Ausgabe 
13.6.1933 Erstes Blatt
 
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Gegenwart unter dem TitelDie Kleinstadt* zelt- gemäße Beachtung finden. Daß der Tanz den ihm zustehenden Anteil finden wird, versteht sich bei einem Fest der Jugend von selbst. Aber auch für die alleren Herrschaften wird für allerlei Kurzweil und für beste Verpflegung gesorgt sein. Es darf erwartet werden, daß die Beteiligung aller Bevolkerungs- kreise wiederum Ausmaße annimmt, wie sie von früheren gelungenen Sommerfesten her rühmlichst bekannt sind. (Siehe heutige Anzeige.)

** 3 u r Beachtung bei Auslandreisen. Aus Berlin wird mitgeteilt: Wie bekannt, bat die österreichische Regierung in letzter Zeit besonders scharfe Maßnahmen gegen die nationalsozialistische Bewegung getroffen. Diese Maßnahmen haben auf deutscher Seite Anlaß gegeben, die Ausreise nach Oesterreich zu beschränken. Im Zusammenhang damit darf daraus aufmerksam gemacht werden, daß in der Schweiz, in Dänemark und in Litauen ganz allge­meine und für alle in- und ausländischen Vereini­gungen geltende Verbote bestehen, Parteiuniformen oder Parteiabzeichen zu tragen. .Deutsche, die nach diesen Ländern reisen, seien zur Vermeidung von Un­annehmlichkeiten auf diese Bestimmungen hinge- wiesen.

Der Schuß Verletzung erlegen. Der 12jährige Heinrich L a u n s b a ch aus Reiskirchen, der vor einigen Tagen mit einer Schußoerletzung oberhalb des Auges in die Chirurgische Klinik ein- fieliefert werden mußte, ist heute morgen den er- Ittenen Verletzungen erlegen. Der bedauernswerte Knabe wurde beim Spiel mit einer Stteinfaliber- buchse verletzt.

Dom Neubaugerüst abgestürzt. Heute vormittag ereignete sich bei den Neubauten an der Licher Straße ein schwerer Arbeitsunfall.

Dort stürzte der 48 Jahre alte Maurer Heinrich Schwalb aus Albach vom Gerüst eines Neubaues ab und blieb mit schweren Verlegungen an der Un- fallstelle liegen. Die sofort herbeigerufene Freiwil­lige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verbrachte den bedauernswerten Mann nach der Chirurgischen Klinik, wo er mit Kops- und Schulterverletzungen darniederliegt.

" Ferien-Sonderfahrten in die bayerischen Alpen. Das hiesige Hapag- Reise-Bureau Kreger veranstaltet in diesem Sommer zusammen mit dem Mitteleuropäischen Reise-Bureau Frankfurt a. W. eine Reihe von Sonderfahrten nach Oberbayern und in das bayc- rische Allgäu. Die Hinfahrt wird jeweils an Samstagen, die Rückreise jeweils an den Sonntagen der nächsten Woche angetreten. Cs werden ab­wechselnd die Plätze Kochel am See, Oberammer- fiau und Sonthofen in den Allgäuer Alpen be­ucht. Bon diesen Plätzen haben die Teilnehmer prächtige Ausslugsmöglichkeiten. Die Teilnehmer­preise sind sehr zeitgemäß gehalten. Prospekte sind im Hapag-Reise-Bureau, Seltersweg 89, erhältlich. Aus die heutige Anzeige fei hinge­wiesen.

Polar- und Nordkapfahrten des Norddeutschen Lloyd. Mit dem Erholungs­reisendampferGeneral von Steuben" und dem PassagierdampferSierra Cordoba" veranstaltet der Norddeutsche Lloyd Bremen in den Monaten Juli bis August eine Polar- und drei Nordkapfahrten. Auf derPolarfahrt werden u. a. die gletscherreichenBuchten Spitzbergens besucht. Die drei Nordkapfahrten führen in die einzigartige Fjordwelt des südlichen und nörd­lichen Teils der Westküste Norwegens. (Näheres siehe Anzeige!)

Kampsbund für den gewerblichen Mittelstand.

Gestern abend hielt die Ortsgruppe Gießen des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand im Cafs Leid eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab. In Vertretung des Ortsgruppenleiters des Kampfbundes, Herrn Soldan, erösnete und leitete Dr. Kopp die Versammlung. Der Abend solle, so betonte er, nicht ein langes Referat bringen, sondern aus einer freien Aussprache heraus An­regungen geben für die weitere Arbeit des Äampf- dundes.

