anweisungen an die Terror« und Kampfoerbande. Noch am selben Tage erging der Befehl für die höchste Alarmstufe. In den kommenden Tagen oder auch Stunden sollte der Aufstand ausgelöst werden: „Bis Samstag muß dem Reichs- kurier gemeldet fein, wieviel Waffen in euren Be- Wirken find. Sofort mitzuteilen, daß die eingesetzte Hilfsvolizei dort, wo man sie antrifft, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu erledigen ist. Es muß so sein, daß kein Faschist mehr über die Straße gehen kann. Feststellung, wo Nazikasernen und strategische Punkte sind. Einheitliches Borgehen der gesamten Organisation; Nazis ist kein Paroon zu geben. Die Ortsgruppen haben in allen Aktionen freie Hand, nur wo es sich um Polizei handelt und um Kasernen der Polizei, sowie um technische Betriebe, muß die Einwilligung der RL., der M.-Abteilung, eingeholt werden. Höchste Alarmstufe 5. 3., abends 12 Uhr. Eintreffen der Alarmmeldung, positive Anweisung über Operation im Reich, Eintreffen des Reichskuriers. Wir erwarten, daß unsere Anweisungen sofort durchgeführt werden, zum Sturz der Hitlerregierung."
Parallel mit der Auslösung des Bürgerkrieges an vielen Orten zugleich, wodurch die Kräfte des Staates und der SA. und SS. zersplittert und in Verwirrung gebracht werden sollten, wurde ein aufs Genaueste ausgearbeiteler A k t i o n s p l a n für die Zeit nach dem 5. Mar; 1933, vom Generalstab der Revolution entworfen, der sich speziell mit Berlin befaßte. Schlag auf Schlag sollte vom 5. bis 9. März 1933 die Sprengungen der Lisenbahn- brücken, die Riederlegung der Hochspannungsleitungen, die Stillegung und Zerstörung der Llektrizi- täts- und Kraftwerke erfolgen. Die Polizeiunter- künfte in der Lhausseestrahe in Berlin am Kreuzberg und in der wrangelstrahe sollten augenscheinlich während dieser Zeit durch RFB.-Truppen und Terrorgruppen in Schach gehalten werden. Kuriere und besondere Telephonleitungen waren zur Herstellung der Verbindungen und der Einheitlichkeit der Gesamtaktion eingerichtet. Lin Massenaufgebot von Erwerbslosen sollte offenbar Aeberfälle und Raub in der villengegend Krumme Lanke verüben. Wenn auch die Lhiffrierung des Aktionsplanes nicht völlig entziffert werden kann, so liefert er doch einen unwiderleglichen Beweis für die unmittelbar bevorstehenden planmäßigen und zielbewußten Terror- und Sabotageakte in Berlin.
Die Enthüllungen sind unter dem Titel „B e - w offne ter Aufstand I" in einer umfangreichen Broschüre von 138 Seiten enthalten. Zahllose Belege, Photographien, statistische Angaben hat Adolf Ehrt zusammengestellt. Sie geben erstmalig ein genaues Bild der kommunistischen „Erziehungsarbeit" und Bür- gerkriegsstrategie, die alle nihilistischen Masseninstinkte systematisch aufgriff und verwertete, um im letzten Augenblick, kurz nach der Betrauung Adolf Hitlers mit dem Kanzleramt, zum letzt en entscheidenden Schlag auszuholen. Das mußte schnell geschehen, noch ehe sich das neue nationalsozialistische Regime konsolidieren konnte. Zum ersten Fanal des bewaffneten Aufstandes wurde in der Nacht zum 28. Februar, dem Vorabend des Befehls, für die höchste Alarmstufe der kampfbereit stehenden kommunistischen Organisationen der Brand des Reichstagsgebäudes. Auf die besonderen Zusammenhänge dieses Brandes geht die Schrift nicht ein, um dem Prozeß nicht vorzugreifen. Wie der Herausgeber mitteilt, besteht die Absicht, eine Urteilssammlung des Reichsgerichts über die kommunistische Berschwörertätigkett in offizieller Zusammenstellung zu veröffentlichen. Es stehe zu erwarten, daß der Gesamtverband die Möglichkeit haben werde, auch diese Aktenstücke in einem anti- kommunistischen Museum auszustellen, das in Berlin in Kürze aufgebaut werden soll.
