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m 215 Svühausgabe
185. Jahrgang
Donnerstag, 14. sepfember 1955
Erfchelnr lögltd), autz« Sonntags und Feierlags Beilagen; Die 3nuftnerte ©ießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholl»
Monatr-Bezugrpret»:
-'«mit 4 ‘Beilagen RM.1.95 Ohne Jllusttierl« . > 80 Zustellgebühr . . -.25
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GietzemrAnzeiger
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Chefredakteur
Dr. Fttedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
Des deutschen Volkes Kamps gegen Hunger und Mir.
Nie Organisation des Winterhilfswerks.-Der Führer und Reichspropagandaminister Nr. Goebbels sprechen über Grundgedanken und Durchführung.
Berlin, 13. Sept. (TU.) Im Thronsaal des Valais Prinz Leopold, dem Sitz des Reichsmini- fteriums für Volksaufklärung und Propaganda, fand am Mittwochmittag auf Einladung von Reichsminister Dr Goebbels ''eine Kundegbung anläßlich der Konstituierung des Ausschusses zum Kamps gegen Hunger und Kälte statt. An der Kundgebung, in der das großzügige soziale Hilfswerk für den kommenden Winter bekanntgegeben wurde, nahmen neben dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und dem Reichspropagandaminister Dr. Goebbels Bizekanzler von P a p e n . Reichsinnenminister Dr. Frick, Reichs- wchrminister von Blomberg, Reichsjustizmini- ftcr Dr G ü r t n e r, die Staatssekretäre der Reichsund preußischen Ministerien, Vertreter fast aller deutschen Länder, die Oberpräsidenten der preußischen Provinzen usw. teil. Der Kreis der geladenen Gäste setzte sich zusammen aus den führenden Männern der nationalsozialistischen Bewegung, insbesondere der NS.-Volkswohlfayrt und aller anderen Wohlfahrtsverbände, sowie der Wirt- schastsvertretungen.
Staatssekretär Funk eröffnete die Kundgebung mit einem Dankeswort an den Führer, daß er die Durchführung der gewaltigen Aufgabe dem Reichspropagandaministerium zur Pflicht gemacht habe, lieber Zweck, Aufbau und Organisation des Hilfswerks sprach dann in längeren Ausführungen Recchsmimster Dr. Goebbels
In einer Riefenkraftanstrengung, führte Dr. Goebbels aus, fei es der Reichsregierung gelungen, die furchtbare Ziffer der Arbeitslosigkeit um über 2 Millionen z u senken. Man müsse jedoch damit rechnen, daß für den kommenden Winter noch weiterhin eine Millionenanzahl von Volksgenossen erwerbslos bleibt. Die Regierung fei nicht gewillt, sie ihrem eigenen Elend zu überlassen; sie habe den Plan gefaßt, in einem noch nie vage wesenen grandiosen Hilsswerk schützend an ihre Seite zu treten und ihnen die Ueberbauerung des Winters ohne allzu große Not möglich zu machen. Dieses Winterhilfswerk sei keine private Fürsorge, sondern eine Aktion, die von der Regierung selbst geleitet und vom ganzen Volk getragen werde. Jeder einzelne Volksgenosse sei mit dafür verantwortlich, daß sie gelingt. Niemand werde sich davon ausschließen dürfen. Was am 1. Mai zum erftenmale demonstrativ in Erscheinung trat, das werde hier in der Tat leben- big werben: Die Schranken, bie Bürger unb Proletarier ooneinanber trennen, seien niebergerissen.
Die Negierung werbe Vorsorge treffen, baß bie- ses Winterhilfswerk mit ben saubersten unb anständigsten Verwattungsmethoden durchgeführt werde, die überhaupt denkbar seien
Um den Notleidenden auch äußerlich zu zeigen, daß die ganze Nation mit ihnen fühlt, soll i n jedem Monat der erste Sonntag ihnen gewidmet sein. In großen Straften- und häusersammlungen würden die Mittel für die Durchführung dieser Aktion herbeigeschafft werden. Die Regierung richte an die gesamte deutsche Oeffentlichkeit den Appell, an diesen Sonntagen mittags ledig lich ein Eintopfgericht im Preise von höchstens 50 Pfennig pro Person zu verzehren. Ein gleiches solle auch in Gastwirtschaften und Hotels durchgeführt werden. Die dabei ersparten Gelder würden ohne Abzug in die grofte hilfs- kasse hineingegeben.
