Nr. 292 Zweites Blatt
Mittwoch,!.?. Dezember (935
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus der Provinzialhaupistadi.
Oer Pfennig kommt wieder zu Ehren
Die große Not, deren Beseitigung der unentwegte Kampf der Regierung gilt, hat die Bedeutung des Pfennigs wieder ins rechte Licht gebracht. Alle Läden schmückt das Symbol des Winterhilfswerks: Pfennige, die in eine Büchse wandern. Es wird damit allen Bevölkerungskreisen zum Bewußtsein gebracht, daß es auch auf das kleinste Scherflein ankommt, um das soziale Hilfswerk erfolgreich durchzuführen.
Auch die Post hat eine neue Briefmarke zu einem Pfennig herausgebracht. Dies ist für die Oeffentlich- keit ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, daß die Sparsamkeit in den Amtsstuben wieder ihren Eingang gefunden hat.
Welche nationalwirtschaftliche Kraft kleinen und «inscheinbaren Beträgen innewohnt, wenn sie zum Nutzen des Volkes zusammengefaßt werden, zeigt auch der gewaltige Kapitalfonds von 11 Milliarden, den die deutschen öffentlichen Sparkassen verwalten, und der das Ergebnis eines zähen Sparprozesses weitester Volkskreise ist. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, daß von allen Sparbüchern nicht weniger als 58 v. H. Einlagen von unter 100 RM. aufweisen, und davon wiederum sind mit Einlagen unter 20 RM. nicht weniger als 66,4 v. H.
Gerade bei den Sparkassen zeigt sich also die Bedeutung des Sprichwortes: „Viele Wenig machen ein Viel" in ganz besonderer Weise, da sie am Ende der Inflationszeit mit einigen wenigen Millionen Bestand ihre Tätigkeit beginnen mußten. Gerade heute, wo das Spargut der Nation im Kampf gegen Arbeitslosigkeit durch Ermöglichung von Hausreparaturen und Heroabe von Krediten an den Mittelstand so wichtige Dienste leistet, darf kein Betrag brach zu Hause liegen. Jeder Sparpfennig wird für den Kapitalstrom gebraucht, der erforderlich ist, um die Schlote wieder rauchen zu lassen und Räder und Maschinen in Gang zu setzen.
Auch Du!»
Auch du, dem noch das Jugendfeuer in heil'ger Glut durchs Herze zieht, dem Lebensmut ganz ungeheuer aus seinen hellen Augen sprüht, du trägst die Sehnsucht in der Brust nach Kampf und Ehr' und Siegeslust.
Auch du, dem einst, als er geboren, das Los ein Deutscher ward zu fein, dem tief ins Blut ward eingeschworen ein Wesen, das nur deutsch allein, du mußt für dieses Vaterland entbrennen, wie ein ew'ger Brand.
Auch du, du hast den Ruf vernommen, den unser Führer mächtig sprach, der über eine Zeit gekommen, die krankheitsschwach darnieder lag, sein Ruf tritt hart an dick heran, er fordert deinen ganzen Mann.
Auch du mußt mit in unfern Rechen, mit in der deutschen Jugend stehn, für unser Volk dein Leben weihen, das oroße Reich vor Augen sehn, als Kommende der neuen Zeit, der Freiheit und der Einigkeit.
P.L.
Taten für Mittwoch, 13. Dezember.
1250: Friedrich II. von Hohenstaufen, Römisch- Deutscher Kaiser zu Fiorentino in Apulien gestorben — 1769: der Dichter Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig gestorben: — 1836: der Maler Franz von Lenbach in Schrobenhausen in Oberbayern geboren.
* Verfasser ist ein Hitlerjunge in Gießen.
Abrüstung.
Ja, wir wollen den Frieden. Wir haben abgerüstet. Wir wünschen aber auch die Abrüstung der anderen Völker, die noch mit ungeheuerlichen Kriegsmitteln und gewaltiger Heeresmacht bewaffnet sind. Wir verlangen Gleichberechtigung. Und Freiheit und — Brot!
