einen Vorwurf zu machen: Er hat nach dem Men- schenflug gestrebt wie viele andere nach ihm auch, und er hat zweifellos an seinen Erfolg geglaubt, sonst hätte er den ersten Versuch nicht in Gegenwart des Königs geplant. Es ist immer eine große Sache, wenn sich jemand an ein ganz neues Gebiet heranwagt, und es ist noch größer, wenn er sein Leben daran setzt, die Richtigkeit seiner Gedanken zu beweisen. Beides hat der Schneider von Ulm getan: Er ist in seinen Gedanken seiner Zeit weit vorausgeeilt, und schon aus diesem Grunde gebührt ihm das Denkmal, das man ihm als einem der Wegbereiter der Luftfahrt nunmehr setzen wird.
Oas Telephongespräch auf der Schallplatte.
Vor einer Reihe von Jahren schon ist durch die Schaffung des Telephons versucht worden, das Telephongespräch beweiskräftig zu machen, ihm einen dokumentarischen Wert zu geben. Die Wachs' Zylinder, die dabei zur Verwendung kamen, hatten jedoch eine Anzahl empfindlicher Mängel, dazu war das Gerät sehr kostspielig. Schon allein dadurch wurde die allgemeine Einführung des Telephons illusorisch. Inzwischen ist der Gedanke, etwas Brauchbareres und trotzdem Wohlfeileres zu schaffen, unablässig weiter verfolgt worden. Aus diesen Bemühungen heraus entstand jetzt der Teleskriptor, eine Vorrichtung, die das Problem in geradezu verblüffender Weise vereinfacht. Es handelt sich um einen kopfhörerähnlichen kleinen Apparat, der mit einem Bügel über den Kopf gelegt wird, so daß man den Teleskriptor während des ganzen Tele- phongespräches am Ohr hat. Den Hörer des Fern- sprechgerätes hält man gegen die Muschel des Tele« skriptors. Vom Teleskriptor läuft eine Zuleitungs- schnür über eine Taschenlampenbatterie zu den Grammophonbuchsen eines Rundfunkgerätes, wo eine erhebliche Verstärkung der Sprachlaute stattfindet. Schließt man an den Radioapparat ein Schallplattenselbstaufnahmegerät an, dann überträgt sich das ganze Telephongespräck, Rede wle Gegenrede, auf die Platte. Diese dokumentarische Auszeichnung läßt sich mit Hilfe eines gewöhnlichen Schallplattenapparates beliebig oft wiederaeben. Mit der Erfindung des Teleskriptors erhält das Telephongespräch dokumentarischen Wert.
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Auto -Schönheitswettbewerbe — wie sie sein sollten!
Von einem bekannten Herrenfahrer und Sports- mann wird uns geschrieben: „Schonheltswettbewerbe sind in schlechten Ruf gekommen, well nicht immer ehrlich gerichtet und von Veranstaltern und «chieds- richtern vor dem Ruf und der Große einzelner Fabriken und Fabrikate Kotau gemacht wurde. Gelegentlich des ADAC.-Schönheitswettbewerbs in Swinemünde wurde durch prominente Vertreter der Prelle einwandfreie Schönheitswertung durchgeführt bei welcher die Herren nicht nur auf Form- schänheit, Stil und Karosseriekultur achteten, son- bern Dinge werteten, die für den Fahrzeugbesitzer besonders wichtig sind. So wurde z. B. die Be- quemlichkeit des Ein- und Ausstiegs gewertet, ebenso die Zugänglichkeit zum Werkzeug und Bequemlichkeit und Sauberkeit beim Abziehen und Aus- wechseln des Reserverads. Diese für den Privatfahrer mit entscheidenden Fahrzeug-Komforlbedin- gungen mit zu werten, ist ausgezeichnet. Meine Anregung aber geht weiter: Bei künftigen Schönheitswettbewerben möge auch -darauf geachtet werden, daß Oelnachmessen und Oelnachfüllen nicht zwangs- läufig schmutzige Finger oder ölbesudelte Handschuhe, Iakettärmel usw. zur Folge hat. Entschei- benber Wert mag bei Tourenwagen mittlerer Gröhe und bei großen Tourenwagen darauf gelegt werden, daß vier- und mehrsitzige Wagen nicht lediglich zwei Kleinkoffer in ihrem Autoaußenkoffer eingebaut haben, sondern daß der viersitzige Reisewagen allen vier Wageninsassen die Mitnahme des notwendigen Reisegepäcks — je eines Koffers — gestattet. Wagen mit eingebautem Wagenheber, der die schmutzige Handbedienung eines Oeldruck- oder onstigen Wagenhebers vermeidet, sollten bei Schönheitswertungen stets bevorzugt werden, denn dem eingebauten Wagenheber gehört die Zukunft. Schönheitswettbewerbe sollten nicht nur dazu da sein, dem Kur- Publikum eine Auto- und Modenschau zu bieten, sondern sie sollen auch dem Karosserie- und dem Autokonstrukteur Anregungen geben. Bleiben Re- formbeftrebungen nach Einstieg, Radwechsel, Del- meß- und Oelsull-, Koffer- und Verdeckmontage (bei Kabrioletts) unberücksichtigt, sind Schönheitskonkur- ßenzen sportlich wie technisch wertlos."
