Ausgabe 
14.6.1933 Frühausgabe
 
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öffentlichen Ruhe. Ordnung und Sicherheit folgende Anordnung erlassen: Bis auf weiteres find öffent­liche und geschloffene Vers am m l u n . gen sowie Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel jeglicher Art verboten. Ausnah­men von diesem Verbot können nur im Beneh­men mit der bayerischen politischen Polizei gewährt werden.

Von dem allgemeinen Versammlungs- und Um­zugsverbot werden selbstverständlich die Fron­leichnamsprozessionen nicht betrof­fen , die von der Regierung nach jeder Richtung hin geschützt werden.

WehrkreispsarrerMüllerSchirmherrfür den Luthertag derDeutschen Christen"

Berlin, 13. Juni. (VDZ.) Der Vertrauens­mann des Reichskanzlers in kirchlichen Angelegen­heiten, Wehrkreispfarrer Müller, hat die Schirm­herrschaft für den von der Glaubensgemeinschaft .Deutsche Christen" a in 1 0. N o o e rn b e r d. I. l m ganzen Reichsgebiet geplanten großen Lutheraedenktag übernommen. Die organi­satorische Gestaltung des Gedenktages liegt in den , Händen des Reichskulturreferenten der Glaubens­bewegung. In dem Festausschuß, der zur Zeit in der \ Bildung begriffen ist, werden führende Ver - i treter der NSDAP, und der Glaubens- I

Oie Lage in

Scharfer deutscher Protest gegen | die Verhaftung Habichts.

Berlin, 13.3uni. (TU.) Dem deutschen Gesandten in Wien ist auf seine Rückfrage von der österreichi- schen Regierung bestätigt worden, daß der Presseattache bei der deutschen Ge­sandtschaft, Habicht, und sein Gehilfe Lohrs in Zusammenhang mit den letzten Ereig­nissen in Oesterreich verhaftet worden sind. Der deutsche Gesandte hat daraufhin s ch ä r s st e n for­mellen Prolest erhoben und sich die weiteren Schritte der deutschen Reichsregierung vorbehalten. Die österreichische Regierung hat erklärt, daß sie die Reichsdeutschen nach ihrer Verhaftung vernehmen und sie nach dem dort üblichen Ausdruckabschaf- fen, also ausweisen werde. Gegen die Aus­weisung ist nach dem bestehenden Recht eine Re­kursmöglichkeit gegeben, die innerhalb dreier Tage angewendet werden muß, so daß die Ausweisung wahrscheinlich erst nach Ablauf dieser Frist erfol­gen wird, lieber die weiteren deutschen Schritte kann zur Zeit nach nichts gesagt werden. Der Abg. Habicht ist vor einigen Wochen der deutschen Ge­sandtschaft in Wien als Presseattache zu­geteilt worden. Die österreichische Regierung hat seinerzeit diese Zuteilung nicht zur Kenntnis genommen und vor einigen Tagen mitteilen lassen, daß der Abgeordnete Habicht persona in- grata sei.

Ein Ausruf -es Gteierischen Heimatschutzes.

Engste Kampfgemeinschaft mit derNLDAP.

Graz, 13. Sunt (Sil) Der deutsch-österrei­chische (steierische) Heimatschuh hat fol­genden Führerbefehl erlassen:

Die Regierung Dollfuß hat heute die national­sozialistische Deutsche Freiheitsbewegung Adolf Hitler fürstaatsgefährlickz' erklärt. Die Führer der NSDAP, sowie die Führer der SA. und SS. wurden verhaftet. Die Austromarxisten haben sich in ihrem Linzer Parteiprogramm gegen den Staat gestellt. Nie­mals wurde dieses Linzer Programm zurückgezo­gen. Bomben, Nähren und Handgranaten, die überall zu Tausenden gefunden wurden, zählen zum programmatischen Ideengut dieser staats- und wirtschaftsfeindlichen Partei. Wäh­rend die austromarxistische Partei nach wievor besteht und sich des Wohlwollens und der Dul-

Blühendes Italien.

Don Mariha von Jobeltih.

