Ausgabe 
14.9.1933 Erstes Blatt
 
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Abiurnen des Tv.Zrisch-Auf" Leihgestern.

Am Sonntag fand das Abturnen des TurnvereinsFrisch auf Leihgestern 1893" statt. Mittags bewegte sich ein stattlicher Zug von Teilnehmern, bestehend aus SA., SAR., ferner der neugegründeten Damenabteilung, der aktiven Turner und Mitglieder durch die Straßen des Or­tes. Das Trommlerkorps unter der Führung des Heimatdichters Heß machte eine flotte Marsch­musik. Auf dem Turnplatz begrüßte der erste Ver­einsführer W. Will mit einer Ansprache die Teil­nehmer. Sodann begann das Turnen um den Wanderpreis, wo in den volkstümlichen Wettbe­werben Willi Schäfer mit 55 Punkten und im Geräteturnen Rudolf Rohrbach mit 107 Punk­ten Sieger wurde. Die SA. und SAR. führte ein Gepäckmarsch über 14 Kilometer durch, wobei die Gruppe Damm als erste in der Zeit von 1:54 Std. durch das Ziel ging. Die Preisoerteilung, die für den Turnverein der Oberturnwart Volk und für die SA. Rektor Lotz vornahm, endete mit dem Deutschlandlied und einemSieg-Heil!"

Bezirlsjugendweitkämpfe in Gedern.

i. Gedern, 12. Sept. Unter stärkster Beteili­gung der Bevölkerung fanden auf der Breiten Wiesen die Bezirksjugendwettkämpfe um den Wimpelwanderpreis des Herrn Reichsstatthal­ters statt. Die Schulklassen, die 20 Kampfgruppen des Bezirks, die Organisationen und Vereine des Städtchens marschierten geschlossen zum Kampf­platz. Rektor Riedel begrüßte die Verbände und wies in seiner Ansprache auf die zwingende Not­wendigkeit der Heranbildung einer kerngesunden Jugend hin. Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf die Führer des Reiches schloß er seine Ansprache. An den Wettkämpfen beteiligten sich 11 Knaben- und 10 Mädchengruppen.

Die Ergebnisse:

Fünfkampf'der Knaben: Ober-Seemen 42 Punkte; Gedern, Gruppe 1 (Volksschule), 41; Gedern ,(Höhere Schule), 38; Gedern, Gruppe 2 (Volksschule), 33; Oberlais 31; Steinberg 27; Rie­der-Seemen 25; Mittel-Seemen 22; Glashütten 21.

Vierkampf der Mädchen: Gedern, Gr. 1 (Volksschule), 36 Punkte; Ober-Seemen. Gr. 1, 35; Ober-Seemen, Gr. 2, 32; Gedern (Höhere Schule) 31; Gedern, Gruppe 2 (Volksschule), 30; Ober-Lais 27; Rieder-Seemen 25; Glashütten und Mittel- Seemen, 23; Steinberg 20 Punkte.

Fortbildungsschulgruppen: Hirzen­hain 12 Punkte; Gedern 11 Punkte. Den Wimpel des Herrn Reichsstatthalters haben somit errungen: Die Knabengruppe Ober-Seemen, die erste Mädchen­

gruppe der Volksschule Gedern und die Forbildungs- schulgruppe Hirzenhain. Rach der Bekanntgabe der Siegergruppen wurde ein Handballspiel zwischen der Volksschule Gedern und der Städtischen Höheren Schule Gedern ausgetragen, das mit 1:0 für die Höhere Schule endete.

Ich rufe die Jugend der Welt

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Modell der großen Glocke, die von dem Bildhauer Walter E. L e m ck e entworfen wurde, und die die Olympischen Spiele 1936 in Berlin einläuten wird. Die Glocke trägt unter dem Reichsadler, der d:e olympisä)en Ringe in den Klauen hält, die eindrucks­volle Inschrift: ,Hch rufe die Jugend der Welt!" Das Organisationskomitee hat diese Glocke zum Wahrzeichen der großen Weltveran- | staltung erwählt, das zunächst auf allen Druck­schriften und Briefschaften des Komitees, die als Ein- | ladungen in die Welt hinausgehen, sichtbar sein wird.