RreidfampfbunMeifer Schimmel

ergriff sodann das Wort zu grundsätzlichen Ausfüh­rungen. Es sei ein Trugschluß, so führte er u. a. aus, wenn man glaube, die Wirtschaft mache die Politik Tatsache sei, daß die Politik die Wirt­schaft mache. Die Wirtschaft sei ein sehr empfind­liches Instrument. Es gebe heute schon wieder Un­zufriedene und Nörgler, denen gesagt werden müsse, daß die neue Regierung so schwere Aufgaben über­nommen habe, daß sie so leicht und allein program- malisch nicht zu lösen seien. So falle es sehr schwer, die Steuer zu senken, obwohl man sich darüber klar sei, daß von dieser Seite her dem Mittelstand ge­holfen werden müsse. Das gegenwärtige Steuer­aufkommen werde aber gebraucht, da ja alle In­stitute verschuldet übernommen werden mußten. Es gelte, die Schulden nach und nach abzutragen. Warenhäuser und Konsumvereine könnten auch nicht so ohne weiteres geschlossen werden, wie es der Einzelhändler wünsche, da durch die Sanierungs- Politik des früheren Systems noch viel staatliches Kapital in diesen Unternehmungen stecke. Diese Un­ternehmungen müßten erst allmählich abgewickelt werden. Kritik an den bisherigen Maßnahmen der Regierung werde allerdings nur von denjenigen-ge­übt, die noch vor einem halben Jahre im Lager der Systemparteien gestanden hätten. Der Kampf­bund für den gewerblichen Mittelstand habe eine schwere Aufgabe vor sich, denn seine Mitglieder müßten erst lernen, nationalsozialistisch zu denken. Innerhalb des Kampfbundes im Reiche seien ver­schiedentlich llebergriffe geschehen, die unterbunden werden mußten die aber meist absichtlich geschehen eien, um den Kampfbund des gewerblichen Mittel- »andes der NSDAP, zu diskreditieren. Insbeson- >ere seien wilde Kampfbünde entstanden, die sich chädigend auswirkten, die aber nicht das geringste mit bei] Kampfbundorganisationen der NSDAP, zu tun hätten.

Die Maßnahmen deS Kampfbundes der RSDAP. hinsichtlich der Handelskammer hätten sich, entgegen aller Kritik bestimmter Kreise, als richtig erwiesen. Die neue Regierung habe bisher schon Außerordentliches geleistet. 3n der Folge müsse der gewerbliche Mittelstand straff organi­siert werden, nachdem sich dieser Stand bisher stets gegenseitig zerrieben habe. Bei den geschlos­senen Angestelltenverbänden habe sich die Gleich­schaltung wesentlich leichter vollziehen lassen, als in den Organisationen des Mittelstandes, in denen meist gar nicht alle Derufsangehörige vereinigt gewesen seien. Der Kampfbund betrachte es als eine seiner wesentlichen Aufgaben, den Stand und die Fachschaften klar zusammenzusassen. Roch be­finde man_ sich in einer Liebergangszeit. 3n der Zukunft dürfe eS aber nicht möglich sein, daß es zu Submissionsblüten komme, die zu berechtigten Klagen Anlaß geben. Es müßten Tarife geschaffen werden, $u denen sich jeder Gewerbetreibende be­kennen müsse. Es gehe auch nicht an, daß immer nur ein geringer Teil der Handwerker oder der Gewerbetreibenden organisiert sei. Eie alle müß­ten zusammengesaht werden, damit eine Basis ge­schaffen werde. Leider sei zu befürchten, daß sich diese DasiS nicht aus dem freiwilligen Entschluß deS einzelnen schaffen lassen werde. Unter Um­ständen müsse die Zusammenfassung des gewerb­lichen Mittelstandes auf dem Wege eines Zwangs­zusammenschlusses erfolgen, denn es gehe nicht mehr, daß immer nur ein kleiner Teil von Tätigen die Kastanien für die anderen aus dem Feuer hole. Der Kampf und die Arbeit gelte nicht einem Bruchteil, sondern der Gesamtheit unseres Boltes. (Lebhafter Beifall!)

Oie Aussprache.

Aus der Versammlung heraus wurde von Schlosser- meister Nachtigall zur wahren Solidarität unter ben Berufskollegen aufgerufen. Es bürfe nicht mehr nur basWir!" und basIhr!" geben, fonbern nur noch basWir!" In seinen weiteren Ausfüh- rungen beschäftigte sich ber Redner mit Einzelhei­ten des Submissionswesens unb seiner trüben Er- scheinunaen. Er befürwortete bie Schaffung klarer Tarife. Ieber, so schloß er, müsse dazu beitragen, daß der Kampfhund des gewerblichen Mittelstandes ein Mittel werde, das Handwerk zu fördern und zu schützen.

In weiteren Ausführungen eines anderen Red­ners wurde betont, daß ber Handwerker nicht im­mer allein an ben unliebsamen Verhältnissen im Submissionswesen schuld sei. Ein Teil ber Schuld treffe auch die Behörden, denn von dieser Seite fit viel gesündigt worden.