Blumenmarkt in San Remo, in Florenz, auf der Spanischen Treppe zu Rom! Versuchung der Fremden, die Arme voll einlaufen und nachher nicht wissen, wohin damit. Rausch an Düften und Farben, der sich von den Groß-Gärtnereien bis in jede Kleinstadt ergießt und auf den Landstraßen vertröpfelt, wo heiße Kinderhände die wilden Cyclamen und grünen Maiglöckchen, die Ginster­büsche und Sternblümchen der Wegabhänge, mehr gerauft als gepflückt, in d-ie vorüberrollendenWa­gen schleudern. Blüten als Schmuck des geschlach­teten Lammes, des Limonadenkrugs, des ausge­hängten Barbierbeckens, der hundertförmigen Makkaronis in den Auslagen. Blumen auf jeder Wirtstafel, zwischen den Tintenfischbeinen, hinter den Ohren der Weichensteller an den Trambahn­kehren, in tausend bunten Topfscherben auf den Fenstervorsprüngen der engen Gassen, in Petro­leumkanistern und ausrangierten Spülwannen auf den flachen Dächern. Blumen zu Haus vor den Altären und zu allen Kirchenfesten. Rur in den Fremdenheimen und Hotels beschränkt man sich auf Flur und Eßsaal, sonst ist jeder, aber auch wirklich jeder Raum von dem blühenden Reich­tum belebt, den Flora dem Land in den Schoß wirft.

Freilich so ganz ohne Mühe geht es auch in diesem paradiesischen Klima nicht ab. Wohl wuchern Geranien und Olander wild an den We­gen, aber in den Gärtnereien rühren sich unter dem zitternden Olivenschatten fleißig die Hände: der Lehmboden ist schwer, die Sonne brennt oft unbarmherzig, und was am Morgen noch knospte, steht oft am Mittaggeschossen" und welk. Die Dlumenfelder von San Remo sind besonders im Frühling das Entzücken der Besucher. Veilchen, Goldlack und die hundertfarbige Levkoje, Nelken und Narzissen duften betäubend zwischen den ein­fassenden Alleen mit Mimosenbäumchen, die ihre gelben Kügelchen aufplustern. An den Orangen­bäumen drängen sich Knospe, Blüte und Frucht zur gleichen Zeit, ihnen zu Füßen sind in Strei­fen Puffbohnen gebaut, eine besondere Leckerei für den Gärtner selbst, denn diese Bohnen kommen mit einem angeborenen Orangendufst zur Welt und in den Kochtopf.

Don Ventimiglia bis Genua reißt das blühende Band nicht ab. Cs zieht sich dann von dem Mee­resufer mehr ins Innere: Florenz hat nicht um-

Oesterreich.

buna der heutigen Parteiendiktatur erfreut, geht man gegen die NSDAP, in dieser Weise vor und verhaftet Hunderte von Führern. Wer die fir- chen- und religionsfeindlichen Marxisten und die führenden demokratischen Systemparteien ver­stehen einander! .,

Die Führung des DeutschfOesterreichischen (Steieriscken) Heimatschutzes, die mit der ver­folgten NSDAP, in engster Kampfge­meinschaft steht, erhebt in aller Oeffentlich- teit leidenschaftlichen Einspruch gegen die Vergewaltigung einer nationalen Partei Ge­rade in den Stunden, in denen die NSDAP, so arg bedrängt wird, versichert die Führung de« Deutsch-Oesterreichischen (Steierischen?/ Heimat- schutzes allen Führern und Kameraden der NSDAP, treue Kameradschaft und tiefe Schicksalsverbundenheit. Die im nationalen Lager stehende Heimattreue Bevölkerung Oesterreichs aber wird ge­rade in dieser politischen Notzeit sich mehr denn je hinter die nationalen Kampfver- bände stellen.

gez. Kammerhofer.

Eine nationalsozialistische Abordnung beim Bundespräsidenten.

