälle, in denen es über­aus heikel war, erhaltend oorzugehen: Wo zum ursprünglichen Bau einer Kirche vielleicht im Laufe der Jahrhunderte Neubauten hinzugekommen find, Erweiterungen durch Kapellen oder Umbauten, die naturgemäß nicht im Geiste der früheren Ent- stehungszeit gehalten wurden. In unserer Gegen­wart gaben unsere rheinischen Kaiserbauten, die Dome von Mainz, Speyer und Worms, der Kunst­geschichte und der Denkmalpflege allergrößte Rätsel auf. Bekanntlich gehört in Speyer die interessante Krypta mit den Kaisergräbern einer weitaus frühe­ren Bauzeit an als das grandiose Hauptschiff, das man nun wiederherstellen ließ; in Mainz war das Wasser in die Fundamente des romanischen Domes eingedrungen und somit der Bau in größte Ein­sturzgefahr gebracht: der später von Deutschlands berühmtesten Barockarchitekten Balthasar Neu­mann geschaffene Mittelturm drohte fast in der Luft zu schweben, und gründlichstes Wissen um die schöpferische und zugleich historische Arbeit war ge­boten, um hier wirkliche Ergebnisse zu zeitigen. Es gilt im allgemeinen in der deutschen Denkmalpflege die Forderung, daß formaleStileinheit" nicht not­wendig, aber auch nicht zu verwerfen sei. Jeden­falls stehen in ihrem Dienste heute mehr denn zu anderer Zeit Geschichts- und Altertumsvereine. In manchen Ländern gibt es ganz besondere Denkmal­schutzgesetze, so wurde in H e s s e n am 6. Juli 1902 jene denkwürdige Bestimmung getroffen, nach der rechtzeitig Maßnahmen zur Erhaltung deutscher Architekturdenkmäler getroffen werden müssen; daß Veränderungen an Bauwerken, die den deutschen Kunstwert beeinträchtigen könnten, zu unterlassen sind, usw. Vor kurzem konnte auf diese Weise in Kassel das barocke Wohnhaus des sriderizianischen Architekten Nah! vor der Abruchsgefahr bewahrt werden; die Stadt wollte an dem malerischen Platz, an dem dies Gebäude liegt, Baupläne durchführen, schließlich konnte das Denkmalpflegeamt hier tat­kräftig eingreifen.

grenze notwendig. Der beste Schutz des deutschen Volkes an der Ostgrenze seien niemals G e - wehre, sondern ein gesundes Bauern­tum. Aus diesem Grunde müsse der Staat im Osten zwangsläufig siedeln.

Der Neuaufbau

-es Bankenfystems.

Beratungen im Deutschen Industrie- und Handelstag.

Berlin, 13. Sept. Der vorn Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, D r. v. Renteln, einberufene Ausschuß für Kre­dit-, Geld- und Bankwesen beschäftigte sich heute unter dem Vorsitz von Baron von Schröder (Köln) mit Fragen der Neuorganisa­tion des deutschen Bankwesens. Der Vorsitzende hielt eine Umbildung der Banken für unbedingt er­forderlich. Er sah das Ziel dieser Umbildung in einer Aufteilung der Großbankfilialen in selbständige, regionale Banken, die wenigstens solange in st a a t l i ch e r Hand blei­ben sollten, als nicht eine gesunde Privatwirtschaft sie wieder aus eigener Kraft übernehmen kann. Baron v. Schroder sprach sich auch weiterhin gegen Fachbanken aus. Neichsdankdirektor Hasse äußerte sich dahin, daß es ihm nicht mög­

lich sei, angesichts des Beginns Der Bankenguöte zu den hier angeschnittenen Problemen im einzelnen Stellung zu nehmen. In der Aussprache ergab sich allgemeine Zustimmung zu den von Baron o. Schroder bargelegten Auffassungen.

Hinter verschlossenen Türen.

Der Internationale Gerichtshof für den Reichstagsbrand.