Kämpfe auf -er Aschenbahn.

Erinnerungen an große Ereignisse.

Wohl keine Sportart ist so reich an packenden Endkämpfen wie die Leichtathletik. Auf der Aschen­bahn, dem schwarzen Band mit zwei flachen Bogen um eine satte Grünfläche, hat wohl ein jeder schon einen Kampf zwischen zwei oder mehr Läufern bei- gewohnt, die im harten Ringen um den Sieg das Letzte aus ihren Körpern herausgepreßt haben und von denen schließlich der eine mit kaum wahrnehm­barem Unterschied als Sieger das Zielband zerriß. Von solchen Sümpfen, die sich die Spitzenkönner aller Herren Länder im Laufe der Jahrzehnte ge­liefert haben, soll hier erzählt sein.

Kampf über eine halbe englische Meile.

Schon aus der Vorkriegszeit ist von einigen herr­lichen Endkämpfen zu berichten, die unvergeßlich in der Erinnerung weiterleben. Wenn die alten Hel­den des Nagelschuhes erwähnt werden, so muß in erster Linie Hanns Braun genannt werden, der nicht nur unser bester Athlet, sondern auch der größte Kämpfer der Vorkriegszeit war. Die ganze Welt horchte aus, als mit Hanns Braun vor 24 Jahren zum ersten Male ein Deutscher eine englische Mei­sterschaft gewann. Von jenem denkwürdigen Tage des 3. Juli 1909 ist uns noch ein Bericht erhalten, der begeisterte Augenzeuge erzählt über den Ver­lauf der Halbmeilen-Meisterschaft:

Braun hat Innenseite, sein Gegner läuft auf gleiche Höhe auf. Beide sind im Gleichschritt und taktmäßig strecken sie sich in aller äußerster Anstren­gung, von weitem gesehen wie e i n Mann. Eine Sekunde nach der anderen vergeht, das Tempo ist mörderisch, des Müncheners Beine scheinen immer länger zu werden, so weitet sich der Schritt, der Kopf ist scharf angezogen. Einer von beiden muß fallen ... und des Engländers Kraft bricht. Plötz­lich verliert dieser den Gleichschritt. Zwischen Brauns langen Schritten sieht man ihn einen Moment trip­peln, und dann hat der Unsrige freie Bahn. Mit zwei Meter Vorsprung geht er in die Kurve und obgleich der Engländer mit unendlicher Zähigkeit weiterkämpft, an diesem Vorsprung ist nichts mehr zu mindern. Der länge Spurt ist zu Brauns Gun­sten entschieden.und zum ersten Male in England Ö ein Deutscher mit scharf herausgenommener

ils Sieger das Band."

Noch einmal lieferte Braun einen grandiosen Endkampf. Im Jahre 1912 nach den Olympischen Spielen in Stockholm stellten sich in Berlin seine Bezwinger über 800 Meter, die Amerikaner Me- redith und Sheppard zum Kampf. Der Olym­piasieger Meredith wurde bald ein Opfer seines allzu schnellen Tempos. Der Olympiazweite Sheppard und Braun liefen Brust an Brust, mit seinem be­rühmten Zwischenspurt gewann der Deutsche einige Meter Vorsprung, aber Sheppard läßt nicht locker und knapp 100 Meter vor dem Ziel hat er Braun erreicht. Nun setzt ein gigantisches Ringen um jeden Fußbreit Boden ein. Aber nun zeigt sich erst Brauns großes Kämpferherz. Mit jedem seiner langen Schritte schiebt er sich zentimeterweise von dem Geg­ner fort und geht unter dem Riesenjubel als Sieger durch das Ziel.

Rau gegen den Amerikaner Ramsdell.