Wien, 13.Juni. (WTB.) Gauleiter Frauen­feld und die Landtagsabgeordneteir Dr. Riehl und Dr. H a n k e gaben heute dem Vizekanzler Winkler die Erklärung ab, daß sie mit den Vor­fällen der jüngsten Tage in keinem Zu Jam - menhang stehen. Sie erhoben ferner Ein­spruch gegen die Sperrung der Br au - neu Häuser und der SA.-Heime. Vize­kanzler Winkler teilte mit, daß er die Erklärungen demBundeskanzlerzurKenntnis brin­gen werde. Die Nationalsozialisten sprachen darauf auch beim B u n d e s p r ä s i d e n t e n vor, der sie gleichfalls auf die Rückkehr des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß verwies.

Einsetzung von Sicherheitsdirektoren in den Bundesländern.

Wien, 13.3uni. (WTB.) Der Ministerrat beschloß zum Zwecke einheitlicher und strafferer Exekutive die Bestellung vonS i ch e r - heitsdirektore n", die der Bundesregierung unmittelbar unterstellt sind. Ferner soll unter Heranziehung regierungstreuer Verbände eine so­genannte Sichecheitsexekutive gebildet werden. Die Landesregierungen wurden auf­gefordert, auch den Landes- und Gemeindeange­stellten die Zugehörigkeit zur NSDAP, zu ver­bieten. Die Sicherheitsdirektoren vereinigen die gesamte Sicher h e i t s e x e k u ti v e des

bemegung |id) beftnben biebot aUem au* auf kulturellem Gebiet hervorgetreten sind. Der Luther­tag am 10. November wird begangen anläßlich des 450. Todestages des großen Reformators Er soll in gewissem Sinne auch als ein protestantisches Gegenstück zu den Katholikentagen em großer P r o- teftantentag werden.

Eine Bodelschwingh -Kundgebung in Lübeck verboten.

Berlin. 13. Juni. (TU.) Die Kanzlei des Reichsbischoss teilt mit: In Lübeck sollte am kommenden yreitag eine Kundgebung für den Reichsbischof D. von Bodelschwingh staAmden. Die Redner der Veranstaltung sowie die Themen dcr Vorträge waren der Polizei ordnungsgemäß mitge­teilt Eine Aussprache war nicht vorgesehen. Als der Einberufer der Kundgebung Domprediger « ch mt d t beim Polizeisenator eine ausdrückliche G e - nebmiqung einholen wollte, wurde ihm von einem Beamten mitgeteilt, daß d,e Versammlung durch polizeiliche Verfügung für den angesetzten Ter­min und für den weiteren Zeitraum einer Woche verboten sei und jede Werbung sofort einge­stellt werden müsse. Auf weitere Fragen des Ver­anstalters wurde erklärt, daß das Verbot w eg e n Gefährdung der öffentlichen Sicher­heit erfolge.

Landes, in dem sie besteckt sind, in ihrer Hand und haben gleichzeitig dafür zu sorgen, daß ms in die Gemeinden hinunter in Angelegenheiten des Sicherheitswesens nach einheitlichen Grundsätzen vorgegangen wird und daß me von der Zentrale erlassenen Weisungen gleich­mäßig an alle an der Exekutive Beteiligten weitergegeben werden. Zu Sicherheitsdirektoren wurden bestellt in Wien der gegenwärtige PoU- zeipräsidcnt in Niederösterreich und Burgenland, der Landesdirektor von Niederösterreich, in den übrigen Bundesländern hohe Offiziere des Bun­desheeres oder der Gendarmerie. Landesrat S t e i d l e, der schon seit einiger Zeit das Amt eines Sicherheitskommissars in Tirol inne hat, wird während seiner Dienstunfähigkeit infolge des Anschlags durch einen Landesgendarmerie­direktor vertreten.

Rücktritt

des Salzburger Landeshauptmanns.

