Ausgabe 
13.6.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Das Echo her Eröffnungssitzung in London.

Für den englischen Premierminister war die Eröffnung der Londoner Konferenz, die sein Werk ist, ein Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit, die er um so mehr auf internatio­nales Gebiet verlegt hat, je mehr die innere Politik Englands von anderen Männern und Kräften bestimmt wurde. Dank seiner starken rhetorischen Begabung vermochte Macdonald mit seiner Eröffnungsrede dieser Versammlung von nüchternen Rechnern und Tatsachenmenschen einen idealistischen Schwung zu geben, der hoffentlich noch nachwirken wird, wenn in den Ausschußsitzungen über konkrete Maßnahmen ver­handelt und beschlossen werden soll.

Von positiven Anregungen konnte Macdonald der Konferenz nicht viel auf den Weg geben. Er muhte beginnen mit einem Hinweis auf die noch ungelöste Kriegsschuldenfrage, die gleich zu Beginn der Konferenz zeigt, daß ihr Gelingen von Faktoren abhängt, auf die sie keinen Einfluh hat. Der amerikanische Senat, mit dem Roosevelt vergeblich um die Vertagung gekämpft hat, erschien in dieser Stunde wiederum als der wirkliche Schiedsrichter der Situation. Macdonalds zwiespältige Stellung als Freihändler in einer protektionistischen Regie­rung zeigte sich in seinen wirtschaftspolitischen Ausführungen, die in der Verurteilung der Autarkiebestrebungen gipfelten, ohne einen Aus­weg in anderer Richtung anzuzeigen. Der Fest- stellung, dah eine kleinliche Politik diese Krise nicht lösen wird, mühte man für die ganze Dauer der Konferenz gröhte Beachtung wünschen.

Es wäre gut gewesen, wenn Macdonald noch deutlicher darauf hingewiesen hätte, daß auf der Konferenz nur d: e gemeinsamen Schwie­rigkeiten bekämpft, nicht aber von einzelnen Ländern Sondervorteile errungen werden sollen. Gerade England hat in letzter Zeit bei den ver- schiedensten Verhandlungen seinen wirtschaftspoli­tischen Egoismus bewiesen, der mit der immer ver­kündeten Notwendigkeit des Ausammenarbeitens nicht vereinbar ist. Eine alte Konferenzerfahrung sprach Macdonald aus, wenn er vor rein theoretischen Erörterungen warnte. Tatsächlich besteht die Gefahr, daß sich die Konferenz in Allgemeinheiten verliert und daß die Teilnehmer, anstatt sich näher zu finden, sich immer weiterauseinander-

reden. Alles was durch eine zweckmäßige Regie geschehen kann, scheint Macdoyald aufbieten zu wol­len, um die Konferenz vor einem solchen Ergebnis zu bewahren, das Schicksal der Abrüstungskonferenz hat aber erwiesen, daß mit äußeren Mitteln der Mangel an Uebereinstimmung auf die Dauer nicht ausgeglichen werden kann.

tim die Währungsstabilisierung.

Verhandlungen der Bankgouverncure.