Die gesamte deutsche wie auch die Weltöffentlichkeit werden sich nunmehr ein klares Bild von der ungeheuren Gefahr machen können, die Deutschland und somit Europa in den Vorfrühlingstagen dieses Jahres drohte. Wer es aber bisher nicht hat wissen wollen, wird nunmehr er» kennen, daß der Schlag, zu dem die nationalsozialistische Regierung dann gegen den Kommunismus ausholte, in letzter Minute vor zwölf geführt wurde.
Oie Nebenbeschäftigung von Beamten.
Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über das allgemeine Bcamtenrecht.
Berlin, 12. Sept. (TU.) Zu Kapitel IV des Gesetzes zur Aenderung von Vorschriften auf dem Gebiete des allgemeinen Beamtenrechts vom 30. Juni 1933 sind Durchführungsbestimmungen erlassen worden. Danach gilt als genehmigungspflichtige Nebenbeschästguna der Beamten jede Tätigkeit, bei welcher durch Arbeitsleistung irgendwelcher Art eine Vergütung erzielt wird. Von der Genehmigungspflicht sind freundschaftliche Hilfe, bei Der eine Vergütung in Geld nicht gewährt wird, sowie einzelne Nebenbeschäftigungen geringen Hm» sangs ausgenommen, für die Vergütungen im Werte bis zu 30 Mark gewährt U>erden wenn sie nicht öfter als fünfmal im Jahre ausgeübt werden. Den gefehlichen Bestimmungen über Nebenbeschäftigungen der Beamten unterliegen auch ärztliche, tierärztliche und zahnärztliche Beamte. Bis zu einer besonderen reichsgesetzlichen Regelung kann dieAusübungder Privatpraxis aus dienstlichen Gründen genehmigt werden. Bereits erteilte Genehmigungen sind nachzuprüfen. Wird die Genehmigung widerrufen, so kann den Beamten eine angemessene F r i st zur Lösung eingegangener vertraglicher Verpflichtungen bewilligt werden.
Iahreshöch st beträte sind festgesetzt für Zulagen und Vergütungen, die ausnahmsweise aufgrund des Haushaltsrechts zur Verfügung gestellt werden. Ferner ist bestimmt, welche Betröge einem Beamten als Pauschalauf» wanosentschädigung belassen werden können, wenn ihm für eine auf Vorschlag ober aus Veranlassung seiner vorgesetzten Dienststelle übernommene Nebentätigkeit im Vorstand ober Aufsichtsrat einer auf Erwerb gerichteten Gesellschaft ober Genossenschaft eine Vergütung gewahrt wird. Soweit den Beamten Vergütungen zusließen, die ihm hiernach nicht belassen werden tonnen, sind sie an der Kasse der vorgesetzten Behörde abzuführen.
Der Kommunistenmord an den polizeihauptleuten Anlauff und Lenk aufgeklärt.
Zwei ehem. kommunistische Abgeordnete als Anstifter.
Berlin, 13. Sept. (WTB. Funksoruch.) Der Mord an den Polizeihauptleuten Anlaufs und Lenk, der am Sonntag, dem 9. August 1931 auf dem damaligen Bülowplatz von Kommunisten begangen wurde, ist jetzt von der Kriminalpolizei in enger Zusammenarbeit mit der SA. re ft los’ aufgeklärt worden. Diese Bluttat, die keine Einzelaktion fanatischer Parteimitglieder darstellte, sondern von der obersten Parteileitung planmäßig vorbereitet und durchgeführt worden ist, ist zur Zeit Gegen st and einer gerichtlichen Untersuchung gegen insgesamt 21 Kommunisten wegen gemeinschaftlichen Mordes. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, daß die früheren Reichstagsabgeordneten der KPD. Heinz Neumann und H. Kippenberger für die Mordtaten verantwortlich sind. Sie und neun an der Mordtat direkt ober indirekt beteiligte Kommunisten sind geflohen unb werden von ber Kriminalpolizei noch gesucht. Ueber Mitteilungen aus bem Publikum, die zu einer Festnahme ber Gesuchten führen, ist eine Gesamtbelohnung von 4000 Mark ausgesetzt. Außer Neumann unb Kippenberger handelt es sich um Frau Kippenberger und die Kommunisten Walter Ulbricht, Erich Mielke, Erich Ziemer, Wilhelm Peschky, Wilhelm Becker, Herbert Dodersalzki, Gerhard Wallitschke und Paul Kähne.