|l weiter, wie dies seitber r yandelsobjekt gelten, esteikten Zieles ist die Mit- rnzenloses Vertrauen zu dem ohDenbigfcit Die Saatbau- Bauernkammer können an esten Mitarbeiten, wenn sie lonalsozialistischen Grundsatz geht vor Eigennutz". > t „Sieg-Heil" auf den Volks- und den Reichsernährungs- uernführer DarrS, in das ' stell einstimmten, wurde die r Saatbaustellen der hessi- eMosten.
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hetzenden Hvmaltzaui - >n Asches — erblicken wir Wassermanns, das als Tier- ist. Zwischen dem Pegasus ahlt das kleine und deshalb Sternbild des Delphins, icfjer der Sonnenmittelpunkt, mb zwar 1 Minute nach 13 3er in südlicher Richtung, und tu 24 Stundenzahlen ran Miner* >y Mitternacht ein« lagu enl- , Kreü und die dick punWwrw ttr «genannte HoriMTU. «»;
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Werkstoff Aluminium.
Neues vom weißen Metall.
Wern von uns ist es bekannt, daß Aluml- Ui um den Grundstoff eines großen Teiles unserer Edelsteine bildet! Der wertvollste Edelstein nach dem Diamanten besteht aus Aluminium: der Ru- b i n. Verhältnismäßig bekannt dürfte die Tatsache fein, daß Deutschlands Stolz, der Zeppelin, zu 80 o. H. aus einer stahlfesten Alumimumlegie- rung besteht I Vor einigen Tagen hörten wir, daß in Birmingham die erste A l u m i-n i u m poft» karte aufgegeben worden ist, die fast ebenso leicht ist wie Papier, sich nicht rollt, nicht so leicht zer- reißbar ist, niemals vergilbt und deren Herstellungskosten äußerst gering sind. Kochtöpfe und Kochgeschirr aus weißem Metall — aus Aluminium — sind heute Stolz und Freude jeder deutschen Hausfrau. Die Hauptoorzüge liegen in der größeren Haltbarkeit, der Unempfindlichkeit gegen schroffen Temperaturwechsel, der geringen Empfindlichkeit gegen Stoß und Fall und nicht zuletzt in dem geringen Verbrauch an Brennstoff. Seitdem es Alu- miniumtöpse mit Jsoliergrisfen gibt, fällt der Hebel- stand des Heißwerdens der Griffe fort. Dank der Uederlegenheit des Aluminiums ist Aluminiumgeschirr zu einem unentbehrlichen Inventarstück im Haushalt geworden, zum idealen deutschen Kach - gerät.
Dieses Metall, das zu einem der lebenswichtigsten Metalle in der Weltwirtschaft geworden ist, kann mit Recht als deutsches Metall be- zeichnet werden. Denn ein Deutscher ist es gewesen, der vor mehr als 100 Jahren (1828) zum erstenmal Aluminium hergestellt hat: Friedrich Wöhler. Die Gewinnung im großen war erst möglich, als sich die moderne Elektroindustrie entwickelt hatte, die die außerordentlich hohen Strommengen liefert, die zur Herstellung des Aluminiums erforderlich sind.
Oer Schneider von Kim erhält ein Denkmal.
Von Bertha Berdlinger
Nachdruck verboten!