London, 13. Sept. (TU.) Am Mittwochnach­mittag fand eine einleitende Sitzung des sogenann­tenInternationalen Gerichtshofes für den Reichs­tagsbrand" in einem Zimmer statt, in dem ge­wöhnlich Disziplinarverfahren gegen englische Rechtsanwälte verhandelt werden. Die Verhand­lungen fanden hinter verschlossenen Tü­ren statt und erstreckten sich auf die Art der Durchführung der eigentlichenGerichtsverhand­lungen", die am Donnerstag beginnen sollen. Die Presse wird nicht zugelassen. Man er­wartet, daß ungefähr 15 Zeugen erscheinen werden, die aber nicht namentlich, sondern mit Buchstaben wie I, P und Z bezeichnet werden sollen. Die marxistischenHelden" werden beim Eintritt in das Gebäude und beim Verlassen tief verschleiert sein, so daß man sie nicht photo­graphieren kann.

Aus aller Welt

rüchte über die deutsche Wirtschaftslage und die deutschen politischen Zustände die Ueberfüfjrung deutscher Werte ins Ausland zu beschleunigen. In Berlin arbeitete er insbesondere mit den Börsen­maklern Ernst Stroheim und Erich Michaelis zu­sammen, die gleichfalls fe ft genommen wer­den konnten. Unter dem Druck des oorgehaltenen Beweismaterials hat Dr. Wegener bereits Verfeh­lungen zugegeben, die in die Hunderttau­fende gehen. Hierbei dürfte es sich aber nur um einen Bruchteil feiner Schiebungen handeln. Auf Grund der von Wegener selbst gemachten Angaben konnten weitere Personen verhaftet werden, darun­ter auch die Frau des verstorbenen Rechtsanwaltes Kallmann, welche bereits die Verschiebung von 50 000 Mark zugegeben hat. Auch ein Mittelsmann des Dr. Wegener, der schweizerische Staats­angehörige I l l y, wurde verhaftet.

Gatlenmord in Paris.

Die Pariser Polizei ist einem furchtbaren Ver­brechen auf die Spur gekommen. In Rouen wurde der Angestellte eines Pariser Beerdigungsinstituts am Grabe seiner Tochter erschossen aufge­funden. Die Beweisaufnahme führte zu dem Er­gebnis, daß Selbstmord vorlag. In den Taschen des Toten fand man einen Brief, in dem er mit» teilte, daß er feine Frau ermordet habe. Die Polizei, die sofort verständigt wurde, begab sich in die Wohnung, wo sie die Leiche der un­glücklichen Frau fanden.

Entsetzliche Bluttat in Klosterneuburg bei Wien.

In Klosterneuburg bei Wien ereignete sich eine Mordtat von ungewöhnlicher Gräßlichkeit. Der frühere Wehrmann Karl Neubauer ermor- o e t e seine Freundin, eine 23jährige stellungslose Lehrerin, deren 15jährige Schwester und seine Wir­tin, setzte das Wohnhaus in Brand und er» schoß s i ch schließlich selbst. Die Zusammenhänge der furchtbaren Mordtat find noch ungeklärt. Die Behörden glauben, durch die Obduktion der Leichen Aufschlüsse darüber zu erhalten, ob es sich um einen Lustmord handelt, wofür die Umstände, unter denen die Leichen gefunden wurden, sprechen, und ob der Täter in einem Anfall von Wahnsinn gehandelt hat. Die Wirtin, die bereits tot gesagt worden war, befindet sich n o ch am Leben. Sie war kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus in tiefe Bewußtlosigkeit gefallen; die Aerzte glau­ben nicht, daß sie daraus erwachen werde. Durch eine Herzoperation gelang es trotzdem, die Frau am Leben zu erhalten, obwohl die Unglückliche nicht weniger als fünf Kugeln im Körper hat.

Dashaus der Deutschen Kunst" in München.

