Ausgabe 
13.12.1933 Zweites Blatt
 
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Hitler schafft Arbeit!

Weller bewilligte wahnahmen im Arbells- beichaffungsprogramm:

Tagewerke

auf der wah nähme Baustelle

Entwässerung von Grundstücken durch

Dränage Gemeinde R S l h g e » 250

Ackerdrünage Gemeinde Bersrod 460

Ackerdränage in der Gemeind« Allen-

V u f e ck 730

Dumpwerkumbau waipodenstrahe, Her­

stellung einer Verbindungsleitung zwi­schen Waloz-Kostheim und Mainz- fiaffeL Erweiterung der Wasserversor­gung des Krankenhauses in Main; 3600

WmlerhNfswerk Gießen.

Bctr.: Gutscheine A-jRofjfen, Vriketts.

Wir ersuchen um sofortige Einreichung der Scheine

Serie A. Scheine, die bis zum 14. Dezember 1933 auf der Geschäftsstelle Alte Klinik. Liebigstrahe 16, nicht einaercicht sind, verlieren ihre Gültigkeit.

Serie B sind vom bis 19. Dezember 1933 eben­falls daselbst einzureichen. _

gez: Klotz.

ff. d. R. M o h a u p t.

7lS-DolkSwohlfahrt «iehen-Eüd.

Sämtliche Amtswalter haben sich Sonntag, 17. De- zember, morgens 9 Uhr, zur Strahensamm- lung im Hotel hopfeld einzufinden.

Schwalbe. Kassewalter.

Goll ich Schneiderin werden?

Von Ärrufsberaierin Dl F ^aussiq, Arbeitsamt Gießen.

Cs ist für die jungen Mädchen meist lehr einfach I und kein. Sache gründlicher Überlegung, bide Frage zu beantworten. Der Beruf der -chnnderin

ein für das Mädchen besonders geeigneter Beruf, weit es ihn in j e d e r L e b e n s l a g e . w.e die Verhältnisse sich auch gestalten mögen, ausuben kann. Es ist ein Beruf, den man gegebenenfalls auch nebenher, neben der häuslichen oder neben son- über Tätigkeit ausüben kann. Besorgte Eltern un­terstützen diesen Berufswunsch well er auch ihnen für bas Mädchen am zweckmäßigsten erscheint: es ist ein weiblicher und ein ganzr e e Iler, solider Beruf, etwas Festes und <-.cheres, was man später damit in der Hand hat. Kann man denn wissen, ob das Mädchen, auch wenn es sich später verheiratet, nicht doch infolge irgendwelcher Notlagen gezwungen sein wird, einem Erwerb nach­zugehen? Und welcher Beruf läßt sich so gut mit Hausfrauen- und Mutterpflichten vereinbaren, wie der der Schneiderin? Also soll unsere Tochter Schnei- derin werden, dann ist sie für die Zukunft am besten ausgerüstet und gesichert!

Alle diese Ueberlegungen sind zweifellos richtig. Die meisten Mädchen bringen überdies gute Anlagen für weibliche Handarbeiten mit und tun in ihrer Freizeit nichts lieber, als nähen, sticken, stopfen, stricken und so fort. Aber das faßt noch nichts dar­über. ob sie auch zur Schneiderin geeig- netsind. Zur Schneiderin gehört wesentlich mehr, gehört um nur einiges herauszugreifen ein

später wirklich in diesem Beruf halten kann? Er ist stark überfüllt, fo überfüllt, wie kein anderer weiblicher Beruf.Jedes dritte Mädchen will Schnei« derin werden! Don 1800 Mädchen, die Ostern aus der Schule gehen, wollen rund 600nahen lernen. Fragt man aber, wieviele der ausgelernten Schnei« berinnen als Gehilfinnen ihren Beruf wirklich aus­üben können, so würde eine verhältnismäßig kleine Zahl fcstzustcllen sein, wenn statistische Ermittlungen darüber jetzt möglich wären. Diele der Mädchen müs­sen nach Beendigung der Lehre in Stellung gehen, ober auf andere Weise versuchen, ihren Lebensunter­halt zu verdienen, um überhaupt existieren zu ton­nen. Die Berufslage der Schneidennnen ist keines­wegs so ideal, so rosig, wie man meist glaubt. Der Existenzkampf ist innerhalb dieses Berufszweiges zur Zeit ganz besonders hart und schwer. Und die Wenigsten haben davon eine Ahnung.

