Ausgabe 
13.6.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 155 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Dienstag, 13.3uni 1933

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Frredr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn- zeigenteil i.D.TH. Kümmel sämtlich in Gießen.

Vom Verein zum Volksbund.

Die geschichtliche Bedeutung der Klagenfurt-

paffauer VDA.-Tagung.

Don Frih Carl Badendieck.

Die große Volksdeutsche Pfingsttagung 1933, über der zunächst ein Mnftern zu stehen schien, ist nun ein im r olkspolitischen Leben hochbedeutsames Ereignis geworden. Solange der nunmehr vom Verein zum Dolksbund für das Deutschtum im Ausland umgestaltete Verband besteht, hat es noch keine Tagung von der inneren Kraft und der schwerwiegenden Bedeutsamkeit dieser Pfingsttage 1933 gegeben. Die Tagung, die innerhalb von fünf Tagen bei einer Beteiligung von 10 0C0 Men­schen von Klagenfurt nach Passau umgestellt wer­den muhte, hatte sich zwei Aufgaben gefetzt: 1. Die geistige und organisatorische Aeusormung nach innen; 2. das Bekenntnis zur gesamtdeutschen Idee, zur deutschen Einheit, zur Aufgabe des österreichisch-südosteuropäischen deutschen Lebens­raumes nach auhen. Die innere Tlmstellung batte sich in den letzten Monaten bereits vorbereitet. Die Führung des Verbandes hatte der Kärntner Freiheitskämpfer Dr. Hans Steinacher, ein militärischer und politischer Soldat im Kampf um die deutsche Ration, ein geistiger Führer von Kraft und Willen, ein Vertreter der jüngeren Welt- kriegsgeiteration übernommen. Damit hatte der Verband sich einen Führer erwählt, der von innen her aus der Arbeit und der Bewährung an die Spitze einer Organisation getreten ist, die in ihrer Zielsetzung und in ihrer bisherigen Cntwicklungs- form alle Möglichkeiten zur Schaffung eines wirk­lichen Volksbundes gab. Hans Steinacher ist es in kurzer Zeit gelungen, den DDA. mit den leben­digen Kräften der deutschen Erneuerungsbewegung in engste Fühlung zu bringen und dabei doch in r-ölliger älebercinstimmung mit den Gestaltern des neuen Deutschland die Unabhängigkeit, Tleberstaatlichkeit und den Volks- deutschen Charakter des Verbandes zu wahren, den gerade dieser Dolksbund braucht. Denn die Dolkspoliftk kann und muh sich m völliger Liebereinstimmung der Richtung manch­mal auf andren Geleisen bewegen, als die Staatspolitik und die innerpolitische Bewegung. Der bevollmächtigte Vertreter des Führers der Rationalsozialistischen Bewegung Hest, der selbst Auslanddeutscher ist, hat in einem besonderen Schreiben an den DDA.-Reichsführer diese Linie unmistverständlich festgelegt.

Hierdurch war auch die Haltung des VDA. in der österreichischen Krise gegeben. Daß der VDA. die gesamtdeutsche Idee und die Forderung der deutschen Einheit mit Leidenschaft vertritt, und daß er jede Sunde gegen diesen Geist der deutschen Einheit überall brandmarkt, ist eine Selbstverständlichkeit. In die Tagespolitik selbst hat sich der VDA. auch in Passau nicht eingemischt und wird sich niemals ein- mischen. Der VDA. hat aber gerade in Passau in einer ganzen Reihe von Vorträgen, die von den verschiedenen notwendigen Gesichtspunkten her die gesamtdeutsche Idee und die deutsche S ü d o st - Mission beleuchteten Wege zur deutschen Gestal­tung gewiesen. Es sind hier nur die Namen Pro- sessor Schussler (Rostocks Professor Spahn, Dr. Hermann U l l m a n n , Dr. Csaki (Hermann­stadt) zu nennen. Gesamtdeutsche Idee und deutsche Südostmifston durchdrangen als Forderung und Zielsetzung alle Veranstaltungen, die Frauentagung, die Weihestunde für den deutschen Südosten, die Bauerntagung, die Studenten- und Jugendtagun- gen, die Sonderberichte und Presseempfänge, die Feiern am Dreiflusteck, die Heldengedenkfeier am Domplatz, die Kundgebung und Kranzniederlegung an der Walhalla und auch den bunten vielfarbigen von nie erlebter Begeisterung umbrausten Fackel- zua und Festzug.