Wien, 13. Juni. (TU.) Der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. Rehrl, hat dem Vizekanzler Winkler mitgeteilt, daß er sein Amt als Landes­hauptmann von Salzburg niedergelegt und die Dienstgeschäfte bereits seinem Stellvertreter, dem Landeshauptmann - Stellvertreter N e u r e i t h e r übergeben habe. Den Grund für den Rücktritt Rehrl bildet die Ernennung des Sicherheits­direktors entsprechend den Beschlüssen des Mi­nisterrates vom Dienstag, durch welche die Funk­tionen des Landeshauptmannes stark einge­schränkt sind. Der Rücktritt des Landeshaupt­manns Rehrl bildet bei der hervorragenden Stel­lung, die der Landeshauptmann innerhalb der Christlich-Sozialen Partei einnimmt, den denkbar schärfsten Protest gegen die Innenpolitik der Regierung.

Terror macht stark.

Die NSK. zum Kampf der NSDAP, in Oesterreich.

Berlin, 13. 3uni. (TH.) 3n einem Artikel der Nationalsozialistischen KorrespondenzZur Lage in Oesterreich" wird festgestellt, daß die so­fortige Freilassung der nationalsozialistischen Führer und die sofortige Wiedereröffnung der nationalsozialistischen Parteidienststellen die Voraussetzung einer Klärung der innerpo­litischen Wirren in Oesterreich ist. Zum Schluß heißt es: Wer in diesem Ringen am Ende der Sieger bleiben wird, ist nicht zweifelhaft. Wir Nationalsozialisten im Reiche haben denselben Terror und die gleichen llnterdrückungsmaß- nahmen erlebt. 3m Feuer dieser Verfolgungen sind wir hart und stark geworden. Sie schufen erst die Voraussetzungen für die Kraft, mit der wir das alte System zertrümmert und den neuen deutschen Staat aufgerichtet haben. Die Herzen der deutschen Nationalsozialisten und da­mit wie wir heute mit Stolz sagen dürfen der ganzen deutschen Nation, schlagen mit denen un­serer verfolgten Dvüder in Oesterreich. Wir wis­sen, daß auch ihr Kampfesmut durch nichtsge­brochen wird und daß am Ende dieses schwe­ren Kampfes auch über Oesterreich das Banner der nationalen Erhebung und sozialen Befreiung stehen wird.

Kunst und Wiffenschast.

Professor volhard nach Berlin berufen.

Der Leiter der Medizinischen Klinik am Städtischen Krankenhaus Frankfurt a. M., Professor V o l h a r d, hat einen Ruf nach Berlin als Nachfolger von Professor Hiß in der Leitung der Ersten Medizinischen Universitätsklinik dcr.Berliner Cha­rite erhalten. Eine Entscheidung, ob er dem Rufe Folge leisten wird, hat Professor Volhard noch nicht getroffen.

Einführung des Frankfurter Generalinlendanlen.

Der zum Leiter der Frankfurter städtischen Büh­nen verpflichtete bisherige Intendant am Stettiner Stadttheater Meißner ist von Oberbürgermeister Dr. Krebs in sein Amt eingeführt worden. Dabei entwickelte der neue Generalintendant in kur­zen Umrissen sein Programm, das in der Schaffung des deutschen Nationaltheaters bestehe. Mit der Er­

fonft die Lilie im Wappen: dazu Maiglöckchen und Tulpen, wenn auch nicht in gleicher Aus­schließlichkeit wie Holland. 3n Mengen werden die großen hell-lila gefüllten Veilchen gezogen, die als Parmaveilchen in die ganze Welt wan­dern. 3n den lichten Wäldern beftemen Ine Erd­beerblüten den Boden: ihre rote Frucht kommt in kleinen Binsenkörbchen in die Städte. Die Tuberrose gehört in diesem Land nach wie vor in jedes Smoking- oder Frackknopfloch. Die Gladiole bei uns ein Herbstblüher steht fast das ganze 3ahr unter den Baumwollschirmen des Grun- markts von Verona, auf den winzigen Verkaufs­höfen von Genua und Neapel. .

Aber wenn die Herrschaft der Rose beginnt, sie ist fast gewalttätig in ihrer Schönheit. Dann sind die Häuser mit gelben und roten Kletterros- chen überwuchert, dann steht in jedem Jungmad- chenfenster die blaßrosa, im Frauenfenster die öun- felrote Blumenkönigin denn hier hält man noch an einer gewissen Dlumensymbolik fest, dem Fräulein das Zarte, der Frau das Leuchtende.