Die Entscheidung für den Schneiderinnen-Beruf ist also mit einer doppelten Verantwortung belastet:

es darf künftig nur da» Mädchen Schneiderin werden, das fachlich und charakterlich wirklich dafür geeignet und qualifiziert ist.

Neben diese individuell« Verantwortung tritt die Verantwortung für das Schneiderinnen-Handwerk und damit für einen ganzen großen Berufszweig unserer Gesamtwirtschaft: es gilt, diesen Zweig des Handwerks wieder fest und klar gegen alle Halbheiten und Der«

und daß etwa eingehende Pakete an den Absender zurückgeschickt werden müßten.

Kup.erverboi für Pferde.

Don der Landesbauernschaft Hessen-Nassau Haupt­abteilung II (Bauerntammer), Frantsurt a. M. wird uns mitgeteilt:

Mit dem im Neichsgesetzblatt vorn 25. November 1933 veröffentlichten Reichstierschutz-Gefctz hat die Nationalsozialistische Regierung ein Werk geschaffen, durch das den Tieren und insbesondere unseren Haustieren weitgehend Schutz vor Quälereien und Mißhandlungen gewährt wird. Der § 2 dieses um­fassenden Gesetzes enthält insgesamt 12 Verbote, von denen insbesondere das 8. für die Pferdezucht und -Haltung von Wichtigkeit ist: es heißt dort: Verboten ist: 8. einem Pferd die Schweisrübe zu kürzen (kupieren). Das Kürzen ist zulässig, wenn es zur Behebung einer Untugend oder einer Er­krankung der Schweifrübe durch einen Tierarzt unter Betäubung vorgenommen wird." Auch die Einfuhr kupierter Pferde ist nach § 3 des Gesetzes, von besonderen Ausnahmefällen abgesehen, ver­boten. Während die übrigen Bestimmungen des Gesetzes mit dem 1. Februar 1934 in Kraft treten, wird der Zeitpunkt für das Inkraft­treten der Bestimmungen über das Kupieren von Pferden, sowie über die Einfuhr kupierter Pferde durch den Reichsinnenminister ge­meinsam mit dem Reichsernährungsminister noch f e st g e s e tz t werden.

tvornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadt- theater, 19.30 bis nach 22 Uhr,Die luftiae Witwe". Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunstausstellung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die schönen Tage non Aranjuez". NsDAP., Ortsgruppe Gießen-Oft, 20.30 Uhr,Rheingold", Lud- wigstraße 6, Zelle 7, Zellenabend. DAV. Gießen, Burschenschaft der O. Gr., 20.30 Uhr, Germanenhaus.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: heute, 19.30 Uhr, als 10. Vorstel­lung im Mittwoch-Abonnement die OperetteDie lustige Witwe" von FranzLehär. Leitung: Wr ede Eujö Spohr. Der Tenor Adolf Jäger (Frankfurt) als Gast, singt die Rolle des Camille des Rofillon. Operetten-Preife. Ende nach 22 Uhr. Donnerstag, 14. Dezember, Deutsche Bühne Reihe 1: ungerade Mitgliodsnummern:U Boot 116", Schau­spiel von Karl Lerbs unter der Spielleitung von Kurt Lüpke. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Zu dieser Borftellung ist auch freier Kartenverkauf, und zwar zu Tagespreisen.

'Morgen fein Vortrag im Ober- hessischen Geschichtsverein. Der für den morgigen Donnerstag angekündigte Vortrag von Dr. Mi11ermaier im Oberhessischen Gcschichts- verein mußte auf Dienstag, 19. Dezember, zur gleichen Zeit und im gleichen Raume verschoben werden.

