Ausgabe 
14.3.1933 Erstes Blatt
 
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Me sie ihn bezwang

Originalroman Don L.Schneider-Zoerstl.

Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S.

22. Fortsetzung. Nachdruck verboten I

Erst war er nur Auge gewesen! Nun wurde er ganz Ohr. Kein Laut war vernehmbar. Er sah nach den heUer'enchleten Fenstern des Palastes und ver­folgte die Schotten, di." dort vorüberwandelten. Ver­schwommen m;? der Holl ferne rauschender Wasser klang die Musik durch die geöffneten Flügeltüren.

Ein Nachtvogel hob sich aus dem Zypressenbaum, an welchen er anoe.'ehnt stand und streifte ihn bei­nahe mit den Flügeln. Dann Schritte einem raschen Impulse folgend, trat er aus dem Schatten in das matte Licht, dos den Park überflutete.War­um verstecken Sie sich, Signorina?"

Den Schal über den Achseln zusammenhaltend, blieb Stephanie vor ihm stehen.Es ist so heiß oben!" 9hr Blick ging dabei nach den Fenstern und blieb dann auf dem Schattenspiele haften, das über den Weg kicherte.Sie werden gesucht", sprach sie mit einem hörbaren Aufatmen. ,,Hören Sie nicht, Baron? Man ruft nach Ihnen!" Und als er nichts erwiderte, drängte sie:Warum antworten Sie nicht?"

Man muß nicht immer antworten, wenn man gerufen wird, Signorina." Sie gehorchte wie unter einem Zwang, als er jetzt, wieder in den Schatten zurücktretend, den Weg nach den deckungs- bietenden Laubgängen hin nahm.Ich habe gehört, daß wir Kollegen sind, unser Gesandter hat es mir gesagt und ich habe Sie doch im Gedächt­nis, vom Tage meiner Ankunft her. Es war wirk­lich brav, was Sie da geleistet haben. Wann steigen Sie wieder auf?"

Sie zögerte, fühlte, daß er dicht an sie gedrängt ging und suchte einen Mfftand herzustellen. Aber der Weg war zu schmal. So streifte Arm an Arm unb löste Schauer um Schauer bei ihr aus. Der eigene Mann umflirtete die Fremde, die er in ihr sah.

Wann steigen Sie wieder auf?" wiederholte er.

Morgen nachmittag!"

Und wohin geht die Fahrt?" Nun war es seine Hand, die über die ihre strich.

lieber die Campagna", sagte sie. Ihr ganzer Ton war Ablehnung.Hören Sie doch!"

Hans Jörg", rief Lehmes Stimme verhallen. Und noch einmal:Hans Jörg!"

Merlin suchte In Steffies Augen und legte den Finger an die Lippen. Sie senkte den Kopf und zog den Schal enger um die nackten Schullern, die weih aus der Seide des Kleides leuchteten. Sie standen in den Schatten der Zypressen gedrückt und hielten den Atem an.

Dann schritt, keine zwei Meter von ihnen ent­fernt, eine Gestalt über den Rasen, stand reglos, horchte, tat wieder einen Schritt und lauschte aufs neue.

Eine Grille zirpte, erschrak und ließ sich nicht mehr hören. Es war jetzt so lautlos still, daß man sogar die Wellen des Tiber gegen die Gartenmauer schlagen vernahm. Tausend und aber tausend waren die Sterne, die über Rom ihr Licht versprühten. Wie güldene Tropfen hintzen sie im Tiefblau des nächtlichen Himmels und zitterten in leisem Beben.

Stephanie vergaß, daß sie dem Manne, der jetzt nach ihren Händen tastete, fremdes Weid war und überließ ihm ihre Finger, die er langsam an die Lippen hob.Süßeste!^ e

Sie stand willenlos gegen chn gelehnt. Um fein Geschenk der Erde hätte sie auf btefe Minute ver­zichten mögen. Die Gestalt auf dem Rasen setzte sich wiederum in Bewegung und ging dem Paläste zu. Erst, als sie dem Blick entschwunden war, sagte Merlin leise:Sie sind ein guter Kamerad. Darf ich morgen mit Ihnen über die Campagna fliegen?"

Nein!"

Nicht?" Eine kleine Pause entstand.Ihre Gründe, Signora, und ich werde mich bescheiden."

Wenn ich mein Leben aufs Spiel setze, so ist es eben nur das meine"

Ach, deswegen!" unterbrach er sie.Sie sind wohl der Ansicht, daß das meine wertvoller ist!"

Wie dem auch fei", wich sie aus.Durch mich soll es jedenfalls nicht gefährdet werden."

D, Sie getreuer Kamerad!" Sie fühlte, wie feine Hand über ihren Nacken streifte. Der Hauch feines Mundes war chren Wangen so nahe, daß sie nur das Gesicht zu heben brauchte, um Lippe auf Lippe zu spüren.