Vergessen ist auch noch nicht die famose Leistung unseres besten Kurzstreckenläufers der Jahre vor dem Kriege, Richard Rau. An einem herrlichen Sommertag rang er auf dem internationalen Sport­fest seines Vereins, des SC. Cbarlottenburg, den viermaligen amerikanischen Meister Ramsdell sowohl über 100 wie über 200 Meter nieder. Roms- dell, ein kraftstrotzender Athlet, gegen den der gra­zile deutsche Meister fast schmächtig wirkte, war schon damals der Urtyp des schnellen Kurzstrecken­läufers, wie ihn Amerika heute serienweise hervor- bringt.

kolehmainen Bouln.

Auf der gleichen Bahn, die heute ein kümmer­liches Dasein fristet, damals, aber der Schauplatz der größten Kämpfe der deutschen Leichtathletik war, hetzte Hannes Kolehmainen, der Landsmann und Vorgänger Nurmis, den Franzosen Jean B o u i n in einem 5000-Meter-Laufen fast zu Tode. Von Runde zu Runde verschärfte der Finne das schon unheimliche Tempo. Mit spielend leichtem Schritt lief er seinem Gegner davon. Wohl versuchte Bouin durch einige Zwischenspurts den Abstand zu

Denkt an dieStiftung für Opfer der Arbeit"!

Einzahlungen an Reichskreditgesellschast Berlin W 8. Behrensslrahe 21/22, sowie auf deren Reichs- bankgirokonlo und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung:Stiftung für Opfer öer Arbeit".

verringern, aber er erschöpfte sich dabei restlos und gab entmutigt auf, als der Finne das Zielband schon zerriß.

100 Bieter: Hauben Paddock Murchison.

Nach dem Kriege war es Hubert H o u b e n, der in jenem denkwürdigen 100-Meter-Rennen in Ber­lin durch seinen Sieg über die beiden Amerikaner Paddock und Murchison, in die Lettern der sportlichen Weltgeschichte ausgenommen wurde. Wohl die wenigsten der damals auf dem schmucklosen Rcichswehrsportplatz in Moabit versammelten 10 000 Zuschauer hatte an einen so großen Erfolg des Deutschen geglaubt, aber Hauben machte das Un­mögliche wahr. Ein blendender Start und fabel­hafter Antritt brachten ihn gleich einen Meter vor den Gegnern in Front. Und nun lief er das Rennen feines Lebens. Wohl schoben sich die schon mehr als verzweifelt kämpfenden Pankees von Meter zu Meter heran, aber doch erreichten sie Hauben nicht mehr. Wer beschreibt das Glücksgefühl und den Taumel der Menge nach diesem grandiosen Siege eines Deutschen über die schnellsten Läufer der Welt.

Es war einmal: Peltzer besiegt Jlurtni.

Zu einem Ereignis wurde wenige Jahre später abermals in Berlin das Zusammentreffen des fin­nischen Wunderläufers Paavo N u r m i mit dem fliegenden Schullehrer" Edwin W i d e und Deutschlands Hoffnung Dr. Otto Peltzer. lieber 1500 Meter ging das Rennen. Böcher machte nach dem Start das Tempo, aber bald wurde er von Nurmi abgelöst, der nunmehr mit der Gleichmäßig­keit einer Maschine lief. Von Zeit zu Zeit kontrol­lierte er sein Tempo mit der Stoppuhr. Nach der Hälfte des Weges fiel Böcher bereits stark zurück, auch Peltzer hatte einige Meter verloren und nur Wide folgte dem großen Finnen wie ein Schatten. In dieser Reihenfolge ging es in die letzte Runde. Fieberhaft verfolgten die Zuschauer die letzte Phase des gigantischen Rennens. Wide griff Nurmi zuerst an, ging vorbei, aber da rückt auch Peltzer auf. Der lange Stettiner überholte den Finnen, jagte dem Schweden nach und nun entspann sich die Zielgerade herunter ein schöner Kampf, aus dem der Deutsche als Sieger in neuer Weltrekordzeit I heroorging.