E i n Elternabend der VDA. - Schul­gruppe Goetheschule findet je am Donners­tag und Freitag dieser Woche, 20 Uhr beginnend, bet freiem Eintritt statt.

(Jin Lichtbilder-VortragPhoto­sahr t ins Blaue wird vom DHV. am kom­menden Freitag in feinem heim, Lonpstraße, 20.30 Uhr beginnend, veranstaltet. Sprecher ist der Reichs­leiter der Liebhader-Lichtbildnergilden Pg. Carl Seitz (höchst). Anschließend soll die Neugründung der Lichtbildnergilde Gießen vollzogen werden.

* Bon der Canbesunioerfität. Bon der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der ordentliche Professor an unserer Universität Dr. Andreae wird am Donnerstag, 14. Dezember. 17 Uhr c. t., im großen Hörsaal des Borlelungsqcbäubcs feine Antrittsvorlesung halten. Er spricht überNationalwirtschaft und Wirtschafts­theorie.

Eine öffentliche Mahnung der Stadt kaffe zur Zahlung fälliger Verbindlich­keiten ist in unserem heutigen Anzeigenteil enthal­ten. Säumige Zahler feien besonders darauf hin- gewiesen.

"Großer Erfolg de» Ballettmeisters B ä U l k e. Bei einer Veranstaltung des Boten Kreuzes in Darmstadt, in deren Böhmen ein Spiel mit Gesang und Tanz unter dem TitelDas beut- , fche Volkslieb" aufgefübrt würbe, konnte Ballett­meister Ewalb Baulke einen außerordentlichen (Erfolg verzeichnen. Die umfangreichen IanVjenen de» großangelegten Spiels, an dem 180 Mitwir­ke nde beteiligt waren, wurden von Herrn Baulke einstudiert, der am Schlüße der Aufführung itür- misch vor den Vorhang gerufen wurde und durch reichen B ifall und Blumen,penben herzliche flner. fennung fanb. An ber Veranstaltung hatten Ihre Kal. Hoheiten der Großherrog und die Grohherw- ain. ber Erbgroßherzog unb die Erbgroßherzoain. Brigobeführcr Hauer, Standort «-n'ubrer Dr Iver » . Leiter ber Lanbespolizei, und Obert?ärger- meister Dr. Müller als (Ehrenq ihe tetlqenon n laufenbe von Zuschauern hatten sich eingefunden.

Zn den Gießener FaniilienblätLern

beginnt am Freitag, dem -15. Dezember der Abdruck unseres Weihnachtsromans

Oer Giernenbaum ^von Friedrich Schnack

entwicklungsfähiger Gefchmack, Farben- und For­mensinn, gutes Augenmaß, Phantasie, eine gewisse Selbständigkeit im Zusammenstellen und Entwerfen und nicht zuletzt die Fähigkeit, Menschen zu beur­teilen, wie auch Sinn und Verständnis für verschie­dene Wesensarten ber Menschen, bie ja immer^auch in ber SUeibung ihren Ausdruck finden. Die Frage der Eignung für den Schneiderinnen-Beruf ist also gar nicht so einfach zu beantworten, wie die meisten Eltern und Mädchen meinen.

Ls Ist unbedingt erforderlich, sich diese Frage der (Eignung für den Schneiderinnenberuf ganz gründlich zu stellen unb ba;u die betreffenbe Lehrmeisterin unb die Dcrufsberatungs-Stelle heranzuziehen.

Die Schneidermeisterinnen klagen immer wieder darüber, daß die Mädchen nicht ernstlich genug bei der Sache sind, daß sie bie Lehre nicht ernst nehmen, unb es besteht leider zu häufig die Auffassung, nähen lernen das sei etwas, was man so nebenher tun könne, wozu man sich nicht besonders anftren­gen müsse, worin man cs ohne besonderen Fleiß, ohne allzugrohe Ausdauer, ohne besondere Tüchtig­keit zu etwas bringen könne, eben weil dieAnlage" bei vielen Mädchen da fei.