In diesem letzten Monat setzt nun unsere Aufrüstung ein, nämlich die Aufrüstung in der Ar - beitsbeschaffung! Jeder Deutsche soll sein Brot finden. Der Volkskanzler Adolf Hitler hat große Wege gefunden, die der Not der Arbeitslosigkeit Abbruch tun. Und wir sollten uns bemühen, unserem Führer die edelste Gefolgschaft zu leisten. Wir haben es nicht schwer, die rechte Richtung zu finden. Das hat für uns schon Adolf Hitler getan. Aber wir haben die Pflicht, den einmal gewonnen Lichtblick auch festzubannen. Nur kleine Opfer jedes einzelnen sind nötig, um den Weg zur Arbeit und Brot für alle zu schaffen. Die Reichsleitung der NSDAP, hat eine Geldlotterie für Arbeitsbeschaffung ins Leben gerufen. Für nur eine Mark kann jeder Deutsche zum Wohle des Volksganzen beitragen, und damit steht ihm — wmn er besonders vom Glück begünstigt ist — noch ein ansehnlicher Gewinn in Aussicht. Durch ein Doppellos kann er sogar 200 000 -.Mark gewinnen.
Jetzt heißt es, schnell anqreifen, denn am 29. und 30. Dezember ist schon Ziehung!
Schnee- und Eisbeseitigun" ist pst cht!
Die öffentlich-rechtliche Pflicht zur Reinigung öffentlicher Wege ist durch Gesetz vom 1. Juli 1912 den Anliegern auserlegt worden, und hierzu gehört auch die Beseitigung von Schnee und Eis, ebenso wie das Streuen mit abstumpfenden Stoffen bei Glätte auf den Bürgersteigen.
Nach § 6 des Gesetzes ist es jedoch zulässig, daß der Hauseigentümer durch schriftliche oder protokollarische Erklärung gegenüber der Polizeibehörde mit deren Zustimmung die Bereinigung von Schnee und Eis und das Streuen bei Glätte einer anderen Person — z. B. Hausmeister — überträgt, der alsdann hierzu öffentlich-rechtlich verpflichtet ist. Dagegen genügt es nicht, daß der Hauseigentümer dem Hausmeister lediglich durch Privatvertrag die Ausführung der Reinigung und des Streuens überträgt. Zu beachten ist, daß durch die Uebertragung der öffentlich-rechtlichen Neinigungs- pflicht der Grundstückseigentümer nicht etwa von der privatrechtlichen Haftung für eingetretene Unfälle befreit wird, die infolge mangelhafter Pflichterfüllung des Hausmeisters oder fonftiaer Beauftragter entstehen. Zumindest muß der Grundstückseigentümer eine Kontrolle über die Tätigkeit der von ihm beauftragten Person ausüben, d. h. er muß sich fortgesetzt davon überzeugen, ob diese Person die übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt. Diese Prüfungspflicht entsteht etwa nicht erst bann, wenn sich Zweifel an der Zuverlässigkeit des Hausmeisters ergeben, sondern sie ist nach einem alten Urteil des Reichsgerichts von vornherein gegeben. Diese U^benvachunospflicht bat das Reichsc-ericht im Urteil vorn 22. O’tober 1932 — VIII 231'32 — wiederum betört. Wieweit die Sorgfältig- k e i t sp f l i ch t des Hauseigentümers gebt, ist aus den Senrünbungen dieses Urteils ersichtlich, wo"ach die Bestellung eines zuverlässigen Hausverwalters zur Erfülluna der dem Hauseigentümer obliegenden Pflichten nicht genügt, sondern daß immer wieder eine Ueberwachung ausgeübt werden muß.
ssbein-Ma n Kosender 1934
Das S^aatspresseamt teilt mit: Der z. Zt. in den Buchhandlungen vielgefragte Hessische Berkehrs- kalenber erscheint mcht nvhr. Dafür gibt d»r Lan- besverkehrsverbanb Rhein-Main e. V. den Rhein-
Hoppelpoppel.
Von HanS Fal'ada, GOS.
