mit einer schwereren Strafe bedroht ist. mit Gefängnis nicht unter einem Monat oder mit Geldstrafe von 150 bis 15 000 Mark bestraft.
Schärfster Kampf gegen die KPD.
Darmstadt, 13. März. (WSR.) Der Staatskommissar für Polizeiwesen hat zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28. Februar an die ihm unterstellten Behörden sehr ausführliche Anweisungen hinausgehen lassen, um den Kampf gegen die kommuni st ischen Umtriebe auf das energischste durchzuführen. Beurlaubung von höheren Beamten der hessischen Verwaltung.
D a r m st a d t. 13. März. (WEN.) Auf Anordnung der neuen Regierung sind mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden: Ministerialrat
Bornemann im Staatsministerium (SPD.), Staatsrat Karcher im Innenministerium, Abteilung für Arbeit und Wirtschaft (SPD.), Regierungsrat Zi n n k a n n in der gleichen Abteilung des Innenministeriums (SPD.), Oberregierungsrat Rit- z e l bei der Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen (SPD.), Kreisdirektor R e ch t h i e n in Friedberg (SPD.), Staatsrat S ch w a m b im Innenministerium und Gesandter Ruß (Berlin), früher Rechts- anwalt (Zentrum), Kreisdirektor U s i n g e r in Groß- Gerau (SPD.-Freund), Ministerialdirektor R e u - r o t h im Justizministerium (SPD.) Schulrat Friedrich im Kultusministerium (SPD.), Staatsrat Balser im Finanzministerium, Ministerialrat Dr. S i e g e r t im Innenministerium und Staatsrat d o Eyff im Justizministerium (Zentrum), Kreis- direktor Merck in Offenbach und Ministerialrat Dr. K a m m e r im Kultusministerium. Kreisdirektor Stammler wurde mit sofortiger Wirkung nach Alsfeld zurückversetzt, um das ihm angetane U n - recht wieder gutzumachen.
Oer neue hessische Staatspräsident.
Dr. Ferdinand W e r n e r ist am 27. Oktober 1876 zu Weidenhausen Kr. Biedenkopf, im alten hessischen Hinterland, geboren. Sein Vater war Schlossermeister, seine Mutter entstammte einer alten Lehrerfamilie, die in ununterbrochener Geschlechterfolge bis in die Reformationszeit hinein dem Lehrerstand wertvolle Männer geschenkt hat. Seit 1877 wohnte er in Gießen. Rach
bem Desucy der Realschule und des Gymnasiums, das er 1896 mit dem Maturum verlieh, studierte er an der Landesuniversitat Giehen Deutsch, Geschichte und neuere Sprachen und ging 1900 in den höheren Schuldienst über.
Seit 1898 betätigte er sich in der Völkischen Bewegung, gründete 1900 den Deutschen Verein zu Giehen und wurde bald für Hessen Landes- vorsihender .der Deutsch-Sozialen Partei. Rach der Vereinigung der Deutsch-Sozialen mit der Deutschen Reform-Partei zu der Deutsch- Völkischen Partei wurde er deren Reichs- vorsihender. Diese politische Betätigung gefiel der damaligen Regierung durchaus nicht, und der junge Lehrer Dr. Werner wurde wiederholt durch Versetzungen gemaßregelt.