Neue Bücher.

DieKriseimWeltgeldshstem. Don Gustav Cassel. Derlag Buchholz & Weih­wange G. m. b. S)., Berlin-Charlottenburg 2. Preis 1,90 Mk. (167.) Das vorliegende Werk des schwedischen Nationalökonomen bringt eine auch dem Laien verständliche Analyse des heutigen Wirtschaftszustandes. Cassel sieht die Wege zur Gesundung der Weltwirtschaft in der Be­freiung des wirtschaftlichen Lebens von der staat­lichen Kontrolle, Einschränkung der monetären Nachfrage nach Gold auf der ganzen Welt zwecks Koustanterhaltung des allgemeinen Warenpreis­niveaus (Einhalt der Deflation), ferner in der radikalen Streichung der Kriegsschulden und Re­parationen, Abbau der Schutzzölle und der garan­tierten internationalen Bewegungsfreiheit des Kapitals.

Sunniva. Eine Novelle von Sigrid ü n d s e t. 80 Seiten Text und 9 Bilder von Gösta as Geijerstam in Kupfertiefdruck, Üeberseht von Martha Näf. In Geschenkband 2 Mk. Verlag Ios f Müller, München 13. (6.) - In dieser Geschichte von Sunniva, der irischen Königstoch­ter, und ihrem Zusammentreffen mit dem Könige Olav Tryggveson führt uns Sigrid älndset in die Heldenzeit ihres Landes. Ob sie von Wikinger­fahrten erzählt und den Abenteuern der Könige Olav Haraldson und Olav Tryggveson oder von der heiligen Sunniva, es ist immer das Heldische in diesen Menschen, das für ihr Leben entschei­dend ist. Die Landschaft, in der die Geschichte spielt, ist die der alten nordischen Sagen, herb und ernst.

Geoffrey Moh: Armer kleiner B o s k o. Roman. Derlag Ullstein, Berlin, Preis 3 Mk., Ganzleinen 4,50 Mk. (117.) Die Geschichte eines artigen jungen Oxford-Stu­denten, den eine Anzeige in einen leider ohne Betriebskapital gegründeten Golfbetrieb an der Riviera lockt. Mit der Sehnsucht des nordischen Menschen nach südlicher Luft und Sonne ist dieser Roman geschrieben; er ist die erste deutsche Heber- tragung eines englischen Erzählers, der auch bei uns rasch Freunde finden wird, wie er sie in seiner Heimat schon in großer Zahl besitzt.

21. 2). Forum: Um einen Dukaten.

Buntes

Und andere geschichtliche Erzählungen. 100 Seiten. Preis 2,50 Mark. Johannes Lehrmann, Verlag, Leipzig. (491).

Gartenbauinspektor Franz Mappes: Ratgeber für den Haus-, Schreber- und Siedlergarten. Allgemeine Derlags- anstalt München AG-, Geschäftsstelle Mannheim. (74.) Das Buch enthält in knapper und leicht verständlicher Form viele ausgezeichnete Rat­schläge mit zahlreichen Abbildungen und über­sichtlichen Tabellen. Der Verfasser gibt jedem Haus-, Schreber- oder Siedlergärtner wichtige Fingerzeige für die Praxis aus eigenen langjähri­gen Erfahrungen. Gründlichkeit und Anschaulich­keit der Schrift ermöglichen es jedermann, seinen Garten nutzbringend anzulegen; auch der schon Erfahrene wird in Mappes einen kundigen Helfer finden, der ihn auf Dinge aufmerksam macht, an die er vielleicht noch nicht gedacht hat. Der niedrige Preis von 35 Ps. wird jedem Siedler und Gartenfreund die Anschaffung des reich­haltigen Bändchens ermöglichen.