Der Reichsminister machte im weiteren Verlause seiner Rede nähere Angaben über die Organisation des Winterhiisswerks im einzelnen und teilte mit, daß an der Spitze des Werkes die R e i ch s f ü h r u n g des Winterhilfswerkes mit dem Sitz in Berlin steht. Bei ihr liegen die Aufgaben der Organisierung des Winterhilfswerkes.
Für das ganze Reich sind einheitliche Sammelsonntage vorgesehen. Für Geldsammlungen sind mit den Angestellten und Leamtenverbänden Verhandlungen zwecks gestasfelter Abzüge zugunsten des winterhilsswerkes auszunehmen. Inhaber von Dank- und Postscheckkonten werden ausgefordert, monatlich einen bestimmten Betrag von ihrem Konto abbuchen zu lasten. Einen nicht unwesentlichen Ertrag für das winterhilss- werk ,oll eine über bas ganze Reich verbreitete 50-Pfennig-Straften-Brief-Lotte- r i e einbringen. Für Spender, die monatlich einen abgemessenen Betrag zeichnen, ist eine kleine Plakette mit der Aufschrift „wir helfen?" vorgesehen, die die Spender an ihren wohnungs- türen befestigen können und die sie von weiteren Sammlungen befreit.
Bei ben Straßen- und Haussammlungen gelangen besondere Abzeichen zur Ausgabe. Plaketten und Abzeichen haben für jeden Monat eine bestimmte Farbe. Das gesammelte Bargeld soll grundsätzlich nur für den Einkauf von Lebensrnitteln, Heizmaterial usw. verwendet werden. Massenspeisungen sollen nur für diejenigen veranstaltet werden, die keinen eigenen Herd haben.
Die Lebensmittelsammlungen auf dem Lande sollen möglichst in der Erntezeit
Reichspropagandaminister Dr. Goebbels bei |enier großen Ansprache. In der ersten Reihe von links nach rechts: Vizekanzler von Papen, Reichsjustizminister Dr. Gärtner, Reichswehrminister von Blomberg, der Kanzler, Reichsinnenminister Dr. Frick unb Staatssekretär Dr. Lammers.
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burchgeführt werben Die Sammlungen bei ben Lebensmittel-Großhanblungen unb bei ben kleinen Geschäften kommen in ber Form zur Durchführung, baß von ben Geschäftsinhabern Menge unb Art ber zur Verfügung gestellten Waren in Sammellisten eingetragen werben, bie bie Grunblage für bie spätere Ausgabe von Bezugsscheinen bilben. In aleidjer Weise soll bei ber B r e n n st o f f - unb Kleiberbeschafsung verfahren werben. Für bie Spenben bes Winterhilsswerkes gewährt bie Deutsche Reichsbahn Frachtfreiheit. Weiterhin werben burch bie örtlichen Ausschüsse bes Winterhilfswerkes mit Theater-, Film- unb Konzertbetrieben Vereinbarungen bahin getroffen, baß von biefen Betrieben in möglichst großem Umfange Freikarten für bie notleibenbe Bevölkerung zur Verfügung gestellt werben. Ferner sollen Vergnügungsstätten ben Reinertrag eines Abends abliefern. Als Gegenleistung dafür erfolgt die Bekanntgabe dieser Vergnügungsstätten im Rundfunk.
Der Reichsminister teilte mit, daß die Reichsregierung, wie oisher, ihre repräsentativen Pflichten auf das allergeringste Mindestmaß einschränken werde und schloß mit den Worten: Einer tritt für alle ein und alle für einen. Das Volk wird eine Not - und Brotgemeinschaft fein, und das Wort, das wir im Kampf um die Macht zu unserer Parole erhoben haben, soll nun, da wir im Besitz der Macht sind, beglückende Wirklichkeit werden. Gemeinnutz geht vor Eigennutz!
Re'chskanzter Adolf Hitler
trat dann vor das Mikrophon, um folgende Ansprache zu halten:
Meine Herren! Diele Jahre haben wir im Innern gegen den Gedanken der internationalen marxistischen Solidarität gekämpst. Wir haben in dieser vermeintlichen internationalen Solidarität nur den Feind wirklicher nationaler Einstellung gesehen, ein Phantom, das den Menschen wegzog von der einzig vernünftigen Solidarität, die es geben kann: von der Solidarität, die blutmäßig ewig begründet ist Wir sind uns aber auch immer klar darüber gewesen, daß man diese Vorstellung nicht beseitigen kann, ohne die andere an ihre Stelle treten zu lassen. Daher muß als Motto über dieser großen Hilfsaktion das Wort stehen: „Nationale Solidarität"
Wir haben die internationale marxistische Solidarität innerhalb unseres Volkes zerbrochen, um ben Millionen deutscher Arbeiter eine andere, bessere Solidarität dafür zu geben. Ls ist bie Solidarität unseres eigenen Volkes, die unzertrennliche Verbundenheit nicht nur in glücklichen, sondern auch in schlimmen Tagen, die Verbundenheit nicht nur mit denjenigen, bie vom Glück gesegnet sind, sondern auch mit denjenigen, die vom Unglück verfolgt sind.