Unbeschreiblich ist die Kamelienzeit an den ober- italienischen Seen und bis Mailand herunter. Hier handelt es sich nicht so sehr um Verkaufskultu­ren, wie um die Privatgärten, die in 3talien stets immergrüne Pflanzen bevorzugen. Reben den Rhododendronbüschen sind die Magnolien und bald darauf die Kamelien die frühesten reprä­sentativ^ Dlüher, so wie der strenge und doch liebliche Geschmack der klassischen italienischen Landhäuser sie zwischen den Chpressen verlangt. Später kommen zwischen den Tuffsteinen die wei­ßen und violetten Schwertlilien und in riesigen Büschen die tausendsternigen Margareten, die in diesem blumenreichen Land als Schnittblumen ver­achtet sind. , .

3n vielen Gegenden bringt der Herbst noch ein­mal eine Wiederholung des Frühlings, kürzer und herber. Dazu treten die Dahlien, die der 3taliener wegen ihrer Duftlosigkeit nicht so liebt, trotz ihrer pompösen Form, und die Chrysanthemen. Sel­tener sieht man Orchideen, ganz selten unseren schönsten Frühlingsgast, den Flieder.

Palmen, wie der Nordländer sie m ganzen Wal­dern erwartet, halten sich nur an geschützten Stel­len. an der Riviera, an sonnigen Städteplätzen wie in Genua, in Rom und natürlich am Golf und auf Sizilien. 3n dem furchtbaren Winter vor vier Fahren erfroren aber auch in Mondello bei Pa­lermo und selbst in Cagliari auf Sardinien die Palmen.

Galerie englischer Sonderlinge.

England ist das klassische Land desSpleens". Es scheint, daß die Abgeschloffenheit des 3nfel» reiches der Entwicklung persönlicher Eigenarten bis ins Krankhafte Vorschub leistet, und das Leben auf eine besondere Art zu leben, ist sehr verbreitet. Eine Galerie aller Absonderlichkeiten, die in eng­lischen Hirnen aufaestiegen sind, bietet die bekannte Schriftstellerin Edith Sitwell in einer in London er­scheinenden SammlungDie englischen Exzentriks". Da hören wir z. D. von einem sonderbaren Beruf, der sich im 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Mode des englischen Gartens ausbildete. Für die gotischen Häuser und verfallenen Ruinen, die man in den Parks anlegte, brauchte man auch eine lebendige Staffage, und so wurdenEremiten" angestellt, die hier den Besuchern ein asketisches Ein­siedlerleben vortäuschen sollten. Anwärter auf diese Stellen wurden durch Anzeigen gesucht und es wur­de z. D. gefordert:Gin Mann, der sich verpflichtet, sieben Jahre in der Eremitage meines Parkes zu Haufen, wo er mit einer Bibel, einer Brille, einer Matte für feine Füße, einer Decke als Kiffen, einem Stundenglas, Wasser zum Trinken und Nahrung aus der Hauslüche versehen werden wird. Er muß ein Kleid aus Kamelhaar tragen, darf sich unter keinen Umständen seine Haare, Bart oder- jel schneiden, die Grenzen des Parkes nicht verlas­en und mit niemandem ein Wort wechseln." Da- ür wurde nach Ablauf der sieben Jahre die Sum- me von 14000 Mark versprochen. Es gab aber nicht nur große Herren, die sich solche Einsiedler in ih­ren Gärten hielten, sondern manche füllten auch selbst den Platz aus. So wohnte ein Lord Rokebh in der Ruine seines Parks: er war ein leidenschaft» kicher Waffersreund und schenkte jedem, den er was. sertrinkend fand, eine halbe Krone. Unter den Ein­siedlerinnen wird eine Frau Celestine Collins er­wähnt, von der es heißt:Sie war eine so große Freundin von Ungeziefer aller Art, daß ein Nest mit Mäusen in ihrem Bett gefunden wurde." Eine besondere Abart des englischen Sonderlings ist der Dandy, der in der Biedermeierzeit seine Extra­vaganzen in Kleidung und Lebensführung am reich, ften entfaltete. Einer suchte den andern zu über, trumpfen, und besonders eifersüchtig waren auf. einander Lord Scarborough und Lord Effingham. Lord Scarborough war stolz darauf, daß er sechs Friseure beschäftigte, die feine andere Sorge als die Gestaltung seiner Frisur hatten, während es Effingham nur auf fünf brachte. Die weibliche^ Dandys trugen Ausbauten von Federbüschen auf