Eine derartige Auffassung vom Schneiderinnen- Beruf ist grundfalsch und Höch st schädlich ür alle Beteiligten, für die Meisterinnen ebenso, wie ür die jungen Mädchen und bas gesamte Schneide- rinnen-handwerk. Wer bie gegenwärtige Notlage der Schneiderinnen auch nur einigermaßen kennt, wird wissen, daß nur diejenige Schneiderin sich in ihrem Beruf durchsetzen unb behaupten kann, deren berufliche Eignung und Fähigkeiten einwandfrei feft- tef)en und die

neben ihremTalent" unermüdliche Ausdauer, großen Fleiß unb besondere Tüchtigkeit ent­wickelt.

Gerade das Schneiderinnen-Handwerk hat jetzt gegen wichtige Konkurrenz-Bestrebungen anzukämpfen ein Tatbestand, der allgemein bekannt ist.

Aber selbst wenn die Voraussetzungen einer guten Eignung für den Schneiderinnen-Beruf erfüllt sind wer bürgt dafür, daß das junge Mädchen sich

Mischungen abzugrenzen. Die berufliche Ausbildung zur Schneiderin ist etwas ganz und grundsätzlich anderes, als die Ausbildung im Nähen, die ein großer Teil aller Mütter und Väter für ihre Tochter anftreben. hier handelt es sich meist nur um ein 21 n lern en. also eine kurzfristige Lernzeit (Kursus) für den späteren Eigenbedarf. Das junge Mädchen soll sich später zu helfen wissen, wenn ein­mal ein einfaches Kleidungsstück oder Wäsche zu nähen ist. Niemand bestreitet bie Notwendigkeit unb die Dringlichkeit einer solchen kurzfristigen Näh-Aus- bilbung des jungen Mädchens! Sie ist von ganz an­derer Art unb bient anberen Zwecken, als bie Schneiderinnen-Lchre. Zweifellos muß es immer auch bie Möglichkeit zu biefer Kursus-Ausdilbung geben. Der Erwerb von Nähkenntnissen gehört zur hauswirtschaftlichen Erziehung ber Mädchen.

Dieses kurzfristige Nähenlernen muh streng von ber eigentlichenLehre" getrennt werden, denn es berechtigt in Zukunft in keiner Meise mehr zur selbständigen Ausübung de» Gewerbe». Ls berechtigt zu nichts anderem, als zur Verwer­tung im Hausgebrauch, für den eigenen Bedarf.

Eine solche kurzfristige Nähausbildung ist jedem Mädch'n zu wünschen, und es ist anzunehmen, daß in nächster Zeit eine Neuorganisation dieses Kursus- Betriebes erfolgen wird.Schneiderin" aber soll nur dasjenige Mädchen werden, das keine Mühen unb keine Opfer an Zeit unb Gelb benn eine brei­jährige Lehrzeit kostet naturgemäß den Eltern ziem- lief) viel scheut und das auf eine systematische Be- rufsausbilbung hin arbeitet. Wenn es nur barauf ankommt, später finanzielle Erleichterungen daburch zu haben, daß er sich feine Kleiber selbst näht, ber kann nicht Schneiderin werden, er ist dort nicht am Platze und wird sich in diesem Berufe weder wohl- fühlen, noch es zu etwas bringen. Auf Tüchtigkeit kommt es aber heute mehr als je an!

Darum prüfe sich jedes junge Mädchen mit den Litern, mit der Meisterin, mit der Berufsbera­tung eingehend unb mit aller Strenge, ob es angesichts der großen Schwierigkeiten indioibu- eller, fachlicher unb wirtschaftlicher Art Schnei- berin werben soll, kann und darf.