Exkurfionsbuch zum Studium der V o g e I ft i m m e n. Von Professor Dr. A. Voigt. 10. Aufl., neu bearbeitet von Prof. Dr. E. Hesse. Leinen 4,20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (148.) Auf allen Wanderungen vernehmen wir wieder den Iubelsang der Vögel und fragen uns, wie der muntere Sänger heißt. Rur ganz wenige Vögel pflegt der Wanderer an der Stimme zu erkennen. Voigts Cxkursions- buch ist ein ausgezeichneter Schlüssel, sich weitere Kenntnis zu verschaffen. Voigt hat viele Iahre der Beobachtung unserer Singvögel gewidmet und viele Reisen unternommen, um fein Ex­kursionsbuch von Auflage zu Auflage zu ver­vollkommnen. So lehrt das Buch in erster Linie den Stimmen der Vögel zu lauschen und mit Hilfe einfacher Zeichen Name und Art der Sänger zu bestimmen. Darüber hinaus widmet Verfasser auch allen biologischen Erscheinungen der Vogelwelt seine Aufmerksamkeit, so dem Flug, der Brutpflege, dem Lieblingsaufenthalt. Das schöne Werk wird jedem Vogelfreund viel Freude bereiten.

Allerlei.

Mnde Passagiere der Lust.

Der englische Flieger Kapitän Caspar flog wie gewöhnlich mit feiner Mafchine, derStadt Bag­dad" auf der englischen Flugstrecke über das In­nere des dunklen Erdteils nach Broken Hill in Rhodesia mit einer vollen Ladung von Passagieren und Post. Dabei merkte er plötzlich, daß das Gleich­gewicht feiner Mafchine irgendwie gestört war; er fühlte sich unsicher und beunruhigt, tröstete sich aber dann mit dem Gedanken, daß das Gepäck wohl schlecht verstaut sei. Glücklich langte er an Ort und Stelle an, beobachtete, wie seine Maschine in den Hangar gebracht wurde und setzte sich dann zum Esten nieder. In diesem Augenblick sab er einen schlanken blonden jungen Mann vor sich, der mit einem fremden Akzent nach dem deutfchen Konsul fragte. Cafpar lachte:An diefem verlorenen Fleck gibt's keinen deutschen Konsul, wo kommen Sie denn her?Von Mbeja", antwortete der Fremdling. Das war die letzte Station, ein Bergwerkslager im Herzen von Tanganjika.Ich sehe aber ihre Ma­schine nicht im Hangar", tagte der Kapitän verwun­dert, denn auf andere Weife als durch die Luft konnte man hierher nicht gut allein gereift fein. Der junge Mann grinste:Ich flog in Ihrem Flug­zeug."Aber ich sah Sie nicht?"Ich reiste als blinder Passagier." Caspar seufzte; er wußte nun, warum er während des Fluges so unsicher gewesen war. Was sollte er mit dem Übeltäter in der Wild­nis anfangen? DerNassauer" war ein 24jähriger Österreicher Joseph Reder, der feit einigen Monaten in den Lupa-Goldfeldern von Tanganjika arbeitete. Er halte während der langen Stunden, in der er den Boden nach Gold auswufch, eine Erfindung gemacht, von der er glaubte, sie werde eine Aevo- lulion in der Flugkunst hervorbringen. Zwei Kame­raden hatte er davon erzählt, und diefe hatten sich bereit erklärt, mit feinen Plänen nach Berlin zu reifen, um sie dort zu verwerten. Als sie aber fort waren, fliegen ihm Zweifel auf. Er wollte ihnen nach, und da er kein Geld hatte, sandte er verzwei­felte Botschaften an seine Eltern in Österreich mit der Bitte, ihm das Reisegeld zu schicken. Aber es kam nicht, und so hatte er schließlich al slehten Aus­weg sich als blinder Pastagier in dieStadt Dag dad" eingeschlichen. Er wurde nach Mbeja zurück­gebracht. Aber der Richter wußte nicht, was er mi- ihm anfangen follte, da ihm ein solches Vergehen noch nicht vorgekommen war. Ein paar Stunden, nachdem er mit dem Flugzeug aufgestiegen, war für ihn Geld angekommen. Reder war, wie der Reisende W. 3- Makin in einem Aufsatz hervor­hebt, der erste blinde Luftpastagier in Afrika. Er hat seitdem manchen Nachfolger erhalten. Ein sol­ches Mitfliegen eines unbekannten Gastes kann schwere Gefahren mit sich bringen. Das zeigte sich bei dem ersten blinden Luftpassagier, der an einer Fahrt über den Atlantischen Ozean teilnahm. Dies war ein gewisser Arthur Schreiber, der sich auf demGelben Vogel" versteckte, einer Maschine, mit der drei französische Flieger von Neuyork nach Pa­ris fliegen wollten. Die Anwesenheit dieses uner- wünschten Ballastes störte das Gleichgewicht des Flugzeugs so, daß die Flieger eine Menge Betriebs­stoff während eines Sturmes über Bord werfen muhten, und diefer Mangel hinderte sie daran, das ersehnte Endziel ihres Fluges zu erreichen. Sie muß­ten in Spanien notlanden Trotz dieser schweren Enttäuschung behandelten die Flieger den blinden Passagier sehr anständig und ließen ihn laufen. Schreiber gab in fpanifchen Blättern Berichte über feine abenteuerliche Tat und erlangte alsChico Vankey",der tüchtige Amerikaner", eine gewisse Berühmtheit, die er zu feinem Vorteil auszunuhen wußte. Der erste blinde Passagier, der überhaupt auf einem Flugzeug mitreifte, dürfte der 13jährige Herbert State aus Kanfas City gewesen fein, der sich in einem Aeroplan befand, der eine kleine Zahl von Passagieren zu einer Defprechung mit dem damaligen Präsidenten Coolidge bringen sollte. We- gen des Übergewichtes, das durch den Nassauer hervorgerufen wurde, war man zu einer Notlandung gezwungen, und die Verabredung konnte nicht ein­gebalten werden. Befondere Anziehungskraft auf blinde Passagiere hat derGraf Zeppelin" ausge­übt, und der Führer Dr. Eckener mußte dagegen strenge Maßnahmen ergreifen. Wegen der großen Gefahr, die durch einen unbekannten Mitreisenden entstehen kann, wurden strenge Dorfichtsmahregeln ergriffen. Als derZeppelin" von Lakehurst auf 1 seinem Weltflug aufstieg, hatte ein Junge aus New