Haltung der Oper stehe und falle er. Als Chef- Dramaturg ift Friedrich Bethge, der Autor der DramenReims" undHungermarsch der Vete­ranen", verpflichtet worden. Als neuer Opern- direktor soll der Generalmusikdirektor der Staatsoper in Berlin, Erich Kleiber, gewonnen werden. Zu diesem Zweck hat sich Generalintendant Meißner nach Berlin begeben.

Ein Reichsverband Deutscher Schriftsteller.

Zur Schaffung eines alle deutschen Schrift«' steiler zusammenfassenden Verbände-, der die bisherige Spaltung in verschiedene Berufsvereine Überbrüden soll, wurde unter dem Vorsitz von Goetz Otto Stoffregen derReichsver­band Deutscher Schriftsteller" gegründet.

Aus aller Welt.

Adolf-Hitter-Lpende der deutschen Wirtschaft.

Die Spihenverbände ' der deutschen Wirtschaft haben sich zusammengeschlossen, dem Führer der nationalsozialistischen Bewegung Tldolf Hit- I e r einen Fonds zur Verfügung zu stellen, die der NSDAP, die Durchführung des na­tionalen Wiederaufbauwerk es ermog- lichen soll. Zu diesem Zweck ist die »Adolf- Hit l e r - S P e n d e der Deutschen Wcrt- s ch a f t ins Leben gerufen, deren Leitung in den Händen eines Kuratoriums aus den beteiligten Wirtschaftszweigen unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Krupp von Dohlen-Hallbach liegt.

Weltflieger Blattern umgekehrt.

Der amerikanische Weltflieger, der Montag um 22.20 Uhr (Moskauer Zeit) von Chabarowsk nach Alaska ge st artet war, ist heule Dienstag um 18.20 Uhr (Moskauer Zeit) ro t e- ber nach Chabarowsk zurückgekehrt. Die Gründe für die Umkehr Matterns sind noch un­bekannt.

Schweres Unwetter über dem Murgtal.

Das badische Murgtal wurde in der Gegend zwi­schen Rotenweiler und Weisenbach von einem chweren Unwetter heimgesucht, lieber eine Stunde lang ergossen sich r ie s i g e W a s s e r m a s s e n über die Gegend. In kürzester Zeit waren die Hei­nen Büche zu reißenden Flüssen angewachsen. Ganze Bäume, Sträucher, Felsblöcke und Mauer­stücke wurden mitgeschwemmt. In Hoerde wurde die Murgtalstraße in kurzer Zeit derartig von Ge­röll übersät, daß der Verkehr für mehrere Stunden unterbrochen war. Die Eisen­bahngleise wurden unterspült, so daß die Züge große Verspätungen erlitten. In Hoerde stehen sämtliche Keller unter Wasser. Viel Kleinvieh ist ertrunken. Auf den Feldern und Wiesen hat das Unwetter großen Schaden angerichtet. In Staufen­berg und in Seelbach schlug der Blitz in das Trans­formatorenhaus ein, so daß die beiden Gemeinden die Nacht über ohne Licht waren.

Schwere Zuchlhausflrafen im Prozeß Thielfch.

3m Prozeß wegen der Tötung de sS A. - Mannes Thielsch wurde der bei Begehung der Tat minderjährige Angeklagte H. Beils uh wegen gemeinschaftlichen Mordes zu 10 3 äh­ren Gefängnis, der Angeklagte Schoel wegen gemeinschaftlichen Totschlages z u 1 5 3 a h- ren Zuchthaus verurteilt. Beiden An­geklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkannt. Die Angeklagten Behling und Holzer erhielten wegen Beihilfe zum gemein­schaftlichen Totschlag je eine Zuchthausstrafe von sechs 3ahren. Beiden wurden die bür­gerlichen Ehrenrechte auf sechs 3ahre aberkannt.