Wiens Ennnerungsfeier.
Im Mittelpunkt die Polenfreundschaft.
Wien, 12. Sept. (WTB.) Die Hauptfeier der Staatsregierung zur Erinnerung an die Befreiung Wiens von der Türkengefahr vereinigte das Staatsoberhaupt und die Bundesregierund mit den übrigen Spitzen ber militärischen unb zivilen Behörden zu einer großen Kunbgebung auf bem Helbenplatz, an der auch das diplomatische Korps teilnahm. Kardinal Dr. Inniger zelebrierte das Pontifikalamt und würdigte in seiner Predigt die Größe des festlichen Anlasses. Bundespräsident M i k l a s beleuchtete die geschichtliche unb kulturelle Bebeutung bes Ereignisses. Damals sei es ein Gebot einer geschichtlichen Schicksalsstunde gewesen, baß sich W i e n als Bollwerk ber christlichen Kultur bem Feind entgeaenstellte, der heute schon l ä n g st unser Freuno geworden ist. Damals zeigte sich die Kraft des Wortes: „Oesterreich kann, wenn es nur will". Oesterreich von heute sei entschlossen, seine Sendung friedlich zu erfüllen, im Einvernehmen mit allen Völkern. Die Staatsfeier schloß mit der Defilierung der Truppen vor den offiziellen Persönlichkeiten, unter denen sich auch eine starke türkische Delegation befand.
Oer Reichspräsident bei Reichswehrübungen in Ostpreußen.
Darkehmen, 12. Sept. (WTB.) Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg traf heute nachmittag im Sonderzug auf dem Bahnhof Darkehmen ein, um an den gegenwärtig in dieser Gegend stattsindenen Brigadeherbst- Übungen teilzunehmen. Zum Empfang des Reichspräsidenten bildeten die nationalen Verbände Spalier. Mit Blumensträußen in der Hand erwarteten die Kinder den Reichspräsidenten und umjubelten ihn bei seiner Ankunft. Ganz Darkehmen war auf den Beinen. Eine Ehrenwache der Reichswehr erwartete den Reichspräsidenten auf dem Bahnsteig. Auch durch die Behörden fand eine Begrüßung statt. Nach einer Fahrt durch Darkehmen fuhr Der Reichspräsident sofort in das Uebungsgelänbe.
Oer französische Lufffahriminister nach Moskau unterwegs.
Paris, 12. Sept. (TU.) Luftfahrtminister Pierre C o t ist am Dienstag mittag z u feinem Flug nach Moskau gestartet, nachdem die beiden Begleitflugzeuge schon in den frühen Morgenstunden den Flug angetreten hatten. Der Kabi- nettschef des Luftfahrtministeriums wies die Presse daraufhin, daß der Besuch einen rein freundschaftlichen Charakter habe. Dem Flug komme auch auf technischem Gebiet eine gewisse Bedeutung bei. Die großen europäischen Luftlinien endeten zum größten Teil an der polnischen Grenze. Man könne deshalb verstehen, welches Interesse es vom wirtschaftlichen Standpunkt aus haben würde, wenn diese Luftlinien über die weiten Gebiete Sowjetrußlands hinaus verlängert werden könnten.
Oas neue spanische Kabinett.