London, 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Gouverneure der Zentralbanken Großbritanniens, Frankreichs und Amerikas hatten eine Aussprache, die, wie Pertinax demDaily Telegraph" berichtet, bei den drei Teilnehmern einen günstigen Eindruck hinterlassen haben soll. Alle drei schienen sich einig zu sein über die Zweckmäßigkeit einer baldigen Stabilisierunyder Währungen, die vom Goldstandard losgelöst worden sind. Allerdings hege man in vielen Kreisen Bedenken, ob die Befug­nisse des amerikanischen Gouver- neurs Harrison ausreichten, um Bindungen einzugehen. Man denke daran, daß Präsident Roose­velt ihn bezüglich der Aufgabe des Goldstandards durch Amerika nicht um Rat gefragt habe. Außerdem habe Harrison keinen Hehl daraus ge- macht, daß bei einer Stockung der Aufwärtsbewe- gung der Warenpreise in Amerika die Regierung in Washington keine andere Wahl habe, als d e n D o l - lar weiter absinken zu lassen, um die Preise höher zu treiben.Financial News" sagt: Die Amerikaner schienen alles andere als eine baldige Stabilisierung zu wünschen. Auch die britischen Dele- gierten hätten es nicht sehr eilig. Nur Frank- reichdrängeaufbaldigeSchritte, scheine aber mehr bereit zu sein, die Stabilisierung durch Worte als durch Taten zu fördern. Der Bericht- erstatter desMotin" zitiert in diesem Zusammen­hänge folgende angebliche Aeußerung des Gou­verneurs der Bank von England: ,Jch kann nicht meine Karten a u f d e ck e n und mit irgend jemanden verhandeln, der e i n e P i st o l e i n der Tasche hat. Wer diese Pistole hat, möge sie hervorziehen und auf den Tisch legen." Er habe damit sagen wollen, so fährt das Blatt fort, daß Amerika sich eindeutig äußern solle, ob es den Dollar stabilisieren wolle oder njcht.

meriebeamten Oesterreichs einen Tagesbefehl ausgegeben, in dem es heißt:Die Ereignisse der vergangenen Zeit, besonders der letzten Tage, haben deutlich bewiesen, daß die NSDAP, in Oesterreich eine staatsfeindliche, das Volk und das öffentliche Wohl schwer schädigende Tätigkeit ausübt und mit gesetzwidrigen Mitteln arbeitet. Es geht ietzt um das Wohl, um die Existenz unseres Volkes/

Oer Landesinspekteur der ASOAP. Habicht in Linz verhaftet.

Cin), 13. Juni. (IDIB. Funkspruch.) Der Lan- desinspekteur der NSDAP, in Oesterreich, Reichs­tagsobgeordneter Habicht ist nach Mitteilung des Ministers für die öffentliche Sicherheit in Linz ver­haftet worden. Als die Polizei nach Mitternacht in das Wohnhaus des Landesinspekteurs Habicht ein­dringen wollte, fand sie alle Eingänge ver­schlossen. Dem Einlaß begehrenden Polizeibe­amten erklärte Habicht, dah er nur der Gewalt weichen werd«. Darauf wurde ein Schlosser ge­holt, der die Tür aufbrach. Dann wurden Habicht und einige Parteigenossen, darunter sein Sekretär Steinert, der ebenfalls Reichsdeutscher ist, ver­haftet und ins Linzer Polizeigefangenenhaus ein­geliefert. Die Haussuchung verlief ohne Ergebnis.

Oie Universität Graz erneut geschloffen.

Graz. 12. Juni. (WTB.) Die Wieder­eröffnung der Universität gab heute erneut Anlaß zu Kundgebungen national­sozialistischer Studenten in der Rähe der Burg und im Inneren der Hochschule. Sie schlugen Plakate mit Inschriften gegen die Regierung an und verlangten, dah die für heute festgesetzte Vereidigung der Professoren nicht vorgenommen werde. Auf dem Dach der Uni­versität wurde eine Hakenkreuzfahne gehißt. Die Eingänge der Universität wurden mit Tischen und Bänken versperrt. Studenten der Theologie wurden in einem Hörsaal eingeschlossen und in eine Art Schutzhaft genommen. Die Vorfälle haben den Rektor, der am Rachmittag die Ver­eidigung der Professoren vorgenommen hat, ver­anlaßt, die Universität neuerlich zu sich ließ en.

Alfred Rosenberg zu den Vorgängen in Oesterreich.