Kreiskampfbundleiter Schimmel betonte in diesem Zusamenhang, daß auch in der Arbeit der Behörden Wandel geschaffen werden müsse; das könne aber nur allmählich geschehen. Das Unwesen in der Submission liege immer wieder in ber man­gelhaften Organisation bes Mittelstanbes begrün­det. Sobald die Berufsstände klar organisiert feien, würden auch Standesgerichte geschaffen, die allen Maßnahmen auf diesem Gebiete ben nötigen Nach- bruck unb Rückhalt verleihen.

Angeregt würbe ferner, baß bie Meisterprüfungen schärfer gehanbhabt werben sollten. Herr Sch im - m e l wies antroortenb auf ben Befähigungsnach­weis hin.

Im weiteren Verlaufe ber Aussprache wurde eine Entschließung angeregt, in der eine personelle Aen- derung im Reichswirtschaftsministerium gefordert werden sollte. Eine derartige Entschließung zu fas­sen hielt Kreiskampfbundleiter Schimmel für überflüssig, da schon die Initiative bes Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler zu gegebener Zeit bas Notwenbige veranlassen werbe.

Schlossermeister Nachtigall forderte bie Ju­gend an die Front. Er betonte ferner, daß es nicht so bleiben könne, daß immer ein Teil der Hand­werker und Gewerbetreibenden säe, dagegen alle ernten wollten.

Herr Horst sprach kurz über bie Lage im Einzel- handel. Er wies darauf hin, daß der Angestellte stets sein Existenzminimum verlangt habe, bann aber, wenn er sich felbftänbig gemacht habe, dem Gewerbe seines ehemaligen Arbeitgebers unlautere Kontur- renz mache. Allerdings sei es notwendig, daß sich der Kaufmann manchmal etwas mehr anftrenge, er müsse wachsamer und leistungfähiger sein, sich alle Mühe geben, feine Kundschaft zufrieden zu stellen, damit es nicht nötig sei, baß ber Kunbe, wie es oftmals ge­schehe, nach Frankfurt fahre, um bort seinen Bedarf zu decken. Der Kaufmann habe die Pflicht (insbeson­dere bei Submissionen) exakt zu rechnen. Er müsse dabei auch seine eigne Streit bewerten, wie sie be­wertet zu werden verdiene. Es bestünden in Gießen Abmachungen, bie bie Gewährung eines Rabatts verbieten. Diese Abmachung bürfe nicht burchbrochen werben. Nach einem Zwangszusammenschluß werde man wohl mit einer schärferen Handhabung dieser Abmachungen rechnen müssen. Dann werbe sicherlich auch jener Geschäftsmann Disziplin lernen, ber heute noch biefe Abmachungen ignorieren zu können glaube. (Beifall.)

Nachdem der Versammlungsleiter noch auf einige Voraussetzungen für die Arbeit des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand hingewiesen hatte, wurde die Versammlung mit einem dreifachenSieg- Heil!" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler sowie mit dem gemeinsamen Gesang bes Horst-Wessel-Liebes geschlossen.

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

* Wiefeck, 13. 3uni. Die Firma August Loh, Wieseck, begeht morgen den Tag ihres 25jährigen Bestehens. Das Geschäft wurde im 3ahre l£03 im Hause Turnstrahe 1 gegründet. 3m 3ahre 1911 wurde der Reubau in der Grabenstraße bezogen, der vor drei 3ahren zu einem modernen Geschäftshause umgebaut wurde.

k. Hungen, 12. Juni. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 361 Tiere aufgetrieben. Es wurden bezahlt für bis sechs Wochen alte Ferkel 13 bis 15 Mark, sechs bis acht Wochen alte 16 bis 18 Mark, acht bis zehn Wochen alte 19 bis 21 Mark, zehn bis dreizehn Wochen alte 22 bis 25 Mark. Der Handel war flau; es verblieb Ueberftanb.

Wettervoraussage.

Der Tiefdruckwirbel, der die letzten Tage bas reg­nerische Wetter brachte, hat sich westwätts nach dem Kanal verlagert. Nach Deutschland ragt ein Keil hohen Druckes von Norden her vor, so daß die Luft- massen zum Absinken gebracht werden. Infolgedessen kommt es zeitweise zu Aufheiterung, wobei die Son- nenstrahlung Temperaturanstieg verursacht. Da aber der Luftdruck noch ziemlich niedrig ist unb auch keine einheitliche Lustbewegung besteht, ist bie Möglichkeit zu Gewitterstörungen gegeben.

Aussichten für Mittwoch: Feuchtwarmes, teils aufheiternbes, teils bewölktes Wetter, Neigung zu Gewitterstörungen.

Aussichten für Donnerstag: Freund- liches und warmes,, aber noch nicht ganz bestän­diges Wetter.

Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 13 Grad Celsius, abends 11,2 Grad; am 13. Juni: morgens 9 Grad Celsius. Maximum 15,3 Grad, Minimum 5,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 16 Grab; am 13. Juni: morgens 12,5 Grab. Niederschläge 4,9 nun. Sonnen- fefjeinbauer 3% Stunden.

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