Durch die Zeitungen ist die Nachricht gegangen, daß man dem Schneidermeister Albert Ludwig Berdlinger ein Denkmal in Ulm fetzen will, das im September enthüllt werden soll. Dieses Denkmal soll ihm nicht für seine Verdienste um das edle Schneiderhandwerk gesetzt werden, sondern zur Erinnerung an einen freilich mißglückten Gleit- slug, den er Ende Mai des Jahres 1811 unternommen hatte, also schon fast hundert Jahre vor der Zeit, ehe man wirklich fliegen konnte.
Albrecht Ludwig Berdlinger war in Ulm als Sohn des Zeugamtsknechtes Albrecht Ludwig Berd- Itnger am 25. Juni 1770 geboren, dessen Ahn, der Sproß eines Pfarrers Berdlinger in Lörrach in Baden, im Jahre 1678 das Bürgerrecht in Ulm erwarb. Albrecht Ludwig der Weitere starb schon 1783 und hinterließ seiner Frau, einer geborenen Finkin aus Temmenhausen, große Geldsorgen und sieben Kinder. Die drei Jüngsten, Albrecht Ludwig mit 13, Daniel mit 10 und Zacharias Ludwig mit 9 Jahren, tarnen in das Funden- oder Waisenhaus. Für die übrigen vier Kinder bekam die Wittib einen sehr bescheidenen Zehrpfennig von der Stadt. Den Knaben wurde der Beruf vom Waisenhaus gewählt. Schon ein Jahr nach des Vaters Tode kam Albrecht Ludwig zu einem Schneider in die Lehre. Daniel wurde Nagelschmied, Zacharias Binder.
Albrecht Ludwig wurde dann Schneidermeister in Ulm. Er vermählte sich im Jahre 1792 mit Anna Scheisselin, die ihm sechs Kinder schenkte. Es ging aber der Familie Berdlinger nicht gut, denn wie das so oft der Fall ist, wenn einer seinen Beruf nicht nach eigener Meinung wählen darf, so war es auch bei Berdlinger. Seine Gedanken waren weniger bei der edlen Schneiderei als bei allem, was Technik heißt. So beschäftigte er sich denn mit dem Bau von Schlitten und allerlei anderen schönen Sachen; im Jahre 1809 machte er eine Eingabe an den König von Württemberg, die von ihm erfundenen künstlichen Glieder in der Zeitung anzeigen zu dürfen. Dann aber wandte er sich wieder einer
Aus Natur und Technik.
Deutschland steht an der Spitze der europäischen Aluminiumerzeugung. Noch gewinnen wir Aluminium aus Bauxit, das aus Dem Ausland kommt und im Jahre 1932 einen Einfuhrwert von 4.8 Millionen RM. erreichte. Allerdings spielt im Wert des Aluminiummetalls der Bauxit mit etwa 4 v. H. nur eine untergeordnete Rolle. Aber bald brauchen wir nicht mehr auf den ausländischen Grundstoff zurückzugreifen. Praktische Versuche haben ergeben, daß wir aus dem gewöhnlichen Lehm in Deutschland fabrikmäßig das weiße Metall Herstellen können. Damit wirk) Aluminium ein Erzeugnis rein deutscher Arbeit aus deutschem Rohstoff.
Es sollte daher die Pflicht eines jeden Deutschen (ein, an dem weiteren Ausbau und der weiteren Einführung des deutschen Metalls mitzuarbeiten. Dies gilt vor allem für die stärkere Verwendung als Leitungsmaterial. Beim Bau von elektrischen Ueberlanöleitungen (Freileitungen) kann Aluminium an Stelle von Kupfer verwandt werden. Das bedeutet, daß dadurch unser Kupferverbrauch weitgehend entlastet werden kann, wir also weniger Kupfer aus dem Ausland einführen müssen und damit in der Selb st Versorgung wieder einen Schritt vorwärts kommen. Dr. v. B.
Oer Siegeszug des Dieselmotors.
Auch in England gehen jetzt die Eisenbahnen zum Bau von Dieselmotor-Lokomotiven über, da beim Diesel-Motorantrieb gegenüber dem Dampf-Motor-Prinzip eine beträchtliche Betriebsstoffersparnis erzielt wird. — Unser Bild zeigt die neueste englische 40-t-Lokomotive, die mit Dieselmotoren ausgerüstet ist (rechts) an der Seite einer gewöhnlichen Schnellzuglokomotive.
Au den Grenzen der Welt.
Astronomie des Unsichtbaren. — Oie Wunderwelt der Spiralnebel.