"GesteigerteZahlderEheschließun- gen z u Weihnachten. Das Gießener Standes­amt hat in der diesjährigen Weihnachtswoche eine erheblich höhere Zahl von Eheschließungen oorzu- nehmen, als es im vergangenen Jahre vor Weih­nachten der Fall war. Insgesamt sind etwa 30 Paare aufgeboten, bie noch vor den Weihnachts­feiertagen getraut werden wollen. Jrn vergangenen Jahre wurden um die gleiche Zeit etwa 17 Ehe­schließungen verzeichnet. Die Ehestandsdarlehen dürften nicht zuletzt die Ursache für die höhere Zahl der weihnachtlichen Eheschließungen sein.

Sitzung des Provinzialausschus- f e s. Am oamstag, 16. Dezember, 8.30 Uhr begin­nend. findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäu­des zu Gießen, Landgras-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Prooinzialausfchusses, der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesord­nung: 1. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Alchaf- fenburg-Stabt gegen ben Lanbesfürsorgeoerbanb Dolksstaat Hessen, oertr. burch ben Bezirksfürsorge­verband Kreis Friedberg, auf Erstattung von Für- lorgcaufrocnbungen für Artur Cichenbaum aus Reullingen. 2. Klage des Bezirkssursorgevcrbandes der Stadt Gießen gegen den Landesiürforg verband Dolksstaat Hessen, oertr. durch den Bezirksfürsorge, verband Kreis Friedberg, wegen Erstattung von Für- sorgeauswendungen für Hermann (Berner aus Die- dach 3 Klage des Preuß. Beyrfsfürforgeoerbanbes des Landkreises Wetzlar, oertr. durch den Bürger­meister zu Wetzlar, gegen den Hess. Bezirksfürsorge- verband Kreis Friedberg auf Erstattung von Krankenhauskosten für den Melker Friedrich Lück aus Gronau.

Der zahme Fuchs fand ein unrühm­liches Ende. Dom .Hubertus", Verein weid- gerechter Jäger, Sitz Gießen, wird uns mitgeteilt: Unsere NotiH vom vergangenen Samstag über das Enttarnen eine» zahmen Fuchses bat außerordent- l'ches Interest« gefunden Zahlreiche Personen, vor allem Forst- unb Jagdschugbeamte. haben sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Nach­

forschung gestellt. Leiber ist bie Mühe umsonst ge- wcs'n. Das wertvolle Tier hat in einer Scheune in Leihgestern am Sonntag ein unrühmliche» Ende gesunden.

* Die Ziehungslisten ber Verlosung bes Reichsbundes ber Kinberreichen Deutschlands zum Schuhe ber Familie, Orts­gruppe Gießen, bie am 9. Dezember ftattfanb, finb in ben auf den Losen verzeichneten Geschäften ein- Zusehen. Die Gewinne bestehen ntir aus Gutscheinen für hiesige Geschäfte, bie bis zum 1 Februar 1934 by dem ersten Vorsitzenden P. Schäfer, Gießen, Hillebrandstraße 14, abzuholen sind.

Inbetriebnahme des neuen Frei­burger Senders. Die Pressestelle ber Ober- poftbireftion Frankfurt a. M teilt mit: Der neue auf 5 kW verstärkte Bunbhmffcnber Freiburg (Breisgau) wird voraussichtlich am 20. Dezember im Gleichwell-nbetrieb mit Frank'urt a. M auf Welle 1157 kHz 259.3 m in Dienst gestellt werden. Um bie Bunbfunfteilnehmer an den Ü bergang auf bie neue Welle zu gewöhnen, wirb ber bisherige Freiburger Sender auf feiner alten Welle 527 kHz 6569 m noch bis 14. Januar 1934 neben dem neuen Sender in Betrieb bleiben.

Schwurgericht Gießen.

Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Heid verhandelte das Schwurgericht gestern gegen den Heinrich B. aus Hersfell) unb bie Erna W. aus Lauterbach, benen die Anklage je ein Verbrechen des Meineids zur Last legte. Die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. Wodaege, als Verteidiger fungierten die Rechtsanwälte Dr. Meufer unb Becker. Die Sitzung fand unter Aussckstuß der Oeffentlichkeit statt

Die beiden Angeklagten sagten in einem vor dem Amtsgericht Lauterbach schwebenden Alimentation»- prozeß wissentlich falsch aus. trotzdem sie gesetz­mäßig von dem damaligen Richter auf die Heilig' feit und Wichtigkeit des Eides aufmerksam gemacht wurden. Die gestrige Beweisaufnahme ergab, baß

bie falsche Aussage bie Erhaltung eines Unterhalts- anspruchs der W. gegen ben Zeugen R. bezwecket, sollte.