In der Prinzregentenstraße am Englischen Garten in München sind bekanntlich seit geraumer Zeit die Vorbereitungsarbeiten für dasH a u s d e r Deutschen Kun st" im Gange. Wie dieMün­chener Zeitung" berichtet, wird die Grundstein- l e g u n g am 15. Oktober d. I. vom Führer vor­genommen. Gleichzeitig veranstaltet der Gau Mün­chen-Oberbayern der NSDAP, mit Genehmigung des Führers einenT a g der deutschen Kunst", der in großzügigem Rahmen zur Durch­führung kommen und eine gesamtdeutsche Ange­legenheit werden soll. Ferner wird ein Künstler- Festzug veranstaltet, der ähnliche Veranstaltun­gen aus der Vorkriegszeit weit übertreffen und die ganze Stadt in ein künstlerisches Kleid hüllen wird. Mit der Ausarbeitung der Entwürfe find die her­vorragendsten Münchener Künstler bereits emsig be­schäftigt. Die Werbung für den Tag der Deutschen Kunst erstreckt sich über Deutschlands Grenzen hin­aus; alle deutschen Geschäfte des Auslandes werden künstlerifch wertvolle Plakate aushängen.

Tödlicher Absturz eines Alpinisten.

Die Landesrettungsstelle Bayern des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins Deutsche Berg­wacht teilt mit: Am 12 September gegen 11 Uhr ist Hans Böck st einer aus Kitzbühel beim An­stieg an der Südostkante des Christa-Turmes durch Ausbrechen eines Mauerhakens tödlich verun­glückt. Die Leiche wurde von der Alpinen Ret­tungsstelle Kitzbühel zu Tal gebracht.

Ein früherer Rechtsanwalt als Devisenschieber festgenommen.

Den Zollfahndungsstellen ist es gelungen, Devi- senschiebungen größten Ausmaßes aufzudecken und den Haupttäter, den früheren Rechtsanwalt am Kammergericht, Dr. Wegener, feftzunehmen. Dr. Wegener, der inzwischen die schweizerische Staatsangehörigkeit erworben hatte, hat systema­tisch von der Schweiz aus die Verschiebung deutscher Vermögenswerte ins Aus­land organisiert. In Zürich und Luzern un­terhielt er Beratungsbüros für deutsche Emigranten, insbesondere solcher jüdischer Ab­stammung, indem er in einer von ihm gegründeten sogenannten Garantiebank gleichzeitig ein Insti­tut für die Verschiebung ihrer Vermögenswerte ins Ausland zur Verfügung stellte. 'Gleichzeitig be­mühte er sich, mit Hilfe dieser Beziehungen bas in Deutschland festliegende Vermögen von Emigranten flüssig zu machen und suchte, gestützt auf sein Ansehen als früherer deut­scher Anwalt durch Ausstreuung unwahrer Ge-

Diese deutschen Denkmalpflegeämter Haden erst seit 1925 wieder die Mittel, auszubauen, was in­folge schwerer wirtschaftlicher Zeitläufte arg ins Hintertreffen geraten war. Es liegt deshalb eiTie beträchtliche Spanne Zeit zwischen dem Erscheinen der früheren Bände desJnventarisationswerkes" einer bestimmten Provinz und den betreffenden neuen Veröffentlichungen. Bücher sind es, die die meisten Menschen kaum kennen! Man muß unbe­dingt einmal einen Einblick getan haben, um ver­stehen zu können, wie hier gearbeitet wird, wie die einzelnen Konservatoren mit ihren Fachberatern, mit Architekten, Malern oder Kunsthistorikern die Materie behandeln, wie Sach-, Künstler-, Werk­meister- und Ortsregister angelegt werden, damit es ein wirkliches genaues Nachschlagewerk ergibt. Es ist überaus interessant, zu beobachten, wie die verschiedenen Gebiete im Laufe der Jahre und Jahrzehnte urbar gemacht wurden, wie man jetzt auf Dinge gestoßen ist, die in früheren Bänden dieser Publikationen unberücksichtigt bleiben muß­ten, weil man einfach nichts von ihnen wußte.

Die neuen Erkenntnisse machen sich vor allem in der äußeren Aufmachung der Bücher geltend. Man photographierte für diese Veröffentlichungen besonders schöne und lehrreiche Denkmäler, Archi­tekturteile, Ausschnitte aus Gemälden oder Pla­stiken, man gab nicht nur den Grundriß eines Baues, sondern auch einen Aufriß wieder, und man wählte für diese Wiedergaben einfarbige und mehr­farbige Lichtdrucktafeln. Alle historisch interessanten Gebiete treten lebendig vor die Seele des Lesers: Architektur und Malerei, Plastik, Textilkunst und Goldschmiedehandwerk, alles das, was an Kunst- gut und Inventarisierung wert und würdig ist. Ge­rade in Deutschland harren noch viele ungelöste Fragen auf Antwort, Fragen, die in engstem Zu­sammenhang stehen mit der immer neu bleibenden Verpflichtung: Für Heimat und Volk muß ganze Arbeit geleistet werden!