Die Hauptversammlung des DDA. stand von der geistig politischen oeite aus im Mittelpunkt der Tagung. Nachdem in der Stunde für den deutschen Osten ber mit hell aufflammender Begeisterung in der Stadt begrüßte bayerische Kultusmintstcr Schemm in derStunde für den Südosten" die politische Aufgabe der volksdeutschen Bewegung packend gekennzeichnet hatte und in der Hauptver­sammlung selbst der feierlich eingeholte Reichsstatt. Halter General Ritter von Epp in temperament- vollen Ausführungen die Versammlung mitgerissen hatte, nachdem die Versammlung dann einstimmig unter stürmischem Beifall die neue Führung des DDA. gesetzlich gemacht hatte, umriß Dr. Steinacher in einer langen, gedankentiefen Rede die volks- deutsche Forderung, wie sie sich aus unserer Zeit als letzte Vollendung der deutschen Revolution zwingend ergibt. Die Einheit und Ganzheit der Nation in Verteidigung und Kampf gebietet das deutsche Pflich töpfer für die am härtesten ringenden und bewährtesten Volksgenossen, die Ausländsdeutschen. DasNationale Ehren- opfer 1933", das als erste Zeichner den Reichspräsi­denten von Hindenburg und den Reichskanzler Adolf Hitler aufführt, will den Ausländsdeutschen, die den schwersten Anprall des feindlichen Auslan­des zu ertragen haben, im Sinne der Rosegger- Spende einen Rückhalt geben. Tausend Zeichner zu je 2000 Mark werden gesucht aus den Kreisen, die durch Einsicht, Weitblick, gesamtdeutsche Verant­wortung und Vermögen zur Hilfe berufen sind. Neben bas Groschenopfer der Millionen, aus denen bisher im wesentlichen die Mittel des VDA. stamm- ten, wird dieses einmalige Pflicht- und Ehrenopfer treten, dessen Ergebnis in einem Jahre bekanntgegeben wird. So zeigt der neue Volksbund, daß er sich nicht auf Worte, Zielsetzun- gen geistig oolkspolitischer Natur beschränkt, sondern daß er gerade in feiner neuen Gestalt die Tat allem voransetzt. Er bittet und bettelt nicht, sondern er fordert im neuen Geiste gesamtdeutscher Verdun-

Wachsende Spannung in Oesterreich.

Bei der Ankunft in London wurde der öster­reichische Bundeskanzler Dollfuß von einem eng- lischen Zeitungsberichterstatter befragt, wie die Aus­strahlungen der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland sich in Oesterreich auswirkten. Er hat die Antwort gegeben, daß die Folge ein inneres- C r ft arten des Patriotismus in Oester- reich gewesen fei. Das ist richtig und das ist falsch. Falsch in dem Sinne, wie es Dollfuß selbst aus- gefaßt wissen möchte. Von einer Begeisterung für dasselbständige Oesterreich" ist wirklich herz­lich wenig zu verspüren. Ein erstarkter Patriotis- mus wirkt sich auch äußerlich kräftig aus. Herr Doll­fuß hätte am 1. Mai in Berlin weilen müssen, um zu erkennen, wie das Bekenntnis der Massen zum Staat mit Fahnen, mit Singen und Klingen und mit jubelnden Menschen in Erscheinung tritt, und damit sollte er dann die Begleitumstände des seit langem marktschreierisch angekündigten Heimwehrauf- morsches vergleichen, der am Sonntag in Krems an der Donau stattfand. Ist das ein erstarkter österreichischer Patriotismus, wenn die Massen geschlossen den bewußten politischen Kampf- truppen des Staates den Rücken kehren, wenn sie die Fenster der Durchmarschstraßen schließen und ver­hängen, und wenn nur drei Häuser flaggen? Der wahrhafte Patriotismus in Oesterreich, der zur Vereinigung aller Deutschen in einem Reich drängt, wird von der Regierung Dollfuß mit den brutalsten Mitteln unterdrückt.

