Dort ist so etwas wie ein Künstlerstammtisch abgehalten worden, denn Albrecht Dürer, Peter D i - scher, Adam Kraft, Beit Stoß — sie alle und noch mancher andere bedeutende Mann haben hier ihren Schoppen getrunken. Schließlich steht das Haus ja auch schon seit 1498. Nicht ganz so alt ist die „S e b a l d u s k l au s e", die aber auch ihren guten Ruf durch die Jahrhunderte bewahrt hat.
Und Dinkelsbühl, die tausendjährige Reichsstadt, sollte keine Gaststätte in die heutigen Zeiten gerettet haben? Aus seiner ältesten Zeit gewiß nicht. Aber aus dem Stammhause der bayrischen Reichsgrafen Drechsel-Deufstetten, einem herrlichen Renaissancebau, wurde immerhin doch schon im Jahre 1583 eine Gaststätte, das „Deutsche Hau 5", das auf unserer Reise aufgesucht werden muß.
Nun geht es wieder etwas nach Norden, nach dem Main. Dort wollen wir das älteste aller deutschen Gasthäuser aufsuchem das wir endlich in dem kleinen Landstädtchen Miltenberg finden. Der „Riese" heißt es, und io den uralten Urkunden der Stadt wird es als „Riesenhof- bereits im Jahre 1160 erwähnt. Damals muß er gerade erbaut worden fein mit einer Herberge der Fürsten und einer Zechstube für die Ritterschaft. Was hat dieser Gasthof alles an Gästen gesehen! Auch viele „Prominente" darunter, wie wir heute zu sagen pflegen: Kaiser Friedrich I., Ludwig der Baye/, Karl IV. sind hier abgestiegen. Dr. Martin Luther — da- mals noch nichts anderes als ein abtrünniger Mönch — stieg im „Riesen" ab, aß, trank und schlief hier, um dann seine beschwerliche Fahrt weiterzuführen. Als man den „Riesenhof" im Jahre 1590 umgebaut und erweitert hatte, muß er so etwas wie ein „Grandhotel 1. Ranges" gewesen sein mit seinen drei Stockwerken, die durch den spitzen Giebel geziert wurden. Aber dann kam der Dreißigjährige Krieg und machte den Gasthof gelegentlich zum Hauptquartier. Wallenstein, Piccolomini, Tilly und Gallas haben hier gewohnt, und ihre Armeen haben gelegentlich auch schrecklich gehaust. Aber der feste Bau hat auch jene schreck- liche Zeit überdauert.
Lockt es uns nicht, einmal diese Reise oder doch ein Stück davon in die Wirklichkeit zu übertragen' Auch besinnliches Zechen in diesen Gaststätten kann deutsche Geschichte wieder wachwerden lassen; es waren nicht die schlechtesten deutschen Männer, die dort gesessen haben.
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Donnerstag, 13. Juli 1933
Gietzener Anzeiger (weneral-Anzetger für Oderhessen)
Nr.lbl Zweites Blatt
Oer Waffenstillstand in Ostasien.
TZon unserem Sonderberichterstatter Admiral Kmzel
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Mulden, im Juni 1933.
Die Feindseligkeiten zwischen Japan und China sind — einstweilen? — zum Abschluß gekommen. Ein Waffenstillstand zumindest ist unterzeichnet, der Wie tundgetan, nicht mehr kämpfen zu wollen. Das große Rätselraten über das militärische Ziel Japans das Tagesgespräch so vieler Monate im ganzen Osten, ist damit zunächst einmal zu Ende. Nach dem Fall der Stadt Jehol, nach dem Bordringen der Japaner bei Shanhaikwan gab es alle Arten von Meinungen: baldiges Haltmachen der Japaner, schnelle Besetzung von Peking und Tientsin, weiteres Vordringen bis zum Weftfluß, ja Besetzung der Hafenplätze an der Küste bis herunter nach Ningpo, das olles konnte man vermuten und verfechten hören. Und Gründe genug für jede Ansicht. Die Klügsten und Erfahrensten aber enthielten sich jeder P r o p h e z e i u n g.'Und mit Recht: denn welcher Europäer kennt und versteht die Urgründe und Gesetze des Handelns des Ostasiaten?