Jersey versucht, sich in dem Luftschiff zu verbergen. Durch ein genaues Ableuchten mit Scheinwerfern wurde er aber entdeckt. Ein anderer junger Bursche, Albert Buschko, der imZeppelin" eine unentgelt­liche Luftreise machen wollte, wurde dafür bestraft.

Was ist Tabu?

Das Wort Tabu hat sich in letzter Zeit auch in der allgemeinen Umgangssprache eingebürgert, ohne daß jeder weiß, was das eigentlich bedeutet. In der Festschrift zum 70. Geburtstag des Sprachforschers Rudolf Much hat Friedrich Pfister dem Wort einen eigenen Aufsatz gewidmet. Er will damit ein Beispiel für das Gesetz erbringen, daßmit der Veränderung ber Kultur die Wörter ihren Sinn verändern". Das polynesische WortTabu" wird gewöhnlich mithei­lig" überseht, aber der christliche Begriff desHei­ligen" deckt sich damit durchaus nicht. Vielmehr be­deutetTabu" in der Vorstellung der Polynesier alles, was über eine besondere Kraft verfügt, sei es im Bösen oder im Guten. Nicht nur religiöse Vor­stellungen werden davon berührt, sondern auch welt­liche. So findet man das Tabu auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Technik, des Brauches im Kriege, in den alltäglichen Sitten und Gebräuchen. Nun ist es möglich, daß diese Erweiterung des Begriffes, die über das mitheilig" Bezeichnete hinausgeht, erst nachträglich entstanden ist. Auch bei uns im Deut­schen gibt es diesen Begriff des Tabu, so z. B., wenn ein Glas, aus dem bei irgendeiner feierlichen Ge­legenheit getrunken wurde, nachher zerschmettert wird, weil es durch die Segenshandlung eine besondere Kraft erhalten hat undTabu" geworden ist. Hier ist also die Sache geblieben, aber das Wort dafür ist geschwunden. Im Germanischen hieß der Begriff, der sich mit dem ursprünglichenTabu" deckt, "bei» lag; erst durch die Christianisierung find die Be­griffe des Heiligen und Geweihten von der ursprüng­lichen heidnisch-magischen Bedeutung losgelöst wor­den.