Da es sich um eine Bewegung, von elementarer Kraft handelt, so sind die Uebergongserscheinungen verzweifelter Ausbrüche von voreiligen Fanatikern kaum zu vermeiden. Die nationalsozialistische Partei­leitung in Oesterreich lehnt mit Recht die Verant­wortung für die Schüsse ab, die am Sonntag bei Innsbruck auf den Heimwehrführer Dr. Steidle ab- gefeuert wurden. Sie rückt von den Leuten ab, die in der Steiermark dem Landeshauptmann Rintelen eine Bombe vor den Wagen gelegt haben. Die Schuld an solchen Abirrungen des politischen Kampfes trägt eine Regierung, die ganz zu Un­recht den Anspruch erhebt, eine solche der Ruhe, der Ordnung und der Volkseinheit zu fein, die aber in Wirklichkeit als oolksfremde Diktatur der natürlichen und gefunden Entwicklung des natio­nalen Willens Steine in den Weg legt und damit die Gefahr katastrophaler Ausbrüche heraufbe­schwört. Wenn der österreichische Bundeskanzler diese Attentate zum willkommenen Anlaß nehmen möchte, um seine diktatorischen Maßnahmen zu ver­schärfen, so wird er dadurch den natürlichen Gang der Dinge nur insofern beeinflussen können, daß ruhige Entwicklungsmöglichkeiten durch revo­lutionäre Spannungen abgelöst werden. Die Schüsse und die Bombenwürfe, zu denen sich Verzweifelte oder Narren hinreißen ließen, legen Zeugnis ab von dem Fieberzustand Oesterreichs, über den Fürst Starhemberg nicht hinweg zu täu» schen vermag, wenn er die Angriffe gegen das Deutsche Reich in stets verschärfster Tonart fortsetzt.

Die NSDAP.

steht den Attentaten fern.

Eine Erklärung der österreichischen Nationalsozialisten.

Berlin, 12. Juni. (OB.) DerAngriff" veröffentlicht folgende Erklärung der öfter- relchischen Landes-Pressestelle der NSDAP.:

Die Landesleitung Oesterreich der NSDAP, er- klärt zu den Attentaten auf den Sicherheitskommis- fär von Tirol, Dr. Steidle, und den Landes­hauptmann der Steiermark, Dr. Rintelen, daß die NSDAP, selbstverständlich den 21 n -

Ischlägcn vollkommen fernsteht und weder dieUrheber noch dieläter selb st kennt. Sie mißbilligt, getreu ihrer feit Jah­ren betonten legalen Einstellung, derartige Atten­tate gleichviel, von wem sie ausgehen auf das schärfste, sieht sich aber anderseits zu der Jeftftcl- lung gezwungen, daß diese Attentate durch die Ter­rormaßnahmen der höchsten Stellen direkt provo­ziert und heraufbeschworen werden.

DieNSDAP.beionidie legale Durchführung ihres Kampfes.