Der Vertreter der Anklage beantragte gegen beide Angeklagte eine Zuchthausstrafe von je IV, Jahren und Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren. In feinem Plädoyer betonte er, daß gerade die heutige Zeit dazu angetan fei, die Heiligkeit unb Wichtig­keit bes Eides zu unterstreichen.

Nach längerer Beratung erkannte das Gericht gegen bie Angeklagten auf | e 1 2 ah r Zucht« paus unb Aberkennung der bürgerlichen Ehren« rechte auf die Dauer von 3 Jahren.

Amtsgericht Gießen.

Ein Zimmermann aus Trohe erhielt einen Straf« befehl über 3 Mark, weil er am 25. September gegen 19.30 Uhr auf einem Rad ohne Beleuchtung eine Ortsstraße in Trohe passierte Der Angeklagte legte gegen ben Strafbefehl Einspruch ein. Ent- fpredjenb bem Antrag bes Amtsanwalts verurteilte ihn bas Gericht zu ber im Strafbefehl festgesetzten Strafe. Außerdem trägt ber Angeklagte bie Kosten bes Verfahrens.

Baumwarte Tagug in Lich.

DieVereinigung der Baumwarte im Kreise Gießen hielt am Sonntag in Steins Saalbau zu L i ch ihre diesjährige Jahresschlubver« fammlung ab, zu ber sich sämtliche Mitglieder finge- funben hatten. Der Obmann, Baummart W. Kopf II. (Bellersheim), gab feiner Freube darüber Ausdruck, daß die neue Regierung alles für bie Förderung des Obstbaues tue.

Diplom Gartenbauinspektor Rentfch (Friedberg), der Leiter der DbftbauinfpeNion IV, Friedberg-Gie­ßen, berichtete über die Versuchs-Sommerspritzungen, die in diesem Jahre in verschiedenen Baumanlagen der Kreise Bübingen, Friebberg unb Gießen durch­geführt worden waren unb bei denen sich vor allein Kupser-Wacker als besonders wirksam erwiesen habe. Ein durchschlagender Erfolg sei jedoch nur bann zu erzielen, wenn alle Baumbesitzer die Sommerbchand- lung planmäßig oornähmen, da sonst binnen Kurzer Zeit bas Heer der tierischen unb pflanzlichen Schad- finge immer wieder die bespritzten Bäume von neuem verseuche. Deutlich konnte ber Redner diese Tatsache an Hand von Versuchen, die im Obst­garten der Lehranstalt für Obstbau unb Lanbwirt« schäft zur Durchführung gelangt waren, feststcllen.

Einen breiten Raum nahm die Besprechung über bie vorgesehenen Baumpflegearbeiten im Rahmen bes Arbeitsbeschaffungsprogramms ein. Die Pflege- Maßnahmen werben als Notstandsarbeiten zu 75 v. H. vom Reiche finanziert, wahrend die Beftiumme von den Baumbesitzern aufzubringen ist. Da die no­tigen Verordnungen in Bälde erlassen werden, sind schon jetzt bie nötigen Vorarbeiten zu erledigen Bad) dem Wunsche ber Versammlung soll bie Kommllsioa, die die Baumruinen und Baumkrüppel zu bezeichnen hat, möglichst nicht aus einheimischen Sachver­ständigen bestehen. Die Arbeitskolonnen unter Füh­rung eines tüchtigen Baumwarts sollen höchstens fünf Arbeitskräfte umfassen.