Madrid, 12. Sept. (TU.) Das neue Ministerium unter Führung des Vorsitzenden der Radikalen Partei, Lerroux, ist heute gebildet worden. Das Außenministerium übernimmt Sanchez A l - bornos (Republikanische Aktion, bisheriger Rektor der Universität Madrid), bem Ministerium gehören sechs Mitglieber ber Rabikalen Partei, zwei Rabikalsozialisten, ein Linksrabikalsozialist, je ein Mitglied ber Republikanischen Aktion, ber Kata- Ionischen Linken, ber galizischen Republikaner unb der Gruppe ,Hm Dienst ber Republik" an. Bemerkenswert ist, daß fein Kabinettsmitglied ausgesprochener Parteimarxist ist.
Kleine politische Nachrichten.
Um den durch die Amtsniederlegung des bis- herigen Führers der Deutschen Stuben- tenscbaft Gerhard Krüger herbeigeführten Zustand zu beenden, hat der Reichsminister des Innern den Reichsführer des Nationalsozialistischen Studentenbundes Dr.-Jng. Oskar Stäbe! zum Führer der Deutschen Studentenschaft ernannt unb lhn ersucht, bie Geschäfte sofort zu übernehmen.
Der Reichsobmann für bie bäuerliche Selbstver- waltung, Staatsrat M einberg, hat den jetzigen Führer des Reichsverbandes des Deutschen Gartenbaues EV. Johannes Boettner zu feinem Berater in ber Frage ber Eingliederung bes deutschen Gartenbaues in den Reichsland, stand ernannt.
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Der Brigadeführer August Wilhelm, Prinz von Breußen ist zum Gruppenführer z. b. V. der obersten SA.-Führung befördert worden. — Reichskanzler Hitler hat an Prinz August Wil- Helm aus diesem Anlaß folgendes Telegramm ge» 1 sandt: „Zu Ihrer von mir bestätigten Beförderung
zum Gruppenführer sende ich Ihnen beste Wünsche, gez. Hitler.
Der Stadtrat München bewilligte auf Antrag des Oberbürgermeisters Fiehler 10 000 Mark als Grundstock für die Errichtung eines Befrei- ungsdenkmales in München.
Der frühere preußische Wohlfahrtsminister Hirt- sieser, ber in Essen einen Zusammenstoß mit SA.-Mönnern gehabt hotte, ist in Schutzhaft aenommen worden. Hirtsieser gehörte dem Zentrum an.
Die Bewegung zum Widerruf des Prohibitionsartikels der amerikanischen Verfassung hat drei weitere bedeutende Siege errungen. Maryland entschied mit 15 gegen 1 Stimme
gegen die Prohibition, Minnesota, der Heimatstaat des Urhebers des Prohibitionsgesetzes, stimmte für den Widerruf, Colorado erzielte gleichfalls eine große Mehrheit für den Widerruf.
Aus aller Welt.
Schwere Zuchthausreoolte in USA.
Wie aus New Orleans gemeldet wird, sind bei einer Meuterei 13 Gefangene von insgesamt 300 gewaltsam aus dem Zuchthaus Farm Angola ousgebrochen, wobei ein Gefangenenwärter erschossen und vier weitere verwundet wurden. Den Verbrechern gelang es, die Telefon- Verbindung zu zerstören unb schwer bewaffnet zu entkommen. Drei von bcn Sträflingen fanden den Tod.
Aus Der Provinzialhauptstadt.
Gedanken über den Regen.
Regen auf dem Lande hat eine andere Bedeutung als Regen m der Stabt. In ber Stabt empfinbet man nur das Störende bes „häßlichen Wetters". Für ben Bauer aber ist der Regen Segen oder Un- fegen. Manchmal sagte meine Mutter: „Es regnet Gold" Gold, das sind die Regen, die in den Mainächten fallen, wenn am Tage die Sonne die noch zarten Pflanzen allzusehr bestrahlt hatte. Fielen dann am Abend Regentropfen, ging man andächtig ins Haus. Es regnete Gold, der Himmel gab ben Felbern, was sie brauchten, den sanften, nächtlichen Resten. In solchen Nächten stellte man die Fenster wett offen und noch im Schlaf empfand man das Glucksen des fallenden Regens mit tiefer Beglückung.