Wien, 13. Juni. (TU.) Der Chefredakteur des Völkischen Beobachter". Alfred Rosen­berg, nimmt u. a. wie folgt zu den letzten Ereig­nissen in Oesterreich Stellung:

Was sich im Augenblick im unglücklichen Oester­reich abspielt, ist von einer geradezu er­schütternden Tragik, die wir scheinbar bis zur Reige auskosten müssen. Mit allen Mitteln des französischen außenpolitischen Drucks, jüdischer Geldmacht, marxistischer internationaler Hetzpro­paganda hat sich die sogenannte Christlich- Soziale Partei gegen Grohdeutsch- land, gegen den deutschen Gedanken an sich ver­bündet. Es scheint sogar, daß die christlich-soziale Regierung nunmehr vollkommen unter alljüdi- fchem Einfluß zugunsten dunbler Habs­burgischer Pläne arbeitet und noch weiter zu gehen gewillt ist, als selbst die Tschechen: Sie will die RSDAP. in Oesterreich ver­bieten und auflösen. Eine große Kluft tut sich nunmehr aber doch auf zwischen der volks­feindlichen christlich-sozialen Regierung und dem österreichischen Volke selbst. Deutsch-Oesterreich be­findet sich im schwer st en Schicksals- kämpfe und das ganze deutsche Volk sieht voller Erwartung und Hoffnung auf die Länder des österreichischen Staates, weil von dort aus sich bereits eine aktiv eGegenwehrgegendas in den Händen des schwarz-roten Regiments befindliche Wien erhoben hat. Wir wissen, daß trotzdem der deutsche Cha­rakter in seinem glutvollen Erwachen s i ch auch in Oesterreich durchsetzen und daß der Tag der inneren Freiheit von dem korrupten System auch für unsere österreichischen Brüder kommen wird.

Der Grenzunfug in Oberschlesien. Engländer überzeugen sich von den Aus­wirkungen der Grenzziehung.

Breslau, 12. Juni. (CNB.) Dieser Tage hielt sich hier eine Gruppe englischer Parla­mentarier auf, die das hiesige Konzentra­tionslager besichtigten, wo sie den Eindruck gewannen, daß zu berechtigten Klagen keinerlei Anlaß vorlag. Am nächsten Tage wurde eine Grenzbereisung im Abschnitt Namslau Groß-Wartenberg Neu-Mittelwalde vorgenommen. In Groh-Wartenberg gab der Land­rat an Hand von Kartenmaterial eine anschauliche Schilderung von den Nöten dieses durch die Grenz­ziehung besonders hart oetroffenen Kreises mit rein deutscher Bevölkerung. Großen Eindruck machte es, als der Landrat darauf hinwies, daß die rück­sichtslose Durchführung der Bestim­mungen über den Grenzverkehr seitens der Polen eine Fahrt nach dem benachbarten Grenz­dorf zeitraubender und umständlicher gestaltet als etwa eine Reise von Dover nach Calais. Einen be­sonders krassen Fall sinnwidriger Grenzgestaltung stellte auch ein Mühlengrundstück dar, dessen Mühl­teich auf polnischem Gebiet liegt, während die Müh­lengebäude in Deutschland stehen. Stillgelegte Eisenbahnstrecken, die von der deutschen Grenze ab nach Polen hinüber von Gras überwuchert sind, abgebrocheneBrücken und von der Grenze durchschnittene, ehemals leb­haft benutzte und jetzt verödete Verkehrs- st r a ß e n redeten eine beredte Sprache. Eine große Wirkung übten auch die Schilderungen der Grenz- anlieger über die ihnen durch die Grenzziehung zu- gefügten Schäden aus.

Sitz des Parieivorstands der SPO. in Oeuischland.

Berlin, 10. Juni. (DDZ. Funkspruch.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion trat am Samstagvormittag im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen, um über die politische Lage und insbesondere über die bei einigen Parteistellen erörterten Pläne zur Verlegung des Sitzes desParteivorstandesinsAuslandzu beraten. Den Vorsitz in der Fraktion übernahm Reichstagsabgeordneter L ö b e, da die Vorsitzen­den Wels und Dr. B r e i t s ch e i d sich im Aus­lande aufhalten. In der sechsstündigen Sitzung, an der auch die in Berlin anwesenden Mitglie­der des sozialdemokratischen Parteivorstandes teil­nahmen. wurde beschlossen: Der SitzdesPar-

leivorstandes ist in Deutschland. Fer­ner wurde beschlossen, wegen der Freilassung der in Schutzhaft befindlichen Mitglieder der Partei bei der Regierung vorstellig zu werden.