Ein lange in China ansässiger, sehr gescheiter deutscher Kaufmann sagte mir, den besten Bericht über chinesische Verhältnisse hätte er nach achtwochigem Aufenthalt in China verfaßt. Er hätte sich damals fleißig bei allen möglichen erfahrenen Leuten informiert und dann frisch drauflos geschrieben. Natürlich sei nichts von dem ganz zutreffend gewesen, aber es hätte sich für die Heimat immerhin ein ganz anschauliches und lebendiges Bild ergeben. Heute, nach vieljähriger Anwesenheit, könne er n i ch t m e y r jo schreiben. Es tauchen immer neue Rätsel auf, je tiefer man eindringe. — Und S i r Robert Hart, dessen Standbild an hervorragender Stelle am Bund in Shanghai steht, der erfolgreiche Organisator des chinesischen Seezolles, soll gesagt haben: Nach fünf Jahren habe er geglaubt, China und den Chinesen zu kennen, nach 15 Jahren sei es ihm zweifelhaft geworden, nach 35 Jahren habe er gewußt, daß man es als Europäer niemals voll kennen und verstehen könne.
Die Japaner haben also Peking und Tientsin nicht mit Waffengewalt genommen — was sie ohne Zweifel leicht hätten tun können. Weshalb nicht? Vielleicht um der unangenehmen Komplikationen mit den großen Gesandtschaftsbesitzungen willen? Vielleicht um sich ein wirklich ener- gisches Stop! der Großmächte zu ersparen?? Vielleicht um die ewigen Kulturschätze Pekings nicht durch die Kämpfe zu zerstören und sich damit mit einem Fluch für lange Zeit zu beladen??? Oder einfach, weil sie ihr großes Ziel: im Norden Chinas zu behalten, was sie wirklich brauchen können und dann allmählich die freundwillige Führung des vierhundert Millionenoolkes der Chinesen zu übernehmen, weil sie dieses Ziel so besser erreichen zu können glaubten?
Genug! Der Waffenstillstand ist geschlossen, die Linien der Militärs und der neutralen Zone sind abgesteckt. Verhandlungen können beginnen. Beinahe sieht es aus, als ob nun eine gewisse Klarheit herrschte und man in Ruhe die weitere Entwicklung abwarten könne.
Dem ist aber keineswegs fo. Neue Rätsel und Fragen türmen sich auf. Nehmen wir einmal an, daß'es gelänge, die großen Massen chinesischer Trup- pen, die, zum Teil völlig demoralisiert, aus den fruchtlosen und verlustreichen Kämpfen (seit Beginn der Feindseligkeiten mit Japan im September 1931 beklagt die Nankingregierung den Verlust von über 200 000 Soldaten!) nach Süden strömen, fest zu- sammenzuhalten, ohne daß es zu erneuten örtlichen, mutwilligen Kämpfen mit Japanern kommt. Oder zu ähnlichen Zwischenfällen, die den Japanern sofort Vorwand zu erneuten „ernsten Maßnahmen" bieten müßten. Nehmen wir das also an. Es bleiben zwei Faktoren, die die nun beginnenden diplomatischen Verhandlungen zunächst aussichtslos erscheinen lassen.