Aber ein andermal ist Resten Unsegen. Wenn sie kommen, die wilden Gewitterregen des heißen Frühsommers, wenn sie kommen unter Blitz unb Donner, wolkenbruchartig, mit Hagel gesättigt, drängen sich die Familien der. Bauern zitternd in ben Wohnstuben. Alles steht auf dem Spiel, die ganze Arbeit des Jahres. Regen kann das Getreide schlagen, daß es am Boden liegt und faulen muß. Regen kann Felder voll zarter Pflanzen vernichten, sie mit den Wurzeln förmlich aus der Erde schwemmen. Regen und Hagel schlagen die ungereiften Früchte von den Bäumen. Alles, alles kann Regen vernichten, eine Gewalt, gegen die man machtlos ist.
Manchmal überraschte uns solch ein Unwetter auf ben Felbern. Oft hatten wir ben ganzen Tast zarte Rübenpflanzen ober die noch zarteren Tabakpflanzen in die Erde gesetzt. Plötzlich kam, mit dem Abend, das Gewitter. Schwere Wolken tarnen aus allen Richtungen, ballten sich, schoben sich zusammen. Ein finsteres Ungeheuer, standen sie am Himmel, um im Nu über uns niederzustehen. Man raffte die Arbeitsgeräte zusammen, die kleinen Pflanzenkörbe, den Korb mit bem Essen. Man zog Kleiber an, bie man zur Arbeit abgelegt hatte, vielleicht sollten auch noch schnell bie letzten Pflanzen in bie Erde kommen. Es gab kleine Aufenthalte, die Pferde wurden scheu in der allgemeinen Unruhe, die ersten Tropfen fielen, große, schwere Tropfen, die die Stärke des Wetters schon verrieten, unb alles rannte zu bem Leiterwagen, ber uns auf die Felder gebracht. Ein solches Unwetter ließ uns nie viel Zeit, mit Wucht brach es los. Blitze zuckten aus allen Richtungen, von krachendem Donner begleitet. Schlag auf Schlag erfolgte und wie ein Sturzbach fiel der Regen. Hatten wir das Dorf erreicht, war das Unwetter meistens schon wieder im Abziehen. Die Straßenrinnen waren kleine Bäche geworden, die Pferde rannten hindurch, daß das Wasser hoch aufspritzte. Dann war man schließlich in der schützenden Einfahrt des Hauses.
Hatte man wieder trockene Kleider am Leib, so empfand man den überstandenen Regen wohlig wie ein Bad; ja, es lag Kräftigung darin, diesen Regen so stark und unmittelbar gespürt zu haben. Die elementaren Kräfte, denen der Bauer nicht nur unterworfen, sondern auch verbunden ist, waren wieder nahe gekommen und während sie schlugen, spürte man in heimlichem Entzücken ihre Schönheit.
Die Folsten des Unwetters waren auch nie so schlimm, als es im Augenblick des Niedergehens scheinen wollte. Wenn das Unwetter nicht rasch zu Ende ging, milderte es sich doch; die Sonne kam rasch wieder zum Vorschein, trocknete und tröstete. Wurde viel vernichtet, bann war noch viel da. Neues wuchs nach, wenn auch nicht gerade auf ben Apfel- ober Kirschbäumen. Unb die Felder, von denen die zarten Pflanzen fortgeschwemmt waren, konnte man neu bepflanzen. Man tat es mit jener unermüdlichen Geduld, die der bäuerliche Mensch den Ereistnissen der Natur gegenüber hat. Manchmal hauste so ein Unwetter auch nur strichweise und verschonte einen Teil der Felder überhaupt.