D i e n , 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die (Bau­leitung Wien der NSDAP, veröffentlicht einen Ausruf, in dem sie alle Nationalsozialisten auf- fordert, vollkommen Ruhe und Disziplin zu bewahren,wir erheben den schärfsten und nach­drücklichsten Einspruch", so heißt es weiter,gegen die von einer ganzen Reihe jüdischen und judenhörigen Zeitungen gemachten versuche, unsere Bewegung mit den Spreng ft offattentaten in Zu­sammenhang zu bringen. Wir haben' den Boden des Gesetzes bisher nicht verlassen und werden es auch weiterhin nicht tun. wir

Wien, 12. Juni. (TU.) Heeresminister Vau- g o i n sprach am Montag in einer christlich-sozialen Versammlung über die Vorgänge der beiden letzten Tage und kündigte an, daß der Ministerrat am Dienstag Maßnahmen beschließen werde, für die bereits d i e Zustimmung des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß oorliege. Er selbst, der Heeresminister, habe seit einigen Wochen Hunderte von Drohbriefen von nationalsozialistischer Seite erhalten, in denen ihm die verschiedensten Todesarten angedroht worden seien. Zu dem Attentat auf Dr. Steidle führte der Mi­nister aus, es sei bereits der Besitzer des Wagens bekannt, der allerdings behaupte, daß er nicht wisse, wer mit dem Wagen gefahren sei. Jedoch sei bereits betannt, daß die Lehrjungen des Automobilbesitzers, der Automechaniker ist, Nationalsozialisten seien. Es werde sich bald Herausstellen, daß die Nationalsozia­listen den Mordanschlag gegen Dr. Steidle verübt hätten. Auch die übrigen Gewalttaten vom Montag legte der Minister den Nationalsozialisten zur Last. Er berichtete weiter, daß bei den studenti- schen Kundgebungen in der Innenstadt einer der Studenten eine Flasche mit Petroleum und Benzin weggeworfen habe, und zog daraus den Schluß, daß der Plan bestanden habe, bas Bun - d es t anzleramt in Brand z u st ecken. Der Minister berichtete bann, daß nunmehr alle braunen Häuser in ganz Oesterreich gesperrt seien. Außerdem seien in allen Bezir­ken die sog. Nazikasernen der Minister meint damit wohl d i e SA. -Heime von Polizei besetzt. Wir, sagte er, verhaften einen nach dem anderen. Der Minister besprach den Erlaß, der den Heeresangehörigen die Tätigkeit für die Nationalsozialistische Partei verbietet. Es werde den Heeresangehörigen auch verboten, na­tionalsozialistische Zeitungen zu hol- t e n, mit Nationalsozialisten in irgendeiner Weise in Verbindung zu treten und nationalsozialistische Versammlungen zu besuchen. Weiter kündigte er an, daß auch der Unterrichtsministergründliche Ord­nung machen werde". Zum Schluß seiner Rede trat

werden so wie in Deutschland ehrlich kämpsen und ehrlich siegen, heil Hitler."

Neuer Sprengstoffanschlag in Wien.

Wien, 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Aus das EinheitspreisgeschäftHaus der Klein preise" im Wiener Bezirk Favorit wurde heute gegen 2 Uhr ein Spreng ft offan- schlag verübt. Der Explosionskörper richtete am Portal, an beiden Auslagefenstern und am Keller­gewölbe starken Schaden an. Auch die Fensterschei­ben des gegenüberliegenden Hauses wurden beschä­digt. Verletzt wurde niemand. Die Polizei sucht nach zwei jungen Leuten, die als Täter in Betracht kom­men. Kurz nach dem Anschlag hatten die beiden einen in d^r Nahe des Tatortes haltenden Taxa­meter zu einer Fahrt in den dritten Bezirk ge­nommen. Der Chauffeur, dem sie verdächtig vor­kamen, wollte zunächst nicht fahren. Die Burschen sollen ihn deshalb, wo die Polizei weiter mitteilt, mit Erschießen bedroht haben. Auf der Fahrt nach dem dritten Bezirk winkte der Chauffeur einem Polizisten mit dem Taschentuch zu. Die beiden Insassen des Autos, die das Signal bemerkten, zwangen den Chauffeur zum Halten, sprangen ad und ergriffen die Flucht. Weitere Erhebungen sind eingeleitet

er dann für die Selbständigkeit Oester­reichs ein.