3m Jahre 1908 wurde er zum erstenmal für die hessische Kammer als Kandidat aufgestellt, verzichtete jedoch auf die Bewerbung, weil inzwischen eine Versetzung von Giehen nach Worms a. Rh. eintraf. Doch 1910 muhte er infolge Erkrankung Worms verlassen und landete dann auf seinen Wunsch in Butzbach, wo er sich wieder für seine politischen Ideen einsehte. 3m 3ahre 1911 starb der bekannte völkische Bauernführer Abgeordneter Köhler (Langsdorf), und Dr. Werner wurde als sein Rach- folger am 21. März im Wahlkreis Giehen—Grünberg— Ridda in den Reichstag gewählt. Dem Reichsparlament gehörte Dr. Werner ununterbrochen bis 1918 an. 3n die damalige
2. Kammer wurde Dr. Werner noch vor dem Umsturz 1918 gewählt. Er gehörte unmittelbar vor dem Ausbruch der Revolution dem die Regierung übernehmenden hessischen Staatsrat an. 1924 bis 1928 sah Dr. Werner abermals im Reichstag, und zwar als Vertreter des deutschvölkischen Gedankens innerhalb der Deutschnationalen Voltspartei, auf bevorzugter Stelle der Reichsliste gewählt. Der Stadtvertretung Butzbach gehörte er ebenfalls von 1919 bis 1924, und von 1931 bis 1932 an. 3m 3ahre 1921 war er wieder in den hessischen Landtag eingezogen. 3nfolge der veränderten politischen Haltung der Deutschnationalen Dolkspartei schloß er sich 1930 der Rationalsozialistischen De utschen Arbeiter-Partei an und leitete a l s Landtagspräsident in den 3ahren 1931/33 die Geschäfte des Hessenparlaments.
Unmittelbar nach dem Ausbruch der Revolution, deren „Entstehung, Ergebnis und Ueberrmnbung" er in einer besonderen Schrift nachgegangen ist, begann für ihn der Kampf gegen die Kräfte des Umsturzes. Am Tage nach der Revolution trat er schon dem roten Arbeiter- und Soldatenrat in Friedberg gegenüber. Ein Ersuchen, das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft in einem Kabinett des sozialdemokratischen Präsidenten Ulrich zu übernehmen, lehnte er ab. Schon jetzt setzte der ununterbrochene Strom von Versammlungen im Dienste der völkischen Idee ein. Damals wurde der jetzige hessische Staatspräsident in der Kreisstadt Alzey sogar körperlich mißhandelt.
Als entschiedener Vertreter der völkischen Weltanschauung hat Dr. Werner auch in der Deutschnationalen Volkspartei gewirkt und um die Durchsetzung des völkischen Gedankens gerungen. Zahlreiche Schriften und Aufsätze politischer und wissenschaftlicher Art verraten die Lieblingsgebiete Dr. Werners, für die er sich in Wort und Schrift einsehte in „Deutschlands Erneuerung", im „Kunstwart", im „Türmer", im „Hammer", in „Ratur und Gesellschaft". Aus seiner Heimatverbundenheit entspringt seine Vorliebe für Tier- und Heimatschuh — das hessische Ratur- schuygeseh hat er erfolgreich gefordert —, für Wander-, Ruder-, Schwimm- und Wintersport. Dr. Werner hat auch stets der Siedlung, insbesondere der zinslosen Bausparbewegung, viel Interesse entgegengebracht. Er ist ein langjähriger Mitarbeiter der deutschen Siedlungsbewegung (Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft Darmstadt, Deutscher Siedlerbund) und kennt die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Siedlung. Daneben galt sein besonders warmes Eintreten der deutschen Familie. Aus seiner evangelisch-lutherischen Religiosität ist ihm die Familie eine völkische und geistige Keimzelle. Er, dem selbst vier Kinder geschenkt wurden, trat stets im Reichs- und Landtag für die kinder-
Das neue Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.
Dr. Goebbels zum Reichsminister ernannt.
Berlin, 13. Blärj. (WTB. Amtlich.) (Ein Erlaß des Reichspräsidenten bestimmt: Für Zwecke der Aufklärung und Propaganda unter der Bevölkerung über die Politik der Reichsregierung und dem nationalen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes
wird ein Reichsmini st erium für Volks- aufflärung und Propaganda errichtet. Der Leiter dieser Behörde führt die Bezeichnung „Reichsmini st er für Volksaufklärung und Propaganda". Die einzelnen Aufgaben des Reichsminiflers zur Volksaufklärung und Propaganda bestimmt der Reichskanzler. Er bestimmt auch im Einvernehmen mit den beteiligten Reichsministern die Ausgaben, die aus deren Geschäftsbereich auf das neue Ministerium
übergehen und zwar auch bann, wenn hierdurch der Geschäftsbereich der betroffenen Ministerien in den Grundzügen geändert wird.