Vollstreckung zweier Todesurteile.

Nachdem der preußische Ministerpräsident sich entschlossen hat, von dem Recht der Begnadigung keinen Gebrauch zu machen, sondern der Gerechtig­keit freien Lauf zu lassen, sind heute um 6 Uhr mor­gens auf dem Hose des Sträfgefängnisses Plötzensee bei Berlin der 26jährige Wächter Paul R o h r b a ch aus Niederschönhausen und der 23jährige Bäcker Hermann W i 11 st o ck aus Berlin-Buchholz von dem Scharfrichter Gröpler-Magdeburg mit dem Beil hin­gerichtet worden. Rohrbach und Wittstock waren wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Kraft­wagenführer Kurt Pohl zum Tode verurteilt wor­den. Die gegen dieses Urteil bei dem Reichsgericht eingelegte Revision wurde verworfen.

ihren Köpfen, die so groß waren, wie ihre ganze Figur, und es kam vor, daß diese Federgebirge bei einem starken Sturm von ihren Häuptern fort­geweht wurden. Ein Original war auch ein gewißer Porson, der auf einer Reife durch Deutschland die folgenden Verse schrieb:Ich kam nach Frankfurt und nahm einen Truitk mit dem hochgelahrten Pro­fessor Brunck: ich kam nach Würzburg und wurde noch mehr betrunken beim Zechen mit dem noch ge­lahrteren Profeffor Runden."

Bogenschießen als Krauenspori.

So eifrig die Frauen bei uns sich heute an allen Sportformen beteiligen, so haben sie doch bisher einer Leibesübung ihre Aufmerksamkeit entzogen, die in angelsächsischen Ländern geradezu als der ideale Frauenfport gepriesen wird. Dies ist das Bogenschießen, eine romantische Betätigung, bei der wir an die Knappen des Mittelalters oder an die Indianer denken und die uns vielleicht in fernen Kindheitstagen einmal Spaß gemacht hat. Aber in Amerika, in England, in Australien wird dieser alte Sport in immer steigendem Maße von den Damen ausgenommen und gepflegt. 3n den Vereinigten Staaten gehört das Bogenschießen zu den Hebun­gen, die in vielen Frauenschulen regelmäßig gelehrt werden. 3n Sydney gibt es ein starkes Korps weib­licher Bogenschützen, und in England sind die Klubs von Frauen, die mit Bogen und Pfeil sich vergnü­gen, zahlreich über das ganze Land verstreut. Die Handhabung des Bogens erfordert keine großen Körperkräfte, ist daher dem weiblichen Geschlecht be­sonders angemeffen. Dor allem aber wird dadurch eine anmutige Haltung gefördert. Das Augenmaß wird geübt, Oberkörper und Arme erhalten Ge­schmeidigkeit, die Nerven werden gestärkt. Bei der Jugend wird die Brust geweitet, das Tastgefühl wird.verfeinert. Benutzt wcrden Frauen-Bogen, die ein nicht zu großes Gewicht haben. Die Sehne, die gewöhnlich von Hans ist, muh jedesmal geprüft werden, bevor man den Bogen benutzt, damit nicht durch ein Zerreißen Hnglückssälle entstehen können. Die rechte Hand, die den Bogen spannt, wird nach dem Kinn zurückgezogen, nicht nach dem Auge. Man zielt auch nicht mit Hilfe eines Visiers, wie beim Ge­wehr, sondern blickt direkt nach der Schieß-Scheibe. Zur Ausrüstung gehören neben dem Bogen und dem Pfeil ein Köcher, ein Handschuh, der die Fin­ger beim Bogenspannen schützt, und ein Armschutz. Hm die Waffe richtig zu handhaben, ist natürlich eine eingehende Ausbildung durch einen tüchtigen Lehrer notwendig.