Es war einmal ein kleiner Junge, ber hieß Thomas. Dem hatten feine Großeltern zu feinem ersten Weihnachtsfest einen kleinen Hunb aus schwarzem Plüsch geschenkt, mit Hängeohren und frechen braunen Augen, eine Art Dackeltier, aber auf Rädern. Und da die Achsen dieser Räder nicht in ihren Mittelpunkten saßen, sondern etwas seitlich, hoppelte und wogte bas schwarze Stoffgeschöpf auf und nieder, als haste es wild und über alle Kraft imaginären Hasen nach. Darum taufte ber Vater den Hund „Hoppelpoppel", und als Thomas etwas älter war und sprechen konnte, akzeptierte auch er diesen Namen. Er liebte den Hund sehr, er mußte immer mit ihm schlafen, er wachte barüber, baß die Eltern nicht nur ihrem Sohn, fonbern auch dem Hoppelpoppel „Gute Nacht" jagten — es war eben eine richtige Liebe.
Nun geschah es, daß Toms Eltern an einen neuen Wohnort verzogen, weit, weit weg. Der kleine Thomas blieb während der Umzugstage bei ber guten Tante „Kunjä" und mit ihm natürlich Hoppelpoppel — wie hätte Tom sonst schlafen können? Nach einer Weile war es bann so weit: Tante Kunjä fuhr mit Tom unb bem Hund zu bem neuen Häuserchen. Auf bem Bahnhof erwartete sie ber Vater, unb ber kleine Tom war so selig unb verlegen über dies Wiebersehen, baß er schnurstracks seinen Kops burch des Vaters Beine steckte und so d-.. absahrenden Zug betrachtete. Dann gingen die Drei Hand in Hand durch den Wald zur Mummi ins neue Häuserchen, und hier war bann ber Mo- nvnt, daß Tante Kunjä angebonnert stehen blieb: „O Gott, nun habe ich doch den Hoppelpoppel in ber Bahn liegen g assen!"
Der Vater machte rasch eine Kopfbewegung unb sagte: „Reben wir nicht bavon. Hier werben so viel neue Eindrücke sein, ,er‘ wirb ,ihn' einfach vergessen." Der Sohn sagte noch nichts, er marschierte stramm auf seinen Beinchen zwischen ben beiben Großen. Hier waren herrlichen Bäume unb Piekse- nadeln, bann kam ein Zwinger mit einem Hunb, bann stanb die Mummi unten auf ber Treppe und hielt die Arme weit auf, unb bann gingen sie burch eine große Tür auf einen großen Balkon, unb da unten war ein langes Wasser, unb nun kam ein Dampfer um bie Walbecke und ein Kahn, zwei Kahn, viele Kähne...
Am Abend mußte ber kleine Junge ins Bett, er war müde unb selig und aufgeregt, aber als ihn die Mutter über die Bettleiter hob, sagte er „Hoppelpoppel!" Der Vater antwortete ernst: „Hop- pelpoppel fährt noch mit der Pussbahn, Thomas,
Hoppelpoppel kommt morgen." — Das Kind sah feine Eltern an, erst sagte es nichts, bann, als das Licht ausgemacht wurde, bat es wieder dringend: „Hoppelpoppel!" „Thomas muß jetzt schlafen", sagte die Mutter streng unb schloß die Tür von außen. Die Eltern standen atemlos unb lauschten: nein, kein Gebrüll, kein Weinen, Stille. „Er wirb sich beruhigen", sagte Mummi. „Aber besser ist, du gehst morgen boch zur Bahn unb machst eine Verlustanzeige." — „Schön", sagte der Mann, „obgleich es keinen Zweck hat. Denn der Zug fährt weiter nach Polen unb bie werben uns grabe einen Hoppelpoppel zurückschicken!"
Am nächsten Morgen machte ber Vater seine Verlustanzeige, bann kym ber Nachmittagsschlaf ... aber nein, es kam fein Nachmittagsschlaf. „Hoppelpoppel!" — Hoppelpoppel kommt balb." — „Nun! Gleich!" — „Thomas muß schlafen." Gebrüll, Wut, aber fein Schlaf unb am Abenb dasselbe. Unb bas neue Häuserchen unb bas viele Wasser unb ber Garten unb ber Hunb unb die Dampfer, alles nichts — Hoppelpoppel! Hoppelpoppel, ein alberner schwarzer Stoffhund, war eine finstere Wolfe am Himmel, nach drei Tagen überhing sie alles.