Oie ständische Eingliederung des Handwerks.

Vorschläge

für eine Reichshandwertsordnung.

Berlin. 12. Juni. (ERB.) Reichswirtschafts­minister Dr. Hugenberg hatte dem General­sekretär des Deutschen Handwerks- und Gewerbe- kammertaoes Dr. Mensch (Hannover) den Auf­trag erteilt, einen Entwurf über die Reichshand­werksordnung rorzulegen.

Der Aufbau der Standesorganisation vollzieht sich nach dem nunmehr ausgearbeitenen Entwurf, zu dem die Reichsregierung noch in keiner Weise Stellung genommen hat, auf fachlicher Grundlage. Die Derufsgenossen des Hand­werks auf der Seite der selbständigen Meister und Betriebe werben in Pflichtinnungen und die in den Betrieben beschäftigten Gesellen und son­stigen Arbeitnehmer in P f l i ch t ge s e li­sch a f t e n zusammengeschlossen. Entscheidend ist aber nicht nur die Schaffung dieser beiden auf Pflichtzugehörigkeit ihrer Mitglieder aufgebauten Säulen, sondern die verbindende Gemeinschafts­arbeit in einer Gemeinschaftsvertre­tung, die die BezeichnungQl m t erhalten soll. Etwaige Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat die Schlichterkammer bei der Handwerkskammer zu entschei­den. Sowohl das Amt als auch die Schlichterkam­mer werden paritätisch besetzt werden.

Die Innung unterliegt der Aufsicht des Be­zirksfachverbandes, in der Beschwerde­instanz der Handwerkskammer, der Bezirksfach­verband unterliegt der Aufsicht des Reichs­fachverbandes, in der Beschwerdeinstanz dem Reichs st and des Deutschen Hand­werks.

Die berufs ständische Vertretung ob­liegt den Handwerkskammern, die für ein bestimmtes Wirtschaftsgebiet (W i r t - schaftsprovinz) errichtet werden. Träger der Handwerkskammern sind die im Wirtschafts­gebiet vorhandenen Dezirksfachverbände und Be­zirksgesellschaften.

Auf diesem Organismus baut sich der Reichs st and des Deutschen Hand­werks als ständische Spihenkörper- schäft des gesamten deutschen Handwerks auf. Der Reichsstand übernimmt die Verpflichtung gegenüber dem Staat und der Reichsregierung, oie volkswirtschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Funktionen des deutschen Handwerks in den Gesamtrahmen der Wirtschaft und des Staates einzuordnen.

Oie kurhessischen Pfarrer zur Reichs- bischofsfrage.

Kassel, 13. Juni. (WSN.) In Hephata fand ein von 176 hessischen Pfarrern be­suchter Konvent statt, in dem über die der­zeitige kirchliche Lage und die Umgestaltung der jetzigen Verfassung beraten wurde. Als Ergebnis der Beratungen wurden zwei Telegramme abge­sandt. Das an den Reichsbischof von Bo­de lschw in gh gerichtete hatte folgenden Wort­laut:Von 176 in Treysa versammelten kurhessi­schen Pfarrern versichern 161 dem Reichsbischof ihre treue Gefolgschaft und erbitten ihm Kraft und Weisheit, daß er in Verbindung mit dem bei den Deutschen Christen vorhandenen Erneuerungswillen und unter Abwehr aller reaktionären Widerstände das Werk der Kirche treibe." Ein anderes Telegramm ging an W e h r k r e i s p f a r r e r Müller und lautete:Erhoffen sehnlichft Einigung mit Reichs­bischof von Bodelschwingh zur Erneuerung der Kirche (Unterschrift 166 kurhessische Pfarrer)." Die große Persammlung war von dem stärksten Willen getragen, sich in die heutige Volksbewegung voll yineinzustellen und durch eine, den heutigen Bedürf­nissen anaepaßte Verfassung der kurhessischen San» deskirche den Rahmen für eine einheitliche und ge«

segnete kirchliche Arbeit im Dienste unseres Volkes zu schaffen.