Der Reichspräsident hat den nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Goebbels zum Reichsmini st er für Volksaufklärung und Propaganda und den bisherigen Ministerialdirektor Walter Funk zum Staatsfekre- t ä r dieses Ministeriums ernannt
*
Paul 3oseph Goebbels wurde am 29. Oktober 1897 in Rheydt (Rheinland) geboren, ist katholischer Konfession, besuchte Has Gymnusium in Rheydt, das er 1917 absolvierte; und studierte dann an den Universitäten Bonn, Freiburg, Würzburg, München, Heidelberg, Köln, Frankfurt und Berlin: Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Philosophie. 3n Heidelberg promovierte er zum Dr. phil. Seit dem 3ahre 1922 ist er politisch tätig. Er wurde 1924 in Elberfeld Schriftleiter der „Völkischen Freiheit" und gründete 1925 zusammen mit dem nationalsozialistisches. Abgeordneten Gregor Strasser die „Rationalsozialistischen Briefe". Seine Partei berief ihn dann 1926 als Gauführer nach Berlin. Dort ist er seit 1927 auch Herausgeber des deutschen Montagsblattes „Der Angriff". An Schriften hat er u. a. veröffentlicht: „Lenin oder Hitler?' (Eine Rede), „Die zweite Revolution", »Briefe an Zeitgenossen, „Wege ins dritte Reich", Briefe und Aufsätze für Zeitgenossen, „Das Buch 3sidor", ein Zeitbild voll Lachen und Haß. 3m Oktober 1929 eröffnete die „Rationalsozialistische Volksbühne" ihre Spielzeit 1929/30 mit der Aufführung des von G. verfaßten Bühnenstückes „Dec Wanderer". G. wurde bei den Maiwahlen 1928 auf Reichswahlvorschlag in den Reichstag gewählt. 3m Rovember 1929 wurde G. auch Berliner Stadtverordneter.
reiche Familie ein und förderte die Bestrebungen des Reichsbundes der Kinderreichen.
Als Geschichts und Deutschlehrer ist er auch durch zahlreiche Untersuchungen Sonderproblemen auf den Grund gegangen. Erinnert sei nur an seine Schriften „Königtum und Lohnwesen im altfranzösi- schen Epos", „Die Bedeutung einer zeitgemäßen Gedichtsammlung für die Schule", „Das Wesen des altfranzösischen Epos", „Geschichte der französischen Literatur" (Hillgers Volksbücher). Diese Themen beleuchten eine Seite, ohne die bas Bild und Wesen Dr. Werners unvollständig wären. Dem Wirken des Hessischen Lanbestbeaters war er ebenso wie bem hessischen Schulwesen stets aufmerksamster Beobachter. Die schaffenden Künstler werden in ihm einen offenen Freund finden. War er es doch, der als Landtagspräsibent in ben Wandelhallen des Hessischen Lanbtaasgebäubes Werke hessischer Maler und Bildner sprechen läßt.
Minister Göring gegen direkte Aktionen.
Berlin, 13.März. lWTD.) Der Reichs- kommissar für das Preußische Innenministerium gibt bekannt: 3n den letzten Tagen sind aus zwingenden :Gründen von feiten der nationalen Verbände unmittelbare Eingriffe in Kommunalverwaltung, Rechtspflege, Kunstinstitute, insbesondere in Theaterbetriebe vorgekommen. Auf Grund des Erlasses des Herrn Reichskanzlers vom 12. März sind derartige Eingriffe unnötig geworden. Die Reinigungsaktion innerhalb meines Ressorts wird von mir planmäßig s e l b st v o r g c n o m m e n werden. Sollte irgendeine Gefahr im Verzug
sein, so bin ich telephonisch anzurufen, damit i ch etngreif en kann. 3ch bin überzeugt, daß die natconaleDevolkerun^ zu meinen Maßnahmen das notwendige Vertrauen besitzt und unmittelbare Handlungen in Zukunft aus diesem Grunde für unnötig halten wird.
Gegen die Grenelpropaganda im Ausland.