„Also morgen fahre ich nach Berlin unb faufe einen neuen Hoppelpoppel", erklärte ber Vater ber Mummi. „Vielleicht kriegst du ihn gar nicht?" — „Soll bas bitte hier so weiter gehen?" — Der Vater also fuhr unb fanb schließlich auch seinen Stoffhund, er fanb genau den Hoppelpoppel. Er war lange herumgelaufen, er hatte viel Fahrgeld ausgegeben, aber: „Gottlob, heute nacht wird Tom endlich wieder ruhig schlafen!"
Er war so glücklich über feinen Hund, er hätte am liebsten aller Welt Gutes getan. Da war im Abteil ein Kind, es war ein ganz anderes Kind als ber Thomas, ein bunfles, blasses Kind, es war ein niedriges Kind, es war ein schwieriges, störendes Kind, aber es war ein Kind ... Es saßen noch zwei Herren im Abteil, das hielt den Vater nicht ab, er machte Kuckuck mit bem Kind, er lenkte es ab, aber es half nichts, es blieb ein schwieriges Kinb. Der Vater nahm aus bem Netz das kleine, braune Paket, bas Kinb sah zu, er schnürte langsam bas Paket auf, bas Kinb sah genau hin .. „Was da wohl brin ist?" — Er faltete bas Paier auf, ließ ein bißchen sehen, mehr ... „Hoppelpoppel!", sagte ber Vater ernst. „Wauwau", antwortete bas Kinb selig.
Es wurde nun doch eine sehr gute Bahnfahrt, siehe, ber bicke, brummige Herr in ber Ecke war ein rechter Großvater, er zog ben Hoppelpoppel am Strick auf ber leeren Bank zu sich, Hoppelpoppel hoppelte, ber Vater zog ihn am Schwanz zurück, bas Kinb jauchzte. Manchmal ging eine kleine Sorgensalte über bes Vaters Herz. „Wie weit
Main-Kalender 1934 heraus. Der Kalender zeigt in seinen 52 Bildern ben einzigartigen Reichtum an baulichen unb landschaftlichen Schönheiten dieser unserer Lande um Rhein-Main und Lahn.
Ehrung eines Gießener Geehrten.
Professor Dr. A. I e s i o n e k, ber Direktor ber Universitäts-Hautklinik unb ber Lupusheilstätte zu Gießen, hielt am 6. Dezember zu München bie vierte Otto von Bollinger-Gedächtnisvorlesung über „Anti- tubertuline".
Professor Iesionek bekam dabei bie Bollinger-Plakette überreicht und wurde zum Ehrenmitglied bes ärztlichen Vereins zuMünchen ernannt.
An.iösnnq des Arbeit eberverbandes
Der Arbeitgeberverband für Lahngau.und Oberhessen e. V. ist durch Beschluß seiner Hauptversammlung vom 8. Dezember aufgelöst worden. Zu Liquidatoren wurden bestellt: Bankdirektor Ludwig Grießbauer, Oberingenieur Adolf Kurz, Syndikus Dr. des. Paul Münch.
Äon der Hit et-Jugend.
Die Pressestelle des Oberbannführers der Hitler-Jugend, Oberbann IV/13, teilt uns mit:
Es werden in der letzten Zeit alle mögliche Zeitungen, Zeitschriften unb Blätter für bie Jugend angepriesen ober in ber Öffentlichkeit verkauft ober propagiert Diese Zeitungsbegeisterung ist sogar soweit gegangen, daß selbst einzelne Schulen eigene Zeitschristen herausgeben wollten, nicht von feiten ber Schule selbst, sondern von feiten allzu begeisterter Schulpatrioten.