Viel schlimmer und viel bedrückender sind jene Landregen, die die Arbeit manchmal auf Wochen unterbrechen. Unaufhaltsam fällt dann der Regen. Das geschnittene Gras fault auf den Wiesen, die Kartoffeln in der Erde; das Getreide, in Garben gebunden und auf Haufen gestellt, wächst aus. Solcher Regen stört die Tätigkeit und damit bas Leben. Er ist bedrückend und wird nur schwer ertragen. Nur wenn es Winter wird, gibt man solchem Regen auch fein Recht, nimmt ihn hin. Er geleitet langsam aus ber Zeit der Tätigkeit in die Zeit der Ruhe. Wenn es Winter wird, dann kann solcher Regen schön sein, wenn er auch die Straßen des Dorfes in Morast verwandelt. Das tut nichts. Er bringt die Ruhe, bas winterliche Behagen. Die Abende kommen wieder zu ihrem vollen Recht. In solchen Regennächten schließt man die Fenster, man schließt vielleicht auch die Läden und das noch leise klinstende Fallen des Regens ist eine gern gehörte Schlummermelodie. Ch. H.
Oer Eintritt in die Reichsmarine.
Die Schiffsstammdivision der Nordsee in Wil- Helmshafen hat den Bedarf an geeigneten Freiwil- ligen für den Dienst in ber Reichsmarine für den Bereich der Marinestation der Nordsee auszusichten und einzustellen.
Es besteht hauptsächlich Bedarf an Bewerbern mit technischer Berufsausbildung. Erwünscht sind Bewerber, die eine dreijährige Lehrzeit als Ma- schinenschlosser, Motorenschlosser, Schlosser, Maschinenbauer, Metalldreher, Kesselschmied, Schmied, Kupferschmied, Klempner Mechaniker unb Elektriker ober in einem ähnlichen Handwerk nachweisen.
Das vorgeschriebene Lebensalter für die Einstellung liegt zwischen dem vollendeten 17. und 21. Lebensjahr. Bei Einreichung des Gesuches darf das 20. Lebensjahr nicht überschritten sein.
Gesuche um Einstellung sind zu richten an die Schiffsstammdivision der Nordsee (Einstellung) in Wilhelmshaven. Dem Gesuch ist ein ausführlicher selbstgeschriebener Lebenslauf beizufügen.
Gefechtsübung unseres Bataillons.
Am kommenden Samstag rückt unser Bataillon zu einer Gefechtsübung aus. Um 9 Uhr verlassen die Truppen die Kasernen und marschieren in Richtung Heuchelheim. Im Raume Heuchelheim —Atz- bach — Dorlar findet die eigentliche Gefechts- Übung statt. Gegen 13 Uhr wird das Bataillon Verpflegungsrast machen und dann von Dorlar nach Wetzlar marschieren. Der Einmarsch in Wetzlar ist für 15 Uhr vorgesehen. Nach dem Einmarsch wird in der Nähe der Spilbura s e l d m ä h i g biwakiert. Um 23 Uhr wird der Große Z a p s e n st r e i ch den Tag beschließen. Am frühen Morgen des Sonntags werden sich die Truppen dann wieder auf den Marsch machen und gegen 8 Uhr von der Frankfurter Straße her in Gießen eintreffen.
ASOAP. Gießen.
DieN S.-B eamtenabteilung des Krei- f e s Gießen hält am kommenden Montag, 18. September, 20 Uhr, im Gasthaus Soldan, Seltersweg, eine Versammlung sämtlicher Ortsgruppenleiter, Fachschaftsleiter unb Vertrauensmänner nebst beren Stellvertretern ab. Erscheinen ist Pflicht.
Die NS. - Frauenschaft Gießen-Süd bittet ihre Mitglieder, ihre Hakenkreuzfahnen zur Ausschmückung der Volkshalle zur Verfügung zu stellen. Die Fahnen sind bis Donnerstagabend bei Frau W r e d e, Wernerwall 11, abzugeben.
Wichtig für Hausbesitzer!