Berlin, 13.März. (WTB.) Amtlich wird mttgeteilt: 3n einem Teil der ausländischen Presse werden die unsinnigsten, von angeblichen Flüchtlingen stammenden Gerüchte aus Deutschland veröffentlicht. Danach sollen u. a. Verhaftete in grausamer Weise mißhandelt und insbesondere auch Ausländer vielfach tätlich angegriffen werden. Es liegt auf der Hand, daß diese Gerüchte von den Feinden der nationalen Regierung in bös- sD l l l i g e r Absicht verbreitet werden, um in Ermangelung anderer Mittel durch eine wohlorganisierte Grenelpropaganda das Ansehen und die Autorität der nationalen Regierung zu untergraben. Mit allem Rachdruck muß festgestellt werden, daß alle solche Gerüchte in das Reich der Fabel gehören.
3m übrigen ist der Herr Reichskanzler, wie er in seiner öffentlichen Erklärung betont hat, fest entschlossen, die bisherige Disziplin der nationalen Revolution mit aller Energie auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Die Uebergriffe Einzelner, die vorwiegend auf Provokateure zurückzuführen sind, sind für die Zukunft durch scharfe Kontrollmaßnahmen unterbunden.
Oie Alpen und das Gtarkbier.
Von Karl Eittinger, München.
Aus zeitgenössischen Berichten wissen wir, daß der große Julius Cäsar die verschiedensten Dinge zu gleicher Zeit erledigen konnte: er konnte gleichzeitig einen Bericht anhören, seine Memoiren diktieren und einen Brief schreiben. Und wenn er nicht ermordet worden wäre, hätte er vielleicht auch noch gelernt, gleichzeitig einen Purzelbaum zu schlagen.
Ich bin kein 3ulius Cäsar, und deshalb lautet mein Grundsatz: immer hübsch eins nach dem anderen! Man soll nie zwei Dinge gleichzeitig tun wollen, es geht meist schief. Man soll nie bei Glatteis auf der Straße gehen und gleichzeitig eine Zeitung studieren, denn sonst steht man am nächsten Tag selbst unter „Verkehrsunfall". Ein Chauffeur soll nie während des Fahrens daran denken, warum er gestern im Skat Klein-Herz gespielt hat statt Trumpf zu ziehen, denn sonst wird er selber gezogen, nämlich aus dem Straßengraben. Eine Stenotypistin soll nie während des Tippens gleichzeitig in den aufgeschlagenen Roman schielen, denn sonst schreibt sie mitten in den Geschäftsbrief: „Ha, schrie der Graf und erdolchte sie".
Und ferner soll der Mensch nie Salvator trinken und gleichzeitig eine Zeitschrift lesen. Das aber habe ich getan. 3ch saß aus meiner Bude, tränt ein Fläscherl Salvator nach dem anderen und las dabei etwas ganz Merkwürdiges in einem Blatt: Die Berge wandern. — 3a- wohl, o Leser, deine Aeugelchen täuschen dich nicht, der Druckfehlerteufel hat nicht seinen Pferdefuß im Spiel, es ist Tatsache: die Berge wandern. Unantastbar hat die Wissenschaft sestgestellt, daß z. B. der trigonometrische Punkt auf dem Wendelstein sich in den letzten hundert 3ahren um einen Diertelmeter verschoben hat, daß der Wendelstein also wandert. — (Wer nicht weiß, was der „trigonometrische Punkt" ist, tröste sich mit mir, ich Hab s auch erst im Lexikon nachgesehen.)
„Hm!" sagte ich mir und öffnete eine neue Flasche Salvator, „jetzt ist mir alles klar!" Als ich im vorigen Herbst auf den Wendelstein kraxelte, fragte ich unterwegs todmüde einen Mann: „Wie weit ift’d noch nach dem Gipfel?" — „Zwoa Stundn!" sagte er. — Danke schön, grüah Gott!" — Rach einer Stunde begegnete mir abermals ein Mann, den fragte ich wiederum. — „Oluf'n Wen- delstoa? Dees san no guat zwoa Stundn!" — Rach einer weiteren Stunde erkundigte ich mich neuerdings. — „Auf'n Wendelstoa? Halt so drei Stundn wen's san!"
Damals konnte ich mir das gar nicht erklären, ober jetzt weiß ich's: der Wendelstoa war einfach gewandert. Ausgekniffen war er vor mir, der Feigling!