Der erste Faktor besteht in den 40 bis 50 „G e n firn le n", die sich um den in Kalgan sitzenden Feng V u Hsiang, den sog. „christlichen" General und Oberquertreiber, geschart haben, unter der äußeren Parole: F o r t s e tz u ng des Wider st an des
gegen die Japaner, zweifellos aber mit dem eigentlichen Zweck: Ausschaltung der Macht der Zentralregierung in Nord-China. Es ist nicht zu empfehlen, diese Bewegung leicht zu nehmen. Freilich, die Bewaffnung dieser Truppen im Norden ist nicht glänzend, und es fehl: ihnen an Einfuhrhäfen oder sonstigen Gelegenheiten, sie durch- greifend zu verbessern. Aber man sehe sich den General Feng, früheren Kriegsminister der Nankingregie- rung, und seine Truppen in Kalgan einmal an. Er ist eine Bärengestalt mit einem undurchdringlichen Gesicht, in dem sich Klugheit und Energie, Verschlagenheit Humor und Brutalität paaren; zweifellos ein Mordskerl, der bei feinen jungen Truppen abgöttisch verehrt wird und dabei selbst, im Gegensatz zu den meisten anderen, völlig bedürfnislos, vorzügliche Disziplin durch Beispiel und rücksichtsloses Durchgreifen hält. Es dürfte für Nanking nicht leicht fein, mit ihm wirklich fertig zu werden, auch wenn, was wohl noch nicht ausgemacht ist, — Japan ihn nicht heimlich unterstützt! Mit dieser neuen Gefahr muß man erst fertig werden, bevor man mit den Japanern einwandfrei über den Norden Chinas verhandeln kann.
Lind der zweite Faktor ist die Stimmung im Lande über den Verlust der nördlichen Provinzen. Kabinettspolitik hinter verschlossenen Türen kann die Zentralregierung nicht treiben. Die Kantonregierung, die Südchinesen mit ihrem I
Ein Vortrag von
In der Neuen Aula der Universität fand gestern abend wieder ein Vortrag im Rahmen der politischen Schulungsabende der Gießener Studentenschaft gehalten, statt. Die Aula war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Eine stattliche Anzahl Dozenten nahm teil. Der Führer der Gießener Studentenschaft stuck, jur. H. I. Adam hieß die Herren Professoren und die Kommilitonen herzlich willkommen. Der Vortrag des Abends bedeute ein neues Moment im Rahmen der politischen Schulungsabende; es werde ein Gebiet behandelt, dessen weittragende Bedeutung der Student in seiner ganzen Totalität erfassen müsse.
Der Vortragende des Abends, Prof. Dr. Kuhn, sprach nach kurzen einleitenden Betrachtungen über das Verhältnis der Dozentenschaft zu den Studenten über das Thema „Der deutsche Student und die Rassenhygiene".
In der Hygiene unterscheide man drei verschiedene Gebiete. Man spreche von allgemeiner Hygiene, der Jndividualhygiene (von der möglichst viele Menschen im Einzelnen erfaßt werden müßten), deren Höhepunkt die Seuchenlehre und die Seuchenbekämpfung seien. Dank der erfolgreichen Seuchenbekämpfung sei seit dem Jahre 1870 die Sterblichkeit wesentlich gesunken. Ein heute geborenes Kind habe berechtigte Aussicht 10 Jahre länger zu leben, als ein Kind um und vor 1870 geboren. Mit dem Aufblühen der Industrie, mit der zunehmenden Zusammenballung vieler Menschen in Großstädten und in den Industriezentren, habe die soziale Hygiene einsetzen müssen. Sie habe in der Fürsorge ihren bedeutsamsten Aus- druck gefunden. Die Form der ausgebauten Fürsorge für die Minderwertigen habe sich aber vom rassenhygienischen Standpunkt aus als unzweckmäßig erwiesen. In den letzten Jahrzehnten sei immer mehr die eigentliche Rassenhygiene in den Vordergrund getreten.
während soziale Hygiene Hygiene nur für bestimmte Schichten des Volkes bedeute, sei die Rassenhygiene Hygiene für die Volksgesamtheit und alle kommenden Geschlechter.
neuen eigenen Auswärtigen Amt, predigen schärfste Ablehnung jeder Anerkennung von Mandschukuo, jeden Rachaebens Japan gegenüber. Sin bequemes Wittel für sie, um dem unerwünschten Marschall Chiang Kai Chek ein Vein zu stellen. Auch dort Ausstellung von Heeren „jum Widerstand gegen Japan". Diese Truppen sammeln sich in den Südprovinzen Kwan- tung und Fukien und rücken nach Norden vor. In Richtung Hankow müssen sie durch die Provinz Kiangsi, die als die unzuverlässigste gilt und in der fortgesetzte Kämpfe gegen die „Roten" toben. Stimmung und Tatbereitschaft gegen Ch ang werden zu gewaltsamer Entladung kommen, in dem Augenblick, wo die Zentralregierung, wo der Oberbefehlshaber Chiang Kai Chek die erste Derhand- lungsvorbedingung der Japaner erfüllen: Anerkennung der Abtrennung der Mandschurei von China.