13on Or. Erwin Kossinna
Vor kurzem zeigte der amerikanische Astronom Edwin Hub b le in einem an der Universität Princeston gehaltenen Vortrag als eins der neuesten Ergebnisse der astronomischen Forschung die photographische Aufnahme einer Gruppe von Spiralnebeln, die sich in einer Entfernung von rund 300 Millionen Lichtjahren von unserer Erde befinden. Es sind dies die fernsten Himmelsobjekte, die wir kennen, und die Photographie zeigt uns diese Spiralnebel so, wie sie vor 300 Millionen Jahren ausgesehen haben, als sich nach der Berechnung der Geologen die großen Steinkohlenlager auf der Erde bildeten. Wir wissen aus der Beobachtung der nächsten und hellsten Spiralnebel, daß sich diese Sternsysteme in rascher Rotation befinden und die Materie dabei aus dem Kern in die Spiralarme strömt. Allerdings sind die Umlaufszeiten ungeheuer lang und betragen gewöhnlich mehrere Millionen Jahre, aoer im Vergleich zu der nach Tausenden von Lichtjahren zählenden Ausdehnung jener Sternsysteme sind sie kurz zu nennen. Während des langen Zeitraumes, den das Licht von den fernsten Objekten bis zu uns unterwegs ist, muß sich daher das Ausdehnen der Spiralnebel wesentlich geändert haben.
Hubble schätzt die Gesamtzahl der Spiralnebel, die innerhalb einer Distanz von 300 Millionen Lichtjahren liegen, auf nicht weniger als 40 Mil- lionen! Jeder von ihnen ist ein Sternsystem wie unsere Milchstraße, jeder eine Zusammenballung von Millionen ober Milliarden glühender Gas- bälle, die in den Tiefen des Weltalls leuchten. Sehen wir steil auf die Drehungsebene eines solchen Nebels, so erscheint er uns als spiraliges Gebilde von oft geradezu überraschender Schönheit der Form, wie beispielsweise der berühmte Spiralnebel in den Jagdhunden. Fällt unser Blick dagegen seitlich auf die Kante, so sehen wir eine schmale Spindel mit verdichtetem Kern und einzelnen hellen Lichtknoten sowie dunklen Streifen, die von erkalteter, lichtabschirmender Materie herrühren.
Wie ist es möglich, die enormen, völlig unvorstellbaren Entfernungen der Spiralnebel xu bestimmen? Eine genaue Messung ist natürlich aus- geschlossen. Aber die Natur hat uns ein wunderbares Hilfsmittel gegeben, das uns ermöglicht, solche Entfernungen mit einiger Sicherheit abzuschätzen. Bei einer gewissen Klasse von veränderlichen Sternen steigt die Leuchtkraft gesetzmäßig mit der Länge
der Periode des Lichtwechsels. Sie werden nach ihrem typischen Vertreter Delta im Sternbild des Cepheus als Cepheiden bezeichnet. Ein solcher Stern mit bekannter Periode kann gewissermaßen als Nor- malkerze betrachtet werden. Seine scheinbare Helligkeit gibt uns demnach ohne weiteres ein Maß für eine (Entfernung von der (Erbe. Nun ist es Hubble auf dem Mount Wilson-Observatorium in Kalifornien. bereits vor mehreren Jahren gelungen, die nächsten Spiralnebel wenigstens teilweise in einzelne Sterne aufzulösen unb babei zahlreiche Cepheiden zu entdecken, deren Periode unb Leuchtkraft bestimmt werden konnten. Aus dem Vergleich der Helligkeit der Cepheiden in den Spiralnebeln mit denen unseres Sternsystems ergab sich der Abstaad der nächsten Spiralen, nämlich des mit freiem Auge ichtbaren Andromedanebels und des Nebels im Triangel zu knapp einer Million Lichtjahren.
Es hat sich ferner gezeigt, daß die absolute Ge- samthelligkeit der Spiralnebel sich im allgemeinen nicht allzuweit von einem mittleren Wert entfernt, der bei rund 100 Millionen Sonnenhelligkeiten liegt. Die in einer Spirale vereinigten Sterne strahlen hiernach durchschnittlich 100 miUionenmal soviel Licht und Wärme aus wie unsere Sonne. Für die Nebelhaufen, die zuweilen Hunderte von Spiralnebeln umfassen, bildet demnach die scheinbare Helligkeit der einzelnen Nebel ein Maß für die (Entfernung des Nebelhaufens. Mittels dieser Methode fand der deutsche Astronom Bade den Abstand des 60 Spiralen umfassenden Nebelhausens im Sternbild des Großen Bären zu mehr als 100 Millionen Lichtjahren. Wohl nie wird ein menschliches Auge diese außerordentlich schwachen Himmelsobjekte direkt im Fernrohr sehen können. Nur die photographische Platte mit ihrer Eigenschaft, auch die allerschwächsten Lichteindrücke mit der Zeit zu summieren, gibt uns Kenntnis von jenen fernen, unsichtbaren Welten.