Die Hitler-Jugend stellt dazu fest: Die größte und heute noch einzig berechtigte Jugendorganisation ist die Jugend des Führers. Eine andere nationalsozialistische Jugendorganisation gibt es nicht. Andere Stellen als bie Hitler-Jugend können keinen Anspruch auf bas Recht nationalsozialistischer Ju- genbarbeit machen. Die einzige amtliche Hitter-
Jugenb-Zeitung ist außer ben Führerzeitschriften ber Reichsjugendsührung unb der Zeitschrift „Junge Nation" (Herausgeber: Baldur von Schirach) nur bie „Fanfare" (Herausgeber: Hartmann Lauterbacher). Die Hitler-Jugend verkauft allein diese Zeitung, die Hitler-Jugend erkennt dieses Blatt allein an, die Hitler-Jugend lehnt alle anderen noch so jugendbewegten Zeitschriften ab.
LZeihnach sspende der deutschen Bäcker
Die deutschen Bäcker werden sich in diesem Jahre an bem Winterhilfswerk bes beutschen Volkes mit einer besonderen Weihnachtsspende beteiligen. Am 1. Dezember 1933 hat Pg. Karl Grüßner, ber Präsident des „Germania Zentral-Berbandes deutscher Bäcker-Innungen", einen entsprechenden Aufruf an bie ihm unterstellten Zweigoerbände unb Fachzeitungen gerichtet. Die Bäcker, die sich in ber Weihnachtszeit einer besonders starken Umsatzsteigerung erfreuen, werden aufgeforbert, bas Winterhilfswerk burch unentgeltliche Hergabe von Weihnachtsstollen unb sonstigem Weihnachtsbackwerk zu unterstützen. Die Einzelheiten bieser Spenbe für bie notleibenben Volksgenossen werben burch bie örtlichen Stellen gergelt werden. Die Ortsgruppen» sichrer bes Winterhilfswerks werben mit ben Obermeistern ber Bäckerinnungen Zusammenarbeiten. Auf biese Weise wollen bie Bäcker bazu beitragen, baß bas Weihnachtsfest auch in ber bescheidensten Wohnung feierlich begangen werden kann.
Keine Weihnachtspakete an Gefangene.
Die Justizpressestelle teilt mit: Um ben Angehörigen unb Bekannten von Strafgefangenen unb Untersuchungshäftlingen unnötige Ausgaben zu ersparen unb um anberfeits eine unnötige lieber» laftung ber Beamten ber Straf- unb Untersuchungsgefängnisse zu Dermeiben, wirb barauf hingewiesen, baß nach ben Strafvollstreckungsoorschriften vom 1. August 1933 bie lleberfenbung von Lebensrnitteln unb Weihnachtspaketen an Strafgefangene unb Untersuchungshäftlinge nicht mehr gestattet ist
DieCinstettung in ben Arbeitsdienst
Wie vor kurzem bereits bekanntgegeben, finden Einstellungen in ben Arbeitsdienst nicht mehr durch die Arbeitsämter ober die einzelnen Arbeitsdienst- abteilungen statt, sondern ab 15. Dezember 1933 nur noch durch die neu eingerichteten
Meldeämter für den freiwilligen Arbeitsdienst.
Der Arbeitsgau 33 Hessen-Nord umfaßt den politischen (Bau Kurhessen, die Kreise Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau, Dillenburg, Wetzlar unb die Provinz Oberhessen bes Freistaates Hessen. In diesem Gebiet bestehen neun Meldeämter, unb zwar:
Kassel I: Obere Konigstraße 291, für bie Kreise: Kassel--->tabt, Kassel-Lanb, Hofgeismar.
Kassel II: Obere Königstraße L, für bie Kreise: Witzenhausen, Melsungen, Fritzlar, Homberg.
C o r b a ch : Briloner Lanbstraße 26, für bie Kreise: Wolfhagen, der Twiste, ber Eder, des Eisenbergs, Frankenberg.
Marburg: Jägerkaserne, für bie Kreise: Marburg unb Ziegenhain.
Fulba: Worthstraße 15, für bie Kreise: Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda, Stabt Hanau unb Land- treis Hanau.
Gießen: Landgra^-Philipp-Platz 6, Nebengebäude für bie Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Büdingen: Mühltor 5, für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten.