Wenn wir diesen Gedanken der nationalen Solidarität richtig aufsassen, dann kann es nur e i n Gedanke bes Opferns fein, d. h. also, wenn ber eine ober anbere sagt, man würbe babei zu stark belastet werben, man müsse ja immer roieber geben, bann kann man nur erroibern: „Das ist nun einmal ber Sinn einer wirklichen nationalen Solibarität. Im Nehmen kann bie wirkliche nationale Solibarität ihren Sinn nicht haben" Wenn ein Teil unseres Volkes durch Verhältnisse, an
denen alle mit Schuld sind, in Not geraten ist, unb ber anbere, vorn Schicksal bavon ausgenommen, nur einen Teil ber Not freiwillig auf sich zu nehmen bereit ist, bem ber anbere burch ben Zwang ausgeliefert ist, bann sagen wir:
Ls soll mit Absicht einem Teil unseres Volkes eine gewisse Rot mit aufgebürbet werben, damit er dadurch hilft, die Rot des anderen Teiles erträglicher zu gestalten. Je größer die Bereitwilligkeit ist, ein solches Opfer aus sich zu nehmen, um so schneller wirb man bie Rot der anderen Seite dadurch mindern. Jeder muß verstehen, daß sein Geben überhaupt nur dann im Sinne ber Herstellung einer wirklichen Volksgemeinschaft einen wert hat, wenn dieses Geben für ihn ein Opfer bedeutet.
Nur so kann man letzten Endes diese höhere Solidarität aufbauen, zu der wir hinstreben müssen, wenn wir die andere überwinden wollen. Wenn das ganze Volk richtig erfaßt hat, daß diese Maßnahmen für jeden ein Opfer bedeuten müssen, dann wird aus diesen Maßnahmen heraus nicht nur eine Milderung der materiellen Not eintreten, sondern es wird noch etwas viel Gewaltigeres herauskommen, es wird daraus die Ueberzeugung wachsen, daß die Volksgemeinschaft nicht ein leerer Begriff ist, sondern daß sie w i r k l i ch ein lebendiger ist. Wir benötigen in dem schweren Kampf der Nation diese Gemeinschaft mehr denn je. Weckn Deutschland vom Glück gesegnet wäre, dann könnte man vielleicht ihre Bedeutung etwas geringer einschätzen,
da wir aber schwere Zeiten zu erfragen haben, müssen wir uns darüber klar sein, daß wir sie nur bann überroinben können, wenn unser Volk wie ein einziger Stahlblock zusam m e n h ä 11. Das werben vir nur bann erreichen können, wenn die Millionenmassen, die nicht vom Glück gesegnet sind, das Gefühl bekommen, daß die vom Glück mehr Begünstigten m i t ihnen fühlen unb bereif sind, freiwillig ein Opfer a u f s i ch zu nehmen, um damit vor aller wett bie unzertrennliche Verbundenheit unseres Volkes zu dokumentieren.
Was das deutsche Volk dadurch heute an Opfern bringt, das wird — dessen kann jeder überzeugt sein — mit Zins und Zinseszins unserem Volk auf diesem Wege zurückerstattet werden. Denn was sind alle materiellen Opfer, die man freiwillig bringt, gegenüber dem größten Geschenk, nämlich dem Geschenk, ein gemeinsames, einheitliches Volk zu fein, das sich als zusammengehörig fühlt und bereit ist. seinen irdischen Schicksalsweg auch gemeinsam anzutreten und gemeinfam durchzukämpfen. Der Segen, der aus dieser Gemeinsamkeit, aus dieser nationalen Solidarität kommt, ist viel gewaltiger und viel nützlicher als das Opfer, das der einzelne Mensch nun dafür bringt. Diese große Aktion gegen Hunger und Kälte muß unter dem Motto stehen: Die internationale Solidarität des Proletariates haben wir zerbrochen. Dafür wollen wir aufbauen bie lebenbige nationale Solidarität des deutschen Volkes.