Die Lage sieht für die Zentralregierung fast verzweifelt aus. Aber auch hier ist Prophezeien unangebracht. Chiang Kai Chek hat schon ähnliche Schwierigkeiten überwunden. Er hat sehr guten politischen Instinkt; wer weiß, welchen Ausweg er am Ende auch hier wieder findet. Rur: an einer Grundlage für ernsthafte Verhandlungen der Zentralregierung mit Japan scheint es einstweilen vollständig zu fehlen. Mehr als das: man sollte glauben, daß es geschickter japanischer Diplomatie gelingen könnte, durch allseitiges Ma- növerieren ein vorteilhaftes und wichtiges Teilziel ihres ganzen Strebens zu erreichen: Zerfall Chinas in drei Teile, deren keiner zu mächtig ist, Aufrechterhaltung der Uneinigkeit, um selbst allmählich mit Sicherheit die Zügel für den ganzen Osten in die Hand zu bekommen.
Prof. Dr. Kuhn
Sie gründe sich insbesondere auf die Naturwissen, schäften. Dem ursprünglichen Gedanken eines L a - mord von der Bedeutung der Umwelt für die rassische Eigenart habe Darwin den Gedanken der „Auslese" hinzugefügt. Ja, der Darwinismus gründe sich überhaupt auf den Gedanken der Auslese. Von hier aus sei der Schritt zur Rassen- hygiene nicht mehr weit gewesen. Wenn ein Volk in feiner Gesamtheit verbessert werden solle, so müsse Auslese gepflegt werden. Leibesübung und Erziehung könnten nicht ausschlaggebend für eine Höherentwicklung sein. Der Gedanke der Rassenhygiene habe zwar in den letzten Jahrzehnten viel Boden gewonnen, noch sei aber nicht genug erreicht.
Der Geburtenrückgang trete in Deutschland immer stärker in Erscheinung. Das sei eine der betrüblichsten Tatsachen für unser Volk. Deutschlands Geburtenziffer liege heute bereits unter der Frankreichs. Berlin stehe unter allen Städten der Erde in dieser Hinsicht mit am ungünstigsten da. Das möge bezeichnend sein für die riesengroße Gefahr, die im Zurückgehen der deutschen Volkszahl bestehe, während alle wenig freundlich gesinnten Länder unserer nächsten Nachbarschaft höhere Geburtenziffern aufzuweisen haben. Hinzu komme als erschwerendes Moment, daß sich
die Asozialen in Deutschland außerordentlich vermehrt
hätten, während der wertvollere Teil unseres Volkes nur wenige Kinder hervorbringe. Rassen- hygiene dürfe unter diesen Llmständen nicht Tf^orie bleiben, vielmehr müsse sich jeder für sein Teil mitverantwortlich fühlen für die Ausartung unseres Volkes.
Die Minderwertigen müßten aus dem Blut- strom unseres Volkes ausgeschieden werden.^ Zu diesem Zwecke müsse die gesetzliche Einführung der Sterilisation gefordert werden. Sterittsation bedeute für beide Geschlechter, vom Facharzt ausgeführt, eine an sich harmlose Operation. Noch warte man auf das entsprechende Gesetz. Jeder Tag bringe neue Minderwertige. Jeder Tag ohne dieses Gesetz bedeute weitere erhöhte Belastung unserer Dolksgemeinschast. Lln- geheure Beträge müßten für die Fürsorge der Minderwertigen ausgegeben werden. _____
An der gegenwärtigen Entwicklung sei die akademische Welt durch die Llebernahme des Zwei- kindersystems mitschuldig. Schon hier müsse Rassenhygiene einseyen. Jeder wertvolle Mensch habe die Pflicht, mehr als zwei Kindern das Leben zu geben. Man müsse vom Zweikinder- zum Vierkinder-System kommen. In Verbindung damit müsse der Gedanke der Frühehe Eingang finden. Es müsse dafür gesorgt werden, daß das Studium nicht immer noch mehr verlängert werde. Langes Studium könne man sich heute nicht mehr leisten- Bei der Medizin mühten die vorklinischen naturwissenschaftlichen Fächer fortfallen, die höheren Schulen mühten das dementsprechende Wissen bereits vermitteln. Wichtig sei es, bald einen Beruf zu ergreifen, der die Gründung einer Familie ermögliche. (Lebhafter Beifall!)