Wetzlar: Haussergasse 28, für bie Kreise: Wetzlar, Biebenkopf unb ben Dillkreis.
Jeder, ber in ben freiroilliaen Arbeitsbienst eintreten will, hat sich vom 15. Dezember ab bei bem
fahren Sie?", fragte er die Mutter bes Kinbes. „Bis Neu-Bentfchen. Unb Sie?" — „Oh, ich muß viel früher raus. Ihr Junge wirb den Hund ja bis bahin überhaben." — „Das weiß ich nicht", sagte bie Frau, „wenn er was liebt, bann liebt er es auch richtig." — „Na ja, eine Weile fahre ich ja noch", sagte ber Vater nachdenklich unb ließ Hop- pelvoppel bellen.
Der Vater kramte fein Papier vor, ben Bindfaden. „N m paß auf, jetzt geht Hoppelpoppel schlafen. Das Kind sah aufmerksam zu, als der Hund im Papier verschwand, fing es an zu meinen. „Hop- päpoppä", sagte es klagend. Alle redeten auf das Kind ein, bas Kind meinte stärker, ber Vater sagte: „Ich brauche ihn ja schließlich md)t eingenaeft mit» zunehmen, er kann ihn ja noch einen Augenblick halten..." Das Kinb nahm ben Hoppelvoppel in den Arm, es lächelte, es läch»lte, lieber Himmel! es mar boch ein sehr ähnliches Kinb ...
Der Zug fuhr langsamer, ber Zug fyrlt. „Nun gib b-'m Onk'l ben Hopvelpoppel." Das Kinb hielt bm Hund fest. „Gibst bu —I" „Aussteigen!" — „Du sollst ben Hunb loslassen!" — „Gib mir boch den Waumau, bitte, bitte, ich habe auch einAn kleinen Jungen..." „Sie wollen noch raus? Bitte beeilen!"
Alles ging buedjeinanber, bas Kinb meinte schmerzlich, ber Schaffner schimlle, eine Hand (es war bie Hanb ber Mutter) riß an ber tlammernben Kinderhand, bas Wmnen mürbe lauter, ber Vater stanb brauen mit feinem Hovpelpoopel, er bachte oerroirrt: „Wenn er was liebt, bann linbt er es auch ridjtig..." Der Zug fuhr an, ber Vater riß bie Tür roi^ber auf, warf ben Hunb hinein, ber Zug fuhr schneller, am Abt-ilfenster waren Mutter unb Kinb zu sehen, bas Kind hielt ben Hoppel- povvel...
D"r Mann ging langsam burch ben dunklen Waid nach Haus, er hatte es nicht eilig. W-nn er zu Haus sein würde, würde fein Junge grabe ins Bett aebracht, er würbe bctHn: „Hoppekooppel!" Der Mann bereute nicht, ber Mann schalt sich nicht, er war nur traurig, es war irqenb etwas ruckst in Ordnung auf dieser Welt, irgend etwas stimmte nicht... Dem einen gegeben, daß ber anbere w-ünt —?
Der Mann schloß die Tür auf, oben krähte ber Junge. Der Mann ging langsam unb leise bie Trepve hinauf, er bängte leise ben Mantel fort, er zog seine Hausschuhe an ... schließlich muhte er boch bie Tür cmfmachen.
Da saß fein kleiner Sohn am Tischchen vor feinem Haferbrei, ba stanb ber Hovpelpopnel! Der Hoppelpoppel mit einem fangen, langen Zettel um ben Hals. „Sieh nur, Mann", sagte bie Mummi. Aus bem Zettel stauben viele bahnamtliche Ver-
Melbeamt seines Kreises, in bem er zur Zeit ansässig ist, zu melden. Die Anmeldungen werden wochentäglich entgegengenommen.
Bedingungen für die Einstellung:
1. Lebensalter 17 bis 25 Jahre,
2. Deutsche Staatsangehörigkeit,
3. Sittliche unb körperliche Eignung für ben Arbeitsbienst,
4. Restlose Klarheit über bie Heimatzugehörigkeit, Familie und Person ber Einzustellenden.
Hierüber hat sich ber Bewerber burch schriftliche Unterlagen (Polizeipapiere, SA - ober Stahlhelmausweis, Paß ufm.) einwandfrei ausjitroeifen. Nicht genügende Ausweise machen Nachprüfungen erforderlich und verzögern die Einstellung.