Oie ostpreußische pfarrerschast zur Reichsbischofsfrage.

Berlin, 12. Juni. (CNB.) Wie das Bureau des Wehrkreispfarrers Müller mitteilt, haben die Deutschen Christen auf einer Ver­sa rn rn l u n a der o st preußischen Pfar­re r f d) a f t in Königsberg, auf der von 500 Pfar­rern nahezu 200 erschienen waren, folgenden Antrag eingebracht: Es wird ein unabhängiger Ausschuß eingesetzt, der binnen zehn Tagen un­tersucht, ob D. v. Bodelschwingh rite vocatus (rechtmäßig) berufen ist a) in kirchenmäßiger Hin­sicht, b) nach dem moaus procedendi von Loccum, c) nach Treu und Glauben. Bis zur Klärung die­ser Frage hat jeder Kampf um die Person des Reichsbischofs proet contra zu unterbleiben.

Nach gründlicher Aussprache, an der der persön­liche Mitarbeiter D. v. Bodelschwinghs, Pfarrer Stratenwerth, und der Mitarbeiter von Wehrkreispfarrer Müller, Lic. Vogelsang, teil­nahmen, wurde wie weiter mitgeteilt wird der Antrag der Deutschen Christen mit etwa zwei Dritteln der Stimmen abge­lehnt. Die Deutschen Christen verließen darauf unter Protest die Versammlung.

Oer neue amerikanische Botschafter in Berlin.

Washington, 10. Juni. (WTB.) Präsident Roosevelt hat der Reichsregierung den Gelehrten William Eduard D o d d als Berliner Botschafter vorgeschlagen und seine Ernennung dem Bundes­senat zur Bestätigung vorgelegt. William Ed. Dodd ist 1869 in Rord-Carolina geboren, hat in Leipzig unter Lamprecht studiert und dort 1603 seinen Doktor der Philosophie gemacht. Seit 1903 ist er Professor für amerikanische Geschichte an der Uni» versität Chikago. Dodd spielt eine füh­rende Rolle im engeren Kreis der Demokrati­schen Partei. Er spricht gut deutsch und ist be­kannt für sein stets korrektes und sachliches Ur­teil in allen außenpolitischen Fragen. Seine Berufung bedeutet ein Zeichen ehrlicher Freund­schaft Roosevelts für Deutschland.

Gründung der hessischen Bauernschast.

WSN. Darmstadt, 12.Juni. Die Landes­führergemeinschaft deutscher Bauern i n H e s s e n war heute von dem Landesbauernführer Staatskommissar Dr. Wagner nach Darmstadt in den Sitzungssaal des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft einberufen worden. Es wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt:Die Landesführergemein­schaft deutscher Bauern in Hessen, bestehend aus den Führern des Hessischen Landbundes, des Hessischen Junglandbundes und des Reformbundes der Guts­höfe, wird zu der Hessischen Bauernschaft umgebildet. Der Führer der Hessstchen Bauernschaft ist der Landesbauernführer Dr. Wagner (Darm­stadt), sein Stellvertreter der Landtagsabgeordnete Seipel (Fauerbach v. d. H.). Es wird ein Vorstand gebildet, dem außer den vorgenannten Herren an­gehören: Dr. v. Helmolt (Nieder-Wöllstadt) als Führer der Altbauernschaft (bisher Hessischer Land­bund, Alt-Landbund), Rob. Schmidt (Steinheim) als Führer der Jungbauernschaft (bisher Hessischer Junglandbund), Gutspächter Otto Raabe (Mönch- Hof) als Führer des Reformbundes der Gutshöfe. An de« Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg wurde folgendes Telegramm gesandt:Die Hessische Bauernschaft, die zu 90 v. H. nationalsozialistisch gewählt hat, bittet durch ihre in Darmstadt versammelten Führer, dem Reichsbauern­führer Darr6 die Leitung des Reichsernährungs­ministeriums zu übertragen.