Das Merkwürdigste an den Spiralnebeln ist aber die Tatsache, daß sie sich — von einigen wenigen in der Nachbarschaft der Milchstraße abgesehen — alle ausnahmslos von uns entfernen. Von mehr als 80 beobachteten Spiralnebeln kommt kein einziger herein, um den Platz der andern einzunehmen. Alle streben vielmehr auseinander, und zwar mit um so größerer Geschwindigkeit, je weiter sie von uns entfernt sind. Die neueste Feststellung in dieser Hinsicht ist die Entdeckung eines Spiralnebels im Löwen in 100 Millionen Lichtjahren Abstand, der mit der phantastischen Geschwindigkeit von nahezu 20 000 Kilometer in der Sekunde davon- läuft. Bei näheren Spiralen fand man Geschwindigkeiten zwischen 7000 und 12 000 Kilometer. Um diese Messungen durchführen zu können, waren ein außerordentlich lichtstarkes, eigens für diese Aufnahme konstruiertes Objektiv und Belichtungszeiten von sünfzigstündiger Dauer erforderlich.
Man hat vielfach daran gezweifelt, ob die Rotverschiebung im Spektrum der Spiralnebel wirklich als Fortbewegung zu deuten fei. Aber die Tatsache, daß mit derselben Messungsmethode auch die Rotation der Spiralnebel um ihren Kern in ihrer Gesetzmäßigkeit nachgewiesen worden ist, bildet eine sehr wichtige Stütze für die Annahme von Bewe- gungsoorgängen. Wir müssen daraus schließen, daß das Weltall in b c ft ä n b i g e r Ausdehnung begriffen ist. Wie in einem Spiralnebel die Materie trotz der Anziehungskraft nach außen strebt, so reichen auch die zwischen den Spiralen wirkenden Anziehungskräfte wegen des enormen Abstandes nicht aus, die Welt zusammenzuhalten.
Die gesetzmäßige Zunahme der Geschwindigkeit der Spiralnebel mit ihrer (Entfernung von der Erde bereitet freilich der Erklärung große Schwierigkei- ten. Nach einer von ß e m a i t r e ausgestellten Theorie ruhen die Spiralnebel im Raum, aber der Raum selbst ist relativ zu unserer Maßeinheit, dem Meter, in beständiger Ausdehnung begriffen. Die Spiralnebel werden dabei mitgeführt wie Stäubchen auf der Oberfläche einer fick ausdehnenden Seifenblase, so daß sowohl ihre Abstände von uns wie auch unter sich immer größer werden. Die Vorstellung aber von der „Expansion der Welt" führt uns nicht nur an die räumlichen Grenzen der uns zugänglichen Welt, sondern zugleich an die Grenzen unserer Erkenntnis vom Wesen des Weltalls.
anderen Arbeit zu, die er am 24. April 1811 seinen I staunenden Mitbürgern in einer Zeitungsanzeige ’ unterbreitete:
„Nach einer unsäglichen Muhe in der Zeit mehrerer Monate, mit Aufopferung einer sehr beträchtlichen Geldsumme und mit Aufwendung eines rastlosen Studiums der Mechanik hat der Unterzeichnete es dahin gebracht, eine Flugmaschine zu erfinden, mit der er in einigen Tagen hier in Ulm seinen ersten Versuch machen wird, an dessen Gelingen er, bestimmt durch die Stimme mehrerer Kunstverständigen, nicht zweifeln zu dürfen glaubt. Von heute an ist die Maschine bis an den Tag des Versuchs, der nebst der Stunde in diesem Blatte vorher genau angezeigt werden wird, hier im Gasthof zum Goldenen Kreuz Jedem zur Ansicht und zur Prüfung ausgestellt." Der erste Versuch zögerte sich aber noch etwas hinaus, und es war wohl Berblingers großer Fehler, daß er in feiner Erfinderfreude, unbekannt mit den Gesetzen der Flugtechnik, diesen ersten Versuch in der Öffentlichkeit machte. Für Ende Mai war der Besuch des Königs von Württemberg angesetzt, und im Einverständnis mit dem Magistrat lud Berdlinger seine Mitbürger zur Donau, wo er von einem hohen Erker, der Adlerbastei, herabzufliegen und das andere Donauufer zu gewinnen, vorhatte.