Der Landeshauptmann in Nassau teilt mit: Noch immer sind für 1933 in sehr großer Anzahl Versicherungsnehmer der Nassauischen Brandoersiche- rungsanstalt mit ihrer Beitragszahlung im Rückstände. Die Versicherungsnehmer sollten berücksichtigen, daß die Nassauische Brandversicherungsanstatt die Gefahr eines Brandes, d. h. im Schadensfalls die Auszahlung der Entschädigung nur tragen kann, wenn die Brandoersicherungsbeiträge rechtzeitig eingehen. Dabei muß besonders darauf hingewiesen werden, daß es sich bei den Leistungen der Versicherungsnehmer nicht um eine Steuer, wie der Ausdruck irrtümlicherweise vielfach gebraucht wird, handelt, sondern einfach um die Gegenleistung der Versicherungsnehmer für den ihnen gewährten Ber» ficherunqsschutz. Es muß jedem Vernünftigen klar fein, daß die Nassauische Brandversicherungsanstalt nur zahlen kann, wenn die Versicherten ihre Zahlungspflicht erfüllt haben. Es liegt'deshalb im eigenen Interesse eines jeden Versicherungsnehmers, daß er möglichst bald seine fälligen Beiträge entrichtet. In diesem Jahre ist das in ganz besonderem Maße der Fall, da bei der Zahlung bis zum 1. Oktober b. I. 10 v. H. von den angeforderten Summen in Abzug gebracht werden können.
55 Jahre Männergesangverein „Heiterkeit'".
Am vergangenen Samstagabend beging ber Männergesangverein „Heiterkeit" in seinem Vereinslokal „Zum Schipkapah" sein 55. Stiftungsfest. Die Feier gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für unser neues Deutschland. Der Führer bes Vereins Herr Koch, gedachte zunächst der Toten, die im Lause der 55 Jahre aus unserer Mitte geschieden sind, insbesondere der Sangesbrüder, die im großen Völkerringen ihr Leben für die Heimat ließen. Ihr Vorbilb verpflichte uns zur Nacheiferung. Die Kapelle spielte bas Lied vom guten Käme- roden. In seinen weiteren Ausführungen betonte der Redner, daß gerade jetzt die deutschen Männer- nereine bie heilige Mission zu erfüllen hät- Iturträger bes neuen Deutschlands zu sein. Deshalb müsse jeder treu zum deutschen Liede stehen unb gern bie großen Opfer, bie von Verein unb Sänger gefordert werden, auf sich nehmen, damit die gestellte große Aufgabe gelöst werden könne. Das Gelöbnis zu freudiger Mitarbeit klang aus in ein dreifaches Sieg-Heil auf die beiden großen Führer unseres Vaterlandes. Mit dem Deutschland- unb bem Horst-Wessel-Lieb wurde der erste Teil des Abends beschlossen.
Bei der nun folgenden Mitgliederehrung konnten drei verdiente Sänger nach 25jähriger Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Es sind dies die Herren: Jakob Leonhardt, Georg Ebert und Peter Spielman n. Die passiven Mitglieder Heinrich Becker, Adolf G ä b i s ch, Adam Koch, Karl Enders, Karl Wacker und Hch. Drechsler, die ebenfalls bem Vereine schon 25 Jahre angehören, erhielten eine Ehrenurkunde. Mit Stolz blickt die „Heiterkeit" auf ihre Iubilare, denn sie bieten Gewähr dafür, daß auch in Zukunft ber Geist treuer Verbunbenheit im Verein lebenbig bleibt.
Der weitere Verlauf des Abends war froher Ge- selligkeit gewidmet. Einige Sangesbrüder trugen durch Gesangsvorträge zum Gelingen wesentlich bei. — Herzliche Kameradschaft wurde mit dem SA.» Sturm 14/116 angebahnt und dabei zum Ausdruck gebracht, daß überall körperliche Ertüchtigung und Pflege der Seele Hand in Hand gehen möge. Verschiedene Chöre des Vereins und musikalische Darbietungen von Mitgliedern der Kapelle K r e n g e t umrahmten die Feier.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: VAB. 20.15 Uhr, Germanenhaus, Sprechabend. — Palast- Lichtspiele, 9 bis 21 Uhr, Zinnsoldaten-Truppen- schau. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Lied geht um bie Welt" mit Joseph Schmidt.
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** Hessische Personalien. Das Personal- amt teilt mit: Ministerialrat i. R. Dr. h. c Konrad Löhlein wurde am 29. August von dem Amt des Direktors des Landesmuseums mit Wirkung vom 1. Juli 1933 entbunden. Dipl.-Ing. Gottfried