Im zweiten Tell seines Vortrages beschäftigte sich der Redner insbesondere mit der
pflege der nordischen Raffe.
Er sprach zunächst von den verschiedenen begriff- lichen Definitionen der Rassenhygiene (mit der Eugenik, mit dem „wohlgeboren sein", wie es der Engländer ausdrücke). Plötz fasse unter dem Begriff Rasse den Lebensstrom der Menschheit zusammen. Der Begriff Rassenhygiene habe im Laufe der Zeit verschiedene Wandlungen mitgcmacht. Man ver- stehe darunter alles, was die „Eugenik" sagen wolle. Rassenhygiene klinge schärfer, umreiße schärfer den Sinn der Bestrebungen. Rassenhygiene von uns aus gesehen bedeute darüber hinaus vor allem die Erhaltung der nordischen Rasse.
Man unterscheide in Deutschland unter den Systemrassen den westischen (mediterranen) Menschen, den dinarischen Menschen (besonders in Süddeutschland), den ostischen Menschen (im Osten des Reiches) und in der Hauptsache den nordischen Menschen, der den größten Teil des deutschen Volkes darstelle. Nordischer Rasse seien die Griechen und ersten Römer gewesen. Völker germanischer Abkunst seien Menschen der nordischen Rasse mit all ihren kennzeichnenden äußeren und inneren Eigenschaften. Der germanische Mensch sei die Jdealgestalt des deutschen Menschen, der immer im Mittelpunkt deutschen Sinnens und Trachtens stehen müsse. Um Plötz habe sich ein Kreis geschart, der die Pflege dieses deutschen Menschen von jeher gewollt habe. Er, der Redner, sei stolz darauf, diesem Kreis anzugehören, er freue sich, daß Adolf Hitler den Gedanken des nordischen Menschen zur Verwirklichung bringe.
Der Gedanke der Erhaltung der nordischen Rasse müsse alle erfassen.
Die Blutzumischung von anderen Rassen her könne als Gewinn aufgefaßt werden, er sei es absolut aber nur dann, wenn das nordische Element mit all seinen hohen Werten das Bestimmende bleibe. Leider sehe man es ruhig mit an, wenn in Holland und in der Schweiz, wenn in den nordischen Ländern, die doch von germanischen und nordischen Menschen getragen seien, Gefahr für Deutschland völlig ignoriert werde. Das sei aber nur deshalb möglich, weil das Bewußtsein der nordischen Rasse noch nicht durchgedrungen, noch nicht Allgemeingut geworden sei. Hier erwachse der Studentenschaft eine große Aufgabe. Die Studentenschaft müsse für ihre Arbeit an der Zukunft Kämpfer für die Werte des nordischen Menschen werden. Das Ideal unseres Volkes müsse es sein, die nordische Rasse zu erhalten. Der Nationalsozialismus kämpfe einen gewaltigen Kamps für den nordischen Menschen. Das Wort „Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" dürfe nicht 'nur für die Menschen der Gegenwart Geltung haben, sondern müsse für die Zukunft wirken. Wer im Gefühle handle, daß auch auf ihm Verantwortung für die Zukunft liege, wer die weitreichende Problematik der Rassenhygiene für die Zukunft unseres Volkes und unserer Rasse erkenne, der müsse wissen, daß noch sehr viel Arbeit zu leisten sei, der sich keiner entziehen dürfe, wenn die nordische Rasse erhalten bleiben solle. (Lebhafter anhaltender Beifall!)
Mit einem kurzen Schlußwort des Führers der Gießener Studentenschaft und mit einem dreifachen begeistert aufgenommenen „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler fand der Abend seinen Abschluß.