Er ritt selbst durch die Stadt und tat seine Ab- sicht zu fliegen, unter Trompetenklängen kund. Für die entstehenden Unkosten wurde von den Zuschauern je ein Batzen gefordert. Auf der Adlerbastei war ein hölzernes Gerüst errichtet, so daß Berb- linger 62 Schuh über dem Wasser stand. Der König war mit seinem Hofstaat erschienen, die Zuschauer standen Kopf an Kopf in atemloser Spannung. Plötzlich klappte der eine Flügel zusammen, und Berdlinger mußte vortreten, und unter dem Gemurre der Menschen den Aufschub seines Vorhabens ankündigen. Ob die Flügel beim Hinaufziehen auf das Gerüst Schaden erlitten hatten, oder ob böswillige Absicht etwas daran zerstört hatte, ist ungewiß. Der König reifte ab, nicht ohne Berdlinger eine Belohnung von 20 Louisdor zu hinterlassen. Als aber Berdlinger am nächsten Tage, am 31. Mai 1811, vor einer womöglich noch größeren Menge vor dem Bruder des Königs den Versuch wieder- holte, fiel er wie ein Stein in die Donau und wurde unter dem Hohngelächter seiner Mitbürger von
einem Schiffer geborgen. Daß er gerettet wurde, war sein Mißgeschick! Wäre er ein Opfer feines Planes geworden, so wäre die Menge verstummt vor der Majestät des Märtyrertums. Durch feine Rettung schlug der Versuch ins Lächerliche, und für den Unglücklichen begann die Marter einer Verspottung, wie sie noch kein Sterblicher erduldete. Um sich den Verfolgungen zu entziehen, entwich er und kehrte erst nach Jahren nach Ulm zurück. (Es ging bergab mit ihm, er war ein zerbrochener Mann, haltlos und enttäuscht. Seine Frau starb, von seinen Kindern lebten nur noch wenige. Noch einmal verheiratete er sich und starb am 28. Januar 1829 an Auszehrung im Spital, arm, verschuldet und wenig betrauert.
Das Flugzeug soll noch lange in Ulm vorhanden gewesen sein — jetzt ist es verschwunden. Es waren flügelartige Gebilde mit starker Seide bespannt; sie ließen sich mit einer Bewegung der Hand durch feine Stäbchen, die sich spreizten und zusammenlegten, spannen ober zusammenfalten.
Natürlich wird der Leser fragen, warum das Flugzeug des Schneiders von Ulm versagt hat: Es mußte versagen, weil ein Mensch nicht die Kraft hat, seinen Körper mit Flügeln hochzuheben; er kann mit einem motorlosen Flugzeug nur Gleitflüge ausführen, wie es Lilienthal getan hat, und wie es jetzt unsere Segelflieger in Rosfitten und in der Rhön tun. Das Flugzeug des Schneiders von Ulm war aber kein Gleitflugzeug, wenn er es sich auch als solches gedacht hat, was daraus her- vorgeht, daß er damit von einem erhöhten Punkt aus über die Donau gleiten wollte. In Wirklichkeit stellt das Flugzeug etwa eine Verbindung von zwei neben einander liegenden Fallschirmen vor, m deren Mittelpunkten Der Flieger hätte aufgehängt fein müssen. Berblinger reichte mit seinen ausgespannten Armen aber nickt ganz bis an diese Punkte, außerdem kann kein Mensch sein Körper- gewicht an den Händen bei ausgespannten Armen auf die Dauer tragen. So mußten die Flügel beim Flugversuch nach oben zusammenklappen.
Das ist das Urteil, das wir heute — vom jetzigen Stand der Technik aus — über das Flugzeug des Schneiders von Ulm aussprechen müssen. Damals gab es aber auf dem Gebiet der Fliegerei fast überhaupt noch keinen Stand der Technik, und fo wäre es ganz falsch, dem Erfinder aus dem Mißlingen