Aber bann rann es urplötzlich wie Schüttelfrost über sie hin, daß sie den Schal hoch über bie Schul­tern zog. In chrem Erinnern flammte der Tag auf, wo sie wie eine Bettlerin Einlaß heischend vor sei­ner Tür gestanden hatte und ihr nicht aufgetan wor­den war. Wort um Wort riß ihr Gedächtnis zu­rück:Was wolltest Du bei mir?"Ich friere", sagte sie zusammenschauernd.

Die Nacht ist ganz warm, Signorina." Das war wieder der leise opott, den sie aus seiner Stimme heraushörte.

Alles in ihr war mit einem Male Auflehnung.

Nie wieder mürbe sie so vor feiner Türe stehen können. Nie wieder!

Eine Nachtigall Hub zu flöten an. Es schien, als schweige ganz Rom, nur um dieses Singen zu Ho­ren. Die Hand vor die Lippen gedrückt, fing sie die Tränen auf, die ihr ungewollt herabperlten. Warum meinen, Signora?" fragte er gütig. Ein einziges Aufschluchzen hatte sie verraten.Einer Nachtigall wegen! Oder ist es um anderes?

Tränen und Lied verstummten zur selben Mi­nute.Ich muß gehen!" flüsterte Stephanie.Man vermißt mich sonst."

Er hielt sie zurück.Aber morgen sehen wir uns wieder! Morgen, beim Flug über die Cam­pagna."

Ohne geantwortet zu hoben, schlüpfte sie an ihm vorbei.

Er folgte ihr langsam und ließ sie nicht aus den Augen. Wo ihre Gestalt vorbeikam, blinkte es schillernd auf. Der Jett ihres Kleides raschelle. Auf der Terasse hielt sie und suchte nach dem Park zu­rück, bog sich über die Brüstung und tauchte den Blick in das Dunkel.

Es war nichts mehr zu unterscheiden.

'21 u[ der Schwelle der Flügeltür, die in den einen der Säle mündete, kam ihr Joe Brandt entgegen. Seine Augen fragten. Ader bie ihren glitten an ihm vorbei:Kann man in der Campagna landen?"

Sicher!"

Er will mit mir fliegen", erklärte sie. Und bann mit einem verzweifelten Lächeln:Ach, Joe, ist es nicht zum Weinen traurig, wenn eine Frau den eigenen Mann so an sich locken muß?"

Er sah sie maßlos erschrocken an.Wollen wir wieder reisen, Baronin? In spätestens einer Stunde sind meine Koffer gepackt." Es war ihm eine Qual, ihren hoffnungslosen Blick zu sehen und eine Erleichterung, daß sie nun die Lider senkte. Ihre Hand emporhebend, legte er sie an seine Wange.

Im selben Augenblick ging Merlin vorbei.

Kein Blick streifte sie. Nur Stephanie war zusam­mengezuckt und griff hilfesuchend nach Brandts Arm, der ihre Hand sorglich zwischen die seinen nahm. Sie müssen etwas zu sich nehmen", bat er.Wir wollen sehen, was es am Büfett zu naschen gibt."

Arm in Arm bahnten sie sich den Weg dahin.

Oehme kam ihnen entgegen, verneigte sich, und sah dann über sie weg zu Merlin, der sich ebenfalls durch das Gedränge schob. Als sie sich gegenüberftanben, fragte er:Wo warst du die ganze Zeit über?"

Im Park." Nicht einmal Spott war in Merlins Stimme. Das machte den Doktor stutzig.

Du wirst doch nicht an bie dumme Geschichte denken?" sorgte er sich.

Die dunklen Augen Jorgs suchten zu ihm empor. Welche Geschichte? Ach!" Sein Blick bekam einen Ausdruck, als erwache er eben:Das hatte ich schon beinahe wieder vergessen. Schließlich, wen geht es etwas an, wenn ich meine Revanche nehme? Sie läuft mir nicht davon. Nur bas eine ist sicher: ich werde nicht so bescheiden fein wie Stephanie."

Hinter ihm splitterte ein Glas zu Boden. Stepha» nies Brokatschuhe bekamen ein paar häßliche Spritzer ab, als der Wein auf das Parkett tropfte. Joe bückte sich und tupfte mit seinem Taschentuch darüber hin.Es ist nicht von Bedeutung, Liebes."

Merlin trat zum Büfett und kam mit einem ge­füllten Kelch zurück:Auf gute Kameradschaft, Signorina. In meiner Heimat geht bie Sage, daß Scherben Glück bringen."

Sie griff darnach und verspürte, als ihre Hände einander nahe tarnen, ein Zittern durch die ihren rinnen. Sie leerte ihn zur Hälfte, lächelte und reichte ihm das Glas entgegen. Ohne Zögern, seinen Blick in den ihren tauchend, trank er ihn zur Neige.