Daten für Dienstag, 13.Juni.

1525: Vermählung Martin Luthers mit Katharina von Sora; 1846: Karl Ferdinand Friedrich von Nagler, preußischer Generalpostmeister, gestorben; 1886: König Ludwig II. von Bayern im Starnberger See verunglückt; 1915: Sieg Mackensens über die Russen in Galizien.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Volks-, Berufs- und Betriebszählung.

Bon der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben:

Die Erfahrungen der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom Jahre 1925 haben gezeigt, dah die Eintragungen in die Haushaltungslifte, den Fragebogen der Volks- und Berufszählung, häufig mangelhaft oder ungenau sind. In be­sonderem Maße gilt das für die Antworten auf die Fragen nach dem Beruf und die Fragen nach dem Betrieb, in dem der Beruf ausgeübt wird.

Als Beruf werden häufig allgemeine oder Sammelbezeichnungen, wie Arbeiter oder An­gestellter, eingetragen, die die beabsichtigte ein­gehende berufliche Aufgliederung nicht ermög­lichen. Als Hauptberuf sind also nicht all­gemeine Angaben oder Sammelbezeichnungen ein­zutragen; die Berufstätigkeit ist vielmehr so eingehend wie möglich zu bezeichnen, z. B. nicht Metallarbeiter, sondern Stahlgießer, Metalldrücker usw-, nicht Angestellter, son­dern Kassierer, Buchhalter, Stenotypistin usw.

Um die vorgesehene betriebliche Gliederung durchführen zu können, ist außerdem anzugeben, zu welchem Geschäftszweig (Branche) die Firma des Arbeitgebers gehört. Auch auf diese Frage werden oft von den Arbeitern des gleichen Be­triebes ungenaue Antworten erteilt, die vonein­ander abweichen, oder nicht mit den Angaben übereinstimmen, die der Leiter des betreffenden Betriebes in die Gewerbekarte (den Fragebogen der gewerblichen Betriebszählung) einträgt. Der Geschäftszweig der Firma oder des Betriebes ist also genau zu bezeichnen, z. B. nicht Ma­schinenfabrik, sondern Rähmaschinenfabrik, Fa­brik landwirtschaftlicher Maschinen usw-, n ich t Hüttenwerk, sondern Eisenhütte, Kupferhütte usw.

Bei Unternehmungen mit verschieden­artigen Geschäftszweigen ist außer­dem der Geschäftszweig (Branche) der Betriebsabteilung anzugeben, also z. B. Steinkohlenbergwerk oder Kokerei oder Gießerei einer Eisenhütte.

Um zu verhindern, daß solche fehlerhaften Eintragungen häufiger Vorkommen und dadurch den Wert der Zählungsergebnisse beeinträchtigen, wäre es sehr zweckmäßig, wenn kurz vor dem Stichtag der Zählung in allen größeren Be­trieben durch Bekanntmachung (Anschlag) die ge­samte Belegschaft (Arbeiter und Angestellte) über die richtige Beantwortung der Fragen nach dem Beruf und nach dem ^Betrieb belehrt würde.

OaS Amtsgeheimnis ist zu wahren.

Dom Kreisamt Gießen wird uns ge­schrieben:

Es besteht Veranlassung, nochmals darauf hin­zuweisen, daß bei der am 16. Juni stattfinden­den Volks-, Berufs- und Betriebszählung über die ' bei der Zählung über die Persönlichkeit des Ein­zelnen, sowie über die Verhältnisse der einzelnen Grundstücke und Betriebe gewonnenen Nachrichten das Amtsgeheimnis zu wahren ist; sie dürfen nur zu statistischen Arbeiten, nicht zu an­deren Zwecken, etwa in steuerlicher Hinsicht, benutzt werden.