Die Einstellung und U°b"rweisung ber Bewerber erfolgt am 1. eines jeden Monats, wobei zunächst diejenigen berücksichtigt werden, die sich in ber Zeit vom 1. bis 15. bes vorhergehenden Monats gemelbet haben. Zum 1. Januar 1934 können ausnahmsweise auch noch solche Bewerber berücksichtigt werden, bie sich in ben ersten Tagen nach Einrichtung ber Meldeämter am 15. Dezember 1933 melden.
Arbeitsgauleitung 33 Hessen-Nord, Kassel.
Die Gietzener Meldestelle für den Arbeitsdienst hat ihre Büroräume Landgraf-Philipp- Platz 6. Die Büro stunden sind vorläufig tag« l-ch von 9 bis 12.30 unb 14.30 bis 17 Uhr. Samstag von 9 bis 13 Uhr.
Am Samstag. 23. Dezember, unb Mittwoch, 27. Dezember, ist bie Meldestelle geschlossen.
merke, aber ba stanb auch: „Zbaszyn (Bentschcn). Kleine, schwarze Hunb, särr biese, beißt..."
„Kleine schwarze Hund, särr biese..." sagte ber Vater lannfam. Komisch: plötzlich war bie Welt roieber in Drbnung.
Ichthyosaurier z ehen um.
Das Geologische Museum in London wird nun endlich in sein neues Heim einziebcn, das mit einem Kostenaufwand von über 3 Millionen Mark in South Kensington errichtet wurde und fast zwei Monate das Hauptquartier der Weltwirtschatts- konferenz war. Hier nrrbon nun als ständige Bewohner Jchthosaurier, Mammute und andere vorsintflutliche Ungeheuer ihren Platz finden unb die- stn mit Diamanten und anderen Edelsteinen teilen. Der Hauptteil der riesigen Sammlung, deren genaue Zahl nicht bekannt ist, die man aber auf mehrere hunderttausend Stück schätzt, besteht in einer ziemlich lückenlosen Vereinigung ber Gesteinsarten ber Welt, und man findet hier alles, vom kleinm geschliffenen Edelsteinsplitter bis zum riesigen Marmorblock, ber mehrere Zentner wiegt unb besten Beförderung besondere A"varate erfordert. Die größte Vorsicht wird bei ber Uebersührung ber kostbaren Edelsteine angewendet werden. Sie sind vorläufig an einem sicheren Ort untergebracht und werden dort gelassen, bis alle Vorbereitungen für ihre aute Unterbringung aetroffen sind. Der Umzug aller dieser zahllosen S'henswürdigkeiten wird sicherlich das ganze Jahr 1934 in Anspruch nehmen. Su den eig-mllichm Sammlungen kommt noch die B'blioth-st, die 50 000 Bücher, 20 000 Broschür-m, 15 000 Mappen unb 8000 Photographien unstaßt. Erst wenn all diese Dinge nach dem neuen Mu- seumsvalaft aebrocht worden sind, werden die geologischen Schätze b's englischen Volkes zum ersten- mal oollftänbig unb übersichtlich aufgestellt fein.
dochfcbulnodiricftfen.
Aus Grund ber Paragraphen 3 bzw. 6 bes Gesetzes zur Wieberherstellung bes Beristsbeamten- tums sind folgende Dozenten ber Universität Frankfurt a. M. in den Ruhestand versetzt worden: der ordentliche Professor für Haut- unb Geschlechtskrankheiten Dr. med. Oskar Gans; ber Honorarprofessor für soziale Betriebslehre unb Arbeitswissenfchaft Dr. nhil. Ernst Michel; ber Honorarprofessor für Soziakpäbagogik Dr nhil. Wilhelm S t u r m f e l s ; dem Privatdozenten' für Neurologie Dr. med. Walther Niese ist bie Leyr» befugnis entzogen worden.