„Der deutsche Student und die Rassenhygiene."
Alte deutsche Gaststätten.
von JRolanD Grunwald.
„Jetzt kommt die Zeit, da ich wandern muß!" so klingt im Sommer in uns die alte Melodie, die Urlaub und Reisezeit, Erholung und Genuß von Naturschönheit bedeutet. Wohin die Schritte lenken? Die Auswahl, die unser Vaterland bietet, ist so groß und sie wirkt so überwältigend. Was wollen wir aufsuchen, was können wir links liegen lassen und vielleicht für das nächste Jahr aufheben? Da wäre zunächst eine Reise auf dem Atlas zu empfehlen, die wir als Kinder so gern unternahmen. Aber das Richtige ist das auch nock nicht. Dann könnte man auch die Reisebureaus ober die Fremdenverkehrs- und Verschönerungsoereine befragen; die werden uns schon mit einem reichen Papiersegen von Katalogen und Faltblättern eindecken, damit wir unsere Entscheidung treffen. Wobei wir allerdings in die Gefahr geraten, doch wieder nur die landläufige Reise zu machen. Ist ba ein besonderer Vorschlag erlaubt? Wer die Mittel besitzt, der kann ihn aussuhren; wer zu Hause bleiben muß, wird aber auch ein gewisses Vergnügen daran haben können.
Wir wollen durch die berühmten alten deutschen Gaststätten reisen. Von einem Gasthaus zum anderen gedenken wir einen Streifzug zu machen, und da fast stets eine gehörige Entfernung zwischen den einzelnen Wirtshäusern liegt, dürften wir immer wieder zu neuen Taten bereit sein, wenn gerade der alte Rausch — der Begeisterung natürlich! — verflogen ist.
Nichts geht über die Ordnungsliebe! Das war schon in unseren Schullesebüchern und auf den Zeugnissen zu lesen! Also fangen wir im Norden unseres Vaterlandes an. Da gibt es in Königsberg in Ostpreußen das „B l u t g e r i ch t", wir finden es eingebaut in dem allen Ordensschloß. All? Du lieber Gott — ganze zweihundert Jahre steht das Lokal erst, und unter den alten deutschen Gaststätten steht es wirklich beinahe ganz zuletzt. Aber seit 1732 hat sich dieses „Blutgericht" längst einen Ruf erworben, der weit über Ostpreußens Grenzen hinausreicht. Auch in Lübeck kennt man das Haus noch, obwohl man dort auf eigene Art versorgt ist. Das einstmals von der Gilde der Seefahrer erbaute „Schifferhaus" erweist sich bei einem Besuch als eine Fundgrube für mannigfaltige Dinge. Wer
will, kann in einer sehr ansehnlichen Getränkekarte studieren. Aber wer sich damit nicht begnügen möchte, der darf auch Streifzüge durch die ehrwürdige Gaststätte unternehmen, und da findet er dieses Haus zum Bersten voll von interessanten Schiffsmodellen und überraschenden Raritäten, wie sie die Seefahrer im Laufe der Zellen angeschleppt haben. — Hamburg, die zweite Hansestadt im Verlaufe unserer Fahrt, wollen mir überspringen, obgleich sich da auch Dinge erzählen ließen... Dafür nehmen wir Bremen! Da müssen mir doch in den Ratskeller, um alsogleich uns an die besten und ältesten Dinge heranzumachen, die der Winzer je erzeugt hat. Hier läßt sich auch der ansehnlich gespickte Geldbeutel außerordentlich verändern, hier wird man dafür aber auch vom Kellermeister mit Weinchen versorgt, wie es sie kaum noch einmal in der Welt gibt. Unter den hier aufgespeicherten 600 000 Litern Wein gibt es einen Moselwein, von 1653 — da war der Dreißigjährige Krieg erst fünf Jahre beendigt. Rüdesheimer ist aus den Jahren von 1723 und 1731 zu haben, wenn man ihn bezahlen kann. Im Apostelkeller staunt man über die riesigen Fässer und bewundert darunter die „Ro,e, die als Königin aller Weingefäße M. Mit dem Dichter Hauff lassen sich hier allerlei Phantasien ersinnen und träumen.