2sch führte mir eine neue Flasche zu Gemüt, las weiter in der Zeitschrift und erkannte: Halt, so ist's doch nicht! Rämlich der Wendelstein wandert nordwärts. Richtungspunkt München, und in 25 Millionen 3ahren wird er in München angelangt sein. Auf diesen Schrecken hin mußte 'ch gle ch eine neue Flasche Salvator genehmigen „Um Gotteswillen", dachte ich, „was wird dann aus den dazwischen liegenden Ortschaften? Die werden ja -zerquetscht! Und wenn gar der Wendelstein die Richtung verliert imd wandert ilach Berlin aus, — die Preußen geben den nie mehr heraus! Die sind froh, wenn sie das „Wendeljebirje" haben!
Auf diese fatale Aussicht hm mußte ich sofort wieder ein Fläscherl Salvator trinken, dann kam mir die Sache schon etwas rosiger vor. Eigentlich muß das ganz nett fein, wenn die Berge so in der Geographie herumtippeln! (Guat is er der Salvator!) Wenn man in 25 Millionen fahren aus einen Berg kraxeln will, steckt man einfach die Finger in den Mund und pfeift: „Heda. Zugspitze! Kemma S' amal her, i möcht gern auf Eahna herumkraxeln! Hopla. einfteign!“
Andererseits ist es natürlich peinlich, wenn man in Tegernsee weilt, auf den Wallberg will und die Auskunft kriegt: „Geht heut nett Der Wallberg is heut grab beim Hirschberg zum Kaffee!"
Und wie muh das erst in der Schweiz werden! Wenn da der „Rigi" der „Jungfrau" nachsteigt und der „Mönch" verbittet sich solche Benehim- gung, und das „Finsteraarhorn" bläst die Polizei herbei, — es ist nicht auszudenken! Drum dachte ich s auch nicht aus, sondern trank lieber noch eins.
Und bann wollte ich ins Bett. 3d) ziehe mich aus, schlürfe noch schnell einen letzten Schluck zum Abgewöhnen, — da, denkt euch meinen Schreck: das Bett wanderte!
3ch nehme einen Anlauf (er fiel ein bissel uhr- pendelhaft aus), springe auf das Bett zu, — schwupp, wars schon wieder gewandert! Mir blieb nichts anderes übrig, als meine Hauswirtin zu rufen: „Halten S' das Bett fest, i möcht mckfahrn!"
Und dann schlief ich wunderschön. 3ch schlafe immer so gut mit nüchternem Magen. Aber schad iS doch^ daß ich nicht in 25 Millwnen 3ahren lebe! Denn bann braucht der Münchner nicht mehr auf den Rockherberg zu pilgern, wenn
er in den Salvatorkeller will, nein, dann kommt der Rockherberg zu ihm.
Und das ist im Hinblick auf den Heimweg manchmal recht gut ...
„Wenn dem Esel zu wohl ist ..
Unter diesem schönen Titel läuft zur Zeit im Lichtspielhaus ein Lustspielfilm mit dem beliebten Münchener Komiker Weiß Ferdi in der Hauptrolle. Er produziert sich hier als bayerischer Viehhändler, als Lohengrin, als Don 3of<? auf spanisch, als Trabrennsahrer, Tenor und Jodler. Die Stimmung erreicht den Höhepunkt, wenn er auf Freiersfüßen aus der bayerischen Gemütlichkeit ins Berliner Rachtleben hinüberwechselt und sich nach einer feuchtfröhlichen Abendgesellschaft in der Villa einer leibhaftigen russischen Gräfin toieberfinbet; hier erregt er, von bei am andern Morgen heimkehrenden Besitzerin des Hauses aus süßen Träumen aufgescheucht, eine Schreckensszene und muß nach einer wilden 3agb durch die ganze Wohnung (im gräflichen Rachthemd) vom Ueberfallkom- manbo abgeholt werden. So Weih Ferdi. Seine Partnerinnen heißen Charlotte Ander und Berthe O st y n. Regie führt Franz Seih: Peter K r e u b e r macht mit seiner 3azzbanb bic Begleitmusik. Produktion: Union-Tonfilm in München. — 3m Beiprogramm sieht man u. a. ben Vorspann zu dem Tonfilm „Der Rebell" mit Luis Trenker und eine ziemlich aktuelle Ufa- Wochenschau. —
Erstaunliche Leistungen der modernen Chirurgie.