Wer eine Frage, zu deren Beantwortung er auf Grund des Gesetzes über die Volks- usw. Zählung oder der zu seiner Durchführung oder Ergänzung erlassenen Bestimmungen verpflichtet ist, wissentlich wahrheitswidrig beantwortet, oder wer sich weigert, eine solche Frage zu beantworten, wird nach § 7 des Gesetzes mit Geld st rase bis z u 150 Mark bestraft.

AuSstellungalterhessischerTöpferwaren

Dom morgigen Mittwoch, 14. Juni ab, bis vor­aussichtlich zum 21. Juni, wird in den Räumen des Reuen Schlosses am Landgraf-Philipp-Platz eine Ausstellung hessischer Töpferwaren gezeigt. Es handelt sich hierbei um Arbeiten alter hessi­scher Gefähkunst, die starkem Interesse begegnen dürfte. Auch plastische Kunstwerke handwerklicher Herkunft werden gezeigt. Insgesamt wird der Besucher etwa 1200 Originalarbeiten vorfinden, die sich ihm in universellem Formenreichtum prä­sentieren werden. Die Ausstellung ist an Werk­tagen in der Zeit von 9 bis 18 Uhr und an Sonntagen in der Zeit von 11 bis 17 Uhr ge­öffnet. Auf die heutige Qlnzeige sei besonders auf­merksam gemacht.

Borrrotizerr.

Jageskalender für Dienstag. TD.: Augustiner", Monatsversammlung. Turnverein von 1846: 21 Uhr, Vorstandszimmer der Turnhalle, Steinstraße, Besprechung der Teilnehmer am Deut­schen Turnfest. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Eine Frau wie du" mit Liane Haid und Georg Alexander.

Gictzcner Wochenmarktpreise.

Gießen, 13. Juni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120 bis 130, Kochbutter 100 bis 110, Matte 25, Wirsing (grün) 15, Bohnen (grün) 45, gelbe Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 12, Römischkohl 8 bis 10, Spargel 30 bis 40, Erbsen 35, Mischgemüse 10, Tomaten 50, Kartoffeln (alte) 3 (pro Zrntner 2 bis 2,20 Mk ), (neue) 12 bis 15, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 10, Stachelbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 40 bis 70, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfd.; Tauben 50 bis 60, Käse 4 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Blumenkohl 20 bis 60, Oberkohlrabi 8 bis 10, Salatgurken 30 bis 40, Salat 5 bis 12 Pf. pro Stück; Radieschen 5 bis 10 Pfennig pro Bund.

Sprechstunden des Kreis schul- amts Gießen. Die Sprechstunden beimKreis- schulamt Gießen find auf Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr festgesetzt. Die Schulvorstände haben sämtlichen Lehrkräften hier­von Kenntnis zu geben. Das Kreisschulamt weist noch daraus hin, daß alle wegen Besuch bei dem Kreisschulamt ausfallenden Stunden stets vor- oder nachgehalten werden müssen.

* * Abendandacht. Für die evangelischen Studenten findet am Mittwoch. 14. Juni, 20 Uhr, ein- Andacht in der Kapelle auf dem Alten Friedhof statt. Die Ansprache hält Studentenpfarrer Surfer

* * Sommerfest der Gießener Stu­dentenschaft. Man schreibt uns: Das alljähr­liche beliebte Sommerfest findet am Sonntag, dem 18. Juni, wiederum in der Volkshalle statt. Die Vor- bereitungen zu dieser großzügigen Veranstaltung werden in Gemeinschaft mit der Gießener Studen­tenhilfe getroffen, zu deren Gunsten das Fest abge- i halten wird. Ein großes und vielseitiges Programm | wird geboten werden, insbesondere werden szenische 1 Darstellungen aus deutscher Vergangenheit und