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In sämtlichen Bezirksgeschäftsstellen der National- sozialistischen Partei in Wien, ebenso im Adolf- Hitler-Haus fanden Haussuchungen statt. Im Adolf-Hitler-Haus hat die Polizei eine Reihe von Schriften beschlagnahmt. Die einzelnen im Hause anwesenden Personen wurden von einem Wacht- mann begleitet an den Hauseingang gebracht, eie bürsten nur ihr Privateigentum mitnehmen. Das Haus würbe auf unbestimmte Zeit versiegelt. Die Mehrzahl ber Bezirksgeschäftsstellen ist bereits ge­sperrt unb versiegelt, ebenso die SA.-Heime.

In Innsbruck wurden führende Nationalsozia­listen verhaftet. Darunter befinden sich der (Bau­leiter von Tirol und Vorarllberg, Stadtrat Franz Hofer, ferner der stellvertretende (Bauleiter Denz, der Bezirksparteileiter der NSDAP, von Innsbruck, Ingenieur U 11 m a n n, ber Standarten- sichrer Glücks sowie mehrere Innsbrucker natio­nalsozialistische Gemeinderäte; außerdem sind noch zahlreiche Führer der SA. unb SS. verhaftet. Auf bem Braunen Haus ist von Heimwehrleuten, bie bas Haus immer noch besetzt halten, bie grün-weiße Heimwehrfahne gehißt, spa- ter aber wieder eingezogen worden. Die national­sozialistischen Plakate in den Schaufenstern wurden durch Heimwehrplakate überklebt. Noch für den Spätabend erwartet man eine Reihe von weiteren Maßnahmen.

Zugehörigkeit österreichischer Bundes­beamter zur NSDAP, verboten.

Wien, 13. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der M i. n i ft e r r a t hat heute einen Erlaß genehmigt, dem zufolge die Zugehörigkeit der Bundes- beamten zur Nationalsozialistischen Partei und das Wirken für diese Partei als staatsfeindlich erklärt wird. Im Anschluß an diesen Erlaß hat der Bundesminister für Sicher­heit Fey an alle Sicherheits - und Gendar-

Eine Kampfrede Vaugoins.

Oer Heeresminister verkündet sein Llnterdrückungöprogramm.

denheit. In zwei lagen wurden bereits 18 Spen­den gezeichnet. Der Appell zur Opferpflicht wird immer wieder in Presse und Öffentlichkeit erhoben werden, bis das Ziel, der Zwei-Millio- nen-Abwehrfchag, erreicht ist. Von oolks­politischer Bedeutung war in der Hauptversammlung das Treuegelöbnis zu kameradschaftlicher Verbun­denheit, das der Führer des Deutschen Schutzbun­des, Dr. Ernst, dem Reichsführer der VDA. ab» legte. Don tiefer Bedeutung waren auch die Er­klärungen, die von den berufenen Vertretern der beiden Konfessionen als Bekenntnis zur volksdeutschen Zusammenarbeit und zur gesamtdeut­schen Verpflichtung abgelegt wurden. Durch diese feierliche Handlung wurde das Gelöbnis der Ham­burger Tagung vor zehn Jahren erneut und der Wille zur Mitarbeit der Kirchen an der DDA.-Auf- gabe zu wirkungsvollem Ausdruck gebracht.

Was fick» an Glanz und Begeisterung, an Bunt­heit unb 3ugenbfreube unb tiefer Ergriffenheit, an Lieb unb Bekenntnis in ben Mauern und Straßen der alten schönen Stabt zeigte, was hier an unmittelbarer freubiger unb bildhafter Hingabe, für bie tiefste unb heiligste Formung ber deutschen Rationalibee in Erscheinung trat, bas läßt sich in Worte nicht fassen. Eine ganze Stabt, eine beutsche Grenz- unb Schicksalsland- schaft würbe beutsches Sesamtvolk. Bon dieser Klagenfurt-Passauer Tagung werden Kraftströme ber Erneuerung ausgehen. Ein junger Tag der Volksdeutschen Geschichtsentwicklung bricht an. Der Vereinsrahmen ist gesprengt. Der Bolksbund hat sich in Marsch gesetzt, als eine der wichtigsten Sturmkolonnen des jungen nationalen Deutsch­lands, in enger unb tiefer Verbundenheit mit ben Kraftquellen des ewigen Deutschland, wie

sie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aus Seele und Geist eines Jahn, Arndt, Freiherrn v. Stein flössen, wie sie später in den Forderun­gen Lagardes und des Rembrandtdeutschen wie­der wach wurden-