Die moderne Chirurgie hat in den letzten Jahren einige kühne Operationsmethoden hervorge- bracht, mit deren Hilfe es schon in ganz verzweifelten, eigentlich aussichtslosen Fällen gelang, dem Patienten durch einen raschen und entschlossenen Eingriff das Leben zu retten. So wurde kürzlich m ein Chemnitzer Krankenhaus ein Mann ein» geliefert, der sich mit einem spitzen Messer eine tiefe Wunde im Herzen beigebracht hatte — diese scheinbar unbedingt tödliche Verletzung wurde von Dr. Lot in einer Dreiviertel-Stunde so gut genaht, daß der Patient sich jetzt außer Lebensgefahr befindet. Dieser Fall ist von der Presse viel diskutiert und als ganz einzigartige Gipfelleistung der Chirurgie bezeichnet worden. Run erfordert em derartiger Eingriff in bet Tat ein Höchstmaß an Umsicht und operativem Können, aber ganz so „einzigartig" ist eine berartige Operation doch mcht, denn feit bem Jahre 1896 — in bie-
fem Jahre führte Prof. R e h n in Frankfurt die erste erfolgreiche Herznaht durch — ist bei mehr als 500 Fällen das lebende Herz genäht worden! Rach einer medizinischen Statistik wurde die Herznaht bei 402 Operationen nach Stichwunden in 42 Prozent der Fälle, und bei Schußwunden (133 Operationen) in 66 Prozent der Fälle erfolgreich vorgenommen. Allerdings handelte es sich bei diesen Eingriffen meist um relativ geringfügige Verletzungen, während wirklich schwere Wunden meistens trotz der Operation zum Tode füh- vcm. -- In einem Falle hat aber der berühmte Chirurg Sauerbruch sogar einem Patienten das Leben retten können, dessen Herz mit einem spitzen Messer von vorn nach hinten durchstochen war; und die von Dr. Loth vorgenommene Operation stellt sich dieser operativen Glanzleistung würdig zur Seite.
Zeitschriften.
-„Mutter u n d K i n d." Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. Harz. Vierteljährlich (drei Hefte) 1,65 Mark einschl. Porto. — Das Märzhest wird eingeleitet durch die Wiedergabe der Rede des Präsidenten des Kaiserin Auguste-Victoria-Hauses, Pros. Dr. Langstein, die dieser anläßlich eines Mutterschulkursus in Bersin vor 1500 Teilnehmerinnen gehalten hat. Weiter bringt das Heft einen Aufsatz „Das Kind und der Arzt" von Rechtsanwältin Dr. Fanny Spitzer. Zum Teil illustrierte Beiträge wie „Konsequent sein — ein Grundpfeiler der Erziehung", „Kinder- freundschasten", „Licht-Luftbadpflcge der Kinder" und „Der Schuhmann als Kinderfreund" werden für Eltern und Erzieher anregend und mit Ruhen zu lesen sein.
— In der neuen Rümmer der „Illustrir - t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) gibt u. a. Dr. Manfred Sell eine umfassende Ueberschau über Japans Entwicklungsgeschichte und seine Beziehungen zum Ausland in ben verschiedenen Zeitläuften, eine Ueberschau, die auch für die gegenwärtigen Ereignisse ausschluß» reich ist. — Gert Meyer-Busche schildert das Leben und Wirken deutscher Künstler an der Deutschen Akademie in Rom. — Aus dem Dilder- teil des Heftes: farbig wiedergegebene, stimmungsvolle Gemälde «rs Besigheim von Otto Schwerdtner eine farbige Zeichnung „Wintersport am Feldberg" von Rudolf Lipus, eine Ra- dlerung von H. Kupferschmid und künstlerische Photostudien. — Die jüngsten Ereignisse der in zahlreichen interessante^ Abbildungen festgehalten.
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