Ein Lied geht um die Wett."

Der neue Terra-Film, der seit gestern im Licht­spielhaus zu sehen und zu hören ist, erinnert in Anlage und motivischem Ausbau an die beiden Kiepura-Filme, die wir vor einiger Zeit hier gehabt haben. Es ist, wie der Titel schon andeutet, ein überwiegend auf musikalische Wirkung eingestellter Film, die halb komische, halb traurige Geschichte eines Sängers, der so klein ist wie Napoleon oder noch kleiner, und über eine Stimme verfügt wie Caruso ober wenigstens so ähnlich. Wie seinerzeit Kiepura ober bie Alp ar steht hier ber bekannte Ber­liner Rundfunktenor Joseph Schmidt ganz im

Mittelpunkt ber (an sich nicht sehr ergiebigen) Hand- lung. Er erscheint gerabeju winzig neben ben statt­lichen Gestalten seiner Mitspieler, unb man muß sich wunbern, wo bei biefer Figur, die so gar nichts vom traditionellen Tenor-Umfang an sich hat, die Stimme herkommt: eine schöne, weiche und trag­fähige Stimme von leicht italienischer Färbung. Das im Titel festgelegte musikalische Leitmotiv unb auch seine anberen Lieder sind diesem Stimmcharakter glücklich angepaßt; die Einführung einer Liebes­geschichte in die Hauptfabel gibt dem Ganzen ge­wisse opernhafte Züge mit starken Anklängen an Rigoletto" unbBajazzo". Charlotte 21 n b e r ist eine schwärmerische Liebhaberin, Victor be Kowa unb Fritz Kämpers mit heiteren Pointen die guten Kameraden des kleinen Caruso. Der Regisseur Richard Oswald hat mit schönen Ausnahmen von Venedig dem romantischen Spiel einen reiz­vollen Rahmen gegeben. Im Beiprogramm die Wochenschau und ein Reichsbahn-Werbefilm.

Sochschulnacbrichten.

Dem Leipziger Ordinarius für Geschichte der Me­dizin, Professor Dr. S u d h o s f, wurde die Goethe- Medaille mit einem Schreiben des Reichspräsidenten verliehen.

An ber Universität Leipzig mürben auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeam­tentums ber o. Professor ber Nationalökonomie Dr. Gerhard Keßler unb ber planmäßige ao. Professor ber Rabiophysik Dr. Erich Marx in den Ruhestanb versetzt. Den nichtplanmäßigen ao. Pro­fessoren in ber philosophischen Fakultät ber Univer­sität Leipzig, Dr. Eduard E r k e s (Chinesisch) unb Dr. Karl Drucker (Allgemeine unb physikalische Chemie), sowie den Prioatdozenten in ber medizi­nischen Fakultät Dr. Ludwig Friebheim (Haut- unb Geschlechtskrankheiten) unb Dr. Oswei lern» k i n (Geschichte ber Mebizin) ist die Lehrbefugnis entzogen worben.

Professor E. M. von Hornbostel, ber bisher ben Lehrstuhl für vergleichende Musikwissenschaft an der Berliner Universität innehatte, hat eine Berufung an die New School for Social Research in Neuyork angenommen.

Im Alter von fast 67 Jahren verstarb in Hamburg ber Direktor des Instituts für Schiffs- unb Tropenkrankheiten, Geh. Mebizinalrat Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Dr. rer. nat. h. c. Friedrich Fü11 edorn. Mit Professor Fülleborn, der am 13. September 1866 in Kulm geboren wurde, ver­liert bie Wissenschaft einen verbienstvollen Forscher unb Tropenhygieniker, besten Name in ber ganzen medizinischen Welt den besten Ruf genoß.