Auch in diesem Winter soll durch gemeinsamen Bezug von Dbftbaumtarbollncum die Durchführung der Winterspritzung gefördert werden. Um Schädi- gungen durch mehrjährige Spritzungen zu vermei­den, soll alljährlich nur ein Drittel des Baumbestan­des mit Dbftbaumfarbolineum behandelt werden. Be­sonders bei Steinobst machen sich sonst Störungen im Wuchs unb Austreten von Bleichsucht bemerkbar. Der übliche Zuschuß bei der Anschaffung von Rücken« unb Karrenspritzen wird nur noch bis zum Jahres« tnbe gewährt. Bei ber Gewährung von Beihilfen zu Neupflanzungen soll mit allen Mitteln auf Lor­tenoerminderung hingearbeitet werden, doch sollen dabei immer die feststehenden neueren Ergebnisse ber Befruchtungsoerhältnisse Berücksichtigung finden. Von befonberer Bedeutung zur Erreichung rentabler Verhältnisse im Obstbau sei auch eine richtige Wur- zelpflege, unter der nicht nur das Graben non Baumscheiben, sondern vor allem auch eine reichliche Düngung mit Kalk, Kali und Superphosphat zu oer- stehen sei.

Die Erledigung verschiedener interner Vereins- angelegenheiten bildete ben Abschluß ber Tagung.

Tagung der Landesführung Hessen des jieoets.

WSN. D a r m ft a b t, 10. Dez. Jrn Rahmen einer zweitägigen Tagung ber fianbesführung Hessen bes 91 S D St B. (Nationalsozialistischer Deutscher Stubentenbunb) fanb heute mittag im Hessischen Landtag ein Festakt statt, zu dem sich Vertreter der hessischen Regierung, der Partei, SA., SS., HI., BbM, der Frauenschaft, ber Rektor ber Technischen Hochschule Darmstadt, ber Kanzler der Universität Gießen, bie Direktoren unb Rektorinnen sämtlicher hessischen höheren «chu- len, sowie sämtliche Gruppenführer ber Hoch- unb Fachschulen eingefunben hatten Nach ber Begrü­ßung burch ben Vorsitzenben ber Studentenschast Käfer sprach der Canbespreffeleiter Karl August Weber über ben positiven Willen ber Studenten­schaft, an ihrem Ort am ständischen Aufbau des neuen Reiches mitzuarbeiten Anschließend svrach ber Lanbessuhrer bes NSDStB Friedrichs W a I cher über Sinn unb Aufgabe des NSDStB. In programmatischen Ausführungen behanbelte er Ins« befonbere das Problem ber Kameradfchaftshäufer und die Erziehungsaufgaben an der kommenden studentischen Generation im Sinne des National« sozialismu». Die Kundgebung schloß mit iöuslüb- rangen des Kreisleiters Zürtz, einem dreifachen Sieg Heil auf den Führer unb mit dem Gesang de» Horst-Wessel-Liedes.

Buntes Allerlei.

(schlesische Ärandopser-Töpse.

In vielen schlesischen Städten ist man bei Gra« bringen ober Kellerarbeiten auf sog. Branbopfer« Töpfe gestoßen, über bie Plüschke in der Zeit« fchriftGermanien berichtet. Die Töpfe, die au#» außen rohem, innen gelb- oder bräunlich-glasiertem Ton bestehen, haben stet» angeschlagene Deckel ober wenigstens eine Deflnung am Bobcn. Es soll da­durch nach uraltem Glauben den Hausgeistern Ge­legenheit gegeben werden, den Inhalt der Töp'e auszuschlürfen Man baute nämlich diefe Töpe nach ben großen Etabtbränbm als Dpferqabe für die Hausdämonen mit ein, denen man auf diese Weise bas Wohl bes Hauses anempfahl. In Lieg« nitz fanb man in einem solchen Topf eine kleine Zinnkanne, die nach ber M istermarke unb Iah« reszahl barauf hinweist, daß ber Topf in den letzten beiden Jahrzehnten des 15. Jahrhundert» in bem Haus beigesetzt wurde. Mit diesen uralten Bauaabcn wollte man ben Hauskobolben Trunk unb Nahrung liefern, damit sie dann zum Dank