Wie schnell kann der Mensch laufen?

Einen neuen Weltrekord über eine englische Meile hat kürzlich der junge Neuseeländer Läufer I. E. Lovelock in Amerika mit 4 Minuten 7% Sekunden aufgestellt, und er blieb dabei Sieger über den Amerikaner Louis Bonthron, der dieselbe Strecke von 1,6 km in 4 Minuten 8 7/10 Sekunden zurück­legte. Wenn man bedenkt, daß der im Jahre 1886 von W. G- George aufgestellte Weltrekord von 4 Minuten 12% Sekunden erst nach mehr als einem Vierteljahrhundert übertroffen wurde, kann man sich vorstellen, welche außerordentlichen Leistungen für einen derartigen Rekord notwendig find. Ein berühmter Trainer, der verstorbene Sam Mussabini glaubte, daß ein Läufer so trainiert werden könne, um jede der vier Runden von einer Dierlelmeile in genau 62 Sekunden zurückzulegen. Bei dem Trai­ning mit Albert Hill im Jahre 1921 steuerte er auf dieses Ziel los. Die einzelnen Rundenzeiten, mit denen Hill damals den britischen Amateur- Rekord von 4 Minuten 134/6 Sekunden aufstellte, betrugen 59%, 64%, 67%, und 62% Sekunden. Bei allen diesen Zahlen ergibt sich wie bei vielen hervorragenden Läufern vorher und nachher, daß mit einer Schnelligkeitsverminderung in der dritten Runde der Preis für eine übergroße Leistung in der ersten Runde gezahlt wurde. Der Franzose Jules Ladoumegue, der 1931 den Rekord von 4 Minuten 9% Sekunde aufstellte, kam dem Ideal des gleichmäßigen Laufes in allen Runden schon näher, denn er brauchte für jede Viertelmeile 60%, 63%, 63% und 61% Sekunden. Der neue Rekord­halter Lovelock legte bei einem früheren Lauf die englische Meile in 4 Minuten 12 Sekunden zurück und vollbrachte dabei die schnellste erste und vierte Diertelmeile und die langsamste dritte Runde, die je bei Rekordläufern erreicht wurde. Die Zeiten waren nämlich pro Runde 57%, 64%, 74 und 56 Sekunden. Bei dem neuesten Rekordlauf haben Love­lock sowohl wie Bonthron in der dritten Runde 657,o Sekunden gebraucht, durch diese geringere Schnelligkeit sich also für den Endspurt der letzten Runde Kräfte gefammelt, die Lovelock in 58%O und Bonthron in 607, Sekunden zurücklegten. Eine noch größere Schnelligkeit wird nur der Läufer vollbringen können, der die Gleichmäßigkeit in allen vier Runden zu folcher Vollkommenheit bringt, daß er jede Runde in genau 60 Sekunden zurücklegt und damit vier Minuten für die englifche Meile braucht. Schneller dürfte der Mensch nicht laufen können.

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Wer dieses Tuch der munistijchen Dlutherrsck land dachten, gelesen h Januar 1933 nur du Führers Adolf Hitler entronnen ist.

Das Buch ist so uw m 14 lagen wohl tau; genossen geben wird, Wenn es auch ün ist, direkt zum 1 Mlen, |o muß doch in trungen werde, SA-' und CT.-Mann «ns ,eder Angestellte' k>ie Hand bekommt.

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