Weiter führt die Reise gleich in die Reichshaupt- ftabt, um dem Geiste eines anderen Dichters die nötige Reverenz zu erweisen. Der Weinkeller von Lutter und Wegener muß besucht werden, damit wir an E. T. A. H o f f m a n n denken können, der hier am Gendarmenmarkt sein Stammlokal hatte, in dem er zur Verzweiflung der ehrbaren Berliner Bürger mit seinen Freunden vom königlichen Theater zechte.
Auch Leipzig wäre mitzunehmen, schon wegen Auerbachs Keller. Aber der hat heute leider qar nichts Goethisches und Faustisches mehr an sich; er verlor durch Umbauten und Veränderungen jein Gesicht. Ihren alten Ruf hat dafür die »Zeise in Jena bewahrt, eine der ehrwürdigsten Studentenkneipen, die noch heute originell wirkt wie in früheren Zeiten. Noch ehrwürdiger ist sreilich der „Schweidnitz er Keller" in Breslau, tue uralte Schankstätte des Schweidnitzer Bieres. Dieser Keller stammt nachweislich aus dem Jahre 1328, ist also gut sechshundert Jahre alt; was mag da I wohl im Laufe der Jahrhunderte zusammengetrun- 1 ken worden sein? Statistiker an die Front — viel
leicht läßt sich errechnen, daß der Atlantische Ozean oder ein ähnliches Gewässer mit den Biermengen hätte ausgefüllt werden können.
Nun einen Sprung durch Mitteldeutschland, damit wir an den Rhein gelangen. Vorher machen wir Rast in Goslar und kehren in dieser alten Kaiserstadt im „ Brusttuch " ein. Wie stattlich sieht das alte Gilden-Gasthaus aus mit feinem prächtigen Schnitzwerk! Vierhundert Jahre steht es schon, und wenn es auch in den neunziger Jahren erneuert werden mußte, so ist das doch mit soviel Sorgfalt und pietätvoller Liebe geschehen, daß mir keine Einbuße an charakteristischen Schönheiten befürchten müssen.
Nun also zum Rhein! In Godesberg suchen wir die Gaststätte der „L i n d e n w i r t i n" auf, die durch Rudolf Baumbachs Lied berühmt geworden ist. „Aennchen" selbst wirkt ja heute nicht mehr, aber ihr Lindenwirtshaus wird nicht so schnell vergessen werden. Dafür sorgen schon die Studenten, die immer wieder hierher ziehen. Ebenso bekannt ist allen Rheinreisenden die „Kron e" in Aß- mannshausen, ein Gasthaus, das einstmals eine Dichterklause war. Scheffel kehrte hier ein mit dem löblichen Vorsatz, sich Absolution von der Sünde zu trinken, solange nicht am deutschen Rhein gewesen zu sein.
Weiter geht es rheinaufwärts, und dann zum Neckar nach Heidelberg. Das Schloß fiel der französischen Zerstörungswut zum Opfer. Aber erhallen geblieben ist uns der „Ritte r", ein Renaissancebau von wundervoller Gestaltung, der im Jahre 1592 erbaut wurde. Die Studenten halten ihm die Treue, und die Besucher von Heidelberg lassen die historische Gaststätte nicht aus.
In Nürnberg ist vor allem das berühmte „Brat» ro u r ft g l ö cf l eJ zu nennen, das allerdings vor einigen Jahren schwer unter Brandschaden litt. An der Kirchenmauer finden wir das kleine Häuschen, und da hat es wohl auch schon Hans Sachs entdeckt, denn bereits um 1487 wird die Gaststätte in der Chronik erwähnt, und auch der Hinweis fehlt nicht, daß die Bratwürste hier zum Nürnberger Biere besonders gut schmecken. Uebrigens — jedes frisch zum Anstich kommende Faß wurde durch eine Glocke angekündigt, daher wohl auch der Name. Hans Sachs mag hier nicht so ost Gast gewesen sein wie im „G olbenen Posthor n", das er in seinem „Krämerskorb" ausdrücklich erwähnt hat.