Bereits über 2 Millionen Reichsmark für das Winterhilsswerk der Reichsregierung gespendet.
Berlin, 13. Sept. (WTB.) Das Reidjsminiftc- rium für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit:
Die Kundgebung zur Eröffnung des winfer- karnpfes gegen hunger unb Kälte hat bereits am ersten Tage ein unerwartetes Ergebnis gezeigt. Es würben schon in ben ersten drei Stunden nach der Beendigung der Kund-» gebung gezeichnet: 1. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Reichsleitung München 100 000 Reichsmark; 2. Verlag des „völkischen Beobachter". Zentralverlag Franz Eher Rachsolger, München 100 000; 3. Gau Groß-Berlin ber RSDAP. 50 000; 4. Gau München-Oberbayern ber RSDAP. 50 000; 5. Kreise unb Ortsgruppen bes Gaues Groß-Berlin der RSDAP. 100 000: 6. Daimler-Ben, AG.. Slult- garf-Untertürkheim, 50 000; 7. Reichskredifgesellschaft AG., Berlin, und deren Schwesterunternehmen 30 000; 8. (Kommen- und Privatbank AG.» Berlin, 30 000; 9. Deutsche Bank und Discontogesellschasf, Berlin, 50 000; 10. Dresdner Bant, Berlin, 50 000; 11. Deutsche Arbeitsfront 200 000; 12. Bercingte Glanzsfosfabriken, Wupperlal-Llberfeld, 50 000 13. JG.-Farbenindusfrie AG. 1 000 000; 14. Bayrische Motorenwerke, München, 50 000; 15. Bayrische Stirf- sfosswerke AG., München-Berlin, 50 000; 16. Viktoria Versicherungsgesellschaft, Berlin, 50 000 Reichsmark.
Ls find somit bereits am er ft en Tage über zwei Millionen für das große soziale Hilfswerk der Reichsregierung gespendet worden. Mehrere große Unternehmungen, die mit ihren SchwesfetgeseUschaffen zusammen genannt werden wollen, haben bereits heute für den morgigen lag gleichfalls größere Summen angezeigt.
Deutsche Arbeitsfront und ASBO. trauern um Muchow.
Berlin, 13. Sept. (CNB.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley hat anläßlich des tragischen Todes des stellvertretenden Leiters der NSBO. und Amtsleiters der Orga-
nifationsabteilung ber Deutschen Arbeitsfront Pg. Reinholb Muchow für alle Dienststellen ber DAF. unb ber NSBO. folgenbes angeorbnet:
1. Alle Kundgebungen ber Arbeitsfront unb ber NSBO., die nicht durchaus ernsten a r • beitsmäßigen Charakter tragen, insbesondere also auch alle geselligen Veranstaltungen sind bis zum 1. Oktober 1933 verboten.
2. Sämtliche Fahnen haben bis zu diesem Termin Trauerflor anzulegen.
3. Sämtliche uniformtragende Mitglieder der NSBO. und der Deutschen Arbeitsfront tragen bis zum 1. Oktober Trauerflor um dis Hakenkreuzarmbinde.
4. Sämtliche Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront und der PO. haben am Beisetzungstage auf zwei Minuten den Dienst zu unterbrechen und des verunglückten Kameraden zu gedenken.
SA-Gruppenführer ins preußische Kultusministerium berufen.
Berlin, 13. Sept. (TU.) Der preußische Kultusminister Rust berief an bie Spitze ber Schulabteilung bes Kultusministeriums ben Stubienrat Gustav Zunke 1 aus Weimar, ber als Gruppenführer bem Stabe bes Obersten SA.-Füh- rers zugeleilt unb vom Stabschef Röhm zu bicsem Zweck beurlaubt ist. Damit hat ein alter bewährter nationalsozialistischer Kämpfer bie wichtigste Abiei- lung bes Kultusministeriums übernommen. Zunkel itanb schon seit 1929 an ber Spitze der SA. in Thüringen. 1932 wurde er zum Gruppenführer, 1933 als Vertreter der SA. zum thüringischen Staatsrat ernannt. 1886 geboren, aus einer alten thüringischen Pfarrerssamilie stammend, wandte er sich nach Ablegung seines Abiturienten- eramens dem Studium alter Sprachen zu, machte 1911 fein Staatsexamen und lehrte bis zum Kriege in Jena am Gymnasium. Während des Krieges stand er an der Front. Nach dem Kriege war er am Realgymnasium in Weimar tätig. Unter der ersten thüringischen Regierung war er Fachreferent für höheres Schulwesen.