Oehme hatte alles gescheh.Revanche", hatte Jörg gesagt. Nun wußte er, worin bie Revanche bestand. Feindselig blieben seine Augen an der schlanken Gestalt der schönen Römerin hasten.

Was fand Hans Jörg an ihr? War nicht die Frau der Heimat süßer in ihrer Blondheit und gottähnlichen Reine? Und dies hier war eine Kokotte! War eine von jenen, die den Mann um­garnten um des Spieles, der Laune einer Stunde wegen. Und doch!Als sie jetztbuona notte" sagte und ihre Hand sich ihm entgegenstreckte, nahm er sie und führte sie an die Lippen.

Eine Minute später bereute er, lebte sich in einen gemachten Zorn hinein. Alles was Süden hieß, war verderbt. Verderbt das Land, die Menschen, selbst die Natur schon, verweichlicht," entmoralifiert, in Zucht und Sitte gelockert.

Tausend schöne Frauen hatte die Heimat, und die allerschönste meinte auf Ichenhausen. Aber weder sie, noch eine der anderen hatte Hans Jorg zu fesseln ver­mocht. Dieser einen hier blieb dies vorbehallen.

Die ganze Fahrt vom Palazzo zum Hotel, in das sie gegen zwei Uhr zurückkehrten, schwiegen sie. Oehme begab fick sofort zu Bett. Heute noch mit Merlin zu sprechen, wäre zwecklos gewesen. Und außerdem, bis morgen würde der Freund sich wohl auch selbst wieder gefunden haben. Er konnte doch unmöglich von allen guten Geistern verlassen fein. Wenn er schon Revanche verlangte, mußte er sich unter allen Umständen vergewissern, worin dieses Amüsement Frau Stephanies mit ihrem Reitknecht bestand. * (Fortsetzung folgt.)

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Die Trauerfeier findet Donnerstag, den 16. März, nachmittags 2 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt. 0,618

Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß meine innigstgeliebte, herzensgute Frau, Tante und Großtante

Frau Friedericke Schnierle

geb. Steitz

im 72. Lebensjahr nach ihrem qualvollen, mit großer Geduld er­tragenem Leiden gestern, den 13. März, nachts 1 Uhr, sanft und ruhig entschlafen ist

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Friedrich Schnierle.

Gießen (Liebigstraße 41). den 14. März 1933.

Lieferungsvergebung.

Die Lieferung des für Fürsorgeempfän­ger des Wohlfahrtsamts im Laufe des Rechnungsjahres 1933 (1. April 1933 bis 31. März 1934) erforderlichen Schuhwerks für Männer, Frauen, Knaben und Mäd­chen soll im Wege des öffentlichen Wett­bewerbs vergeben werden. 1778V

Verschlossene Angebote auf Lieferung find unter Beischluß von Mustern bis spätestens 25.2När; 1933 bei dem Städti­schen Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2 Zimmer Nr. 17, einzureichen. Für die Angebote sind zwei Umschläge zu verwen­den, von denen der eine das Preisangebot mit der Bezeichnung des angebotenen Mu­sters, während der andere die firmen- mähige Bezeichnung des Anbietenden ent­halten soll. Beide Umschläge sind nur mit einem Kennwort zu bezeichnen. Der Um­schlag, der das Preisangebot enthäll, ist weiter noch mtt dem VermerkPreisange­bot" zu versehen.

_2)te allgemeinen Lieferungsbedingungen können alsbald in Empfang genommen werden. Auch stehen Musterexemplare des zu liefernden Schuhwerks zur Ansicht zur Verfügung.

Gießen, den 13. März 1933. Bürgermeisterei Gießen (Wohlfahrtsamt).

Dr. Sei b.

Die holzoersteigerung

In Leihgestern am 2. d. DL ist geneh­migt. Ausgabe der Abfuhrscheine bei den zuständigen Kassestellen, Ueberwei- sung und 1. Abfuhrtag: Mittwoch, den 15. d. Dl. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 5. April l- I- Bei Barzahlung bis 5. April 1933: 4 v. H. Skonto bei einem Mindestbetrag von 10 RM. an. 178ID

Die Abfuhrscheine über das aus der Hand abgegebene Brennholz sind vom 15. b. Dl. an von den zuständigen Kasse­stellen zu beziehen. Ueberweisung und 1. Abfuhrtag am 15. d. M. Miaus der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeld­schuld am 5. April l. I. Bei Barzahlung bis 5. Aprll 1933: 4 v. H. Skonto bei einem Mindestbetrag von 10 RM. an.

Gießen, den 13. März 1933.

Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus.

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Eine gemeinsame Schädlingsbekämpfung in den Obstgärten kann in diesem Jahre durch die Hauptstelle für Pflanzenschutz nicht durchgesührt werden. Interessenten verweisen wir auf die örtliche Berufsver- tretuna, die nunmehr für diese Arbeiten zuständig ist. 1777D

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