Der deutschen Bolkwerdung entgegen marschiert die junge deutsche Bewegung, stolz darauf, daß ihre in einem halben Jahrhundert treuer Arbeit erkämpfte Entwicklung nun in breitem Strome in das gesamtdeutsche Leben einmündet. Aus der Tagung heraus ist ein Ders entstanden, den ein Volksdeutscher Kämpfer aus Baden ge­schrieben hat und der dem Geiste des deutschen Pfingsterlebnisses 1933 reinen Ausdruck gibt:

Heber unfern Tagen und den Rächten steht Als ein kühnes Wagen und ein still Gebet, Rls ein heilig Träumen, groß und ewig rein Wie auf Wolkensäumen golöner Morgenschein:

Volk Heil!

Vizekanzler v.papen vor den Giahlhelm-Giubenien

Raumburg, (Saale), 11. Juni. (WTB.) Vizekanzler v. P a p e n sprach bei bem Führer- treffen derStahlhelm-Stubenten über die Aufgabe ber stubentischen Jugend im Geiste der Generation von Langemarck. Er führte u. a. aus: Wenn bie akademische Jugend in Volk und Staat hineinwachsen wolle, so müsse sie sich an ben gro­ßen Aufgaben der Zeit beteiligen: vor allem an Wehrsport unb Arbeitslager. Hier möge sie in edlem Wetteifer ben Vorzug, zur gei­stigen Oberschicht zu gehören, sich verdienen. Das Hauptarbeitsgebiet des jungen Akadmni-

kers sei aber eingeistiges. Die nächsten Jahre stellten mit bem Werke der sozialen und staatlichen Erneuerung ungeheure Anforderungen an die geistige Schöpferkraft des deutschen Volkes. Sich Dafür vorzubereiten und zu schulen, fei die Haupt- Pflicht ber jungen Generation. Man solle nicht glauben, daß es keinen geistigen Kampf in Deutsch- lanb mehr geben werde. Geistiges Leben sei immer Kampf. Das wichtigste sei die unerbittliche Arbeit jedes deutschen Menschen a n s i ch selbst, insbesondere aber der akademischen Schicht. Die Jugend solle dabei am Geiste von Langemarck sich aufrichten, ber nicht nur Zeugnis von ber ungeheuren Vaterlandsliebe, sondern auch der besonderen menschlichen Haltung jener Kriegs­generation sei.

Auch die Revolution ist nichts anderes als d a s RingenumhöheresMenschentum. Dies vorzuleben, ist vornehmste Aufgabe des deutschen Akademikers. Ich weiß, daß gerade die sittliche Grundeinstellung der studentis«An Jugend sich g e- gen manche Erscheinungen wendet, bie eine Umwälzung wie bie heutige zu begleiten pflegen. Dies barf nicht zum Grunde werden, an ber großen Sache unb am Endziel zu zwei­feln. Hier hilft nur bas Vertrauen auf bie innere Gesundheit des deutschen Volkes. Dann wird auch das Edle und Demü­tige siegen unbAllzumenschliches im ge­bührenden Schatten zurücktreten las­sen. Wenn bie Langemarck-Studenten bem Wahl­spruch folgten, ben Moltke bem preußischen Ge­neralstab gegeben habe: Mehr sein als scheinen, Dann würden sie mit großer innerer Befriedi­gung ihren Anteil an bem Ringen um bie Seele des neuen Deutschlands finden.